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I-
NOV Ib ll?Ö4
Jahrbucher
des
kaiserlichen Löniglichen
polytechnischen Institutes
in Wien.
In yerbindang mit den Professoren des Institutes
herausgegeben
von dem Dtf«litor
Johann Joseph Prechtl^
h. wiffcJ. Bcficnuigtratli»» «ad Mitf U«d« »ckMrer g«lckit«i Ott«IUell«fttB*
tM»»»»»»#€tiMll
Vierter B^nd.
Mit acht Kupfertafeln, und einem Blatt Stahlabdrac^e.
Wien, 1823. '
Gedruckt und verlegt bei Carl Gerold.
I.
"--^
»r
Vorerinnerung.
Um den für diesen Band bestimmten Origi«
nai- Abbandlungen den nötbigen Raum zu yerscbaf«
feoy obne die Zahl der Bogen noch mehr eu vergrös-
Sern, war man genöthigt, den Artikel von der Ge-
schichte des Instituts , dann einen Theil der techno-
lo^schen Notizen , endlich das Yerzeichnifs der fran-»
zosischen nnd englischen Erfindungspatenie fiir das
lerne Jahr hier wegzulassen. Diese Artikel werden
in dem fünften Bande, dessen Druck bereits beginnt,
und welcher diesem vierten baldigst nachfolgen wird,
nachgetragen werden. Dieser fünfte Band wird zu-
gleich ein vollständiges Sachregister über die bisher
erschienenen fünf Bände enthalten, wodurch diese
erste Reihe der Jahrbücher ein für sich abge*
sdüossenes Ganzes bildet.
Wien, im X September i8a3.
Der Herausgiber.
Inhalt.
Salto
Voreriimenuig.
L Beschreibiuig des National • Fabriksprodukten - Kabi«
nettes am k. k. polytechnischen Institute. * Von Karl
Kmrmarseh^ As^tenten des Lehrfaches der Technologie i
Einleitung ••••••«•• i
Beschreibung des National-Fabriksprodukten-Kabinettes 9
Metallarbeiten • • • • • 9
Glaswaaren 64
Thonwaaren ....•••• 76
Holswaaren • .90
Arbeiten aus Hom, Bein, Fischbein, Schildpat etc. 94
teoh- uad Basthüte 9^
Fabrikate *aus Leinen, Baum- und Schafwolle und
Seide «100
Arbeiten aus Menschen - und Thierhaarcn «138
Papier, und Fabrikate daraus • . • • .143
Leder, und Fabrikate aus demselben • .169
Verschiedene Produkte • • «167
Verseicbni& aller inlandischen Fabrikanten, Gewerbs-
inhaber und Einsender überhaupt, von welchen
bis snm Schlüsse des Jahres i8sa Beitrage fOr
das National - Fabriksprodukten - Habinet einge-
gangen waren • • • • ' • «171
IL Abhandlung über die oberschlachtigeii Wasserrader«
Ton Adam Murg , Assistenten und Repetitor der hd-
hem Mathematik am k. k« polytechnischen Iipititute
(mit Zeichnungen auf Taf. V ) 19B
HL Zusammenstellung aller bekannten Vorrichtungen cum
Einspannen der durch Abdrehen su bearbeitenden Ge-
genstande. Von Karl Karmarsch ^ Assistenten des
Lehrfaches der Technologie am k. k. polytechnischen
Institute (mit Zeichnungen auf Taf. t, II, IV, V,
und VI ) s4i
VI
SMto
I. Von dem Einspannen auf der Drehbank • • a44
II. Von dem Einspannen auf dem Drehstulile • • 267
i
IV. Beschreibung eines neuen, leicht tragbaren, Baroskops
zum Gebrauche^ beim Böhenmesseiil, statt des Höhen*
Barometers. Vom Herausgeber (mit Zeichnungen auf .
Taf. VI) «84
Allgemeine Beschreibung des Instrumentes • • • 294
Theorie und Gebrauch dieses Baroskops • . • 295
Art und Weise, mit demselben su beobachten . • 998
Anleitung, dasselbe su verfertigen • • • • So6
V« Versuche und Bemeriiungen über den Moire metal-
}\que. Von G. jfltmOtter, Professor der Technologie
am k. k. polytec|iniscben Institute. (Als FqrtsetEung
des im ersten Bande dieser Jahrbücher« S« 94 u« f.
befindlichen Aufsataes) •••••• 3a8
VI. Beschreibung eines von dem Optiker Friedrich Voigt-
Utnder in U fen verfertigten Instrumentes, welches
bestimmt ist, die Festigkeit der Schafwolle zu messen*
Von ICarl Kar mar seh , Assistenten des Lehrfachetf'der
Technologie (mit iLeichnungcn auf Taf. IV) « • 347
• «
VII« Über Schrauben und ihre Verfertigung. Von /?# AlU
mütter^ Professor der Technologie am k. k. polytech«
nischen Institute (mit Zeichnungen auf Taf . 1« II 9
VI, VII und VIII) 363
'Einleitung • . 363
A. Über die verschiedenen Arten von Schrauben • 364
L Nach der Vorn^ der Gänge ' . • • • 365
IL Nach der Richtung der Gänge • • • 367
Beispiele von linken Schrauben • • • 368
ni. Nach der Feinheit der Gänge • , . 369
It. Nach der Anzahl der Gänge . . • 369
Beispiele von mehrfachen Schrauben . • 373
V. Schraubenähnliche Vorrichtungen • . • 377 *
B« Über die Verfertigung der Schrauben • • 378
I. Durch bloise VV^erkzeuge
!• Für metallene Schrauben
a) Schraubenbleche •.•.'• 379
b) Kluppen • . • • • 38o
c) Gesenke 399
VH
n.
9, Für li5lfteme Sebnmbmi
Mittelst der Drehbänke .
I. Gemeine Drdibenb .
9. Patronen -Drehbank • • . •
' Verfertigung der Schraobttflile
3. Grandjean't Drehbank ...
4. Drehbank mit metallenem Hegel
6. Drehbank mit einer schiefen FlSche
6* Drehbank mit beweglicher Schiene .
III. Blittelst eigener Schraubenschneidmaschinen
I. mit Leitspindel und ^
a) feststehendem Zahn . • • •
b) fortrückendem Zahn • . . •
.9. Ramaden's Maschine ohne Leitspindel
IV. Ans freier Hand • • • ^ .
C Über das Blaterial an den Schrauben »,
D. tfber einige besonder? Arten von Schrauben*
mattem ..'••• • « •
VÜL Über die Verfertigung damasairter Säbelklingen , nach
der Hethode des Herrn Professors jfnton Crivelli»
Von Karl Karmarsch ^ Assistenten des Lehrfaches der
Technologie am k. k. polytechnischen Institute. (Mit
Zeichnungen auf Taf. III , Und fünf Stahlabdrücken) «
CL Ihitersuchnngen über eine besondere krumme Linie.
Von Adam Burg^ Repetitor der hohem Mathematik
am k. k. polytechnischen^ Institute. (Mit Zeichnun*
gen auf Tat: VI) :
8mu
396
411
4i3
4ii
4a3
4s5
4«7
43i
436
446
448
449
455
463
5o8
Im Nachtrag su dem oben befindlichen Aufsatae Nro. VIII
übei^ die Verfertigung damasairter Säbelklingen . 53 1
Tf, 'Wissenschaftliche und technologisehe Notisen, ausge-
sogen aus den englischen und fransosischen Zeitfchrif*
ten. Von Earl Karmarseh^ Assistenten des Lehrfaches
der Technologie 'am k. k. polytechnischen Institute«
(Mit Zeichnungen auf Taf. I, III und IV) . .533
1) Nachricht yon den in Frankreich eingeführten
Haehemirziegen ; nebst Bemerkungen über da»
feine Wollenbaar einheimischer Ziegen, Sl 533.-^
a) Über einige Substansen, welche die Fähigkeit
besitseDf Tagetabilische Stoffe tmverbrennlich
vra
8«it«
zp. macben, S. 64i» ^ 3) Ein Mittel, die Ver*
falschung Ton Wecliseln u« dgl, bu yerhindem ,
S. 543. — 4) Neue Buchdruclierpreue , S. 644* —
5) Über Stereotypendruck , S. 644* "^ 6) -Be-
« sclireibung einer Maschine , mit welcher zu glei-
cher Zeit Eisenstangen serschnitten , und Blech-
stüche durchgeschlagen werden können, S. 569. —
7) Des Engländers T. Lane Verbesserung an
der Drehbank, S. 670. «— 8) Brücke aus Draht,
S. 571* •— 9) Verbesserungen an Krämpelmaschi-
suen, S« 573. — 10) Maschine zum Auswinden
nassör Leinwand, S. 674* — 11) Über verschie-
dene Arten von Kugelmodeln, insbesondere
« solche , bei denen das Abzwicken auf eine eigen-
thümliche Art geschieht, S. 574* «—12) Über
das Schweifsen des Gufsstahls und Oufseisens,
S. 578.«- i3) Verfertigung von Geweben aus
Fferdehaar und Holsstreifen , S. 579.— i4) Ver-
besserte Bereitung des Garbe-Extraktes, S^ 58a.—
i5) Verbesserung im Drahtziehen, S. 683, ^—
16) Verbesserung in der Verfertigung musikali-
scher Instrumente, 8. 584. "^ 17) Verbesserung
in der Typographie. 8.585« — 18) Neue Bänder
an Stubenthüren , S. 587. — 19) Neue Flachs-
lyid Hanfbrech - Maschine, S« 587* -^ so) William
Malier t Sicherheitsschlofs , S.588. — ai) Neue
Versuche über die Anwendung des Koch - und
Glaubersalzes in der Glasfabrikation, 8.599« —
aa) Englisches Verfahren, damaszirte Gewchr-
läufe zu brüniren, 8.593«— a3) Instrument zum
Anspitzen der Zeichenstifte , S« 596. — a4) Neue
. Methode , zweifarbige gedruckte Zeuge zu ver-
fertigen, 8.597. — a5) Siderographie, 8«6oo. —
a6) Neue Anwendung der Lithographie, 8« 6o5«
Xn. Verzeichnifs der in der österreichischen Monarchie im
Jahre 181a auf Erfindungen , Entdeckungen und Ver-
besserungen ertheilten Privilegien oder Patente • 607
L
Kurze BesclireibuDg des National- Fabriks-
Produkten- Kabinettes am k, k. polytechni-
schen Institute.
Von
Karl Karmarsch,
Assistenten des Lehrfaches der Technologie.
Ei n 1 ei t un'g.
D
urch die Vorsorge der Staatsverwaltung war
die indiistrielle Kultur des österreichischen Staates
schon in den letzten Jahren auf einen ungemein be-
deutenden Grad gehoben worden. Noch aber fehlte
es an einer Anstalt^ welche einen vollkommenen und
leichten Überblick über den Stand aller Fabrikations-
zweige in der Monarchie zu gewähren vermocht;
hätte. Eine Sammlung von Fabrikserzeugnissen in
Privathänden konnte diesem Zwecke um so weni-
ger entsprechen y je gröfsere Hindernisse ihrer all-
gemeinen Benützbarkeit im Wege standen. Gleich-
wohl mufste eine ausgewählte Übersicht der in dem
grofsen österreichischen Staate existirenden Fabrika-
tionszweige und ihres derzeitigen Zustandes sowohl
für den Fabrikanten und Kaufmann^ als für das gebil-
dete Publikum überhaupt von grofsem Interesse seyn.
Diesem Bedürfnisse ist durch das National- Fabriks-
Produkten- Kabinet am k. k. polytechnischen Insti-
tute vollkommen abgeholfen worden*).
*) Xachslchendcs ist die in dem allerhöchst genehmigten Orga-
Jahrb. de« poljt* Intt. IV. Bd. ^
jDas genannte Kakinet sollte , seiner Bestimmung
nach^- ein Yereinigungspunkt alles dessen seyn^ was
nisationsplane enthaltene Instrulttion ftir die Einrichtung
dieser Sammlung.
1. Dieses Kabinet soll ein IVational- Fabriksproduliteii-
Habinet darstellen, welches ssum Zwecke bat , durch die Auf-
stellung charakteristischer Muster aus sammtlichen Produk-
tionen der nützlichen Künste eine Übersicht sowohl des ge-
fenwärtigen Zustandes der Vervollkommnung in diesen Ar-
eiten, als auch des allmählichen Fortschreitens derselben,
und dadurch ein Bild der Kulturstufe des inländischen lur
dustricsustandcs «u gewähren. Das National- Fabrikspro-
dukten- Kabinet soll daher eine so viel möglicl^ vollstän-
dige Übersicht dessen gewähren , was die Kultur eines jeden
Fabrikationsfeweiges tu. einer jeden und bestimmten Zeit
auf eine ausgezeichnete Weise zu. charakterisiren vermag,
so dafs in und aus demselben zu ersehien ist, .welche Stiife
jeder" der verschiedenen Industriezweige dermahl oder bis
BU einer bestimmten Zeit erreicht habe. Zur Vergleichung
wären Atn verschiedenen Klassen der Fabriksprodukte* auch
einige der in dem betreffenden Fache vorzüglichsten auslän-
dischen Fabriksmuster beizugesellen«
s. Diese Sammlung kann dähdr blofs Musterstücke ent-
halten , d. h. solche Arbeitsstücke , welche in ihrer Ausfüh*
rune die Vollkommenheit eines bestimmten Fabrikations-
Bweiges äuszuspret^hcn im Stande sind.
3« Es ist daher an der charakteristischen Auswahl dieser
lUbinetsstücke Alles gelegen. Eine bloPse Zusammenhäut'nng
Von Exetnplaren aller fabricirten Artikel würde endlich in
ein fruchtloses und sich selbst aerstörendes Ohaos zerfallen«
4< In dieser Sammlung mufs daher das in jeder Zeitpe-
]*iod6 Vollendete und Vorzügliche dein ei'sten Blicke sich dar-
stellen j es darf nicht erst unter einem Schwall mSttelmäfsi-
ger und gemeiner Dinge mühsam und hier nur von Sachken-
neim hervorgesucht werden mibsen. Alles, was in seiner Art
nicht mustere und meisterhaft ist « oder sich durch eine be-
sondere wesentlich charakteristische Verschiedenheit oder
verschiedene Fabrikationsweise auszeichnet , und als solches
nicht die Ansicht der Vervollkommnungtstttfe in dieser Art
von Arbeiten zu geben vermag « kann daher in dieser Samm-
lung keinen Platz finden« Der Fabrikant mufs es sich zur
Ehre machen können , Wtenn Stücke seiner Fabrikation in das
National- Fabriksprodukten- Kabinet aufgenommen werden«
6« Die Produkt« der bildenden Künste gehören nicht in
dieses Kabinet«
in RücLsicfat auf die Gewerbs- Industrie des östeitei-
diischen Kaberstaates wissenswürdig ist. Es sollte
6. Die Aufstellung dp% Kabinettes geschieht im Wesentli-
eben in der Ordnung, nach welcher die empirische Techno-
logie vorgetragen wird, da diese so gewählt wird, da(s die
Kategorien am umfassendsten, und am wenigsten Wieder-
bolungen möglich werden,
7. Die Fortsetzung der Muster eines bestimmten Fabri-
liationsxweiges geschieht in chronologischer Ordnung , damit
für jedes Jattr oder jede Epoche von Jahren die Übersicht
der Fabrihationskultur rougiich werde. Jedem Stücke wird
daher die Jahrzahl und der Nähme des Fabrikanten und der
Fabrik , so daGi sie gehörig in die Augen fallen , beigefügt.
8. Zum Behufe der instruktiven technologischen Ansicht
beginnt jede Reihe eines bestimmten, in seinen verschiedenen
Unterabtheilungen geordneten und nach der Zeitfolge fort-
laufenden Fabrikcweiges zuerst mit dem roheü Materiale
in seinen verschiedenen Abänderungen , den nächsten Ver-
arbeitungen dieses Materials und der stufenweisen Entwick-
lung des fertigen Fabrikats aus demselben bis zu den vollen-
deten Mustern ^ z. B. die Reihe der Wollenfabrikate beginnt
mit den verschiedenen Sorten roher Wolle votl der gröbsten
bis zur feinsten Qualität , die Gcspinnste aus denselben u. s. w.
bis SU den verschiedenen fertigen Wollenzeugdn , wobei
die Ordnung so ceschehen kann , dafs die fertigen Fabrikate
?;leicb in der Reine der ihnen zugehörigen mehr und minder
einen Vrstoffe folgen. Auf diese Art ist dieses Habinet zu-
gleich eine natürlich bildliche und instruktive technologische
Darstellung.
9. in de> chronologischen Fortsetzung des Kabiilettes
vrerden nur solche Gegenstäilde hinzugefügt , welche sich von
den vorigen durch ihre Vervollkomninting untersdieiden. Es
erhellet übrigens schon aus dem Vorigen , dafs bei ier Aus-
wahl der Muster auf das, was in denselben Ghai'akteristiSchea
und Auszeichnendes in der Fabrikation vorhanden sey , gese-
hen iterden müsse, damit keine Anhäufung vdn Doubletten
and wenig verschiedenen Dingen erfolge.
Das Fabriksproduktdn- Kabinet soll die National- Indu-
strie in ihrer jedesmahligen höchsten Stufe darstellen, es
luinn daher in Bezug auf die Verschiederfbeit unendlich man-
nigfaltiger Muster und Nuancen einzelner Faf>rikationsarti-
kei das Besehen einer Fabriks- oder Kaufmannsniederlage, z. D.
einer grofsen Eisenhandlung , einer Tischlerniederlage, eincia
Olaswaären- Magazins, einer Kattunniederlage elc^ nicht ent-
behrlich machen wollen^
1*
aber nicht blofs den Stand dieser Industrie in einfem
gewissen Zeitpunkte kenntlich machen; sondern ea
10. Bei der Aufstellung mufs daher auch, um der Aua>
fuhrbarheit und der chronologischen Fortsetzung des Kabi-
nets nicht im Wege su stehen , auf möglichste Ratimcrspar-
nifs Rücksicht genommen werden , und es müssen daher un-
ter Mustern , die fQr einen bestimmten Fabrihationseweig
gleich charakteristisch sind , solche gew«Hhlt werden , die we-
niger Raum einnehmen«
II« Eben so mufs bei den verschiedenen Fächern der
Industrialproduktion die möglichste Gleichförmigkeit ii^ der
Behandlung und in der Auswahl der Gegenstände beobachtet
und ohne gebiethende Gründe bei dem einen Zweige nicht
mehr ins Detail gegangen werden als bei dem andern, und
als überhaupt der allgemeine Zweck es nothwendigmacht,
19. Die eigentlich chemischen Fabriksprodukte, als die
verschiedenen Farben, metallischen Präparate u. s. w. werden
nicht in diesem Kabinette, als mit dessen übrigen Theilen
disharmonirend y aufgestellt; sondern sie haben ihren Plats
in der chemischen Präparaten<^ammlung des allgemeinen che-
mischen Laboratoriums, wo sie als gewöhnliche Fabriksprä-
pärate den reinen chemischen Präparaten gegenüber stehen.
«
i3. Die Aufstellung ist überhaupt auf eine gut in die
Augen fallende, mit dem Hauptzwecke zusammenstimmende
Weise zu veranstalten , uYid jene Gegenstände , welche dem
Verstauben ausgesetzt sind , sind auf eine zweckinätsige Weise
in Glaskästen unterzubringen.
14. Fs ist die Pflicht des Vorstehers dieses Kabinets, sich
mit den Fortschritten der verschiedenen Zweige der Indu-
Btrialkultur stets in genauer Bekanntschaft zu erbalten, da-
mit das Habinet in seiner chronologischen Fortsetzung auf
keine Weise hinter den Vervollkommnungen der National-
industrie zurückbleibe.
i5. Die zum Behufe des technologischen Vortrages no-
thige Sammlung der verschiedeneu Werkzeuge theils in Na-
tur, theils im Modell macht eine eigene für sich abgeson-
derte Abtheilung des Kabinets aus , mit welcher sie sich an
das Modellenkabinet des Instituts anschliefst. In dieser Ab-
theilung werden die verschiedenen Werkzeuge in ihrer besten
und vollendetsten Konstruktion in der dem Vortrage der Tech-
nologie entsprechenden Ordnung der Handwerke aufgestellt.
16. Das Fabriksprodukten- Kabinet ist der Aufsicht und
Sorgfalt des Professors der Technologie anvertraut, dem ein
erhielt die Bestimmung , die allmählichen Fortschritte
derselben bis auf den gegenwärtigen Augenblick deut-
lich vor Augen zu legen. Es sollte zeigen , wie jeder
einzelne Fabrikationszweig nach und nach zu seiner
jetzigen Vollkommenheit gelangt ist ; zu gleicher Zeit
solhe es aber auch die Mängel nachweisen, welche in
einem oder dem andern Fache noch zu * verbessern
sind, und so dem Fabrikanten zur fortwährenden Ver-
vollkommnung seines Industriezweiges Gelegenheit
geben.
Um das dabei interessirte Publikum mit dem Be-
stehen des National- Fabriksprodukten- Kabinettes und
init dem angegebenen Zwecke desselben bekannt zu
machen , zugleich auch , um die £linscndung von Mu^
slerstücken iiir dieses Kabinet zu bewirken, wurden
die im zweiten Bande dieser Jahrbücher (S. XllI) be-
schriebenen Schritte unternommen, deren Erfolg so
bedeutend war, dafs die Sammlung schon jetzt den
Nahmea eines A^ational' Fabriksprodukien- Kabinet-
tes mit allem Rechte fuhrt.
Seit seinem Entstehen istnähmllchderReichthum
dieses Kabinettes bis auf mehr als 160Q0 Stück ange-
wachsen. Diese grofse Anzahl von Mustern aus fast
allea Fabrikationszweigen nimmt bereits vier mit Glas-
schränken versehene Säle ein, und wird bald noch
weiter ausgedehnt werden können, wenn, wie zu er-
warten steht, die Einsendungen von Seite der Herren
Fabrikanten mit derselben Schnelligkeit, wie bisher, ge-
schehen. Hierdurch ist also der Hauptzweck des Ka-
Assi-stciit und ein Saaldiencr unter dem Nahmen Aufseher
untergeordnet sind.
17. Um aufser dcnjt^nigen Gegenständen , welche dem Fa-
briksproduklen- Kabincite von den Erzcugcra selbst uncnl?
geldlich dargebracht werden, alles zur Erwcilerung und hi-
storischen Fortsetzung Dienemle nachschaffen zu können, ist
ein jährliches Vcrlagsgcld von 1000 fl. bewilliget.
binets.^ eine Übersicbi des inländischeii Kunstfleifses
SU geben, scbon gröfsten Theils erreicbt. Aufserdcm
aber erfüllt diese Anstalt nocb mehrere andere , un-
tergeordsete Zwecke , welcbe zumTbeil das Interesse
der Fabrikanten unmittelbar betreffen. Da näbmlich
die Sammlung dem Publikum zur Ansicht offen steht
und auch häufige Besuche von Ausländern erhält^ so
findet der Erzeuger, dessen Produkte hier aufgestellt
sind^ die beste Gelegenheit, durch die geringe Auf-
opferung einiger Muster seine Firma bekannt zu m^r
eben, seinen Verdiensten die gebührende Anerken-
nung , und seinen Erzeugnissen Absatz zu verschaffen.
Dieser Erfolg wird, durch das bei der Erweite-
rung des ]Cabincttes befblgte Verfahren noch ungemein
befördert; indem jedes Stück unmittelbar nach der
Einsendung vortheilhaft aufgestellt , und mit einer den
Nahmen und Wohnort des Erzeugers^oder Einsenders
tragende^ Etikette versehen wird. Um die häufig einge-
henden Nachfragen augenblicklich befriedigen zu könr
nen, wird zugleich beim Kabinette ein vollständiges Ad-r
drefsbuch über alle jene Fabrikanten und Gewerblrei-
benden gehalten , welche Musterstücke zur Aufstelr
lung eingeschickt haben ^). Endlich ist zur Erleichte- .
rung der chronologischen Übersicht darauf gesehen
worden, die früher bereits im Kabinette vorhanden ge-
wesenen Stocke durch verschieden gefärbte Etiketten
von den nach dem Jahre i8|6 eingelangten Gegen-
ständen zu unterscheiden.
Aufser den inländischen Fabrikaten ist, dem
Plane dieser Sammlung gemafs, eine gewisse (freilich
verhältnifsmäfsig viel geringere) Anzahl , meist vom Ver-
lagsgelde angeschaffler , ^nd dermahlen nahe au ioqq
Stück betragender, ausländischer Erzeugnisse aufge-
stellt worden. Pie Gründe dieser Mafsregel l^sse^ siqh
*) pi« Ansalil ^«rtclbf n bf trfi|jt icbon deriii|ib1en fibcr 909.
leicht finden. Bei manchen derselben wird das oft
nicht gegriindete Vorurtheil für ausländische Fabri-
Late am schnellsten und gründlichsten durch die Ver-
gleichung mit den inländischen widerlegt. In solchen
Fällen hingegen^ wo durch Lokal- und andere^ Ver-
hältnisse die ausländischen Produkte einen unbestreit-r
baren Vorzug erlangt haben ^ zeigt eine solche Verglei-
chung einerseits den Grad ihrer relativen Vollkommen-
heit, anderseits biethen jene Stücke dem Inländer
Muster dar , an die er sich halten , und deren Nachah-
mungen versuchen kann. Fälle, in denen Gegenstände
verschiedener Art nach den im Kabinette befindlichen
ausländischen Mustern verfertigt wurden, sind schon
so häufig vorgekommen, da(s auch die Erweiterung
dieser Abtheilimg der Samndung sehr zu wünschen ist.
Mit dem National-Fabriksprodukten-Kabinette ist
endlich noch eine Werkzeugsammlung verbunden,
die schon jetzt nahe an 3ooo Stück begreift, und de-
ren hauptsächlichste Bestimmung die Erläuterung der
tecbnologisehen Vorlesungen ist. Zu diesem Ende sind
nicht nur die im Inlande gewöhnlichen, sondern auch
eine grofse Zahl ausländischer (vorzüglich englischer)
Werkzeuge, sämmtlich in vorzüglich schön gearbeite-
ten Exemplaren, hier aufgestellt. Durch eine leicht
Torzunehmende Vergleichung wird die Güte mancher
ausländischen Fabrikate begreiflich , und der Inländer
in den Stand gesetzt, seiner Arbeit, in manchen Fäl-
len, gleiche Vollkommenheit zu geben. Diese Samm-
lung wird von Handwerkern sehr häufig benützt , da
sie ihnen bequeme Gelegenheit verschafft, sich ohne
Kostenaufwand und Zeitverlust mit den vorzüglichsten
in ihr Fach einschlagenden in- und ausländischen Er-
findungen und Verbesserungen bekannt zu macheu. r —
Der Umstand, dafs man bei den meisten Fabrikaten
zugleich die Mittel zeigen kann, durch welche diesel-
ben hervorgebracht sind, verbindet diese Sammlung
unmittelbar mit dem übrigen Theile des Kabinettes, und
8
gewährt die schnellste wissenschafUiche Belehrung.
Ihr Wer th wird endlich noch dadurch erhöht ^ dafs
durch die Anfertigung ganzer Partien von Werkzeu-
gen (z^ B. der Tischlerwerkzeuge) Arbeiter gebildet
worden sind^ bei welchen man dieselben mit einer
Sonst nicht zu erreichenden Genauigkeit erh«alten kann.
Sogrofs übrigens die gsfnze Sammlung ^ besonders
jene der eigentlichen Fabrikate ^ schon jetzt geworden
ist^ soläfstsich doch Vollständigkeit bei derselben um
so weniger erwarten^ als die Einlieferungen freiwil-
lig geschehen^ und daher einige Fächer fortwährend
ziemhch mangelhaft bleiben müssen.
Durch die nachfolgende Beschreibung des Natio-
nal-Fabriksprodukten- Kabinettes , welcbe unter den
Augen ^ und nach dcmRathe des Herrn Professors der
Technologie^ und Vorstehers dieses Kabinettes^ G. Alt-
mütter, verfertigt worden ist, hofft man einem oft
ausgesprochenen Wunsche aller Freunde der vater-
ländischen Industrie entgegengekommen zu seyn. Sie
umfafst den Zustand der Fabrikaten- Sammlung am
Ende des Jahres 18:22; doch konnten darin nicht alle
Nahmen jener Fabrikanten und Gewerbtreibenden auf-
genommen werden, von denen Beiträge eingegangen
sind , wenn der Aufsatz eine für diese Zeitschrift pas«
sende Ausdehnung nicht überschreiten sollte. Jene
bleiben daher einer später zu erscheinenden ausfuhr-
licheren Beschreibung aufbehalten.
9
Beschreibung des National - Fabriksprodukten-
Kabinettes.
I.Unter dem Reichthume des National- Fabriks-
prodaklen-Kabinettes behaupten die Met alle und deren
Verarbeitungen mit Recht den ersten Platz ^ da sie den
wichtigsten Zweig der gewerblichen Industrie über-
haupt^ und jener des österreichischen Staates insbe-
sondere^ bilden. Die hierher gehörigen Fabrikate
werden am fuglichsten in jener natürlichen Ordnung
vorgenommen^ die sich bei ihrer Ansicht gleichsam
von selbst ergibt^ und die^ obwohl keine eigentlich
systematische Zusammenstellung.^ doch nach Möglich-
keit immer vom Einfachem zum Komplicirteren fort-
schreiteL Freilich kann hierbei die Yerfertiguogsart
oder das Material allein nicht berücksichtigt werden :
im Gegentheil mufs man auch die äufsere Beschaffen-
hat der Erzeugnisse zu Rathe ziehen^ damit nicht zu
unähnliche Fabrikate sich unmittelbar berühren. Wir
machen demnach mit den rohen Metallen den Anfangs
nnd beschreiben zugleich einige einfache Verarbei-
tongen derselben; lassen hierauf die verschiedenen
Arten von Blech und Drath^ nebst den daraus verfer-
tigten Artikeln folgen;' ündschliefsen mit der Abhand-
lung einiger mehr zusammengesetzten Fabrikations-
zweige.
^. Allen übrigen in den technischen Gewerben
verwendeten Metallen lassen wir^ billiger Weise ^ das
Eisen vorangehen. Die Wichtigkeit des Eisens fiir
die mechanischen Künste^ und selbst für das gemeine
Leben braucht wohl hier nicht erst erörtert zu werden^
da es ohnediefs bekannt ist^ wie wenige Arbeiten wir
ohne Hülfe dieses unschätzbaren Metalles auszuüben
im Stande wären. Man darf sich nur auf die Noth-
wendigkeit stählerner oder eiserner Werkzeuge zur
Bearbeitung aller übrigen Metalle y . ferner des Holzes^
der Steine vl s. w. erinnern ^ um die Wahrheit die-
lO
t
ses Satzes bestätigt zu finden. Wie sehr darf sich
demnach ein Land Gliick wünschen , welches so wie
der österreichische Staat mit Eisen in unerschöpflicher
Menge und von der vorziiglichsten Güte versenen ist !
In ganz Buropa dürfte^ aufser Schweden, vielleicht
kein Reich dem österreichischen in der angegebenen
Rücksicht vorzuziehen seyn. Diegröfsten und berühm-
testen Eisenwerke sind in Steiermark und in eineoti
Theile des Königueichs Illjrrien'y aufserdem besitzen
aber auch die meisten übrigen Provinzen dieses Metall
in bedeutender Menge.
3. Das Eisen wird in den Künsten unter drei
verschiedenen Zuständen benützt : nähinlich als Roh-
oder Gufseisen , als weiches Eisen oder Stangeneisen,
und als Stahl.
Das Gufseisen (Roheisen) wird unmittelbar durch
das Ausschmelzen der Eisenerze mit Kohle in den so
genannten Hochöfen gewonnen. Fast jeder Hochofen
liefert hierbei eine andere Sorte Roheisen^ dessen
Qualität von der Beschaffenheit der Erze^ von dem
Verhältnisse der angewendeten Kohlen und von andern
Umständen abhängig ist. Man schätzt diese Gattung
des Eisens in der Regel um so mehr , je dichter und.
gleichförmiger sie im Gusse ausfälh^ und je geringer
bei gleicher Härte ihre Sprödigkeit ist. Nach dieser
Voraussetzung zu urthcilen^ mufs das Gufseisen von
einigen böhmischen und mährischen Eisenwerken dem
sonst so gerühmten steiermärkischen Eisen vorgezo*
gen werden.
Man verwendet das Roheisen theils zur Darstel-
lung des weichen Eisens , theils zu Gufs waaren verschie-
dener Art. Zu dieser letztem Verwendung ist das
Eisen tauglicher als alle übrigen Metalle , indem es nicht
nur fast immer einen sehr dichten und blasenfreien
Gufs liefert y sondern zugleich alle Züge der Formen
genau ausfüllt. Wegen dieses Umstandes ist auch das
II
Eisen eines Ton den wenigen Metallen^ aus welchen
feine Gegenstände^ z. B. Medaillen, u. dgl. gegossen
werden können^ die nach dem Gusse keiner Nach-
hülfe mehr bedürfen. Bekanntlich liefert England
unter allen Ländern in Europa die meisten Gufswaa-
TCiij doch immer nur von gröberer Art; in Rücksicht
auf das Feingiefsen sind vorzüglich mehrere Hütten-
werke in der königlich preufsischen Provinz Schlesien
berühmt. Im österreichischen Staate hat die Eiseur
gielserei zwar erst in der neuesten Zeit Fortschritte
zu machen angefangen, ist aber doch von mehreren
Fabriken bereits auf einen ungewöhnlichen Grad der
Vollkommenheit gehoben werden: so zwar, dafs grös-
sere imd massivere Guiswaaren eben sowohl als feine
Gegenstände von ausgezeichneter Güte und Schönheit
erzeugt werden.
Die vorzüglichsten unter den inländischen Eisen-
giefsereien haben dem National- Fabriksprodukten*Ka-
hinette Muster ihrer Erzeugnisse eingeschickt. Fol-
gende darunter müssen hier etwas mehr ausgezeich^
net werden:
Das Eisengufswerk Sr. Excellenz des Herrn Grafen
von Wrhna zu Horzowicz in Böhmen (Berauner
Kreis).
Eine sehr kostbare^ aus mehr als hundert Stü^
cken bestehende Sammlung vortrefilicher Gufswaaren
bezeugt die aufserordcntlich schnellen Fortschritte,
welche die genannte Anstalt durch die Liberalität ihres
aligemein verehrten Eigen thümers seit Kurzem gemacht
hat. Nicht wenige Stücke darunter kommen denPro-
dukten der berühmtesten ausländischen Giefsereien
an Schönheit und Schärfe des Gusses wenigstens gleich.
Dazu müssen , nebst andern Gegenständen y einige Mer
daillen mit Portraits^ verschiedene wie Muscheln gCT
formte Tabatieren^ eine Anzahl von Leuchtern^ ein
sehr zierliches Halskettchen ^ u. s. w. gerechnet wer^
den. Die Vorzüglichkeit der mit dem Werke zu Hör-
13
zowicz verbundenen Yorriclitungen zum Abdrehen der
Gufswaaren zeigt sich an einigen Altarleuchtern ^ und
anderen Stücken^ die auch in dieser Hinsicht nichts
zu wünschen übrig lassen. Ein 2'i Zoll hohes , von
Holz abgeformtes Kreuz ist unter andern auch darum
merkwürdige weil es ganz die Struktur des Holzes
zeigte nnd somit einen auffallenden Beweis von der
Fähigkeit des Eisens , selbst die feinsten Lineamente
einer Form auszufüllen ^ liefert. — Bekanntlich erhal-
ten Eisenwaaren, die in eisernen Formen gegossen
werden e eine bedeutende Härte , wovon die Ursache
wahrscheinlich in der schnellen Abkühlung der Ober-
fläche gesucht werden mufs. In England benutzt
man diese Erfahrung bei der Verfertigung der zum
Walzen des Eisenbleches bestimmten Zylinder , so
wie zur Erzeugung ordinärer Schneidwaaren aus Gufs-
eisen. Versuche der letzteren Art sind auch auf der
gräflich Wrbna'schen Giefserei gemacht worden. Im
Fabriksprodukten- Kabinette befindet sich eine kleine^
wahrscheinlich auf diese Art gegossene Schere, die
eine vortreffliche Politur, auch eine ziemlich harte
Schneide besitzt, und in beiden Rücksichten den eng-
lischen, Musterstücken dieser Art, mit denen man sie
hier vergleichen kann, vorzuziehen ist. — Merkwür-
dig ist endlich noch eine Zuckerzange , die, trotz der
gewöhnlichen Sprödigkeit des Gufseisens, Elasticität
genug besitzt, um sich nach Belieben zusammendrü-
cken zu lassen. Vermuthlich hat sie diese auffallende
Eigenschaft durch eine ähnliche Behandlung erhalten,
als jene ist, mit deren Hülfe man in Frankreich den
grofsen gufseisernen Geschirren ihre Zerbrechlichkeit
zu benehmen weifs , worüber aber zur Zeit nichts Nähe-
res bekannt geworden ist. — Unter den übrigen Mustern
müssen noch berührt werden: ein Paar Büsten Sr.
kaiserl. jetzt regierenden Majestät; ein sehr schön und
kunstreich ausgeführter liegender Löwe; eine grofse,
durch ein eigen thümliches, künstliches Verfahren im
Ganzen gegossene Kette ; zweischöüe, mit Laubwerk
i3
• «
verzierte Yasen; eine ähnliche Zuckerdose ; eine ovale
Platte mit erhaben erAufschrift ; ein Paar'sefajrfein gegos*
seneOhrgehänge ; ein aus kleinen Medaillons zusammen-
gesetztes Armband; mehrere Whistmarken; ein klei-
nes , aufserordentlich zierlich gegossenes Schreibzeug ;
mehrere Girandol- Leuchter u. s. w*^ die sämmtlich
den hohen Aufschwung der Fabrik auf die ausgezeich-
netste Weise beurkunden. Übrigens ist das Horzo-
witzer Eisen von so trefflicher Beschaffenheit^ dafs es
vor dem &ufs nicht erst iioch einmahl umgeschmolzen
zu werden braucht^ sondern dafs auch die feipsten
Stücke unmittelbar aus dem Hochofen gegossen wer-
den. Ganz neuerlich hat man in dieser Fabrik auch
nicht unglückliche Versuche gemacht^ gufseiseme Ge-
schirre mit einem haltbaren Email zu überziehen ; eine
Kunst ^ deren allgemeine Verbreitung auf die Brauch-
barkeit solcher Geräthe den wichtigsten Einflufs ha-
ben müiste.
Das (Tit) landgräfiich von Fürstenberg* sehe Eisen-
^o/swerk zu Neu- Joachimsthal in Böhmen (Be-
rauner Kreis). '
Von dieser Anstalt besitzt das Kabinet mehrere
sehr ausgezeichnete Gufswaarcn, unter denen eine
Sammlung von vierzig schönen Medaillons y den herzog-
lich lothringischen Stammbaum vorstellend y so wie eine
zwei Fufs hohe Büste Sr. Erlaucht des Herrn Land-
grafen Egon zu Fürstenberg vorzüglich bemerkt zu
werden verdienen. Das letztere Stück ist besonders
auch dariun merkvmrdig , weil man sich zu seiner Ver-
fertigung einer Sandform bedient hat, ein Verfahren,
welches zwar für die gewöhnliche Erzeugung ähnli-
cher Stücke mit zu vielen Schwierigkeiten verbunden
seyn würde, durch welches aber zugleich diese Büste
eben einen grofsen technischen Werih erhält. — Ein
ovales , !23 Zoll grofses Medaillon, mit dem Portrait
Seiner kaiserl. jetzt regierenden Majestät, spricht beson-
ders durch trefiende Ähnlichkeit und durch eine ganz
»4
tadelfireie Ausführung des schwierigen Gusses 'den
Kepner an.
Die £• k. Ararial- Eisengiefserei zu Maria -Zell in
Steiermark (Brucker Kreis).
Diese Giefscrei ist Torzüglich durch die Ausfüh-
rung gröfserer Maschinentheile berühmt. Das in der-
selben erzeugte Eisen hat den Vorzug einer grofsen
Festigkeit^ und läfst sich aufserdem , seiner beträcht-
lichen Weichheit wegen ^ leicht feilen ^ und auf an-
dere Art bearbeiten. Man findet im National- Fabriks-
produkten <- Kabinette viele Muster aus dieser Fabrik
aufgestellt, worunter nur einige der vorzüglichsten
ausgehoben und hier etwas näher besprochen wer-
den können. Das gröfste Stück ist eine 7 Zoll dicke,
^4 ZtoU lange , und ^78 Pfund schwere, zur Kattun-
Appretur bottimmte Walze. Die Verfertigung solcher
Walzen ist um so schwieriger, da sie, um ihrem
Zwecke zu entsprechen, vollkommen rund und ganz
gerade seyn müssen: zwei nur mit grofser Mühe
zu erfüllende Bedingungen. Unter den kleineren
Stücken bemerkt man eine Sammlung rein gegossener
Medaillons, mehrere durchbrochene Verzierimgen u.
s. w. Seit der letzten Zeit besitzt die Fabrik auch sehr
genaue Vorrichtungen zum Drehen, die für die wei-
tere Verarbeitung der Gufswaaren von grofscm Nutzen
sind. Als Proben einer solchen Verarbeitung sind dem
Kabinette zwei hohle offene ZyUnder von Beträchtli-»
eher Gröfse übergeben worden. Der erste hat einen
Durchmesser von i3 Zoll, und eine Lance von 22 Zoll;
der andere ist 32 Zoll weit, und 17 ZoU hoch : beide
sind von innen und aufsen genau abgedreht , und kaum
X Linie in der Wand dick. Nicht weniger Aufmerk-
samkeit verdient ein kleiner Ring, deralsDosenschlufs
gebraucht werden kann., und bis zu der geringen Dicke
eines J^apierbogens abgedreht ist, — » Wenn man das
Gesagte zusammen fafst , so kann man nicht umhin,
die vortheilhafteste Meinung von der innern Einrieb«
i5
taug der Fabrik^ die unter der geschickten Leitung
des eben so thätigen ak kenntniisreichen Herrn Hipp^
mann steht ^ zu/assen.
Eisengiefserei des (Tit.) Herrn Alt -Grafen Hugo
Ton Saint zaBlansko ia Mähren (Brünner Kreis).
Die Gnfswaaren dieser Anstalt werden va Maschi-
nen- Bestandtheilen wegen der Weichheit des Eisens
und der grofsen Genauigkeit des Gusses gern gesucht,
hn Jahre 1 8 19 hat der Herr Eigenthümer dieses Gufs-
werkes ein ausschliefsendes Privilegium erhalten auf
eine Art^ Rohren für Wasserleitungen u. d. gl. zu gies«
sen. Die Haiiptschwierigkeit hei der Verfertigung
solcher Rohren besteht in der geringen Neigung^
wdche das Eisen gleich allen Metallen besitzt^ sehr
lange und engeHönlungen der Forcen YoUständig aus-
luKUen. Gufseiserne Röhren^ die man freUich frü-
her schon erzenste , hatten aus dieser Ursache immer
sehr dicke Wände ^ und konnten daher nur um einen
nnferhaltnifsmäfsig hohen Preis geliefert werden. Die-
ses Anstand hat man hier auf eine sehr sinnreiche
Art zu beseitigen gewufst^.so^ dafs die geringe Dicke
ein Hauptverdienst der erwähnten Röhren ausmacht^
wie die Ansicht der imNational- Fabriksprodukten- Ka-
binette aufgestellten Muster beweiset. — Als ein wahre»
Konststuck der Eisengiefserei mufs ein zum Absperren
dsemer Kommunikationsröhren bestimmter Hann er-
irihnt werden^ der mit höchster Genauigkeit ausge-
filirt ist. — Vor längerer Zeit wurden zu Blansko
auch eiserne Dachschindeln gegossen ^ von denen das
Fabriksprodukten- Kabinet ebenfalls mehrere besitzt.
Sie sina von der Gröfse der gewöhnlichen Dachziegel,
aber Ton einer unbedeutenden Dicke. Ihre Anwen-
dung scheint jedoch mehrere Hindemisse gehabt zu
haben, da man gegenwärtig die Erzeugung dieses Ar-
tikeb wieder au]^egeben hat.
Das National- Fabriksprodukten* Kabinet besiut
i6
aufser den inlädidischen Erzeugnissen dieser Art eine
Sammlung schöner Eisengufswaaren von dem königlich,
preufsischen Hüttenwerke zu Gleiwitz in Schlesien^
so wie einige Stücke englischer Gufswaaren^ durcli
deren unparteiische Vergleichung die Produkte inläii'-
discher Giefsereien ganz und gar nicht in Schatten
gestellt werden. Unter den englischen Mustern ins-»
besondere mufs ein schöner^ verzinnter^ mit Ventil
versehener Kochtopf erwähnt werden^ der, seiner
zweckmäfsigen Einrichtung wegen ^ für kleine und
grofse Haushaltungen Empfehlung verdient. Ebenso
ist eine Kafiehmühle zu bemerken^ die zwar ganz or-
dinärer Art ^ aber doch defs wegen interessant ist'^ weil
der ganze untere Kasten derselben aus einem einzigen
Stücke besteht. Jedes Stückchen daran ist gegossen,
selbst die Schrauben [nicht ausgenommen y welche die
einzelnen Theile zusammen zu halten bestimmt sind.
Welch ein Gegenstück zu den gegossenen Magazinen
und Brücken ^ denen der Kuostfleifs in der neuesten
Zeit das Daseyn gegeben hat!
4- Das Stangeneisen (Schmiedeisen ^ Frischei-
sen) ist^ in der Regel ^ das Produkt einer mit dem
Roheisen vorgenommenen zweiten Schmelzung^ wo-
bei dasselbe jener fremden Bestandtheile^ welche seine
Sprödigkeit verursachen^ beraubt wird. Es ist immer
um so besser^ und wird um so mehr geschätzt^ je
gröfser seine Dehnbarkeit, und je weicher und gleich-
förmiger es ist, weil diese drei Eigenschaften es vor-
züglich zu allen Verwendungen brauchbar machen.
Die Gestalt, unter welcher das Schmiedeisen im Handel
gewöhnlich vorkommt, ist die von Stangen, welche
nach dem Zwecke , wozu sie bestimmt sind, verschie-
dene Formen haben, und abweichende Nahmen füh-
ren. Die Verfertigung dieser Stangen geschieht in
der Regel mittelst des Hammers, in einigen Fabriken
aber auch durch gewisse Maschinen , welche aus Wal-
zen bestehen, und weit schneller arbeiten. Diese letz-
'7
tere Methode verdankt man den Engländern ; sie ist
aber bereits auch auf dem gräflich Egger'schen Eisen-'
werke in Kämthen eingeführt worden.
Die österreichische Monarchie erzeugt das meiste
nnd beste Stangeneisen in dem nördlichen Theile
von Steiermark und in Kämthen y welche beide
Provinzen fast alle übrigen Erbländer versorgen- Un-
ter den inländischen Hammerwerken, welche demNa-
tional-Fabriksprodukten-KabinetteMuster ihrer Erzeug«
nisse eingeschickt haben , verdienen nachstehende
besonders ausgezeichnet zu Werden :
Das Hammerwerk Seiner Durchlaucht des fieirn Für*-
»ten FFlIhelm von Auersperg, zu Hof in lUjrrien
(Meustädtler Kreis).
Das Hammerwerk auf der k. k. Bankäl - Herrschaft St*
Qßrtrud in Kämthen (Klagenfurther Kreis)^
Diese Anstalt hat mehrere Zentner Stabeisen der
jbesten Qualität zur Aufstellung eingeschickte
Das Hammerwerk des Fr4 von Eggenwald ^ bei Leo-
ben m Steiermark 0iT\i(Aiev ILx eis) i
Mehrere gute Muster von Streckeisen, die be-
sonders defswegen Aufmerksamkeit verdienen, weil
sie mit rohen (unabgeschwefelten) Steinkohlen, de-
ren Anwendung bei der Eisenmanipulation sonst grofse
Schwierigkeiten macht, bereitet sind.
Das Werk des Herrn Grafen Ferdinand von Egger f
zu Lipitzbach in Kämthen (Klagenfurther Kreis)^
Von dieser mit vollem Recht berühmten Anstalt^
die eine der wichtigsten ihrer Art in der Monarchie
ist, besitzt das National -Fabriksprodukten-Kabinet
eine schöne Sammlung von gev^alztem Fafsreifeisen,
welches sich durch äufsere Schönheit und durch Güte
gleich vortheilhaft auszeichnet. Die einzelnen Stücke
lakrK d. poljrt. Intt. IV. Bd. 2 ^
i8
haben lo bis i5 Fufs in der Länge ^ \ bis 5f Zoll in
der Breite^ und sind durchaus von genau gleicher
Dicke. Diese Fabrik hat auch Stangeneisen einge-
schickt, ivelches durch eine das gewöhnliche Ver-
jähren an Schnelligkeit weit übertreffende Methode^
mittelst Maschinen , verfertigt ist.
Das Schmelz- und Hammerwerk des Herrn Obersteiner
zu Saidenhofen in Kärnthen (Yillacher Kreis).
Das Hammerwerk zu St. Sahator in Kärnthen (Kla*
genfurther Kreis).
Diese dem Herrn Bischöfe von Gurk gehörige
Anstalt hat mehrere Muster von Fafsreifen , Ringeisen,
viereckigem und rundem Stangeneisen eingeschickt,
Vielehe sämmtlich von vorzüglicher Qualität sind.
Die Lungauer Eisengewerkschaft zu Mauterndorf
in Oesterreich (Salzachkreis).
Eine Sammlung der gewöhnlichen Eiaensorten
Voü bester Beschaffenheit.
§• Die edelste Sorte des Eisens ist der Stahly
der sich vom Roheisen sowohl als vom Stangeneisen
am auffallendsten durch seine Fähigkeit, eine bedeu-
tende Härte anzunehmen^ wenn erglühend gemacht,
und (etwa durch Eintauchen in Wasser)* schnell ab-
gekünlt wird^ unterscheidet. Aufserdem ist das kör-
nige Ansehen der Bruchfläche eines seiner vorzüg-
lichsten Kennzeichen 9 und man hält den Stahl für
desto besser, je feiiier und gleichförmiger dieselbe
in das Auge fällt. Damit der Stahl zur Verarbeitung
tauge, mufs er > im ungehärteten Zustande, so dehn-
bar und zäri als möglich seyn, und keine Ungänzen
besitzen. Nach dem Hälrtcn ist aller Stahl spröde,
und zwar steht diese Eigenschaft in geradem Ver-
hältnisse mit der jedesmahligen Härte; daher besitzen
harte stählerne Werkzeuge immer die unangenebme
«9
Eigenschaft, dafs sie bei einem heftigen Widerstände
leicht abspringen oder zerbrechen.
Man unterscheidet den Stahl nach seiner Berei-
tongsart in mehrere Hauptsorten, die zwar in den
wesentlichen Eigenschaften überein kommen, sich aber
an Güte nicht gleichen , und für verschiedene Ver-
wendungen nicht in demselben Grade brauchbar
sind. Der Schmelzstahl entsteht durch Umschmel-
zen des so genannten stahlartigen Roheisens , und
wird theils als Rohstahl (MocL) zu Sensen > Ha-
cken und andern groben Schneidwerkzeugen verar-
beitet, theils durch wiederhohltes Schmieden (Ger-
ben) verfeinert, gleichförmiger gemacht^ und unter
der Benennung Gerbstahl in den Handel gebrächt.
Durch Glühen von Stangeneisen in Berührung
nut gewissen kohlehaltigen Substanzen erhält iilan den
" Zementstahl (Brennstahl), der im rohen Zustande
▼on dem Ansehen seiner mit Blasen bedeckten Ober-
ßicbe auch Blasenstahl genannt wird. — Die feinste
tind beste Sorte des Stahls ist der so genannte Gu/s-
stahl j welcher durch vorsichtiges Umschmelzen in
seiner Masse eine vollkommene Gleichförmigkeit er-
langt bat. Die Fabrikation desselben wird mit der
gröfsten Vollkommenheit bekatintlich nut* in England
ausgeübt; doch können die Verdienste mehrerer in-
ländischen Fabriken um diesen Gegenstand nicht
anders als ehrenvoll erwähnt werden. Erst seit deni
Anfange des gegenwärtigen Jahrhunderts istdieVer^
Fertigung des Gufsstahls in Oesterreich etwas allge-
meiner zur Ausfiihrung gekommen , und bei den gros-
sen Schwierigkeiten, welche sich ihr entgegen stel-
len, wird sie noch jetzt als ein Geheimnifs bötrie-
ben. Unter den Fabriken, welche eine c;röf$ere Menge
dieses Produktes liefern , müssen jene des Herrii Für-r
Sien von Schwarzenberg zö Murau in Steiermark ^
des Herrn Grafen von JSgger, endlich die der Herren
2*
ao
M.Miller in IVien und J. Gerlach zu Reichenau,
bey Gloggnitz , ausgezeichnet werden.
Ungeachtet die sämmtliche Stahlerzeugung in der
österreichischen Monarchie von höchster Bedeutung
ist y so kann doch durch sie die Einfuhr einiger eng-
lischer Stahlsorten nicht entbehrlich gemacht werden.
Besonders gilt dieses in Beziehung auf das Material
zu ganz feinen Arbeiten^ wofiir noch immer jährlich
eine bedeutende Summe in das Ausland geht. Fol-
gende inländische Erzeuger^ -welche ihre Produkte
dem National-Fabriksprodukten-Kabinette eingeschickt
haben> müssen hier mit Auszeichnung erwähnt werden.
Jakob Boden, zu Oberwölz in Steiermark (Juden-
burger Kreis)^
hat eine zahlreiche Sammlung der gewöhnlicheren
Stahlsorten^ die sämmtlich guter Qualität sind^ zur
Aufstellung übergeben«
Bordolo und Btumenfeldt ^ zu Poronin in Qalizien
(Sandecer Kreis)« *
Ausgestreckten und gegerbten Zementstahl von
vorzügUcnerQualität^ die sich sowohl durch ein schönes
und gleiches Ansehen der Bruchfläche y als durch den
vollkommenen Mangel an unganzen Stellen kund gibt.
Joseph Ritter von Dietrich, zu Neumarktl in Illjrien
(Laibacher Kreis).
Rohen und gegerbten Brescianer Stahl von guter
BeschafTenheit. Alle Sorten dieses Stahles sind zurVer-
atheitung, so wie zur Annahme einer grofsen Härte
sehr geeignet, und stehen überhaupt dem besten Gufs-
stahl wenig nach«
#
Herr Graf Franz von Egger, zu Oberfellach in Käm-y
then (Vilbcher Kreis).
Dieser aufgeklärte Beförderer der inländisoben
ai
Stahlfabrikation läfst bereiü seit mehreren Jahren Gofs-
stahl in grofser Menge und von ausgezeichneter Güte auf
dem oben genannten Werke erzeugen^ wie auch £u
Blech und Drath verarbeiten. Das National -Fabriks*
produkten-Kabinet besitzt Muster von rohem sowohl ,
als von ausgestrecktem Gufsstahl y und von durch Wal-
zen gezogenem und mittelst einer Schneidmaschine
in Zaine oder Stangen geschnittenem Brennstahl. Alle
diese ßtahlgattungen sind von so vorzüglicher Quäli^
tat^ dafs sie dem besten englischen Gufsstahl n!ishta
nachgeben.
Joseph Gerlach , in FFien.
Aasgestreckten Gufsstahl. Hr. Gerlach hat, nach
vorhergegangenen längeren Versuchen, die Gufsstahl-
Erzeugung im Jahre 1817 auszuüben angefangen, und
aof sein Verfahren ein ausschlie(sendes Privilegium er-
halten. Er verfertigt auf seiner Fabrik zu Reichenau
in Oesterreich (V. u. W. W.) zwei Sorten dieses Gufs-
stahk: einen unschweifsbaren und einen schweifsba-
ren. Da die Schweifsbarkeit eine Eigenschaft ist,
welche selbst dem englischen Gufsstahle fehlt, so
wird der Gerlach'sche Stahl häufig zu verschiedenen
Gegenstanden verarbeitet; und man rühmt an ihm aus-
serdem noch die Fähigkeit, eine aufserordentlich grofse
Härte, so wie eine sehr schöne Politur anzunehmen.
Diese letztere Eigenschaft, so wie der Mangel aller
Ungänzen, fällt an einer vom Erfinder eingeschickten
polirten Tischglocke sehr deutlich in die Augen. Hrn.
.Ge/*/acÄ^ Privilegium erstreckt sich auch auf die Er-
zeugung 4er von ihm henöxKi^ten feuerfesten Schmeh-
tiegely von denen er dem Kabinette gleichfalls Muster
übergeben hat.
Martin Miller ^ in TFien,
Dieser industriöse und thätigc Mann hat dem Natio-
nal-Fabriksprodukten-Kabinette eine vollständigeSamm-
lung der von ihmr erzeugten , oder durch Umschmcl-
zen verbesserten Stahlgattungcn übergeben y die theils
zu Eisen- und Messingsägen ^ theils zu Uhrfedern, theils
endlich ^u dem feinsten Blech und zu allen mögli-
chen übrigen Arbeiten bestimmt^ und sämmtlich von
ganz ausgezeichneter Qualität sind. Ein Artikel, den
Hr. Miller bis jetzt in der gaqzen österreichischen Mo-
narchie ausschliefsend verfertigt, sind die Zieheisen
für Gold- und Silberdrathzieher, welche früher aus
JFrankreich bezogen werden mufsten, nun aber von
ihm in solcher Güte erzeugt werden, dafs sie selbst
im Auslande, namentlich durch ^anz Deutschiandy
Rufsland y die preufsischen Staaten und Holland häu-
figen Absatz finden. Diese Zieheisen sind aus einer
Masse verfertigt, die von dem Erzeuger Silberstahl
«genannt wird , aber wahrscheinlich nicht reiner Stahl,
sondern vielmehr eine stahlariige Mctall-Lcgirung ist,
welche mit einer grofsen Harte doch einen gewissen
Grad von Dehnbarkeit verbindet. Die letztere Eigen««
Schaft ist den erwähnten Zieheisen ganz unentbehr-
lich, weil die feinen Löcher derselben häufig, um sie
enger zu machen, mit dem Hamnier zugeklopft wer-
den müssen. — Hr. Miller verfertigt aufserdem Plält-
walzen fiir Gold- und Silberfabriken, die gleichfalls
eine eigene Art von Stahl nöthig machen, und, gleich
den Zieheisen, sehr gesucht sind. Möchte dem Ver^
dienste dieses thätigen Mannes doch überall jene wohl-
verdiente Würdigung zu Theil werden, die dasselbe
}>ereits so häufig geniefst!
Seine Durchlaucht der Fürst Joseph i^on Schwarzen-?
bergy zu Murau in Steiermark (Judenburger Kreis).
EineSammlung verschiedenerMuster von Rohstahl^^
Brescianer-Stahl, so genanntem Münzstahl (der zu
Münzstämpeln und Stanzen gebraucht wird) , Feilei^-
stahl, Klingenslahl u. s. w., sämmtlich von dergröfsten
Gleichförmigkeit \n der Masse, und daher zu allen Ver-
wendungen sehr brauchbar« Seil geraumer Zeit wird
auf dem Werke zii Muraii^ welches (überhaupt meines
a3
der vorzüglichsten in der ganzen Monarchie ist^ auch
vortrefflicher Gufssiahl producirt^ der dein englischen
an Qualität fast ganz gleichkommt, in KücLsicht de«
Preises aber demselben noch vorzuziehen ist.
Bartholomäus Staudacher, in JVien.
Von diesem Fabrikanten wurden im Jahre i8i3
Versuche über die Erzeugung von Gufsstahl (dem
Vorgeben nach aus Schmiedeisen) angestellt, die
man nicht anders als gelungen nennen kann. Die im
National - Fabriksprodukten - Kabinette niedergelegten
Proben sind von vorzüglich guter Qualität, und las-
sen es recht sehr bedauern , dafs der Erfinder sein
Verfahren im Grofsen ausüben zu können nicht in
der I^ge war.
Das k. k. Haupthammerwerk znWejrer in Oester^
reich (Traunkreis).
£in^ bedeutende, aus vier und sechzig Stücken
bestehende Sammlung der für den in- und ausländi-
schen Verschleifs bestimmten Eisen- und St^lgattun-
gen^ durchaus von guter QuaUtät.
G. Aus Eisen und Stahl werden , theils auf den
Hammerwerken selbst, theils vorzüglich in der Nähe
derselben, viele ordinäre, meist blofs geschmiedete
Gegenstände erzeugt. Wir rechnen hieher: Pfannen^
Löffel, Hacken, Ketten^ Hufeisen, Steigbügel und
anderes Reitgeräthe, ordinäre Schneidviiaren u. s. W.
Diese Artikel sind , t^geachtet ihrer anscheinenden
Geringfügigkeit, kein unbedeutender Zweig der Me-
tallverarbeitung; denn sie verschaiTen in mehreren
Provinzen der Monarchie vielen MenscTien Arbeit und
Nahrung, wie z. B. in Steiermark y in Österreich
oL der Enns, und zum Theil in Böhmen. — Pro-
dukte dieser Art besitzt das Nationaf-Fabriksprodukten-
Kabinet unter andern von naciistehenden Erzeugern :
Michael Blümel, zu Himmelberg in Kämthen
(Villadier Kreis) , hat mehrere Stück eiserne Pfannen
eingeschickt^ wie sie gewöhnlich auf den Eisenhäm-
mern in grofser Menge verfertigt werden. — J. G.
Eisner, in PPien, übergah dem Kabinette einige Ketten-
schmiedarheiten, und nahmentlich unter andern eine
6 Fufs lange Mefskette ^ die durch ihre Schönheit dem
Yerfertiger Ehre macht. Ähnliche Fabrikate haben
Franz Krafft und Anton Rbdl, beide in Wien, ein-
geliefert. — ^ Von dem Fabrikanten Felkenhauer^ zu
Brück in Steiermark, hat das Fabriksprodukten-Kabi-
net feine blankgefeilte , und zum Theil blau angelau-
fene Schnallen, zum Gebrauch fiir Riemer und Sattler,
erhalten, Franz Schaf zahl, zu Grätz, überlieferte eine
Sammlung von SchnaUen verschiedener Gröfsje, die
nicht durch das gewöh|iliche Verfahren , sondern mit
Hülfe von Maschinen verfertigt sind. — Versdhiedenes
Reitgeräthe für die k. k. Armee, nahmentlich Sporen
fiir die deutsche und ungarische Kavallerie, Kara-
biner-Hacken, Steigbügel u. s. w. hat Daniel Fi-
scher, zu St. JSgid in Österreich (V. 0. W. W^, einge-
sandt. Gemeine Hackenschmied -Arbeiten sind ^von
mehreren Fabrikanten eingeliefert worden. — Joseph
Posch, zu Saalfelden im Herzogthnme Salzburg, hat
eine ganze Sammlung^ von Hufeisen für Pferde und
andere Zugthiere zur Aufstellung überschickt. — Jo-
seph Majrr, zu Mühlbach, im Salzburgischen^ und die
Messerschmied' Zunft zu Trattenbaoh in Österreich
(Traunkreis) haben ordinäre Messer, die unter dem
Landvolke sehr häufigen Absatz finden, eingesandt. —
.Von Seite des gräflich Salm'schen Eisenwerkes zu
Blansko in Mähren besitzt das Fabriksprodukten-Ka-
binet eine gut gearbeitete Tuchscherer-Schere. Vor
leiten mufsten diese unentbehrlichen- Werkzeuge
durchgehends aus dem Auslande eingeführt werden ',
gegenwärtig aber besitzt Österreich bereits mehrere
Fabriken, von denen dieselben in bester Qualität nach
Ifiederländer und pfälzischer Art erzeugt werden. —
25
Muster von eisernen gestampften und fein verzinnten
Löffeln haben, nebst andern, zwei böhmische Fabri«
ken, nähmlich jene Sr. Excellcnz^ des Herrn Grafen
yon Wrbruiy zu Horzowicz, und des Herrn Zenker ^
SU Neudeck (im Elnbogener Kreise) eingeliefert. — ^
Endlich hat die Maultrommehnacher-Zunft zu Molle
im österreichischen Traunkreise eine Sammlung von
Maulirommeln verschiedener Gröfse hierher zur Auf-
stellung übergeben. Dieses Falirikat ist von nicht
ganz geringer Wichtigkeit, indem eine grofse Menge
desselben in verschiedene Länder, ja selbst bis nach
Amerika^ verführt wird.
7. Eine sehr bedeutende Sammlung besitzt das
National - Fabriksprodukten - Kabinet von Sensen , «ft-
chebi und Strohmessern. Djese Werkzeuge machen
raien der Hauptartikel des Handels mit Eisenvraaren
in dem österreichischen Staate aus; und noch hat
kein auswärtiges Land die Fabrikation derselben bis
aof den Grad der Vollkommenheit gebracht, mit wel-
cher sie z. B. in Steiermark und in Österreich ob
der Enns betrieben wird. Der Hauptgrund dieser
merkwürdigen Erscheinung mag wohl in der eigen-
thümlichen Beschaffenheit des inländischen Sensen-
stahles liegen, der, ganz dem Zwecke seiner Verar-
beitung gemäfs, zwar keine aufserordentliche Härte
anzunehmen im Stande ist, dagegen aber eine sehr
bedeutende Zähigkeit besitzt. Weil eben eine sehr
harte und zugleich feine Schneide die Sensen und
Sicheln weniger brauchbar machen würde , so ver-
sehen die Engländer, welche ihrem Stahl die nö-
thige Zähigkeit nicht zu geben wissen , diese Werk-
zeuge mit sägenartigen Zähnen, wodurch das Aus-
springen derselben erschwert wird. Der nähmlichen
Vorsicht bedient man sich hin und wieder auch in
Böhmen bei der Verfertigung dfer zum Schneiden
des Getreides bestimmten Sicheln. — Ein sprechen-
der Beweis von der Güte der österreichischen und
26
steiermärkischen Sensen ist der Umstand^ dafs sie
in die verschiedensten Gegenden von Europa y ja
selbst nach uimerikay versendet viverden; und die
inländischen Sensenschraiede haben ihren zur Zeit
noch ungeschwächten Kredit mitunter wehl auch der
Sorgfalt zu danken^ womit sie ihrem Fabrikate die
in jedem Lande beliebten und verlangten Formen zu
geben gewohnt sind. Übrigens wird das Verfahren
bei der Sensenfabrikation durchaus geheim gehalten^
ungeachtet es sich ganz gewifs von der Verfertigungsart
andererSchneidwaaren wesentlich nicht unterscheidet.
Das National- Fabriksprodukten -Kab inet besitzt
Muster von mehr als dreifsig Sensenschmieden und
Sensenfabriken ^ deren gröfster Theil sich im nördli-
chen Steiermark und im Traunkreise des Landes
oh Aqv Enns befindet. Die Sensen^ welche in Böh-
men und in Galizien fabrizirt werden y stehen y wie
die Ansicht zeigt ^ den .übrigen an Qualität weit nach.
8. Einen weit wichtigern ^weig der Industrie^
als man y dem ersten Anblicke nach y vermuthen sollte^
machen die eisernen Nägel aus; denn bei einigem
Nachdenken findet man leicht y dafs ein Fabrikat^ wel-
ches in so unermefslicher Menge verbraucht wird^
wie dieses^ keine geringe Zahl von Händen durch seine
Verfertigung beschäftigen müsse. Bekanntlich wird
diese Verfertigung meist im Kleinen y d. h. von einzel-
nen Nagelschmieden getrieben^ obwohl sich auch.grös-
sere Fabriken damit abgeben; und dieser Umstand al-
lein reicht schon hin y um die so häufig abweichende
Beschaffenheit des Produktes zu erklären. Man fordert
von guten Nägeln überhaupt^ dafs sie gerade genau
vierkantige hart und *Spitzig seyen : Eigenschaften^ die
nur eine gute Auswahl des Materials und eine sorg-
fältige Bearbeitung dem Fabrikate mittheilen können.
Da die gewöhnliche Verfertigungsart der Nägel
27
mittelst des Hammers ^ verglichen mit dem grofsen Be-
darfes ziemlich langsam vor sich geht^ so hat man
schon lange darauf gedacht^ Nägel mittelst Maschinen^
und zwar so zu verfertigen ^ dafs dahei nicht nur an
Zeit^ sondern auch an Arbeitslohn und an Brennma-
terial bedeutend erspart würde. Der erste Versuch
dieser Art wurde im Jahre 1796 von einem Nordame-
rikaner angestellt« Später brachten JE>ig/aw^ und /Va/iA:-
reich dergleichen Maschinen zum Vorschein; und end-
lich ist in der neuesten Zeit dieser Industriezweig auch
im österreichischen Staate einheimisch gemacht wor-
den. Hier erhielten nähmlich Finanz Schaf zahl und
die Gebrüder Leppich (jener am 2. Mai i8i5, diese
am I r. Julius 1818) ausschliefsende Privilegien auf die
Verfertigung von Nägeln mit Hülfe von Maschinen. Es
scheint jedoch^ dafs die Verfahrungsarten Beider vor-
lüglich nur auf Schindclnägel anwendbar scyen^ de-
ren Form die einfachste^ und daher am leichtesten
hervorzubringen ist. — Christian Ritter von Leitner
hat die Schafzahlsche Nägel-Erzeugungs-Methode be-
deutend verbessert, und auf seine Verbesserungen in
Gemeinschaft mit dem Handeismanne S, Sartory in
Grätz unter dem 4* Junius 1821 ein ausschliefsendes
Privilegium erhalten.
Nebst mehreren andern haben nachstehende Er-
zeuger dem National-Fabriksprodukten-Kabinette Mu-
ster von Nägeln eingesendet:
Caspar Leppich , zu Hainfeld in Österreich
(V, O. W^. W.).
Vier verschiedene Sorten mit Maschinen verfertigter
Schindelnägel, die von guter Qualität sind, und eine^
deutlichen Beweis von der Zw«fcmäfsigkeit ihrer Ver?
fertigungsart liefern. Es ist zu hofl'cn, dafs HerrZe/;-
pich in der Folge seine Erzeugnisse noch vervollkomm-
nen, und ihnen auch die wenigen Vorziige, die ih
xicn jetzt noch fehlen , mittheilen wird.
28
Finanz Schaf zahl, zu Grätz in Steiermark,
hat dem National -Fabriksprodukten -Kabinette eine
Sammlung von mehreren Sorten Nägeln übergeben,
die mit Hülfe einigei^ von ihm erfundenen Maschinen
verfertigt sind. Das Verfahren bei der Bereitung der-
selben besteht hauptsächlich in der HerbeischafFung
von Eisenschienen, die eine solche Gestalt haben,
dafs sie der Quere nach zerschnitten, lauter schmale
Streifen von der Form zweier an den Köpfen verbun-
denen Nägel liefern. Die eingeschickten Muster die-
ser Maschinen -Nägel sind zwar nicht tadelfrei, zeu-
gen aber doch auf eine ehrenvolle Art von der Thätig-
keit und vom Erfindungsgeiste des Verfertigers.
Ludwig Torre, zu T^Äwr/io im venetianisch-lomhar-
dischen Königreiche (Prov. Brescia) ,
hat aufser einigen Mustern eiserner Nägel auch meh-
rere kupferne SchiShägel eingeliefert. Alle diese Mu-
ster zeichnen sich durch Schönheit der Arbeit sehr
vortheilhafl aus,
9. Von welcher Wichtigkeit die Feilenfabrika-
tlon für ein Land seyn müsse , in welchem , wie im
österreichischen Staate, die Metallverarbeitungen ei-
ne4 Haupt-Industriezweig ausmachen, braucht wohl
hier nicht erst auseinander gesetzt zu werden. Es ist
noch nicht sehr lange, dafs unsere Monarchie alle bes-
seren Feilen, deren sie benöthigte , aus fremden Län-
dern einführen n^ufste, da die gemeinen- Feilen , die
in Steiermark so ungemein l^äufig erzeugt werden,
fa§t durchaus voa der geringsten Qualität sind.
. Da die Güte und Brauchbarkeit einer Feile aufser
dem Hiebe auch wesentlich von der Beschaffenheit des
dazu verwendeten Stahls abhängig ist, so mufstennoth-
wendiger Weise die Fortschritte, welche neuerlich
im österreichischen Staate in der Stahlbcrcitung ge-
macht worden sind, auf die Feilenfabrikation den gün-
^9
sügsten Einflufs äufsem« Dieser Umstand mag vrohl
die Hauptursache scyn, dafs jetzt bei uns Feilen er-
zeugt werden / die sich in allen Rücksichten den eng-
lischen kühn an die Seite stellen können. Fieilich sind
der Fabriken, die ihr Erzeugnifs bereits so vervoU-
kommnet haben, zur Zeit noch wenif^e; aber die
Bahn ist einmahl gebrochen , und es kann nicht feh-
len, dafs in Zukunft die englischen und französischen
Feilen durch inländische ganz werden verdrängt wer-
den. Die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses wird
umso einleuchtender, wenn man bedenkt, dafs die
Verbesserung der inländischen Feilen weder durch
Mangel des nföthigen Materials, noch durch Unkennt-.
nifs des Verfahrens behindert werden kann; sondern
dafs ihre frühere geringe Vollkommenheit blofs in sol-
chen Lokal-Verhältnissen , die mit der Zeit von selbst
schwinden müssen , gegründet war.
Unter den inländischen Feilenfabrikanten, welche
das National-Fabriksprodukten-Kabinet mit ihren Ein-
sendungen bereichert haben, verdienen nachstehende
i>eson4jers ausgezeichnet zu werden:.
Wilhelm Böck^ zu Waidhof en in Österreich
(V. O. W.W.)-
Dieser geschickte Fabrikant hat dem Kabinette
eine yoUständige Sammlung von allen Arten Uhrmacher-
feilen übergeben, welche an Güte die schweizerischen
weit übertreffen, und ohne Anstand mit den englischen,
die fiir den inländischen Verbrauch ohnehin zu hoch
im Preise stehen, konkurriren können. Das Verdienst
des Hrii. Bock in diq^em Fache ist nm so gröfser, da.
unsere Monarchie noch vor Kurzem keine einzige Fa-
brik besafs, in der jene Feilen von solcher Vollkom-
menheit verfertigt worden wären.
Joseph Ritter von^ Dietrich ^ zu Neumarktl in Ulf-
rien (Laibacher Kreis).
Das National -Fabriksprodukten- Kabinet besitzt
3o ; .
von dieser Fabrik ein sehr zahlreiches und ausgei^ähl-
tes Sortiment von Feilen und Raspeln jeder Gattung
und Gröfse. Eine genaue Ansicht derselben zeigt >
dafs sie weder an Feinheit y noch an Genauigkeit des
Hiebes den besten englischen Werkzeugen dieser Art
nachstehen \ und die Fabrik^ aus weicher sie hervor-
gegangen sind, behauptet somit einen hohen Rang un-«
ter den Fcilenfabriken des österreichischen Kaiserthu-
mes« Bei dem Umstände, dafs die theuren englischen
Feilen in der neueren Zeit mitunter sehr schlecht ge-
veorden sind, und ihre Verwendung daher oft mit
Nachtheilen verbunden seyn mufs, ist es sehr zu wün-
schen, dafs inländische Arbeiter sich der wohlfeile-
ren Feilen aus mehreren- einheimischen Fabriken he*-
dienen, und, Falls sich unter diesen ein oder das
andere weniger brauchbare Stück fände, damit die-
selbe Nachsicht haben möchter, die sie bei den eng-^
lischen bis jetzt gehabt hatten. Zu solchen Versuchen
sind die Feilen von Neumarktl um so mehr anzura«-
then, als an ihnen in Rücksicht auf das Aufsere, wie
auf den Hieb, die helle Farbe, die gerade Richtung
nichts auszusetzen, und ihre innere Güte ebenfalls
schon durch die Erfahrung zum Theil bewährt ist.
Daniel Fischer, zu St.Egid in Österreich (V. O.W.W.),
Die von diesem Fabrikanten erzeugten Feilen sind
von ausgezeichneter Güte und Schönheit ; ihre grofse
Brauchbarkeit beweist der Umstand , dafs sie, beson-
ders diegröfsern, von vi,elen inländischen Metallarbei-
tern den sonst so gerühmten englischen Feilen gleich-
gesetzt, ihnen sogar vorgezogen werden Wenn man
bedenkt, wie schwierig es oft ist, die verjährten Vor-
urtheile in ähnlichen Fällen zu überwinden, so mufs
man dem Verdienste des Hrn. Fischer die ihm gebüh-
rende Würdigung zufliefsen lassen. Die dem National-
Fabriksproduktcn-Kabinelte von ihm Übergebepen Mu*
ster seiner Erzeugnisse bietben ein bequemes Mittel
dar> das Gesagte zu beweisen« — In der Fabrik des
3i
Herrn Fischer wird auch selbst dcr^ zur Feilenerzeu-
guDg benöthigte Stahl ^ und zwar durch wiederhohltes
Gerben des kärnthnerischcn Mockstahletf verfertigt.
£ben daselbst sind auch Versuche zur Erzeugung yon
Gnfsstahl unternommen worden^ die aber Lein sehr
günstiges Resultat gegeben haben.
Mathias Lechner y zu Steier in Österreich (Traunkreis).
£inige Uhrmacher- und andere Feilen^ an denen
ein feiner und gleichförmiger Hieb vorzüglich . zu be-
merken ist. Einzelne Muster kommen den schönsten
englischen Feilen an Schönheit ganz gleich.
Kendler, zu Werfen in Salzburgs
hat mehrere Muster von Bastard- und Sehlichtfeilen ^
so wie einige Uhrmacherfeilen zur Aufstellung einge-
schickt. Sie sind sämmtlich von einem sehr schönen
und gleichförmigen Hiebe.
Morandiniy zu Predazzo in 71,rol (Trienter Kreis).
Einige Feilen^ die den Hieb nicht auf diß ge-
wöhnliche Art , sondern durch eine eigens zu diesem
Zwecke konstruirte Maschine erhalten haben. Unge-
achtet der grofsen Schwierigkeiten y die mit der Aus-
führung einer solchen Maschine unvermeidlich ver-
knüpft sind^ entsprechen doch die vorliegenden Mu- ^
ster allen Forderungen^ die an eine gute Feile in Rück-
sicht aiif den Hieb gemacht werden können.
Fidel Schmidty zu Grätz in Steiermark ,
hat dem Fabriksprodukten- Kabinette mehrere Muster
▼OD feinen Uhrmacherfeilen übergeben^ die rüöksicht-
lich ihrer äufsern Schönheit nichts zu wünschen übrig
lassen^ und unter welchen ein Sortiment von so ge-
nannten Maschinenfeilen ^ die nähmlich nicht aus
freier Hand gehauen sind y hier vorzüglich ausgezeich*-
net werden mufs.
32
10. Nach dem Eisen ist tinstreiüg das Kupf^er
dasjeuige Metall ^ welches nicht nur in gröfster Menge
vor&ommt^ sondern auch am häufigsten verwendet
wird. Der österreichische Staat ist auch damit hin-
reichend versehen^ so dafs die Einfuhr von fremdem
Kupfer nöthigen Falls ganz entbehrt werden könnte.
Am meisten schätzt man das Kupfer von mehreren
Werken in Kärnthen und Steiermark ^ aber auch das
Bannater wird von den Arbeitern sehr gern verwendet.
' Der Kupfer -'Schmelzprozefs ist^ im Ganzen genom-
men^ viel zusammengesetzter als die Hochofen -Mani-
pulation; und die eigen thümliche Beschaffenheit der
meisten Kupfererze macht die Darstellung dieses Me-
talls im vollkommen reinen Zustande zu einer der
schwierigsten Aufgaben der Hüttenkunde« Man mufs
gestehen^ dafs viele inländische Kupferwerke in die-
,sem Punkte noch sehr zurück sina; so zwar, dafs
wenige d6r in Osterreich erzeugten Kupfersorten die
zu gewissen Verwendungen unumgänglich nöthige
Reinheit/ und den damit verbundenen hohen Grad
von Zähigkeit besitzen. Häufig verwenden daher die .
einheimischen Drathzieher das russische Kopekenku-
pfer, welche^ seiner Güte wegen berühmt ist.
Das Kupfer kommt im Handel fast immer in Ce* .
stalt gröfscrer oder kleinerer runder Platten vor; das
feinste ist das sogenannte Rosettenkupfer, welches
vorzüglich zum Drathziehen, zu plattirten Waaren und
zu besserem Kupfergeschirr verarbeitet wird. ImGrOs^
sen geschieht die Verarbeitung des Kupfers zu ordi-
nären Waren, als Kesseln, Pfannen, Dachblech u.s.w«
auf den Kupferhämmern ; mit der weitern Vollendung
dieser Artikel beschäftigen sich die in Städten zer-
streuten Kupferschmiede und andere Arbeiter. Zu
Gufswaaren taugt das Kupfer nicht, da es beimGiefsea
immer sehr porös und löcherig ausfällt. — Das Natio-
nal-Fabriksprodukten-Kabinet besitzt rohes Kupfer so-
wohl, als verschiedene Kupferhammer«£r£eugnisse
33
f
von meUreren inländischen Werken^ von denen di«
vorzüglichsten an andern Orten noch ermähnt v?erden.
II. Aus Kupfer wird, in Verbindung mit Zink,
eine für die Technik ganz ungemein wichtige Metall-
Legirung bereitet, nähmlich das Messing. Diese Zu-
sammensetzung ist zwar weniger dehnbar, dagegen
aber viel härter, bedeutend leichtflüssiger, und zu
Gufswaaren viel geschickter als das Kupfer, welches
doch immer den Hauptbestandtheil davon ausmacht«
Die Darstellung des Messings geschieht theils durch
unmittelbare Vereinigung des Kupfers mit Zink j theils
aber (and zwar am häufigsten) durch Schmejzen des
Kupfers mit Galmei (einem Zinkerze) und Kohlenstaub
(der als Reduktionsmittel dient). In Frankreich h.jt
man in der neuesten Zeit auch sehr glückliche Ver-
suche gemacht, dem Galmei die bis dahin unbenutzte
Blende (natürliches schwefelhaltiges Zink) zu substi-
luiren, und durch deren Hülfe ein Messing zu berei-
ten, weiches eben so dehnbar ist als das gewöhnliche. —
Begreiflicher Weise kann bei allen diesen Verfahrungs-
arten die Menge des mit dem Kupfer sich vereinigen-
den Zinks nicht auf das Genaueste bestimmt^ werden,
indem immer ein Theil dieses Metalles verflüchtigt
oder verbrannt wird. Übrigens kommt so aufseror-
dentlich viel auf das Verhältnifs beider Bestandtheile
zu einander eben nicht an, wie auch die Erfahrung
lehrt, dafs der Zinkgehah des Messings zwischen i5
und aS p. Ct. variirt. Je mehr aber, im Allgemeinen,
das Messing Kupfer enthält, desto weicher und debn-
barer fällt es aus ; eine unverhältnifsmäfsig grofse Menge
Zink dagegen benimmt ihm nicht nur seine schöne
Farbe, sondern macht es auch hart und spröde. Dafs
endlich die Beschaffenheit dieser Legirung zum Thcil
auch von der Reinheit der bei der Bereitung ange-
wendeten Materialien sehr abhängig seyn müsse, braucht
wohl kaum erinnert zu werden.
lakrk. 4. foljt. I«*t« IV. Bd. 3
34
Das Messing wird häufig zu Gufswaaren i^crwen-
det^ obwohl es zu diesem Zwecke weniger tauglich
ist als Eisen ^ da es diePormen nie ganz scharf aus-
füllt^ und daher in der Folge immer noch ausgearbei-
tet werden mufs. Mit der Messinggiefserei beschäfti-
gen sich theils ganz grofse Fabriken , theils einzelne
so genannte Gelbgiefser> die sich ihr Messing meist
selbst bereiten.
Eine besondere Sorte des Messin gs ist der Tom-
bak y der sich durchweinen sehr grofsen Kupfergehalt
unterscheidet^ und^ wiewohl ziemlich selten^ zu meh-
reren Zwecken verwendet wird^ wo man eines sehr
dehnbaren Materials benötbigt^ ^ie zu geprefsten
Bronze waaren 9 zu dem unechten Blattgold u. s. w.
t Der österreichische Staat ist mit Messingfabriken
hinlänglich versehen^ und das von denselben gelie-
ferte Produkt ist in der Regel von so vorzüglicher Qua-
lität^ dafs es zu den feinsten Arbeiten^ zu denen man
das Material ifrüher gröfsten Theils aus Nürnberg be--
ziehen mufste^ verwendet werden kann. Die Ansicht
der im National^Fabriksprodukteh-^Kabinette aufgestell-
ten Messingwaaren kann dem Gesagten zur Bestätigung
dienen; Wir heben hier einstweilen blofs einige von
denjenigen Fabriken aus^ welche diesem Kabinette
Messing-Gufswaaren eingeschickt haben^ da die übri-
gen Erzeugnisse aus Messing noch besprochen wer-
den sollen.
Anton Hainisch y Inhaber der Messingwaiiren-Fabrik
zu Nadelburg in Österreich (V. U. W. W.)
Dieser Fabrik, die eine der gröfsten ihrer Art in
der Monarchie ist, verdankt das Kabinet eine sehr
schätzbare Reihe von Messing-Gufswaaren, worunter
sich mehrere gröfsere und kleinere Becken, Pfannen^
Einsatzgewichte, Mörser, Glocken, Verzierungen auf
Pferdegeschirr u, dergl. befinden, die sämmtlich so-
35
wohl ganz rein gegossen^ als auch mit vielem Fleifse
abgedreht und polirt sind. Die Fabrik zu JSadel'
bürg zeichnete sich schon unter ihrem früheren Besi-
tzer^ dem Grafen von Batthjraniy sehr vortheilhaft aus^
und sie hat sich in den letzten Jahren noch bedeutend
yervoIikommneL Zu den ausgezeichnetsten Einrich-
tungen derselben gehört das Abdrehen aller ^ selbst
der kleinsten Gegenstände mittelst vom Wasser getrie*
bener Vorrichtungen, ein Verfahren, wobei die Rein-
heit und Genauigkeit der Arbeit keineswegs leidet«
Nebst den oben genannten werden zu Nadelburg noch
viele andere Artikel aus Gufsmessing, als Leuchter,
Wagschalen, Pumpenröhren, Brunnenventile u. s. w.
von bester Qualität und um sehr billige Preise ver^
fertiget«
Sebastian Ifaidegger, zu Stejrregg in Österreich.
Eiin sehr schöner, auf zwei Büchern stehender
kleiner Sokrates-Kopf, welchen der genannte Verfer-
tigter dem Kabinette zur Aufstellung überlassen hat,
verdient wegen der grofsen Sorgfalt, mit der alle Theile
desselben bearbeitet sind, das gröfste Lob.
Franz Winkler^ Eigenthümer der Metall waarenfabrik
zu Ebersdorf m Österreich (V* u* W. W.).
Unter den Gufswaaren dieser Fabrik sind viele
Stacke, die den höchsten Grad der Vollendung zei-
gen, und weder an Reinheit des Gusses, noch an
Schönheit und Zierlichkeit der Ausarbeitung etwas zu
wünschen übrig lassen. Ein geschmackvoll verziertes
Plätteisen ist unter allen am meisten werth, hier ins*-
besondere angezeigt zu werden, denn seine Ausfuh«
rang mufs für ein Meisterwerk der Messinggiefserei
gehalten werden. Unter den übrigenrMusterstücten
befinden sich mehrere gefirnifsie Tafelglocken, fein
polirte und versilberte Leuchter, ein grofser, auf ein
Hausthor anzubringender Löwenkopf, mehrere Stücke
von so genanntem Fuhrmannsmessing u. s. w. Die Fa-
3*
36
brik des Herrn TVinkler zeichnet sich auch vorzügliclk
in der Verfertigung der geprefsten und gefirnifstea
Bronzewaaren aus^ wefswegen ihrer weiter unten noch,
gedacht werden wird. '
Veit Schieferegger, za Radstadt \m Salzburger Kreise^
hat dem Fabriksprodukten- Kabinette eine Sammlung^
von Gufswaaren eingeschickt^ die zwar meist nur zu or-
dinärem Gebrauche bestimmt^ nichts desto weniger aber
in industrieller Hinsicht Yon grofser Wichtigkeit sind.
12. Das Bleiy welches nicht weniger unmittel*
bar zur Yertirbeitung , als zum Hülfsmittel bei gewis-
sen Arbeiten ^ z. B. beim Abtreiben des Silbers und
Goldes verwendet^ sowie auch mehreren Metall -Le-
girungen zugesetzt wird^ findet sich im österreichi-
schen Staate sehr häufige und zwar vorzüglich in i^är/i-
then^ Böhmen \xii6. Ungarn \ eine bedeutende Menge
dieses Metalles wird sogar jährlich in das Ausland ge-
schickt^ und bildet somit einen Zweig des österrei-
chischen Aktivhandels. Was die Qualität der im In-
lande gewonnenen Bleisorten betrifft^ so wird beson-*
ders das kärnthnerische Blei wegen seiner Reinheit
und Zähigkeit geschätzt^ und häufig zu den verschie-
densten Zwecken verwendet — Ein Hanptfabrikat
aus Blei y welches auch in den österreichischen Staa-
ten von sehr vorzüglicher Qualität erzeugt wird, ist
das Flintenschrot. Das National- Fabriksproduktcn-
Kabinet besitzt hiervon sehr zahlreiche Proben, und
zwar, nebst andern^ aus nachstehenden Fabriken:
Hieronjmus Bögan , zu Chioggia , im Yenetianisch-
lombardischen Königreiche.
Joachim Schu/snich, in JYiest^
Simon TFallner^ zu Jrnoldstein in Kärnthen (Villa-
cher Kreis).
Diese Muster sind auf die ge wohnliche Art, nahm*
lieh durch Abkühlen des zu Tropfen gebildeten Bleie»
in Wasser erzeugt^ und zeigen demnach auch die.mit
37
diesem Verfahren nothwendiger Weise Terbundenen
MangeL Weil nähmlich die Berührung des Metalls
mit dem Wasser in einem Zeitpunkte geschieht^ wo
dasselbe noch bei weitem nicht fest geworden ist^ so
alle&die Schrotkörner nie vollkommen rnnd aus ; und
Tonäglich bemerkt man an jedem derselben eine kleine
Vertiefung, welche von dem Einsinken des Bleies
beim schnellen Erkalten der äufsern Rinde herrührt ;
so wie man eine ähnliche Erscheinung auch beim Gies-*
sen fast aller übrigen Metalle zu beobachten Gelegen-
heit hat. In England hat man zuerst darauf gedacht,
dieser UnToIlkommenheit des Flintenschrotes dadurch
zu begegnen, dafs man die Abkühlung, und mithin
das Erstarren der Bleitropfen einzig durch die Luft
(wahrend des Falles von einem hohen Gerüste) gc*
schehen liefs, weil sie hier weit langsamer und gleich-
{ornuger vor sich geht. Auch im österreichischen Staate
wird diese Fabrikations-Methode ausgeübt, und das
NationalrFabriksprodukten-Kabinet besitzt Muster von
solchem Patentschrot aus der Fabrik des
Philipp von Fen^ari^ zu Fillach in Kämthen,
welche durch den Fall von einem 24o Fufs hohen
Tharme gebildet sind, und an vollkommener Rundung,
so wie in jeder andern Hinsicht nichts zu wünschen
übrig lassen.
1 3. Arbeiten und Fabrikate aus Zinn besitzt das
JVational-Fabriksproilnkien-Kabinet von mehreren böh-
mischen Fabriken, welche, besonders was gewisse
Artikel, z.B. Galan terieWaaren, betrifft, vor allen übri-
gen in der Monarchie den Rang behaupten; Aufser
dem jetzt seltener angewendeten Speisegeschirr sind
es hauptsächlich schön verzierte, zum Theil mitBron-
zefarbe überzogene Tafelleuchter, Vasen, u. dergl.,
so wie verschiedene kleinere Gegenstände, die aus
jenem Metall verfertigt, und häufig in den Handel ge-
bracht werden. Zu den merkwürdigeren Stücken,
38
t^elche das Kabinet in dieser Art besitzt , gehört ein.
von dem Zinngiefser
Joseph Beitz in JVien
übergebener, aus mehreren durch das Löthen vereinig-
ten Stücken bestehender Suppentopf^ der absichtliclx
auf diese ungewöhnliche und sehr mühsame Art ver-
fertigt worden ist^ weil sich daran die Geschicklich-
leit des Arbeiters in einem vorzüglichen Grade ofien-*
hart. Derselbe Erzeuger hat depi National - Fabriks-
produkteurKabinette auch eine Form zum Giefsen zin-
nerner Ketten^ deren Glieder^ ohne der Löthung zu.
bedürfen^ in einander gegossen werden , zum Ge-
schenke gemacht. Diese Form vereinigt eine grofse
Einfachheit mit der möglichsten Bequemlichkeit beim
Gebrauch; sie besteht aifs Mes3ing, und ist mit vie-
lem Fleifs gearbeitet.
Ungeachtet der österreichische Staat in Böhmen
mehrere sehr ergiebige Zinnbergwerke besitzt, so reicht
doch die Ausbeute derselben nicht hin, den inländi-
schen Bedarf zu decken ; und sowohl englisches als
sachsisches Zinn behaupten «daher eine nicht unbedeu-^
tende Stelle in der Reihe der Eiafuhrs*Artikel. — Das
Zinn taugt vortrefflich zu Gufswaaren, und zwar nur
um so besser, wenn es mit einem geringen Zusätze
von Blei versehen ist, weil dann die aus Messing ,
Sandstein oder Gyps verfertigten Formen weit besser
von demselben ausgefüllt vsrerden. Man verwendet die-
ses Metall aufserdem, wie bekannt, zur Bereitung
des Stanniols , zum Verzinnen, und zu vielen anderen ,
minder wichtigen Zwecken.
i4- Die Vortreflflichkeit der Waaren, welche im
österreichischen Kaiserthume, und vorzüglich in Wien,
aus den edlen Metallen ^ Gold pnd Silber, verfertigt
werden, ist zu bekannt, als dafs sie fernerhin noch
eines Beweises bedürfte. Zugleich aber bildet der
39
höbe Preis dieser Erzeugnisse ein Hanpthindemifs
der Elinsendung fiir dasNaüonal-Fabriksprodukten-Ka-
binet. Das, was sich von solchen Arbeiten in dem
genannten Kabinette befindet , beschränkt sich dem-
nach gröfsten Theils auf einige unbedeutende Silber-
arbeiten 9 unter denea wir die Muster echter Folie
wtm BirrUtz in Wien erwähnen. Von Goldwaaren sind
%o genannte Yenetianer Kettchen aus der Fabrik des
Stephan Arnaud in l^enedig vorhanden. So wie die
anter der obigen Benennung bekannten Kettchen, die
mittelst sehr einfacher Handgriffe^ meist von Kindern^
aas Golddrath gebogen und gelöthet werden, über-
haupt gesucht und berühmt sind, so zeichnen sich ins-
besondere die vorliegenden Muster durch ihre äufserste
Feinheit sehr vortheilhaftaus. — Echtes Blattgold und
Blattsilber haben Anton Jlornnacher, in Salzburgs
nskd, Dominik Massaggio , zu f^enedig, dem Kabinette
eingeschickt.
i5. Zwei ungemein wichtige Artikel der Metall-
reranbeitung sind Blech und Drath.
Blech kann man im Allgemeinen jedes durch ir-
gend ein Mittel in eine grofse, verhältnifsmäfsig dünne
Flache ausgedehnte Stück Metall nennen , ungeachtet
das Wort in dieser weiten Bedeutung nicht sehr häu-
fig gebraucht wird. Alle dehnbaren Metalle lassen sich
in Blech verwandeln; doch sind manche daher' ent-
springende Benennungen (Bleiblech, Zinnblech etc.)
nicht allgemein üblich. Die Mittel zur Hervorbringung
des Bleches sind überhaupt zweierlei, je nachdem man
nähmlich entweder mittelst des Hammers oder miltclst
Walzwerken das Metall bearbeitet. Das Schlagen des
Bleches durch den Hammer ist die älteste Art, und
wurde wohl schon in der ersten Zeit, da man Metalle
zu bearbeiten Jernte, erfunden. Es hat aber mehrere
aufiallendeUnvoUkommenheiten, die sich selbst durch
die gröfste Sorgfalt des damit beschäftigten Arbeiters
nie i:anz beseitigen lassen« Vorzüglich ist der Umstand
4o
ZU bemerken^ dafs es fast zur UnmÖglichkeil gebort^
mittelst des Hammers^ der begreiflicher Weise nur
eine Stelle nach der andern treffen kann^ ein voll«
kommen gleich dickes Blech zu erzeugen j und welche
-wichtige Nachtheile eine ungleiche Dicke dieses Fa*
brikates für die folgende Verarbeitung desselben nach
sich zieht ^ ist jedem Praktiker so gut bekannt und
überhaupt so einleuchtend^ dafs es unnütz wäre^ dar-
über menr Worte zu verlieren. Unbestreitbare Vor-
züge hat in dieser und fast in jeder- andern (aufscr
etwa in ökonomischer) Hinsicht die Anwendung von
Walzwerken zur Blechfabrikation. Das gewalzte Blech
fällt^ wenn anders mit einiger Vorsicht bei seiner Be-
reitung verfahren wurde, immer viel glätter, gleich-
formiger und schöner aus j ist daher zu allen Verwen-
dungen viel brauchbarer als das geschlagene. Wie aus-
ser oen genannten Eigenschaften der Mangel aller Schie-
fern, Ungänzen u. dergl. jedes gute Blech überhaupt
auszeichnet, so findet sich dieses letztere Kennzeichen
auch insbesondere a4 dem meisten durch Walzen be-
reiteten Bleche. Diese Umstände sind Ursachen gewe-
sen an der Schnelligkeit , womit das Walzen des Ble-
ches nach und nach fast in allen Ländern eingeführt
wurde. In dem österreichischen Kaiserstaate gibt es
zur Zeit schon eine bedeutende Anzahl von Fabriken,
welche gewalztesEisen-, Stahl-, Kupfer-, Messingblech
u. s.w. von der vollkommensten Qualität in den Handel
liefern. Wc^nn noch irgend ein Mangel bei diesem In-
dustriezweige zu verbessern ist, so liegt dieser ganz
sicherlich in der noch nicht ganz gehobenen Schwie-
rigkeit, die bendlhigtcn gufsei&ernen Walzen von der
möglichsten Dauerhaftigkeit, und um mäfsige Preise
zu erhalten.
Über die einzelnen ArtQH des Bleches scheint hier
noch Folgendes im Allgemeinen zu bemerken nöthig.
Gutes und brauchbares Stahlblech wird im In-
4i
lande ooch nicht in so erofser Menge fabrizirt^ dafs
der einheimische Bedarf dadurch gedeckt^ und die
Einfahr von englischem Blech entbehrlich gemacht
lifäre. Besonders wird diefs in jenen Fällen fühlbar^
D¥0 ans Stahlblech gewisse feinere Artikel^ z. B. Uhr-
federn u. dergl. verfertigt werden sollen. — Die Qua-
iität des in der Monarchie erzeugten Eisenbleches hat
sich seit Einfuhrung der Walzwerke bedeutend ver-
bessert, und ist besonders in der letzten Zeit auf ei-
nen hohen Grad gesteigert worden. — Das Eisenblech
wird zu manchen Anwendungen verzinnt j um seiner
Oberflache eine gröfsere Schönheit zu geben^ und sie
vor den zerstörenden Einflüssen der feuchten* Atmo-
sphäre zu schützen. Solches verzinntes Blech kennt
man unter der Benennung /iPe/^&/ecA. Eine gute Ver-
zinnung soU weder zu dünn noch zu dick seyn : das
Erstere , weil sie dann das Eisen vor der Einwirkung
d^ Luft nicht hinlänglich zu schützen vermag ; das *
Letztere , weil sie dann selten so gleichförmig und
glatt ausfällt, als die Schönheit des Fabrikates es ver-
langt Das zum Überzuge angewendete Zinn soll fer-
üer so rein als möglich seyn , weil es nur in diesem
FaDe lange Zeit seinen Glanz und seine 'weifse Farbe
behält. Wo man die angegebenen Bedingungen ver-
nachläfsiget wird man gar nie ein gutes^ schönes und
branchbares Weifsblech verfertigen. Dieses ist unläug-
W der Fall in fast allen inländischen Fabriken^ die
skh mit der Erzeugung dieses Artikels abgehen. Wie
man nach den neuesten Aufklärungen mit Sicherheit
weifs^ gründet sich die Vorzüglichkeit des englischen
Weifsbleches keineswegs auf besondere Kunstgiufie
(deren Unkenntnifs dem Fabrikanten zur Entschul-
digung dienen könnte); sondern einzig und allein
auf die gute Qualität der Materialien^ und auf ein
sorgfältiges Verfahren bei ihrer Anwendung. Die-
ser Fall tritt überhaupt öfter ein, als man vielleicht
denken mag j und würde man ihn hinreichend beher-
rigen , so dürfte ein bedeutender Schritt zur Verbes-
4a
serung vieler Industriezweige schon gethan seyn. —
Haben wir jetzt eine Schattenseite der inländischen
Blechfabrikation aufgedeckt^ so müssen wir im Folgen-
den einem anderen Zweige derselben volle Gerechtig-
keit widerfahren lassen. Die Erzeugung der Messinge
und Kupferbleche steht nähmlich auf einer Stufe der
Vollkommenheit^ die kaum etwas zu wünschen übrig
läfst. Das Walzen dieser Bleche ist schon in sehr vie-
len Fabriken eingeführt worden , und wird mit einer
Präcision «lusgeübt, die dem Fabrikate. die gewünsch-
testen Vorzüge ertheilt. — Zinkblech wird erst seit
Kurzem von mehreren Fabriken verfertigt j und seia
Verbrauch ist noch ziemlich beschränkt^ da das Vor-
iirtheil gegen die Anwendung desselben zum Dachde-
cken noch nicht ganz hat beseitigt werden können.
Wenn hier der Ort wäre^ über die Tauglichkeit des
Zinkbleches zu dem genannten Zwecke ein Urtheil
zufallen^ so liefsen sich ziemlich gleich viel Gründe
fiir und gegen dieselbe aufzählen. Am meisten kommt
aber Wohl auf eine längere Erfahrung an , deren Re-
sultat zur Zeit noch nicht bekannt geworden ist. Ein
Zinkblech jedoch^ welches mit eisernen Nägeln auf
ein Schindeldach befestigt; und so allen Unbilden der
Witterung ausgesetzt war^ wurde nach drei Jahren
fast unverändert gefunden. Es wäre sehr gut, wenn
Versuche dieser Art vergleichungsweise mit Kupfer-
blech angestellt würden.
i6. Fast noch grö leeren Schwierigkeiten als die
Blecherzeugung ^ unterliegt die Verfertigung des Dra--
thef-y wenn man anders die unerläfslichen Forderun-
gen an dieses Fabrikat zumachen Willens ist. Bekannt-
lich besteht das Hauptsächlichste der Drathfabrikation
in dem Durchziehen von gewissen Metallfäden durch
die stufenweise immer engeren Löcher der so genann-
ten Zieheisen. Da diese Werkzeuge begreiflicher
Weise von härterer N&tur seyn müssen, als das in
Drath zu vor wandelnde Metall, so wächst mit der
43
Härte dieses letztern auch die Schwierigkeit der Bear-
heitung ; denn da z. B. Eisen- und Stahldrath nur mit
sehr harten stählernen Zieheisen verfertigt werden
können^ so hat man hei ihrer Erzeugung auch alle
den harten stählernen Werkzeugen eigenthümlichen
Unannehmlichkeiten zu überwinden. Das mit der Zeit
unvermeidliche Ausspringen und Schartigwerden der
Löcher in den Zieheisen schadet natürlich dem aus-»
sem Ansehen des Drathes y und in vielen Fällen so-
gar der Brauchbarkeit desselben. Zur Verfertigung
des feinen Gold- und Silberdrathes h<'iben die Ziehei-
sen wieder Eigenschaften nöthig , die sie fiir jeden an-
dern Gebrauch fast untauglich machen würden. Es
kommt nähmlich beim Ziehen dieser weichen Metalle
weniger auf eine grofse Härte der Zieheisen, als viel-
mehr darauf an , dafs die Löcher derselben die mö.g-
lichstc Politur, und ihre ganze Masse einige Zähig-
keit blitze; das Letztere vorzüglich defswegcn, weil
man oft gezwungen ist , die jLöcher durch Hammer-
schläge zu verengen. Sehr viel auch beruht übrigens
hei der Drathfabrikation auf der Beschaffenheit des
verwendeten Materials j aus schlechtem , unganzen
Eisen z. B. wird man selbst mit den besten Werkzeu-
gen keinen guten und brauchbaren Drath erhalten,
mid so in allen Fällen. — Diejenigen Metalle, welche
am häufigsten zu Drath verarbeitet werden, sind Stahl,
Eisen , Kupfer und Messing. Dräthe aus Zink , Blei
und Zinn dienen wohl kaum (oder nur höchst sehen)
zu technischem Gebrauch. Reines Zink läfst sich nur
schwierig zu Drath ziehen, leichter wenn es mit et-
was Blei versetzt ist. Der Professor der Technologie,,
Herr Georg Altmütter , am k. k. polytechnischen In-
stitute hat versuchsweise sehr feine Dräthe aus Zink
und Blei verfertigt, und im Fabriksproduklen- Kabi-
nette aufgestelh, welche wenigstens den Beweis lie-
fern, dafs sich die genannten Metalle, wider die ge-
wöhnliche Meinung, . zu einer beträchtlichen Dünne
ausziehen lassen.
44
17. Das NatioDal-Fabriksprodukten- Kabinet be-
sitzt an Blech und Drath aus den verschiedensten Me-
tallen einen grofsen Reichthum^ durch dessen Ansicht
man sich am sichersten überzeugen kann, auf welcher
hohen Stufe die Verfertigung dieser Artikel in unse-
rer Monarchie sich befindet. Es sollen hier nur die
vorzüglichsten jener Fabriken genannt werden, welche
mit ihren Einsendungen die Sammlung bereichert ha-
ben. Dahin gehören:
Die k. k. Ärarial-Messingfabrik zu Achenrain in Tirol.
Unter der zahlreichen Sammlung von Blech- und
Drathmustern, welche das Kabinet dieser Fabrik ver-
dankt, zeichnet sich ein Sortiment von Zinkblech
sehr vortheilhaft aus ; die einzelnen Tafeln desselben
sind so schön,« und zeigen eine solche Biegsamkeit^
dafs ihre Anwendbarkeit zum Dachdecken kaum zu be-
zweifeln seyn dürfte« Um alle bei diesem Gebrauche
etwli eintretenden Anstände zu beseitigen, verfertigt
die Fabrik auch Nägel aus Zink, welche die sonst üb-,
liehen eisernen ersetzen, und mithin alle Gefahr ei-
ner galvanisch-elektrischen Wirkung (die spnst bei der
Berührung verschiedenartiger Metalle einzutreten, und
schnell zerstörend zu wirken pflegt) beseitigen. Be-
sondere Erwähnung verdienen noch ein paar Muster
von so genanntem Tabakzink ^ nähmlichdünn gewalz-
tem Zinkblech , welches statt des Bleies zum Einpa-
cken des Schnupftabalis verwendet werden soll. Diese
Proben sind zwar sehr schön, dürften aber ihrem
Zwecke darum picht vollkommen entsprechen, weil
das Zink von Säuren, , Salzein u. dergL, die der auf
gewöhnliche Art gebeitzte Tabak enthält, weit leich-
ter als Blei angegriffen wird. — Die eingegangenen
Muster von lichtem und schwarzem Taf elmesstng , fer-
ner die Tombakbleche, lassen iCi^Rücksicbt auf äus-
sere Schönheit, als gleichförmige Dicke, Glätte und
Reinheit der Oberfläche, nichts zu wünschen übrig.
Eben so sind die harten und weichen Spheiben^ und
t *
45
Musterdräthe aus Messing, Kupfer, Zink und Tom-
bak ¥on guter Beschaflfenheit.
G. Bortolan, zu Treviso innlomLardisch-veneüani-
sehen Königreiche.
Bie aus dieser Fabrik im Kabinette befindlichen
Metallwaaren verdienen eine sehr lobende Erwähnung.
Aufser mehreren Mustern voa Kupfer- und Stahldrath,
die alle mit Billigkeit an si^ zu stellenden Forderun-
gen im reichlichen Mafse erfüllen, bemerkt man dar-
unter einige gewalzte Kupfer- und Stahlbleche, die,
migeachtet ihrer beträchtlichen Länge und Breite, doch
Ton der vollkommensten Gleichförmigkeit, und so schön
sind, dafs die Fabrik, in der sie erzeugt wurden, al-
lerdings unter die vorzüglichsten ihrer Art gerechnet
irerden darf. Ein nicht minderes Lob mufs man dem
gewalzten Bleiblech, worunter sich eine 6 Fufs lange
imd gegen 3 Fufs breite Tafel befindet, ertheilen. Die
schönen Proben von Rundstahl verdienen um so mehr
ausgezeichnet zu werden , da dieses Fabrikat aufser-
dem in der österreichischen Monarchie fast gar nicht
erzeugt wird, sondern fiir den Verbrauch der inlän-
dischen Uhrmacher durchaus den Engländern abge-
nommen werdiBu mufs. Merkwürdig sind endlich noch,
die kupfernen Münzplatten, welche in dreierlei Gröfse
(aof ganze, halbe und Viertel-Bajocchi) verfertigt, und
lach dem römischen Kirchenstaate versendet werden.
Alle diese Artikel sind von der gewünschtesten Voll-
lommenheit, und ihre Ausfuhrung. gereicht der Fa-
brik zur gröfsten Ehre.
Die Schwarz- und Weifsblechfabrik des Herrn Grafen
Ferdinand yon Egger, zxxLipitzbach in Kürnthen.
Diese Fabrik, deren, wegen der Einsendung von
Stangeneisen, bereits oben rühmlich gedacht worden
ist, bat dem National-Fabjiksprodukten-Kabincite ein
loUständiges Sortiment von gewalztem einfachen und
doppelten Schwarzbleche zur Aufstellung übergeben.
46
ff
Die gröfsten Tafeln desselben sind 36 Zoll lang, und
21 Zoll breit; man bemerkt daran weder Ungleichhei-
ten in der Dicke, noch sonstige Mängel, die der äus-
sern Schönheit des Fabrikats Eintrag thun würden.
Das Zink Walzwerk der Herren jP/ac^ undÄeiV, zuJEh-
dersdorf in Schlesien . '
Diese noch nicht long bestehende Fabrik hat
ftir das Kabinet Muster von gewalztem Zink-, Kupfer*
und Eisenblech eingeschickt, die sich durch Gröfse
der Dimensionen und durch Schönheit gleich vortheil-
haft auszeichnen. Unter den Zinkblechen insbesondere
befinden sich Tafeln von 7 bis 10 Fufs Länge, die
dessen ungeachtet keine gerechte Forderung unbefrie-
digt lassen.
Eugen Gianicelli, zu Frauenthal in Osterreich
(V. 0. W. W.).
Eine zahlreiche Sammlung von Eisend rath -Mu-
slern, welche dieser Fabrikant dem Kabinette einge-
sendet hat, verdient hier seiner Vorzüglichkeit we-
gen rühmlich erwähnt zu werden. Selbst die dicksten
Sorten zeichnen sich dadurch aus, dafs man an ih-
nen nicht di^den gewöhnlichen Drathso häufig ver-
unstaltenden Zangenbisse bemerkt. Unter den feine-
ren Gattungen befinden sich mehrere Proben von Sai-
ten- und Kardätschen-D rath, denen ebenfalls in Hin-
sicht auf Reinheit und Gleichförmigkeit vorzügliches
Lob ertheilt werden mufs*
Die k. k. priv. Messingfabrik des "Rvn. jdnton Hainischy
zu Nadelburg in Österreich (V. u. W. W.).
Diese Fabrik, welche seit ihrem Bestehen sich
durch die Güte der Erzeugnisse einen ausgezeichnet
ten und wohl gegründeten Ruf erworben hat, verfer-
tigt aufser allen Sorten Messingdrath auch Messing-
und Tombakbleche von der besten Qualität. Die von
derselben eingelieferten Mcssioggufswaaren sind frü-
47
her sdbon besprochen worden. Die im Fabriksprodu)Lr
ten-Kabinette aufgestellten Muster vonRolI-^ Tafel« und
geijfalziem Uhrmacher -Messing sind von der schön-
sten Farbe und der äufsersten Reinheit. Eine Sorte
Ton schwarzem Messingblech , die zu den im Orient
sehr gesuchten türkischen Bechern verarbeiiet wird, .
glaubt man darunter insbesondere erwähnen zu müsr
sen. Ausgezeichnet schön sind die Tombakbleche, be-
sonders die für Metallschläger zur Verfertigung des
nnechten Blattgoldes bestimmten. Muster von Zink-
blech, weldies Herr Hainisch schon vor mehreren
Jahren erzeugen liefs, verdienen um so liiehr* Auf-
merksamkeit , als der Gebrauch desselben zur Dach-
deckung bei uns nach und nach allgemeiner zu wer-
den anfangt.
Die Fabrik von leonischen Waaren, zu Schwatz in
Tirol
Von dieser Anstalt, welche' unter der Firma
Knapp und von Brentano bekannt, übrigens aber
ein gemeinschaftliches Eigenthum mehrerer adeligen
Familien ist, hat das Fabriksprodukten -Kabinet eine
Sammlung verschiedener Arbeiten aus unechtem Gold-
und Silberdrath aufzuweisen. Runder und geplätteter
Silber- und Golddrath, die Kantillen, Gold- und Sil-
berkettchen , die Füttern und mehrere andere in dem
Sortimente befindliche Artikel sind musterhaft gear-
beitet, und zeigen einen so hohen Grad der Vollkom-
menheit, dafs sie sich durch das^ Ansehen von den
echten Waaren dieser Art nicht unterscheiden lassen. —
Die Verwendung des leonischen Drathcs zu Borten
n. dergl. ist hinlänglich bekannt, und e$ gibt im öster-
reichischen Staate mehrere Fabriken^ welche derglei-
chen Waaren von der vorzüglichsten Qualität liefern.
Hiervon erwähnen wir gelegenheitlich die des Caje^
tan Giussani, va Mailandy aer das Fabriksprodukten-
Kabinet mit einer trefflichen Auswahl seiner Erzeug-
nisse beschenkt hat«
48
G. Neitter, zu Krems in Steiermark (Grauer Krei$)^
hat mehrere Muster von schwarzem und verzmntem
Eisenblech eingeschickt^ die sich sehr zu ihrem Yor-
theile auszeichnen. Nebst andern Stücken bemerkt
man darunter ein paar kleine Platten, deren die eine
schwfirz, die andere verzinnt ist. Beide sind v^egen
der ganz ungewöhnlichen Feinheit und Glätte, das
letztere aber aufserdem noch durch die Schönheit der
Verzinnung, welche sich der besten englischen an die
Seite stellen darf, merkwürdig. Schade, dafs keine
einzige inländische Fabrik die Erzeugung des verzinn-
ten Eisenbleches mit der an diesen Mustern bemerk-
bareil Sorgfalt ausübt; wir würden dann leicht die
Einfuhr des englischen Weifsbleches gänzlich ent-
behren können.
l)ie k. k. ArariaI-Messingfabrikzu/v*/7r^e7i^Aa/ in Steier-
mark (Marburger Kreis).
Verschiedene Muster von Messingblech und Mcs-
singdrath , die sämmtlich den lang gegründeten guten
Ruf dieser Fabrik auf das Bieste bewähren. Unter dem
Nahmen des Grätzer Messings werden diese Erzeug-
nisse von Uhrmachern und andernMetallarbeirern sehr
stark gesucht,' und denen vieler andern Fabriken vor-
gezogen. Dieser Umstand hat einige der letztern so-
gar veranlafst, einer ihrer besten Messingsorten eben-
falls die Benennung Grätzer Messing beizulegen. Der
eigentliche Vorzug des Grätzer Messings besteht in
seiner Weichheit, und in der Leichtigkeit, mit wel-
cher er sich biegen, hämmern und treiben läfst.
Die Metallwaarenfabrik der Gebrüder von Rosthorn,
in der Öde (Österreich y V. u. W. W.).
Die Herren Eigenthümer dieser in jeder Rück-
sicht'VoUcndeten Fabriksanstalt haben dem Kabinette
ein ungemein schätzbares Geschenk mit einer ausge-
zeichneten Sammlung ihrer Erzeugnisse gemacht, wel-
ches in Hinsicht sowohl des beträchtlichen inneren
49
Weithes, als der technisdhen Vollkommenheit aller
dnzelnen Stücke die höchste Beachtung verdient
Diese talentvollen ttnd thäligeii Männer haben durch
weitläufige und mit aufserordentlicShen Kosten verbun-
dene Anstalten die schwierigsten Aufgaben in ihrem
Industriezweige slücklith gelöst j und hierdurch* zur
Vervoilkommnung und Ausbreitung desselben yi unse-^
rer Monarchie wesentlich beigetragen. Beweise da-^
von lierern vorziiglich ihre geWalsten Kupfdr-^ Zink-^
Tombak- und Messidgbleche; Zink- und Kupferble-
che (von denen die erstem ihrer niedrigen Preise we-
gen mit unbestreitbarem Vortheil zur Dadbdeckurig
benutzt werden) sind bei beträchtlicher ^ oft sogar
ungewöhnlicher ötöke (iiähunlich 0 Füfs Länge und
3Ftt(s Breite) von der äüfsetsted Heinheit^ und $o
biegsam , dafs sie ohne den geringsten Anstand zil al-*
len sewohdlicih tofkommenden Arbeiten« verwendet
werdeli können. Das Näbmliche gilt von den tersdiie-^
denen Sorten des gesehlagenen und gewalzten Mes-
singbleches, die durchaus sehr rein^ zäh^ und von
schöner Farbe sind. Man bemerkt darudter Proben
von 9o genanntem Plaitirmesiingj eid Eraieugnifs der
von Rosthorn'sdhen Fabrik ^ welciies wegen seiner ge-
ringen Dicke und Vdr^eüglidhen Geschmeidigkeit von
allen Consnmenten sehr gesucht üdd gelobt wird* Die
Yer/ertigudg desselben geschieht durch Walzen^ vireil
nun nur atii diesem Wege dc^m Produkte die gröfste
Vollkommenheit. geben kand^ In der Sammlung be-
imdet sich ein Muster von solchem gewalzten Plattir-
nessing ^ vvelches ^ Fufs Länge besitzt. Tombakble-
che werden von der gröfsten bis zur geringsten Dicke
zum Gebratiehe tut Metallschläger in der Fabrik ver»
fertigt. Die Drathmdster sieichnen sich besonders durch
den Umstand ads^ dafs jedes einzelne (obwohl meh-
rere Pfunde an Girev^icht) selbst bei ded feineren Num-
mern 9 aus einem eld^igäd F&den besteht^ Alf Bei-
spiel erwähnt man blofs eines Ringes vod feinem Kla-
vieraaiten-Draih ^ der nicht weniger als i^aSFufsIang,
U 4. p«»l]rt« iMt« IV. M« 4
5o
und dürcli diese ganze Länge vollkommen glatt und
gleichförmig ist, — Endlich verfertigt die Pahrik auch
den vierkantigen Drath zu Regenschirmen^ so v^ie
alle Gattungen von sehr weichem Kupfer- und Zink-
drath. Überhaupt liefert die ganze Sammlung der
genannten Erzeugnisse einen erfreuÜchen Beweis voa
den auffallend raschen Fortschritten, welche die Fa-
hrikation dieser Waarea durch die Talente und den
unermirdeten Fleifs der von Rosthorn'schen Brüder
gemacht hat, und stellt diese letzteren selbst in die
Reihe der achtungswerthesten inländischen Fabriks-
Unlernehmer, von denen Andere nicht nur vortrefi--
liche Materialien, sondern auch manche unentbehrli-
che Hülfsmittel , z. B. Sehr schön und genau gearbei-
tete Wälzen aus Gufsstahl (welche, ebenfalls auf Ver-
langen geliefert werden), erhalten können. Möge
das hier Gesagte dazu beitragen, die Anerkennung
ihrer Verdienste allgemein zu machen.
Martin Miller^ in Wien. .
Es ist gewife eine erfreuliche Erscheinung fiir je-
den Vaierlandsfreund, bedeutende FabrikationszWeige^
die vorher das Ausland als Monopol besafs, in die
Heimath verpflanzt zu sehen, weil durch ein solches
Ereignifs der National-Reichthum einen Zuwachs, und
der allgemeine Wohlstand eine neue Stütze erhält. —
Diese Betrachtung dringt sich unwillkürlich auf.
Wenn man die Erzeugnisse des rastlos thätigen Fabri-
kanten Martin Miller einiger Aufmerksamkeit * wür-
digt. Schon früher ist von mehrereil derselben die
Rede gewesen, nahmentlich von den im National -Fa-
briksprödukten-Kabinfette befindlichen Stahlmustern
und Drathzieheisen , von denen besonders die letztern.
alle Einfuhr aus dem Auslände etitbehrlich machen ;
hier j^rübrigt uns noch von einigen ändern Artikeln
zu sprechen, die ebenfalls von nicht geringer Wich-
tigkeit sind. Hr. Miller hat fiähmlich dem Kabinette
ein Sortiment ^er von ihm erzeugten Stahlbleche über-
5i
»
geLen, welche den besten englischen nicht nächste^
hen^ und zu allen Verwendungen voUkonunen taug-
lich sind. Dasselbe gilt von den nach deutscher und
französischer Art verfertigten Uhrfedern^ die^ yfenii
sie auch den strengsten Forderungen nicht: ganz ent-
sprechen sollten^ doch immer einen Theil . der Ein-^
iiihr fremder Federn enthehrlic|i machen können.
Andreas Tbpper y iu ScheibS ih Österreich
(V. 0- W. W).
Dieser durch die Güte Seiner Produkte ausge^
zeichnete Fabrikant hat dem Kabinette viele Muster
von gewalztem Eisenblecih zur Aufstellung übergeben^
die in jeder Rücksicht vollkommen genaünt werden
dürfen. — ^Hr. röpperhai im Jahre 1821. ein aüsschKcs-
sendes Privilegium auf eine zur Erzeugung von Eisen-
und Stahlblech bestimmte Streckmaschine erhalten^
i8. Unter den vorzüglicheren Artikeln j welche
aus Blech Verfertigt werden^ und von denen das Na<*
tJOoaf-Fabriksprodükten-Kabinet eine gtöfsere Anzahl
Muster besitzt^ erwähnen wir zuerst ^v Klämpner-^
waarens Von den Fab rikanten ^ welche derlei Artikel
zur Aufstellung eingeschickt häben^ verdient vorzüglich
Käf4 Derriuihy xh 'Pilnfhaüs bei VFierij
genannt zu werden. Dieser jndustriösc Unternehmer,-
dessen hier mit besonderer Auszeichnung gedacht wer-
den mufs^ hat dem Kabinette mehrere sehr gelungene
Proben seiner Erzeugnisse . zum Geschenk gemacht.
Zu den schönsten Stücken darunter gehört eine kleine
argand^sche^ aus moicirtem^rün lakirien Blech verfer-
tigte, mit Bronze verziertel Lampe j sovvie eine nach
des Einsenders eigener Erfindung kohstrüirte Käffeh-^
maschine, aufweiche Ictzterel ihm in Geraeinschaft
mit Hrn. Ignaz Meißner ein ausschliefsendes Privile«
giam. ertheilt wurde. Merkvvürdig sind auch ein paar
Nachdamnen« die zugleich ats Uhren gehraucht wer-
5a
den Lonnen ^ indem durch die Menge des verbrannten
Ohles auf einem Zifierblatte die Stunde angezeigt
Iwrird. Wenn auch diese artige^ von Frankreich in
der neuesten Zeit ausgegangene Erfindung den genann-
ten Zweck nicht vollkommen erfüllt^ so bleibt wenig-
stens den vorliegenden Exemplaren das Verdienst ei«-*
nergeschmackvoUen Ausführung^ welches Hr. Demuth
überhaupt allen seinen Fabrikaten mitsutheüen ge-
wohnt ist. — VorKÜglich gearbeitete Stücke sind auch,
eipe nach neuer Art verfertigte KaSehmaschine von
TCarl DellaviUa zu Baden; ein messingener Uhrka-
sten von Johann Weinmann y und eine mit vier Dillen
versehene grofse Hänglampe aus Messingblech^ von
Alois Reiberger. Die beiden zuletzt genannten Ver-
fertiger sind in Ff^ieh etablirt.
Einige sehr scbon gearbeitete Stücke aus moirir-
tem Blech besitzt das Kabinet auch von den FabrikaO:-
ten Georg Ptfnti und Brüder in Mailand, die defs-
halb erwähnt werden müssen«
Für die Fabrikation der Luxuswaaren aus Blech
hat sich in den letztvergangenen Jahren durch die Er-
findung des Moir^ m^tallique ein neues Feld geöffnet.
Der Franzose Allard, dem diese fiir Wissenschaft
und .Kunst gleich interessante und wichtige Entde-
ckung zugehört^ wurde wahrscheinlich durch Znfall
auf dieselbe geleitet. Das sonderbare , sehr gefällige
Ansehen des moirirten Weifsbleches hat den daraus
verfertigten Artikeln bald allgemeinen Eingang ver-
schafft, und ist Ursache gewesen, 'dafs man sich auch,
in andern Ländern viele Mühe gegeben hat, dasselbe
hervorzubringen. Der Professor der Technologie am
k« k. polytechnischen Institute, Hr. G. Altmütter, war
im österreichischen Staate der erste, der über die Er-
scheinung des Moir^ m^tallique kritische Versuche ^a-
Sestellt, und die bei seiner Bereitung zu beoBachten-
en Verfahruügsarten auf allgemeine Regeln zurück-
§
i.
M
53
geführt hat ^)« Ganz neuerlich ist es ihm gelungen^
den Moire auch auf Stanniol (Zinnfolie) hervorzubrin-
gen; und die von dieser Arbeit Im National -Fabriks-
produkteii-Kabinette aufgestellten Proben unterschei-
den sich von den ebenfalls hier befindlichen englischen
Mustern blofs durch d¥d mindere Qualität des inlän-
dischen Material^s (des Stanniols)^ welche natürlich
auch auf das Aeufsere, nähmlich auf die Schönheit
der Zeichnungen^ einigen Einflufs Hat. — Arbeiten
ans moirirtem Blech werden gegenwärtig bereits in be-
trichtficher Menge erzeugt; und es ist nur Schade,
dafs eben die grofse Quantität, welche von solchen
Artikeln abgesetzt wird, auf die Güte und Schönheit
derselben fast durchaus einen nachtheiligen Einflufs
geauisert hat. Denn^ ungeachtet die geringe Quali-
tät des inländischen verzinnten Eisenbleches die Ar^
hdter geavningen hat^ zur Y er wendimg von enelischem
Weilsblech ihre Zuflucht zu nehmen , so kommen
doch nur die Erzeugnisse weniger Fabriken (worunter
yonughcL jene des schon erwähnten Hrn. Demuth
nrecfanen ist) den französischen ganz gleich. Das
£abinet besitzt Muster aus AUardts Fabrik, die sich
nicht nnr durch schöne Zeichnungen , sondern auch
dorch geschmackvolle Farben Wahl und durch dieVor-
trafSichkeit des Firnisses auszeichnen , und zur siche-
ren Bestätigtmg des Gesagten dienen können.
IQ. Ein Fabrikat , von dem das National-Fabriks-
prodokten-Kabinet eine sehr zahlreiche und ausge-
wählte Sammlung aufzuweisen hat, sind die aus Mes-
singblech geprefsten oder gestampften Bronzewaaren,
welche in der österreichischen Moüarchie von vorzüg-
Schönbeit verfertigt werden. Gestampfte Ka-
und ähnliche Verzierungen sind in der
neuem Zeit mit Recht so sehr behebt geworden, dafs
sie die aus Messing gegossenen, welche friaher. aJ(lge-
*) Jahrb* des polytechn« Instit* B<L 1 9 S. 94*
fiieii^ im Gebrauche waren ^ verdrängt haben, Dio
lenglißchen und französischen Waaren dieser Art, wel-
che sonst fiir die vorzüglichsten .gehalten vvurden, sind
jiir uqser Inland schon seit mehreren Jahre|i ganz
(Entbehrlich geworden ; ja fiir ipanche der aus cinhei-
piischen Fabriken hervorgehenden Stüpke fällt die Ver?
gleichung mit den genannten ausländischen Produl^ten
offenbar zum Vqrtl^eil aus, wobei noch zu bemerken
kommt, d^fs in Hücksichtdes Preises die ustcrreichi-
schen Fabriken keine Konkurrenz zu furchten b^ben ;
selbst von Seite der englischen nicht, von denen docl}.
eine Beeinträchtigung dipser Ar( am meisten zi^ evr
vvartef^ y^äre^
Unter den hierher gehörigen Fabriken ^^ welche
dasKabinct mit ihren Einsendungeil bereichert haben,
sind die , der Herrefi Franz JVinkler un4 Feil ^iß
forzüglicl^sten«
Die Erzeugnisse des Hrn. Fram Jf^nkler^ der
9eipe ^rofse &|etallwaarenfabrik zu Ebersdovfy unferij
Jf^ien, eublirt hat, sipd, sowohl in Rücksicht auf
Sphönl^eit der Formen, als in Ansehung des Firnisses,
Wpdurch sie ihre goldähnliche Farbe erhalten, ohne
(sigentlich vergoldet zuscyn, des gröfsten Lobes vverth,
und halten die Vergleichung mit den neben ihnea
aufgestelUei^ englischen- qhnc Nachtheil aus, Was den
erwähnten Firnifs l^etriffk, so kann die Farbe dessel-
ben nach [ßcUeben der Abnehmer niiancirt werden.
Die meisten io^ Fabriksprodukten -Kabinette befindli-
chen Muster $ind zwar etwas zu röthlich, um die
' Farbe einerVergoldung täuschend nachzuahmen; doch,
richtet mqn sich in der Fabrik, n^^türlicher Weise,
.nach dem Gcschr^ncke des abnehmcndcH Publikums,
welches seine Neigung fiir eine solche etwas dunklere
Nuance ausgesprochen hat. Dieser Geschnlack läfst
sich übrigens um so leichter billigen, da zur Verzie-
rung der bei uns fast durchaus gebräuchlichen dunkel
55
politirten Möbel aus Nufsbaumholz eine etwas rodili-
che Farbe weit besser taugt ^ als eine rein goldgelbe.
Um die Möglichkeit einer Vergleicbung^ mit den aus-
ländischen Bronzewaaren vollkommen zu machen^ hat
Hr. Winkler einige Stücke nach gewissen im Kabi-
netie befindlichen englischen Mustern verfertigen Us-^
sen^ die ihren Vorbildern in keiner Rücksicht nach-
stehen, und noch den Yortheil haben, dafs sie ver-
hältoilsmäfsig wohlfeiler zu stehen kommeUt
Aus der Fabrik des Franz Feil in Wien (welche
nun nach dessen Tode y von der Frau Wittwe fortge-
führt wird) besitzt das Kabinet zwei grofse Tableaux
mit gestampften Blecbverzierungen, die jeden Kenner
durch die Keinheit imd Schärfe ihrer (meist nach An-
tiken gebildeten) geschmackvollen Formen befriedi-
jffJL Die genannte Fabrik ist defswegea schon seit
Jahren beriihmt, und sie hat ihren guten Ruf zu kei-
ner Zeit auf das Spiel gesetzt. Ihre Erzeugnisse wer-
den nicht nur zur Verzierung von Möbeln häufig ver-
wendet^ sondern auch zu andern Zwecken^ z, B. qJs
Afodelle iiir die Eisengiefserei ^ für tbönerne Verzie-
rungen auf Öfen und dergl* benützt,
ao. Die Fabrikation der Nähnadeln gehört unter
diejenigen Industriezweige^ welche in dem österrei-
chischen Staate noch nicht so weit vervollkommnet
sind^ dafs ihre Produkte denen aus mehreren frem-
den Ländern^ und nahmentlich den englischen ^ an
Gute und Brauchbarkeit gleich kämen. Die englischen
Nadeln haben vor den inländischen den Vorzug einer
grofsen Härte und einer schönen Politur^ Eigenschaf-
ten^ denen sie vorzüglich ihre Berühmtheit verdan-
ken. Die Fehler^ welche an den meisten in Öster-
reich^ auch in Deutschland überhaupt erzeugten
Sahnadeln gerügt werden müssen^ sind der fast gänz-
liche Mangel an Härte ^ und die oft mit wenig Sorgfalt
angeschliffenen^ und daher ziemlich kolbigen Spiuen,
$6
welche natürliicher Weise den Gebrauch sehr erschwe-
ren. Aller dieser Umstände ungeachtet gibt es doch
manche Nadelfabriken im Inlande, deren Erzeugnisse
4en englischen nicht sehr viel nachstehen , wie denn
gucb mehrere im Naitonal-Fabriksprodukien-Kabinetto
beCndliche Proben den Beweis lieferp können , daf«
die Verfertigung der Nähnadehi in der letzten Zet(
einige nicht unbedeutende Fortschritte gernacht hat.
Vorzüglich verdient in dieser Rücksicht ein zahlrciT
ches Sortiment aller Gattungen Nähnadehi erwähut zi|.
werden, welches 4er Fabrikant jinton Liegte, zvl
Neuftkirchen in Österreich (V, U, W, W.) jtur hxdr
Stellung eingeschickt hat, und das allerdings demVer?
fertiger Ehre macht, wenn inan aunh nicht behaup-
ten kann , dafs diese Muster mit dem englischen Fa?
brikate in allen Rücksichteii zu konkurriren im Stande
seyn. — Unter den englischen Nähnadeln, die jm Fa?
briksprodukten - Kabinette ^ur Vergleichung mit den
inländischen aufgestellt sind, bemerkt man auch sol-
che , deren Öhre vergoldet sind. Da aber der Preis
dieser Gattungen etwas niedriger ist, als der der ge-
wöhnlichen, so kann man daraus mit Rech); sphlies?
sen, dafs die von kaufmannischem Spekulationsgeiste
beseelten Engländer jene artige Verzierung bjofs ge-
wählt haben, um auch ihren minder guten Erzeugnis*
sen Absatz zu verschaffen. Im Iniande werden der-
gleichen NAhnadela noch nicht (Erzeugt.
31. Als eineA ähnlichen Fabrikales gedenken wir
hier auch der Stecknadeln , deren Verfertigung wohl
von gröfser.er Wichtigkeit seyn möchte , als man ge-
wöhnlieh denkt, da eine unglaubliche Menge dersel-
ben täglich verbraucht wird. Das Pabriksprodukten-
Kabinet besitzt auch hiervon zahlreiche Muster, durch,
deren Ansicht man sich (wenn es erst noch nöthig
wäre) von der Vollkommenheit dieses unbedeutena
scheinenden Fabrikates überzeugen könnte. — Greise
Aufmerksamkeit verdient ein in der neuesten Zeit ge-
57
mtchter Versuch^ der (hKin abzweckt ^ die Kopfe
aus einer eigenen MetaU - Zusammensetzung zu giea-
sen. . Dals dadurch die Verfertigung der Stecknadeln
weit einfacher gemacht, und in kürzerer Zeit be-
werkstelliget werden könne ^ sieht jeder ein^ dem
das gewöhnliche Verfahren beim Anköpfen bekannt ist«
In Aachen besitzt dermahlen ein gewisser ilf/^eo/t eine
solche Stecknadel -Fabrik^ die taglich eine unee-
heore Menge Nadeln «erzeugt^ über deren Manipuia-
üons-'Art beim Giefsen aber noch wenig bekannt
isL Durch die allerböchste Gnade Sr. Majestät des
Kaisers erhielt das Fabriksprodukten - Kabinet ein
Sortiment solcher Stecknadeln aus Migeoris Fabrik,
die ¥rirklich ein sehr schönes Ansehen haben ^ und
sich, da sie verzinnt sind, von den gewöhnlichen
nidii unterscheiden lassen« Hr. Professor Altmütter
bat sich viele Muhe gegeben, ein anpassendes Ver-
fibrea fiir das Giefsen der Nadelköpfe auszudenken,
und hat schon vor einiger Zeit eine Form zu diesem
Zwe^e für die mit dem Fabriksprodukten - Kabi*
Jieice verbundene WerkzeugsammiuDg verfertigen
lusen, die mit allen Nebentheilen ganz nach seiner
eigenen Erfindung und Angabe ausgeführt ist. Übri-
gens hat noch kein inländischer Fabrikant die Ver*
üertigung der Stecknadeln mit angegossenen Köpfen
versucht, ungeachtet dieselbe ohne Zweifel eine he*
deutende Kostenejrsparimg bewirken könnte«
aa. Von jenen Fabrikaten, welche blofs aus
Drath erzeugt werden, berühren wir hier noch die
eisernen und messingenen Bandketten des Eustach
Seider in FFien, welche der genannte Erzeuger dem
Kabinette zum Geschenke gemacht hat. Diese Ket-
ten, ursprünglich eine Erfmdung des berühmten
französischen Mechanikers f^aucanson, verfertigte
man bis jetzt entweder mit einer von' dem Letztem
sn diesem Behuf e angegebenen Maschine , - oder aber
mit HiUfe weniger Werkzeuge aus freier Hand« Dafs
58 .
k
besonders das eben genanifte Verfahren aufserordent*
lieb zeitraubend und mühsam >sejn müsse ^ unterliegt
keinem Zweifel mehr^ wenn man die Gestalt der
Kettenglieder aufmerksam untersucht hat. Schon vor
mehreren Jahren hat man in einigen österreichischea
Fabriken versucht^ sich der Bandketten zu bedienen;
allein man war bald gezwungen^ dieses Vorhaben
wieder aufsugeben, da die Verfertigung derselben
aus freier Hand zu kostbar gewesen seyn würde^ und
die erzeugten Ketten doch keine grofse Genauigkeit
besitzen konnten. Gegenwärtig hat der schon ge«'
nannte Schlosser Eustach Seider ein Paar Maschi^
nen erfunden und selbst gebaut, mittelst welchen er
die F^aucansorCsfAiAXi Ketten von allen Dimensionen
und mit der gröfsten Gleichförmigkeit gearbeitet^ zu
liefern in den Stand gesetzt ist. Die Zwecke, zu
welchen diese Art Ketten verwendet werden können^
sind sehr zahlreich. Man wird sich ihrer mit Vor-
theil überall bedienen , wo man sonst Schnüre oder
Seile oder gewöhnliche Ketten anzuwenden gezv^un-
gen war^ also bei Schleifsteinen , Spinn -und Kratz-*
maschioen, Drehbänken, Bratenwendern; ferner
zum Aufziehen von Lasten, Ur s. w. Zu allen diesen
Bestimmungen eignen sie sich vorzüglich defswegen,
weil sie nicht nur eine aufserordcntliche Festigkeit
besitzen, sondern sich auch weder drehen noch zie-»
hen können , und wegen ihrer bandförmigen Gestalt
leicht um ein Rad oder eine W^Ue gewickelt wer-
den können, -^
^3. Eine der .interessanteren Abtheilungen des
Fabriksprodukten* Kabinettes macht die bedeutende
Sammlung von Schlössern aus, welche thcils von
den Verfertigern Eingesendet, theils auf Kosten des
jährlich festgesetzten Verlagsgeldes angeschafft wor-
den sind. Sowohl gemeine, als sogenannte Vexier-
und Sicherheitsschlösser finden sich hier in grofser
Anzahl, und meistentheils mit vorzüglichem Fleifs
59
gearbeitet. Mehrere Schlosser ^ deren Einrichtung
eine grofse Sicherheit verspricht ^ und die daher einer
ftUgemeincren Verbreitung werth zu scyn schienen^
sind nach englischen Zeichnungen von hiesigen Ar-
beitern verfertigt; und im Kabinette aufgestellt wor-
den; von andern Arten findet man hier auch englische
oder französische Originale^ die^ da sie zürn Theil
wenig bekannt sind^ zur Nachahmung Gelegenheit
geben« Vorzügliche Erwähnung verdienen die soge-
nannten Bramah*schen Patentschlösser *) die
durch Veranlassung des Herrn Professors Altmütter
gegenwärtig in Wien schon auf Bestellung zu haben
sind. Merkwürdig ist ein grofses Thorschlofs^ des-
sen Einrichtung zwar auf BramaKs Princip gegrün-
det ist^ welches sich aber von flen gewöhnlichen
Patentschlössern dadurch unterscheidet ^ dafs es von
beiden Seiten gesperrt werden kann. Die Leichtig-
keit, mit welcher das OShen und Sperren dieses
Schlosses ; ungeachtet der geringen Gröfse des kaum
I Zoll langen Schlüssels^ vor sich geht^ erregt bil-
1^ Erstaunen. Der Verfertiger davon ist Hr. Georg
Schuster, Werkmeister im k. k. polytechnischen
lastitute, ein überaus geschickter Arbeiter. Ferner
müssen die von Herrn Professor CrwelU in Mailandy
10 wie von den Engländern Mallet, Strutt und So-
nerford erfundenen Sicherheitsschlösser mit Aus-
leichnung genannt werden ^). Als ein wahres Kunst-
werk berühren wir zum Schlüsse ein grofses^ von dem
Schlosser Adam Graf in Ischl (Österreich, Trann-
kreis) eingeschicktes Vorlegschlofs , an welchem die
Schärfe und Reinheit des Feilstriches , der Politur,'
und überhaupt der ganzen Ausführung, den vollen-
deten Meister beurkunden , so wie dieses Schlofs durch
seine vielen Vorzüge überhaupt zu einem der aller-
schätzbarsten Stücke des Kabinettes gestämpelt ist.
>) Jahrbücher des k. k. polyt. Instit. Bd* I. S. 3 14*
«) Diese Jahrb. Bd. I. S. 299 , nnd Bd. III. S. 466. , ifi^
6o
Unter den andei-weitigen hier aufgestellten ScUosser-
arbeiten verdient vorzüglich ein schön gearbeiteter
Glaser - Bleizug (ModeU) von Michael Holzer, zu
Saaljelden im Salzburgs, und einige aus Eisenblech
getriebene Verzierungen^ (nahmenüich eine grofse
Rose^ u. dgl.) von Joseph Stockinßer in fFien, er^
wähnt zu v^erdcn.
4
2i4* Das National * Fabriksprodukten - Kabinet besitzt
eine vollständige Sammlung der bei der k. k, Armee
üblichen Gewehrgattungen, die mit einer Präcision
gearbeitet sind, welche wirklich kaum etwas zu wün«
sehen übrig läfst. Die Verfertigung der einzelnen
Theile dieser Waffen, z. B. der Flintenläufe, j^t-
schiebt von zerstreuten Meistern, die Zusammen-
Setzung derselben, und die Vollendung des Ganzen
wird in besondern, Gewehrfabriken, die das Aera-
Tium auf eigene Kosten betreibt, vorgenommen. Aus«
«er den Feuergewehren für die Infanterie , den Kara«
binern und Pistolen für die Kavallerie , und den ge-
zogenen Gewehren für die Jäger- Corps, befindet
sich in dieser Sammlung eine sogenannte JCeil* FFind"
büchse von der Erfindung des Mechanikers Girar^
donif aus welcher zwanzig Schüsse gemacht werden
können, ohne dafs eine neue Ladung nöthig vrird.
Dieser Zweck wird durch ein besonderes Kugelma-
gazin erreicht, welches sich zur Seite des gezogenen
Laufes befindet, und aus dem vor jedem Scbusse
durch einen blofsen Druck eine Kugel ohne Zeitver-
lust in den Lauf gebracht wird. — Unter den Privat-
Gewehrfabrikanten hat Johann Schaschi, zu Ferlach
in Kärnthen, dessen Erzeugnisse schon lange be-
rühmt und geliebt sind, dem Fabriksprodukten -Ka-
binette mehrere sehr schön gearbeitete Feuergewehrei
und darunter einige, die mit sogenalm'ten Drath-
laufen versehen sind , eingeschickt.
Der Aehnlichkeit des Zweckes wegen f
6k
nun hier noch der Säbel - und Degenklingen ^ wo-
ton das Fabriksprodakten- Kabinet ebenfalls eine nicht
unbedeutende Sammlung besiut. Es befinden sich
dininter , aufser den fiir das k. k. Militär bestimmten
Säbehi^ eine echt türkische damascirte Säbelklinge^
8o wiQr.mehrere Klingen aus der schon lange Zeit be-
rühmten Fabrik zu Solingen j im kÖnigl. preufstschen
Regierungsbezirk Düsseldorf, welche Se. k. k. Ma-^
jestät dem Kabinette allergnädigst zum Geschenk ge^
nucht hau Höchst schätzuar ist besonders auch eine
Sammlung damascirter Klingen^ die nach einer ^ ton
Hm. Professor j4. Crwelli fn Mailand erfundenen^
aoiserordentlich sinnreichen Methode verfertiget ^ und
den türkischen vollkommen ähnlich sind. Herr Cri^
vettf hat das beste Verfahren^ solche Klingen zu ver*
fertigen ^ bereits bekannt gemacht ^)y daher wir uns
einer Auseinandersetzung desselben enthalten. Nur
so viel oiufs bemerkt werden , dafs die Zeichnungen
»(den Säbeln aufserordentlich mannigfaltig, von sehr
venciiiedener Gröfse, durchaus aber von ungemeiner
Sdböiiheit sind*
35« Tiie ieinBvexi Stahlwaaren y wozu hier, aus-
ser den verschiedenen aus Stahl verfertigten Luxus-
Waaren , auch alle bessern Schneid waaren gerechnet
Verden , bilden eine Klasse vott" Fabrikaten , deren
Verfertigung sich in der östen*eichischen Monarchie
sdt wenigen Jahren auf eine sehr hohe Stufe der Voll-
kommenheit gehoben bat. Dazu hat nun die Verbes-
lernng un4 Verbreitung der Stahlbereitung offenbar
das meiste beigetragen, obschon auch manche andere
Umstände mit Ursache gewesen sind, dafs die Vor-
fiebe für englische Stahlwaaren nach und nach fast
bis zam blofsen Vorurtheil herabgesunken ist. Durch
die Betrachtung der vielen im National -Fabrikspro-
dulten- Kabinette aufgestelltea Stahlwaaren, und
*) S. den IIL Bd. dieser Jahrbücher, u;il den gegenwartigen«
di^Fch deren Vergleichung mit englischen Produkten
kann man sich von dem Gesagten.. die vollste Üljer-
Beugung verschaffen^ Es fallt schwer^ von jenen
jb^/ssern Fabriken^ welche Muster ihrer Erzeugnisse
eingeschickt haben ^ eine der andern nachzusetzen;'
naan wird sich daher begnü.geo^ von den vorzüglich-
sten nur etwas mehr als die Nahmen anzuführen. — :
Eine der ausgezeichnetsten ist die des Herrn Ignaz
Sign RöslePx zu Nixdorf in Böhmen (Leitmeritzer
Kreis.), deren Messet^ Scheren und andere feine,
in jeuglisdbem und französischem Geschmack gearbei-
tete Stahl waaren von grofser Schönheit^ und selbst
in den Nebentheilen mit aller Genauigkeit ausgeführt
i^ind* I Pie Rasirm^sser dieser Fabrik werden von den
ep^lischen weder an. Politur nock an Güte des Ma-
terials .übertro^en# -^ £ben so vorzüglich und .von
nicht minderer Schönheit sind die Kasirmesser . chi-
rurgischen Instrumente u. s« w« des Michael Beitider
in ßaden (Österreich). — Anton Heindl^ :,-^^"
dolph Riedler und Leopold Doppler in Stejrer,
(Österreich^ Traunkreis), haben aem Kabinette vor-
trefflich gearbeitete Schneidwaaren übergeben. £i-
pige sehr schön gearbeitete, Stücke ^, worunter sich
ein nach englischer Art verfertigter Federschneider
und Feder aÜxüpfer^ dann ein künstlich eingerichte-^
ter Korkzieher befindet, besitzt dasselbe voii /?om£-
nik^JBauer in PFien, einem aufserordentlich gesckick-
tj^p Arhditery d.9^ .ynter andcri;i auch fiir die niit dein
Fabriksprodukten -Kabinette verbundene Werkzeue-
san^folung einen künstlichen Schraubstock ' yerfer-
tigte^ der ohne Zweifel zu den merkwürdigsten
Stücken dieser * Art> die je gemacht worden sind^
gehört* Verschiedene andere Artikel aus Stalil,
9ls . Lijchtscheren , Näbklssenj Korkzieher u. s. w,,
sind von Seite der (P. T.) gräflich von 2^^w^*/^v
achen StahlwaarenKaorik bei Alagenjfurth in Kdrn^
then, und von Michael Pfurtsdheuer zu Fulpmcs
in Tirol eingegangen } vieler ander eä Fabriken nicl^t
63
za gedenlen > die Wir blofs Mangels an Raum t^egen
hier übergehen müssen^ und von denen besonders
eine grofse Anzahl zu Steter im österreichischen
Traunkreisc ihren Sitz hat. Wir erwähnen zum
Schiasse noch einiger im Kabinette befmdlichen eng»-
lischen Stahlwaaren y die mit Nutzen zur Verglei-
chan«; den inländischen an die Scite-gestellt wurden.
Ein Rasirmesser von TVootz , ein schönes achiklingi*-
ges Federmesser, eine aus Gufsstahl verfertigte Blu^
menschere^ einige Korkzieher^ verdienen darunter
in Absicht auf ihre schöne Ausarbeitung vieles Lob;
dagegen andere Stücke, z. B. ein gewöhnliclier Fe-^
derschneider, den hohen Begriffen , die wir Festlän-^
der von den brittischen Waaren zu haben gewohnt
nndj ganz und gar nicht entsprechen.
26. Einen nicht unwichtigen Zweig der MetalU
Verarbeitung bilden endlich auch die metallenen Ktei*-
dierknopfe. Das Fabriksprodukten -Kabinet besitzt
solche Knöpfe von den verschiedensten Arten ^ so^
wo&Jganz ordinäre, die zum Gebrauch des Landvolk
iesaas Zinn oder einer weifsen Metall -Legirung ge«
Eilen werden, als ganz feine, die -aus plattirtem
pferblech verfertigt, zum Theil auch versilbert
oder ▼crgoldet werden. Der Gebrauch der Metall^
bopfe hat in der neuern Zeit bekanntlich sehr ab-
RDommen , wenir];stens hat man aufgehört , so viel
ormf zu verwenden, als dieses früher der Fall Vfstrl
tUier ist denn auch die Erzeugung dieses Fabrikates
MUt von minderer Wichtigkeit , obwohl noch viele
Fabriken daran Beschäftigung finden. Nahmentlieh
tnstiren mehrere dieser letztern in TVieiiy deren
Produkte alle Forderimgen des Kenners hinreichend
Lelriedigen. Gottfried JVilda ^und Johann Ltber^
)eide in Wien, haben dem Kabinette Muster von
Hetanknöpfen übergeben, die sowohl wegen der
Schönheit der Plattirung und Vergoldung, als in Hin-
nebt auf alle iibrigen Eigenschaften volle» Lob ▼er-'
&nen. .
64
97' Haben wir bis jeut von den im Fabrikspro-
dukten- Kabinette befindlichen Metall waaren dasNö-*
thigste ausgehoben , so gehen wir nun zu einem zwar
minder wichtigen , doch aber noch höchst bedeuten«-
den Industriezweig über^nähmlich zu denGlaswaaren m
So leicht es überhaupt ist^ Glas zu machen , so
Ungeheuren Schwierigkeiten unterliegt die Verferti-
gung eines von allen Un Vollkommenheiten freien Gla«
sei. Der Umstände > welche auf die physischen und
chemischen Eigenschaften dieses unschätzbaren Kunst«-
Produktes Einflufs haben , gibt es so mancherlei^ dais
«s jederzeit Air ein nicht geringes Verdienst einer
Fabrik angesehen werden mufs, wenn dieselbe ihr
Erzeugnifs siöglicbst zu vervollkommnen bestrebt ist.
Lange Zeit schon sind in dieser Rücksicht die Glas-
fabriken des österreichischen Staates ^ nahmentlich
die in Böhmen, auf das Vortheilhafteste bekannt.
Eine vollkommene Farbenlosigkeit und Durchsichtig-
keit^ vereinigt mit den geschmackvollsten Formea
und Verzierungen, sichern den bessern böhmischen
jGläsern den Rang vor allen übrigen , selbst vor den
englischen. Die letztern haben die Unbequemlichkeit
einer grofsen Schwere, die in dem bedeutenden Ge-
balt an Bleioxyd ihren Grund hat. Dieser Zusatz^
der zwar das Schmelzen des Glfises erleichtert, gibt
ihm. aber zugleich auch einen oft sehr menklichea
Stich in das Gelbliche, und vermindert seine Härte
dergestalt, dafs die Politur, sie mag anfänglich wies
schön immer seyn , sich bald abnützt. Freilich haben
in der letzten Zeit auch einige böhmische Fabriken
angefangen, Bleiglas zu verfertigen; aber so allge-
mein, wie in England, ist dieser Gebrauch docb
nicht. . Von der Vorzüglichkeit der inländischen Glas-
waaren gibt zwar schon die Ansicht einer einzigen
Niederlage einen beiläufigen Begriff*; um wie viel
deutlicher mufs dieser aber werden , wenn man Ge-^
legenheit hat, das Beste, wasi det Kunstfleifs so vieler
«5
Erseoger geleistet, auf einem Punkte vereinigt zu se->
hen ! Uas Letztere ist der Fall im National - Fabrika*
Produkten - Kabinette. Von den ordinärsten und von
den feinsten Gläsern finden sich hier zahlreiche Mu-
ster aufgestellt, und wenn man ja die Behauptung
wagen darf, die Glasfabrikation habe ihre VoUkom-
menheit erreicht, so läfst sie sich doch am sichersten
aus der Vergleichung der schönen Stücke mit den
schönsten ableiten ! ? —
Die Beschränktheit des Raumes erlaubt hier nur
die vorzüglichsten Fabriken zu nennen, deren voll--,
endete Produkte das Kabinet zieren. Zu diesen ge-
bort vorerst die gräflich Johann von Harrach'sche
Glasfabrik zu Neueweit in Böhmen, auf der Herr-
schaft Siarkenbaqh (Bidczower Kreis), deren Pro-
diikie einen hohen Grad der Vollendung zeigen.
Schönheit der Masse und Zierlichkeit des Schnittes
zeidmen alle Muster der weifsen Gläser sehr
vortbeil&aft aus. Unter den einzelnen Stücken wol-
len^ wfr nur eine grofse (26 Zoll hohe), nach englischer
Art geschliffene Vase, eine ovale Fruchtschale mit
dem feinsten Silberschliff, ein Paar brillantirte Tafel-
leachter, endlich ein vollständiges , aus i53 Stücken
bestehendes Tafelservice, nebst Dessert- und Punsch-
anfsatz erwähnen. Auch 'Proben von gefärbten Glä-
iera aus dieser Fabrik findet man hier aufgestellt ; als
eisen meergrünen und einen himmelblauen Blumen-
topf, eine schwarze Zuckerbüchse mit Schnittverzie-
rong, deren feinste Züge, wie es scheint, mit dem
Diamant hervorgebracht sind, einige Teller, ein Un-
tersatz aus Beinglas, u. s. w. Mehrere dieser Stücke
sind mattgeschliffen , und fast alle mit goldenen Strei-
fen und Bordüren auf das Geschmackvollste verziert.
Die graflich Harrach^sdiG Fabrik ist bisher im In-
lande die einzige , welche die in Frankreich ge-
bräuchliche Incrustation von Figuren u. dergl. in Glas
versucht, und mit Beihülfe des Professors Herrn
tAxh. 4. polju Ust, lY. Bf}. 5
66
G. jiltmüUer glücklich ausgeführt hat. Em im
Kabinette befindliches Muster dieser schönen Arbeit
läfst recht sehr wünschen, dafs dieselbe allgemeiner
verbreitet, und zu verschiedenen Zwecken angewen-
det werden möge.
Der (Tit.) Herr Graf von Bucquojr, als Eigen-
thümer der Georgcnthaler und Silberberger Glashüt-
ten bei Gr atzen im Bud weiser Kreise Böhmens, hat
dem Kabinette eine sehr schätzbare Sammlung von
Glaswaaren zum Geschenke gemacht. Es befindet
sich darunter oine grofse, von dem Glasmeister «Tb-
seph Mejrr verfertigte Vase, die sowohl dcurch die
Weifse der Masse, als durch den schönen Schnitt,
die Bewunderung aller Kenner erregt. Noch vorzüg-
licher sind zwei Weinbouteillen und eine kleinere
Vase , an denen nicht die geringste Spur einer Farbe
zu bemerken ist, und welche in dieser Rücksicht bei-
nahe alle im Kabinette befindlichen^ und yrahr-
scheinlich auch alle lemahls Verfertigten Glaswaaren
übertreffen. — Auf aer Georgenthaler Glashütte wcr-
den-s^eit einigen Jahren verschiedene Gegenstände aus
einer schwarzen, glasartigen Masse verfertigt, welche
so vortrefilich sind, dafs sie alle frühem Versuche
der Art weit hinter sich lassen. Auf die Verferti*
gung dieses Erzeugnisses, welches unter dem Nah-
men Hjralith scbon angefangen hat, ein sehr beUeb-
ter Artikel zu werden , hat der Herr Graf von Buc-
ijuoy im Jahre 1830 «(in ausschliefsendes Privilegium
erhalten. Das Fabriksprodukten- Kabinet besitzt auch
davon mehrere Muster , deren ausgezeichnete Schön«
hcit Bewunderung verdient, und worunter man be-
sonders eine zwölfeckige, 37 Zoll im Durchmesser
haltende, ganz blasenfreie und herrlich poUrte Tisclv-
pfatte, ferner eine kleinere ovale Platte, die jener an
Schönheit nichts nachgibt , einen schönen Stöpsel-
krug, und mehrere kleinere Stücke bemerkt. Malt
geschliffen gleichen solche Gegenstände im äufsern
6?
Ansehen dem schwarzen Wedgwood^ oder fein ge-
schwärztem Gufseisen. Wer die Schwierigkeiten
kennt, die sich der Erzeugung eines vollkommen
schwarzen Glases entgegen setzen , wird mit Vergnü-
gen hemerken , dafs der Herr Graf von Bucquor sei-
nen friihern Verdiensten um die Glasfabrikation
durch die Erfindung des Hyaliths die Krone aufge-
setzt hat. Ein glücklicher Gedanke war es, die aus
Hyalith verfertigten Geschirre zu vergolden. Von
dem prächtigen Anblicke , der dadurch entsieht, lie-
fert eine dem Kabinet übergebene Schale den gül-
tigsten Beweis. In der letztern Zeit hat man auf der
Georgenthaler Hütte auch angefangen, dem Hyalith
verschiedene andere Farben zu geben, wovon einige
im Kabinette befindliche Musterstücke den Beweis
liefern. Eine rothbraune, höchst regelmäßig mar-
morirte Potpourri -Vase > ein rothes Blumeogeschirr
u. s.w., welche man hierunter bemeikt, lassen nicht
den geringsten V^unsch in Absicht auf Schönheit der
Farben, der Formen, des Schliffes unerfüllt«
Von den Herren Zieh (Vater und Sohn) zu Jo*
achimsthal in Oesterreich (V. O. M. B.) besitzt
das Kabinet Muster des vortrefHichsten Krystallgla-
tes , und nahmentlich zwei Teller aus Bleiglas von
ganz besonderer Schönheit. Diese Fabrikanten haben
auf Veranlassung' Sr. Excellenz des Staatsministers
Herrn Grafen von Säur au y zuerst den in England
erfundenen so genannten Silberschnitt > der sich vor*
zugllch auf flachen Gegenständen ausnimmt, beim
Schleifen der Gläser angewendet. Ein von ihnen ver-
fertigtes, und von Sr. Majestät dem Kaiser dem Ka-
binette geschenktes Trinkglas ist, in Rücksicht des
Schnittes, nicht nur das schönste Stück in der gan-
zen Sammlung^ sondern gewifs auch eines der schön-
sten y die je gemacht worden sind. Man bewundert
daran , aufser vielen andern Verzierungen, 4^e zierli-
chen und geschmackvollen Schriftzüge des Nahmens
68
vFranz*, ,vf eiche wenigstens eine Linie hoch über
die Fläche. des Glases hervor stehen^ und nicht im
mindesten jene. Härte zeigen , die oft selbst an den
schönsten geschnittenen Glaswaaren so merklich ist.
Dem Vernehmen nach hat das Schleifen dieses einzi-
fen Stückes dem geschickten Yerfertiger beinahe ein
ahr Zeit gekostet^ worüber man sich nicht wundern
wird^ wenn man die dabei zu überwinden gewese-
nen Schwierigkeiten mit der Leistung des Künstlers
zusammen stellt.
Eine Zierde des Kabinettes ist ein ^ofser^ aus
8 Servicen bestehender^ und 66 einzelne Stücke ent-
[ haltender Glasaufsatz, welchen die privilegirte Glas-
handlungsgcsellschaft zu Blottendorf in Böhmen
(Leitmeritzer Kreis) eingeschickt hat. £r zeichnet
sich zwar weniger durch vollkommene Farbenlosig-
keit der Masse; als durch den schönen Schnitt aus,
ist aber demungeachtet ein nicht unbedeutendes
Kunstwerk.
Unter den gröfsern Glasarbeiten sind zwei Vasen
aus Beinglas von ungewöhnlichen Dimensionen (stG
Zoll Höhe) und sehr schlanken geschmackvollen For-
men, welche Michael Adler y zu Laukau ia Böhmen
(Czaslauer Kreis), eingeschickt hat, einer besonders
lobenden Erwähnung werth. Sier fallen durch das
erhaben vergoldete Laub werk auf dem weifsen Grunde
prächtig ii) das Auge.
Von den übrjgen Glasfabrikanten, deren Erzeug-
nisse sich im Kabinette befinden, nennen wir vor-
zugsweise noch folgende :
M. A. Binnert und Florian Kittel ^ zu Ulrichsthal
in Böhmen (Leitmeritzer E^reis),
haben mehrere Muster von geschnittenem Krystall-
glas zur Aulstellung überliefert. Darunter ist beson-
Ö9
den ein Trinkglas bemerkenswerth 9 welches mit
einer mythologischen Vorstellung von ungewöhnlich
reiner und richtiger Zeichnung verziert ist.
Fr. Egermann, zu Bhttendorf in Böhmen (Leit-
meritzcr Kreis).
Glasmnster mit eingebrannten gelben Figuren^
worunter sich eine matt geschliffene Zuckerbüchse
und ein geschnittener Pokal vorzüglich auszeichnen.
Egermann war einer der ersten^ welche diese
schöne, und vor kurzem noch viel besprochene Farbe
(zu deren Hervorbringung mittelst Hornsilber sich
übrigens schon in Kunkels Glasmacherkunst eine Vor-
schrift findet) auf Glas angewendet haben,
Freiherr von Hackeinberg ^ zu Hirschenstein in
Österreich (V. O. M. B ).
Em grofser^ runder Glassturz^ nach einer von
Heam Jockei (in Pf^ien) erfundenen , und ausschlies-
scnd privilegirten Methode verfertigt. Dem Vorge-
hen nach ist das Glas ohne Alkali oder Salz über-
haupt^ sonst aber durch die gewöhnlichen Mittel gc^
schmolzen; wahrscheinlich mufs dieser Ausdruck so
verstanden werden , dafs nicht das Alkali in der ge-
wöhnlichen Gestalt, sondern statt desselben ein Al-
kali enthaltender Körper angewendet vrarde. Ge-
genwärtig wird^ so viel man weifs^ dieses Verfahren
nicht mehr ausgeübt^ ungeachtet es sich vielleicht
mit Vortheil hatte anwenden lassen. Das vorliegende
Master ist^ obwohl etwas grünlich^ doch frei von
Blasen^ Streifen und ähnlichen Fehlern.
Joseph Hoffmann ^ zu Tiechobus in Böhmen (Tar
horer Kreis).
m
Dieser Fabrikant hat dem Kabinette mehrere
Stacke von weifsem Hohlglas übergeben^ welche in
Riieksicht sowohl der Farbenlosigkeit als der übrigen
äofsern Eigenschaften alles Lob verdienen.
70
Anton Franz Lechner in Wien.
Lusterbestandtheile von so genanntem ktlnstli--
chem BergkrystalL Dieses erst vor kurzer Zeit von
Herrn Lechner erfundene Fabrikat verdient wirklich,
einige Aufmerksamkeit^ falls man auch gestehen
müfste ;, dafs die pomphaften Ankündigungen . dessel-
ben übertrieben^ und der Nähme nicht ganz passend
seyen. Die Eigenheit desselben besteht in den vielen
Sprüngen^ womit jedes Stück durchzogen ist, und
welche das durchgehende Licht auf eine solche Art
brechen^ dafs hierdurch ein viel stärkeres Farben-
spiel entsteht^ als bei den gewöhnlichen Lustern.
Das Verfahren , wodurch Herr ZecÄTier diese Sprünge
hervorbringt^ ist nich): bekannt^ aber maii kann sich
durch einen Verbuch leicht überzeugen^ dafs fedes
dicke Glasstück dadurch , dafs man e^ erwärmt^ und
dann in kaltes Wasser wirft ^ zu künstlichem Berg*
krystall wird. Die Anwendbarkeit dieses letztem
zu Lustersteinen u. dgl. unterliegt nicht nur keinem
Zweifel y sondern hat sich durch die Erfahrung auf
das Beste bewährt.
Johann Meyr^ zu Kaltenbach in Böhmen (Pra^
chiner Kreis );i
hat dem Kabinette zwei grofse Glasstürze einge-
sandt, die wegen der Bedeutenheit ihrer Dimensio-
neil merkwürdig sind. Einer derselben ist kreisrund,
hat 3i Zoll Höhe und i3-J- Zoll Weite; der andere,
oval, ist etwas tleiner. Die Schwierigkeil des Bla-
sens und Abkühlcns solcher grofsen Stücke ist es vor-'
züglich , welche das Verdienstliche bei ihrer Verfer-
tigung begründet.
Joseph Meyr, Glasfabrikant zu Jfdolph, auf der fürst-
lich Schwarzenbergischen Herrschaft Winterberg in
Böhmen (Prachiner Kreis). ,
Eine Saladiere und ein Fruchtkorb mit Unter-
satz, beide mit herrlich ausgeführtem Silberscbnitt
7'
und zn den Meisterwerken gehörend^ welche den
lang gegründeten Ruf Herrn Alejr^s immer mehr be-
festigen.
«
Raimund Nowakh, zu Langerswald in Steier-
mark^ (Marburger Kreis).
Ein geschnittener Pokal aus schönem Krystall-
glas^ und einige andere ähnliche Stücke^ welche der
genannte Erzeuger für das Fabriksprodukten- Kabinet
e'mgeschickt hat^ verdienen in Absicht auf die Schön-
heit der Masse und des Schnittes vieles Lob.
Das Fabriksprodukten -Kabinet besitzt aufserdem
Tafelglas und ordinäres Hohlglas aus mehr als 3o Fa-
briken. Als eines der seltensten Stücke bemerken
Vu' darunter eine grofse geblasene Glastafel , welche
Tucksichtlich der Dimensionen (54 ^^oU Länge ^ 35
Ziott Breite) wohl wenige ihres Gleichen haben wird.
9
Gelegenheitlich verdient auch mit vielem Lobe
ein Sortiment von sehr schön geschliffenen Brillen--
gläsern erwähnt zu werden , welches Joseph Selva
zu Fenedig. zur Aufstellung eingeschickt hat.
28. Ein wichtiger Zweig der Glas -Industrie ist
die VcB&rtigung der Spiegel, die zum Theil wie das
Tafelglas geblasen ,' meist aber^ besonders was die
grSisem betrifft^ mit eigenen Handgriffen gegossen
werden. Im österreichischen Staate ist die Spiegel-
fabrikation von nicht geringer Bedeutung ; besonders
existiren in Böhmen viele Fabriken dieser Art^ de-
ren Produkte sehr geschätzt^ und weit verfuhrt
werden. Meist werden jedoch nur kleine Spie-
gel^ die nicht über 3o Zoll hoch und 20 Zoll
breit sind^ erzeugt. Die Ursaciie davon liegt so*
wohl in dem Mangel an Absatz gröfserer Stücke^
als in der Schwierigkeit sie zu verfertigen ^ weil Ta-
feln von bedeutendem Dimensionen nicht geblasen
werden können^ und der Gufs derselben selten so
7^
rein und fehlerfrei gerath , dafs man nicht gezyrnngen
wärei sie in mehrere Theile zu zerschneiden. .
Das Fabriksprodukten -Kahinel besitzt ^iele Mu-
ster sowohl von belegtem als von unbelegtem Spiegel-
glas, aus mehreren, besonders böhmischen Fabriken.
Der gröfste dermahjen im Kabinette befindliche
Spiegel ist in der k. k. Ärarial - Fabrik Neuhaus un-
fern PFien verfertigt. Seine Höhe beträgt loo, seine
Breite 5o Zoll. In Absicht auf Reinheit des Gusses
und Genauigkeit des Schlifles erfüllt derselbe jede
Forderung. Das nähmliche gilt von einem kleineren,
60 Zoll hohen und 3o Zoll breiten Spiegel , der dem
ersteren in keinem Punkte nachsteht. Merkwürdig
ist ferner ein anderer Spiegel, 78 Zoll hoch, 38 Zoll
breit, der zu Neuhaus versuchsweise aus Glauber-
glas verfertigt wurde. Es ist dieses derselbe , dessen
in dem zweiten Bande dieser Jahrbücher, S. ai2, ge-
dacht wird.
Ein 34 und 2 a Zoll grofser, geblasener Spiegel
aus der gräflich ÄiVi^^'schen Fabrik zu Birgstein in
Böhmen y der mit Fassetten und figurirten Feldern
sehr geschmackvoll verziert ist, verdient aufserdem^
der Reinheit des Glases wegen, erwähnt zu werden.
Auszuzeichnen ist endlich noch ein 36 Zoll ho-
her, 23 Zoll breiter Spiegel, von Dominik Viamin
in f^enedifff welcher sidi besonders dadurch em-
Efiehk, dafs er, bei einer bewunderungswürdigen
einheit und Helligkeit des Glases, die Bilder nicht
beträchtlich verzieht, eine Eigenschaft, die leider
oft die kostbarsten Stücke entbehren.
!29. Zu den bemerkenswerthesten Mustern unter
den Glaswaaren , welche das Kabinet besitzt, gehö^
ren die Erzeugnisse des geschickten Glasbläsers, Glas«
73
nnd Wachsperleii - Fabrikanten Anton Schwefel in
Wien. Unter denselben befindet sich ein Tableau
mit vortrefflich gearbeiteten y weifsen und gefärbten
HoUperlen und Tropfen von den verschiedensten For-
men. Diese Artikel^ welche wohl selten in solcher
Mamrigfaltigkeit beisammen angetroffen , oder von
einer und derselben Fabrik verfertigt werden^ die-
nen vortrefflich^ die Geschicklichkeit und den gedie-
genen Geschmack des Künstlers zu seigen. Beson-
ders merkwürdig ist ein kleines ^ ganz aus gefärbtem
Schmelzglas gebildetes ^ Blumenkörbchen. , Nicht
minder schätzbar sind die verschiedenen physikali-
schen und chemischen Apparate^ von denen der Ein-
sender alle Arten ^ die sich vor der Schmelzlampe
verfertigen lassen ^ in bester Qualität liefert. Es be-
finden sich darunter vortreffliche fFelter^sche Röhren
und Trichter^ JVtchoIson^sche und andere Aräometer^
Thennometer^ Temperamentgläser ^ ein Wasserham-
mer, ^e so genannte Blut- Zirkulationsmaschine,
ein Heronsbrunnen , eine Feuerfontäne, ein aus fei-
nen GJasfäden bestehender Reikerbusch, eine Sand-
n&r, tt. s. w. Erwähnung verdienen aufserdem die
zum Gebrauch in Seidenzeugfabriken bestimmten
Ringe nnd Maillons, so wie die künstlichen Augen>
die alle mit vorzüglichem ^leifse ausgeführt sind. Das
Ganze der von Herrn Schwefel dem Kabinette über-
gebenen Gegenstände gewährt die erfreuliche Über-
seugiing y dafs alle noch so künstlichen Glasbläserar-
beiten ^ über deren Herbeischaffung man oft genug in
Verlegenheit ist, von diesem talentvollen und indu-
itriosen Manne ohne Anstand in der nöthigen Yoll-
konuonenheit zu erhalten seyn werden. ~
3o. Unter die vollendetsten Produkte der Glas-
maeherkunst gehören ohne Zweifel die so genannten
Glasflüsse oder unechten Edelsteine. Man kann
zwar nicht läugnen, dafs die Erzeugung eines voll-
koDunen durchsichtigen und ungefärbten Krysiallgla^
74
ses eine der schwierigsten Aufgaben fiir den prakii-
schen Hyalurgen sey; indessen erfordert doch die
Verfertigung aer Glasflüsse, wenn dieselben anders
ganz naturgetreue Nachahmungen der Edelsteine seyn
sollen, fast eben so viele Kunstfertigkeit, weil nicht
nur die Grundlage dieser Gompositionen durchaus
ein möglichst ungefärbtes Krystallglas seyn mufs, son-
dern weil auch sehr viel von der gehörigen Auswahl
und schicklichen Vermischung der färbenden Stoffe
(Metalloxyde) abhängt.
Von jeher sind die Fabriken in der Umgegend
von Fenedig, besonders zu Murano, wegen der Er-
zeugung der Glasflüsse berühmt gewesen, und sie
haben ihren vortheilhaften Ruf bis auf die gegenwär-
tige Zeit so vollkommen behauptet, dafs nicht nur
ihre Produkte an Qualität keineswegs abgenommen
haben, sondern dafs dieselben auch an Schönheit die
Erzeugnisse aller übrigen europäischen Fabriken über-
treffen. Diese Behauptung wird jeder Kenner bei
der Ansicht der im Fabriksprodukten - Kabinet auf-
gestellten Muster gerechtfertigt finden, wozu die Ver-
gleichung mit den ebenfalls hier befindlichen Proben
aus böhmischen Fabriken wesentlich beizutragen im
Stande ist.
Von den Fabrikanten F. Francesconi und A.
Barbini zu Murano besitzt da« Kabinet eine grofse
Anzahl massiver und hohler, glatter und fassettirler
Glasperlen, durchaus von den schönsten Farben, und
zum Theil von sehr beträchtlicher Gröfse. Merk-
würdig sind darunter gewisse Sorten, die auf der
Oberfläche durch ein besonderes Verfahren bemahlt
sind. Dieses Verfahren besteht, der Hauptsache
nach 9 in der Anwendung dünner Stängelchen aus sehr
leichtflüssigem Glase, mit den auf die erhitzten Per-
len Züge gemacht werden. Hierbei schmilzt das
Ende eines solcheii Stängelchens, und überzieht so
75
das zu bemahlende Stück mit einer dünnen Lage
Ton Email.
Sehr anziehend ist dem Kenner ein Tabicaü mit
Schmnckwaaren aus der Fabrik des Herrn G. B, Bar-
baria zu Venedigs welches Se. kaiserliche Majestät
dem Kabinette zum Geschenke gemacht hat. Auf
einem hölzernen schwarz politirten Gestelle be-
findet sich ein mit Perlen gesticktes Mittelfelde um-
geben von vier im Kreise gelegten Perlenschnuren^
und dreifsig viereckigen geschlifienen Plättchen aus
sehr verschieden gefärbten Glassorten. Diese Stücke
zeichnen sich durch Lebhaftigkeit der Farben, so
wie durch Reinheit und Blasenlosigkeit der Masse,
und Schönheit des Schliffes vortheilhaft aus. Von
dem nähmlichen Erzeuger sind hier auch zwei grofsc
nmde gläserne Schalen aufgestellt, aus weifsemBein-
^as, und von aufscn mit einem purpurrothen Über-
zuge bekleidet, welcher ihnen ein wahrhaft prächti-
ges Ansehen gibt, besonders da das erwähnte Roth
em seltenes und schwer hervorzubringendes Feuer
besitzt.
In den venetianischen Fabriken, und nahmentlich
tnch in der des Barbaria^yrerdeti die verschiedenen
Sorten des weifsen, gelben, schwarzen, blauen, u.
s. w. Beinglases verfertigt, die von den Emailleurs
und Uhrzifferblattmachern fast in ganz Europa so sehr
gesucht , und in so grofscr Menge verbraucht werden.
Ein minder kostbarer, aber nichts desto weni-?
gcr seines häufigen Verbrauches wegen wichtiger
Artikel sind die venetianischen Stickperlen, von de-
nen das Kabinet ebenfalls ein vollständiges Sortiment
(aus HO Bünden bestehend) aufzuweisen hat.
Endlich erwähnen wir einer Sammlung von Glas-
pasten, welche von den Zöglingen der Mosaikschule
ia Mailand verfertigt ^ und dem Kabinette einge-
schickt worden sind. Sie besteht 9us 290 rohen Mu-
stern von den verschiedenartigsten Farben, .und aus
95 Sorten eckigen und anders gestalteten Stangelchen
von der Art , wie sie «ur Verfertigung der bekannten
Mosaikarbeiten Anwendung finden. Eine Haupt-
schwierigkeit bei der Verfertigung dieser Glasmassen
liegt in der Nothwendigkeit einer vollkommenen Un-
durchsichtigkeit^ durch welche zugleich den Farben
nichts an Lebhaftigkeit ^genommen werden soll. —
Eine viereckige Charnierdose aus so genanntem Por-
pbrino (einer rothen Glasmasse, die früher nur in
Mom verfertigt wurde) ist wegen ihrer schönen Farbe,
wegen der Reinheit der Masse und wegen der Schön-
heit des Schliffes merkwürdig.
3i. Von den TTionwaaren, deren Verfertigung,
wie bekannt, einen der wichtigsten Industriezweige
bildet, besitzt das National -Fabriksprodukten -Ka-
binet nicht weniger zahlreiche Muster, als von so
vielen andern Artikeln. Es wird wohl nicht leicht ein
Fabrikat geben, welches in so vielen Abstufungen
der Schönheit und Vollkommenheit einerseits un-
sere nöthigsten Bedürfnisse befriediget, und ander-
seits wieder den höchsten Forderungen der Kunst
entspricht, wie dieses. Die Ziegel, jenes unentbehr-
liche Baumaterial ; die gemeinen Kochgeschirre^ de-
ren Preise mit ihrer Nützlichkeit in so vortheilhaftem
Verhältnisse stehen ; die bessern Sorten von Fayance^
Steingut, u. s» w., endlich das vollendete Porzellan,
ein Kunstwerk in jeder Rücksicht, wenn es anders
mitFleifs und Sorgfalt bereitet ist; alle diese Pro-
dukte des Kunstfleifses müssen uns zur Bewunderung
veranlassen des menschlichen Erfindungsgeistes , der
ein und das nähmliche Material, den .Thon, auf so
viele Arten zu veredeln und anzuwenden gewufst
hat.
77
3a. Die Beschränktheit des Ramnes zwingt uns^
die gemeinen Thonwaaren kurz zu behandeln^ zu*
mahl da dieselben , ihrer Natur nach , nur einen ge*
ringen Theil des Fabriksprodukten -Kabinettes aus-
machen. Wir rechnen hierher^ aufser den Ziegeln
und den gemeinen Töpfergeschirren ^ auch die be-
lannien Graphitwaaren. Von diesen besitzt das
Kabinet mehrere Muster aus Oberösterreich, wo
dieselbe^ fast ausschliefslich irerfevtigt werden. Ein
(or viele Zwecke^ z. B. für Chemiker^ Goldarbeiter
n. s. w. sehr wichtiger Artikel sind die schwarzen
Schmelztiegel, welche nnter der Benennung Po^-
sauer^ oder Ipser- Tiegel verkauft, und in unglaub-
licher Menge angewendet werden. Sie bestehen aus
gemeinem Thon , und verdanken ihre äufsern Eigen-
schaften sowohl, als ihre Feuerfestigkeit einem be-
trac^tltchen Gehalte an Graphit oder ReifsbleL Im
Handel kommen dieselben gewöhnlich einsatzweise,
und von sehr verschiedener Gröfse vor. Zu den or-
dinären Thonwaaren müssen endlich auch die ver-
scbiedenen Gattungen von weifsen und gefärbten Ta-
Aüip/eif en köpfen gßtSihli yr er den, wovon das Kabi^.
aet ebenfalls zahlreiche Proben besitzt. Als die
schönsten zeichnen sich darunter besonders jene des
Melchior ' Germain in Grätz aus. Sie sind von ver-
schiedenen Farben , als schwarz , roth , braun , gelb
0. s. w. , durchaus mit erhabenen Verzierungen ver-
sehen , und von sehr gefälligen Formen.
Unter den ausländischen im Kabinette befindli-
chen Töpferwaaren ist hier besonders ein englischer
%o genannter fFein- und Butterkühler ( PFine- and
Butter Cooler) zu bemerken. Dieses Geschirr, aus
einer nnglasirten, porösen rothen Thonmasse, und
mit einer gläsernen Einsatzschale versehen, dient,
wexm es in Wasser getaucht worden ist, Nahrungs-
mittel längere Zeit kühl zu erhalten. Seine Wir-
kung'griindet sich auf die Verdunstung des einge-
78
saugten Wassers^ und ist daher ganz dieselbe y welche
an den spanischen Alcarrazas und französis.chen
Hfdrocerämes gerühmt wird. Vielleicht nimmt sich
einmahl ein inländischer Töpfer die Mühe^ ähnliche
Geschirre ^ bei deren Bereitung es blofs auf einen ge«-
wissen Grad von Porosität der Masse ankommt^ zu
verfertigen/ Dafs dabei nur wenige Schwierigkeiten
sich in den Weg legen dürften y beweiset schon die
' bekannte Erfahrung^ welcher zu Folge Wasser in
manchen gemeinen Töpfergeschirren aufserordentlich
lange kalt bleibt«
•
33. Auf die gewöhnlichen Töpfergeschirre folgt
in der Qualität unmittelbar die so genannte Fayance
oder Majolika y welche fälschlich im gemeinen Le-
ben «S'^em^e^^ genannt wird. Die Geschirre, welche
unter diesen Benennungen vorkommen, sipd nicht
alle von einerlei Art. Einige davon unterscheiden
sich von der ordinären Waare blofs durch die weifse,
undurchsichtige Glasur, und besitzen demnach alle
Fehler derselben. Dagegen wird die eigentliche
Fayance immer aus weifsem Thon (oder solchem der
sich weifs brennt) verfertigt, mit weit mehr Sorgfalt
bearbeitet, mit einer durchsichtigen Glasur verse«
hen, und oft sogar mit schöner Mahlerei verziert«
Sie unterscheidet sich vom Porzellan hauptsächlich
durch ihre geringere Dichtigkeit,, welche in der
schwächern, beim Brennen angewandten Hitze ihren
Grund hat« Eine grofse Zahl von Fabriken, welche
solche Fayance verfertigen , haben Muster dieses Er-
zeugnisses dem Kabinette übergeben. Wir werden
darunter nur die vorzüglichsten ausheben.
jinton de Cente in Tf^. Neustadt {Österreich Y.
U. W. W.).
Dieser Erzeuger hat dem National -Fabrikspro-
dukten - Kabinette niehrere sehr schöne Musterslückc
zur Aufstellung übergeben, worunter sich ein Paar
79
filumengeschif ro , eine grofse Vase , und eine klei-
nere nnglasirte^ in antikem Geschmack verfertigte
Vase befinden. Besonders die letztere^ welche aus
ganz weifsem Thon verfertigt ist ^ verdient grofscsLob^
sowohl was die Masse ^ als was die geschmackvolle
Form betrifft.
Joseph Doyaky zu JVilhelmsburg in Österreich (V,
O. W. W.).
Einige sehr niedliche v Suppentöpfe ^ mehrere
Speiseteller ^ und ein Paar herrlich geformte Blumen«
Vasen. Alle diese Stücke zeichnen sich' in Absicht
auf die schöne weifse Farbe der Glasur ganz beson*
ders aus ^ und übertreffen hierin fast alle im Kabinette
aufgestellten Muster. Wenn man die Schwierigkeiten
kennt y welche sich der Hervorbringung einer so
aii£serordeiitlich schönen Glasur in den Weg stellen*)^
so mu£s man dem Verdienste der Fabrik , welche sie
alle glücUich zu beseitigen gewufst hat^ volle Ge«
rechtfgieit widerfahren lassen. Wird nun noch bei
der Ausführung auf geschmackvolle Formen und auf
die Auswahl des Thons die nöthige Sorgfalt gewen-
det^ so mufs noth wendiger Weise jenes schöne Re-
snltat zum Vorschein kommen^ welches die genann-
ten Stücke auf so erfreuliche Art beurkunden.
Joseph HardtmutKs Wittwe in Wien.
Eine der ausgezeichnetsten Fabriksanstalten in
der österreichischen IVfonarchie war^ und ist noch die
des Joseph Uardtmuth ^ welche nun nach dem Tode
des Gründers, von dessen Wittwe und Söhnen fort-
geführt wird. Sie liefert nicht nur sehr schöne weifse
Fayance, sondern auch viele andere Artikel , von de-
nen sich Muster im Fabriksprodukten- Kabiuette
befinden.
*) Diese Schwierit^ltcircn sind so bedeutend, dafs unter a)len
Tupfern in Wien nur etwa zwei bis drei sind , wekbe eine
vollkommen weifse Glasur zu verfertigen wissen.
8o
Die chemischen Geraihschaften^ als Retorten^
Abrauchschalen u. dgl. aus eigentlich so genanntem
Steingut sind so bekannt^ und werden so allgemein
gebraucht , dafs über ihre Vorzüglichkeit kein Zwei-
fel obwaltet. Ein anderes , nicht minder wichtiges
Erzeugnifs sind die verschiedenen Sorten von Blei-
stiften^ denen die Fabrik einen grofsen Theil ihres
Rufes zu verdanken hat. Die feinern Gattungen der-
selben eignen sich zum Zeichnen selbst besser als die
englischen, deren zu grofse Weichheit manche Un-
bequemlichkeiten verursacht Ihr Gebrauch ist da-
her sehr verbreitet, sie machen den Mangel der eng-*
lischen Stifte unfuhlbar, und werden z. B. vom k. k.
Generalstabe in grofser Menge angewendet. Erwäh-
nung verdient hier das sinnreiche Verfahren, wo-
durch man in dieser Fabrik das Reifsblei in die Form
dünner vierkantiger Stängelchen bringt, die dann,
nach Verschiedenheit der Güte , in Lindenholz , Roth-
eiben-, Erlen- oder Zedemholz gefafst werden.
Man 'bedient sich nähmlich dazu nicht der Säge, wie
sonst gewöhnlich, ^sondern die Masse wird im wei-
chen , teigartigen Zustande durch den mit viereckigen
Lpchern versehenen Boden eines GefSTses geprefst;
beiläufig so, wie der Teig, v^oraus die bekannten
italienischen Fadennudeln bereitet werden. Auch
gefafste und ungefafste Rothstifte, und so genannte
schwarze Kreide liefert die Fabrik von guter Qualität,
defsgleichen eine schöne und gute Tusche nach chi-
nesischer Art. Eine Gattung elastischer Schreib tafeln,
auf welchen mit Schieferstiften eben so leicht zu
schreiben ist, als auf den steinernen, und die vor
jenen noch den Vorzug der Leichtigkeit, Unzerbrech-
lichkeit und Wohlfeilheit haben , mufs hier besonders
angeführt und mit vielem Lobe erwähnt werden. Die
Vortrefflichkeit dieses Fabrikates wird auch so allge-
mein anerkannt, dafs durch dasselbe die eigentlichen
Schiefertafeln in Schulen und zu' anderem Gebrauche
fast ganz verdrängt sind. Zu den Waaren^ derea
I
f
8i
Verfertigung der ffardtmutli'schcn Fabrik eigen-
tliuailicU gehört^ mufd endlich noch der so genannte
künstliche Bimsstein gezählt yverden, eine Masse ^ die
wegen ihrer grofseu Rauhigkeit und Schärfe zum
Schleifen fiir Metallarbeiter besser taugt, als selbst
der natürliche Bimsstein. Fafst man die Verdienfite,
welche sich die I/arätmuth^sche Fabrik seit vielen
Jahren um so verschiedenartige Industriezweige er-
worben hat, zusamqien, und bedenkt man, dafs die
Gründung derselben in eine Zeit fällt, wo der öster-
reichische Kunstfleifs noch auf einer ziemlich niedri-
gen Stufe stand , so mufs man dieser der Monarchie
in gleichem Grade zur Ehre und zum Nutzen gerei«
cheudeh Anstalt volles Gedeihen wünschen.
jilois Martin Hujsly zu Schwatz in TiroL
Unter den von diesem Fabrikanten dem Kabinette
eingesandten Geschirren zeichnet sich ein Suppen-
topf durch seine ungewöhnliche Gröfsc, und zugleich
dtu-ch seine geringe Dicke aus. Merkv)^ürdig ist aus-
serdem ein zierlich durchbrochenes Obstkörbchen
*nebst einem ehen solchen Teller, welche beide Stücke
in allen Rucksichten dem Vericrtiger Ehre machen.
Franz Leinwather, zu .S'. Polten in Osterreich
(V. O, W. W.).
Aufser mehreren andern Stücken hat dieser Er-
zeuger dem Kabinette einen grofscn weifs glasurten
Tempel zum Geschenke gemacht, dessen Ausführung
ein Meisterstück der Töpferkunst genannt zu werden •
verdient, indßm nicht nur die verschiedenen daran
befindlichen Verzierungen mit Geschmack angebracht
sind, sondern auch die Glasur so dünn und gleich-
förmig aufgetragen ist, dafs die feineren Vertiefungen
nicht davon ausgefüllt werden. Wer das in diesem
letztern Umstände begründete Verdienst nicht zu
würdigen weifs, der betrachte die gewöhnlichen thö-
oemen Ofen, und er wird sich überzeugen, dafs oft
8a
die schönsten Verzierangen durch die zu dick aufge-
tragene^ und in Tropfen zusammen geflossene Glasur
heinahe unkenntlich gemacht werden^ und demnach
allen Werth verlieren. Übrigens geben die grau mar-«
morirten Säulen^ die durchgebrochenen Yerzierun-
gen und die mit gröfster Schönheit geformten Figu*
ren dem Ganzen eii^ sehr gefälliges Ansehen«
Joseph Mayer ^ zu Tannowa in Böhmen (Klat-
tauer Kreis),
hat mehrere Muster von Fajance eingeschickt, vvor-
unter besonders zwei artige kleine Vasen wegen ih*
rer geschmackvollen Mahlerei erwähnt zu weirden yer*
dienen«
Laurenz Marihart, zu FPkigram in Österreich,
(V. ü. W. W.)-
Ein Paar, gemahlte, mit Untersätzen versehene
Suppentöpfe, ferner ein nach Art des Porzellans blau
hemahlter SpeisetcUer , und zwei Potpourri- Vasen
mit bunte/ Mahlerei und aufgelegten Figiu*en. Alie
diese Siiicke zeichnen sich durch angenehme Formen
und durch Schönheit der Mahlerei aus« '
Die Fayancefabrik des Freiherrn Johann von Schö--
nau. zu DaUwitz in Böhmen.
Diese Anstalt, eine der vorzüglichsten ihrer Art'
in iSöAmen ) ist wegen der Güte ihrer Erzeugnisse,
die zum Theil mit Steinkohlen gebrannt werden, be-
rühmt. Unter den Mustern, welche sich von ihr
im Fabriksprodukten -Kabinette befinden, erwähtien
wir nur zwei if\ Zoll hohe Vasen , eine gereifte Sa-
ladicre, und ein Fruchtkörbchen mit Untersatz, als
die vorzüglichsten Stücke, welche sich durch eine
ungewöhnliche Weifse der Glasur sehr zu ihrem
Vortheile auszeichnen Ein Paar Terrinen sind ins-
besondere noch wegen der eigenthümlichen Gestalt
ihrer Untersätze bemcrkenswerth, welche so geformt
a3
sind, dafi nicht leicht etwas versdiüttet werden
kann»
Die Faljrik des Herrn Grafen von VFrtby ^ eu
Teinitz in Böhmen y welcher vielleicht der erste
Rang unter den höhmischen Fayancefahriken gebührt^
hat das Kabinet schon vor längerer Zeit mit vielen
-ausgewählten Musierstücken bereichert« Wir heben
darunter nur einige aus^ und nennen demnach ein
Paar schön verzierte^ zum Theil vergoldete Tafel"
aufsätze nach englischer Art ; einen» feinen weifsen
Suppentopf mit braunen und vergoldeten Dekoration
neu \ eine grofse ^ mit vielen durchbrochenen Verzieh
rangen versehene Yase, u. s« w. JMehrere andere
Stacke zeichnen sich durch treffliche und geschmack-»
voUe Mahlerci aus^ wie z. B. zwei Speiseteller mit
den Porträten Ihrer kaiserlichen Majestäten^ und eine
ovale Schüssel mit der Ansicht des Teinitzer Fabriks-
gebäudes. Im Ganzen gewähren diese Muster einen
überzeugenden Beweis von der hohen Stufe der VoU^
lommenheit ^ auf veelche die genannte Fabrik ihre
Erzeugnisse zu heben gewufst hat*
34* Von der Fayance unterscheidet sich das ei-
gentliche Steingut sowohl durch seine gröfsere Härte^
irdche es beim Brennen annimmt, als durch die Art
der Glasur^ welche nicht besonders aufgetragen, son-*
dem mittelst einer durch Kochsalz bewirkten anfan^
genden Schmelzung der Oberfläche selbst hervorgC'*
bracht Wird.. Aus dieser Masse werden viele ordi«-
näre Geschirre, z. B« Krüge, Schalen, ferner che*-
mische Geräthschaften^ u. s« w. vetlcrtigt^ die jedoch
durchaus den Fehler haben , dafs ^e Abwechslungen
der Temperatur nichtsehr gut zu ertragen im Stande
sind« Im österreichischen Kais^rstaate ist die Fabrikat!''
on dieser Art Waare noch nicht sehr alt ; derVerdienste^
welche sich die ^ar^^mi^^A*sche Fabrik in JVien dar«
um erworben hat^ ist bereits gedacht worden. •
6*
84
Das Fabriksprodukten - Kabinet besitzt besonder«
vFele Muster von englischem Steingutgeschirr^ die
sich sowohl durc][i Güte und Schönheit der Masse,
als durch yerschiedene Verzierungen s^hr Jbemerkens*
wer th machen. Auf mehreren derselben befinden
sich sehr schöne violette und schwarze Abdrücke von
Kupferstichen^ andere sind mit eihabenen Figuren
geziert^ an allen aber bemerkt man jene Vollendung,
welche die Engländer diesem Fabrikat in so hohem
Grade zu geben wissen. Was insbesondere die An-
bringung yon Kupferstichen auf diesen Geschirren
betriSt^ so ist zu bedauern^, dafs ein solches Verfah-
ren im Inlande fast gar nicht ausgeübt wird, da doch
die damit verbundenen Schwierigkeiten so bedeutend
eben nicht seyn können^ und da aufserdem schon
mehrere Vorschriften zu diesem Zwecke vorhanden
sind. Es ist gar kein Zweifel ^ dafs man die ordinär-
sten Geschirre durch Abdrücke von in Kupfer ge-
stochenen Bordüren u. dgl., welche einer' feinen
Mahlerei sehr ähnlich sehen , verzieren könnte , wie
das auch einige unter den erwähnten englischen Mu-
stern beweisen.
.Wir erwähnen hier noch der aus so genannter
Porzellarttiegel'^ Masse verfertigten Gegenstände,
welche die gräflich Falkeiiharri sehe Steingeschirr-
fabrik zu Dnoß (Österreich, V. O. M. B.) dem Ka-
binette übergeben hat. Aufser einem Stück einer
Wasserleitungsröhre befind i\n sich darunter mehrere
Rssensteine, Ofen- und Gebläseplatien , Boststangen
u. s. w., deren Brauchbarkeit durch wicderhohlte
Erfahrungen bestätiget ist« Einen beisondern Vorzug
gibt ihnen die Eigenschaft, dafs sie nicht springen,
wenn man sie glühend in kaltes Wasser taucht. Dar-
aus geht^die Anwendtfarktsit dieser Masse zu Herd-
platten, ferner zu allen Gattungen Windöfen , u. dgl.
nnläugbar hervor. Ihre fast absolute Unzerstörbar-
kck in der liitze eignet sie vortrefflich für alle jene
85
Arbeiter^ die ein faefuges^ dauerndes Feuer unter-
halten müssen^ zur Umstellung der Essen ^ in wel-
cher Rücksicht die daraus verfcrti{;tcn Platten bedeu-
tende Vorzüge ¥or den Graphitplatten besitzen. —
Die in der Fabrik zu Drofs verfertigten Schmelztie-
gel kommen an Qualität den Hessischen gleich, und
werden häufig statt dieser verwendet.
35. Eine dem Porzellan nahe kommende aufser-
ordentlich schöne Thonwaarc ist das^nach seinem
Erfinder^ einem Engländer^ so genannte TFed^
gwood. Die Fabrikation desselben scheint seit dem
Tode des berühmten Erßndcrs sehr in Abnahme ge-
kommen zu seyn j ungeachtet die daraus verfertigten
Geschirre wegen ihrer herrlichen^ meist nach Antiken
gebildeten Formen , so wie wegen der schönen und
mannigfaltigen Farben^ allgemein geschätzt werden.
Das Kabinet besitzt^ theik durch Ankauf^ theils durch
die' Güte des priv. Grofshänd' ts >/. von Coith 'in
Wien^ eine ziemlich vollständigt^ höchst interessante
Sammlung der englischen Wedgwood- Sorten. Vor-
süglich schön sind^ aufser der rothbraunen und gel-
ben Waare {Terra cotta und Bamboo), das blaue
und grüne Jasper, auf welches die zartesten, aus
weifsem Thon verfertigten Figuren mit einer Schärfe
und Genauigkeit aufgelegt sind, die Bewunderung
verdient. Die blauen Stücke insbesondere sind theils
durch die ganze Masse gefärbt , theils blofs mit einer
dünnen Lage von feurigem, sehr intensiven Blau über-
zogen« Eine grofsc Kanne mit erhabenen Figuren,
ein Schreibzeug nach TVedgwood^s Erfindung, ein
Tafelleuchter u. s. w. aus so 'genanntem Basaltgut
{Basaltes) gehören zu den schönsten Stücken dieser
Sammlung. Die Masse derselben besitzt eine tief
»chwarze Farbe, und eine glatte, feinkörnige Ober-
fläche; ihre Härte ist sehr bedeutend, und verspricht
' demnach eine ungewöhnliche Daucrhafiigkeitv TVed--
gwood verfertigte aus seiner Composiiion nicht nur
r
86
Geschirr« aller Art . sondern auch Bfisten ^ Statuen^
Basreliefs^ so wie Medaillen und Kameen ^ yon wel-
chen letzteren das Kabinet ebenfalls eine bedeutende
Menge ))6sitzt.
Alle' die äufsern und innern Vorzüge des
TyedgwoocVs niufsten natürlicher Weise zur Nach-
ahmung desselben auf dem festen Lande Veranlassung
geben. Dafs eine solche Nacbahmung nicht gerin-
gen Schwierigkeiten unterliegen würde ^ war leicl^t
voraus zu sehen ,. da die Außindung und Zubereitung
tauglicher Materialien ^^ sowie das Formen derGefafse
und der darauf anzubringenden Verzierungen mit be-
deutenden Kosten verbunden ist. Dessen ungeachtet
ist es auch in unserm Inlande gelungen, Wedgwood,
von vorzüglicher Qualität zu erzeugen , wie viele im
Fabriksproduklen^ Kabinette befindliche Muster zur
Genüge beweisen. Einige frühere Versuche dieser
Art sind von Leinwather in S, Polten^ und von der
gräflich /^r^^'schen Fabrik zu Teinitz in Böhmen
angestellt worden. Leinwather hat dem Kabinette
eine kleine Vase von Basaltgut übergeben, welche sich
zwar durch schöne Verzierungen empfiehlt, aber we-
der die dunkle Schwärze, noch die Härte des engli-
schen Fabrikates besitzt. Die gräflich fVrtbr*si^^
Fabrik richtete ihr Augenmerk auf die Nachahmung
des blauen Jasper,, konnte aber, wie zwei von ihr
eingesandte Blumentöpfe beweisen, weder die schöne
Farbe, Hoch die Feinheit der Figuren, welche die
echte Waare dieser Art auszeichnen, vollkommen
erreichen. Weit glücklicher sind die Ben^ühungen
einer unlängst iax Fräin in Mähren entstandenen,
dem Herrn Grafen Stanislaus von Mniszek gehörigen
Fabrik gewesen, die unter der Leitung des Herrn
Mathias Raufer schon viele den englischen gans
.gleich kommende Stücke geliefert hat. Eine jgrofsc
ovale Tasse von schwarzer Composition zeichnet sich
unter den im Kabinette aufgestellten Mustern durch
87
•
eine tief schwarze Farbe, dann durch ihre geringe
Dicke y so wie durch den Umstand aus , dafs sie nicht
im Mindesten geworfen oder verzogen ist« Man be-
merlt ferner einen weifsen, mit Laubwerk sehr schön
verzierten Teller, einen schwarzen Tabak pfeifenkopf
und viele andere Stucke von gelber, brauner, rother
und schwarzer Farbe. An Feinheit der Masse , und
an Härtelassjcn diese Muster nichts zu wünschen
übrige — Die Hervorbringung der an dem engli-
schen Wedgwood • so beliebten kobaltblauen Farbe
aber scheint der Fabrik noch nicht gelungen zu seynj
allein bei der Thätigkeit der Verwaltung läfst sich
fiir die Zukunft auch die Beseitigung der hierbei
Sutt findenden Schwierigkeiten erwarten.
3G. Unter den ausländischen Töpferwaaren,
vfdche das Kabinet besitzt, befinden sich auch meh-
. rere Muster von dem in£/t^Zan^ verfertigten metallisch
glänzeaden Geschirre, welches dort unter der Be-
nennung China with metallic lustre bekannt ist.
Äaf der Oberfläche haben solche Stücke ein .vollkom-
men aietallisch es Ansehen, und man würde sie auch
leicht für MeuU halten, wenn nicht die Schwere unci
der Bruch das Gegentheil bewiesen. Es gibt vor-
säglich zwei Sorten dieser Waace, nähmlich eine
weiise und eine rothe. Die erste gleicht sehr nahe
dem mit Platin überzogenen Porzellan , die andere
aber hat eine helle Kupferfarbe. Der glänzende Über^
zog bekleidet die Geschirre entweder von beiden Sei*
ten, oder auch nur von aufsen;' er ist übrigens aus^
serordentlich dünn, und Kegt nur wie ein schwacher
Anflug auf der Oberfläche des Ganzen. Wie von Vie-
len mit grofser Wahrscheinlichkeit behauptet wird,
widersteht der metallische Glanz der Wärme nicht,
sondern trübt sich und verschwindet endlich ganz;
Quecksilber und kochendes Königswasser haben da-
gegen keine Wirkung auf ihn. Die Masse der Ge*
schirre ist ordinärer, aber fein zubereiteter rother
88
Thon, der unmittelliar mit einer dünnen Schichte Ton
dünkel^^riinem Glas überzogen ist; auf dem letztern
liegt erst der metallische Anflug. Vielleicht dienen
diese wenigen Bemerkungen einem inländischen Fa-
]brikanten zum Wegweiser hei der Nachahmung die-
ses Artikels^ dessen Anwendung zu Prunkgeschirreo
u. dgl, wohl Wünschenswerth wäre. Durch mehrere
nach anzustellende Versuche dürfte man sich freihch
nicht von der Lösung der Aufgabe abschrecken lassen ;
dafür wäre aber auch auf. einen bedeutenden Absatz
des Fabrikates, welches jetzt noch von den Englän-
dern ausschliefslich verfertigt wird, mit Sicherheit zu
rechnen.
S/- Von Porzellan y als. dem edelsten Produkte
der Töpferkunst, besitzt das Kabinet zahheiche Mu-
ster, und zwar vorzüglich aus der alten, und lange
wegen der Vollkommenheit ihrer Erzengnisse berühm-
ten Ararialfabrik in IVien. Diese Anstalt, welche seit
ihrer Gründung, während einer mehr als hundert-
jährigen Dauer, nie aufgehört hat Fortschritte zu
machen , zeichnet sicii gegenwärtig vor allen Porzel-
lanfabriken der Welt durch Mahlerei und Vergoldung
ganz vorzüglich aus. Die Bereitung der Farben ist
von ihr auf einen so hohen Grad der Vollkommenheit
gebracht worden, dafs dadurch selbst die strengsten
Forderungen der Kunst auf das Vollständigste befrie-
digt werd<m, und dafs Gemähide auf Porzellan mit
einer unglaublichen Weichheit, Mannigfaltigkeit und
Vollendung ausgeführt werden können. Als Beweis
des Gesagten dient ein im Kabinette aufgestelltes,
von Joseph ^igg im Jahre 1821 gemahltes, 16^ Zoll
hohes Blumensiück, und mehrere andere Stücke, von
denen man bedauern mufs, dafs «olcbcr Aufwand von
Kunst auf ein dem Zerbrechen sowenig widerstehep-
des Material angewendet ist. Die Mannigfaltigkeit der
Farben, welche die Fabrik hervorzubringen im Stande
ist, ersieht man aus einer Sammlung von verschie*
89
dentlich bemaUten Eaflehschalen , an denen die
Schönheit der Farben und der in den Zeichnungen
herrschende Geschmack gleich bewunderungswürdig
sind. Wie weit dieselbe es in der Schönheit ihrer
Vergoldung gebracht habe, davon sieht man den Be-
weis an fast allen Stücken, die sich hier befinden«
Wir heben darunter vorzüglich eine ganz mit Gold
bedeckte, 19 Zoll hohe Vase aus, auf welcher sich
einige herrlich gemahlte Medaillons befinden ; ferner
ein weifses, mit Gold gestreiftes Frühstückservice,
u. s. w. Auch von der Anwendung des metallischen
Platins iui polirten Znstande und als Bronze findet
man an einigen Kaffehschalcn Beispiele. Von so ge*
naontem Biskuit oder nnglasirtem Porzellan besitzt
das Kabinet eine 3^ Zoll hohe, auf einem glasurten
Untersatze ruhende Büste Sr. Majestät des Kaisers.
Die ubrigei) kleinern Stücke übergehen wir, der Kürze
wegen , ungeachtet gewifs jedes derselben einzeln
einer Betrachtung würdig wäre, und heben zum
Schlüsse nur noch eine bemahlte und vergoldete Kaf-
febscfaale aus, die sich durch ihre aufserordentlich
^erioge Dicke sehr vorthcilhaft bemerkbar macht,
und hierin dem chinesischen Porzellan nahe kommt.
Unter den inländischen Privat-Porzellanfabriken
hat die der Gebrüder ffaidinger , zu Einbogen in
Böhmen f dem Kabinette Master ihrer Erzeugnisse
eingeschickt, welche sich besonders durch eine aus--
serst gleiche, nicht poröse und sehr weifse Glasur
vorthetlkaft auszeichnen. Die einzelnen Stücke sind
wenig durchscheinend, sehr dünn gearbeitet, und
beim Brennen nicht im Mindesten verzogen. Das für
Private so schwierige* Unternehmen einer Porzellan-
fabr^k zeichnet sich in diesem Falle noch vorzüglich
dadurch aus, dafs zum Brennen ausschliefsond nur
Steinkohlen angewendet werden, wodurch allein die
niedrigen Preise dieser Waare begreiflich , und die
Bemühungen der Erzeuger fiir die Industrie über-?
90
f
batipt j)Tir tun so Schätzbarer werden. Ein dieser
Fabrik eigen thiimliches Produkt sind die aus einer
besonders harten Masse bebtehenden Reibschaleiiy
welche durchaus sehr gelobt werden.
Zur Vergleicbung mit den inländischen Erzeuge
nissen dieser Art, sind im Kabinette auch mehrere
Muster von ausländischem , und nahmentlich von fran-
zösischem und englischem Porzellan aufgestellt.
Das erstere, aus einer Privatfstbrik zu Paris ^ zeich-
net sich durch eine schöne VVeifse und durch die
rein geflossene Glasur aus. Ein Stück darunter ist
nach Art des Merinosdruckes bemahlt^ andere haben
hohe Figuren, deren Zwischenräume nicht, wie es
sonst oft geschieht, von der Glasur aufgefüllt und
unkenntlich gemacht sind. Die Mahlerei auf dem
hier befindlichen englischen Porzellan ist zwar ganz
mittelmäfsig, dafür besitzt aber die Masse einen be-
deutenden Grad von Schönheit, und die Stücke sind
sehr dünn gearbeitet. Zum Nachtheil dieses Fabri-
kates mufs man bemerken, dafs es wahrscheinlich
60 genanntes Frittenporzellan ist, nähmlich eine
Masse, die sich in ihrer Zusammensetzung und in
ihren Eigenschaften sehr dem Glase nähert. . -— Er-
wähnung verdienen endlich noch die Muster von einer
Art Porzellan , so genannter /ron*^^o/ie WarCy von
Mason in London\ welche den Fall auf einen stei-
nernen Boden ohne Nachtheil soll aushalten können.
Die im Kabinette vorfindigen Musterstücke dieses Ap-
tikels sind auf eine höchst sonderbare Art , ganz in
chinesischem Gcschmacke (der wohl eigentlich gar
kein Geschmack ist) bemahlt, und dessen ungeachtet
scheint die Waare in, England Liebhaber gefunden
9u haben.
38. Unter den im Fabriksprodukten - Kabinette
uufges teilten HoUwanren^ derea Beschreibung wir
9«
nnmiiehr beginnezi^ befinden §ich mehrere ganz or^
dinare , wie z. B. eine Sammlung von Tabakpfeifen-
köpfen aus der ungarischen Militärgränze ; einige höl-
zerne Flaschen aus Siebenbürgen, welche dort unter
dem Nahmen Csoture häufig verfertigt und gehraucht
werden^ u. s. w. Von diesen sprechen wir hier
nicht Weiler, da sie zu unbedeutend sind. Hil%egep
tbeilen wir die übrigen Holzarbeiten in zwei Klassen,
nähmlich in die Tischler -- imd in die Drechslerar^
betten^
Von den Tischlerarbeiten zeichnet sich eine
schöne, mit Rüsternflader fourniertc, äusserst ge-^
schoiackvoll gearbeitete, mit Bronze verzierte Näh-
SchatuUe voir Ernst Seifferth in Wien besonders
aus. Der Verfertiger davon, ein sehr geschickter
Arbeiter, ist auch zur Herstellung einer vollständigen
in der Werkzeugsaqamlung des Kabinettes befindli-
chen Saite von Tischlcrwerkzeugen , die in jeder
Rücksicht voUkonunen genannt zu werden verdienen,
heonut worden ; er hat sich aufsejrdem' durch die Er-
fifldang e'uier so genannten mechanischen W^äsch«*
rolle (Mange) , deren Bewegung durch einen gerin-
gen Kraftaufwand bewerkstelligt wird , hervorgethan.
Zu den schönsten Stücken gehört auch eine grofse,
mit Eschenflader belegte. Von Joseph JRienzler, zu
Bregenz^ in Tirol, eingesandte Schreib -Schatulle,
die wegen der Genauigkeit ihrer Arbeit gelobt zu
werden verdient. Eben so müssen eine kleinere, aus
Bergrüstern- Flader verfertigte, roth politirte Scha^
tnlle von Joseph Frey , zu Garsten in Österreich
(Traunkreis) , und ein Kästchen aus Rotheibenhojz,
mit Vexier, , von Mathias Eder, zn Saatfelden im
Salzburg,, lobend erwähnt werden. Merkwürdig
ist endlich ein grofses, von Franz Frank in Wien
verfertigtes Ki*euz, welches* aus mehr als loo Holz-
stücken künstlicher W^eise ohne Leim, Nägel odet
Schrauben so zusammengefugt ist, dafs^ um es zu
zerlegen^ eine eigene Fertigkeit nuthig ist« DcrVer-
iV^g^^ ^at hierdurch 'eine genaue Kenntnifß der hei
Holzarheiten im Grofsen^ so oft vorkommenden Art
von Zusammenfügung beurkundet.
Eines gröfsern Details darf die Erfindung des
TiscMers, Peter Pfdffy vorraahls in TVieUj gewür-
digt werden, welche darin besteht^ dafs hölzerne
Gegenstände mit Fournieren aus einer eigenthümli-
chen y von Holz ganz verschiedenen Masse belegt
werden. Von dieser Art ist ein im Kabinet aufge-
stelltes 4 Fnfs hohes Postament in Gestalt einer ab-
gekürzten Säule y auf welchem sich derzeit eine in
Eisen^ufs ausgeführte Büste Sr. Majdstät des Kaisers
befindet. Das Ganze dieses Stückes gewährt einen
prächtigen Anblick , und macht dem Verfertiger in
jeder Bücksicht Ehre« Die künstlichen Fouruiere,
deren Zusammensetzung derselbe jederzeit als ein
Geheimnifs behandelte , die aber in ihrer Mischung
nur sehr wenig Säge^äne und ganz und gar keinen
Leim enthalten^ übertreffen an äufserer Schönheit
alle bekannten Holzarten sehr weit; indem sich die
Zeichnung (die nicht oberflächlich ist^ sondern durch
die ganze Masse geht) itiehr derjenigen nähert^ die
man an eini<i[en der beliebtesten Marmorsorten be«
merkt. Da die Masse uicht porös und faserig ist^ so
nimmt sie eine vortrefülche Politur an; sie läfst sich
willkürlich biegen^ so^ dafs damit olle Krümmungen^
Stäbe ; Hohlkehlen u. s.w. (ournirt werden können^
und verträgt sogar die Einwirkung von kochendem
Wasser ohne Schaden. In Absicht auf die Dauerhaf-
tigkeit läfst sich schon defswegen etwas Vorzügliches
erwarten, weil die Mischung meist Stoffe enthält,
welche von atmosphärischen Einflüssen nicht verän-
dert werden ; als direcrer Beweis aber von der Vor-
trefHichkeit dieses Fabrikates kann der Umstand die-
nen , dafs das oben erwähnte Postament im Sommer
fSaa bereits a[ Jahre im' Kabinette aufgestellt^ und
' 93
dehei ofi der Einwirkung der Sonne ausgesetzt "war^
ohne sich während dieser Zeit nur im Mindesten ver«
ändert zu haben. Die Vorzüglichkeit derMassa-Four-
niere findet aber nicht nur hierin, sondern auch in
der Leichtigkeit einen Grund , mit welcher von dem
Yerfertiger die Färbe derselben, innerhalb gewisser
Gränzen, modificirt werden kann. Das erwähnte
Postament gleicht einem rothbraunen, mit weifsön
Flecken versehenen Marmor; das Kabinet besitzt aber
auch ein Paar Spiegelrahmen, so wie einige, kleinere
Stucke von grünlich grauer Farbe, die ebenfalls auf
das Auge eine sehr angenehme* Wirkung hervorbrin-
gen. Der Nutzen dieser Erfindung könnte, unter
günstigen Umständeä^ sehr bedeutend werden. Ab«
gesehen davon, dafs ihre Anwendung den häufigen
Gebrauch theurer ausländischer Hölzer vermindern
vrurde ; so lassen aych die verschiedenen Farben und
XeicVmiuigen noch unendliche Abänderungen zu, und
es liefse sich vielleicht kaum etwas Prächtigeres den-
ken, als ein Prunkgemach, nach der'Art alter Mar-
mor-Mosaik, mit Parketten aus dieser Masse belegt,
wozu sie sich wegen ihrer grofsen Festigkeit ganz
vorzüglich eignen würde.
39. Das Kabinet besitzt eine schöne Sammlung
von Drechslerwaaren aus verschiedenen Holzgattun-
gMi , welche Johann Casadoro zu J^enedig einge-
schickt hat. £s befindet sich darunter ein Topf mit
Deckel und Untertasse aus Holz vom Vogelbeerbaüm
{Sorbus aucuparia), ein vollständiges Schreibzeug
aus Oiivenholz, ein kleines Service aus Rothcibenholz,
eine Vase von etruskischer Form , auf einer abgestutz-
ten Säule vom Holze der Pignolenkioferi(jF¥nM^pmea);
ferner ein Schachbret aus allen im venetianischenGe-
biethe vorkommenden edleren Holzarien, mit Figuren
aus Rotheiben-'und Olivenholz, nebst vielen anderen
Stucken, die sich nicht weniger als diie genannten
durch geschmackvolle Formen and durch tadclfreio
94
Ausarbeitung den Beifall der Kenner erwerben. «—
Zu den schönern Stücken dieser Art gehört auch
noch eine elektrische Zündmaschine von Mathias
Kinner in Pf^ien ; dann eine hohle , innen mit einem
aus dem Ganzen gedrehten Stern versehene Kugel
aus Birnbaumholz, von Georg Klackl, zu Ischl in
Österreich ( Traunkreis ) ;' endlich ein aus i8 ver-
schiedenen Holzarten bestehender Garnhaspel^ und
ein JModell des serbischen Spinnrades, beide aus der
ungarischen Militärgränze. Besonders das letztere ist,
aus Buzbaumholz, mit seltener Präcision und Rein-
heit gearbeitet. Aufserdem erwähnen wir eines
Schneidzeuges fiir hölzerne Schrauben, verfertigt von
jinton Majerm fVien, einem geschickten Arbeiter,
der nicht nur mehrere ähnliche gröfsere und kleinere
Schneidzeuge, sondern auch eine vollständige Samm-
lung der Binder -Werkzeuge für die mi]L dem Kabi-
nette vereinigte Werkzeugsammlung mit grofsem Flei&e
hergestellt hat.
Von. ausländischen Hofedrechslerwaaren besiut
das Kabinet wenige Stücke, unter denen wir nur
einen i,^ Zoll weiten Becher aufiihren wollen, der
als Einsätze fünfzig stufenweise immer kleiner yi^^*
dende Becher von der Dicke eines feinen Papiers be-
sitzt. Dieses Stück, sowie einige andere, sind aus
dem königl. baierischen Ländchen Berchtoldsgaden,
welches wegen seiner Holzwaaren - Verfertigung lange
bekannt und berühmt ist.
4o« Der Ähnlichkeit wegen berühren wir hier
sogleich die aus Uorn, Bein, Schildpat u. dgL ver-
fertigten Waaren, von denen das Kabinet eine nicht
unbedeutende Sammlung aufweisen kann. Gegen-
stände dieser Art sind vorzüglich von nachstehenden
Erzeugern eingeliefert wordeni
95
Franz Auer^ Kammmacher in tVicriy
hat dem Kabinette nebst mehreren andern Slücken
eiaen aus neun Theilen durch ein mühsames und
künsdiches Verfahren zusammengelötheten schildpd-
tenen Kamm übergeben , der sich besonders dadurch
auszeichnet^ dafs man an ihm nicht die mindeste
Spur der Löthstellen bemerkt. Ein anderer^ aus
dorchsich tigern ungarischem Hörn bestehender dop-
pelter Kamin ^ der beim^ Zerscli neiden sogleich zwei
bis auf das Zuspitzen der Zähne fertige Kämme gibt^
zeigt sehr deutlich die Art, wie man, um Material zu
sparen, bei der Bildung solcher Stücke zu Werke
geht; er zeichnet sich übrigens nicht nur in dieser
instruktiven Hinsicht, sondern auch durch die Rein*
heil der Bearbeitung aus.
Peter Verla y in Mailands
Kamme aus Büfifelhom, die aehr schön gearbei*
tei sind.
Johann Dino^ in Wien*
Von diesem durch die Mannigfaltigkeit und Vor-
ziiglichkdit seiner Erzeugnisse ausgezeichneten Fa*
bnkanten besitzt das Kabinet eine zahlreiche Samm-
lang geprefster Dosen aus Schildpat und Hörn , de-
ren einzelne Stücke sich sämmtlich durch Schönheit
der Desseins in hohem Grade bemerkbar machen. Es
befinden sich darunter mehrere Schildpat -Densen, die
theils aus dem Ganzen bereitet, theils aus kleinen
Stucken zusammengeprefst, und mit den geschmack-
Tollsten guillochirten Zeichnungen geziert sincl; fer-
ner einige aus Hörn verfertigte, mit Schildpat belegte
oder piattirte Dosen, u. s. w. Die zum Pressen nö-
thigcn Formen, welche theils gravirt, gröfsten Theils
aber guillochirt sind , werden von Herrn Dino selbst
▼erfertigt; denn nur durch dieses Verfahren entsteht
die Möglichkeit, es den lang berühmten französischen
Fabrikaten dieser Art gleich zu tliun» Herr Dinö hat
dieses Problieai so glücklich gelost ^ dafs ihm unstrei-
tig ein Rang unter den vorzüglichsten Fabrikanten
des Inlandes gebührt.
*
Joseph Dextery in Wien.
Die Fabrikate aus Hörn und ähnlichen Materia-
lien^ nahmentlich LöfTel und Gabeln, aus Büffelhorny
Kämme aus Elfenbein und Schildpat u. s. w. befrie-
digen an Schönheit und Vollendung alle Forderun-
gen des Kenners^ so^^dafs dem Yerfertiger das Lob
eines fleifsigen und thätigen Arbeiters mit allem Rechte
ertheilt zu werden verdient.
Ferdinand Kretsch.nann , zu Gorz in Illyrien.
Verschiedene -Kämme^ worunter sich ein ausge-
beitztem Uorn verfertigter durchbrochener Frauen-
zynmerkamm besonders auszeichnet. .
' M. A^ MuzziOy zu Plcenza im lombardisch -vene-
tianischen Königreiche.
Muster yoti natürlichem und künsilichem Fisch-
bein, beide von besonderer Schönheit, und zu ver-
schiedenen Artikeln^ wie Spazierstöckeu> Mafsstäben
u. dgl. verarbeitet^ .welche sehr fleifsig ausgeführt
sind.
Fictor Falädiery in Wien.
Aus der Kammfabrik dieses industriösen und ge-
schickten Mannes besitzt das Kabiuet mehrere vor-
zügliche Musterstücke, welche in jeder* Rücksicht
für meisterhaft gelten können. Merkwürdig ist dar-
unter, ein gekrümmter, 5i Fufs im Bogen langer,
aus einem einzigen ungarischen Ochseahorn durch
Aufschneiden in schraubenförmigen Windungeo ver-
• Icrtigter Kamm^ ferner ein grofser, aus zwei Stückeü
gelb gefärbten Hernes zusarpmengelöthcter Kamm,
« endlich eine ringförmig gestaltete HornpLitte, diein-
und auswendig nach Art eines Kammes mit Zähnen
97
Tersehen ist. An allen diesen Stucken bewundert
man vorzugsweise die grofse Reinheit und Schönheit
der Zähne ^ welchen Herr Valadler durch ein eigen-
thümUches sinnreiches Verfahren die vollkommenste
Rundung zu geben weifs.
Franz Findling y zu Hietzing unfern Wien^
bat zwei grofse durchbrochen gearbeitete kammför-
mige Schilder^ einen geraden Kamm und ein Etui^
sämmtlich von Elfenbein^ das letzlere mit schildpa-
tenen und elfenbeinernen Kämmen versehen^ über«
geben. Die durchbrochene Arbeit an diesen Stücken
ist so zart und rein^ dafs sie den alten berühmten
Elfenb einarbeiten y die in den Kunsikabinetten so all-
gemeine Bewunderung erregen^ an fleifsigcr Bcarbei^
tung gleich kommen^ sie an Eleganz der Formen aber
sogar weit überirefTcn. Wenn man bedenkt^ dafs diö
gegenwärtige Zeit allen langwierigen und mühsamen
Kunstarbeiten wegen Thcurung des Arbeitslohnes
wenig günstig ist; dafs dagegen jene älteren Arbeiten
onter Umständen verfertigt wurden^ die dem Künst-
ler in jeder Rücksicht weit ermunternder waren : so
mufs man der vollendeten Meisterschaft des Herrn
Findling Gerechtigkeit widerfahren lassen, und wün-
schen^ dafs es ihm nie an Gelegenheit fehlen müge^
sein seltenes Talent fernerhin zu üben.
Joseph Heifslery zu Sterzing ^ und Michael Pf urt--
scheller y zu Fulpmes in Tirol y
haben dem Kabinette mehrere Arbeiten^ als Löffel^
Dosen u. s. w. aus weifsem tirolischem Ochsen-
horn eingeschickt^ welches an Farbe und Undurch-
sichtigkeit fast dem Beine gleicht^ durch Erwärmung
aber durchscheinend wird, wie gemeines Hörn. Ein-
gravirte und schwarz eingeriebene Verzierungen ge-
ben diesen nationalen Kunstprodukten ein sehr arti-
ges und gefälliges Ansehen.
J«hrb. 4. polyt. Inst. IV. Dd. n
98
Mßihias W^anschkay zu Gmunden in Österreich
ob der JEnns.
Aufser einem Tabakpieifenkopfe von Buxbaum-
holtj der mit erhaben geschnittenen Landschaften
und Figuren sehr artig verziert ist^ besitzt das Kabi-^
net von dem genannten Einsender ein Paar zu einem
Pfeifenkopf und einem Pulverhorn zugerichtete Gern-
senhörnet*.
Unter den ausländischen Arbeiten^ vvelche der
Ähnliclikeit des Materials wegen hierher gehören^ sind
besonders einige Gegenstände aus Holzapfels Fabrik
in London bemerkänswerth. Wir nennen davon
eine Sammlung theils aus Elfenbein^ thcils aus Ko-
kosnufS'Verferiigtet Damensteine ^ einen ovalen elfen-
beinernen Becher init durchbrochenem Untersatze^ ein
Schreibzeug un4 ein Nadelbüchschen aus Kokoisnufs.
Alle diese Stücke sind mit sehr geschmackvollen Ver-
zierungen versehen^ und die Damensteine insbeson-
dere mit den mannigfaltigsten Desseins guillochirt.
Viele davon sind von solcher Art^ dafs ihre Ausführung
mittelst einer gemeiiien Guillochirmaschine als eine
unmögliche Sache betrachtet vrerden mufs; daher
dieselben dem inländischen Künstler wohl als ein
der Nachahmung würdiges Fabrikat aufgestellt wer-
den können.
4i. Ein für manche Theils der österreichischen
Moiiarchie nicht ünbedeutefidös Fabrikat sind die
Stroh ^ und Basthüte, von denen die letztem un-
eigentlich ihren Nahmen führen^ da sie aus schma-
len und dünnen Holzstreifen (meist Weidenholz) be-
stehen.
Ordinäre Strohhüte besitzt das Kabinet von Franz
Verhounig, zu Jauchen in Illjrrien (Laibacher Kreis).
Sie sind aus ganzem Stroh verfertigt^ theils von der
.99
natürlichen Farbe desselben ^ theils aach schwarz ge*
färbt, und werden von dem Landvolke in Krain häu-
fig getragen.
Feinere Hüte, nach Florentiner Art aus unge*-
spaltenem ^troh verfertigt, sind von Margaretha
Costa in Venedig eingeschickt worden. Diese zeich-
nen sich durch ihre Feinheit (da sie bis 70 Bänder
im Rande besitzen) vortheilhaft aus, und würden
eine vollkommene Nachahmung der echten Florenti-
ner-Hüte genannt werden können, wenn sie den-
selben an Schönheit der Farbe eben so,' wie in ihren
übrigen Eigenschaften gleich kämen. Eine vollstän-
dige Sammlung von feinem und gröberem Flechtstroh,
ist gleich^Us aus dem Yenetianischen eingegangen.
Strohgewebe, deren Kette aus Seide > deren
Eintrag aus gespaltenem Stroh besteht^ und die zur
Verfertigung der so genannten Patent -Strohhüte be-
stimmt sind; ferner Strohbordüren, und sogar Mu-
ster von ausgezeichnet schönem, in ßöhmen ver-
sucbsweise erzeugtem Spaltstroh hat die Fabrik der
HU. Joseph Fidler und Comp., zm Leitmeritz, dem
Kabinette übetgebem
Die Busthüte gehören zu den eigeiithümlichen
Erzeugnissen des südlichen Europa, und werden in
der Monarchie fast ausschliefsena in Italien verfer-
tigL Sie bestehen eben so aus einzelnen Bändern
wie die Strohhüte, werden aber nicht durch Zu-
sammennähen dieser letztern, sondern blofs durch
Pressen erzeugt; die Bjlnder selbst sind mit den ge-
wöhnlichen Handgriffen aus dünnen unc^ schmalen
Holzstrejfen geflochten. Peter, Cinghiani und Jo-
seph Lanzoni in Mantua^ und Nikolaus Parogchi
in Venedig haben theils fertige Baslhüte, theils ro-
hes Material und so genannte Bastplaiien, aus wel-
chen die Hüte verfertigt werden , eingeschickt. Von
7*
lOO
dem zuletzt genannten Fabrikanten insbesondere
besitzt das Kabinet viele ^ gröfsten Theils gefärbte
(gelbe, braune, grüne, schwarze, rotbe) Hüte, die
mit grofsem Fleifse verfertigt sind.
Hier erwähnen wir noch, um der Ähnlichkeit
des Materiales willen, der von Jnton Ferrari zu
Iseovoi lombardisch -venetianischcn Königreiche (Prov.
Brescia) eingeschickten Stricke aus Lindenbast, von
einer Lange bis qo Fufs ; ferner der Stricke aus spa-
nischem Ginster {Genista hispanica^ ital. Erba
Sparta j oder E. spagna), welche Joseph Bonaldo,
zu 672/o^g^za, zur Aufstellung überliefert hat; endlich
eines von dem Korbflechter Müller, zu Przemisl in
Ga/tzfe/2 verfertigten Körbchens in Form einer Lampe,
welches, nebst einer von demselben Einsender her-
rührenden Tasse, in Rücksicht auf die zierliche und
geschmackvolle Arbeit alles Lob verdient.
^2. Einen der vollständigsten und weitläufigsten
Theile desKabinettes bilden die verschiedenartigen Fa-
brikate aus Leinen, Baum- und Schafwolle und Seide.
!Da die Zahl der Einsender, welche Muster von den
in diese grgfse Rubrik gehörigen Gegenständen zur
Au/stellung übergeben haben , sich nahe an dreihun-
dert beläuft, so wird ma'n sich im Nachfolgenden da-'
mit begnügen, nur die vorzüglichsten unter densel-
ben anzuführen , indem der dem gcfjenwärtigen Auf-
satze zustehende Raum keine detaillirte Aufzählung
gestattet, und die letzte auch, ohne Erläuterung,
wenig Interesse haben würde.
43. Wir erwähnen vorerst einer grofsen Samm-
lung von gehecheltem Flachse , welche Muster aus
fast allen Provinzen des Kaiserthumes , vorzüglich
aber aus dem an diesem Materiale so reichen Böhmen
enthält.
ICI
Der Fkehsbaa ist seit einigen Jahrsehenden über-
all, und somit auch in unserer Monarchie ^ bedea-
ten4 von seiner ehemahligen Höhe herab gekommen^
"woran die häufiger gewordene Verwendung der Baum-
wolle und Baumwollenfabrikate gewifs die vorzüglich-
ste Schuld trägt; Indessen würde man einen grofsen
Fehlschlufs thun^ wollte man annehmen^ dafs dieses
durch die Zeitumstände begünstigte Mifsverh'ältnifs
zwischen der Kultur eines einheimischen^ in vielen
Kücksiohten vorzüglichen Webemateriales ^ und der
Verarbeitung eines uns immer fremd bleibenden Stof-
fes jemahls bis zur gänzlichen Beseitigung des erste-
ren gedeihen könne; denn^ ungeachtet bis jetzt alle
Bestrebungen^ den Flachs zu etwas zu machen^ was
er nicht ist, und niemahls werden wird (Versuche
über Flachsveredlung, Flacbsverfeinerung, Ersparung
des Röstens etc. etc.) mifslun^n sind, so wird doch
Kiemand läugnen, dafs gewisse nützliche Eigenschaf-
ten demselben f&r immer einen Rang unter den We-
bematerialien sichern müssen. Hat daher auch die
Leinen- Industrie in der neuern Zeit viel gelitten; ist
sie auch nicht im Stande, mit der unaufhaltsam fort-
gebenden Baumwollen -Industrie gleichen Schritt zu
halten ; so bleibt doch dem Vaterlande ein Erwerb-
zweig gesichert, der/ so viele sieiner Bewohner seit
Jahrhunderten dankbar genährt hat.
Erfreuliche Beweise von den neuerlichen Fortr*
schritten des Flachsbaues liefern unter andern meh-
rere im Kabinet befindliche Muster von zubereitetem
Flachs^ welcher, für den Gebrauch der Niederlän-
der Industrie -Anstalt zu Prag in Böhmen erzeugt
wurde, und dessen Feinheit wirklich Bewunderung
verdient.
44- Unter den Leinen- Gespinnstertf welche
das Kabinet aufzuweisen hat, befinden sich sehr vor-
xügliche^ und in jeder Rücksicht ausgezeichnete Mu-
ster. Darunter verdient vorerst ein zahlreiehes , von
f^alerio Cozzatti, zu P.elugo in TI^o/ eingeschick-
tes Garn -Sortiment mit vielem Lobe erv?ähnt zuv?er-
den y indem dasselbe Strehne von aufserordentlicher
Feinheit enthält^ welche^ sowie die übrigen^ eine
ungewöhnliche Gleichförmigkeit des Fadens zeigen.
Aufser vielen andern Handgespinnsiten^ die wir der
Kürze wegen übergehen, machen sich besonders die
Maschinengarne von FFurm und Pausinger in FFien,
und von Girard in Hirienberg nächst Baden , be-
merkbar.
Den HH. Tfurm und Pausinger gebührt das
Verdienst, allen übrigen Fabriken mit der Einfuhrung
der Flachsspinnmaschinen im österreichischen Staate
vorangegangen zu seyn, da sie ihr Etablissement liun
schon seit z6hn Jahren (seit i8i3*) mit Erfolg betrei-
ben, und auf die von ihnen selbst erfundenen Ma-
schinen im Jahre i8i7*eia ausschliefsendes Privile-
gium erhalten haben. Von den Mustern, vvelche die
gemannten industriösen Unternehmer dem Kabinette
übergeben haben, verdient das sehr gleiche und feine
Garn ^aus mascbinirtem Werg ganz vorzügliche Auf-
merksamkeit. Dafs bei der Spinnmethode der HH.
Wurm und Pausinger der Flachs in seiner vollkom-
menen Länge versponnen , und dem Garn dadurch
eine ausgezeichnete Festigkeit ertheilt wird, ist si-
cherlich nicht das geringste Verdienst derselben.
Die ausgedehnte Fabrik des i8i5 durch die
Staatsverwaltung nach Österreich berufenen, und
bald darauf ansehnlich unterstützten Franzosen Phi-
lipp Girard, deren ausschliefsendes Privilegium sich
vom i8. September des genannten Jahres datirt, hat
seit der Zeit ihrer Gründunfi; mit bedeutenden Sehrit-
.V • « 'all
*) Hermbitädti Bulletin des Neuesten ctfc. Bd. XII. S. i5.
I'oJgg.
ten sieh ihrer YoUkommedheit genähert. Die toh
dem Eigenthümer übergebeneil Proben deiner Ge-
tpinnste verdienen^ nebst einigen daraus gewebten
Leinwanduinstern^ billiges Lob, sowohl was ihre grofse
Feinheit, als was die Gleichheit und Schönheit des
Fadens betrifft.
Endlich müssen noch die Muster Ton« türkisch-
roth gefärbtem Leinen -, Hanf- und Werggarn des
Daniel Robbiatiy zu Monza im venetianisch ^ lom-
bardischen Königreiche, lobend erwähnt werden.
45. Der Ähnlichkeit wegen gehören hierher auch eiü
Paar sehr bedeutende Sortimente von gebleichtem
Leioenzwim, welche die Fabrikanten Joseph Fila-
Uniy zu Solo im venetianisch r lombardischen König«
reidie (Prov. Brescia), und fFeiß und Röster, zu
Würhenthal in k. k. Schlesien^ Behufs der öffentH-
eben Aufstellung eingeschickt habep. Beide erfüllen
alle Forderungen ; welche man an dieses so häufig
gesDcfaie Fabrikat billiger Weise stellen kann: sie
zeichnen sich in Rücksicht sowohl der Feinheit und
Weifse y als der Schönheit und Gleichförmigkeit der
Drehung sehr zu ihrem Yortheile aus.
Sehr Yorzüglich ist auch ein von Johann Hin*
kelnumny zu HoheneWe in Böhmen , eingesandtes
Strehnchen Spitzenzwirn von solcher Feinheit^ dafs
der 5333 Fufs lange Faden nicht mehr als 60 Gran
wiegt 9 und also den mittelfeinen Sorten des beriihm-
ten niederländiscBen Spitzenzwirns ungefähr gleich
kommt.
46- Zahlreiche Musterstückc besitzt das Nationair
Fabriksprodukten- Kabinet im Fache der Leinen We-
berei^ eines Industriezweiges^ dernQch jetzt für die
Monarchie von gröfster Wichtigkeit ist^ ungeachtet
ein grofser Theil der Leinenzeuge y besonders der ge-
io4
färbten und gedruckten^ jetzt meist durch die vroU-
feileren (aber freilich weniger dauerhaften) Baum-
i?vollenzcuge verdrängt ist. Die vorzüglichsten der
hier zu nennenden Einsender sind nachstehende:
jinton Borghiy zu Canale in Illjrien (Görzer
Kreis).
Dieser Fabrikant hat dem Kabinette schön gear-
beitete Muster von Tischzeug , versohiedenförmig ge-
streifter und gev^ürfelter Leinwand^ Bettzeugen u.
8. v^. übergeben^ 'die wegen ihrer Yortref&ichkeit ge-
rühmt zu werden verdienen.
JBernard und Jakob Bocchini, zu Pioue im vene«
lianisch- lombardischen Königreiche (Prov. Padua).
Gewürfelte und gestreifte Leinwand^ auch solche
mit baumwollenem Eintrags ferner Schnupftücher u.
s. w» von grofser Schönheit.
Michael Bayerleitkner, in TJ^ien.
Säcke ohne Naht^ aus einem geköperten^ zum
Theil mit Baumwolle gemischten Gewebe^ und von
grofser Brauchbarkeit, besonders zur Aufbewahrung
von Geld^ da hier kein Betrug durch Aufschneiden
und nachfolgendes Zunähen der Naht möglich ist.
Diese Säcke , deren Verfertigung von jedem Weber
auf einem gewöhnlichen Stuhl leicht vorgenommen
werden kann*)^ besitzen nähmlich blofs an den Sei-
ten zwei schmale, ganz glatt wie Leinwand gewebte
Leisten, vsrährend der Boden ohne Unterbrechung
ans den Eintragfaden gebildet ist. Beim Gebrauche
kon^men die erwähnten Leisten in das^ Innere des
Sackes, und gefährden daher die Sicherheit und Bo-
*) Da» der kais. ös'err. priv. Wiener-Zeitung vom 17, Februar
1811, No 39, beiliegenfle Amtsblatt No. i4 rnthält eiRr,
auf höhere Anordnung bekannt gemachte ausführliche Bc-
frchreihnng von Bayerleithners Methode, Säcke ohne Naht
XU weben.
io5 •
qaemlicfakeit desselben auf keine Weise. Nur steht
iiiJ>efurchten9 dafs vielleicht durch wiederhohltes
Waschen ein Ausfasern der Leisten , und so das Zer-
xeissen des Sackes bald herbei geführt werden könnte. "
Ungeachtet Bajerleithner keineswegs der Erste ist^
iety selbst im österreichischen Staate^ sackförmige
Gewehe ohne Naht verfertigte, so verdient doch seine
Methode wegen ihrer grofsen Einfachheit vielen ande-
ren vorgezogen und allgemeiner eingeführt zu wer*
den. In diesem Anbetrachte war es eine sehr zweck-
dienliche Mafsregel-y dafs dem Erfinder höhern Orts
sein Geheimnifs abgekauft , bekannt gemacht^ und
die Beschreibung 9 zur weiteren Verbreitung^ auch in
das Italienische übersetzt wurde. Der Erfolg davon
war auffallend. Kurze Zeit darauf wurden bereits
im Arbeits- und Strafhause zu Mailand Säcke
von bedeutender Gröfse nach Bajrerleithners Me-
thode verfertigt , wie die dem Kabinette von den ge-
nannten Anstalten eingeschickten Muster beweisen.
In dem dasigen Arbeitsbause änderte man das Yer-
fä&ren dergestalt ab, dafs die Säcke eine einzige, am
Boden befindliche Leiste erhielten , wodurch freilich
das Fahrikat vereinfacht, aber die Dauerhaftigkeit
desselben wieder etwas vermindert wird, da /begreif-
licher Weise y gerade der Boden Aes Sackes jederzeit
am meisten zu tragen hat.
Johann JESerl, in Grätz.
Grobe, durch Aufkratzen rauh gemachte Ge-
webe, oder so genannte Kotzen aus Hanf, welche
als ein ziemlich ungewöhnliches Fabrikat Aufmerk-
samkeit verdienen.
Joseph Gerlin, in Venedig.
Segeltuch von verschied^enen Gattungen, die un-
ter den Nahmen Cavallina y fladana, Cottonina
tt. s. w. vorkommen. Die letztgenannte Sorte besteht
uar zum Theil aus Hanfgarn, da der Eintrag grpbe«
io6
BaamwoIIengarn ist. Da Bur wenige Fabriken mit
der jErzeugung dieses Artikels sich abgeben , so ver-
dienen die vorliegenden Master um so mehr Lob , als
sie überdiefs auch weder an Gleichförmigkeit, noch
an der erforderlichen Dichtigkeit des Gewebes das
Mindeste zu wünschen übrig lassen.
Eine ähnliche y aber noch vollständigere Samm-
lung der verschiedenen Arten von Segelleinwand hat
das Kabiüet aus dem zum Königreiche lUjrrien gehö-
rigen österreichischen Küstenlande erhalten. Die
Breite aller dieser Muster beträgt j- bis ^ Wiener El-
len, und auch davon sind mehrere (wie Fustagno
d Anconay Fustagno di Rimini u. s. w.) halb aus
Baumwolle, die übrigen hingegen (Tela di Cento,
Lunetta di f^enezic^ u. s« f.) ganz aus Hanfgarn ver-
fertiget.
Die gräflich ff arr ach' sehe Leinw^dfabrik zu Jana-
Witz in Mähren.
Aufser einigen Mustern von vortreflflich gear-
beitetem Leinendumast hat diese Fabrik dem Kabi-
nette ein sehr schönes, aus Leinengarn und Seide ge-
mischtes Kaffehtuch übergeben , welches sich durch
Schönheit der Zeichnung und Vollendung der Arbeit
in gleichem Grade auszeichnet.
Hanisch y zu Wamsdorf in Böhmen.
« Damast aus gebleichtem und ungebleichtem Lei-
nengarn, von denen das erstere die Figuren, das
letztere den Grund bildet. Waaren dieser Art sind^
ihres schönen Ansehens wegen, sehr beliebt.
Joseph Fr. Riesling y zu Hohenelbe in Böhmen
(Bidczower Kreis).
Mehrere Muster von feiner und mittelfeiner ge-
bleichter Leinwand, so wie von Schleier, welche
diesef Erzeuger zur Aufstellung eingeschickt hat^
107
▼erdienen "wegen ihrer Schönheit eine besonders lo-
hende Erwähnung.
Die Zünfte der Leinweher eu S. Georgen, Fron-
kenmarkt und PHlkermarkt in Österreich oh der
EnnSy
haben dem Kabinette eine grofse Anzahl Muster von
ordinärer und feiner^ gehleichter und ungebleich-
ter JLeinwand, geflammten und gestreiften Bettzeu-
gen o« dgl. eingeschickt, die sämmtlich wegen des
in der Arbeit sichtbaren Fleifses zu rühmen sind.
Stolle und Söhne j zu Wamsdorf in Böhmen.
Damast- Tischzeug vtja sehr gut^r Qualität und
grofser Schönheit.
Andretis Fogel und Sohn, ?u Snecznajr in Böh-
men (Königgrätzer Kreis).
Rohe und gebleichte Leinwand von besonde*
Ter Schönheit.
47- Ein föi* die Industrie im Allgemeinen zwar
nicht sehr bedeutender ^ dagegen aber für gewisse
Theile der österreichischen Monarchie desto wichti-
gerer Erwerbzweig ist die Verfertigung der Spitzen.
Erst seit dem Anfange des gegenwärtigen Jahrhun-
derts^ um welche Zeit durch die auf "allerhöchste
Anordnung nach Wien berufenen niederländischen
Arbeiterinnen die Fabrikation der feineren Spitzen in
die Erblande verpflanzt wurde ^ hat sich dieser Indu-^
striezweig bedeutend zu heben angefangen; unge-
achtet sich schon früher eine beträchtliche Menschen-
menge damit beschäftigt hatte. Durch eiqq vervoll-
kommnete Behandlung des Flachses beim Bau und
hei der Zi}bereitung<, so wie durch die Anlegung von
Spitzenschulen in i9ö Amen ^ ist seit dem ein grofser
£hriit vorwärts gethan worden ^ soy dafs das Beste?
»o8
hea der in R^de befiadlichen Fabrikatton för eine
lange Zukunft gesichert zu seyn scheint.
I
Pas National -Fabriksprodukten -Kabinet besitzt,
aufser vielen Mustern von gemeinen groben Zwirn-
spitzen aus Böhmen ^ Tirol und einigen andern Pro-
vinzen^ eine prachtvolle Sammlung aller Arten von
Spitzen aus der Privatfabrik der Schv^estern Vanden-
cruys in f^ien {Döblinig bei Wien) und der so ge-
nannten Niederländer ^ Industrieanstalt in Prag.
Die Familie Pandencruj's yrurde vor beiläufig
zvranzig Jahren' auf Staatskosten von Brüssel nach
fVien berufen y um hier eine Spitzenfabrik zu grün-
den^ deren Fortführung ihr späterhin mit kaiserlicher
Unterstützung als Privat- Unternehmung überlassen
worden ist. Das ausgezeichnetste Produkt dieser An-
stalt unter den im Fabriksprodukten -Kabinette auf-
gestellten Mustern^ ein wahres Prachtstück^ ist ein
vier Fufs im Quadrat grofser Schirm^ mit eingenähten
Figuren, die einen ungeheuren Fleifs und eine er-
staunliche .Geduld in der Ausarbeitung beurkunden.
Kleinere Stücke, als einzelne Figuren, Streifen, Ja-
bots u. s. w. lassen eben so sehr den Geschmack
lA der Zeichnung als die mühsame Ausführung be-
wundern.
«
Eine Filiale der Wiener Fabrik ist die Nieder-
länder Inditstrieanstalt zu ^Pragy welche, so wie
jene, vom Ärarium beträchtlich unterstützt, und viel-
leicht nur dadurch in ihrem Flor erhalten v/ird. Von
ihr hat das Kabinet ^ine nicht weniger merkwürdige
Sammlung von ausgezeichneten Musterstücken aufzu-
weisen, welche dadurch noch interessanter wird, dafs
ihr Proben des in Böhmen selbst erzeugten rohen,
zugerichteten y gesponnenen und gezwirnten Flach-
ses beigefügt sind.
109
Gelegenlieidich können hier y der Seltenheit we-
gen , einige Fabrikate, nähmlich Bänder, Handschuhe
und Spitzen aus gesponnenem Asbest erwähnt wer-
den. Die Yerfertigerin dessell^en ist Madame Z.
Perpentiy zu Como im venetianisch - lombardischen
Königreiche.
48. Das National -Fabriksprodukten -Kabinet be-
sitzt keine weitläufige Sammlung roher Baumwolle,
da dieser Artikel eine Rubrik der am polytechnischen
Institute befindlichen Materialwaaren- Sammlung bil-
det; doch erwähnen wir hier einiger, vor mehreren
Jahren (1811) im Banate und der Militärgränze (um
TemeswiiTy Karlowitz, Peterwardein) versuchs-
weise erzeugten Baumwollensorten, die aber, wie
die vorliegenden Muster zeigen, von schlechter Be-
schaffenheitsind, und, der Erfahrung zu Folge, kaum
bisKro. 56 verspinnbar amsfielen.
Das Spinnen der Baumwolle ist, seitdem der
Verbrauch baumwollener Zeuge so sehr überhand
genommen hat, ein fiir die österreichische Monarchie
vf^icbtiger Erwerbzweig geworden, und ist es selbst
jetzt noch, da dieser Tbeil der Industrie doch seit
mehreren Jahren bedeutend durch die Zeitumstände
gelitten hat. Die Einführung der Spintimaschinen
nach englischer Art, welche ntin bereits allgemein
verbreitet sind, und die Stelle der Handspinnerei mit
gröfstem Yortheil ersetzen, datirt sich im Inlandeerst
seit ungefähr zwanzig Jahren. Der höchste Flor in>-
ländiicher Spinnereien fäHt in die Zeit der Napoleon'-
schen Contincntalsperre: der seither eingejLretene
allgemeine Friede hat viele Fabriken ins Stocken ge-
bracht, und da gegenwärtig alle feineren Garnsorten
(von Nro. 5o Mule und Nro. 12 Water aufwärts) aus
der Fremde einzuführen erlaubt sind, die heimischen
Spinnereien aber,' des hohen Zolles tmgeachtet, mit
den englischen Erzeugnissen nicht zu konkurriren ver-
HO
mögea^ so befindet sicli die inländische Zeugweberei
in einem lästigen Abhängigkeits- Zustande. Die Fein-
spinnerei wird eben wegen dieser Unfähigkeit der
Konkurrenz gleichsam nur als Ausnahme betrieben,
und somit. steht der ganze Industriezweig tiefer, als
es eigentlich möglich wäre. Die freie Konkurrenz mit
dem monopolisirenden Engländer drückt den Muth
des österreichischen Fabrikanten nieder , statt, wie
sie es unter günstigem LokalitaCs- und Zeitumstän-
den wohl ihm Stanae wäre , ihn aufzurichten.
Das National- Fabriksprodukten -Kabinet besitzt
eine interessante Sammlung englischer BaumwoUen-
gespinnste , und zwar Mulegam in einzelnen Schnel-
lern von Nro. 5^ bis 200. Von den inländischen Ma-
schiuensninnereien haben hauptsächlich jiachfolgende
Proben inrer Erzeugnisse eingeschickt:
Die Maschinengespinnst- Fabrik des Freiherrn von
JBrai^ , zu Schönau in Österreich (V. U. W. W.).
Mulegam aus niacedonischer und westindischer,
und Watergarn aus macedonischer Wolle; jenes bis
zur Feinheits - Nummer 80 > dieses bis Nro. 36. Die
Garne sind durchaus 'sehr schön ^ und lassen in Ab-
sicht auf die Gleichheit des Fadens nichts zu wün-
sehen übrig. Von jeder Sorte besitzt das Kabinet An
fünf englische Pfund schweres Packet«
Der .Spinnfabrikant Friedrich Eimannsberger , zu
Gattern in Tirol (Bregenzer Kreis).
Mehrere Garnsorten in kleinen Mustern, . von
den Feiuheits - Nummern 36 bis 4^, aus Louisiana-
und Surinam -Baumwolle.
Die k. k. priv. Mascbinengespianst^Fabrik zu Pot-
tendorf in Österreich (V. U. W. W.}.
Diese, einer zahlreichen Privatgesellschaft gekö-
rige Anstalt wurde im Jahre 180:2 gegründet, und
III
ist gegenwärtig die ausgedehnteste ihrer Art in der
Monarchie j sie arheiteie vor ungefähr sieben oder
acht Jahren mit mehr als zweihundert Maschinen^
worunter nur der achte Theil für Watergarn ^ weil
die^ Gespinnstsorte weniger gesucht und verbraucht
-wird, als das Mulegarn. Dem Kabinette hat diese Fabrik
eine höchst bedeutende Sammlung ganz vortrefflicher
Game zum Geschenk gemacht. Von der Feinheit der
darunter befindlichen Muster^ welche durchaus in
cinpfiindigen Packcten bestehen^ gibt nachfolgende
Übersicht einen Begrifi: Macedonisches Mulegarn,
Prima Sorte Nro. 20 bis 40; — Secunda Nro. 5o bis
60; — macedonisches Watergarn Nro. iöbis:28; —
indisches Mulegarn, Prima JVro. 4o his 90; -r- Se-
conda Nro. 3o bis 160; — indisches Watergarn,
Prima Nro. 4o bis 5o ; — Secunda Nro. 3o bis /40 , —
gebleichtes macedonisches Strickgarn (gezwirnt) Nro.
lü bis 3G; — indisches Stickgarn Nro. 26 bis 44; —
indisches £jreppgarn Nro. 32', — türkischrothes
Gam^ Prima Nro. 44*
Unter den genannten Sorten verdient noch ins-
besondere die letzte^ nähmlich das türkischroth ge-
färbte Garn , einer ehrenvollen Erwähnung ^ indem es
an Feuer der Farbe nicht das Geringste zu wünschen
übrig läfst^ un4 in dieser Rücksicht gewifs mit einem
jeden andern wetteifern kann. Auch das Kreppgarn
mufs einer besonders lobenden Auszeichnung gewür-
digt werden«
Die Maschifienspinnerei der Freiherren Johann und
Karl von Futhon, zu Teesdörf in Österreich
(V. U. W. W).
Sehr schöne 9 bis Nro. ioo reichende Mulegarne^
Prima und Secunda Sorte ^ aus macedonischer^ uild
westindischer Wolle.- Das freiherrlich von Puthon*^
sehe Etablissement gehört zu den bedeutendsten in
der Monarchie.
112
Die Spinnfabrik von Rhomberg \md Lenz , zn Dorn-
bim in Tirol (Bregenzer Kreis).
Einzelne Strehuchea von Muiegarn^ darunter das
feinste Nro. 70.
i)ie Spinnerei des Joseph pon TTiorkton, zu Minr
kendorf in Österreich (V. U. W. W.)»
Maschinen - Watergarn aus macedoiiischer Baum-
"wolle^ von den Feinheits- Nummern 3o bis 58.
Das Färben des türkischrothen BaumveoUgarnes
wird von mehreren Fabriken mit bestem Erfolge be-
trieben. Muster solchen Garnes besitzt das Kabinet
von der Pottendorfer Spinnfabrik^ ^ie schon erwähnt;
aufserdem haben Peter Zanoluy zu Monzaixa vene-
tiaiiisch - lombardischen Königreiche, und Jakob
Bröcking, in Wien, Muster von diesem Fabrikate
übergeben, die alle Forderungen befriedigen, und
einen erfreulichen Beweis von den Fortschritten die-
ses ^ Zweiges der Färberei ablegen.
49. Die Sammlung der verschiedenen Arten von
JBaumwollenzeugen macht einen der schätzbarsten
und interessantesten Theile des Kabinettes aus. Un-
ter der greisen Anzahl von Fabriken , welche ab-
gleichen Erzeugnisse eingeschickt haben, befinden
sich mehrere sehr ausgezeichnete Etablissements, de-
ren Besitzer wegen ihrer Industrie lobend angeführt
zu werden verdienen. Diese sind hauptsächlich fol-
gende.
Biassoni und Robbiati , zu Monza im venetianisch^
lombardischen Königreiche*
Unter den von dieser Fabrik übergebenen schätz-
baren Stücken befinden sich weifse musselinene
Schnupftücher, ein yveifses, eben solches Umhäng-
tuch, Muster von Perkai u. s. w., die sämmtlich sehr
schöA gearbeitet und von bedeutender Feinheit sind.
ii3
Gebriider Colombo, zu Monza ,
baben eise AnzabI gewürfelter baumwollener Scbnupf-
tücher und äbnlicbe Zeuge zur Aufstellung einge-
schickt.
Karl Damm, in PTien.
, Dieser iudustriöse Fabrikant zeichnet sich beson-
ders durch die Verfertigung solcher Artikel aus, die
fiir den Frauenzimmerputz bestimmt sind. Das Ka*
binet besitzt von ibm gestreiften, zum Theil mit
Schafwolle oder Seide untermischten Baumwollen«
Battist, ein schönes, mit Seide eingewebtes Tüll'
Tuch, sogenannten Schlangen- Tüll, Damast- Tüll^
und ähnUche Zeuge, die sich sowohl durch Feinheit
und Leichtigkeit, als durch Zierlichkeit in den Des-
seins auszeichnen. Besonders beo^erkenswerth scheint
e'm durchbrocbenes Bordurkleid durch die Zartheit
seiner Ausführung , welche nichts zu wünscben übrig
lafst; mehrerer anderer Musterstücke nicht zu ge-
denken.
Gehruder Erjcleben, zu Landskron in Böhmen
(Chrudimer Kreis).
Sehr schöne, mit Walzen bedruckte Kattun«
muster^ welche rücksichtUch der Genauigkeit in
der Ausführung alle Wünsche des Kenners befriedi-
gen. Jedermann kennt die grofsen Vörtheile des
Walzendruckes in Absicht siuf Ökonomie und Erspa-
ruBg des bei den gewöbnlichen Formen nöibigen
Rapportirens ; Jedermann weifs aber auch die bei sei-
ner Ausübung eintretenden Scbwierigkeiten zu beur-
theilcn, welche von den Gebrüdern JGrxfeÄe/i gl ück-
hch überwunden worden sind. Vorzüglich bemer-
kcnswerlh unter den eingesandten Mustern ist ein
Stück mit geraden Streifen, und ein anderes mit
sehr enge , in regelmäfsigen Entfernungen stehenden
Punkten.
^Mkt^. 4. pol/t. last. IV. 114. 8
ii4
Joseph Fussenegger, zu. Dombim in Tirol (Bre*
genzer Kreis) ^
hat viele Master von sehr schön gesticktem Musselin,
nahmentlich , aufser mehreren kleineren Frohen, vier
iiher eine Elle im Quadrat grofse Umhängtücher ein«
geschickt, die viel Fleifs in der Bearbeitung zeigen.
Fr* Fröhlich und Söhne, zu Wamsdorf in Böhmen.
Unter den von diesen Fahrikanten eingegange-
nen Mustern erwähnen wir als' vorzüglich ein lo El-
len langes , mit 8 verschiedenen Desseins versehenes
Stück Dimities oder Wallis von grofser Schönheit. Nicht
minder ausgezeichnet ist ein Stück Baumwollen-Sammt^
v^elches auf einer Länge von 7 Ellen mit sieben ver-
schiedenen farbigen Desseins sehr geschmackvoll be-
druckt ist. Diese beiden sehr gelungenen Erzeugnisse
berechtigen zu dem günstigsten Urtheile über die Fa--
brik> aus welcher sie hervorgegangen sind«
C. An Hafferl, in Linz*
Mehrere sehr schöne Muster von gedrucktem
Baumwolleh - Barchent , 1/velche um so bemerkens-
werther sind , da sie nur von l/irenigen Fabrikanten
verfertigt werden.
Kaspar Hirt ^ in Mailand.
^ Verschieden bedrückte Kattune oder Calicoes,
auch bäumwollne Schnupftücher mit sehr gut gewähl-
ten Desseins«
Heerburger und Khombergy «u Dornbirn in Tirol.
Dieses Handelshaus betreibt nicht sowohl eine
eigene Fabrik, als vielmehr nimmt dasselbe gewisse
baumwollene Zeuge, wie weifsen Perkai, glatten^ ee-
stickten und genähten Musselin u. dgl. den in der
Umgegend von Dornbirn ansäfsigen Webern zum
Yerschleifse ab. Das Kabinet besitzt zahlreiche Mu-
ster von den genannten Artikeln, *welche durdiaus
schön und mit Fleifs gearbeitet sind.
if5
Ignaz tind Philipp HacLS^ beide in PFien,
haben dem Fabriksprodukten - Kabinette Muster von
verschiedenen^ zu Putzwaaren dienenden Zeugen über-
geben. Darunter zeichnen sich ein Paar fagonnirte
Tüll - Bajaderen von Philipp Haas durch ihre Schön-
heit aas. Nicht weniger vorzüglich sind die Proben
von farbig broschirtem und fa9onnirtem Tüll , Vielehe
diese beiden Fabrikanten zur Aufstellung überreicht
haben. Die ganze. Sammlqng ihrer Erzeugnisse kann^
nebst' so vielen anderen im Kabinette befindlichen
Husierstücken ^ zum Beweise der Fortschritte die-
nen, -welche die Baumwollenzeug -Fabrikation seit
mehreren Jahren gemacht hat.
Anton Holljr y in Wien^
Ein sehr schön gearbeitetes Damenkleid aus Ya-
peur mit zweifacher TülU Bordur; /dann eine TüU-
Bayadere von grofser Schönheit, welche beiden Stücke
wegen ihrer sorgfältigen und genauen Ausführung
alles Lob verdienen.
Die Sckwanenstädter BaumwoUenwaaren - Fabrik
von Jennjf Ablj und Comp.y in Österreich
(Innkreis.)
Eine bedeutende Fabriks«» Anstalt^ welche dem
Kabinette mehrere sehr g(sluDgene Proben ihrer Er-
zeugnisse zur öfTentlichen Aufstellung eingeschickt
hat. Die darunter befindlichen Muster von glattem
Perkai ^ glattem und fa9onnirtem TüU^ weifsem Pi-
€fi6 u. 5. w., verdienen vieles Lob.
Simon Juraneck ^ iti Wien
Ein 3 Ellen langes Stück von sehr feinem Perkai
(ans Gespinnst von Nro. lao) mufs wegen der Schön-
heit und Gleichförmigkeit des Gewebes rühmlich er-
wähnt werden. Schade, dafs alle Zeuge von dieser^
und selbst noch von weit minderer Feinheit durchaus
ans englischem Garn verfertigt werden, indem die
8*
ii6
inländischen Spinnereien theils nicht über Nro. 80
hinauf spinnen^ theils auch in der Wohifqilheit ihrer
feinqren Gespinnste es den Engländern nicht gleich
thun können.
Die k. k. priv. Kettenhofer Kattunfabrik ^ nächst
Schwächat in Österreich (V. Ü. W. W.).
Eine zahlreiche Sammlung von Musterstücken
aus dieser-, unter der Leitung des thätigen und kennt*
nifsreichen DirectorsHrn. Johann Ziegler siehenden
Fabrik verdient um so mehr Beichtung , als die letz-
ten Jahre dem Fortschreiten dieses Industriezweiges
mehr hinderlich als fördernd waren. Im Jahre 1770
gegründet^ hob sich die Fabrik seit 1782, wo sie
nur 3o Drucktische in Bewegung setzte^ immer mehr,
so, dafs sie nach Verlauf von üo Jahren bereits über
4i>ooo Handarbeiter beschäftigte, worunter 36,ooo
Spinner, iiS^ Weber, 128 Drucker u. s. w. Die
Eigenthümer haben seit dieser Zeit weder Kosten
noch Anstrengung gespart, um, den Zeitumständen
gemäfs, die Fabrikation tn vervollkommnen, neue
Entdeckungen und Verbesserungen des In- und Aus-
landes zu benützen, und so den ihr gebührenden R^og
mit Würde behaupten zu können. Die Anwendung
von Dampfl^esseln beim Bleichen, seit iSiöo; dieihä-
tige Mitwirkung zur Einführung der Maschinenspin-
nerei um das Jahr 1802; die Etablirung^ einer Wal-
zendruckmaschine (der ersten in der Monarchie) 180G;
die Anwendung der chemischen Bleiche seit 1808;
die Errichtung einer grofsen Fabrik von chemischen
Produkten i8io; die Benützung der Lithographie
für den Kattundruck seit 181 4: dieses sind die glän-
zendsten Epochen des Flors dieser Fabrik, welche
über alle ähnlichen Anstalten der Monarchie hervor-
ragt, ungeachtet die letzten ungünstigen Jahre auch
auf sie von sehr nachtheiligem Einflüsse gewesen sind.
Schon lange zeichnet sich dieselbe vorzüglich durch
die Ausführung der schönsten und geschmackvollsten
»»7
Desseins auf gedruckten Baumwollen «^ und Schafwol-
len-Stoffen aus. Vorzüglich bemerkenswerth ist un-
ter den im Kabinette befindlichen Mustern ein 4 EUea
langer und 2 Ellen breiter Merinos -Shawl', der'blofs
durch den Druck die echten Shawls auf das täu-
schendste nachahmt. Eine feine schafwollene Decke,
mehrere eben solche Tücher (worunter einige in
Jersischem Geschmack) mit aufserordentlich feinen
^esseins^ sind von grofser Eleganz und hoher Yoll-
kommenheit. Unter den Baumwollenzeugen sind
mehrere türkischrothe Muster^ und solche mit sehr
schönem Walzen- und Lapisdruck. Von der gelun-
genen Anwendung des Steindruckes auf Kattun lie-
fert ein auf diese Art mit einem Blumenstraufs verzier-
tes Kaffehtuch, dessen Vortrefflichkeit von allen Ken-
nern bewundert wird^ den Beweis. Die ganze Samm-
lung gewährt schon an und für sich eine Übersicht
des ausgedehnten Fabriks- Betriebes /und durch die
Darbringung derselben haben die Besitzer der Anstalt
sowohl sich ^ als der österreichischen National- Ehre
ein i>ieibendes Denkmahl gesetzt.
Kramer und Comp., in Mailand.
Die unter der obigen Firma bestehende Fabrik
gehört zu' den vorzüglicheren in dem österreichi-
schen Staate überhaupt^ und im venetianisch-lom-
hardischen Königreiche insbesondere. Das Kabinet
besitzt von ihr mehrere sehr schön gedruckte Calico-
Muster^ ein baumwollenes türkischrothes Tuch mit
farbiger Bordur^ nebst andern vorzüglichen Stücken^
deren Ansicht einen erfreulichen Beweis gewährt,
dafs auch ^ie italienischen Provinzen den übrigen
Theilen des Kaiserstaates an Industrie mit Glück
nacheifern.
Joseph Kiuzaureck, in TFien*
Die Artikel, welche dieser Fabrikant zur Auf-
stellung eingeliefert hat^ zeichnen sich sämmtlich
ii8
" durch Solidität und Gesdunack in der Bearbeitung
aus. Man bemerkt darunter eine zwei Eilen lange
baumwollene Bayadere^ einige gefärbte Halskrau-
sen^ Garnirangs- Streifen 9 Muster von quadrillirtem
Vapeur u. s« w.
Die Manchesterfabiik von /. E. KlapperrotKs Er-
Ben, zu Schönberg in Mähren (OUmützer Kreis).
Das Kabinet besitzt eine beträchtliche Anzahl
Muster aus dieser schon lange bestehenden, und durch
die Güte ihrer Produkte ausgezeichnßten Fabriksan-
stalt. Trisliflich gearbeitet ist der weifse geschnürte
Sommer - Manchester ; ilim stehen die schwarzen,
blauen und rothen Sorten des aufgeschnittenen oder
Winter - Manchesters nicht nach, welqhe sich durch
Schönheit der Farben und Dichtigkeit des Gewebes
bemerkbar iqachen^ und eben so wenig lassen die
mit verschiedenen Farben (als gelb, grün, roth, blau)
gedfucktei^ Gattungen dem Kenner etwas zu wün-
schen iibrig.
Franz Leitenberger y zu Cosmanojs in Böhmen
(Bunzlaüer Kreis).
Unter denjenigen Fabrikanten, welche der in^
ländischen Baumwollen- Industrie durch ihre Bemü-
hungen forderlich gewesen silid, cebuhrt Herrn Fr.
Leiienberger eine der ersten Stellen *). Er hat dem
Kabinette zwei gedruckte baumwollene Tüpher über-
geben, die d0^ Stämpel der Vollendung an sjch tra-
gen, und ihrem Verfertiger jm besonderer £hre ge-
' reichen. D^s eine vpn beiden ist türkischroth gefärbt,
und# mit einer schönen farbigen Bprdur versehen.
D21S herrliche Roth desselben hs)t seine Haltbar-
keit dadurch bewährt, dafs es im Son^mer iSaa^
' ■. ^ . . '
. *) Zum Bevyeise der Anerkennung seiner Verdienste, hat Se,
Majestät der Kaiser dem Herrn front Leitenhergwr im
Jahre 1818 die grofse Civil -Ehrcnmedaille gnädigst zu ver*
leihen geruhet.
119
nachdem es bereits drei Jahre der ungeschwachten
Einwirkung von Licht und Sonne ausgesetzt war^ sich
noch nicht im Mindesten verändert zeigte. Seiner
vollkommenen Ausführung vregen kann dieses Stück
nui Recht fiir eines der vollkommensten gehalten
vrerden^ die vielleicht je verfertigt worden sind. Das
andere Stück > ein grofses baumwollenes Umhängtuch
mit i^osenrother Blumen -Bordur und weifs geätztem
Grunde^ verdient gleichfalb vielem Lob.
Lazarus Nikolaus^' in FFien^
Ein orientalisches Kaffehtuch von braunem Dop*
pel-Crois^ mit einem 4Seckigen^ farbig gedruckten
Stern. Der Vater dieses Fabrikanten gab sich zuerst
im österreichischen Staate mit dem Drucken orienta^
hscher Waaren ab.
Alois Mofy ZQ Hohenelbe in Böhmen.
Mehrere Muster von feinem Baumiyollen-Battisi^
die sehr schön gearbeitet sind«
Anton Machay in TFien^
Zwei Dameukleider aus Baumwollen -Battist^ das
eine mit Seide broschirt und mit einer schönen Bor-
dur versehen , das andere von so genanntem Spenal.
Beide sind sehr schön gearbeitet.
Philipp Reinwald, in Wien.
£in Paar Muster von sehr feinem Vapeur , beide
ans englischem Gacn^^ von Nro. sSo und 280 , den
höchsten Nummern^ die im österreichischen Staate
verarbeitet werden.
Joseph Stucchi, zu Monza im venetianisch - lom?
bardischen Königreiche.
Feine baumwollene Tücher.
130
. Scotti und Comp., in Mailand.
Ein in chinesischem Geschmacke hedrncktes
Baum wollcntuch • und Muster von.sehr schönem La-
pisdruck.
Dominik Staurenghi, zu Monza.
Schöne Muster von Perkai und gefärhtem haum-
woUnem Croisc.
.Franz- TForm, zu Neuforstwalde in Böhmen.
Dieses thätigen Fabrik -Inhabers^ welcher dem
Kabinette ein sehr schön und dicht gearbeitetes Stück
Manchester zum Geschenke gemacht hat , ist im III.
Bande dieser Jahrbücher {S. 897) rühmliche Erwäh-
nung geschehen , woselbst man auch mehrere Details
über (ue Ausdehnung seiner Anstalt finden wird.
«
Alexander Vogel, zu Wels in Österreich ob der
Enns,
hat dem Kabinette einige gedruckte baumwollene
Tücher übergeben^ die in mehreren Rücksichten ge-
lobt zu werden verdienen.
5o. Die rohe Schafwolle macht keinen Be-
standiheil des Fabriksprodukten- Kabinettes^ sondern
der am polytechnischen Institute bestehenden Mate-
rialwaaren - Sammlung aus. Dagegen besitzt dieses
Kabinet eine bedeutende Menge Schaf wollen - Ge-
spinnste von verschiedenen -Einsendern; sehr schöne
verschiedenfarbige Muster^ unter andern von Blasius
Ebely in PFien^ und von Franz Mangln in Salz-
burg.^ ^— Z. Schuld, in Brunn, hat Muster von sehr
gut gesponnenem^ so genanntem Harrasgarn; und
die gräflich JEsterhazfsche Fabrik zu Ats, nächst
Komorn in Ungarn , feines Wollengarn von beson-
derer Schönheit eingeliefert; mehrerer anderer Fa-
briken nicht zu gedenken.
131
5i. Sehr gut ist das National- Fabrilsprodukten-
Kabinet mit verschiedenen Arten von Schafwollen^
Stoffen^ vorzügIi<^ Tuch und einigen andern Zeug-
gattungen^ versehen. * Die Sammlung dieser Muster
vermag einen genauen Überblick dieses iur unsere
Monarchie so höchst wichtigen Industriezweiges zu
geben ; Mangels an Raum wegen mässen wir uns aber
hier damit begnügen^ die vorzüglichsten Fabriken
nahmhaft zu machen, deren mehr oder weniger voll-
endete Erzeugnisse im Kabinette aufgestellt sind. Da-
zu gehören die nachfolgenden ;
Johann Bigmann y in Brunn.
Feines Tuch, worunter ein Muster blaues Vigo-
gne-Tuch vorzüglich bemerkbar ist«
Gebrüder Boschetti,
Jagazzaro und Rübini i
Franz Rossi upd
Lorenz Scomason ; sämmtlich zu Schio \m lonibar-
disch - venetianischen Königreiche.
Tücher von verschiedenen Farben,
Johann Erbisti^ zu Ferpna.
Muster von blauem und 'schwarzem, sehr feinem
Tuch«
Gebrüder Edle von Moro^ zu Fiktring in Kärnthen.
Die verdienten Fabriksr Unternehmer sind Be-
sitzer einer der gröfstcn und wichtigsten Tuchmanu-
faktaren in der Monarchie. Die Yorzüglichkeit ihrer
Erzeugnisse wird durch die Ansicht der im Kabinette
aufgestellten Muster bestätigt, unter denen sich nicht
ein einziges befindet, woran man nicht mit Recht die
Schönheit der Farbe und die ungewöhnliche Feinheit
liewunderte. Oben an steht ein Stück scharlachro-i
thesTuch, ein anderes von weifser, und eines von
133
schwarzer Farbe, welche sämmüich den alten Ruf
der von iWoro'schcn Fabrik auf das Neue beurkunden.
Man sieht hier auch Proben von schwarzem und scfaar-
lachrothem Kasimir, der in keiner Rucksicht et^nras
zu wünschen übri^ läfst.
Die freiherrlioh von P^^/ion'schc Tuchfabrik, zu Na-
miest in Mähren.
Schöne Tuchmuster, unter denen einsehr feines,
mit so genanntem Ofenheimerroth (einem in Wien
erfundenen Surrogat der Kochenille) trefHich schar-
lachroth gefärbtes Stück, vorzugsweise erwähnt wer-
den mufs.
Die k. k. Ararial-^JVollerizeugfahrik zu Linz in
Österreich ob der Enns^
Diese sci( einer langen Reihe von Jahren (seit
16^3) bestehende Anstalt, welche unter die ausge-
dehntesten Manufakturen nicht nur im österreichischen
Staate, sondern auch in ganz Deutschland gehört,
beschäftigt sich dermählen vorzüglich mit der Erzeu-
gung von Teppichen, wefs wegen» ihrer noch gedacht
werden wird. Von den gemeineren WoUenzeugen,
welche daselbst verfertigt werden, besitzt das Kabi-
net eine zahlreiche und vollständige Sammlung 9 wor-
unter der gewässerte und gedruckte BerH^n, die ver-
schiedenen Sorten von Konzent, Xalmank, Tamis,
Chalon, Satin, Droguet u. s. w. besonders ausgezeichnet
zu Werden verdienen. Die Mode hat gegenwärtig die
genannten Stoffe fast ganz verdrängt, und somit ist
auch ihre Fabrikation nur mehr von geringer Wich-
tigkeit ; ungeachtet sie wegefl der ihnen eigenen Leich-
tigkeit und Dauerhaftigkeit wohl wieder in Aufns^iqe
zu kommen verdienten.*
Von niehr Bedeutung sind die aus feiner ge-*
k^mmter Wolle verfertigten, und in verscl^iedepptt
färben yorkoiumendcn , crpisirtcn Merinos r Zeuge^
12,
welche häufig auf DamenUeidei^ und Shawls verwen-
det werden« Die davon im Kabinette vorfindigen
MoAer zeigen einen hohen Grad der Vollendung, ob-
wohl einige davon den sächsischen , französischen und
englischen Geweben dieser Art nicht ganz gleich kom-
men. Erwähnung verdienen auch die aus so genann-
tem Serailtuch verfertigten , und mit verschiedenen,
theils gedruckten, theils geätzten Desseins versehenen
Tischdecken, welche sich durch die Schönheit der
Farben and durch die gute Wahl der Zeichnung sehr
vortheilhaft auszeichnen. Die ganze, aus mehr als
70 Musterstücken bestehende Sammlung macbt einen
sehr schätzbaren Theil des Kabinettes aus, und ist
vollkommen geeignet , einen Begriff von dem Zustande
der Wollenzeugfabrikation im österreichischen Staate
zu geben.
*
5a, Ein der Ähnlichkeit wegen hierher gehöriger
JLrukel sind die roth gefärbten türkischen Käppcken,
welche aus Wollengarn gestrickt, oder auf dem
Simmpfwirkerstuhle verfertigt, im Übrigen aber ganz
wie das Tuch zubereitet , nähmUch gewalkt , gerauht,
geschoren und geprefst werden« Aufser den eigent-
lichen kleinen Käppchen setzen wir in diese
Rubrik auch die hohen Janitscharen - Mützen , Mar-
trosenhauben und Tuneserkappen. Die Fabrika-
tion dieser Waare , welche, häufig nach der Türkei
geht, ist im österreichischen Staate nichts weniger
als unwicbtig. Die beiden Fabrikanten, Joseph Preuer
und J. Rosa, zu Linz, der Strumpfwirker fVinter^
in GräiZf endlich Anton Broito, in P^enedig, haben
dem Kabinette Muster dieser Art übergeben. Aufser-
dem besitzt dasselbe eine Tuneserkappe, welche iu
Wien versuchsweise mit dem oben erwähnten Ofenr
heimecTOth sehr schön gefärbt wurde.
Von den auswärtigen Ländern liefert vorzüglich
Frankreich eine grofse Menge türkischer Käppohon
124
für den Gebrauch des Orients. Eine 'der bedeutend-
sten Fabriken hierin ist die zu Orleans unter der
Firma Benoit, Merat et Desfrancs existiceftde,
von deren Erzeugnissen das Kabinct durch die Güie
des Wiener Grofshändlers ^ Herrn Joseph Patera^
mehrere Proben erhahen hat*
•
53. Eine grofse und ziemlich vollständige Samm-
lung von roher und fiUrter Seide , vtrelche das Ka-
binet besitzt^ umfafst, aufser ,den meisten italieni-
schen Sorten^ sehr viele ostindische.
Die italienischen Seiden -Sorten^ welche zusam-
men eine nahe aus 60 Mustern bestehende Sammlung
bilden^ rühren von verschiedenen Einsendern her,
von denen wir nuV Flaminio Ascoli^ Joh. B. Zb-
magniniy Isaak SinigagUuy Anton Cumarlonder,
und Joseph Juchj in Görz; ferner Andrea Mar-
silliy zu Ro^eredo u. s. w. nennen.
Die ostindischen Seidenmuster, 45 an der Zahl,
sind ein verehrliches Geschenk Sr. kaisörl. Hoheit des
Erzherzogs Johann; es befindet sich darunter auch
ein Muster ganz weifse chinesische Seide von aulser-
ordentlicher Feinheit.
Hierher gehört auoh eine sehr schätzbare Samm-
lung von gesponnener Floretseide, in 27 Sorten, die
sämrntlich aus mehreren Fabriken der Schweiz , z. B,
des Johann Georg BurkU, Johann Conr. Pesta-
LutZy in Ziirch u. s. w. herrühren. Für den inlän-
dischen Verbrauch sind diese Gespinnste bisher im-
mer vom Auslande eingeführt worden , da sich keine
inländische Fabrik, der beschwerlichen Zubereitung
wegen, mit der EÜrzeugung derselben abgibt.
G. Ä Ars^ediy zu f^erona, hat dem Kabinette
jftin vollständiges Sortiment der apprctirtex) und gefärb«
135
ten Seidengattungen eingeschickt^ iivelchcs aus 33
Mastern besteht^ und rücksichtlich seiner Schönheit
jeder Forderung entspricht. Als Gegenstück hierzu
verdient eine, 3^ kleine Muster enthallende Sanim*
lung original chinesischer Seide erv^äbnt zu werden,
die sich durch aufserordentlich lebhafte Farben und
darch den Umstand auszeichnet, dafs beim Färben
der Glanz und d^s Ansehen der Seide überhaupt
nicht das Mindeste gelitten hat. Dem geschicktesten
europäischen Seidenfärber können diese Muster zur
Nachahmung aufgestellt werden.
54- Von- Welcher Wichtigkeit die Verfertigung
der Seidenzeuge für die österreichische Monarchie
sey, ist allgemein bekannt ; die Ansicht der im Na*
tional- Fabriksprodukten -Kabinette aufgestellten Mu-
ster kann aber auch den Beweis liefern, dafs viele in-
ländische Fabriken die Waaren dieser Art von einer
ungemeinen Vollkommenheit hervorbringen. • Nur
Schade , dafs ungünstige Zeitumstände diesen Fabri-
iations zweig , gleich so vielen anderen, herabgebracht
haben. Nachstehend folgen die Nahmen der vorzüg-
lichsten unter denjenigen Erzeugern, welche das Ka-
binet mit Beiträgen bereichert haben.
Christoph Ritter von jindreä und Comp. , zu Neu--
Stadt in Österreich (V. U. W. W.)-
Eine schöne, aus ^4 Mustern bestellende Samm-
long verschiedener Seidenzeuge, nahmentlich Damast^
Ribbs, Goldstoif, und vorzüglich Samml, der von
den mannigfaltigsten Farben und durchaus gut gear-*
beitet ist. Mehrere Arten von. faconnirten Seidenzeu-
gen machen sich ebenfalls durch die Solidität ihrer
Ausführung bemerkbar«
Ignaz Bejrwinkler, in Wien.
Ein Stück weifsen Atlas von ^ Elle Länge und ^-
Elle Breite, in welches eine mitBluqien gefüllte Vase
eilibroschirt ist. Dieses Stück zeicliiiet sieb durch
geschincickvoUe Auswahl und Anordnung der Farben,
und durch treffliche Bearbeitung in gleichem Grade
aus. Es kann in allen Rücksichten ftir ein Meister-
stück der Weberei gelten^ und gereicht dem Kunst*
sinne des Yerfertigers .zu grofser Ehre.
Johann Di/>iasiy zu Ala in TlroL
Ein Stück dunkelblauer Sammt^ welches dieser
Fabrikant^ Behufs der Aufstellung ^ eingeschickt hat,
verdient alles Lob , sowohl wegen der Dichtheit des
Flors , als in Rücksicht auf die Schönheit der Farbe.
Constanza Ferrari , zu Verona.
Mehrere 'Muster von geblümten und gestreiften
Zeugen aus gesponnenen Seid^nabfällen^ oder so ge-
nannter Bavella.
Joseph Gryller, in Wien.
Ein Hoseniräger aus Atlas mit einbroschirten
Blumen und eingewebten Drathfedern^ dann eine
Brieftasche n)^Jt seidenem Überzüge^ in welchen zwei
Jagdstücke mit Farben eingewebt sind« Beide Stücke
verdienen wegen der Zierlichkeit^ mit welcher sie
ausgeführt sind, volles Lob.- Auf eine eigen thümlicbe
Verfertigungsart solcher Artikel hat Herr Grjrller im
. Jahre 1821 (19. August) ein ausschliefsendes Privi*
legium erhalten.
^ Chr. G. Hornhostely in Wien.
Diesem ausgezeichneten Fabrikanten verdankt
das Kabinet ungefähr 4o Muster verschiedener Sei-
denzeuge. Ein in Sammt mit Farben gewebtes Ma-
donnenbild ist darunter das vorzüglichste Stück. , Die
Ausführung desselben ist nach Art derjenigen Arbei-
ten vorgenommefi , welche früher blofs von Gregoire
in Paris verfertigt wurden y und von den kürzlich in
Schwung gekommenen Sammt -Gemähiden wohl un-
"7
terschieden 'werden müssen. Aber auch die übrigen
Studie verdienen sehr viel Lob wegen ihrer fleifsigen
Vollendung und geschmackvollen Bearbeitung. Sobon
die leichteren Zeuge ^ z*B. Taffet^ Atlas u. dgl. sind
rein und gut gearbeitet ; noch viel mehr gilt dieses
von den schweren einfarbigen , fa9onninen und chi-
nierten Sammtmustern. Besondere Rücksicht verdie*
nen einige Tücher^ aus inländischer^ in der ungari-
schen Militärgränze erzeugter Seide. Ferner sind
einige Stoffe bemerkenswerth^ welchen der Dessein
nicht auf dem Stuhle gege1i)en^ sondern erst nach
dem Wehen mi^elst papierener Walzen durch ein
Verfahren aufgeprefst ist^ welches mit dem Gaufri-
ren der Bänder die gröfste Ähnlichkeit hal^ und eine
bedeutende Wohlfeilheit der Zeuge gestattet. Ein
ganz vortreffliches Stück ist ein Shawl , welcher die
eckten orientalischen^ sowohl in Rücksicht der i^eich-
Bung als auch des ätifsereo Ansehens und der übri-
gen Eigenthümhchkeiten (z. B. dafs er sich zusam«
mengedreht durch einen Ring ziehen läfst) so täu-
schend nachahmt^ dafs nur ein kunsterfahrner Ken-
ner bei genauer Untersuchimg das Material errathen
Lann^ aus dem er besteht. — Vclpel^ Gaze^ Dünn-
tuch ^ TüU^ Krepp imd ähnliche Modeartikel sind
gleichfalls sehr gut gearbeitet.
Sebastian Kar gl, in Wien.
Ein Stück reichen^ mit Gold und Silber einge-
arbeiteten Seideodamastes^ von der Art ^ wie man ihn
in katholischen Kirchen zu Mefskleidern verwendet.
Ferner ein a Ellen langes Stück grüner Lampas mit
weifsen Blumen^ der für Tapeten bestimmt^ und
mittelst einer von ßausemmer in Wien verfertigten
Jacquard -Maschine hervorgebracht ist« In Herrn
ÜTar^/'j' Fabrik befindet sich gegenwärtig ein dem Na-
tional -Fabriksprodukten- Kabinette zugedachtes Stück
in Arbeit^ das sich durch seine vortreffliche Zeich-
138
nung merkwürdig machen wird, und mittelst des
Zuges verfertigt werden soll.
Gebrüder Mestrozzi und Comp.^ in Wien.
Durch eine im Kabinette aufgestellte kostbare
Sammlung von schweren Seidenzeugen ans der ge-
nannten Fabrik wird das. Vorurtbeil liir die unbedingte
Yollkommenheit der französischen Seidenwaaren auf
das Vollständigste widerlegt^ indem jedes einzelne
Stück in Hinsicht «auf Genauigkeit und Reinheit der
• Arbeit^ der glücklichen Auswahl der Muster und der
Innern Güte jeder ausländischen- Waare den Rang we-
nigstens streitig machen dürfte. Einige sehr schöa
gearbeitete Sammtmuster; ein Zeug auf Möbel mit
grofsem^ aber sehr ins Detail ausgeführtem Laubwerk
von einer solchen Korrektheit , dafs sich auch unter
dem VergröfseruDgsglase keine Abweichung zeigt; ein
Damentuch von Gaze, welches durch eine eigcn-
thümlicbe Drehung der Seide genau das Ansehen
eines moirirten Zeuges erhalten hat; und viele an-
dere Stücke gehören unter die vorzüglichsten, welche
das Kabinet in dieser Art besitzt. Dieser Fabrik, und
nahmentlich den beiden würdigen Vorstehern der-
selben, gebührt das Verdienst, unter vielseitigen Hin-
dernissen, und mit Anfangs sehr zweifelhaftemjErf olge,
sich fast allein den uralten französischen Fabriken
(und, wie die Ansicht der Muster beweiset, mit Glück)
entgegengestellt, mit grofsen Aufopferungen die Ehre
der inländischen Industrie von dieser Seite gerettet,
und dem Vortirtheil für das Ausländische mit Erfolg
entgegen gearbeitet zu hal^n. Unter ihren mannig-
faltigen Verdiensten erwähnen wjr vorzugsweise nur
die zeitliche Einführung der in Lyon erfundenen so
genannten Jacquard- Stühle y durch welche die
Trommel uod der Zug mit ungeheurem Vortheile er-
setzt, und die Fabrikation der faconnirten Gewebe
um vieles einfacher gemacht wird.
139
Franz Reina und Comp., zu Mailand.
Einige grofse Muster von Seiden-Tapeten : weis-
ser und gelber Atlafs mit einbroscbirten farbigen Blu-
men. Diese Stiicke zeicbnen sich durch glückliche
Wahl der Muster eben so sehr^ als durch fleifsige
Arbeit aus*.
Mathias Schauffelberger^ z\x Penzing, niiiAisx Wien.
Ein rothes^ mit Krapp gefärbtes^ und mit farbi-
ger Bordur gedrucktes seidenes Kaflfehtuch von zwei
Ellen Lunge und Breite. Wenn man die mit dem
Druck auf Seide verbundenen Schwierigkeilen be-
denkt^ so mufs man dem vorliegenden sehr gelunge-
nen Stücke das ihm gebührende Reoht^ und seinem
Yerfertiger Ehre widerfahren lasseui
Von ausländischen Seidenwaaren^ welche das
Kabinet aufzuweisen hat^ erwähnen wir zweier sehr
vonüglicher Stücke aus der in Lyon unter der Firma
Bissardon et Bony besiehenden Fabrik : beide ein
Geschenk Sr. Majestät des Kaisers. Das erste davon
isi dunkelrother Sammt^ in welchen niit^ theils glän-
zenden theils matten, Goldfäden ein Kranz, und dio
verschlungenen Nahmenszüge der drei im Jahre i8i5
zum Wohle Europa's verbundenen Monarchen ein-
gewebt sind. Das zweite Stück besteht aus braunem
Seiden -Crois^, und enthäh in Farben und Gold
die Wappen der erwähnten Monarchen, wolche mit-
telst de5 Zuges auf eine äufserst geschmackvolle Art
einbroschirt sind. Beide Stücke können mit Recht
als Meisterwerke der Webekunst angesehen werden,
und dürften überhaupt wenige ihres Gleichen haben.
Als weitere Verarbeitungen ^on SeidensiofTen
dürfen emeznPadua (im venetianisch- lombardischen
Königreiche) verfertigte , mit aufserordenilichem Auf"
wände von Kunst gestickte Weste aus weifsem Atlafs
(das Blau der Stickerei ist mit Solanum guineense
i3a
gefärbt); so wie eine yon, Nikolaus TFinkelmann in
Wien dem Kabinette geschenkte Sammlung seidener
Regenschirme hier nicht übergangen werden. Beson-
ders die letztere verdient y dafs wir noch mit einigen
Worten bei ihr verweilen. Die einzelnen Stücke der-
selben bestehen aus verschieden gefärbtem^ durchaus
mit eingewebter Bor dur versehenem Taffet, und beur-
kunden sowohl in der Wahl dieser Bordüren^ als in
den übrigen Verzierungen den guten Geschmack aas
Verfertigers, welcher durch sein Geschenk das Ka-
binet mit einer Seht* willkommenen. Gabe bereichert
hat.
55. Dem Vorübergehenden schicken wir nocii
Binen Anhang über die gemischten Gewebe oder so
genannten Halbzeuge nach, von denen das Kabinet
gleichfalls nicht wenig Muster besitzt. Vorzüglich kom-
men folgende Einsender hier zu erwähnen :
Joseph jiiroldi und Sohne ^ zn Bergamo im vcne-
tianisch - lombardischen Königreiche*
Verschiedene aus Leinen ^ Baum - und Schaf-
wolle gemischte Zeuge auf Beinkleider, Westen o. (Igl.
Paul Bugatti^ zu Monza im venetianisch -lombar-
dischen Königreiche.
Zeuge aus Leinen und Baumwolle, wie melirtcr
Matrosenzeug, gedruckter Kambrik, u, s. w.
Benedikt Codecasa , ini Tfien^
Halbseidenzeuge (aus Seide und Baumwolle) von
verschiedenen Farben, auch gestreift, durchaus in*
orientalischem Geschmack, da diese Gewebe in gros-
ser Menge von Griechen und Türken auf Unterklei-
der getragen werden.
i3i
Lorenz Föramitiy zu Cwidale im venetianiscb-
lombardischen Königreiche.
Halbleinenzeuge- von verschiedener Art^. auch
einige Muster von Baumwollen- und Leinenzeugen.
Plncenz Scotti, zw Monza.
Toilinet und andere Westenzeuge aus Baum-
nnd Schafwolle^ theils mit Leinen^ theils mit Seiden
vermischt. ' •
Flncenz Sassi, zu Monza.
Verschiedene gemischte und auch andere Zeuge^
dorchaussehrfleifsig gearbeitet. Vorzugsweise verdient
ein weifser Halbmerinos -Shawl mit farbigen Blumen
und einer sehr schönen geschmackvollen^ Bordur,
dann ein buntes , ganz aus Seide gewebtes Shawl-
tuch erwähnt zu werden j al^er auch ein weifser, aus
Seide und Baumwolle gemischter Vorhang mit ein-
broschirter scbafwoUener Bordur, so wie ein Musler
ton halbseidenem rothen Madras, gehören unter die
bessern Stücke dieser Sammlung.
56. Zu den gemischten Zeugen gehören auch
die Teppiche, deren BescVeibung wir daher füg-
lich an dieser Stelle unternehmen können.
Bekanntlich gibt es mehrere Arten von Teppichen,
die in technischer Hinsicht gar sehr von einander ver-
schieden sind. Die gemeinste Art besteht aus einer
leinenen Kette und grobem schafwollenem Eintrage,
durch dessen verschiedene Farben mittelst eines ge-
meinen Weherstuhls gewisse einfache , ibeisi ziemlich
rohe Desseins hervorgebracht werden. Hierher ge-
hören jene zu Fufsteppichcn bestimmten Gewebe,
die in Tirol so häufig verfertigt, und von reisenden
Individuen über, die angränzenden Länder verbreitet
werden. Weit kiinstlicher, , und überhaupt ein Mei«
sterstück der Weberei, sind die so genannten iVie-
i3a ^
derländej*^ Tapeten , welche dessen ungeachtet mit-
telst eines aufserordentlich einfachen Stuhles verfer-
tigt werden. Die gtöfsten historischen Scenen kön-
nen hierdurch ohne Anstand auf eine Art ausgeführt
werden^ welche die Weberei der Mahlerkunst nähert
Diese beiden Arten von Teppichen sind glatt^
d.h. sie bestehen blofs^ wie z.B. Leinwand oder ein
anderer einfacher Zeug^ aus Kette und Eintrags \vo-
VQn der letztere^ der allein Schafwolle ist (die Kette
aller Teppicharten besteht aus starkem Hanfgarn oder
Zwirn)^ den Dessein bildet. Zwei andere Gattungen
gibt es indessen^ welcbe nach Art des Samuites einen
entweder geschnittenen oder ungeschnitienen Flor
haben ^ «lurch dessen verschiedenfarbige Maseben
die Zeichnung entsteht ^ nähmlich die eigentlich so
genannten SamnU- Teppiche und die Sa\K>nnerie'
Tapeten.
Zur Verfertigung der Sammt - Teppiche wird
ein sehr k^mplizirter Stuhl in Anwendung gesetzt^ und
die AusfT^hnung des ]Musters hängt hlofs von der vor-
aus getroffenen Einrichtung dieses letzteren ab; da-
her kann man auf dies^pi Wege keine freie Zeich-
nung^ etwa die eines historischen Stückes^ hervor-
bringen. Die Savonnerie - Teppithe hingegen , bei
welchen die Maschen des Flors einzeln mit der Hand
gebildet werden, lassen die Ausfuhrung aller wie im-
mer gestalteten Dcsscins mit Leichtigkeit zu, ja diese
Art von Tapeten nähert sich noch mehr, als die Nie-
derländer, der Plahlerei, indem hier die Zeichnung
aus lauter Pitnkten von unbeträchtlicher Gröfse be-
steht, und eine Verschmelzung der Farben defswegen
eher möglich wird.
Diese kurze Einleitung schien .nöthig^ ehe es
möglich war, zur Beschreibung der im National-Fi-
i33
briksprodukten* Kabinette befindlichen Muster Über^
zageben.
Unter diesen bemerkt man vorerslj mehrere or-
dinäre^ in Tirol verfertigte Teppiche, deren Eintrag
aas Ziegenhaar und Gärberwolle besteht, und die
daher mehr einen historischen als tecbnischen Werth
haben.
Von den übrigen Arten der Teppiche wird im
österreichischen Staate, aufser den Sammt- Teppichen,
gegenwärtig keine einzige verfertigt, woran diegrofse
Kostbarkeit «der Fabrikation und die geringe Hoffnung
aof Absatz Schuld sind.
Ein im Kabinette befindlicher, 42^^n6i^ langer
und iast. eben so breiter, nach Art der Niederländer
gewebter Teppich wurde vor mehreren Jahren von
den Gebrüdern Zweg, zu Radczicow in Galizien
(Zloczower Kreis), eingesandt; allein dieses Etablisse-
ment ist aus den angegebenen Ursachen wieder ein-*
Ifegangen. Merkwürdig scheint es, dafs von den
Einwohnern . der ungarischen Militärgränze häufig
Teppiche aus Schafwolle verfertigt werden, deren
Gewebe mit dem der niederländischen Tapeten die
grofste Ähnlichkeit hat, wenn auch die Zeichnungen
derselben äufserst einfach* sind, und sich gar nie bis
zur Darstellung lebender Gegenstände erheben , wie
man aus den zahlreichen Mustern, die im Besitze
des Kabine ttes sind , ersehen kann.
Die Erzeugung der Savönnerie- Teppiche^ die
man auch unter dem Nahmen der türkischen Tape*
ten kennt , ist im österreichischen Staate zwar mehr-
mahls versucht, aber nie lange betrieben worden, und
hat jetzt ganz aufgehört. Als Probe dieses Artikels
besitzt das Kabinet ein ungefähr eine Elle im Quadrat
grofses Muster, welches auf braunem Grunde ein
i34
prachtvoll und in dem reinsten Geschmacke ausge«
fübrtes Fruchtstück enthält, und vor mehreren Jah-
ren Ton dem Fabrikanten Hager in Wien verfer-
tigt v^urde. .
Was die letzte Art der Teppiche , nähmlich die
Sammt- Teppiche, betrifft, so ist deren Verfertigung
durch die k. k. Ärarial - WoUenzeuj^nianufaktur in
Linz zu einem solchen Qrade der Vollkommenheit
gebracht worden, dafs gegenwärtig die inländischen
Teppiche kühn mit den besten auslähdischcn konkur-
riren können. Zum Beweise des Gesagten dient die
Ansicht eines im Kabinette beflndlichen Stückes, wel-
ches auf grauem Grunde gelbe Blumen enthält, und
jede Verglcich^ng mit dem neben ihm aufgestellten
englischen Muster, nach welchem es in der Linzer
Manufaktur verfertigt wfirde, auszuhalten ini Standeist«
Die ganze Zahl d^r voq der genannten Fabrik
dem Kabinette übergebencn Teppiche beträgt 39
Stück, worunter sich mehrere sehr ausgezeichnete
befinden. Vorzügliche Erwähnung verdient ein voit
geschnittenem hohem Flor versehener Teppich, d^f
aus 7 Blättern zusammen genäht ist, una bei einer
Länge von 9^ Ellen eine Breite von 8 Ellen (mithiti
einen Flächeninhalt von 76 Quadrat-Ellen) besitzt. Ein
anderejs, 5| Ellen im Quadrate grofses Stück ist we-
gen der glücklichen Farbenwahl seines Musters (gelb
auf grünem Grunde) be'raerkenswerth. Von den klei-
neren Stücken, welche meist aus zwei oder drei Blät-
tern bestehen, eine Länge zwischen 2 und '6 Ellen,
und eine Breite von \ Ellen bis 3|- Ellen besitzen,
enthalten wir uns im Detail zu sprechen, da der be-
schränkte Raum des gegenwärtigen Aufsatzes dieses
nicht erlaubt. Wir bemerken nur so viel, dafs die
meisten derselben als vollkommen gelungen angesehen
werden müssen, und dafs überhaupt die ganze Samm-
lang der Fabrik , in welcher aie yerfertigt worden ist,
sehr tor Elire gereicht. ^
57. Der Zcugfabrikation zunächst schliefst sich
die Verfertigung dev Bänder an, die in ihren ver-
schiedenen Theilen einen bedeutenden Industriezweig
des österreichischen Kaiserstaates bildet. Das Natio-
nal-Fabriksprodukten- Kabinet besitzt sehr viele Mu-
ster von Bändern aller Art^ und zwar vorzüglich von
nachstehenden Einsendern.
Thaddäus Berger und Comp, , zu Penzing bei JVien.
Dieser industriöse Fabriks -Inhaber hat das Kabi-
net mit einer sehr weitläufiigen^ aus 128 Mustern be-
stehenden Sammlung von Seidenbändern beschenkt,
die sich durch solide Arbeit und mannigfaltige Ab-
^echslun«: der Desseins vortheilhaft auszeichnen.
Sehr schön sind besonders die moirirten Bänder in
i5 Sorten ; ferner die mittelfeinen und schweren Ren-
Jorces (i4 Sorten), endlich die faQonnirten und gau-
fmtn Bänder (zusammen über 3o Sorten). Die Des-
^eios dieser letztem werden bekanntlich mittelst pa*
pierener Walzen aufgeprefst, ein Verfahren^ welches
die Fabriken in den dtand setzte die Zeichnungen
ohne sehr grofse Kosten aufserordentlich zu verviel-
fältigen, und somit die schönsten Artikel um mäfsige
Preise in den Handel zu liefern.
Karl Friedrich Bräunlich, zu Neustadt in Österreich.
Eine «nus ^5 Sorten bestehende schöne Samm-
lung von schwarzen, glatten geschnittenen Sammt-
Ländern, welche wegen, ihrer Solidität angeführt zu
Mrerdcn verdfenen.
Christian Fritsch, und
Johann Mehnert, beide zu Kupferberg in Böhmen
(Elubogncr Kreis).
Seidene geblümte Bänder.
lOO
Chr. G, Hornhorstel y in Wien.
Dieser Fabrikant^ dessen schon oben wegen ein-
gelieferter Seidenzeuge rühmlich gedacht worden ist,
hat dem Kabinette auch eine bedeutende Sammlung
sehr schön gearbeiteter Seidenbänder übergeben, in
deren Betreff wir das am angegebenen Orte ausge-
sprochene Urtbeil in seinem vollen Umfange bestäti-
gen können.
Die k. k, priv.- Wollenbandfabrik zu Weifskirchen in
Österreich. •
Verschiedenfarbige glatte , geköperte uqd ge-
blümte SchafwoUenbänder.
Franz Praschili , zu Tatifs in Böhmen.
Eine grofsc, aus 4t Mustern bestehende Samm-
lung sehr gut gearbeiteter schafwollener Bänder (so
genannter Harrasbänder), an' denen auch die Farben
.vorzüglich schön sind.
jindreas Vernay j in Mailand.
Sehr schöne seidene Bänder, 3G verschiedene
Sorten.
Endlich erwähnen wir noch eines sehr bedeu-
tenden Sortimentes von echt englischen baumwolle-
nen Bändern ^ die ausgezeichnet schön gearbeitet und
nach Art der Seidpnbänder mit mannigfaltigen Des-
seins geziert sind.
58. Die im National - Fabriksprodukten -Kabinette
nnffirestellten Posamentirer - und Schniirmacherar-
beiten verdienen hier ebenfalls eine Stelle. Von
Anton Hellery in Wien , findet man in der genannten
Sammlung sehr schöne goldene^ silberne und seidene
Borten ; von Jakob Panciera und M. Tomasuzzi^
in Fenedigy desgleichen. Franz Jdler, in Grätz,
hat dem Kabinette eine Rose auf eine Soldatenmütze
»37
und verschiedene Knöpfe von Posamentirer- Arbeit
(aus leonischem Golde ^ Silber und Seide) übergeben,
und von C. C(irlo, in f^erona, besitzt dasselbe meh-
rere sridene und baumwollene Glockenzug - Quasten.
Gleichfalls gehört hierher ein Tableau mit ungarischen
reichen Schniirmacher- Arbeiten aus Gold und Silber,
deren ausgezeichnete Schönheit dem Verfertiger, Phi-
lipp Ebner, in Pflen , zur Ehre gereicht.. Der schö-
nen, aus leonischem Golde verfertigten Arbeiten des
Kajetan Giussani, in Mailand, ist bereits früher
gedacht worden,
59. Der geschickte und thätige Fabrikant, Adam
Dill, in fflen, hat dem Kabinette eine, sowohl dem
Geld- als deoi technischen Werthenach, äufserst kost-
bare Sammlung von Strumpfwirkerwaaren zum Ge-
schenk gemacht, wovon mehrere Stücke die franzö-
sischen, englischen und Berliner Waaren dieser Art
nichinur erreichen, sondern auch weit übertreffen,
und oicht wenige durch besondere, von dem talent-
vo/ien Verfertiger ganz neu erfundene, kostspielige
3/aschinerien hervorgebracht sind. Unter beinahe
5o Stücken, aus welchen diese Sammlung besteht,
erwähnen wir vorzugsweise der aufserordentlich fei»
nen, aus Baum wollen garn (Nro. 202) und Seide ge-
wirkten Strümpfe, von denen ein Paar z. B. nicht
mehr als i Loth wiegt; ferner der glatten und dessi-
niricn Petinet-Entoilage auf Damenputz; der auf der
französischen, auch in Berlin eingeführten Schraub-
maschine gearbeiteten Tücher; mehrerer sehr schön
ansgeführtcr Bayaderen ; einer von Herrn Dill selbst
erfundenen Art von faconnirtem Dünntuch; und des
schönen weifsen gewirkten Seiden- Velpels: lauter
Stücke, die in ihrer vollendeten Ausführung nichts
zu wünschen übrig lassen. Der Einsender fährt fort,
das Kabinet mit neuen Artikeln zu bereichern , die
um so wichtiger sind, als sie sich in jeder Hinsicht
mit den ausländischen messen können.
i38 '
Unter den übrigen Strumpfwirker- Artikeln befin-
det sich ein Stück von so genanntem englischem Pels-
Vfery (Fleecjr Hosiery)y aus Baumwolle mit einge-
wirkter Schafwolle, yon Paul Uboldi in Mailand,
worauf dem Verfertiger im Jahre 1818 ein fünfjähri-
ges ausschlicfsendes Privilegium für den Umfang des
venetianisch - lombardischcn Königreiches ertheilt
wurde.
Endlich sind noch einige glatte Strumpfwirker-
Arbeiten, als Strümpfe und Handschuhe, yon Wen-
zel Fegenbart und Wenzel Fischer y zu Aresdorf
in Böhmen (J^eitmeritzer Kreis), zu bemerken.
60. Den Arbeiten aus Menschen - und Thier-
haaren, von denea das National i-Fabriksprodukten-
Kabinet eine beträchtliche M^nge besitzt, weisen wir
hier schicklich eine Stelle an. Zu ihnen gehören vor-
erst die Filzhiitej als ein Artikel , in dessen Verfer-
tigung besonders Wien Arbeiter aufzuzeigen hat, die
sich ohne Scheu den besten ausländischen an die
Seite stellen können. Die in Wien und einigen an-
dern Städten der Monarchie erzci;gten Hüte sind fast
durchaus voa guter, mitunter sogar vqn sehr vorzüg-
licher Qualität; wenn man auch gestehen mufs, dafs
viele HutQiachcr in der neuesten Zeit mehr auf das
Aufsere ihres Fabrikates, als auf*innere Güte und
Dauerhaftigkeit desselben geachtet haben. Unter die
neueren Verbesserungen der Hutmacherci, welche
s^ehr bald auch im österreichischen Staate adoptirt
worden sind, gehört das Walken mit der Bürste
und das Wasserdichtmachen, Ohne dem Verdienste
nahe zu treten, kann man behaupten, dafs wasser-
dicht gemachte Hüte entbehrhch sind , wenn dar Filz
voraus sorgfaltig bearbeitet wurde, und dafs die An-
^yqndung der Bürste zum Walken die Hüte ganz ge-
wifs verschlechtert, ungeachtet sie d^s Ansehen der*
selben hebt^ and die Operation selbst scbneller und
weniger anstrengend macht.
Folgende Hutmacber und Hutfabrikan^en baben
dem Kabinette Einsendungen gemacht :
4
Mathias Bauer, in Wien.
Ein sehr feiner^ mit der Bürste gewalkter Man-
nerbut aus Hascnhaary dem gewöhnlichsten Materiale^
2IIS welchem gegenwärtig feine Hüte verfertigt wer-
den. Bemerkenswerth scheint es, dafs ^aaer früher
als irgend ein Hutmacher in fF^ien das Walken mit
Hülfe der Bürste eingeführt und ausgeübt h^t.
/. G. JSajrery zu Hermannstadt in Siebejtbürgen.
Wasserdichte Hüte von vorzüglicher Schönheit
nnd Leichtigkeit^ ein ungemein dünnes^ nur ly Loth
schweres Filzkäppchen aus Hasenhaar; lauter Siücke^
die dem Verfertiger einen der ersten Plätze unter den
ioländischen Hutmachern anzuweisen/ berechtigen.
Vor Kurzem hat derselbe dem Kabinette ein, mehrere
£//ea langes^ wasserdicht gemachtes Stück Pilz über-
geben, ein Fabrikat, welches auf Winterkleider all-
gemein angewendet zu werden verdiente, da es sehr
warm, leicht, so geschmeidig wie das feinste Tuch
ist, und eine grofse Dauerhaftigkeit verspricht.
Kajetan Bßllotto^ zu Schio im venetianisch- lom-
bardischen I^öi^igr eiche.
Ein ungefärbter und unstaifirtcr feiner Hasen-^
haarhut.
A. P, Girzik, in Wien. ^
, Schöne, durch Feinheit und Leichtigkeit sich
auszeichnende, zugleich auch wasserdicht gemachte
Hüte. Hr. Girzik hat die Fabrikation wasserdichter
Hüte im österreichischen Staate zuerst in Ausfuhrung
gebracht^ und ist seit dem Jahre i^iS im Besitze
(eines ausschliersenden Privilegiums auf die von ihm'
erfundene Methode.
■
Johann JtdliaCy in Triest.
Ein feiner^ gut und fest gearbeiteter Männerhut.
Andreas Orrasch, ^u Gorz in lUyrien.
Zwei aus Hasenhaar - Filz verfertigte WesteD>
wovon die eine schwarz gefärbt ist ^ die andere aber
die natürliche Farbe des ^ilzes besitzt. Als Winter-
kleidung dürften dieselben vyohl einer Empfehlaog
werth seyn j da sie ein schönes glänzendes Ansehea
haben ^ und hierin einiger Mafsen den beliebten wol-
lenen Azors^ welche sie übrigens an Feinheit v?eit
übertrefien^ gleich kommen.
Michael und Franz Pimply beide zu Saalfelden im
Salzburgischen.
Ein Paar ordinäre Hüte ^ die sich durch die cha-
rakteristischen, in den österreichischen Gebirgsge«
genden üblichen Formen auszeichnen.
Paul Preduy zu Monza im venetianisch • lombardi-
schen Königreiche.
Ein feiner^ schwarzgefärbter runder Filzhut.
Philipp Viltay zu Monza.
Ein mittelfeiner Hut aus schwarzem Kamehlhaar;
dann ein aus Schafwolle verfertigter^ gestülpter und
staifirter grober Grenadierhut. >
Nikolaus Werner , in TVien.
Die Filzhüte dieses thätigen Fabrikanten zeich-
nen sich durch ihre Leichtigkeit und Schönheit^ be-
sonders aber durch die tiefe und aufserordentlich
haltbare Schwärze der Farbe aus,, welchen letzteren
Vorzug aufser ihm nur wenige Hutmacher ihren Er-
zeugnissen zu geben wissen. Sie sind zugleich durch
i4i
ein eigenthumliches , sich wegen seiner grofs'en Ein-
fachheit von vielem bekannten Vorschriften untersehei-
dendes^ auch in wissenschaftlicher Hinsicht interes-^
santes Verfahren wasserdicht gemacht. Dasselbe gilt
von den verschiedenfarbigen (braunen , blauen y vio-
leuen u. s. w.) feinen Damenhüten^ die aus Hasen-
liaar verfertigt, und als Wintertracht sehr beliebt sind.
Von der Vorzüglicbkcit dieser Waaren ergibt sich der
Beweis aus dem bedeutenden Absätze , den Hr. Ff^er\
ner sich selbst in das Ausland zu verschaffen gewufst
hat. Unter den im Kabinette von ihm aufgestellten
Musterstücken verdient auch eine sehr schön aus
Filz gearbeitete Soldatcnmütze (Csäko) erwähnt zu
werden 9 bei welcher das Cberzieben des Bodens mit
Leder durch einen Firnifsanstrich erspart ist. — Hr.
Werner hat im Jahre i^ni (2. Dezember) ein aus-
schliefsendes Privilegium auf die Verfertigung der so
genannten Seidenhüte erhalten^ die sich von den
hüW schon in Mailand verfertigten (von welcher
Art einer im Kabinette aufgestellt ist) dadurch unter-
scheiden^ dafs ihr Aufseres mehr dem der Filzhüte
gleicht, und dafs die Unterlage derselben weder aus
llolz, noch aus Pappe, sondern aus wasserdicht ge-
machtem Schafwollenfilz besteht, wodurch die £lasti-
citat vermehrt , und die unangenehme Steifigkeit der
Hüte ganz beseitigt wird. Aus diesen Ursachen sind
die erwähnten Hüte bereits sehr in Aufnahme gekom-
men, und haben sich den vollen Beifall des Publikums
erworben*). Das Kabinet besitzt einen Hut dieser .
Art, dessen Schönheit ihn die Vergleichung mit einem
feinen Filzhute ohne Anstand aushalten läfst. Die
Toa fVerner seit Kurzem verfertigten Damenhüte
aus wasserdicht gemachter Leinwand, mit einem
Überzüge von Seidenfelpe) , empfehlen sich gleich-
•) Mnn Jiann diese Noliz aJs einen Nachtrag zu Bd III. dieser
Jahrb. S. 491 befrachten, und die dort in der Note ^) ge-
gebene Nachricht hternaah ändern.
»4a
falls durch Leiclitigkeit^ Schönheit^ Dauerhaftigkeit
und mäfsigc Preise.
F'aleritin PFerner, in Wien.
Ein sehr feiner^- rück enhaarener geleimter Filz«
but^ der unter die allerschönsten Stücke gehört^
welche das Kabinet in dieser Art besitzt.
Andreas Tf^erner , in Wien.
Ein Siülphut aus Biberhaär^ ungefärbt und ohne
Appretur. Gegenwärtig hat die Verfertigung solcher
Hiite gänzlich aufgehört, und nur das Meisterstück
der Huimacher ist noch ein so genannter Kastorhut.
Der vorliegende zeichnet sich durch die aufserbrdent-
lich gute Walke, wodurch er sein6 grofse Dichtig-
keit und Festigkeit erhalten hat> aus^
Gl. Ein Artikel, von dem das Kabinet eine grofse
und interessante Sammlung besitzt^ sind die Arbeiten
in Menschenhaar des Ludwig Liebler in Wien.
Die darunter befindlichen, verschiedenartig kostü-
mirten Männer ^Touren zcicbnen sich durch Naiiir-
lichkeit und Bequemlichkeit besonders aus, indem
einige derselben mit stählernen Schlufsfedern verse-
hen sind, um sie ohne alle Umbequemlichkeit dessen
der sie trägt, an den Kopf anpassend zu machen.
Vorzüglich schön ist auch eine von Natur krause, aus
blonden Kinderhaaren verfertigte Tour, ferner eine
tambourirte , die menschliche Haut täuschend nach-
ahmende Platte zum Aufkleben , ein in TaSet geweb-
ter, und ein tambourirter Scheitelstreifen, die sämmt-
lich auf eine, die grofse Geschicklichkeit des Ver-
fertigers beurkundende Art ausgeführt sind. Das
Nähmliche gilt von den Bandlocken für Damen, und
von den verschiedenartigen, gleichfalls aus Menschen-
haar verfertigten , auf Leibbinden, Braoelets, Uhr-
ketten, Ringe u. dgl. anwendbaren Gellechten, Da
mehrere der hier angegebenen Stücke früher in glei-
i43
eher Yollkommcnlieit nur aus Frankreich erhalten
werden konnten , so mufs man dem Einsender wegen
seiner Bemühungen um diesen Industriezweig Gerech-»
tigleit widerfahren lassen Die ganze Sammlung wird
dadurch noch lehrreicher^ dafs ihr der Verfertiger
ein schön gearheitetes Modell der Dressirmaschine^
und der vorzüglichsten übrigen Werkzeuge , die zur
Bearbeitung der Haare erforderlich sind^ beigege-
Len haL
62. Erwähnung verdient hier eine nicht unbe*
deutende Menge von Siebböden aus Rofshaar , welche
das Kakinet von verschiedenen Einsendern erhalten
Hat Unter Hiesen letztern müssen folgende wegen
der Schönheit ihrer Produkte mit Auszeichnung ge-
nannt werden : -
Franz Berger y zu JVels va Österreich ob Aet Ennsi
Joseph Kur alt y in Grätz; ' ,
l^atalis Ritter von Pagliarucciy zu Strasisch in
Krain , und
/ Edler von Fest, zu Schrottenthurm in Uljrien
(Laibacher Kreis).
Zngleich berühren wir hier eine sehr elegant ge-
>fl>eitete , gaschmackvoU verzierte Fufsboden « Bürste,
welche Georg May, zu Grätz ^ dem Kabinette zur
Aufstellung übergeben^ hat.
63. Von Papier und daraus verfertigten Artikeln
Wn das National - Fabriksproduktep - Kabinet nicht
Qur sehr viele> sondern mitunter auch höchst gelun-
gene Muster aufweisen, durch deren Ansicht das
allgemeine Yorurtheil gegen die inländischen Papiere
wenigstens gröfsten Theils. widerlegt wird. Es ist
Wahr, dafs die Anzahl der Fabriken, welche vorzüg-
^e Papiergattungen liefern ^ im österreichischen
i46
Gabriel Eitel ^ zu Hohenelhe in Böhmen (Bidczo-
wer Kreis).
Mehrere gute Proben von weifsem^ geleimtem
und ungeleimtem Papier.
Gebrüder Anton und Karl Gahaniy au Porde-
none im venelianisch- lombardischen Königreiche.
Diese thätigen Fabriksbesitzer haben dem Kabi-
inette ein Sortiment von ungefähr sechzig Papiergat-
tungen zum Geschenke gemacht^ die durchaus von.
der besten Qualität sind^ und unter die schönst^p
inländischen- Papiere , welche die Sammlung besiut^
gezählt zu werden verdienen. Die verschiedenen
Sorten des Zeichen- und Kupferdruck -Velinpapiers
kommen den besten ausländischen gleich. Das Schreib*
]]iapier zeichnet sich diurch Weifse^ Festigkeit und
Reinheit besonders aus^ und man bemerkt diese
Eigenschaften eben sowohl an den gröfsern Gattun-
^gen (wie Elephant^ Colombier, Imperial u. s. w.)
als an dem kleineren Briefpapier^ unter welchem sich
eine Art befindet^ die zur Erleichterung des Schrei-
Bens mit durchscheinenden Linien versehen ist. Schön
ist auch das weifse und feine Velinpapier zum Kopi-
ren von Briefen mittelst der bekannten englischen ILo-
{ärmaschine. Die unter verschiedenen Nahmen (z.B.
mperial^ Breviario^ Calmet^ Spiera, Enciclopedia
u. s. w.) vorkommenden Druckpapiere befriedigea
alle Wünsche und Forderungen^ welche man billiger
Weise «an sie zu stellen geneigt seyn dürfte. Das
Nähmliche gilt von dem gefärbten Packpapier. Selbst
das rothe und blaue Löschpapier ist von guter Be-
schaffenheit, und z. B. weit besser als das graue, au3
wollenen Hadern besteheildc, welches in den Papier-
fabriken der deutschen Erbländer gewöhnlich erzeugt
tvird. Auszeichnung: verdienen endlich noch das
schöne rastrirte Musiknoten- und das Tapetenpapier,
von welchen das letztere in der Tapetenfabrik der
HH. Spörlin und Rahn zu fVien mit Erfolg stait
»4?
des früher angewendeten ausländischen Velinpapiers
gebrauclii wurde. Oberhaupt beweisen die hier auf-
gestellten Muster^ dafs die HH. Gahani ihre Fabri*
kaüon auf eine Stufe der Vollkommenheit gebracht
haben, welche sowohl ihnen, als der inländischen
Industrie zu ausgezeichneter Ehre gereicht« Zn ih-
ren grofsen Verdiensteh gehört auch die Erfindung
einer zur Reinigung der Papierfilze bestimmten Ma-
schine, welche vom Wasser bewegt wird, und wor-
auf sie im Jahre 1 8 18 ein ausschliefsendes Privilegium
erhalten haben.
Jlois Kutiaro, zu Heidenschaft in lUjrrien (Gör-
zer Kreis.)
Die Muster von feinem Post- und Regalpapier,
welche dieser Fabrikant zur Aufstellung eingeschickt
bat, zeichnen sich durch eine schöne Glätte beson-
ders aus, entsprechen aber auch in jeder andern
Käcksicht denjenigen Forderungen , welche mit Recht
an sie gestellt werden. Merkwürdig ist der von dem-
selben Einsender herrührende künstliche Feuer--
schwamm^ der aus den Abfällen des natürlichen Zun-
derschwammes bereitet ^ nähmlich durch Stampfen
und Schöpfen in die Gestalt starker Papierbogen ge-
bracht wird. Die bequeme Form dieses Kunstpro«
duLtes hat ihm viele Liebhaber verschafft^ ungeachtet
dasselbe wegen seiner gröfsern Dichpgkeit etwas
schwer entzündlich ist.
Dte beiden, dem k. k. höchsten Ärarium gehörigen
Papierfabriken zu Leiben und Rannersdorf in
Österreichs
Sehr schöne Muster von feinem Postpapier , Re-
gal -"^eichenpapier , die sith durch angenenme Weifse
und übrige Schönheit sehr vortheilhaft bemerkbar ma-
chen. Erwähnung verdient auch das grofse^ aus
hänfenen SchiSseilen in der Leibener Fabrik verfer-
tigte Packpapier, welches eine besondere Festigkeit
lO*
i48
aeigt. Die Fabrik zu Rannersdorf hat sich in den
letzten Jahren viel und glücklich mit der Erzeugung
von Tuchpr^sspänen beschäftigt^ wefs wegen ihrer
am gehörigen Orte noch gedacht werden wird.
Die Papierfabrik der von Pac/iner^ sehen Erben, zu
Neusiedel in Österreich (V. U. W. W.).
Diese Fabrik^ eine der bedeutendsten in der
Monarchie > hat dem Kabinette eine Sammlung von
59 Papiersorten übergeben , die sich durch eine be-
sondere Festigkeit und Stärke vor andern auszeich-
nen. Das Post-^ Kanzlei -und Konzeptpapier ver-
dieneu in dieser Rücksicht besonders ausgehoben zu
werden. — Eine^ den nahmlichen Eigenthümern
zuständige kleinere Fabrik existirt zu Leesdorf un-
fern Baden ; der verdienstvolle Direktor beider An-
stalten ist Herr Franz Modinu
Ludwig Rittet von Peschier, Inhaber der Papier-
fabrik zu Fran^ensthal in Österreich (V.U. W.W.)»
Diese Fabrik^ welche unter der Direktion des
thätigen und talentvollen Herrn f^incenz Sterz steht,
hat der Sammlung sehr schöne Proben von Schrei!)-
-und Zeichen - Velin , so wie von weifsen uud, farbi-
gen Konzept- und Packpapieren zum Gescheüle ge-
macht« Sie war die erste ^ welche die Verfertigung
.des in Frankreich erfundenen so genannten endlosen
Papiers {Papier sans fin) in der österreichischen
Monarchie zur Ausführung brachte. Das ursprüng-
liche^ hierauf ausgefertigte Patent ist vom 12. Decein-
ber 1819 datirt^ und lautet auf zehn Jahre. Allem
im Jahre i8ai (26. November) erhielten die Erfinder,
-welche um diese Zeit mehrere Verbesserungen an
ihrer Maschine anzubringen für nöthig befunden hal-
ten^ eine neue Urkunde, ebenfalls auf zehn Jahre.
Sie haben seither dem Kabinette einige sehr intercs-
sante Muster von solchem Papier überreicht, die als
#ehrgelungene Versuche Erwähnung verdienen. Einer
«49
von diesen Bogen ist blaues Packpapier^ hat bei einer
Breite von lö Zoll eine Länge von 162 Fvdis, und
kann 9 in Rücksicht auf Glitte der Oberfläche und
Gleichförmigkeit der Masse ^ nur mit dem gebühren-
den Lobe erwähnt vrerdeh. Das Nähmliche gilt von
einem zvireiten Muster^ einem ^45 Fufs langen Bogen
Tapetenpapicrj^ in noch höherem Grade aber von
einem dritten^ yS Fufs langen Muster^ v^elches wer
gen seiner Glätte ^ Feinheit, und wegen der Gleich*
formigkeit der Masse gerühmt zu werden verdient«
Die Franzensthaler Fabrik beschäftigt gegenwär>-
tig zwei mit den neuen YerbessLcrungen versehene
Papiererzeugungs- Maschinen, imd hat bereits ange^
fangen, das von denselben gelieferte Fabrikat in den
Handel zu setzen. — Ich benütze diese Gelegenheit,
um einige allgemeine Bemerkungen über die Papier-*
erzeugung mittelst Maschinen, welche man holTent-
Vieh nicht auf imrechtcn Orte finden wird, mitzti-
tbeilea.
Der Umstände, welche die Verfertigung des
endlosen Papiers (eigentlich beliebig langen Papiers,
denn wozu wollte man endloses Papier brauchen?)
schwierig ■ machen , gibt es gar mancherlei; allein
diese können eine Fabrik, welche die Erzeugung da-«-
von bereits «mit so viel Glück ausgeführt hat^ unmög-
lich von der weitern Vervollkommnung abschrecken.
Das erste Hindernifs findet sich schon in der Verfer-
tigung einer Form, mittelst der man Bogen von so
ungeheurer Länge zu bilden vermag. Dafs dieselbe
nicht wie eine gewöhnliche Papierform gebaut seyn
könne,, leuchtet selbst dem Nichtkenner augenblick-^
lieh ein ; man kann defswegen dem Drathsiebe , wor-
aus sonst eine flache Form verfertigt wird , die Ge-
stalt einer hohlen Walze geben , oder dasselbe auch
über zwei hölzerne Zylinder spannen, so wie die
Leinwand des Zuführers bei den Krämpelmaschinen
x5o
gespannt ist. In beiden Fällen wird die Form zur
Hervorbringung eines wie immer langen Bogens ge-
schikt seyn. Allein , da sich mit ihr nach der ge-
wöhnlichen Methode nicht schöpfen läftt^ so mufs
der Papierbrei darauf gegossen werden, während
die Form sich umdreht. Eben dieser Umstand ist
es, der die Fabrikation am schwierigsten macht. Ab-
gesehen davon , dafs es schwer hält, eine grofse Menge
Ganzzeug in der nöthigen Gleichförmigkeit zu erhal-
ten, ist es gewifs noch viel schwieriger, dem gegos-
senen Papierbogen eine durchaus gleiche Dicke zu
geben. — Bei der Fabrikation des gewöhnlichen Pa-
piers erhalten die fertigen Bogen den gröfsten Tbeil
ihrer Festigkeit durch das Pressen ; hier ist das ganz
anders: die Presse wird nähmlich durbh mehrere
Walzenpaare ersetzt^ ^wischen denen der Bogen
durchgeht, um einen Druck zu erleiden, und die
defswegen zum Tbeil mit Tuch überzogen sind, wel-
ches eine grofse Menge Wasser einsaugt. Diese Vor-
richti^ng ist, wenn sie ihren Zweck erfüllen soll, im-
mer nur mit bedeutenden Kosten herzusiellen^ und
bildet daher gleichfalls ein Hindcrnifs der in Rede
«lebenden Fabrikation.
Das Vorstehende sey blofs gesagt, um das Ver-
dienst der HH. v. Pechiernnd Sterz, welches sich
dieselben um die Papiererzeugung erworben haben,
dem Nichtkenner einleuchtender zu machen. Ihre
ganze Methode ist übrigens sowohl dem Publikum
als dem Verfasser des gegenwärtigen Aufsatzes unbe-
kannt ; denn was oben über die Details der Maschi-
nerie bemerkt wurde , bezieht sich gröfsten Theils auf
die in England gebräuchlichen Verfahrungsartcn.
Deutschland besitzt, aufser der zu Berlin von einem
Engländer eingerichteten^ wahrscheinlich zur Zeit
tnoch keine Fabrik der Art.
i5i
Joh. Ferd. Ritter von Schonfeld^ sa Karolinen^
thal bei Prag in Böhmen. ,
Muster von Zeichen* , Schreib- nnd Druckpapier,
Joseph Strmschtie, zu Przibislawitz in Mähren^
Proben von sehr gutem ^ weifsem Post- und Ve-
lin-Schreibpapier.
jinton lyexlery zu Fbitsberg An Steiermark
(Grätzer Kreis).
Velinpapier^ welches sich durch seine Festig
keit auszeichnet.
/. G. Uffenheimery zu Neustadt in österreick
(V. U. W. W.).
Schönes Wechselbriefpapier ^ gedruckt und ui»^
gedruckt^ mit sich deckenden Wasserzeichen. Durch
die Einfuhrung der chemischen Bleiche hat dieser
verdiente Fabriks- Inhaber wesentlich zur Verbesse-
TüDg der inländischen Papier- Erzeugung beigetragen.
Franz ff^eiß, zu Langendorf in Mähren (OUmü-
tzer Kreis).
Die Papiersorten dieses Fabrikanten zeichnoa
sich durch Güte und Schönheit gleich vorzüglich aus. ,
Das ordinäre Kon2;ept- und Kanzleipapier verdient
hierin gleiches Lob mit dem feinen Velin- und Post-
papier. Der Einsender dieser Muster beschäftigt sich^
dem Vernehmen nach^ mit der Verbesserung des
chemischen Bleichprozesses ^ und hat seit Kurzem
eine Vorrichtung zu Stande gebracht, durch welche
der Ganzzeug mit geriogem Zeitverlust nicht nur voll-
kommen weifs gemacht, sondern auch durch die
^mzliche Entfernung der Chlorine oder Salzsäure je-
der iür die Ge sundneit der Arbeiter oder die GüKji
des Papiers zu benircktende Nachtheil aufgehoben
wird.
Aufserden erwähnten, und noch einigen andern
inländischen Papiergattungen besitzt das National-Fa-
briksprodukten^ Kabin'et eine bedeutende und sehr
instruktive Sammlung von englischen, französischen,
holländischen , schvsrcizerischen und Frankfurter Pa-
pieren, von depcn die meisten ausgezeichnet schön
sirfd, uad zur Verglcichung mit den Erzeugnissen
einheimischer Fabriken zweckmäfsig benützt werden
können. Eine besondere Erwähnung verdient das
holländische Schreibpapier, welches sich bekanntlich
durch den Mangel des Schattens vor andern bemerk-
bar macht. Weniger bekannt durfte das Mittel seyn^
wodurch dieser Vorzug erzweckt wird; es besteht in
der Anwendung einer eigenthümlichea Art von For-
men, iiber derei^ I^onstruktion man sich nach dem
in der Werkzeugsammlung des Kabinettea befindU-
chen Musler unterrichten kann*
G4- Eine interessante Abtheilung des Kabinettes
bilden die ver§chiedenen Arten von gefärbten, ge-
druckten, marmorirten und ähnlichen Papieren, welche
hier in grofser Vollkon^menheit aufgestellt sind. .
Mehrere Proben von so genannten Natur - Zei-
chenpapieren aus den oben bereits erwähnten Fabri-
ken zu Neusiedel und Franzensthal kommen an
Schönheit dem französischen sehr ns^e. ' Die Berei-
tung dieser Papiere , ^welche mit verschiedenen Nuan-
cen von Gelb, Grün, Roth u. s, w, in der Masse
gefärbt sind, findet darin eine Hauptschwierigkeir,
dafs die dem Ganzzenge beigemischten Pigmente aufser-
ordcntli<:h leicht eine Veränderung erleiden, wie man
das selbst häufig an dem gebläuten Schreibpapier be-
merkt, welches beim Trocknen gern einen röthlichcn
Stich annimmt. Besondere Auszeichnung gebührt
nahmentlich der von Herrn von Peschier zu Frau-
zensthal überreichten, aus 29 Sorten (eben so vie-
len ganzen Büchern) bestehenden Sajnmlung. Einij^c
i53
Mostcr von dergleichen Papieren^ welche die Gebrü-
der Andreoliy zu Ihscolano im venetianisch - lombar-
dischen Königreiche^ eingeschickt haben ^ verdienen
gleichfalls eine lobende Erwähnung.
Von Joseph Remondini und Söhnen ^ zu Bassano
im venetianisch« lombardischen Königreiche^
hat das Kabinet eine vorzüglich schätzbare Sammlung
gefärbter und gedruckter Papiere erhalten, welche
vierzig verschiedene Sorten .begreift. Besonders schön
ist das darunter befindliche grüne, rothc und gelbe
Uerrnhuterpapier. Lebhaftigkeit und glückliche Aus-
wahl der Farben , so wie eine geschmackvolle Zusam-
menstellung der Desseins zeichnen die in jeder Rück-
sicht meisterhaft vollführten Kattunpapiere aus. Sehr
SU loben ist bei allen diesen Artikeln die Wahl eines
starken und glatten, überaus schönen Papiers, wo-
durch sie «ich selbst vor den meisten in JVien fabri-
zirien vortheilhaft unterscheiden.
Viele sehr gelungene Muster von so genanntem
furkischen Papier hat Fi\ W, BraamSj zu Herrn-
als bei TVien^ der Aufstellung im Kabinette gewid-
met. Endhch mufs eine grofse Menge gedruckter, mar-
morirter, satinirter und ähnlicher Papiere erwähnt
werden, die von dem Fabrikanten Molitor in JVien
herrührt, und mehrere durch Schönheit sowohl als
durch Güte ausgezeichnete Musterstücke enthält.
Unter den hierher gehörigen ausländischen Fa-
brikaten befindet sich erstlich ein grofses Sortiment
von englischen g'efarbtcn und marmorirten Papiergat-
tungen, die wegen ihrer geschmackvollen Ausfuhrung
dea inländischen Erzeugern-zu Mustern dienen kön^
nen. Eben so. vorzüglich sind die im Kabinette be-
findlichen französischen gaufrirten (d. h. durch Pres-
sen mit erhabenen Desseins versehenen), satinirten»
lackirten, mit Gold und Silber bedruckten j zum Tl^eil
i54
auch nach Art gewisser Tapetea velutirten (d. h. mit
gemahlener Scherwolle bestäubten) Papiere^ von de-
nen einige Sorten durch inländische Fabriken bisher
noch gar nicht verfertigt worden sind. Im Ganzen
genommen, können diese ausländischen Erzeugnisse
aber auch den Beweis liefern , welche wichtige Fort-
schritte die Verfertigung der gefärbten Papiere seit
mehreren Jahren bei uns schon gemacht hat, und noch
inuner zu machen fortfährt.
65. Die zahlreiche Sammlung von Spielkarten^
welche * das Fabriksprodukten- Kabinet aufzuweisen
hat, zeigt deutlich die Verbesserung, welche seit
Kurzem mit diesem Fabrikatioiiszweige vorgegangen
ist. Demungeachtet stehen viele inländische Karten
den französischen, und selbst manchen deutschen
(z. B. den in Frankfurt am Main verfertigten , wo-
von das Kabinet Proben besitzt) ziemlich weit nach.
Die Ursache davon liegt sowohl an den oft ganz ge-
schmacklosen Zeichnungen, als in der geringen Fe-
stigkeit und Glätte des dazu gewählten Papiers. Die
vorzüglichsten Spielkarten «> Fabrikanten , die mit ihren
Erzeugnissen das Kabinet bereichert haben, sind
nachfolgende ;
*
F. JEurich, in Linz.
Dieser Fabrikant, dessen Erzeugnisse sich vor
Vielen anderen im österreichischen Staate durch ihre
Güte auszeichnen , hat ein zahlreiches Sortiment von
ordinären Bauernkarten, so wie von feinen Tarok-
und Piketkarten zur Aufstellung übergeben.
Mathias Koller, in TVien^
Vorzüglich schöne, und auch in Rücksicht auf
innere Güte ausgezeichnete Karten. Besonders be-
merkenswerth sind die feinen, in Kupfer gestoche-
nen Tarokkarten, und die Holzschnitt -Piketkarten
jiach französischer Art, welc^ie sämn^tlich auch in
i53
Hinsicht der Mahlerei jeder billigen Forderung Ge-
nüge leisten.
Btasius Miller y zu Tyrnau in Ungarn,
Zwei Spiele sehr feine Kopferstich-Piketkarteii*
Ignaz Preisinger^ z\x Salzburg.
Kupfer *Piketkarien, die sich durch eine bedeu-
tende Festigkeit auszeichnen.
Anton RubiOy in Triest.
Mehrere Spiele Traplir^ und PiLetkarten toh
gater Qualität.
Peter Schachner ^ zu fVels in Osterreich ob der
Enns.
Feine deutsche Karten^ die sich mehr durch in*
nere Gute y als durch ein vorziiglich schönes Äußrere
empfehlen , und daher häufig gesucht werden. Von
gleicher Beschaffenheit sind die dem Kabinette ein^r
/^esduckteu Piket« und Tarokkarten dieses Fabri«
iajiten.
66. Die Fabrikation dep Papiertapeten, welche
im österreichischen Staate auf einer hohen Stufe der
Vollkommenheit sich befindet^ kann hier ebenfalls
nicht mit Stillschweigen übergangen werden^ obschon
das Kabinet keine sehr bedeutende Sammlung dieses
Fabrikates besitzt. Erwähnung verdient blofs das,
aus friiherer Zeit herriihrende grofse Sortiment von
Tapeten aus der Fabrik von Naaka und Feller tu
^^^9 worunter sich mehrere sehr glücklich ausee-
führte Stücke^ besonders Gesimsmuster und Bordü-
ren befinden.
Grofser Aufmerksamkeit scheint die mit einem
ausschliefsenden Privilegium versehene Erfindung des
Johann Seidan in fVien würdig in seja, welche
i5ö
in der Verfertigung einer eigenen y mit erhaben f;e*
prefsten Figuren verzierten Art von Tapeten besteht.
Die zu dem erwähnten Behufe angewendete Maschi^
nerie soll sehr einfach seyn , und hat vielleicht mit
derjenigen Vorrichtung Ähnlichkeit, deren man sich
sonst zur Verfertigung der geprefsten Papiere bedient.
Das Grundiren, Vergolden u. s. w/ dieser Tapeten
geschieht ganz auf die gewöhnliche Art. Herr SeL-
dan hat seine artige Erfindung auch zur Nachah^
mung der Bildhauerarbeit an Rahmen u. dgl. mit
Glück angewendet. Solche geprefste Rahmen stehen
an Schärfe der Verzierungen den gewöhnlichen kaum
nach, und übertreffen sie an Leichtigkeit^ so wie an
Wohlfeiiheit.
Ein gewissermafsen hierher gehöriges Erzeug-
niffij sind die papierenen Parketten des Lorenz Bern-
hardt y zu Baden in Österreich (V, U. W. W.),
die wegen ihres geringen Preises häufig zum Belegen
der Fufsböden angewendet zu werden verdienten, da
sieüberdieC» auqh durch einen festem und harten Lack,
der das Waschen mit Wasser verträgt, eine grofse
Dauerhaftigkeit erhalten. ^
G7. Zu den Papierfabrikaten gehören aiioh die
verschiedenen Gattungen von Pappe , die in ihrer
Qualität aufserordcntlich von eias^nder abweichen.
Unter den gemeineren Sorten, die im Kabinette auf-
gestellt sind, bemerken wir hier vorzugsweise meh-
rere starke und dichte Blätter voh derjenigen Beschaff-
feuheit, wie sie. zur Verfertigung der bekannten pa-
pierenen Kattunappret^rr Walzen vorgeschlagen wor-.
den sin4.
Die feinste und . beste Art der Pappe sind die
Prefsspäne^ welche in Tuchfabriken und von den
Tuchscberern zum Pressen des Tuches angewendet
>rerden^ um demselben Glanz zu geben, Weoi» 4^«
i57
Prefsspäne ihre Bestimmung erfüllen sollen , müssen
sie seLr hart und dicht seyn^ und einen hohen dauer-
haften Glanz besitzen; sind sie zu weich ^ so drücken
sich die Haare des Tuches in die Oberfläche ein^ und
benehmen ihr den Glanz, den sie nothwendiger Weise
besitzen mufs, um ihn dem Tuche mittheilen zu kön-
nen. Man sieht denmach schon ^ dafs das Verfahren
bei der Bereitung dieser Spane ganz und gar nicht
gleichgültig seyn könne; indem ihre Qualität davon
abhängt. Lange Zeit war man der Meinung, dafs
hierbei gewisse eigenthümliche Kunstgriffe unerläfs-
lieh seyen, wodurch dem Fabrikate die höchste mög-
liche Glätte und die erforderliche Festiijkeit ertheilt
würde. Dafs man sich über diesen Punkt keine sichere
Auskunft verschaffen konnte, davon war die Geheim-
haltung der Bereiiungsmeihode in England und
f rankreich vorziiglich Ursache. Gegenwärtig scheint
es aber so ziemlich ausgemacht zu seyn, dafs diejeni-
gen Mittel, wodurch man gutes und festes Papier
bereitet, auch zur Erzeugung tauglicher Prefsspäne
hinreichen. Sorgfältige Auswahl der festesten leine-
nen Hadern 5 Vermeidunc des in manchen Fabriken
üblichen Macerircns derselben ; Beseitigung aller frem-
den Theile, welche der Glätte und Gleichförmigkeit
der Späne schaden könnten; fleifsiges Zerkleinern
im Stampfgeschirre und im Holländer; häufiges und
starkes Pressen der geschöpften Bogen, und sorgfäl-
tiges Glätten der fertigen Prefsspäne: dieses wären
demnach die Hauptumstände, aufweiche man zu ach-
ten hätte. Das Glätten wird in manchen Fabriken
mittelst polirier metallener Walzen, in andern mit-
telst eines gewöhnlichen Glättsteines vorgenommen,
und gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten Opera-
tionen dieses Fabrikationszweiges.
Die englischen Prefsspäne zeichnen sich durch
ihre geringe Dicke, dessen ungeachtet aber auch durch
eine unbegreiflich feste, beinahe hornartige Struktur,
i58.
80 ^ie durch einen aufserordentlich starken Glanz
und die damit im Zusammenhange stehende Glätte
aus. Sie besitzen gewöhnlich eine braune Farbe^ de-
ren Ursprung nicht mit Sicherheit bekannt ist, die
aber, begreiflicher Weise, auch nicht zu den vre-
sentlichen Erfordernissen eines guten Prefsspans ge-
hört« Von sehr guter Qualität sind auch die franzö-
sischen und niederländischen Späne, welche den
englischen an Qualität sehr nahe kommen. Das Nähm-
liche gilt Ton den zu Malmedr , im prcufsischen Re-
gierungsbezirke Aachen y und zu JKönigsberg verfer-
tigten Prefsspänen, von denen das Fabriksprodukten-
Kabinet, so wie von den englischen, menrere Mu-
ster besitzt.
Die inländischen Prefispäne waren noch vor we-
nigen Jahren ohne Ausnahme von sehr mittelmäfsiger
Qualität, indem sowohl ihre Dichtigkeit als ihre Glätte
viel zu wünschen übrig liefs. Viele selche Muster
besitzt das Kabinet aus der Papierfabrik zu Littau in
Mähren (OUmützer Kreis), und aus den Fabriken zu
Hohenelbe (Gebrüder Kiesling), Miltenberg, Ben-
sen, JEger, Ranow, Niemes und Zaradka in Böhmen.
Die fast durchaus geringe Qualität der inländi-
schen Prefsspäne veranlafste die Staatsverwaltung mi
Jahre 1817, einen Niederländer, Nahmens ffilheh^
Sphmidty in die Erblande zu berufen, und von inm
die Erzeugung guter Prefsspäne in der Ärarial-P**
pierfabrik zu Rannersdorfm Gang bringen zu lassen.
Es wurde für diesen Behuf auch ein eigenes Wal*"
werk hergestellt, und überhaupt jede Veranstaltung
zur Beförderung des vorgesetzten Zweckes getroffen.
Das Resultat hiervon war erfreulich genug, denn schon
seit mehreren Jahren werden in der genannten Fabn
sehr vorzügliche weifse und braune Prefsspäne er-
zeugt , die den gemeinen böhmischen und mährische ^
wein vorzuziehen sind. Die Ansicht der ina FabriW'
i59
Produkten «KaLioeUe aofgestellten zahlreichen Mu-
ster kann dieses Urtheil zur Genüge bestätigen.
Prefsspäne von sehr guter Beschaflenheit verfer-
tigen die schon früher riihmlich erwähnten Papier-
fabrikanten Galvani , zu Pordenane im venetianisch-
lombardischen Königreiche. Den von ihnen zur Auf-
stellung eingesandten Proben fehlt nur eine etviras
gröfsere Glätte^ um sie den besten ausländischen an
die Seite setzen zu können.
68. Anhangsvreise zu den Papierfabrikaten er-
wibnen wir der so genannten Papier- mache -Doseriy
welche übrigens jetzt nicht mehr^ wie früher, aus
dem unverarbeiteten Ganzzeug, sondern durchaus
von Pappe verfertigt und lackirt werden. Das Kabinet
besitzt solche Dosen von Jakob Bachmann , zu Rank^
tveif in Tirol y und von Franz Meifsl, zu Riedau in
Österreich ob der Enns. Besonders die des letztem
zeichnen sich durch die geschmackvoll mit Silber ein-
gekgie Schrift, und durch Schönheit des Lackes voi^
(lieilhaft aus. Einige der Ähnlichkeit wegen hierher
gehörige Stücke sind von Weifs in London verfertigt.
Wir bemerken darunter eine aus lackirter Papiermasse
bestehende Lichtschertasse, die sich durch grofse
Leichtigkeit, besonders aber durch Schönheit und
Festigkeit des Firnisses auszeichneL
Gg. Das Ze^f er gehört unter diejenigen Fabrikate,
wovon das Kabinet eine bedeutende Anzahl Muster
besitzt. Der leichtem Übersicht wegen , theilen wir
dieselbcv^, da wir von ihnen sprechen, in jene drei
Klassen, welche durch den Unterschied der Berei-
tungsart selbst gegründet werden ; nkhmlich in roth-
gares y weißgares und sänUschgares Leder.
Rotbgares Lcder wird in der ganzen Österreich!-
iCo
sehen Monarchie von sehr guter Qualitäl' verfertigt,
mit einziger Ausnahme des Sohlenleders , in dessea
Verfertigung nur die italienischen Provinzen mit dem
Auslande zu konkurriren im Stande seyn dürften. Die
geringe Qualität des in den deutschen Erbländern be-
reiteten Leders dieser Art ist wahrscheinlich in der
Anwendung der Knoppern als Gärbematerial gegrün-
det. Da diese Substanz an GärbestofT aufserordeut-
lich reich ist^ so gärbt sich die Aufsenfläche' der Häute
sehr schnell^ das Innere bleibt aber noch halb roh,
weil durch die schon gar gemachte Rinde der Gär-
bestoff nur schwer eindringt. Zu diesem Erfolge trägt
dann auch die Übereilung^ womit man die Gärbezeit
häufig genug abzukürzen sucht ^ das Ihrige bei. Sa
wird es begreiflich^ dafs das österreichische Sohlen-
leder fast ohne Ausnahme steif und brüchig ist^ und
in der Nässe aufserordentlich bald zu Grunde gehu
Von besserer Beschaffenheit ist beinahe durch-
aus das aus dünneren Häuten gegärbte Leder^ weil
hier die schnelle Wirksamkeit der Knoppern weniger
zu bedeuten hat, und weil zur Bereitung desselben
auch häufig Lohe angewendet wird.
Zum rothgaren Leder gehört auch der Saffian
oder Marroquin, der im österreichischen Staate aus
Schaf- und Ziegenhäuten in Menge, und mitunter
auch von solcher Qualität verfertigt wird, dafs er dem
echten sehr nahe kommt. Die Hauptschwierigkeit
dieses Fabrikationszweiges besteht in aer Hervorbrin-
gung schöner Farben, unter denen die rothe den
einheimischen Fabrikanten am wenigsten gelingt.
. «
Nachstehende Fabrikanten müssen unter denje-
nigen, welche das Fabriksprodukten -Kabinet tnit
Beiträgen von rothgaren Leaersorten bereichert ha-
ben^ vorzugsweise ausgehoben werden«
i6i
Heinrich An^ersiein^ zu Eger in Böhmen (Eln-
bogner Kreis),
bat einige kleine Felle von gelbem und grünem Saf-
fian übergeben ^ die anSchönbeit zwar noch Manches
zu wünschen übrig lassen , dessen ungeachtet aber mit
vieler Sorgfalt ausgearbeitet sind.
Ludwig Bälde y in Salzburg.
Braunes und geschwärztes Kalbleder von guter
Qualität^ dann ein nach Lütticher Art vortrefl] ich aus-
gearbeitetes Stück Sohlenleder^ welches vollkommen
durcbgegärbt ^ und daher sehr biegsam ist.
Hieronjmus Capezle, in Ferona.
Dieser Fabrikant hat dem Kabinette mehrere
sehr gut gegärbte Ledersorten zum Geschenke gemacht.
Man bemerkt darunter vorzüglich das nach englischer^
und Lütticher Art bereitete Sohlenleder^ und das
schwarze Blankleder, welche beide sich durch Schön-
heit besonders auszeichnen.
Michael Cutin , zu Görz in Illjrrien*
Grüner appretirter Saffian aus einem Ziegenfelle«
Joseph Gafsner und Söhne, in FFien*
Ein künstlich gebleichtes und appretirtes Kalbfell
20 Stiefelkappen und Galanterie - Arbeiten aus Leden
Vorzüglich schön.
Die gräflich Dietrichstein*sc}ie Lederfabrik^ zu Sa»
kolnitz in Mähren (Brünner Kreis).
Verschiedene Muster von rothgarem Leder, die
durchaus von lobenswürdiger Beschaßenheit sind.
Merkwürdige Stücke sind besonders das Sohlenleder
aaf Lütticher Art, aus einer amerikanischen Haut be-
reitet; das nach englischer A^t geprefsto Blankleder j
<lie gewalkten kalbledernen Stiefelschäfte, ebenfalls
nach englischer Art; u. 8. w«
Ukt\, 4, fol/t. In»l. IV. Ua, ff
loa
Johann von Leuna ^ zu Udine im venetianisch* lom-
bardischen Königreiche.
Dieser Fabrikant, welchem durch die allerhöch-
ste Gnade Sr. Majestät des Kaisers, und vregen sei-
licr ausgezeichneten Verdienste um die Leder -Erzeu-
gung im Jahre {1818 die goldene CiviK Ehrenmedaille
verliehen worden ist, hat das Kahinet mit einer- be-
deutenden Reihe von Mustern beschenkt, die in ihrer
Art als völlig vollendet angesehen werden müssen, in-
dem sie allen Forderungen der Kenner genügend ent-
sprechem Besonders verdient das nach Basler Art
mit Lohe zubereitete Pfund- oder Sohlenleder, so
wie das zum Gebrauch für Riemer und Sattler be-
stimmte schwarze blank gestofsene Kuhleder erwähnt
zu werden , da beide an äufscrer und innerer Voll-
kommenheit die besten ausländischen Fabrikate ihrer
Art wenigstens erreichen*
I)ie Leder6rmeister der Stadt Brescia im venetia*
nisch - lombardisch en K önigr eiche
haben einige sehr schöne geschwärzte Kalbfelle ein-
geschickt, von denen eines' mit Wach& eingelassen ist,
um es wasserdicht zu machen«
»
Karl Pfeiffer^ zu Sechshaus bei PVien.
Eine schätzbare > aus a3 ganzen Fellen bestehende
Sammlung von Korduan und Maroquin , welche dieser
Fabrikant der Aufstellung im Kabinette gewidmet bat,
beurkundet deutlich genug die raschen Fortschrille,
welche dieser wichtige Theil der inländischen Leder-
fabrikation seit wenigen Jahren gemacht hat. Unter
jene Muster, die in Absicht auf Schönheit der Farben
vorzügliches Lob verdienen, gehören die rosenrothen,
rehfarben, violetten , lichtblauen, gelben ^ grünen und
Schwarzbraunen Maroquin - Sorten ^ die maa ohne
Scheu den ausrändischen gleich stellen kann. Weni-
ger gelungen ist die scharlachrothe Farbe, welche
überhaupt die schwierigste ist. Es steht jedoch zu
erwarten, dafs der industriöse Yerfcrtiger audx hierin
xG3
mit der Zeit an das erwünschteste Ziel gelangen
werde ^ und man mufs überhaupt seinem Unterneh-
men, welches zu den bedeutendsten der Monarchie
gehört^ volles Gedeihen wünschen.
Georg Klinglmajr^ zu JVels in Österreich ob der
JEnns.
Lohgares Kuh - und Kalbleder nach englischer
Art, so wie einige aus letzterem bereitete Stiefel-
scbäfle. Die vorzügliche Qualität ^dieser Muster ge-
reicht dem Yerfertiger zur Ehre; denn an Schönheit
der Appretur und an innerer Güte lassen dieselben
lernen billigen Wunsch unbefriedigt.
Graf von Totto, zu Capo it Istria in lUjrien.
Muster von gut gearbeitetem Sohlenleder nach
englischer Art^ so wie von braunem und schwarzem
KoUeder.
Franz Tesinger, zu S. GßoPgen in Österreich
(Traunkreis).
Eine weifs gedruckte Kuhhaut^ und ein eben
solches Kalbfell ^ beide von vorzüglicher Qualität«
Adam Schuller, in fFien*
Schönes Sohlenleder aus einer Buenos -Ayres^
Ochsenhaut« Die Verarbeitung von amerikanischen
Hinten ist^ wie^ das vorliegende Muster zeigte im
österreichischen Staate gar keine Seltenheit, ungc
achtet der höchst bedeutenden Rindviehzucht> welche
in mehreren Provinzen betrieben wird.
Ar. 2*accagna, zu Padua im venetianisch -« lotnbar«
dischen Königreiche«
Gut gearbeitetes Pfundleder, zuDd Theil nach
eodischer Art ) ferner auch einige Muster Saffian und
Kalbledcr«^
11*
Die Gärberzunft zu Zehus in Böhmen (Lcitmeriuer
Kreis).
Eine zahlreiche SaminluDg von Ledermustera^
di^sich gröfsten . Thc^ls durch fleifsige Bearbcilung
auszeichnen^ und von' denen einige auch in andern
Rücksichten merkwürdig sind. Wir erwähnen dar-
unter vorzüglich des auf eine eigene Art zugerichte-
ten Pfundlcdcrs aus einer Pferdehaut; des durch ein
einheimisches Pflanzenöhl wasserdicht gemachten Kuh-
leders ; endlich des schönen braunen Blankleders,
dessen Appretur nichts zu wünschen übrig läfst. pben
so vollkommen sind die Muster von Juften^ welche
theils ai^ Kuhhäuten ^ theils aus Kalbfellen mit vie-
lem Fleifse gearbeitet sind^ ungeachtet sie dem rus-
sischen Fabrikate ^ welches sie nachahmen soUeSy
nicht ganz gleich kommen.
Unter den im Besitze des Kabinettes befindli-
eben ausländischen Ledermustern bemerken wir hier
vorzugsweise einige lobgare Kalbfelle , von Ernst
Holschemacher y \n Magdeburg, welche ein Ge-
schenk Sr. Majestät des Kaisers sind; ferner zweier
aus BüfTelhäuten nach Lüttich er Art bereiteten Muster
von Sohlenleder y aus einer Ifabrik zu Frankfurt
am Main; endlich ein Stück brasilianisches, mit
Wurzeln gcgärbtes Sohlenleder, welches von dem
Lederfabrikanten Jdam Schuller, in tFien, dem
Kabinette übergeben wurde, und sich durch seine
ungewöhnliche rothe Farbe, so wie durch die ihm
eigene Weichheit auszeichnet.
f
70. Von weifsgaremy oder so genanntem jilaun-
Leder besitzt das Kabinet eine aus vielen theils weis-
sen , theils verschiedentlich gefärbten Fellen beste-
hende Sammlung, welchb es durch mehrere Einsen-
der in Böhmen , Mühren und Österreich erhalten
hat. Die Schönheit dieser Stücke läfst, sowohl was
die Gärbung, als die Qualität der Farben (pcrlfarb,
iG5
violett^ gi*ün^ rehfarl> u. s. ^.)' betriSt, nichts zu
wünschen übrig. Aufserdem haben C J. Barzaghiy
zaMonza im veneüanisch - lombardischenKönigreiche,
und Mathias Leitner , zu Scheerding in Ttrol^
Moster von weifsgarem Leder, theils aus SchäfTellen^
dieils aus Kuhhäuten , zur Aufstellung eingeschickt»
71. Nicht unbedeutend ist die Menge der im Ka-
binettebefindlichen Proben von Sämischleder, welche^
im Ganzen genommen, das günstigste Urtheil über
den Zustand dieses Theiles der Garberei in der Mo^
narchie zu fällen erlauben. Von den Produkten der
frühem Jahre gehört hierher das schöne, aus Hirsch«*
und Ziegenhänten gegärbte Leder des Fabrikanten
Kandier, in Linz, welches sich in jeder Rucksicht
sehr zu seinem Vortheile auszeichnet. Nicht weni-
ger Lob verdienen das sämisch gegärbte. Ochsenleder,
von dem bereits einmuhl erwähnten JFf. Capezle , zu
Verona; so wie die ähnlichen Erzeugnisse desAft^r-
tinPoppauery zu S. Wolf gang in Österreich (Traun-
Ireis), und Af. Zaccagna y in Padua, von denen
der letztere eine sehr schön ausgearbeitete Hirscb-
hant zur Aufstellung eingeschickt hat. Eine ehren^
volle Erwähnung verdient endlich Karl Weilenböcky
xuSalzburgy dessen sammt der Wolle {>egärbte Lamm-
felle, die als Pelzwerk benutzt werden können, nicht
nur durch einsehr schönes Aufsere, sondern auch
durch den Umstand sich auszeichnen , dafs ihre Wolle
nicht so leicht ausgeht, als dieses gewöhnlich bei
ähnlichem Leder der Fall ist. —
<^3. Das National - Fabriksprodukten • Kabinet be-»
sitzt viele Muster von Gegenständen, die, als Verar«-
beitongen des Leders, hier fuglich einen Platz finden
können« Hierzu gehören vorerst einige aus schwar-
zem Blankleder oder grünem Saffian verfertigte, mit
dem harten Rücken der Pfauenfeder- Kiele sehr artig
gestickte Leibbinden, oder so genannte Gurten,
i6Ö
'Vfelche von lirolischen und salzburgisclien Landleuten
gelragen werden. Dergleichen haben J. Oberhamr
mery zu Sonnenburg in Tirol ^ und Michael Hof-^
yerj zu Satzburg j eingeschickt.
Eine zahlreiche Sammlung Von Damenschuhen,
aus der Fabrik des Johann Leitzinger, in fFieriy
verdient wegen der Schönheit ihrer Ausführung vor-
zügliches Lob. — Viele Muster besitzt das Kabinet
auch von den nach englischer Art genagelten Schuhen,
bei welchen die Sohle und das Überleder nicht durch
^ineNaht, sondern mittelst metallener (eiserner, mes-
ßingßner, kupferner) .Nieten vereinigt sind. Ignaz
Öggy in LinZy Sebastian Spernbauer ^ zu Sirning
in Österreich (Traunkreis), und Eugen Locatelli,
zvL Mailandyhahen derlei Schuhe zur Aufstellung iiber-
liefert, Xoca^ß///hat im Jahre 1818 für den Umfkng
des venetianisch- lombardischen Königreiches ein aus-
schliefsendes Privilegium zur Verfertigung dieser
Schuhe, und im Jahre 18 19 ein anderes auf die Er-
zeugung der metfillenen Nieten erhalten. Unter sei-
nen eingesandten Musterstiicken , die. sich überhaupt
durch Eleganz der Arbeit auszeichnen, befindet sich
ein Paar genagelte Stiefel und ein Paar schon abgetra-
gene Schuhe, die (zum Beweise der Möglichkeit eines ^
solchen Verfahrens) mittelst aufgenagelter Flecken
ausgebessert siqd.
Von Georg Jacquemar, in Wien^ hat das Ka-
binet sehr schöne gefärbte Damenhandschuhe zum
Geschenke erhalten, die wirklich in jeder Rücksicht
tadellos sind, und zu den vorzüglichsten der hier
aufgestellten Waaren gehören. Es befindet sich dar-
unter auch ein Paar Handschuhe aus Hühnerleder
(Canepin), oder dem fälschlich so genannten, mi^
vieler Mühe abgezogenen Oberhäutchen von weifsga-
xem Leder, deren Leichtigkeit alle Begriffe übersteigt,
die aber eben defswegen mehr zur ochau, als zum
wirklichen Gebrauche verfertigt werden können.
Derselbe Fabrikant bat aucb secbs Paar ecbl fanzo**
siscbe Handschuhe übergeben^ gcg^n welche die sei«
nigen bei der Vergleichung nichts verlieren. Sehr
gut gearbeitete Handschuhe aus Sämi^ch - und Brüfs*
ler-Leder^ nach Art der französischen verfertigt^ sind
aoch von Benedikt Pfaiffery in f^enedigy einger
schielt worden; so wie die Handschuhmacher zunft
SU Bisenz in Mähren (Hradischer Kreis) ungefärbte
Männerhandschuhe aus sämischgarem Leder zur Auf-
stellung * überliefert hat. Endlich verdient ein von
Mathias Rießer^ in Wien^ verfertigter, und im Nah-
men der hiesigen Sattler -Innung dem Kabinette zu-
gestellter englischer Reitsattel; defsgleichen ein Paar
mit rothem Saffian und Sammt überzogene Pracht-
sattel von /. Heller, in PFien, der schönen Arbeit
wegen ^ rühmlich erwähnt zu werden.
^3. Im Anhange zu den Lederfabrikaten muf^
auch das schöne Schreib - und Makler- Pergament
erwälint werden, welches Joseph JVenger, «u Wien^
and Joseph Rechl, zu Salzburg, den^ 'Kabinette
übergeben haben. Eben so können mehrere Muster
von dem in i?/i^/an^ aufgekommenen, und unter dem
Nahmen des künstlichen , Pergamentes bekannten
Pergament -Surrogate nicht mit Stillschweigen liber-
gangen werden. Dieses Fabrikat ist laichts weiter,
als Papier , welches durch einen Anstrich von Gyps,
Bleiweifs und Kalk die äufseru Eigenschaften des
Pergaments erhalten hat. Die vorliegenden Muster,
eben nicht von besonderer Schönheit, sind wahr-
scheinlich in Leipzig verfertigt, wenigstens von dort
aus dem Kabinette beigeschafft worden.
jj^ Nachdem wir bis jetzt die Hauptrubriken des
Kabinettes durchgegangen sind , bleiben uns qur we-
nige, meist unbedeutende Gegenstande aufzuzählen
übrig, die wir am Schlüsse dieses Aufsalzes defswe-
gen zusammen siellen , weil sich uns kein .scliickli-
cherer Flau dafür darzubielhen schien.
«
Wir erwähnen defshalb vorerst der künstlichen
Blumeuj wovon das Kabinct sehr schöne Muster be-
sitzt. Das schönste Stück in dieser Art ist ein von Julie
Rnotte, in Mailand ^ eingesandter Rosenstock von,
l)edeutender Gröfse, der sich durch Natürlichkeit und
Zartheit der Ausführung mit den so berübmten Wie-
ner Blumenfabrikaten messen kann. Eine sehr schätz-
bare Sammlung von Blumen aus Papier, Leinwand
lind Galett- Seide (Bozzolo) hat Vincenz Rasa^ %\x
f^enedigy dem Kabinette übergeben.. Ein schön ge-
arbeitetes Boiiquet ,von Moisia Kerthy in Triest,
verdient gleichfalls hier rühmlich erwähnt zu werden.
^5. Von L. Truzziy zu Verona im venetianisch-
lombardischen Königreiche^ mufs eine aus G4 Ringen
bestehende Sammlung von Darmsaiten bemerkt wer-
den y die sich durch Schönheit und Güte in gleichem
Grade au^eicbnet. Es befinden sich darunter vor-
trefHiche Violin-, Violoncell-, Guitarre-, Mandolin-
und Harfensaiten /die . in keiner Rücksicht etwas zu
wünschen übrig lassen.
76. Die fTachslarven des Franz fVagnery in
JVieny verdienen ^nter den vielen Merkwürdigkeilen
des Kabineiies eine besondere Anzeige, indem sie
sich nicht nur durch Schönheit der Formen, und in
ihrer Eigenschaft als Kunstarbeiten, sondern auch
durch vollendete technische Behandlung auszeichnen.
Dominik FanniOy in Venedig y hat gleichfalls eine
Sammlung von Larven aller Art zur Aufstellung über-
geben. An diesen sehr schön gearbeiteten Mustern
sind vorzüglich die unbegreiflich niedrigen Verkaufs-
preise bemerkenswerth.
77. Sehr schönes und gutes Siegellack ^ worun-
ter sicli auch blaues^ marmorirtes und so genanntes
elastisches befindet, hat das Kabinet von Stephan
Minesso y in f^enedig, erhalten« Da die sehr oft ge-
ringe Qualität des inländischen , selbst des in ff^ien
'verfertigten Siegellackes bekannt ist, so mufs man den
vorliegenden Mustern um so mehr Gerechtigkeit vei*
derfahren lassen*
78. Ein Produkt ganz eigener Art ist der so ge-
nannte Steinkitt von Joachim Feichner und Leo-
pold Steininger, zu Heil. Kreuz nichst Baden, wor-
auf dieselben im Jahre iSüo fiir die Provinz Unter-
Österreich ein ausschliefsendes Privilegium erhalten
.haben. Die Erfinder wenden ihn gegen Nässe, z. B.
bei Bronnen, an Dächern u. s. w. an, und er soll,
mehreren sehr glaubwürdigen Zeugnissen zu Folge,
voTUeffiiche Dienste thun. Mehrere mit solchem Kitt
überzogene Tafeln, welche das Kabinet zur Anfstel*
lung erhalten hat, scheinen ebenfalls diese Behaup-,
tuogxa rechtfertigen, in so fern man nähmlich nach
dem äufsern Ansehen, nach den verniulhlichen Be-
standtbeilen und nach dem Verhalten bei mehrjähri-
ger Aufbewahrung auf die innere Beschaffenheit zu
schliefsen im Stande ist.
Gelegentlich erwähnen wir hier einer grofsen,
aas Go verschiedenen «Sieinarten iusammengesetzten
Tischplatte von jinton Hogler, in Salzburgs welche
.eben sowohl in technischer Hinsicht wegen ihrer fleis-
sigen Bearbeitung, als in naturhistorischer und topo-
graphischer Hinsicht darum merkwürdig ist weil sie
alle edleren Steinarten des salzburgischen Gebirgs-
landes enthält«.
79* Emanuel Scholz y znSamboria Galizien, hat
Master der von ihm erfundenen, und durch , viele
Versuche zur Vollkommenheit gebrachten künstlichen
Biilardballen übergeben. Dieses neue Fabrikat ^ wor^
170 ^
auf der Erfinder im Jalire 1819 ein zehnjähriges aus-
schliefsendes Privilegium erhielt , verdient einer gros*
Sern Aufmerksamkeit gewürdiget zu v^erden, als die-
ses bisher geschehen zu seyn scheint« Die künstlichen
Billardbällen sind genau rund, U4»d behalten diese
Form jederzeit, da hingegen die gewöhnlichen elfen-
beinernen sich nicht nur leicht ziehen, sondern (we-
gen ihrer ungleichförmigen Struktur) auch auf einer
Seite mehr ablaufen, als auf den übrigen. An speci-
fischem Gewichte, so wie an Elasticität, kommen
dieselben den elfenbeinernen Ballen nicht nur gleich^
sondern besitzen vor diesen sogar einen entschiede-
nen Vorzug. Was die Dauerhaftigkeit betrifft, so
stehen die künstlichen Ballen den elfenbeinernen
hierin 'weit vor, indem sie weder Eindrücke annehmen,
noch weniger aber das Ausspringeu von Stücken be-
fürchten lassen. Die im Kabinette vorhandenen Stücke
sind ämtlich geprüft worden, und hielten ohne Be-
schädigung den 5 Fufs hohen Fall auf einen eisernen
Ambos, und beim Spiel durch acht Tage die stärk-
sten Stöfse aus. Nach langem Gebrauche haben diese
Ballen, welche auch im Preise um ein Bedeutendes
niedriger als die beinernen stehen, höchstens eine
neue Politur nöthig, die man ihnen auf eine sehr
leichte Art zu geben im Stande ist. Nöthigen Falles
können sie auch von jedem geschickten Drechsler ab-
Sedreht werden; wenn man sie nicht, dem Antrage
es Yerfertigers gemifs, gegen neue umzutauschen
Willens wäre. Alle diese Umstände sollten wohl hin-
reichen, die künstlichen Billardballen allgemeiner zu
verbreiten , und es braucht daher nur im Vorbeige^
hen deif Nutzen angedeutet zu werden , der durch
die Ersparung einer bedeutenden Menge ^on Ejfen^
bein, die man gegenwärtig" auf Billardballen verar-
l^eitet^ der National- Industrie erwachsen vvürde.
171
8o. Weil man dem vorstehenden Aufsatze eine
passende Raumbeschränkung geben mufste y so konn-
ten darin nicht alle Einsender nahmentlich aufgeführt
werden^ wie dieses schon gelegentlich bei einzelnen
Abschnitien bemerkt ist. Da jedoch auch die £r-
sengnisse der übrigen Herren Einsender ohne Ausnah-
me in einer oder der andern Rücksicht merkwürdig
und interessant sind; so hält man es der Billigkeit
gemäfs^ in dem nachfolgenden Verzeichnisse ihrer in
Kürze zu gedenken. Um das Aufsuchen zu erleich-
tern^ hat man hier auch die schon vorgekommenen
I^ahmen wieder aufgenommen , und jedes Mahl auf
die Stelle verwiesen , wo ihre Einsendungen in dem
Aufsatze * bereits besprochen sind.
Verzeichnifs
0
m
aller inländischen Fabrikanten, Gewerbs - Inhaber
und Einsender überhaupt, von welchen bis zum
Schlüsse des Jahres 1822 Beiträge für das National-
Fabriksprodukten- Kabinet eingegangen waren.
Adler, Franz, in Grätz. Leopische Arbeiten (8. 136),
Adler ^ Michael^ za Laukfu in Böhmen. Yasen au^ Bei|i^
^las (s. S. 68).
Alroldi , Joseph und Söhne ^ in ^ergcunq* Yerschie4ene
Zei/gc (S. i3o).
Alasarlo^ Joliannj, in Mailand. Arbeiten au^ moirirtein
Blech.
AletH^ C. , in Verona. Seidenzeuge«
AUmüUer j, Georg, in ff^en. Zinn- und ZinUdraht (S. 43),
Andrea, Christoph Rieter von, zu Neustadt in Oesterreich.,
Seidenzeuge (S. |95).
Andreoli^ Gebrüder, zu Toßcolana im venetianisch • lom-*
bardischen Königreiche. Papier (S. 145, i53).
Angerstein^ Heinrich, zu Eger in Böhmen. Saffian (S«i6i)^
Annatij Johanq Yiiicenz^ zu Fressen in Steiermark, Eisen»
Arbeitsansialt j in Mailand. Säcke ohne Naht',
9 » in Verona* Ordinäre Teppiche.
Arnaudf Stephan ^ in Venedig. Goldene I(ettchen (S.39),
17^
Artillerie ' Hauptzeugamt , b« b., in If^en. Mililarfiewelire
(S. 60).
Artfedi^ Johann^' in Verona. Seide (S. 124),
A^chke, J,j in Fdnfkaus bei Wien. Zinuwaaren.
Ascolit Flaminio> in Görz. Rohe Seide (S. 124).
Auerj Franz ^ in f^en. Kamme (S. 95).
Auersperg , Wilhelm Fürst von , zu Hof in Illyrien. Eisen
(S. 17).
Bachmann ^ Jakob^ zu Rankufeil in Tirol. Papier - mache-^
Dosen (S. iSq).
Bälde, Ludwig,. ia Salzburgs Leder (S. 161).
Bankal' Eisenwerk^ h. k , zu S. Gertrud in Harnthen.
Schmiede -Eisen (S. 17),
Barbariay G. > in Venedig. Gefärbte Glaser (S. 75).
Barbinij A. ^ zu Marano. Glasschmuck (S. 74).
Baricsich , *M.ariaL ^ znPP^erba in der Af ilitärgränze. 'Teppich.
Barzaghiy Karl Joseph^ zu Monza im venetianisch-lom«
bardischen Königreiche. Leder (S. i65).
Bauer ^ Dominik^ in Jf^ien. Stahlarbeiten (S. 62).
9 Job. Bapt., in PVieh» Hanf- und Seiler^rbeiten«
9 Mathias j in PVien, Filzhut fS., i3q).
Baumgartner , G.^ zu Steier in Osterreich. Feine Schneid-
waarcn.
Bayer ß J. G. ^ zu Hermannstadt in Siebenbürgen. Feine
Filzhüte (S. 139).
Bayerleithner s Michael^ \n fVien* Säcke ohne Naht (S. io4).
Bechert^ Anton ^ zu Sternberg in Mähren. Leinenzeage.
Beinder ^ Michael, zu Baden in O&terreich. Fciife Mes-
serschmied - Arbeiten (S. 62).
BeitZy Joseph ^ in IVien. Zinngiefser- Arbeiten (S. 38).
Bellano ^ Gerhard^ zu Monza im venetianisch-lombardi-
schcn Königreiche. Baumwollcnzeuge.
Bellotlo^ Kajetan, z\k Schio im venetianisch -lombardischen
Königreiche. Filzhut . (S. 1 89 ).
Berf einer j Johann^ zu UttendorJ in Osterreich. Eisernes
Werkzeug.
Bergamt 9 k. k » z» Brixlegg in Tirol. Kupferblech.
Bergartner^ A.^ in Grätz. Metallknöpfe.
Bei*gerj Franz ^ zu ff^eU in Österreich. Siebböden aas
RofsHaar (S. 14?).
» Thaddens und Comp» ^ zu Penzing bei Wie<i. Sei-
dene Bänder (S. i35).
Berkich^ SzinnnA b« ^^^i^a inderMiHtargränze. Teppiche
Berkisseti'acz j Jnlsa^ zu Creda in der Militargränze. Lei-
nenband.
Brrnardellij Joseph, zu Cormons in lllyrien, Filirte Seide«
Bernhardt j Lorenz^ zu Baden in Osterreich. Papier- Par-
keten (S. i56).
Bersesko^ Pervu^ zu ferregot^a in der Militargränze. Wol-
lene Binde.
Beywitikler^ i^naz^ in JJ'ien* Seidenzeuge (S. i25).
Biassoni und Kobiaii j zu Monza im Yenetianisch-lombar-
diftchen Königreiche. Verschiedene Zeuge (S. iia).
Bierlein ^ Geoig^ in f4^ien, Baumwollenzcuge.
Bigmann» Johann^ in Brunn, Tuch und WoUehzeuge
(S. 121).
Binhak, Anna^ zu MiliersdorJ in Böhmen, Zwirn»pitzen.
Binnert, M« A.^ zu Ulrichsthal in Böhmen« Glaswaaren
(S. 68).
Bimilz , in« ff^ien. Echte Folien (S. 39).
B'Ulntr, Joseph, zu Hohenelbe in Böhmen. Leinengeapinnste«
Blamaiicr , Mathias^ zu liothenthurn bei Judenburg in Stei-
ermark. Sensen«
Blaskoi^tichj Paul^ zu Klein^Goricza in Kroatien. Flachs«
Blaufarbenwerk ^ k. k. , zu Gloggnitz in Osterreich. Ho-
baltspeise.
Blümel, Michael > zu Himmelberg in Kärnthen. Eiserne
Pfannen (S. 24).
Bocchini ^ Bernhard und Jakob, zu Pioi^e im venetianisch-
lonibardischen Königreiche, Leinenwaaren (S. 104).
Bodanskj ^ Leo^ zu Lipnik in Galizien. Gemischte Zeuge«
Boden y Jakobe zu Oberwölz in Steiermark. Stahl (S. 20).
Böckj Wilhelm^ zu ff^aidhofen an äef Ip$. Feine Feilen
(S. 29). ^
Bö^an, Joseph^ zu C/iio^^ia im yenetianisch- lombardischen
Königreiche. Flinienschrot (S. 36).
Bo!;dan , Janko^ zu Bukerje in Kroatien. Hanf«
Boldeiii j Kajetan^ zu Monza im venetianisch- lombardi-
schen Königteiche. Baumwollenzeuge«
Boldrini j Kajetan, zu Venedig. Stecknadeln«
Bologne y J. , in Prag. Handschuhe.
Bonaldo ^ Joseph^ zu Chioggia im venctianisch-lombardi-
sehen Königreiche. Stricke aus Spartogras (S. loo)«
Bordolo und Blumenfeldi , zu Poronin in Galizien. Stahl
und Sensen (S. 2o)l.
Borghif Anton, zu Caftafe in Illjrien« Leinenzeuge (S 104)«
174
Borgoneiiii Michael^ eu Monza im venetianisch- lembar«
dischen Königreiche. BaamwoIIenzeuge.
Bortolan, G«, zu Treoiso im yeneiianisch-lonibardischeii
Königreiche. Kupfer- , Stahl- und Blei -Fabrikate
(S. 45).
Boschetti^ Gebrüder, zu Schio im Tenetianisch-lembardi-
schen Königreiche, Tuch (S. 121);
BraamSj Friedrich Wilhelm, zu Herrnah bei Wien. Tür*
kisches Papier (S, i53).
Brancowich > Joiepha , zu Adelsberg in Krain« Rnpferham*
mer- Erzeugnisse,
Braun % Freiherr Peter tßon^ zu Schönau und Solenau in
Österreich« Baumwollen-Maschinengespinnste (S.iio).
BraunUch^ Karl Friedrich^ zu Neustadt in Österreich«
Sammtbänder (3. i35)«
Breipall und Bayer ^ zu ^rUnri. Kasimir. .
Bröckingj Jakob ^ in Wien* Tfirhischrothes Baumwollen*
garn (S, 112).
BrottOj Anton, in Venedig. Matrosenmützen (S. iftS).
Bucguoy^ Graf von, zu Grat%en in Böhmen» Geschnitce*
nes Krystallglas und Hyalith (S. 66)*
Bi{ffolinj Franz Michael, in Görz. Fafsonnirte Seiden-
^euge«
Bugati ^ Paulj zu Monza im yenetianisch - lombardiscben
Königreiche. Verschiedene Zeuge (S. iSi).
Burkhard , F. , zu Hohenelbe in Böhmen. Leinengespinnst€%
Cabasini, Graf von, zn Potscha/:h in Kärnthen. Nägel
verschiedener Art. * —
Canesij Ignaz und Söhne, zu Monza. Gemischte Zeuge.
Capezle^ Girolamo> in Verona. Leder (S. 161, i65).
' Carlo ^ C, in Verona. Borten (S. 187). *
Casadoroy Johann > in Venedigs Drechslerarbeiten 'aus
Holz (S. 93).
Cat^eneziaj Gebrüder, in Venedig. Seidenzeuge.
Cee, Johann > zu Sternberg in Mähren. Leinenzeuge«
Cemighij Paskai ^ zu Monza, Baumwollenzeoge.
Chary^ Joseph^ zu Boizifyeoo in Kroatien. Flachs und Hanf.
Cinghianij Peter ^ in Mantua. Baslhfite (S« qq).
Codecasa, Benedikt^ in PVien. Gemischte Zeuge {Si i3o).
Colomboj Gebrüder, in Monza* Verschiedene Zeuge
(8. 11 3).
Cotta, Margherita, in Venedig. Feine Strohhüte (S. 99).
CoitaMinounch j Jo?ana , zu Karhmt» in der Militärgränze.
Weberkamm.
- 175
Cozzati ^ Yalerio s zu Pelugo in Tiro]. Leinengarn (S«io9).
Crii>elUj Anton ^ in Mailand. Sicherheitsschlofs und da-
niascirte Säbelklingen (S« 69, 61).
Cumarlonder j Anton ^» in Görz. Filirte Seide (S, 124).
Cutin, Michael^ in Görz. Leder (S. 16 1).
Csiepalo, Martin, zu Kulyanjr in dcrMilitärgränze. Topfer-
getchirr.
Ctiprichy Mathias^ zu Kostainicza in der Militärgranze.
Taschenmesser.
Czolakowich, Theresia^ zn Podgradje in der Militärgränze.
Wollene Binde,
Czveiowich y Sztana^ zu Jamnitzka in der Militärgränze«
Wollene Borten«
Damjanow y Jefta^ im MiHtärgränz-Begimente Nro. aa,
Fischernelz,
Damm, Karl^ in TVien. Baumwollenzeuge (S. 11 3).
De CeniCß kiiXoxiy zn Neust adl\nO%ierre\cyi, Fayance (S.78)*
DellaMla, Harl^ zu Baden» Klämpner- Arbeit (S. 62)«
Demut h, Karl> in Fün/haus bei Wien. Kläropnerwaaren
(S. öl).
Derla^ Feter ^ in Mailand, Kämme (S. qS).
Deutinger, Johann^ zu Saalfelden in Osterreich. Kunst-
Schlots.
Dexier, Joseph^ in TVien. Kämme (S. 96).
Diacony Hagy ^ zu .^//or^o^a in der Militärgränze. Kordaan*
Dibiasi's Johann^ zu Ala in Tirol. Sammt (S. ia6).
Dickniann sehe Stahlkammer y in Kärnthen, Stahl.
Dietrich • Bitter Joseph von , zu Neumarktl in Kiain. Stahle
Feilen und Sensen (S. 30, 29).
Diezlj Johann > in Grätz. Siebe«
Dill^ Adam> in TVien, Gewirkte Waaren (S. 137).
Dino , Johann, in ff^ien, Geprefste Dosen (8. 96).
Dobrenichy Jane^ zu Pr^Aro^^a in der Militärgränze. Spitzen«
Dönnhojfy Graf von, zu Fügen in Tirol. Dralh und Nadeln«
Dor^f^j Hermann 5 in Görz. Lcder.
Doppler j Leopold, zu Steier in Österreich. Feine Messer
(S. 62).
Dojaky Joseph^ zu Pf^ilhelmsburg in Osterreich« Fayance
(S. 79).
Dräxler, 3,j z\x Gablonz in Böhmen. Hohlglas«
Dragischich j Istiana, zu Jarkowacz in der MilitärgräDze«
Teppich«
DrenJcner^ Fr«^ zu Steier in Österreich. HeMertchmied«
Arbeiten»
176
Durst j Joseph, zu SieUr, Feine Schncidwaaren.
Ebel^ ßlasius, in friert. Harrasgarn (S. lao).
Eberlj Johann^ in Gräiz. Hotzeh aus Hunf (S. io5)«
Ebner ^ Joseph, zu i^', Peter hei Judenhurg in Steiermark.
Sensen.
» Phihpp^ in Wien. Schnürmacher-Arbeiten (S. i57).
Eder, Lorenz^ zu Siegersdorf in Österreich. Verfeinerler
Flachs und Hanf«
» Mathias, zu <S'aa(/e/</«n in Osterreich. TiscIiierarbeiU
(S. qi).
Effenberger ^ Jos. ^ zu Wiese in Böhmen* Leinengarn*
Efler, Jos. ^ zji Schalzlar in Böhmen. Flachs. ^
Egermanny F.^ zu Blottendorf in Böhmen. Glas (S* 69)*
Eggenwaldy Fr. von, zu Leoben in Steiermark. Gefrisch-
tes EisCfi (8. 17)^
^SS^r y Ferdinand Graf von, zu Lipitzbach in Rärnthen«
Stahl- und Eisenblech (S. 17, 45)*
» Franz Graf von , zu Oberfellach in Kärnthen* Stahl
(S. 20).
Eheweiner ^ J, , zu Brück in Steiermark. Gemeine Eisen«
waaren*
Eimannsberger y Friedrich^^ zu Gattern in Tirol. Baumwol*
lengarne (S, iio).
Eiseng ufsi^erk ^ k« k., zu Mariazell in Steiermark. Eisen-
gufswaaren (S. 14)«
Eisenhütte Beichenihal bei Grofs - Mejrerhöfen in Böhmen,
Eisen*
V Frauenthal y eben daselbst. Eisen.
Eisenhütten- Verwaltung y k. k. , z\x Jenbach in Tirol. Stahl.
Eisenwerk y k* k. , zu Diosg^ör in Ungarn* Cementatahl.
» ^ zu iS. Sali^ator in Kärnthen. Schmiede > Eisen
(S. 18). . ..
£i5ma^T^ Michael > zu Aschach in Osterreich. Sohwarz-
geschirr*
Eisner y J. G*^ in Wien» Bingschmiedarbeiten (S* 34).
Elmucciy Ferdinand^ in Mantua. Papier*
Englauer, J. ^ zu Steier in Österreich. Messerschmied-
Arbeiten*
Erbisli, Job. Bapt.^ in Verona* Tuch and wollene Strümpfe
(S. 121).
Ernst, f Johann, zu Kraxenthal in Osterreich. Eiserne
Zwecken.
Erxlehen, Gebrüder, zk Landskron in Böhmen. Druck-
waaren (S. 11 3).
177
Egierhazjr'^che 9 gräflich von, Fabrik jev Ats in Ungarn.
WoUengar^e (S. iso).
Esüer, Anton ^ in Wien. Strobpapier (S. i45).
Eitel ^ Gabriel^ zn Hohenelbe in Böhmen. Papier (8.146).
Eurich, Fr. ^ in Linz. Spielkarten (S. 1 54).
Falktnhajrn , Graf von, zn Drofs in Österreich. Stein*
getchtrr-Maste (S. 84).
Famdo , Dominik^ in Venedig. Larren (S. i68).
Fajrancefabrik cn Gräiz. Fajance.
Fegenbart , Wenzel , zu Aresdorf in Böhmen. Gewirkte
Waaren (S. i38).
Feichner und Steininger ^ zn HeiL Kreuz in Österreich.
Steinkitt (S. 169).
Feäf Franz ^ in Wien* Gestampfte BlechTcrziernngen
(S. 65> ^
Feühauer- Zunß zii Munzkirch in Osterreich. Feilen.
Feikenhauer, A.^ zu J3rucA in Steiermark. Eisengeschmeide-
Waaren (S. 34^.
Ferkeiich t Johann, zu Unter- Kupchina in Krpatien. Hanf.
Ferrara, Franz> in Mailand. Flintenschrot.
Ferrari , Anton , zu iftfo im yenelianisch - lombardischen
Königreiche« Stricke aus Lindenbast (S. loo)»
9 Costanza> in Verona. Seidenzenge (S. 126).
9 Philipp von , zu Villach in Kärnthen« Flinten-
schrot (S.. 37).
Fidler, Joseph nnd Comp.^ zu Let/mmts in Böhmen. Stroh-
gewebe (S. 99).
Findling, Franz ^ zu Hitzing bei Wien. Feine Kamm-
macber- Arbeiten (S. 97).
FiteheTf Daniel > zu 5. Egid in Österreich. Feilen und
geschmiedete Eisenwaaren (S. s4, 3o).
9 Wenzel^ zu AresdorJ in Böhmen« ' Gewirkte Waa-
ren (S. i38).
Flach und Keil, zu Endersdorf in Schlesien. Gewalzte
Bleche (S. 46).
Forandii , Lorenz, zu Cioidale im yenetianisch* lombardi-
schen Königreiche. Verschiedene Zeuge (S. i3i).
Fortifikatiom ' Ziegelschlag , k. k.,. am Wienerberg. Ziegel.
Franzesconi, F., zu Murano im Tenetianisch- lombardi-
schen Königreiche. Glasschmuck (S. 74)*
Frank, Franz, in Wien. Künstliches hölzernes Kc^uz
(S. 91).
Frenz!, J. , in Wien Ordinäre Zinnwaaren.
/re^^ Joseph, zu Garsten in Österreich« Tischlerarbeit (S.91).
Jakrb. Alf polyt. Iit>t. IV. R«l. 1 *
178
Frldrich^ Matkias« zu , Sternberg in Mähren« Leinensenge«
Friedrich t J., in Wien. Pösamentirer - Waaren«
Fritsch, Christian, znKufiferberg in Böhmen^ Seidenbander
(& i35).
Fritz j G. , zu Unter 'Ferlach in Kärnthen. Stahl waaren.
Fröhlich und Söhne y zu Warnsdorf in Böhmen« Baum-
woUenzeuge (S« ii4),.
FröUch^ J. , zu Sieier in Osterreich. Hesserschmied- Ar-
beiten.
Fürst, J«, in Wien. Posamentirer^Waaren«
Fürst y Franz Ferdinand, zu Rothenmann in Steiermark«
Stahl und Sicheln«
Fürstenberg , Landgraf Ton, zu Neuhuiten und Neu^Joa.^
chimsthal in Böhmen. Eisengufswaaren (S. i3).
Fuggerauer ' Schrotfabrik zu Gailliiz in Härnthen. Flinten-
•chrot«
Fussenegger, Joseph, zu Dombirn in Tirol« Gestickte
Waaren (S. 114).
Gadaj, Johann Bapt. , zu Monza im venetianisch - lombar-
«dischen Königreiche» Baumwollenzeuge«
Gärberzunjl^ zn Zebus in Böhmen. Leder (S« 164).
Galbiati^ Ludwig, in Mailand. Seidenblond«
Galcant, Gebrüder, zu Pordenone im yeneiiäntsch- lom-
bardischen Königreiche. Papier undPrersspane(i46,i59}.
Gafsnerj J. G. und Söhne ^ in Wien. Leder (S. i6i)«
Gemeinde ^ die, zu Adamsfreiheit in Böhmen« Ordinäre -
Spitzen«
Gerlach ^ Joseph, zu Reichenau in Österreich« Golistakl
und feuerfeste Schmelztiegel (S. 21).
Gerlin^ Joseph, in Venedig. Segeltuch (S. iö5).
Germain ^ Melchior, in Gräiz, Thöneme Pfeifenkopfe
(8. 77)-
Geyer, Fr« , zu Obemdorf in Steiermark« Glat«
GianicelU, Eugen, zu Frauenthal in Österreich. Eisen-
drath (S. 46).
Giörgeanch , Millowan , zu Winko wze in der Militargranza«
Eine hölzerne Kette«
Girard, PhiNpp, zu Hirtenberg in Österreich« Maschi-
nengespinnste ans Flachs (S« 102)«
Girzik, P. A., in Wien« Wasserdichte FiUhate (S. iSq)*
Giussanij Hajetan und Comp«^ in Mailands Leoniscbe
Waaren (S« 137).
Glasfabrik zu Merzlai^odizza in Illyrien« Hohlglas«
GlashandlungS' Gesellschaft zuBlottendorf in Böhmen. Glaa
(S. 68)«
^79
GlathuUe zu JBjojanaw in Galicien. Gemeinet Hohlglas.
9 k. k., zu GuUnbrunn in Otterreich. Hohlglat.
9 h. k. Hofkriegträtbliche , zu Putna in Galixien,
Glat«
GIonuECt, Szimeona^ in der Mililargranse. Teppich.
Gögl^ Johann, cn Alikumberg in Böhmen, Einige Spiegel.
Giimbicsich, Mara, zn Kubin in derMilitargränze. Teppich»
GraJ^ Adam, zu hehl in Österreich. Kunstschloft (S.59).
Grafenrieder Glashütte in Böhmen. Weiftet Hohlglat.
GranatenschUifer^ die, zn Sttneila in Böhmen. Getchiif-
fene Granaten.
Granzeüi, L., in Ferona» Gemischte Zenge.
Graizer^ Joteph, zn Unier^ Dambach in Österreich. Eine
SamroluDg eiterner Nagel.
Gregor 9 Franz, zn Slemberg in 11 ihren. Leinenzenge.
Grohmann^ Gottfried, zn Schönlinde in Böhmen. Zwirn.
Grqfsauer, F., zn Steier in Otterreich. Einige Metter-
tchmied - Arbeiten.
Grojtmann, Maria, zu- Miiiersdorf in Böhmen. Zwirn*
spitieen.
GruU, Joseph, in IVien^ Zwei ökonomitche Leuchter
▼on neuer Einrichtung.
Gnuch, Scbivota , zu Jsbistje in der Militärgränze. Mutter
Ton Hanf.
Grrüer^ Joteph, in IVien. Seidenzenge j(S. 116).
GageUnayer , Georg, zu Aschach in Otterreich. Schwarz*
geschirr.
Eaas, Ignaz, in TVien^ Baumwollenzeuge \(ix fc\
9 Philipp, in IVitn. ^Eben dergleichen /^ ' ^*
Maherl, J., zu Neueiadt in Otterreich. GetchnitteneGlater.
Hackelnbergische y freiherrlich Ton, Glathfitte zu Hirschen^
stein in Otterreich. Glat, Torgeblich ohne Alkali
(S. 69).
Hajfferls C. A., in liinz. Yertchiedene Baumwollenzeuge
(S. 114). ^
Hager y zn Steier in Österreich. Eiserne Zwecken.
Hnger^ in Wien. Sa?onnerie- Tapete *(S. i34).
Haidinger 3 Gebruder, zu Einbogen in Böhmen. Forzellaii
(S. 89).
Hainisch y Anton, zu Nadelburg in Österreich. Metsing*
waaren der Terschiedensten Art (S. 34« 4^).
Biunmerwerkß k. k., zu & Gallen in Steiermark. Biteme
Achtbleche.
9 9 zn Boünslein. Pflngplatten.
i8o
«
Hammerwerk ß k. k«, eu H^eyer in Österreich. Eiten und
Stahl (S. 33).
Sandtchuhmacker-Zu^ft zu Bisenx in Mähren« Yertchia-
dene Sorten lederne Handschuhe (S. 167).
Haiäsch y zu TVamsdorf in Böhmen. Allerlei Baumwol-
lenzenge (S. 106).
Hanusch^ Joseph, zu Oherrodechow in Böhmen. Unver-
ai4>eiteten Flachs«
Hardenrothy Friedrich, in JVien^ Gemischte Zeuge.
Hardtmuth's ff^itufe , ijüTVien. Steingut, elastische Schreih-
tafeln und Bleistifte (S. 79).
Harrasbanelfabrik zu TVeif§kirchen in Osterreich« Harra»-
bänder (S. i36).
Harrach , Graf Ton , zu Janowiiz in Mähren. Leinenwaa*
ren und gemischte Zeuge (S. io6).
IfarrdcVsche ^ gräflich von, Glasfabrik zxi'Ntuwelt in Böh-
men. Weifse geschnittene und gefärbte Gläser (S. 66).
Hauer, Anton, zu JVe\f$tnhach in Österreich. Hohlglas.
Heef burger und Rhomberg, zu Dombim in Tirol« Feine
gestickte Zeuge (S. ii4)«„
Heindlß Anton, zu Steier in Österreich« Messerschmied-
Arbeiten (S. 62).
Heifsler, Joseph, zu Sterzing in Tirol. Homarbeiten
(S. 07)-
Hell, Jakob, in fVien^ Beitsättel (S. 167).
Heller, Anton, in TVien* Seidene und goldene Borten (S. i36)*
Henigiireit, J. , zu-«S/em6acÄ in Österreich. Messerschmied«
Arbeiten.
Hesete, H* yon, zu Viehhöfen in Österreich. Belegte und
uttbeiegte Spiegelgläser«
Hejrdeeker, Sebastian, zu Sleiregg in Österreich. Gürtler-
arbeit (S. 35).
Hejrfsig, Franz, zu SspojanoHf in Böhmen. Schmelztiegel
aus Graphitmasse«
Hiebet, Franz, in Salzburg. Bosenkränze.
HüUbrandß Anton, zu Diitersbach in Böhmen. Glatte
Baumwollenzeuge.
Hilleprand, Matthäus, zu Fiechtis^ang in Ösierreich. Sensen«
Hinkelmann , Johann, zu Hohenelbe in Böhmen. Feinen
'Spitzenzwirn (S. io3).
ITirf, Kaspar, in Mailand* Druckwaaren (S. ii4)«^
Hirtzenberger , Georg, im Baethammer nächst Judenbnrg in
Steiermark. Senseii«
i8i
Boehbergp Freiherr toi1| zu thereiienüud in Böhmen.
Eisen.
Hockaiiff Gottlob, zu Hernudorf in Böhmen. Leinwand*
HögUr, Anton, in Salzburg* Eingelegte marmorne Tisch-
platte (S. 169).
Hölsel^ A«, SU Suiiuchönau in Böhmen. Hohlglas«
Höizel^ Ignaz, zn GruUch in Böhmen. Boher Flachs.
JSqffer^ Michael, in iSolz^i^rg*. .Lederne Leibbinde (S.i66).
Hqffmann^ Joseph^ zn Tiechobus in Böhmen* Glas ^8.69).
Holleck y Johann, zn Scheerding in Tirol. Stricke.
HoUjr, Anton, in IVietu Feine BapmwQJlenzenge (S. ii5)
Hölzer j Michael, zu Saa\felden in Österreich. Schlosser-«
arbeit (S. 60).
HoUinger, F., zu Michelsdorf in Österreich. Strohmesser.
9 G. , eben daselbst. Sensen.
Hof(f ond Bräunlich^ in Brunn, Feine Töcher,
Hombosiel , Georg Christ., in tVien. Seidenzeuge (S.i 96,1 36).
Homnacher, Anton, in Salzburg. Geschlagepes Gold und
SUber (S. 39).
Hucfc^ Gregor, in IVien* BramahHches Patentschlpfs.
Hujüs Alois Martin , zn Schwßtz in Tirol. Fajance (S.8i).
Hui, Johann, zu Neustadt in Österreich. Einen zierlich
genähten Stuhlüberzug.
Jaequenuir, Georg, in Wien. Handschuhe (S. 166).
Jagazzaro und Bubini, zu Schio im venetianisch - ]om[bai>
dischen Königreiche. Feine Tücher (S. isi).
Jakobsihaler Spinrifabrik ^ zu I^ochoufitz in Böhmen. Wol-
lengame Ton Terschiedener Feinheit,
Jandl^ J., zu G^e in Steiermark. Ordinäre Schneid-
waaren.
Jenny, Ablj und Comp*, zu Scht$>anstadt in Osterreich,
Baum wollenden ge (S. 11 5).
Jezdecz, Peter, zu Boock in Kroatien. Flachs.
Jüich, Joseph, zu Gri^skirohen in Österreich. Versil-
berte Knöpfe.
Jnize, Heinrich, zu IVinkoufze in der Militärgränze. Eine
ans verschiedenen Holzarten verfertigte Garnwinde.
Johann, August, zu Sternberg in Mähren. Einige Muster
Ton Leinenzeugen.
Josepkshulte , zu Chlumetz in Böhmen. Schmiede- Eisen.
JosHinou^ehf Jovana, zu Kussich in der Militargränze. Tep-
piche aus Schafwolle. ' .
hpir, Athanasie, zu AUorsowa in der Militargränze« Ein
Muster Wollenzeug.
l82
Isufs John, ztt Marga in der Militärgränze. Unzubcreitc-
ten Flachs.
Juch^ Joseph, in G3rz, Seide (S. 124).
JulliaCj Joseph, in Triest. Einen mitteifeinen Filzhul (S. 140)*
Juraneck j Simon , in fVieru Feine Bauinwollenzeuge
(S, II 5).
Juittnbergj Thomas TOn 1 zu Tergoue im Bannat« Eisen
und Nagel.
Kaiser j Georg , za Kremsmiinster in Osterreich. Eine gra-
virte Messingplatte.
Kaltenbrunner , G. A., zu f7erAfi«^a/ig' in Österreich.^
j» J. A. , zu Michelsdorf in Österreich. I «
» J. M. , eben daselbst. (
« 8. y eben daselbst. j
KanaUer, G«, zu S, Sigmund \n'Vivo\.\
» J. , eben daselbst. l Gemeine Teppiche«
9 F., eben daselbst. j
Kandier j in Linz. Weifsgares Leder (S. i65).
Kanzler j J. zu Steier in Österreich. Gemeine Eisenwaaren.
Kargiß Sebastian, in ff^ien. Seidenzeoge (S. 127)«
Karrer ^ Joseph, zu Leoben in Steiermark, Fischangeln
und Nähnadeln,
Kailuj\fabrik zu Nau^szie in Galizien. Verschiedene Baum-
wollenzeuge.
Kaulich ß Joseph, zu Oberwernersdorf in Böhmen. Flacht.
Keilbert, J. , zu Grajslitz in Böhmen. Spiegelgläser.
Kckowiiz , Joseph , zu Neutra in Ungarn. Eine Violin.
Kendler , zu TVerfhn in Österreich« Feilen (S. 3i),
Kerkallowich j Nihola, im Broder -Begimente No« 7. der
Militärgränze. Hölzerne Spatzierstöcke.
Kerth, Aloisia, in Triest. Künsllicho Blumen (S, 168)«
Kettenhofer Kattur\fabrik nächst Schwächat in Österreich«
Dr-uckwaaren (S. 11 6).
JiCifsJf/i^^ Gebrüder, zu Hohenelbe in Böhmen. Tuchprefs«
Späne (S. i58).
» Joseph Fr. , zu Hohenelbe. Leinenzenge (S« 106)«
Kinners Mathias, in fVien. Eine elektrische Zttndma'*
schinc (S, 94).
Kinskjr, Graf yon , zu Birgstein in Böhmen. Spiegel
(S. 7a).
Kittel^ Florian, zu Ulrichsthal in Böhmen. Glas (S. 68),
jK/acAr/j Georg, zu hohl in Österreich. Kunstdrecbsler-
Arbeit (S. 94).
KlapperrQth*s Erben j zu Schönberg in Mähren, Manche*
•ter (S. 118)«
i83
Klein, Johann, em Stend^erg in Mibxen.\yy. j. T h
V Lorenz y eben daselbst. ^ /
Eiern, Julius, zu Tamsweg in Oslerreich. Ein Yexier-
schloft.
KUttgelniajrr f Qeorg, zu ff^i;2s in Osterreicb. Leder (S. i63).
Kliager, Simon, zu Maulernetorf in Osterreich« Mutter
ron Eisendrath.
Klabuehar, Janko , zu Saiomjra in der Militargranze. Eine
Sense.
Knapp nnd von Brentano, zn SckuHüz in Tirol. Leoni-
sche Waaren (8. 47).
Knechtl, F., zn Kamnitz in Böhmen. Hohlglas.
Knechiiin^ Gebrüder, zn Monza im Teneiianiscb-lombar'-
dischen Königreiche. Baumwollen zeuge.
Knixaureck^ Joseph, in IVien» Baumwollenzenge (8.117).
Königsbrujin , Freiherr von , zn Rallen in Steiermarh.
Stan^eneisen nnd Eisenblech«
Kogler^ J.y in JVien, Eisendrath.
KMer^ J. , zu MoUe in Österreich. Sensen.
* Mathias, in IFien. Spielkarten (8. i54)-
l^opper, Lorenz^ zn ff^aalsch in Böhmen. Flachs«
Ko^er, Job. Bapt., in ff^ien. Gemischte Zeuge.
Kraß, Franz, in JVien. Kettenschmied- Arbeiten (8. 94)- '
Kramer und Comp.<i in Mailand. Druck waaren (8. >>7)«
Krause, J.« zn Steindchönau in Böhmen. Hohlglas.
Kreuchmann , Ferdinand 4 in Gör^. Kämme (8. 96).
Krick, Anton, zn Stemberg in Mähren. Wollenen Kan-
nefafs.
> Johann, eben daselbst. Eben defsgleichen.
Krislatlnigg , Dismas Karl Graf yon , zu Hageneck in Kärn-
then. Ausgestreckten Stahl.
Eronenberger j Johann , zn Radsladt in Osterreich. Yieh-
gl€>cken.
Kropfberger^ Joseph, zu Seckau in Steiermark. Gemeine
Schneidwaaren.
KOhn, Friedrich, in Salzburg. Gefärbtes Wollengam.
Kürschner' Zunft zu Bisenz in Mähren. Zubereitete Felle«
Kitrah, Joseph, in Grätz. Siebhöden. (S. i43)«
Kuiiaro , Alois, zu Heidenschajl in lU^rien. Papier und
kfinitlichen Fenerschwamm (S, 147)«
Landergoll, Sigmund, zu Görz, Seidene Knöpfe.
Langer , J. , zu Josephsihal in Steiermark. Hohlglas.
Lanzoni^ Joseph, in Maniua, Bastbüte (S. 99)«
Leber ^ Johann, in. Wien Metallene Kleideiknöpfe (S. 63).
i84
Lechner ß Anton Franz, in Wien. So genannten künstli-
chen Bergkrjstali (S. 70).
» Mathias, eu Steier in Osterreich. Feilen (S, 3i)*
Lederermeister ^ die, zu Brescia. Leder (S. i6a).
Lederfabrik^ gräflich Dietrichstein'sche , zu SokolnUz in
Mähren« Leder (S i6i)*
Leinwather, Franz , zu iS. Polten in Österreich. Fajance
und WedgwQod (S. 81, 86).
läcinweberzunjt zu Bauisch in Mähren«
» zu Frankenburg i n O sterreich«
« ZMFrankemnarkt ehend. (S. 107).
» zu «S. Georgen ehend. (S. 107).
» i;u Kronstadt in Siebenbürgen.
» zu i^ö'MrtfrmarA:« in Österreich (S.i07)J^^ ^
Leitenherger,, Franz, zu Cosmanps in Böhmen. Gedruckte
. BaumwoIIenzeuge (S. 1 1 8).
Leitner j Mathias , zu Scheerding in Tirol. Rothgares Leder.
(S. 165.)
Leitzinger , Johann, in "Wien, DamenscJhuhe. (S. i66).
Lenna^ Johann Bapt. , zu Udine im yenetianisch- lombar-
dischen Königreiche. Bothgares Leder (S. 162).
Leppichy Kaspar, zu Hainfeld in Österreich. Maschinen-
Nägel (S. 27).
Lewohl, in Grätz, Leder.
Libisch , Gebrüder, zu Bumhurg }ii Böhmen« Gemischte
Zeuge«
Liebler ^ Ludwig, in Wien* Haartouren (S. 142)*
Liegle, Anton, zu Neunkirchen in Österreich. Nähnadeln«
(S. 66).
Lindenthaler ^ G. A. , zu Seeberg in Böhmen., Eisendrabt.
Linser y Johann, in ff^ien» Beuteltuch.
Lippak, Katharina, zu Glina in der Militärgränze. Rohe Seide«
Lobbichler j Bernhard , in Pfoten. Einen aus farbigen Glas-
stücken mit Blei künstlich zusammengesetzten dop-
pelten Adler.
Locatellij Eugen , in Mailand. Genagelte Stiefel und
Schuhe. (S. 166).
L^eljabrikj zu Presnitz in Böhmen. Eiserne LöiTel.
Lonchar^ Joyan , zu Oblay in der Militärgränze. Eine
mit Messing montirte Pistole.
Locrecheck, Johann , zu Jaszka in Kroatien« Flachs.
Luchs j J. , in fVien, Ein Kunstschlofs.
Lunetj J. , in Prag, Lederne Handschuhe.
Lungauer Eisengewerkschaft zn Mautemdoif in Ötterreicb*
Stangeneisen und Nägel (8. 18)4
i85
Mäehaj Anton, in Wien^ Feine Banmwollenceage.
(S. 119).
Märs^ Johann Simon, in TVien. Gemitchte Zenge.
Majuielbauer ^ J., zu Steierlinß in Osterreich* Sensen.
Mangin^ Franz, in Salzburg* Harrasgarn (S. iso).
Mann^ A., zu Stdcr in Österreich.. Messerschmied - Ar-
beiten.
Manum, Johann Bapt., zu Görz. Ein Muster von fasse-
niriem Seidenzeng«
Marak^ Peter, zn Kostairutza in der Militärgränze« So-
genannte Opanken, oder lederne Schuhe, weiche mit
Riemen an den Fofs geschnürt werden*
MarchharUr^ Fr., zu Gloggnäz in Österreich. Ordinäre
Sc hneid waaren.
Mariensee ^ A. Ton, zn Jakobeny in GaliAien. Strecheisen«
Marichart ^ Laurenz, zu fVagram in Österreich. Fajance
(S. 82).
MarnlU, Andrea, zn Roceredo in Tirol. Seide (S. is4)*
MasMOggio^ Dominik, in Venedig. Geschlagenes Gold und
Süber (S. 39).
M/iixIopgrg , Jandria, zn Maiskepolyane in der Militär-
gränze. Unglasnrtes Töpfergeschirr.
Matiossichf Franz, zu Sakanjre in Kroatien. Flachs und
Hanf.
Maizak, Andreas, zu Stemberg in Mähren. Ein banm-
wolienes^Tuch.
MauUrommelmacher- Zunft zu Molle in Österreich. Maul-
trommeln (S. a5).
May, Alois, zu Hohenelbe in Böhmen. Gemischte Zeuge»
(S. 119).
May , Georg, in Grätz» Fufsbnrste (S. i43).
Mayer, Anton, in Tf^en. Ein Schneidzeug zu hölzernen
Schrauben (S. 94).
9 Johann, zu Habach in Österreich. Ein Instru«
ment um Bohren zu bohren ; dann ein Bing-
' schlofs nach französischer Art.
9 Joseph , zu Tannowa in Böhmen. Fajance (S. 8a).
9 Ludwig , in JVien. Werkzeuge.
Mayr , Joseph, zn Mühlbach in Österreich« Messer (S. 94).
Mayrhofer , Stephan, in Wien. Flattirte Verzierungen
auf Wägen und Pferdegeschirr.
Mehnert, Johann, zu Kupjerberg in Böhmen. Seidenbänder
(S. i35).
Mei/slj Franz, zu Ri$dau in Österreich. Papier -macA^
Dosen (S« 159).
i8Ö
Menzl, J. , zu Rumhwrg in Böhmen« Lackirte Waaren.
Merkner, J, , za Sieier in Österreich. Messerschmied-
Arbeiten»
Messerschmied^ Zunft, zu Tra£fe/i6acÄ in Osterreich. Messer.
(S. 24).
Messefsneu, August, zu Podgora in lUjrien. Leder.
Messingfabrik , k. h. , zu Achenrain in Tirol. Messing«
Zink- und Kupferfabrikate (S. 44).
» k. k. , zu Frauenthcd iii Steiermark. Messing
(S. 48). , . . ^
» »ZU Reichramnung m Osterreich. Mes-
singdrath und Blech.
Mcstrozzi und Comp.^ in fVien. Seidenzeuge (S. 128).
Melallknöpfe ' Fabrik zu iSi4^i>£/a in Böhmen. Kleiderknöpfe.
Jlfe^js und TVüdaß in fVien, Gestampfte Blechwaaren.
Meyr, Johann, zu Kalienbach in Böhmen. Glas (S. 70).
» Joseph, zu Adolph in Böhmen Glas (S. 70).
Michel, Fr., im Ffannhof in Kärnthen. Stahl.
Mihordin^ Georg, zu Bukeu^je in Kroatien ^
Miklossich, Johann, zujaszka ebendaselbst, l Flachs*
Mikochichj Matha, zu Brezt ebendaselbst, j
Miller y zu Fiesting in Österreich. Feine Feilen.
y Blasius, zu Tjrrnau in Ungarn. Spielkarten (S.i 55^
» Martin, in VFien. Stahlfabrikate (S. 91, 5o).
Millinoudch, Parle, zu Kubin in der Militärgränze. Kor-
dnan.
Minesso, Stephan, in Venedig. Siegellack (S. 169).
Mioczinskjr , G. J. , zu Zalosce in Galizien. Teppich.
Mniszeck, Stanislaus Graf Ton^ za Frain in Mahren. Wed«*
gwood (S. 86). .
Möschel, J. , zu Neudeck in Böhmen. Eiserne LöfieK
Mohr, Mathias, zu Maxilan in Österreich. Flanell.
Molitor, in TVien, Gefärbte Papiere (S. i53).
Molterer, Georg, zu Steier in Österreich. Ahlen«
Monse , Dominik , zw Grulich in Böhmen. Flachs.
Morandinif zu Fredazto in Tirol. Feilen, mit der Ma-
schine gehauen (S. 3i).
Moro, Gebrüder Edle ?on, zu Fictring in Kärnthen. Feittc
Tücher (S. ifli).
Mosaikschule , in Mailand» Glaspasten zur Mosaik (S. 75).
Moser, 0., zu SteierUng in Österreich. Sensen.
» 'F. , zu Michelsdorf in Österreich. Sensen«
» F. A«, eben daselbst Sicheln.
187
Moser, F. A«, 2a Mauerkirchen in Ost erreich. Sensen
und Sicheln.
9 J , zu Dürrbach in Osterreich. Sensen«
9 Johann, zu Gejrrhammer in Osterreich. Sensen und
Strohraesser.
% Joseph , zn Steinbach eben daselbst. Messerschmied*
Arbeiten.
9 Haspar, zn Scharnstein eben daselbst. Sensen.
Mqfsburg, Michaeli zu Muitersdorf in Böhmen. Spiegel-
glas.
Miahlreiter, Leonhard, in Salzburg. Eine schön gearbei*
tete Zacherschere«
Mauer, M., zu Sleier in Osterreich. Sägblätter.
9 J. A«, zu Seeberg in Böhmen« Eisendraht.
9 Joseph, zu Frzemisl in Galizien« Korbmacher«
arbeit (S. loo).
MulU, Franz Sigmund, zu GroJtfragaM in Kämthen. Bo-
settenkupfer.
Mujüian, Traila , zu Obrescha in der Militärgränze. Stricke
aus Bast. ^
Afuxzioj M. A. , zu Vicenza. Fischbein (S. 96).
Haaka und Feuer ^ in Prag. Papiertapeten. (S. i55)«
Nadier*Zw\ft zu Karlsbad in Böhmen. Stecknadeln.
Nagel, ztt Sleier in Österreich. Baspein. ^
N'issel, Peter, in fflen. Laubsägen.
Naster, Joseph, zu fVaidhofen in OsietreicYk^ Fischangeln«
NeiUef, G. , zu Krems in Steiermark. Eisenblech (8.48)«
Seubauer, J. , in Grätz. Messerschmied - Arbeiten.
Neuhof er ^ J. , zu ff^els in Österreioh. Lederne Leibbinde.
Neumann, Joseph, zu Dittersbach in Böhmen. Kattun.
Niederlander Industrie - Anstalt in Prag* Feiner Flachs,
und Spitzen auf Niederländer Art (S. 108).
NUdasch, Wenzel, zu Sternberg in Mähren. Trillich«
Nikolaus, Lazarus, in Wien. Gedrucktes Kaffehtuch.
(S. 119).
Niische, J. M. , zu Sternberg. Ein weifses Tuch.
Nostiz, Graf ron, zu Silberbach in Böhmen« Tombak«»
Orath.
Noivack, W«, in Wien. Schlosserarbeiten«
Nowakh , Baimund , zu Langersufold in Steiermark« Glas
(S- 7'). .
Oberhammer, J., zu Sonnenburg in Ti4*ol. Lederne ge*
stickte Binde (S. i66)«
Obersteiner^, zu Saldenhofen in Kämthen« Eisen (S* 18)«
z88
Odobassich, Ewa, ca JVerha in der Hilitirgranse. Eine
wollene Binde.
Oeggj Ignaz, in Linz* Genagelte Schuhe (S. 166).
Olaria, Petra, zu Satfoy in der Miiitärgränze« Hanf«
Omerr, Johann, in Jf^ieru Feine BaumwoUenzeuge.
Orrasch, Andreas, in Görz* Westen aus Filz (S. 140).
Ortmairj Joseph, zu Scheerding in TiroK Leder.
Ortner ^ Ignaz, und Reisinger^ zu Aschach in Österreich.
Ein baumwollenes Tuch.
PaaZ^ J. , zu S, Sigmund in Tirol« Teppich»
Pachernegg j Johann, zu Feistritz in Steiermark. Sicheln.
PacÄTi^r'sche Erben zu Neusiedel in Osterreich. Papier.
(S. 148).
Pagliarucci, Natal Bitter Ton, zu Strasisch in Illjrien.
Siebböden aus Bofshaar (S. i43)-
FaJmkönig ^ J. , zu Steinschönau in Böhmen. Geschnittenes
Hohlglas.
Panciera^ Jakob, in Venedig* Unechte Borten (S. i36).
Papierfabrik, k. k., zu Rannersdorf in Österreich. Papier
und Prefsspäne (S. 147^ i68).
» k. k., zu Leiben^ Papier (S. 147)*
Papierfabrik zu Altenberg in Böhmen )
y y Bensen ebend.
9 » Eger ebend.
» » Littau in Mähren.
» » Niemes in Böhmen.
» « Ranouf ebend.
» » Zaradka ebend.
Parlik, J. , zu Sternberg in Mähren. Wollenzeuge.
Parocchi, Nikolaus, in Venedig. Basthüte (S. 99)«
Partschj Johann, zu Marschendorf in Böhmen. Flachs.
Paplomch ^ Johanna , zu Bomch in der Miiitärgränze. Tor-
nister.
Pekartiß Franz, in Verona^ Seidene Binden.
Penzkofer, A. , zu Steier in Osterreich. Stahl waaren.
Perpenti^ L. , zu Como im yenetianisch-lombardischea
Königreiche. Bänder, Handschuhe und Spitzen ans
Asbest (S. 109).
Peschier, Bitter yon, und Sterz, zu Franzensthal in Öater-
reioh. Papier (S« 1489 i52).
Peteani, Andreas, zu Görz^ Leder.
Peter ^ P., zu Teinitz in Böhmen. Gedruckte Papiere.
Petritschekj Wenzel, in Grätz. Baum wolle ngarn.
^({ff^ Peter, in IVien. Masse »Fourniere^S. 9a).
Prefsspäne
(8. i58;.
I
i89
^aijBTer, Benedikt, in Venedig. Handsclinhe (S. 167).
^eiffer, Karl, in Sechshaus bei Wien. Saffian (S. 162)«
PfurUcheüer, Michael, zu Fidpmes in Tirol« Stahl- nnd
Homarbeiten (S. 63, 97).
Fimpl^ Frans , zu Sflolfelden in Österreich. \^.,, /o , a^\
. Michael, eben daselbst. |Filzhfite(S.i4o).
Pislinger, Adam , zu Viechtitfang in Österreich« Sensen«
ÜMtorelU, Joseph, in Mantua* Sammt«
FUsch, J«, SU Ulrichsthal in Böhmen« Geschnittenes Hohl«
PitUii , Peter nnd Jakob ^ zu Bentiolo im yenetianisch-lom-
bardischen Königreiche« Leinenzenge«
Uumauer, Anton, zu iS. Peter in Steiermark. Sensen«
Pobeheim, Simon Edler yon, zu Villach. Nagel«
Pock, Fr«, am fVechsel in Steiermark. MarmorirtesGlas.
Podolsk^j F., in Frag. Lederne Handschuhe.
PoUßuimmer, Georg, zu Griefskirchen in Österreich« Eine
Siebplatte«
Ponti and Brüder in Mailand. Arbeiten aus moirirtem
Blech (S« 6«).
Poppauer, Martin, zu 'S. ff^olfgang in Österreich« Leder
(S. i65).
PoTzelUu\fabrik ^ k« k., in fVien. Porzellan (S. 88).
Pasameniirer^ ZuF\ft zu Neutitschein in Mähren. Seidene
Bänder«
9 »in Prag. Gold- nnd Silberborten.
Posch, Joseph, zu Saalfelden in Österreich« Hufeisen«
(S. a4).
Posendorjer, Joseph, zu Rothenmann in Steiermark« Eisen
and Stahl«
Prasehäl^ Franz, zu Taus in Böhmen. Wollene und halb-
wollene Bänder (S. i36)«
Praxauperger , Alexander von, zu Szamobor in Kroatien«
Flachs nnd Hanf«
Preda, Paul, in Monza, Pilzhut (S. 140).
Preisinger, Ignaz, in Salzburg. Spielkarten (S. i55).
9 Stephan, eben daselbst« Einen Kamm aus
fiom«
Preuer^ Joseph, in Linz. Janitscharen- Mützen (S. isS).
Pribichetfich , Marco, zu Glaoichani in der Militärgranze.
Hölzerne Pfeifenköpfe«
Puthon, Johann und Karl, Freiherrn Ton, zu Teesdorf in
Österreich. Baumwollen - Maschinengespinnste (S. 1 1 1).
Puihon sehe, freiherrlich von, Tuchfabrik zu Namiest in
Mähren. Feine Tücher (S. 123)«
#9<>
Radachich j Jerko, zu Koslainiiza in der Militargranse.
Silberne Mnöpfe«
Ragaggiolij Anton, in Venedig. Schwarze Kreide.
Hamser^ A., zu Sieier in Osterreich. Messerachmied- Ar-
beiten«
Bjonzord, J. , in Triest, Türkischroth es BanmwoIIengarn.
Rasaj Yincenz, in Venedig. Künstliche Blnmen (S. 168).
Raschmacher' Zunft zu Hermannstadt in Siebenbürgen.
Wollenzeuge.
» » za Kronstadt eben daselbst. Wol-
lenzenge.
Rauche Franz, in WlerL Rasiermesser von einer eigen-
thümlichen, patentirten Form.
Rechlj Joseph, in Salzburg* Pergament (S. 167).
Reeden^ Maria , zu Tai/fers in Tirol. Zwirnspitzen.
Reiberger j Alois, in ff^ien. Eine messingene Hänglampe
(S. 62).
Reicht j Johann, zn Steier in Osterreich« Eine Tuch-
schere.
Reijnaj Franz und Comp., in Mailand. Seidentapeten
(S. 139).
Reinwald, Philipp, in Wien. Banmwollenzeage (S 119).
Reitmayer , Jakob, zu Frankenmarht in Osterreich. Ge»
schnittene Gläser.
Remisch, J. , zn Kamnitz in Böhmen* Gefärbtes Hohlglat.
Remondini , Joseph und Söhne, zu Bassano im TenetiaDisch-
lombardischen Königreiche. Gefärbte Papiere (S. i53).
Rhomberg und Lenz, zn Dombirn in Tirol. Banmirollen-
garn (S. 112).
Riederer, Joseph, in Grätz. Nähnadeln.
Riedler, Rudolph, zu Steier in Osterreich. Feine Messer-
Schmied- Arbeiten (S. 69).
Riefler, Mathias, in Wien. Einen Reitsattel (S. 167).
Riemer- Zuj\ft zu Kronstadt in Siebenbürgen. Pergament
Rienzler, Joseph, zu Bregenz in Tirol. Tischlerarbeit
(S- 90-
9 Maria, eben daselbst. Gestickten Musselin.
Righini, zu Ghirla im yenetiauisch - lombardischen König«>
reiche. Fayance.
Ring, M. , zu Waidhojen in Osterreich. Hackenschmied-
Arbeiten.
Robiati, Daniel, in Monza. Gefärbtes Garn (S. io3).
Rodel, Anton, in Wien. Eine Pferde - Trense (S. 24).
Rösler, Ignaz von, zu Ifixdorf in Böhmen.' Feine Stahl«
waaren (S. 62).
'91
Rosa, J. 9 in Linz. Taneser Kappen (S. is3).
Rosenbach ^ Fürst Ton, xa Rosegg in Hämthen. Stahl.
Rossi, Franz, zu- Schio im yenetianisch-lombarditchen
Königreiche. Tach (S. lai).
Rosihom, Gebrüder von, zu Oed in Österreich. Drath
umi ßlech aus yerschiedenen Metallen (S. 4^).
Ruhio, Anton, in Triesi. Spielkarten (S. i55)«
Buga, Joseph, in Verona. Moirirte Blech waaren.
Ruoile, Jnlie, in Mailand. Künstliche Blumen (S. i68).
SaUnj Hngo Altgraf Ton, zu BUmsko in Mahren. Eisen-
gufswaaren (S. i5, 34)«
Salomoni, Joseph, in Verona. Sohlenleder«
Sariorij Alois Joseph, zu N eohirtenberg va Ö^leweidi. Ge-
walztes Kupfer- und Zinkblech.
Sassij yincenz,.in Monza. Verschiedene Zeuge (S. i3i).
Schachner, Klara, zu Hojifgarten in Steiermark. Sensen.
9 Peter, zu ff^els in Österreich. Spielkarten
(S. iS5).
Schock nnd Comp,, in Grat*. Metallene Kleiderknöpfe.
Schärffenberg , Gebrüder Grafen iron, Besitzer mehrerer
Werke in Steiermark« Streck- nud Gufseisen, Sen*
sea and Sicheln«
Schafzahl ^ Franz, in Grätz. Maschinen - Nagel (S.a4,;s8).
Sehalab^ Elisabeth^ zu JdUtersdorf in Böhmen« Zwirn-
spitzen.
Schaschl, Johann, zn Fer2ac^ in Kämthen. Gewehre (S. 6o).
Schauffelberger , Mathias, zu Penzing bei Wien« Ein ge-
drucktes seidenes KaflTehtuch (S. 129)*
Scheibl, in Grätz. Fladerpapier.
Schi^eregger , Veit, zu RadsiaM in Österreich« Gelbgies«
aerwaaren (S. 36)«
Schlegl, Philipp, zu AdeUbefg in Zlljrien« Kupferblech«
Schmal und Comp. , in Brunn, Tuch.
Schmanz , Karl , zu MuUersdorf in Böhmen. Spiegelglas.
Schmidt, Fidel, in Grätz. Feilen (S. 3i).
Schönau, Johann Freiherr ron, zu DaüuHiz in Böhmen.
Fajance (S. 83)«
Schönborn, Graf Ton, zu Dlaschkoudtz in Böhmen. Ge-
schliffene Granaten.
Sehönfeld, Johann Ferdinand Bitter Ton, za Karolinenihal
bei Prag. Papier (S: i5i).
Schörg, J., in H^en. Einige Schlösser«
Scholz, Emanuel, zu Sambor in Galizien. Masse - Billard-
bällen (S. 169)«
ßchröckerifux jBeilihtiSäri zu Uebelbach in Steiermarh. Sensen.
» Johann 9 zu Schladming in Steiermark. Kap-
ferwaaren.
y Harl, eben daselbst« Eisenwaaren.
Schubari, in JVien. Uhrmacher -Feilen.
Schuld ^ L. , in Brütui. Harrasgarn (S. i so).
Schuller, Adam, in IVien^ Bothgares Leder (S.i63,i64).
Schuraj Maria John , zu Aliorsotpa in der Miiitärgränze«
Eine wollene Binde.
Schurz, J. L. , zu Himmelberg in Harnthen. Sensen.
Schuschinka , Petria , zu Pettnick in der Miiitärgränze.
Wollene Binden.
SchufsTuch, Joachim, in Triest. Flintenschrot (S. 36).
Schuster, J. G, , in Tf^en. Einige Kunstschlosser (S. 5i)).
SchiParU , Georg, zu Kronstadt in Siebenbürgen. Halb-
kattnn.
Schis^rxenberg , Joseph, Fürst von, zu Murau in Steier-
mark. Stahl (S. 23).
Sehwefel^ Anton, in Wien. Glasbläser- Arbeiten (S. «^s).
Scomason, Lorenz, zu Schio im venetianisch- lombardi-
schen Königreiche. Tuch (S. isi).
Scotti und Comp., in Mailand. Druck waaren (S. i9o).
»' Yincenz, zu Monza. Gemischte Zeuge (S. i3i).
Scrussig , Anton, in Görz. Flachs und Leinengarn.
Seidan, Johann, in Wien. Geprefste Tapeten (S. i55)«
Seidenfabrik zu Weifskirchen in der Militärgränze. Filirte
Seide.
Seider, Eustach, in Wien. Yaucanson'sche Bandketten,
(S. 67).
Seifferth, Ernst, in Wien. Tischlerarbeit (S. 91).
Seleny, Franz, in Wien. Kunstschlosser.
Seüier, H. von, zu Schöribüchl in Österreich. Schmelz-
tiegel aus Graphitmasse.
Seli^a, Joseph , in Venedig.. Brillengläser (S. 71).
Sensenfabrik, zu Weifsenbach in Steiermark. Sensen.
Silbernagel, Freiherr von, zu Ferlach in Kärnthen. Eisen-
drath.
Simon, J., zu Eger in Böhmen. Pergament.
Sinigaglia, Isaac, zu Görz. Filirte Seide (S. 124).
Sintich, Johann, zu Jaszka in Kroatien. Hanf.
Sif^kotpichj Payo, zu Germushanjr in der Militärgränze.
Töpfergeschirr.
Spanl, in Wien. Papiertopeten.
Spasojeuf , Janko, zu Szakalowacz in der Militärgränze«
Wollene Handschuhe.
193
SpemboMter^ SebustiaD« so Sirning in Österreich. Gena-
gelte Schuhe (S. 166)«
Spiegelfabrik^ k. h«, so Neuhatu in Österreich. Spiegel
(S. 72).
Spiegelhütte, zu HeiL Kreu» in Böhmen. Spiegelglas.
Spindler, J., in Wien. Leonische Waaren.
Spiiuifabrik, k. k. priv. , zu PoUendorf* in Österreich«
Baumwollen - Maschinengespinnste (S. iio).
Spissich, Joseph von, zu Dabowacz in Kroatien. Flachs
und Hanf.
Spitzer, Johann, zu Neukirchen in Österreich. Ein Werk-
zeug zum Beschlagen der Pferde.
» Martin , zu Muhlbach in Österreich. Ein Schlag-
eisen.
Stadler, J,, zu Steinbach in Osterreich. Messerschmied-
Arbeiten.
StahlufCLarenfabrik zu Klösterle in Böhmen. Feine Stahl-
waaren.
Staudacher, J., in Wien. Stahl (S. s3).
Suuwenghi, Dominik, in Monza. Verschiedene Zeuge
(S. lao).
Stefanouf, Marko, zu Isbistje in der Militärgran ze. Flachs.
Steindlj Fr., zu Knittelfeld in Steiermark. Gemeine
Schneid waaren.
Sieinhuber, £., in der Blumau in Österreich.) ^
» K., zu Michelsdorf ebend. ) *
Sltinleitner , J. , zu Steier in Österreich. Messerschmied-
Arbeiten.
Stibing, zu Waldstein in Steiermark« Nagel.
SUbnUzer Eisenhütte zu Reichenau in Böhmen. Geschmie«
detes Eisen.
Stockart, zu Steier in Österreich. Nägel.
Stockinger, Joseph, in Wien. Schlosserarbeit (S. 60).
Stöhr, Johann, zu Schönberg in Mähren. Nähnadeln.
Stolf, Johann^ zu Kostainitza in der Militärgränze» Ein
Yorlegschlofs.
Stolle und Söhne, zu Warnsdorf in Böhmen. Leinenge-
webe (S. 107).
Strafhaas in Mailand, Säcke ohne Naht.
Strasser , Ad., zu Steier in Österreioh« Gemeine Stahl-
* waaren.
Stricker, Christian, in Wien. Ein bramah'sches Patent*
achlofs, und einige optische Gläser.
JakrW ics pol/C. last. IV, Bd. l3
»94
SirnischlU, Joseph, za PrzjrhülawiU in Mahren« Papier
(S. i5i)^
Stucchi, Joseph, in Monza, BaumwoUenzeage (S. 119).
Sushnyar^ Anna, zu KostainUza in der Militärgränze.
Leinwand*
Sztiakounchs Peter, eben daselbst« Kapferne Brannt«
weinblase.
Tarabanzaj Maria, zn All" Schupanek in derMilitargranze.
Ein wollenes Handruch.
Tesinger, Franz, zu iS. Georgen m Osterreich. Lohgares
Leder (S. i63).
Teu^ellou^ich , Andria, zu Iwanko in der Militargränze«
Hölzerne Pfeifenhopfe.
ThornXoTiß Joseph von , zu Mi/iAr^/i^ior/' in Osterreich. Baum-
wollen - Maschinengespinnste (S. 113).
TAur/i, Franz Graf von , zu Podgora in Illyrien. Papier.
» Georg Graf, von, nächst Klagenfurth. Feine Stahl-
waaren (S. 62).
Tietzmann, J. , zu RochUtz in Böhmen. Marmorirtes
Hohlglas.
TOa^ P. in Brunn* Tuch.
Tomagninij Johann, zu Görz^ Seide (S. 184)*
Tomasuzzi^ M., in Venedig, Echte Borten (S. i36).
Tomaiseu^tch > Manda , zu Podgradje in der Militärgranze.
Teppiche*
Töppevs Andreas, zu Scheib/s in Österreich. Gewalztes
Eisenblech (S. 5i).
Torrcs Ludwig, zu Vohurno im venetianisch- lombardi«
sehen Königreiche. Eiserne und kupferne Nägel (S.s8).
ToBis Johann Stanislans, in Mantua, Sohlenleder.
Totif s Graf von , zu Capo' d' Jsiria in lUjrien« Lohgares
Leder (S. i63).
Traweger, zu Gmundien in Österreich. Thönerne Knöpfe
und Rosenkränze.
Trexler^ Anton , zu Voiisberg in Steiermark. Papier.
(S. i5i).
Truzzij L«, in Verona. Darmsaiten (S. 168).
Tuchmacher "Zunß in Brunn* Kasimir.
• »zu Kronstadt in Siebenbürgen. Tuch.
9 »zu Neutitschein in Mähren. Wollen zeuge.
Uboldi, Paul, in Mailand, Strumpfwirker- Arbeit (S. i38).
Vffenheimer 3 J. G«, zn Neustadt in Österreich. Papier
(S. i5i).
VUrich / Karl , in Wien. Gefärbte Zinnfolie.
» Zacharias> in Wien. Hausenblasen •Folie.
Vaineiy Valentin, in G8rz. Hanf«
Valadicr, Victor, in Wien. Kämme (S. 96).
VandencmyB , Fraulein, in Wien. Spitzen auf NiederlSn«
der Art (S. 108).
Verhounig, Frans, eu Jauchen in Illyrien« Strohhüte
(S. q8).
Vemaj , Andreas, in MaUaruL Seidenbander (8« i36).
Fest, J. Edler yon, zu Schrottenthurm in lUjrien. Sieb«
boden ans Rofshaar (S. i43).
Flamin, Dominik, in Venedig, Spiegel (8. 73).
VianeUi, Franz, zu Terzo in Illjrien. Sohlenleder«
Viganoni, Andreas, zn Monza im ▼enotianisch- lombar*
dischen Königreiche« BanmwoIIenzenge.
VilaUni, Joseph, zu Salo im Tenetianisch» lombardischen
Königreiche« Leinenzwirn (S. io3)«
Viüa , Philipp , in Monza. Filzhfite (S. 1 40)«
FincenlU' Glashütte auf der Layamünder - Alpe in Kam*
then. Hohlglas« ^
Vogel, Alezander, zn Wels in Österreich«' Baumwollen«
zeuge (8. iso).
« Andreas nnd Sohn, zu Snecznajr in Böhmen« Lein«
wand (S, 107)«
9 F., zu Steinschönau in Böhmen. Geschnittenes
Ilohlglas«
Vulakoitnch, Joseph yon, zniScAifaiyVpo in Kroatien« Flachs
ond. Hanf.
Wächter, J. A.«, zn Steier in Österreich« Feine Messer«
Schmied - Arbeiten«
üPii^ii^r^ Franz, in Wien. Waehslar?en (S« 168).
» Gottfried, zu Zettisnng in Österreich« Sönsen.
f^aldhutter, Mathias, zu Salzburg. Geschliffenen Marmor.
H^gllian, Wersayia, zn Cornia in der Miiitärgränze. Eine
wollne Binde.
Hyaliner, Simon, zu Amoldsteui in Kärnthen. Flinten«
Schrot (S. 36).
fPanschka, zu Gmum2i«/i in Österreich« Hornarbeit (S.98)»
H^eber-Zunfü za Asch in Böhmen. Baum wollenzeuge.
» »zu Bern in Mähren. Eben dergleichen«
» » zn Troppau in Schlesien« Leinen - und
Baum woll enzeuge«
fFeichselbaumer , J« , zn Steinba<A in Österreich« Messer-
schmied • Arbeiten«
IVeUenbOck, Karl, in Salzburg. Lammfelle samml der
Wolle zubereitet /8. |65).
i3*
fVeinmann, Johann, in Wien, Eines messingenen Vhr-
kasten (S, 52).
ff^einmeisUr j Anton Joseph i zu Siegidorf in
Steiermark,
» Franz , zu Einöd bei Jadenburg in ^ Sensen.
Steiermark«
» Michael, eben daselbst
If^eifss Franz, zu Langendorf \n Mähren. Papier (SiSi).
We\fs und Rösler , zu Würbenthai in Schlesien« Leinen«
garn und Zwirn (S, to3).
TVeifsgarher^ Zunft zu Eger in Böhmen. Leder.
Pf^enger^ Joseph, in Wien« Pergament (S. 167).
TVenningerj Joseph, zu AinJbach in Steiermark« Stahl
und Eisen«
pyenzels Franz, zu Ausche in Böhmen. Zahnsicheln«
TVerner^ Andreas, in Wien (S. 143). -^
» Nikolaus, ebenda (S. 140)« f Filzhäte.
« Valentin, ebenda (S. 143). j
TVihner, Karl, in Wien. Einen aus geraden Tafeln ge-
bt>genen Glassturz«
IVidenherger s Joseph, zu Steter in Österreich« Messer-
schmied-Arbeiten«
fViesinger, Joseph, zu Neuzeug in Osterreich. Ahlen.
tViefsmann, Fr., in Grätz. Einen Filzhut.
IVilda^ Gottfried, in Wien« Knöpfe (S. 63).
PPlnkelmann^ Nikolaus, in Wien. Regenschirme (S. i3o).
fP^uJcler^ Franz, zu Ebersdorf in Österreich. Messing*
waaren (S. 35, 54) •
IVinier, in Grätz. Matrosen -Mfitzen (S. ia3).
fVlaner Glashütte in Mähren« Hohlglas.
ff^odXey^ Bartholomäus, zu Gestring in Kärnthen. Eisen*
blech«
fVoüenzeugfabrik^ k. k. , zu Linz* Wollenzenge und Tep-
piche (S. 199^ i34).
» zu Neustadt in Mähren. Wollenzenge.
PVornis Franz, zu Neuforstwald in Böhmen« Manchester
(S« 140).
Wun4ch^ Ad. uniiSSknCs zu iScA^/iZiWe in Böhmen. Zwirn.
ff^z^ Michael, unJter dem Himmel^ bei Steier in Öster-
reich« Pappe«
IVurms Ignaz^ zu Waidhofen in Österreich. Eisenwaaren.
» und Pausinger^ in Wien. Flachs - Maschinenge-
spinnste (S. 102)«
«97
ff^rbna, Graf yon, sq Itorsowicz in Böhmen. Eisengiifs-
waaren (S. ii, 25).
IVHbys Graf von , zn Teiniiz in Böbnen. Fajance und
Wedgwood (S. 83, 86).
Zaecagna , M«, za Padua. Leder (S. 163« i65).
Zahn, B. , zu Sieinschönau in Böhmen. Hohlglas.
Zanola, Peter, zu Monza im yenetianisch - lombardischcn
Königreiche« Gefärbtes Garn (S. 1 1 s).
Zeiiiinger, Fr., in der Köxen in Österreich. >
9 J. G., zu Mo//« eben daselbst. ? Sensen.
9 Wittwe , eben daselbst. f
Zeüer, J. , zu iS/der in Osterreich. Gestrickte Waaren.
Zenker, J. , zu iVisit^^cA: in Böhmen. Eiserne Löffel (S. 25).
Zeltler^ Franz, zu Oeblam in Steiermark. Ein grofses
Sägblatt
Zetioivich, Jakob, im 7ten Militär- Gränzregimente. Höl-
zerne Spazierstöcke.
Zeugmacher- Zunß zu Brunn. ) ^oH^^n^euße
» »zu Kröfseck in Mähren.) °
» »zu Oderau in Schlesien. Gemischte
Zeuge.
Zidk, Yater und Sohn, zu Joachimsthal in Osterreich.
Geschnittenes Hrjstallglas (S. 67).
Zinkhütte, k, k. , zu jRai6Z in Kärnthen. Hohen Zink«
Zinn- Gewerkschaft zu Joachimsthal in Böhmen. Zinn«
Zinn^irfser ' Zunft zu Karlsbad in Böhmen. Gegossene
Zinnwaaren.
Zinnhuite, k. k., zu Schlaggenwald in Böhmen« Zinn.
Z«/t> SU Thanheim in Tirol« Baumwolienzeuge«
Zobelbergerj Joseph, zu Sieier in Osterreich. Nadlerar-
beiien.
Zwe^, Gebrüder, zii Radc^ikow in Galizien. Einen groa-
aen Hantelisse - Teppich (S. i33).
ZwetiUr, Anton, in Linz. Gestickten Kattun«
V,
IL
Abhandlung über die oberschlächtigen
Wasserräder.
Von
Ada m' Burg,
AMistenten und Repetitor der hohem Mathematih am li, k«
polytechnischen Institute.
Es ist leider nur zu wahr, dafs der blots praktisch
gebildete Mechaniker oder Maschinenbauer, wenn er auch
noch so geschickt ist, sehr oft nicht nur unvollkommene,
sondern sogar zweckwidrige Maschinen herstellet. Dieses
geschieht am häufigsten, wenn ihm die Ausführung sol*'
<;her Maschinen aufgetragen wird , die entweder noch gar
nicht bestehen, und von ihm erst zu einem bestimmten
Zwecke erfunden werden sollen , oder auch , wenn er schon
bestehende Maschinen nach Bedürfnifs abzuändern hat. Ea
entstehen, da unnütze und schädliche VerTielfcUigungen
der Maschinentheile , welche nicht nur die Maschine kost-
spieliger machen , sondern auch, der vermehrten Reibung
wegen , den Betrieb derselben erschweren ; die in der
Begel angewandte schlechte Verzahnung und überhaupt
die falsche Form, welche gewisse Theile, die Fortpflan-
zung oder Mittheilung der Bewegung zum Zwecke haben,
erhalten, machen nicht nur den Hang der Maschine un-
gleich und holperig, sondern führen auch durch die nn-
zweckmäfsige Anordnung derselben, einen bedeutenden
Verlust des Nutzeffektes herbei u. s. w. Ich rede nicht
etwa von solchen sogenannten Mechanikern , welche z. B.
glauben , mit einer gebogenen Kurbel eine gröbere Kraft,
als mit einer geraden auf^zuüben; oder die Betreibung
jeder Maschine in dem Mafse zu erleichtern und den wirk-
lichen Kraftaufwand zu verringern, in welehem ein ange-
brachtes Schwungrad gröfser und schwerer wird , u. dgl.ni.
«99
Nein! ich rede tod Männerii, die durch yiel jahrige.
ErfahraDgen eine Datürlich richtige Ansicht im Maschi-
nenhane erlan^^t haben, und gerade dadurch noch toU-
kommenere Maschinen herstellen können , als auf der an-
dern Seite der blofse Theoretiker dieses im Stande ist«
Aber gewifs ist es, dafs diese Männer bei der Ans-
fnhrung einer Maschine, die ihnen £u Geboihe stehenden
Kräfte besser benfiizen, diese mit wenigeren Kosten her-
stellen , dem beahsichtigien Zwecke naher kommen , und
knrs die ihnen gegebene Aufgabe weit ToUkommener auf-
lasen könnten ; wenn sie noch mit ihrer natürlich richti-
gen Ansicht nnd prsktischen Fertigkeit die Hauptgesetse
der Mechanik yereinigten , und wenigstens in so weit mit
der Theorie bekannt wären, dafs sie die 'von geschickten
Theoretikern abgeleiteten Regeln auf die ihnen vorkom-
menden Fälle anzuwenden, und auch nöthigen Falls ab-
znändem yerstünden.
Es wäre freilich lächerlich zu yerlangen , dafs sie z. B.
rine genaue Kenninifs der Epi- und Hjpocykloide haben
sollten, weil diese Karren bei einer richtigen Verzahnung
gebraucht werden ; oder dafs sie die Rektifikation der über
einen Kreis abgewickelten Linie yerstehen mnfsten, weil
die Hebeköpfe bei einer gut eingerichteten Stampfmöhle
nach einer solchen Evolyente gearbeitet sejn sollen; oder
dafs sie endlich gar mit dem Differential- und Integral*
kalknl bekannt seyn sollten, um die Theorie der Kurbel
, oder die Wirkung einer Dampfmaschine berech-
nen za können u« dgl. m. Obschon es also keinem ver-
nunftigen Manne einfallen wird , auf dieser Seite zu weit
zu gehen, so sollte man doch ron jedem geschickten ans«
übenden Mechaniker mit Reche fordern können, dafs er
noch aufser den ersten Elementen die Decimalrechnung«
die Ansziehung der Quadrat- nnd Kubikwurzeln, so wie
die richtige Aufsiellung einer Proportion verstände, und
wenigstens in so weit mit den Gesetzen der Mechanik be-
freundet wäre , dafs er die abgeleiteten Regeln richtig an-
wenden, upd selbst einige Umwandlungen aus Tabellen,
die ihm für gewisse Fälle berechnet werden müfsten, ohne
Schwierigkeit yarnehmen könnte.
Ich halte es daher für notl^ wendig , wenn anders die Ans-
f&faning Ton Maschinen jenen Grad der Vollkommenheit je er-
300
reichen 6olI| der zu, erreichen ist, dafs sich Theoretiker,
welche zugleich Gelegenheit haben , die Theorie stet» mit
der Erfahrung yergleichen und darnach modificiren zu kön-
nen, die Mühe nehmen, die Hauptbestandtheile jeder Ma-
schine besonders zu behandeln, -auf das Wesentlichste der-
selben Torzüglich aufmerksam zu machen,' leicht fafsliche
^ und möglichst einfache Regeln für die Bildung derselben
anzugeben , ohne dabei zu vergessen , dafs keine mathema-
tische Schärfe , sondern nur eine Annäherung nothwendig
ist, und in so weit es der Praktiker begreifen kann, auch
die Ursache mit anzuführen , warum die Sache so und nicht
anders seyn darf, so wie endlich noch gewisse Tabellen zu-
sammen gestellt werden müfsten , aus denen der praktische
Arbeiter für seine vorkommenden Fälle die nöthigen Re-
sultate entweder unmittelbar, oder doch mittelst einer leich-
ten Reduktion finden könnte.
Das fühlbare Bedürfnifs , die Anlagen der gebräuch-
lichsten Maschinen auf bessere Grundsätze zurück zu führen
und sie der Natur der Sache mehr anzupassen , als dieses
gewöhnlich geschieht , veranlassen mich zu dem Versuche,
die wichtigsten Bestandtheile, die bei dem Maschinenbaae
vorkommen, in nach und nach erscheinenden Abhandlun*
gen sowohl rein theoretisch zu bearbeiten , als auch der
praktischen Ausführung wegen, die nöthigsten Bemerkun-
gen, die sowohl aus den Erfahrungen der berühmtesten
Ingenieurs und Naturforscher, so wie aus meinen eigenen
geringen Beobachtungen, die ich in dieser Hinsicht zu ma-
chen Gelegenheit hatte > abstrahirt sind, hierüber anzuge-
ben. Obschon ich die Schwierigkeit dieser Unternehmung
in ihrem ganzen Umfange einsehe und recht gut erkenne,
wie weit ich Manchem , der sich zur Bearbeitung dieses
Gegenstandes entschliefsen könnte, nachstehen müfste; so
ermuthiget mich dennoch der Gedanke , dafs ich vielleicht
selbst durch diese unvollkommene Leistung nützlich werden
kann, zur Ausführung meines Vorhabens, und beginne so-
gleich mit einem, für die Betreibung von Maschinen höchst
wichtigen Gegenstande , nähmlich mit dem oberschlächtigen
Wasserrade.
vybgleich die Anwendung der Wasserräder zur
Betreibung von Maschinen schon sehr alt ist^ sowur*
den dennoch erst in den neuem Zeiten die nötbigen
Untersuchungen hierüber gemacht , und sowohl durch
die Erfahrung als nach mathematischen Grundsätzen
ihr gröfster EJSTekt^ heste Konstruktion u. s. w. auszu-
mitleln gesucht. Es ist daher kein Wunder^ wenn
Anfangs die Begriffe iiher die Wirkungsart der ver-
schiedenen Wasserräder nicht nur schwankend , son-
dern sogar widersprechend waren. So behauptete
zuerst Belidor in seiner Architecture hjrdrauUque^
dafs hei gleichen Umständen die Anwendung des ober-
schlächtigen Wasserrades weniger yortlieiihaft^ als
die des unterschlächtigen Rades sey; dagegen war
Desaguiliers wieder der Meinung^ dafs bei einerlei
Umständen die Wiikung eine^ oberschlächtigen Rades
zehn Mahl so grofs werden könne^ als die eines unter-
schlächtigen Wasserrades. Herr von Parcieux scheint
der erste gewesen zu seyn^ welcher die Sache durch
£e Erfahrung zu entscheiden sucbte^ und in einer
Abhandlung^ welche in den Memoires der Akademie
der Wissenschaften vom Jahre 1754 zu finden ist^
befaauptet er^ dafs bei einer zu Gebothe stehenden
Fallshöhe des Wassers von vier Fufs aufwärts^ dieses
durch die Benützung auf ein oberschlächtiges Wasser*
rad stm vortheilbaftesten verwendet werde; zugleich
zeigte er auch ^ dafs die Wirkungeines oberschläch-
tigen Wasserrades um so gröfser sey^ je langsamer
sich dieses bewege.
. Gleichzeitig mit den Versuchen von 'Parcieua:
krSnte die königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu
Göttingen' eine Abhandlung von albert Euler y über
hydraulische Maschinen und ibre vortheilhaftesten
Anwendungen^ welcher in Hinsicht des oberschläch-
tigen Wasserrades dieselben Resultate aufstellte^ die
Herr von Parcieux durch seine Versuche gefunden
hatte.
Herr Smeatony ein berühmt gewordener engli-
2oa
scher Ingenieur^ der sich während vierzig Jahren mit
der Anordnung hydraulischer Maschinen beschäftigte,
veranstaltete in den Jahren 1752 und 53 sehr wichtige
Versuche über unterschlächtige und oberschlächtige
Wasserräder, um daraus eine sichere Yergleichung
zwischen beiden Gattungen von Rädern machen zu
können. Er zeigte auf eine sehr befriedigende und
überzeugende Art, dafs bei übrigens gleichen Umstan*
den, die Wirkung eines oberscblächtigen Wasserra-
des doppelt so srofs , als die Wirkung eines unter-
schlächtigen Rades sey ; er folgerte zugleich aus sei-
nen Versuchen, dafs die vortheilhafteste Geschwin-
digkeit eines oberscblächtigen Wasserrades, um den
gröfsten Effekt möglichst zu erreichen, die sey, bei
welcher ein Punkt im Umfange desselben in jeder
Sekunde einen Weg von 3 Fufs zurück legt, ohne dafft
die Gröfse des Rades hierauf Einflufs habe.
In den Jahren 1759 und 1762 machte der be-
kannte italienische Mathematiker und Naturforscher
Papacino (t Antoniy nebst mehreren andern schä-
tzenswerthen Versuchen : den gröfsten Effekt bei der
Bewegung von Maschinen überhaupt auszumittelu,
die er im 2ten Bande seiner im Jahre 1774 '^ Turin
herausgegebenen Werke (Jnstituzioni F isico-Mecca-
niche per le Regie Scuole d järtiglieria e Fortifica'
zione) beschreibt, auch sehr wichtige Versuche über
Wasserräder, wodurch er ebenfalls findet, dafs bei
übrigens gleichen Umständen die Wirkung eines am
vortheilhaftesten angelegten oberscblächtigen Wasser-
rades beinahe doppelt so grofs sey, als die gröfste
Wirkung eines unterschlächtigen Wasserrades.
Übrigens hat auch Herr Nordwally ein schwe-
discher Bergmechanikus , sehr bedeutende Versuche
über Wasserräder angestellt, und daraus viele brauch-
bare Verhaltungsregeln für die Anwendung derselben
aufgestellet. So wie ich endlich noch der sehr scharf-
ao3
sinnigen Abhandlting iibe/ oberschlächtige Wasserrä-
der i^on Herrn Direktor ^on Gerstner zu Prag er-
wähnen mufs^ die er im Jahre 1809 heraus gab^ und
vrorin er das besondere Verdienst hat^ eine bei wei-
tem bessere und richtigere Schauflung aufgestellt zu
haben^ ab sie sonst gewöhnlich ausgeführt wurde.
Bekanntlich theilet man die Wasserräder^ nach
der Wirkungsart des Wassers ^ in drei Hauptgattun-
gen ^ unH zwar in das oberschlächtige Wasserrad^ bei
welchem ^as oben hergeleitete Wasser von, am Um-
fange des Rades angebrachten Zellen, aufgenommen
wird, und fast gänzlich durch den Druck wirkte in
das unterschlächtige Rad, bei welchem das Wasser
auf die Schaufeln von unten durch den Stofs wirkt;
und endlich in das mittelschlächtige - oder Kropfrad,
bei welchem das Wasser theils durch den Druck,
theils durch den Stofs wirksam wird.
Um nun bei der Untersuchung des oberschläch-
tig^en Wasserrades eine leichtere Übersicht zu erhalten,
90 sollen, nachdem ich nach Elcmen targrün den im
Allgemeinen gezeigt habe, wie man sich die Wir-
kung des Wassers auf ein solches Rad vorzustellen
habe 9 folgende Punkte besonders behandelt werden,
nähmlich: welches Yerhältnifs findet zwischen dem
Kraftaufwande des Wassers und dem zii erreichenden
gröfsten Effekte des oberschlächtigen Wasserrades
Sutt? welches ist die vortheilhaf teste Geschwindig-
keit eines oberschlächtigen Wasserrades, um den
gröfsten Effekt möglichst zu erreichen ? wie hoch
soll man ein oberschlächtiges Wasserrad im Yerhält-
nifs der Gefällshöhe des Wassers anordnen ? Regeln
für die vortheilhafteste Schaufelstellung oberschläch-
tiger Wasserräder. Genauere Bestimmung des Effek-
tes oder mechanischen Momentes eines oberschläch-
tigen Wasserrades. Nachdem alle diese Punkte be-
handelt sind, werde ich die aufgesteUten Sätze und
do4
Regeln durch ein Beispiel zu erläutern suchen^ und
das Ganze mit einigen Bemerkungen über die prakti-
sche Ausführung oberschläcjitiger Wasserräd!er he-
schliefsen.
Wirkung des Wassers auf ein oberschlächtiges
Wasserrad,
Da das von oben hergeleitete Wasser von Zellen
aufgenommen wird^ welche im Umfange des Rades
angebracht sind^ so mufs durch das Gewicht des^
nur auf der einen Seite des vertikalen Durchmessers
aufgenommenen Wassers^ das Gleichgewicht gegen
die andere leere Hälfte gestört^ und bei einer ver-
hältnifsmäfsigen Belastung die Drehung des Rades
möglich werden. Obschon das Wf^sser am Umfange
des Rades von den Schaufeln unterbrochen wird, so
wollen wir doch vorläufig der gröfsern Einfachheit
wegen annehmen, dafs über einen Theil des Rad-
umfanges ein Wasserring gleichförmig vertheilt sej,
und untersuchen, welche Wirkung hieraus für das
Rad entstehet. Es sey daher AOP Q Fig. i.Tab. V.
der senkrechte Durchschnitt von einem Theile eines
solchen Wasserringes, DEG sey die Schwerpunkts-
linie desselben, AB ein vertikaler Durchmesser des
Rades und CO stehe darauf senkrecht; wenn wir
jetzt an einer beliebigen Stelle einen sehr kleinen
Theil DE yon dem Wasserringe betrachten, PannA
Ob perpendikulär auf CO errichten, durch die
Punkte /? und jB die Parallelen IDb und KED mit
CO parallel ziehen, und endlich noch den Punkt D
mit dem Mittelpunkte C verbinden: so wird, wenn
der Bogen DE so klein gedacht wird , dafs man ihn
für eine gerade Linie ansehen kann, das rechtwink-
lige Dreieck DLE mit dem Dreiecke ID C ähnlich,
indem ihre Seiten wechselweise auf einander senk-
recht stehen, mithin haben wir die Proportion , DE:
DL= CD: ID oder DE: ac = CG: ID und
daraus DEX ID ^acXCG. Da aber das Ge-
!105
wicht des Wasserringes yon der Lange 1)E, dieser
Länge selbst proportional ist^ und hier in der Ver-
gleichnng das eine fiir das andere gesetzt werdea
kann^ so drückt das Produkt DE X ID das slAlische
Moment dieses Wassertheilchens a)^ oder das Be-
streben desselben für die Umdrehung des Rades aus ;
eben so wird^da ac das Gewicht einer Wassersäule voa
der Höhe a c und dem Querschnitt des Wasserringes
bezeichnet^ das Produkt ac^i^ G das statische Mo-
ment der auf PO senkrecht wirkenden Wassersäule
abcdy die mit dem Wasserringe einerlei Querschnitt
hat, ausgedrückt. Es ist daher für die Wirkung des
Rades einerlei, ob man sich das Wassertheilchen pq
in DEy oder die entsprechende Wassersäule ab cd
in PO senkrecht auf CO wirksam denkt; da femer
das eben Erwiesene yon jedem andern Theilchen
des Wasserringes gezeigt werden kann, so folgt, dafs
auch die Summe der statischei| Momente alier, den
Ring bildenden Wassertheilchen eben so grofs ist, ab
die Summe der statischen Momente aller entspre-
chenden , in P O vertikal wirkenden Wassersaulchen.
Wäre daher der Wasserring über den Bogen DGM
gleichförmig Tertheilt, so würde dieses für die Wir-
kung des Rades eben so viel seyn , als wenn im Punkte
G das Gewicht einer Wassersäule , von der Höhe a e
und demselben Querschnitte des Wasserringes ange-
bracht wäre.
Es ergibt sich daher schon aus dieser Betrach-
tnng , clafs die Wirkung eines oberschlächtigen Was-
serrades um so gröfser sey , je gröfser der Querschnitt
and die Länge des wasserhaltigen Bogens ist; mithin
i) Da //> eigentlich darch die 3IiUe Ton DEj nahmlicb dem
Schwerpunkte dieses Wassertheilchens gehen sollte, so wird
diese Ajinahme um wa richtiger, je kleiner DE gedreht
urird, weil dann der eigenthümlicbe Abstand dieses Schwer«
punktes von der ▼ertikalen AB^ mit ID Terwechselt trer«
den darf.
\
206
m
würde bei gegebenem Durchmesser des Rades und
Querschnitt des Wasserringes das statische Moment
des Rades am gröfsten^ wenn sich der Wasserring
über den halben Umfang des Rades erstreckte, weU
dann die Höhe der wirksamen ^Wassersäule das Maxi-
mum, n'ahmlich die Gröf&e des Durchmessers erreicht
hätte.
Welches F'erhältnifs findet zwischen dem Kraft-
aufwände des fVasserSy und dem zu erreichen-
den größten Effekte des oberschlächtigen PF^as-
serrades Statt?
Der Kraftaufwand des Wassers mufs nothwendig
nach, der Menge und der Höhe beurtheilt werden,
durch welche dasselbe während der Wirkung herab-
fallen mufs, weil man dieselbe Wassermenge wieder
auf die nähmliche Höhe erheben müfste, um die
Wirkung davon ein zweites Mahl zu erhalten^ Ich
brauche kaum zu erinnern, dafs die so in Rechnung
gebrdchte Wirkung des verwendeten Wassers immer
gröfser ausfallen müsse , als die dadurch erlangte Wir-
kung des oberschlächtigen Wasserrades, und dlafs sich
ferner das Verhältnifs zwischen beiden Wirkungea
nur durch die Erfahrung mit einiger Sicherheit be-
stimmen läfst. Herr Smeaton, welcher hierüber
mehrere. Versuche machte, fand dieses Verhältnifs
im Mittel wie 3 : 2, d. h. , wenn man die in einer be-
stimmten Zeit verwendete Wassermasse in ihre Falls-
höbe multiplicirt und auch das, von dem am vortheil-
haftesten angelegten oberschlächtigen Wasserrade
während dieser Zeit gehobene Gewicht in diese Hub-
höhe multiplicirt, so verhalten sich diese Produkte
wie 3 : 2, oder das erste Produkt ist i§ Mahl so grofs
als das zweite. Da er auch ferner durch seine Ver-
suche gefunden hat, dafs das Verhältnifs zwischen
der Wirkung des Wassers und der gröfsten Wirkung
eines dadurch betriebenen unterschlächtigen Wasser-
ao7
rades im Mittel wie 3: i sey; so folgt von selbst,^ dafs
bei gleichen Umstanden die Wirkung eines ober-
schläcbtigen Wasserrades als doppelt so vgrofs , als
die eines unterscblächtigen Wasserrades angenommen
werden könne.
Ohne die Erfahrung zii Rathe zu ziehen , könnte
man leicht versucht werden zu glauben , dafs es fiir
die Wirkung einerlei seyn müsse^ ob eine gewisse
Wassermenge durch eine bestimmte Höhe frei herab-
fällt, und mit der dadurch erlangten Geschwindigkeit
an die Schaufeln eines unterscblächtigen Rades stofse,
oder ob diese Wassermenge durcb dieselbe Höhe all-
mählich herabsinke , und durch den Druck auf ein
oberscblächtiges Wasserrad wirke, weil wirklich der
SLraftaufwand des Wassers in beiden Fällen gleich ist;
da wir aber durch die Erfahrung des Gegentheiles
überwiesen werden, und die erstere Wirkung, um
die Hälfte kleiner finden, als die 'letztere, so müssen
wir schliefsen, dafs durch den Stofs des Wassers ein
Theil der Wirkung für die Änderung der Formen in
den unvollkommen elastischen Körpern verwendet^
nnd so dem Effekte des unterscblächtigen Rades ent-
zogen wird. Wenn daher der berühmte Belidor für
denTlffekt eines unterscblächtigen Wasserrades fast
mehr, als für die Wirkung eines oberschlächtigen Ra-
des herausbringt, so müssen wir die Ursache dieses
Irrthums gröfsten Theils der Vernachläfsigung dieses
Punktes zuschreiben. Es läfst sich übrigens rein theo-
retisch zeigen, dafs der gröfste ESekt eines, durch
den Stofs des Wassers betriebenen Rades nur halb
so grofs sey, als wenn man dieses nach der Höhe, die
der Geschwindigkeit des anstofsenden Wassers zuge-
hört, durch das Gewicht wirken läfst; die Erörterung
und den Beweis hievon behalte ich mir bis zur Be-
handlung der unterscblächtigen Wasserräder vor.
Welches ist die s^ortheilhaf teste Geschwindigkeit
eines oberschlächtigen tVasserrades , um den
möglichst gröfsten Effect zu erreichen ?
Über diese wichtige Frage waren die berühmte-
sten Naturforscher keinesweges einerlei Meinung.
Herr Belidor, welcher die Wirkung des oberschläch-
tigen Wasserrades bei gleichen Umständen mit der
des unterschlächtigen für einerlei hält, behauptet,
dafs die vortheilhaflestc Geschwindigkeit, mit der sich
das oberschlächtige Rad bewegen solle, in einem be-
stimmten Verhältnisse mit jener stehe , die der ganzen
Fallshöhe des Wassers zugehöre. DesaguilierSy
Sm^aton, Lambert, Des Parcieux' und Andere,
welche den Effekt des oberschlächtigen Rades für dop-
pelt so grofs annehmen, als jenen des unterschläch-
tigen Rades , sind der Meinung , dafs keine solche
Beziehung Statt finde, sondern, dafs der Effekt eines
oberschlächtigen Wasserrades um so grofser werde^
1'e langsamer sich dieses bewege. Dafs aber diese
etztere Behauptung im Allgemeinen richtig sey , soll
aus folgenden Schlüssen hervorgehen : Wenn eia
Körper frei ausgelassen wird, so fällt er der Einwir-
kung der Schwerkraft wegen, in einer bestimmten
Zeit von einer gewissen Höhe herab, und die ganze
Kraft wird dazu verwendet, diesem am Ende dieser
Zeit eine bestimmte Geschwindigkeit einzurücken.
Fällt aber dieser Körper nicht frei herab, sondern be-
wegt er während seinem Herabsinken noeh einen an-
dern, oder bringt er auf diesen sonst einen Effekt
hervor; so wird seine Bewegung verzögert, indem
ein Theil der Schwerkraft zur Bewegung dieses neuen
Körpers verwendet wird , und er sich gleichsam nur
mit dem Reste dieser Kraft beweget ; um so langsamer
daher dieses Herabsinken geschieht, um so mehr Kraft
mufs für die Bewegung oder Hervorbringung irgend
eines Effektes auf diesen neuen Körper verwendet
909
werden , und um so grofser mnfs also auch die Wie«
Lang auf diesen neuen Körper selbst sejrn.
Fällt das Wasser in die Zelle eines oberschlAch«
tigen Wasserrades^ so wird jede Zelle um so mehr
Wasser aufnehmen , je langsamer das Rad sich he we-
gei, und umgekehrt ; es wird also an Kraft gewqnnen^
was an Geschwindigkeit ^verloren gehet ^ und wieder
durch die Geschwindigkeit ersetzt^ was an Krafl ab-
gehet. Aus diesem Gesichtspunkte daher blofs be^
trachtet, würde das mechanische Moment des Rades
immer dasselbe bleiben, welche Geschwindigkeit die*
ses auch immer haben mag, weil das Produkt aus
der Kraft in die Geschwindigkeit beständig ist^ obgleich
die (Faktoren selbst veränderlich sind ^ wendet man
aber das eben Gesagte auf das schneller oder lang«
samerc Herabsinken des Wassers in den Zellen an,
so folgt, dafs der Effekt des Wassers auf ein ober-
scUächiiges Wasserrad um so gröfser sey , je langsa-
mer sich dieses beweget, und also wird auch der
Tom Rade geleistete Effekt in demselben Mafse gröfser.
Da ich diesen Punkt für die vortheilhafteste Be-
niitzung eines oberschlächtigen Wasserrades mit als
einen der wichtigsten halte , und zugleich der Müh-
lenbaaer giewöhnlich den natürlichen Wunsch hegt,
da(s sich das Wasserrad schnell bewegen soll, widri-
Sen Falls er dieses als überladen ansieht ; $o will ich
lesen Satz,^ der daher Manchem paradox scheinen
konnte, noch auf folgende Art, ohne mich in alge-
braische Kalküls einzulassen, zu erörtern suchen.
Man denke sich eiii oberschlächtiges Wasserrad von
z.jB. 4o Zellen so angeordnet, dafs alles von oben
zogeführte Wasser, welches in jeder Sekunde 8 Ku<*
bikfuls betragen soll, gänzlich aufgenommen, und in
einer bestinmiten Tiefe wieder ausgeschüttet werde,
das Rad mag übrigens was immer für eine Geschwin-
digkeit haben. Um ferner eine leichte Yergleichung
lümh, ^ p«ljt. tH^t. IV. lU. i4
310
fiir den Effekt dieses Rades zu erhalten y so nehme
manan^ dafs mittelst anf^cbrachter Scfaöpfzellen^ de*
ren ebenfalls 4o seyn sollen y das Wasser wieder ge*
hoben werden solle, und dafs, wenn jede aufsteigende
Schöpfzelle halb so viel Wasser enthält, als jede nie-
dergehende Badzelle, das Bad eine gleichförmige Be-
wegung erhalte, und in i5 Sekunden ein Mahl um-
fehe. Da nun diese 4o Badzellen während i5 Se-
unden 8X i5 =: 1:20 Kubikfufs Wasser aufnehmen,
daher auf jede Zelle 3 Kubikfufs kommen, so erhält
jede aufsteigende Schöpfzelle der Voraussetzung ge-
mäfs I- Kubikfufs, mithin alle 4o Zellen 60 Kubik-
fufs Wasser, die in i5 Sekunden gehoben werden;
also werden auf diese Weise in einer Minute 4 X 60
s=s 2^0 Kubikfufs Wasser gehoben. Man nehme nun
an, dafs sich das Bad jetzt nur mit der halben vorigen
Geschwindigkeit bewege , und daher zu einer Um-
drehung 36 Sekunden brauche ; so wird jetzt jede
niedergehende Badzelle 6 Kubikfufs Wasser au£ueh-
men, und wenn man vorläufig wieder annimmt , dafs
jede aufsteigende Schöpfzelle die. Hälfte« dieser Was-
sermenge, oder 3 Kubikfufs enthalte, so werden
während 3o Sekunden 3 X 4o=3 120 Kubikfufs, oder
in einer Minute 2 X i^o = :24o Kubikfufs Wasser^
wie zuvor gehoben. Es ist aber klar, dafs bei der
Annahme: jede aufsteigende Schöpfzelle soll, wie im
ersten Falle, halb so viel Wasser enthalten, als jede
niedergehende Badzelle > keine Ursache vorhanden
wäre, die Geschwindigkeit des Bades nur halb so
grofs , wie im ersten Falle anzunehmen , indem noch
immer dasselbe Yerhältnifs zwischen Kraft und Last
Statt findet ß). Es. mufs daher in diesem zweiten
p) Wenn man nälimlich an den Enden einer, über eine Rolle
geschlagenen Schnur Gewichte anhängt, so wird die Be-
schleunigung des sinkenden Gewichtes immer dieselbe seyn,
man mag an dem einen £nd^ 1 , an dem andern 9 Pfunde,
oder an dem erstem Ende a, an dem letEtern 4 Pfunde,
oder endlich allgemein , an dem einen Ende p , und an dem
andern Ende ap Pfunde anhängen; denn in der Formel,
Falte , damit diese langsamere Bewegung möglich wird,
jede Schöpfzelle mehr, als die haihe Wassermenge
jeder Radzelle enthalten, daher werden in' 3o Se-
kunden mehr, als 120 Kubikfufs, tmd endlich in einer
Minute mehr, als ^4^ Kubikfufs Wasser gehoben.
Da sich dasselbe Raisonnement von dieser Geschwin-
digkeit wieder auf die halbe u. s. w. macheii läfst}
so folgt, dafs der Effekt eines oberschlächtigen Was-
serrades um so gröfser sey^ je kleiner die Geschwin-
digkeit ist, mit der sich diieses beweget, und dafs da-
her, alles Übrige aufser Acht gelassen, dieser Effekt
ein Gröfstes wiirde, wenn sich dieses unendlich lang-
sam bewegte.
Der eben auseinander gesetzte Satz wird auch
dorch die Versuche des Herrn Smeaton , bis auf eine
gewisse Gränze vollkommen bestätiget; er fand den
£ffekt des Rades, dessen er sich zu seinen Versuchen
bediente y) am Gröfsten , als dieses in einer Minute
Gzzi g. _ = ^ . *^ — t = g . -j£- -zzl. gy welche in die-
M' '^p-VP ^P '
sem Falle die Beschleunigung ausdrückt, bleibt diese fUr
jeden Werth von p ungeandert, die gleich ^/^ g^ ivobei g
die Beschleunigung frei fallender Korper oder nahe gleich
i5*. 5 Fufs ist. Da sich aber das Bau iiir den Beharrungs-
stand gleichförmig bewegt, so mufs dieses ^ immer eine
solche Geschvrindiglicit annehmen, dafs die entstehenden
Hindernisse dieser Beschleunigung eerade gleich werden,
und diese aufheben; *je kleiner also die Geschwindigkeit des
B^es werden soll , aesto kleiner mufs auch die Beschleu*
^ nigung G, daher bei derselben bewegenden Kraft Py um
so gröfser die bewegte Masse M werden.
y) Das Bad hatte nur s4 englische Zolle im Durchmesser«
war also blos ein Modell eines oberschlächtigen Wasserra-
des« Obschon man aber bei Übertragung von Besultaten
vad Schlüssen auf grofse Maschinen , die man aus Versu-
chen mit Modellen gesogen hat^ Sufserst vorsichtig seyn
VKaX%^ wenn man nicht oft die bedeutendsten Fehlgriffe
thun will; so können wir dennoch diesem geschickten und
verläislichen Ingenieur bei seinen Versuchen und den dar-
aus hergeleiteten Schlüssen alles Zutrauen schenken« und
um SU seieen. wie er selbst hierüber gedacht hat 9 will ich
i4*
3IA
*
30 Umdrehungen machte ; um -^ wurde dieser Effekt
bei 3o — ' und um ^ bei 4o Umdrehungen in der Mi-
nute vermindert. Als er aber daä Rad so weit bela-
stete , dafs es in einer Minute weniger als lÖ Umdre-
hungen machte^ so wurde die Bewegung desselben
schon s^hr ungleichförmig.
Obschon also der aufgestellte Satz ^ hinsichtlich der
langsamen Bewegung des oberscblächtigen Wasser-
rades theoretisch richtig ist^ so darf man doch kei-
nesweges in der Ausübung eine gewisse Gränze über-
schreiten, je langsamer das Rad umgehet ^ desto mehr
Wasser mufs jede Zelle aufnehmen können^ und es kann
dadurch die Gröfse und das Gewicht des Rades so
sehr^ anwachsen ^ dafs die Vortheile der langsamen
die Einleitung seines Berichtes über die Versuche mit Was-
serrädern , der in der königl. Gesellschaft tu London den
loten Mai 1759 gelegen wurde y hierher setzen:
)»Der Gegenstand dieses Berichtes sind die Resultate toh
»Versuchen, welche ursprünglich mit Modellen gemacht
»wurden. Ich halte unter allen Hülfsmittqln dieses för dsts
»geschickteste , um in der praktischen Mechanik jenen Grad
»aer Genauigkeit, dessen sie fähig ist, zu erlangen, wohl
»wissend, dafs bei der Anwendung desselben alles darauf
ankommt, xu entscheiden, in wie weit ein Modell mit dor
»wirklich im Grofsen ausgeführten Maschine übereinstimmt^
»widrigen Falls ein solches "Modell eher dazu dienen kann,
»uns von der Wahrheit zu entfernen ,^ als derselben zu nä-
»hern; daher auch die allgemeine Bemerkung , dafs ein Ver-
»such im Modelle sehr wohl gelingen kann , während er
»bei der Wiederhohlung im Grofsen gänzlich mifslingt.
»Man mag auch übrigens bei solchen Versuclfcn im Kleinen
»was immer für Vorsicht gebrauchen, so ist man dennoch
»von der richtigen Konstruktion der wirklichen Maschine
»im Grofsen nur dann erst vollkommen überzeugt, wenn
»man diese selbst den Versuchen unterworfen hat. Aus
»diesem Grunde habe ich die Bekanntmachung der Versuche
»über Wasserräder, die ich in den Jahren 175a und 53
»mit Modellen veranstaltete , und den daraus hergeleiteten
»Schlüssen so Linge verschoben , bis ich Gelegenheit hatte,
»diese durch die Erfahrung vielfaltig zu erproben und zu
»verificircn, so^ dafs ich tiir die Übereinstimmung dieser
»Besultatc mit jenen, die sich in der Anwendung ergeben,
»bürgen kann.«
ai3
Bewegung y durch die Nachtheile der vermehrten
Reihung und der gröfsern Schwierigkeit im Baue
selbst^ hei weitem überwogen werden. Die aus den
Versuchen sich ergehende vortheilhafteste Geschwin-
digkeit ist die^ hei welcher ein Punkt im Umfange des
Bades jede Sekunde einen Weg von 3 Fufs zurück
jegt; man hat jedoch dieses in der Anwendung nur
ab eine Mittelzahl anzusehen^ von d^r man sich hei
greisen Rädern um so mehr entfernen kann, je grös-
ser sie selbst sind , und ein Wasserrad von 20 Fufs
Durchmesser kann sich mit 6 Fufs Geschwindigkeit
bewegen^ ohne dafs man furchten darf, an Effekt
merklich zu verlieren. Auf der andern Seite bemerkt
Herr Smeaton, dafs er ein oberschlä4:htiges Wasser-
rad von 33 Fufs i) Höhe gesehen habe, welches sich
noch sehr gleichförmig mit 2 Fufs Geschwindigkeit
bewegte; es ist wahrscheinlich, dafs diese Abwei-
chungen hei grofsen Rädern dcfshalb weniger nach-
theUig sind, weil die Fallshöhen, die den inner-
halb diesen Gränzen liegenden Geschwindigkeiten zu-
gebören, schon sehr unbedeutend gegen die ganze
Fallshöhe des Wassers werden. Nimmt die Geschwin-
digkeit des Rades so weit ab , dafs ein Punkt im Um-
fange weniger als 2 Fufs in einer Sekunde zurücklegt,
so wird die Bewegung desselben in der Regel schon
sehr irregulär,
Herr Borda zeigte in seiner Abhandlung über
oberschlächtige Wasserräder, dafs sich das Rad fiir
die voittheilhafteste Wirkung mit der halben Ge-
schwindigkeit bewegen müsse, mit der das Wasser in
die Zellen stürzt ; eben so findet Herr d^ Antoni Pa-»
pacino durch seine Versuche, dafs diese vortheil-
hafteste Geschwindigkeit des Rades zwischen -^ und
Z} £s müisen sowohl hier, wie bei alten Er^vahnungen der
Herrn Snuaton und Robiion^ englische' Fufse verslanden
ivcrden.
:2i4
I- der Geschwindigkeit fdes in die Zellen tretenden
Wassers Hege» Da nun bei der Behandlung des fol-
genden Punktes gezeigt werden soll^ dafs der Effekt
eines oberschlächtigen Wasserrades zunimmt, wie
die Fallshöhe des Wassers in di^ Zellen abnimmt^ je
langsamer daher dieses in die Zellen .einstiirzt; so
stimmen auch diese Resultate mit den obigen überein.
Es mufs endlich noch einer Ursache, gedacht
werden, welche die langsame Bewegung der ober«
schlächtigen Wasserräder notb wendig macht, und
dieses ist die Centrifugal-oder Fliehekraft, mit der
sich alle im Kreise bewegten Körper von dem Mittel-
punkte, desselben entfernen wollen. Dieses Bestre-
ben wird bekanntlich um so gröfser, je schneller die
Bewegung im Kreise geschieht ; bei einer schnellen
Bewegung des Wasserrades daher wird auch das
Wasser in den Zellen durch diese Schwungkraft nach
äufsen bewegt, und dadurch die frühere Ausleerung
der Zellen, also auch eine Vermin derurig des Effekte^
herbei geführt. Ich glaube, dafs diese kleine Bemer-
kujig über diesen Punkt hier hinreichend sey^ und
enthalte mich daher aller weitläufiigei^ theoretischen
Berechnungen hierüber.
Bevor ich jedoch die Betrachtung über die Ge-
schwindigkeit oberschlächtiger Wasserräder sckliefse,
mufs ich noch bemerken, dafs die, für die Erreichung
eines gröfsercn Effektes so vprtheilbafte langsame Be-
wegung dieser Bäder, dennoch nicht immer unbe-
dingt ange>vendet werden kann. Wenn die Geschwin-
digkeit derselben nicht schon aus andern noch zu be-
rührenden Gründen bestimmt ist, so ist es für den
langsamen Gang oberschlächtiger Wasserräder eine
unerläfslicbe Bedingung, dafs die dadurch betriebe-
nen Maschinen, einen möglichst gleichförmigen Wider-
stand leisten ; widrigen Falls die dadqrcb entstehende
Ungleichförmigkeit in der Bewegung \ou der i"
?i5
langsamen bewegten Masse des Wasserrades nicht nur
nicht gehoben werden kann, sondern auch noch ver-
möge einer, diesem Rade eigenthünilicheu Eigenschaft
vergröfsert wird. Wenn, um ein aufiallendes Bei^
spiel zu geben, mit einem oberschlächtigen Wasser-
rade eine Pumpe betrieben werden soll, so wird die-
ses durth die eine halbe Umdrehung, während wel-
cher der Kolben nähmlich gehoben wird, gans, durch die
andere halbe Umdrehung hingegen, während der Kol-
ben wieder niedergehet, fast gar nicht belastet seynj es
wird also schon dieser Ursache wegen, wenn übrigens
noch das mechanische Moment des Rades jenem der
Pumpe gleich ist, die eine halbe Umdrehung des Rades
langsamer, (£e andere Hälfte aber schneller geschehen.
Wenn wir nun annehmen, dafs der Kolben gerade
im Niedergehen begrifien sey, so wird sich das Rad,
da es fast keinen Widerstand zu überwinden hat,
schneller bewegen, und die Zellen werden daher bei
ihrem Durchgange unter dem Gerimie zu wenig Was-
ser bekommen; wie nun der Kolben wieder gehoben
werden soll und der Widerstand anfängt , haben die
Zeilen so wenig Wasser , dafs das Rad plötzlich lang*
samer gehet und endlich vielleicht gar stehen bleibt.
In diesem Falle wird aber die Zelle, die gerade unter
dem Ausflusse des Wassers aus dem Gerinne stehet,
ganz gefüllt, von da stürzt das Wasser in die nächste
Zelle u. s. w. bis die Bewegung des Rades wieder
eingeleitet wird; da aber diese Bewegung nur lang-
sam anfängt, so werden auch noch die folgenden
Zellen zu viel Wasser erhalten , und so wie der Kol-
ben wieder niedergehet, also der Widerstand auf-
hört, sind die Zellen mit Wasser überfüllt, und es
mafs aus dieser doppelten Ursache die nächste halbe
Umdrehung uip. so schneller geschehen.
Obschon in diesem Falle diese grofse Ungleichför-
migkeit durch eine zweite Pumpe, deren Kolben mit dem
vorigen eine entgegengesetzte Belegung erhält, oder
auch durch ein Gegengewicht vermieaen wird, so
äi6
finden doch bei jeder Maschine mehr oder weniger
ahnliche Ungleichformigkeiten Statt, und diese müssen
entweder bei Maschinen, die nicht selbst schon eine
hinreichende bewegende Masse be sitzen , durch ein
angebrachtes Schwungrad , oder die Verbindung einer
gröfsern Masse mit dem Wasserrade selbst, oder end*
lieh durch eine schnellere Bewegung desselben, aus-
geglichen werden.
fFie hoch soll man ein oberschlächtiges Wasser^
rad im J^erhältnisse der Gefällshöhe des JVus-'
sers anordiven?
Da nach dem früher Gesagten das Wasser durch
den Druck doppelt so viel, als durch den Stofs wirkt,
80 mufs aus diesem Grunde für die Erhallung des
Sröfsten Effektes eines ober^chlächtigcn Wasserrades
ie Fallshöhe des Wassers vom Gerinne bis in die
Zellen des Rades so klein als möglich genommen
werden, um dadurch das Wasser mehr auf den Druck
als den Stofs zu benützen« Aus den Versuchen des
Herrn Smeaton zeigte sich , dafs , wenn bei demsel-
ben Wasserrade die ganze Fallshöhe des Wassers von
!27 auf 35 Zoll, also nahe im Verhältnisse wie 7 : 9
vermehrt wurde, der Effekt des Rades wie 8' 1 :8* 4
oder nahe wie 7 : 7 . 26 zunahm, so, dafs also die Zu-
nahme des Effektes noch nicht ^ von der Zunahme
der ganzen Gefällshöbe des Wassers betrug. Herr
Papacino d* Antoni leitete bei seinen Versuchen das
Wasser ein Mahl, mittelst einer kurzen Ansatzröhre,
aus dem Gerinne in die obern Zellen des Rades , so,
dafs die Anzahl der Zellen , welche zwischen der,
die das Wasser aufnahm und jener lagen , die es wie*
der ausschüttete, beiläufig \ aller im ganzen Rade
befindlichen Zellen ausmachten; ein zweites Mahl
wurde das' Wasser mittelst einer viel längeren Ansatz-
röhre in die tiefer stehenden Zellen geleitet, in wel-
chem Fialle die jcwischen beiden gedachten Zellen
a»7
liegenden nur ^ aller Zellen betrugen. Er fand aber
den'gröfsten Effekt im ersten Falle nahe um -^ gros*
aer^ als im zureiten Falle.
Aus allem diesen folget daher: dafs der Effekt
eines oberschla^hügen Wasserrades um so gröfser
&ej, je gröfser der Durchmesser des Rades im Ver-
hältnisse der Gefällshöhe des Wassers ist. Da aber
alles seine Gränzen hat^ so darf man auch hier nicht
zu nveit gehen ^ und in jedem Falle mufs der Durch-
messer eines oberschlächtigen Wasserrades kleiner^
als die Gefällshöhe des Wassers bleiben. Denn er-
stens mufs das Wasser in die Badzellen mit einer
gröfsern Geschwindigkeit^ als mit welcher diese aus-
weichen^ einfallen^ weil sonst die Schaufeln gegen
den einstürzenden Wasserstrom stofsen^ und schon
dadurch eine Verminderung des Effektes hervorge-
bracht^ als auch das Wasser verspritzt^ und so der
Wirkung ebenfalls entzogen würde ; es mufs also das
Wasser, bevor es in die Zellen kommt^ von einer
gewissen Höhe herabgefallen seyn, um diese Ge-
schwindigkeit erlangt zu haben. Zum andern darf
man auch das Rad keinesweges im Unterwasser waten
lassen s), weil nicht nur das Rad sehr oft eine grös-
sere Geschwindigkeit als das unten abflielsende Was-
5er hat, und daher nothwendig eine Gegenwirkung
auf das Rad entstehen mufs; sondern auch die Zellen
theils durcb das Einsaugen, theils durch die Adhär
non, Wasser auf die entgegengesetzte Seite mit hin-
" ■ - - ■- ,
i) la diesem Falle hat natürlich das unten abfliefsende Wasser
mit der Bewegung der unten eingetauchten Zellen einerlei
Richtung; in England werden die Gerinne grofsten Theils
so einfferichlet , dafs das Bad die entgegengesetzte Bewe-
gnng ües oben euflieisenden Wassers behommt. Herr /?o-
iisoif^ erwähnet, ein oberschlächtiges Wasserrad gesehen zu
haben, welches bei i4 Fufs Durchmesser, 3 Fu£i tief im
Unterwasser ging, und dadurch sehr vieles Wasser auf die
entgegengesetzte Seite hinaufnahm; nachdem in jede Zelle
i Ldcber von einem Zoll Durchmesser gebohrt wurden,
war diesem Ubelstande abgeholfen , und der Elfeht des Rades
dadurch uai mehr als % vergröfsert.
ai8 ^
'» • ■ . . ^ .
auf nehmen^ und so nieder den Effekt des Rades ver-
mindern; es mufs daher auch noch ein hestimmter
Theil von der ganzen Fallshöhe des Wassers für das
Freihängen des Rades abgezogen werden. .
Obschon aber fiir die Erreichung des gröfsien
Effektes eines oberschlächtigen Wasserrades, dieses so
hoch, als es die gemachten Bemerkungen nur immer
zulassen , ausgeführt werden mufs ; so kann es doch
Fälle geben, jn denen selbst auf Kosten dieses Effek*
tes diese Räder niedriger angelegt werden. Denn
einmahl kann des Überflusses an Wasser wegen, mehr
die leichtere und wohlfeilere Anlage , als der gröfste
Effekt des Rades beabsichtiget werden ; oder es kana
auch bei solchen Maschinen , welche die nöihige Ge-
schwindigkeit nicht durch Vorgelege , sondern unmtt*
telbar vom Wasserrade erhalten müssen , eine gröf^ere
Fallshöhe des Wassers vom Gerinne bis in das Rad
pöthig seyn, und in beiden Fällen wird das Rad da-
her nicht den gröfst möglichsten Durchmesser erhal-
te^. So wird z. B. die Ausführung kleinerer Was-
serräder sehr oft bei Stab-, Blech- und Zainbämmern
nothwendig, bei welchen die Radwelle zugleich
Daumepwelle ist, und die Hämmer (besonders
Schwanzhämmer J schnell hinter einander mit gros-
ser Geschwindigkeit arbeiten müssen; da man die
Zahl der Däumlinge nicht über eine gewisse Zahl
vermehren darf, so mufs man in diesem Falle dem
Wasserrade eine gröfsere Geschwindigkeit geben,
daher wird dieses vermöge dem , was von der Ge-
schwindigkeit des einstürzenden Wassers gesa^ wurde,
eine kleinere Höhe, obschon mit Aufopferung eines
Theils des mechanischen Moments, erhalten müssen.
Es ist jedoch traurig zu sehen, wenn bei einer
bedeutenden Gefallshöhe oberschlächtige Wasser-
räder aus keinem der beiden Gründe so klein ange-
legt werden , dafs die betriebenen Maschinen nicht \
des gewünschten Effektes | der übrigens bei einer
319
lidbtigen Anlage auch leicht zu erreichen ^äre, her-
vorbringen ; so wie mir mehrere solche Falle vorge-
kommen sind.
Endlich mufs ich noch hemerken, dafs^ wenn
die FaUshöhe des Wassers schon sehr bedeutend
wird, und eine gewisse Höhe übersteigt, es dann
nicht mehr rathsam ist, oberschlächtige Wasserräder
anzulegen ; denn einerseits wird die Ausfuhrung sol*
eher gro£ser Räder schon sehr mifslich, die sich über-
diefs noch des grofsen Gewichtes wegen Jeicht wer-
fen und verzieneuy und in den Zapfenlagern eine
grofse Reibung verursachen ; anderseits aber wird
die Anlage solcher Räder durch andere, in diesem
Falle zu Geboihe stehenden Mittel entbehrlich ge-
macht ^).
Regeln ftir die vorth eilhafteste Schaufelstellung
oberschlächtiger Wasserräder«
Es unterliegt wohl ^keinem Zweifel, dafs ein^
mehr oder weniger richtige Schauflung eines ober-
schlächtigen Wasserrades den wesentlichsten Ein-
fluß auf die gröfsere oder geringere Vollkommenheit
desselben haben müsse, und dafs dieser Punkt um
so mehr alle Aufmerksamkeit bedürfe, als er mit Recht
für den wichtigsten im oberschlächtigen Wasserrade
anzusehen ist.
Wenn wir uns an das erinnern > was gleich An-
fangs über die Wirkungsart eines solchen Rades im
Allgemeinen gesagt wurde , so werden wir, der Na-
tur der Sache gemäfs, an ein gut geschaufeltes Rad
folgende Forderung machen ; es soll das Wasser oben
ohne einen nachtheiligen Gegenstofs hervorzubringen
oder verspritzt zu werden, leicht aufgenommen, die*.
^ ) Obschon Herr Eobiton ein oberschlachtiges W^asserrad ge-
sellen haben soll, ivelchcs sich b«i 56 Fufs Durchmesser
noch sehr gut bewegte.
:aao
ses so lange Vfie möglich gehalten , und endlich nahe
an der tiefsten Stelle des R'ades leicht und gänslich
ausgeschüttet werden.. So einfach und natürlich auch
diese Bedingungen vielleicht scheinen mögen, so
schwer sind sie dennoch zu erfüllen, weil sie von so
entgegengesetzter Art sind, dafs gerade die Alitt^l,
welche der einen günstig sind, der andern nachthei-
lig werden«
Da man bei gehöriger Würdigung oherschläcfa-
tiger Wasserräder sehr hald den Nutzen einsehen
mufste, der seihst schon durch eine Annäherung der
vorigen ^Bedingungen fiir den EfTeLt dieser Räder
entsehet; so ist es sehr hegreiflich, dafs man sich
alle Mühe gegeben habe, eine zweckmäßige Schaa-
felstellung aufzufinden. Da aber einerseits nichts
schwieriger war, als diese nach theoretischen Grün-
den auszulmitteln, andererseits aber alles Übrige leich-
ter durch Versuche zu finden war^ als gerade diese
vortheilhafteste Schaufelstellung : so mufsteu noth-
'Wendig bald eben so viele Regeln fiir die zweclmäs-
sigste Schauflung oberschlächtiger Wasserräder ent-
stehen l als Schriftsteller hierü]3er gehandelt haben.
Es wäre zwecklos und ermüdend, alle die Versuche,
die man in dieser Hinsicht gemacht hat, aufzuzählen,
und ich begnüge mich daher nur Folgendes hierilber
anzuführen : *
Man glaubte Anfangs seinen Zweck dadurch zu
erreichen , dafs man das Rad auf der einen Seite, wo
das Wasser aufgenommen wird, mit einem Mantel
umcab, der genau über des Radesumfang pafstej es
ist jedoch leicht zu erachten, dafs selbst bei der ge-
nauesten Ausfuhrung, die übrigens nicht Jedermanns
Sache ist, das Rad entweder an diese Verschalung
streifen, und so eine bedeutende Reibung verursachen,
oder durch den hinlänglich gelasseqen Zwischenraum
vieles Wasser verloren , und so der Wirkung entzogen
welken mufste ; daher ist man Ton dieser Methode,
wieder ganz abgekommen.
Um die Anzahl der Schaufeln zu bestimmen, mul-
tpliciren einige den Halbmesser des Rades in Fufsen
ansgedrückt^ mit einer gewissen Zahl , z« B. mit 6,
so , daü ein Rad^ dessen Halbmesser 8 Fufs betragt^
48 Schaufeln oder Zellen bekommt. Ändere nehmen
wieder 5 ohne die Höhe des Rades zu berücksichti-
gen^ eine gewisse Anzahl von Zollen^ z. B. la oder
i4> för den Abstand zweier auf einander folgenden
Schaufeln am Boden gemessen; so wie es endlich
auch eine ziemlich allgemeine Regel ist, die Breite
des Radkranzes fiir diese Entfernung anzunehmen.
Um die Richtung der Setz-undRiegelschaufelh5)
m erhalten, nimmt Herr Karsten von der Rad*
kranzbreite •§• fiir die Breite der Riegelschaufeln und
zieht in dieser Entfernung zugleich den Kreis, auf
welchem die Theilung der Schaufeln geschieht (den
Theilrifs); wenn nähmlich in Fig. a, ^^^^-o- ist,
so wird durch b der Theilrifs gezogen, und die Thei-
lung der Schaufeln in den Punkten b, 6', b^' etc. ge-
macht. Die Riegelschaufeln b c werden nach dem
Mittelpunkte des Rades gezogen, und um die Rich-
tung der Setzschaufeln bä zu erhalten , wird jeder
Theilungspunkt b mit dem zweiten von diesem aubste^
henden Punkte b" verbunden. Herr Leupold und
nach ihm Herr Beyer in seinem Mühlen-Schauplatze,
nimmt ebenf^ls \ der Radkranzbreite fiir die Breite
der Riegelschaufel (auch Kropfschaufel), setzt aber
3) Man heifst nahmlicli jene Schaafeln , welche dem Radboden
SU nächst liegen, und mit ihren Zapfen die Radkränze su-
aammen verbinden , Riegel*, und fene, welche von derana*
aem Peripherie ^'^^ Kransea bis an den erstem reichen , und
auf diese aufgesetzt sind , Setsschaufeln. Einige Schrift-
a teile r gebrauchen aach für die erstem die Benennung Hropf-
nnd fiir die leutem Stofsschaufeln*
cBe Setz- und Stofsschanfel ao ein, dafs die durch
jeden Theilungspunkt b Fig. 3 gezogene Richtung der*
selben^ den innern Kreis des Radkranzes in einem
Punkte^ tangirt, der in diesem Kreise zwischen bei-
den vorhergehenden Schaufeln in der Mitte liegt.
Die in England gebräuchliche Schaufetstellung
oberschlachtiger Wasserräder ist in Fig. 4 darge-r
stellt. Es stellet nahmlich hier AI oder G H die
Breite des Radkranzes vor ^ welcher in 3 Theile, so
getheilt wird^ dafs AB die Hälfte^ und FC % von
AI beträgt; der Abstand der einen Riegelschaufel
von der Andern, die ebenfalls nach der Richtung des
Halbmessers stehen, wird so genommen, dafs AO-
beiläufig um \ gröfser, als die Breite AI des Rad-
kranzes wird. Die Richtung der Schaufel B C wird
erhalten , indem man den Punkt B mit H verbindet ;
endlich erhält man noch die Richtung der dritten
Schaufel CD durch eine solche Anordnung, dafs DH
ungefähr \ von HI beträgt.
Nach dieser Konstruktion wird die Fläche FABC
sehr nahe gleich der Fläche DABCDy so, dafs also
die bis zur Höhe FC gefüllte Zelle noch alles Wasser
enthält , wenn AD in die horizontale Lage gekommen
ist; dieses geschieht aber, wenn diese Zelle beiläu-
fig noch um einen Bogen von 35 Graden von dem tiefsten t
Punkt des Rades abstehet, und wenn dieser Abstand un-
gefähr noch 2^ Grad beträgt, wird diese das halbe Was-
ser ausgeschüttet haben. Es versteht sich übrigens, dafs
hier eine sehr langsame Bewegung des Rades voraus-
gesetzt wird, um den Einflufs der Fliehekraft des
Wassers , die sonst eine frühere Entleerung der Zellen
zur Folse hätte, vernachläfsigen zu können. In die-
sem Falle also würden die Zellen anfangen Wasser zu
verschütten, wenn diese noch ungefähr um den achten
Theil des Durchmessers oberhalb der tiefsten Stelle
wären, und die halbe Wassermenge würden sie aus-
V
^^3
geschattet haben ^ wenn dieser Abstand beiläufig noch
v\ des Durchmessers betrüge. Es istklar^ dafs^wenn
die Zellen bis über FC gefüllt würden^ auch das
Ausschütten des Wassers früher eintreten müfste und
daher tler Verlust der wirksamen Wassersäule beträcht-
licher wäre ; so wie wieder umgekehrt dieser Verlust
noch unbedeutender würde ^ wenn die Zellen nicht
bis auf diese Höhe FC angefüllt würden.
Es folgt daher^ dafs man den Zellen eine hin-'
reichende Gröfse geben müsse ^ die man aber weniger
durch die Tiefe ^ als die Länge derselben zu errei-
chen hat; eine gehörige Länge der Zellen oder Breite
des Rades hat noch den Vortheil^ dafs beim Ein-
stürzen des Wassers die Luft zu beiden Seiten leicht
entweichen kann^ widrigenfalls das schnelle Eintreten
des Wassers verhindert^ und durch die entweichende
Luft verspritzt würde.
Übrigens mufs noch bemerkt werden^ dafs auch
Alt meisten Mühlenbauer die erwähnte dritte Schau-
fel CD hinweg lassen^ und sich in diesem Falle be-
gnügen^ die Schaufel j9 C bis /f zu verlängern; aber*
dann bekommt auch gewöhnlich die Riegelschaufel
JB den dritten Theil der Radkranzhöhe AI zur.
Breite.
Herr Robert Bums hat vor mehreren Jahren zu
Renfrewshire in England ein oberschlächtiges
Wasserrad von ganz eigener Schauflung, welche vor
der gewöhnlichen grofse Vorzüge besitzen soU^ aus-
geführt. Das Wesentlichste derselben besteht darin,
dafs jede aus 3 Tbeilen j4Bj B C und CD zusam-
mengesetzte Zelle, Fig. 5y noch uberdiefs durch eine,
mit dem Radkranze konzentrische Zwischenwand LM
so abgetheiltist, dafs der dadurch entstehende innere
Raum nahe gleich dem äufsern wird. Bei dieser Ein-
richtung sollen die Zellen, wenn sie bis auf |. gefüllt
aa6
jedem 7ten abstehenden Punkte^ für die Richtung der
Setsschaufeln verbunden i so , dafs also o mit 68, 8
mit 67 , 7 mit 66 ü. s. w. verbunden , die Richtung
der Riegelschaufeln ^ und ebenso, 10 mit 3, 9 mit 2,
8 mit I u. s. w« verbunden, die Richtung der Setz-
schaufehl angeben.
Eine ziemlich einfache , und der Wahrheit zu-
gleich sehr nahe kommende Regel schginet mir die
des Herrn Professor jirzberger zu seyn). sie besteht
in Folgendem: Die Breite des Radkranzes u^ ^, F^g-?»
wird in 8 gleiche Theile getheilet, und durch
den von* ji gegen B gezählten 5ten Theilnngspunkt
D der Theilrifs gezogen, auf welchen die Theilung
der Schaufeln gemacnt wird. Um den ungefähren
Abstand zweier auf einander folgenden Schaufeln im
Theilrisse zn erhalten, werden zur halben Radkranz-
breite, die in Fufsmafs ausgedrückt ist, «/^^ hinzu ad-
dirt, und mit diesem heraus gekommenen Abstände
wird die Peripherie des Theilrisses, ebenfalls inFus*
sen ausgedrückt, gethcilt; der erhaltene Quotient,
oder wenn er nicht selbst schon diese Eigenschaft
hat, die nächste daran liegende ganze, und zugleich,
aus einem noch anzuführenden Grunde, durch 4
theilbai^e Zahl, gibt die Anzahl der Zellen. Sobald
nun diq Ein theilung in den Punkten i, 2i> 3 etc. ge-
macht ist, wird der äufsere Kreis de) Radkranzes,
mit demselben Abstände der Theilung, aus 1 in a,
aus. 2 in b u. s. w« durchschnitten, und a mit 3, Ä
mit 4 u- s« w. fiir die Setzschaufeln verbunden ; einer
dieser Bogen, z. B. ab wird in 5 gleiche Thcile ge-
theilt, und ein solcher 5ter Theil von b gegen a in«,
von c in j3 u. s. w. getragen , um durch die Verbin-
dung von fi mit 3, ß mit 4 ^tc. die Riegelschaufeln
zu erhalten. Zieht man aus C einen Kreis, der die
zuerst gezogene jTtichtung der Riegelschaufel ttAE
in E berührt , so braucht man nur ans den übrigen
Punkten 4 » ^ ^ 6 etc. Tang.enten an diesen Kreb zu
liehen» um dadurdii die fibrigeoRiegelschatifeliioluie
das Auftragen der Punkte ß» y, etc. lu erhalten.
Die Breite des Radkranzes richtet sich, his zu
einer gewissen Granze^ nach der zufliefsenden Was>
sennenge j und man kann sich dabei folgender prak*
cischer Regel bcdieneUi Da man hei gegebener Ge-
schwindigkeit eines Punktes im Umfange des Rades
und der in einer Sekunde zufliefsenden Wassermenge
den Querschnitt des Wasserringes, der sich über den
Um£mg des Rades legen würde, durch die DiTisioa
dieser Geschwindigkeit in die Wassermenge erhält i
so nehme man, des Raumes wegen, den die Schau-
feln wegnehmen, und damit die Zellen eine hinrei-^
chende Gröfse erhalten, diesen gefundenen Quer^^
schnitt 3 Mahl und richte das Ganze so ein, dafs
das Produkt aus der Breite des Radkranzes in die
4 Mahl so große Entfernung beider Radkränze im
Lichten diesem dreifachen Querschnitte gleich witd.
Wenn z. B. die in jeder Sekunde zufliefsende Was^
sennenge M Kubikiufse, die Geschwindigkeit eines
Punktes im Theilrifs c Fufse beträgt^ ' so Wird der
M
Querschnitt des Wasserringes— Quadratfufse sejn;
wenn wir daher die Breite des Radkranzes gleich a,
folglich die Länge der Zellen, oder lichte Entfernung
beider Radkränze gleich 4 ^ seuen , so soll a X 4 ^
=z4a ^=s 3« -;-seyn, mithin wird a=:|>V ' — für die
Breite des Radkranzes« und Aa=i^V für die Enir
' ' c
femung der Radkränze kommen. Sdllte jedoch nach
dieser Regel die Breite des Radkranzes über eimefH
Fofs ausfallen^ so müfste man^ selbst für die grölsten
Rader, bei dieser Breite von einem Fufs, und bei
kleineren Rädern noch darunter stehen bleiben, das
Fehlende aber durch eine gröfsere Länge der Zellen
ersetzen ; weil sonst d urch die zu grofse Annäherung
i5*
des Wassers zum Mittelpunkte des Rades, dieses an
Moment verlieren würde. Gewöhnlich aber fäUt die
Breitenach dieser Regel zwischen 8 und lo Zoll
aus.
> I
Genauere Bestimmung des Effektes oder me-
chanischen Momentes eines oberschlächti^en
Wasserrades. ^
^% Obschen gleich Anfangs gezeigt wurde, wie man
sich die Wirkung des Wassers auf ein oberschlüchii-
Ses Rad vorstellen könne ; so soll dennoch hier^ ohne die
ortige Bedingung eines über dem Umfange des Ra^
des gleichförmig vertheilten Wasserringes anzuneh-
men^ die Sache genauer untersucht, und so wie sie
wirklich Statt findet, glommen werden. Es sey
daher in Fig. 8, ADEB ein Halbkreis, der durch die
Schwerpunkte des in den Zellen befindlichen Was-
sers geht; AB ein vertikaler Durchmesser des Rades;
P die Stelle wo die Zellen geFülU, und E jene, wo
sie wieder ausgeleeret werden vj) ; dazu werde der
^ Winkel JC D =<p, und jener ^C£ = n}/, so wie
endlich der mechanische Halbmesser AC =^CD=^
«... sr gesetzt. Man betrachte nun eine der gcfiill'*
ten Zellen an einer beliebigen Stelle, gesetzt ia Fj
und bezeichne den Winkel ACF mit a; so wird,
wenn das Gewicht des darin enthaltenen Wassers P
' Pfunde beträgt, dieses die Kraft ausdrücken, mit
welcher das Wasser im Punkte F nach der Richtung
der Schwere , oder parallel mit AR wirkt. Zerlegt
man diese Kraft P in zwei auf einander senkrecht
wirkende, nach den Richtungen Fp und F^ p der-
gestalt^ dafs die eine nach dem Mittelpunkte (7, ^^^
n) Da aber das Wasser nicht plöulich ausgeschüttet wird, so
nimmt man Hir £ jenen Punkt, der zwischen der Stell^^tJ»'*^
das Ausfliefsen des Wassers anfangt, und jener, wo es gani-
lich ausgeschüttet ist, in der Mitte liegt; es wird also unter
£ jene Stelle verstanden , bei welchem die bellen bereits die
halbe Wassermenge ausgeschüttet haben.
andere darauf senkrechte also nach der Richlnng der
Tangente inrirkt; so gehet die erstere^ welche irom
Radbodcn auigehohen wird'^ verloren ^ und nur die
leutere oder Tangenlialkraft ^ wirLt auf die Umdre-
hung des Kades. Bezeichnet man daher diese Tan-
gentialkraft mitp, so wird nach bekannten Gesetzen
fiir die Zerlegung der Kräfte^ p - P, Sin. CFP, oder
da der WinkcJ CI y =z JCF=x ist, p^P.Sin. x;
ebenso würde^ wenn man die gegen denRadbodendräk-
kende Kraft mit /?' bezeichnete , p^sssP. Cos. a seyn.
Um ferner einen Ausdruck fiir die Wirkung dieser
Tangentialkraft p bei der Fortbewegung der Zelle zu
erhalten , lasse man ^ da ^ als eine Funktion des ver-
änderlichen Winkels ec, selbst veränderlich' ist^ den
Punkt P uin unendlich wenig fortrücken, so, dafs
der Winkel a um dx vergröfsert, und der zurückge-
legte Weg PF* ^ r dx wird. Da man aber während
dieser unendlich kleinen Fortrückung. die Kr«iftp als
bestandig ansehen kann, so wird man fiir die Wirkung
derselben, die selbst unendlich klein ist, und daher
konsequent bezeichnet werden mufs , folgende Glei-
chung erhalten : d wt=spXrdx=^Pr Sin. a.di. Wird
diese DifTerentialgleicbung integrirt^ so erliäh man
1^=- Br Sin. a-^Cy um die Konstante Czu bestimmen^
erinnere man sich , dafs die Wirkung erst im Punkte
der Füllung Z7 anfängt , also für as=:<^, noch tvsso
ist« Diesem zu Folge hat man o =Pr Sin. 4) -f- C und
daraus C=^—Pr Sin. <p ; wird der Werth dieser Kon-
stante in die obige Gleichung gesetzt, so erhält man
%v = Pr Sin. x-^Pr Sin. (p. Um ferner das vollstän«
dige Integral, oder die ganze Wirkung von dieser
Zelle zu erhalten , verfolge man die Bewegung bis £*,
WD nähmlich die Ausleerung des Wassers geschieht,
d. h. man lasse x bis -4^ wachsen ; in diesem Falle
aber hat man tv=/^ ( rSin. \}/ — r Sin. tp), oder, da
r Sin. \{/ = -^ // und r Sin. iQ^== AG, daher r Sin. 4/
-rSin. <p=JH''AG=iGHis\: w=^PX^ilf. Nun
seyen im ganzen Umfange des Rades n solche ZelleUi
a3o
die alle im BeharruDgsstande in t Sekunden gefallt
werden , vorhanden ; so ist es klar, dafs die Wirkung
während dieser Zeit von t Sekunden n Mahl so grofs^
oder wenn man diese Wirkung mit Pf^ hezeichnety
PF=:nw=in.P. GJffisU Da ferner das mechanische
Moment oder der Effekt^ als das Produkt der Kraft in
die Geschwindigkeit^ nichts anders^ als die Wirkung
in einer Sekunde ist; so wird^ wenn man diesen Ef-
fekt mit j&'he^eichnet^ JJ= - - ■» --1—^ .Da aber
nach der Natur der Bezeichnung das Produkt n . P, die
in ^Sekunden, mithin der Quotient -^^ die in einer
Sekxmde zufliefsende Wassermenge vorstellet; so wird,
wenn man diese letztere Wassermenge in Pfunden
ausgedrückt mit M bezeichnet, JE= mXGff, d. b^
das mechanische Moment , oder der Effekt eines ober^
schlächügen Wasserrades wirc} gefunden , wenn man
die in jeder Sekunde zufliefsende Wassermenge mit
der Höhe multiplicirt, durchweiche das Wasser wäh-
rend dem Verweilen in deji Radzellen vertikal herab-
sinken mufs; dabei aber verstehet es sich von selbst,
dafs sich alle Mafse auf die nähmliche Längeneinheit,
c. B. FuHse beziehen müsfsen, und dafs man diesen
Effekt in Pfbndeii ausgedrückt erhält, wenn inaxi die
Wassermenge Jtf ebenfalls in Pfundep ninunt.
Auf diese Weise wäre nun jpncr Theil der Wir-
kung des Wassers, der durch den Druck auf ein ober-
schlächüges Rad entstehet, abgeleitet, und obgleich
dieser der bei weitem gröfsere ist; so mufs dennoch
auch jener Theil der Wirkung, der nach den obigen
Untersuchungen durch den Stofs des schneller ein-
stürzenden Wassers entstehet, bestimmt, undtnHech*
nüng gebracht werden. Aus der Theorie des Was-
serstolses ist bekannt, dafs, wenn die 3cfaaufel mit
der halben Geschwindigkeit , mit welcher das Walser
anstöfst, ausweicht, der Effekt ein gröfstes, und
a3i
zwar so grofs ist, als wenn dieselbe Wassermenge
durch die halbe Höhe , die der GeschMrindigkeit des
anstofsendea Wassers zugehört^ durch den Druck ge-
wirkt hätte ; so ^ dafs bei einer zufliefsenden Wasser-
menge von M Pfunden in jeder Sekunde , und einer
Höhe h durch welche das Wasser fallt^ der durch-
den Stofs ent^tdiende Effekt unter dieser Yorausset-
' M h
zung gleich — ^ wird. Setzt man daher idie senk-
rechte Hohe MG, um welche der Punkt D unter
der Oberfläche dea Wasserspiegels liegt, gleich h' und
die vorige Hohe GH^=ih, so ist jetzt der ganze Ef-
fekt emes oberschlächtigen Wasserrades, oder EsszM.
h + '^LJll srüf ( Ä+ ^\ Will man diesen Effekt
durch' die ganze Fallshöhe des Wassers oder M W
ausdrücken, so setze man diese gleich U, den senk-
rechten Abstand des Punktes E von der Oberfläche
des Unt^wassers oder HN = K^- , und es ist offen-
bar H-=^K '\'h'\' K' oder h^^H --K — A ' j diesen
Werth von h in die obige Gleichung gesetzt , gibt
Diese Gleichung zeigt übrigens, dafs der Effekt
eines oberschlächtigen Wasserrades um so gröfser
wird , je kleiner die Höhen h* imd h*^ werden ; je
kleiner h* wird, desto kleiner ist die Geschwindiekqit
mit der das Wasser in die Zellen tritt, und desto
kleiner daher mufs die Geschwindigkeit des Rades
seyn , also wieder die Bestätigimg des schon früher
angestellten Satzes; die Höhe h** wird, wenn das
Freihängen des Rades bestimmt ist, um so kleiner,
je länger die Zellen das Wasser behalten , je voUkom-^
mener also die Schauflung des Rades ist.
a32
Anwendung der bisher aufgestellten Sätze und
Regeln auf ein Beispiel.
Aufgabe. Es soll für die Benützung eines Ge-
fälles von i5} Fufs, und einer zufliefsenden Wasser-
menge, die jede Sekunde 4 Kubikfiifs beträgt , ein
oberschläcbtiges Wasserrad am vortheilbaftesten an-
Selegt| und zugleich dessen Effekt aufgefunden wer-
en |x).
Auflösung. Um zuerst den Durchmesser dieses
anzulegenden Wasserrades zu bestimmen^ wollen wir
die Geschwindigkeit desselben so fest setzen^ dafs
ein Punkt im Umfange, in jeder Sekunde ungefähr
einen Weg von 4 Fnfs zurücklegt ; da aber das in die
Zellen stürzende Wasser beiläufig die doppelte Ge-
schwindigkeit, oder 8 Fufs erhalten soUy und zu die-
ser Geschwindigkeit eine Fallhöhe von nahe i • o 3
Fufs gehört , so wollen wir den Scheitel des Rades
um I * I Fufs unter den Wasserspiegel legen. Da fiir
das Freihängen des Rades o* 4 Fufs hinreichend
sind, so bleiben für den Durchmesser des Rades noch
i4 Fufs übrig, #
Da ferner das Radi, mit 4 Fufs Geschwindigkeit
ausweichen soll, so wird der Querschnitt des oben
gedachten Wasserringes, oder —^|=:i, also die Breite
des Radkranzes a in die 4 Mahl so lange Zelle 4^
multiplicirt , oder 4 ^ * = 3 , daher a =s^ \/ 3 j weil
für diesen Fall \/3ai*<^3 genau genug ist, so wird
die Breite des Radkranzes, oder as=' 8G5, und die
Länge der Zellen , oder 4 ^ ^ 3 * 4^ nach der angege-
benen Regel ausfallen. Wir wollen also für die Breite
{i) Ich setze hier voraus, dafs man durch keioe der oben an-
fefUhrten Ursachen , iq der Gecch windigheit oder Gröfse des
lades )>Qdi|igl »ej.
a33
oder Höhe des Radkraozes lo ZoU^ und fiir die
Länge der Zellen, oder lichte Enifernung der beiden
Radkränze 3^ Fufs nehmen.
Führen wir die Schauflung dieses Bade's nach
der xuletz^ angebenen Regel aus, so vi^ird der beiläu*
fige Abstand zweier Schaufeln im Theilrisse , i% 4* )%
S3 ^ Fufs, oder ix Zoll seyn. Wenn also zwei kon-
zentrische Kreise einer mit dem Halbmesser von 7
Fufs, der andere mit 6 Fufs 2 Zoll gezogen sind, der
Abstand dieser beiden Kreise (die Radkranzbreite)
in 8 gleiche Theile getheilt, und durch den 5ten
vom innern gegen den äufsern Kreis gezählten Thei*
lungspunkt der Theilrifs gezogen ist: so wird sein
Durchmesser nahe i 3* 4 tmd die Peripherie desselben
beinahe 4^ Fufs betragen, und da diese Länge durch
den gefundenen Abstand von -{^ Fufs getheUt, nahe
einen Quotienten von 4^ g^^^^ ^^ können wir die
durch 4 theilbare Zahl 48^ für die Anzahl der Zellen
nehmen^ daher den Theilrifs in 4^ gleiche Theile
tbeiien , und die Richtungen der Setz- und Riegel«-
schaufeln nach dieser Regel aufreissen.
«
Um den Effekt oder das mechanische Moment
dieses Rades zu bestimmen , können wir, bei der Ein-
richtung, dafs das Wasser ungefähr in die zweite vom
Scheitel abstehende Zelle einfällt, die in der Formel
vorkommende Höbe ä^=: i '3 Fufs; eben so, wenn
wir annehmen, dafs bei dieser langsamen Bewegung
die Zellen erst bei j8 Grad die halbe Wassermenge
verschüuet haben , ä" = • 7 Fufs setzen. Es wird
daher nach der Formel: E=M \H A" J in
welcher M die in einer Sekunde zufliefsende Wasser^
menge in Pfunden ausgedrückt, oder gleich 4X 56*
4=ss aa5 '6 ist, dieser EQekt, oder E=iüL:x^'6 ( i5 •
5 — •65 — "7) =2a5'öXi4* i5' d. L sehr nahe 8193
Pfunde betragen.
334
Da aber das Rad auch tu>ch die Reibung, die es in
den Zapfenlagern zu erleiden hat, überwinden mufs;
so können wir nicht die ganze gefundene Zahl för den
reinen Nutzeffekt des Rades nehmen, sondern wir
müssen noch jenen Theil der Wirkung, der hiezu
verwendet wird, abziehen. Es ist nicht schwer, nach
ein^m vorläufigen Überschlage ^as Gewicht des Rade^
so weit es dazu nöthig ist, auszumitteln , mithin auch
das Moment der Reibdnc; näherunc^sweise zu bestim-
men. Gesetzt, wir halten nach einem solchen Über-
schlage das Gewicht dieses Rades, welches schon
sehr solid ausgeführt seyn kann , in einer runden Zahl
von beiläufig loooo Pfund gefunden, so. wird^ wenn
wir den Reibungs-Coeffizienten fiir die Zapfen in ih-
ren Lagern gleich o* i4 setzen, die Reibung am Umr
fange der Zapfen i4oo Pfund betragen; nehmen wir
femer den Durchmesser dieser Zapfen zu o * 5 Fuls
an, so wird diese Reibung auf den Theilrifs reducirt
noch beiläufig 52*3 Pfund , mithin , wenn dieses mit
der Geschwindigkeit von 4 Ftifs multiplicirt wird, das
mechanische Moment dieser Reibung 209*2 Pfimd
betragen. Wir erhalten demnach für den reinen
Nutzeffekt dieses Rades 3192-^209' 2 s=:2982 * 8 also
nahe 2983 Pfund, welches, wenn wir das media-
nische Moment eines Pferdes zu 4oo Pfund anneh*
men, wobei wir aber nur während 24 Stunden auf 8
Arbeitsstunden rechnen dürfen, noch et was^ mehr als
^Pferde, die immer gewechselt werden müssen , er-
setzt. Multipliziren wir die in einer Sekunde zuflies»
sende Wassermense in Pfunden, mit der ganzen Ge-
fällshöhe des Wassers, so erhalten wir den Kcafl«"
aufwand des Wassers gleich 4 X5G' 4X i5 • 5 ^3496*
8 Pfund ', also verhält sich der Effekt des Rades zu
diesem Aufwände des Wassers, wie. 2983: 3496*8
oder nahe wie i : i* 1*72, welches, da wir bei der
obigen Untersuchung dieses Verhältnifs im Mittel wie
I : I *5, angenommen haben, schon eine ziemliche
Differenz zu Gunsten des auf diese Art sehr vortheil*
335
haft angelegten oberschlächti^en Wasserrades ist.
Endlich ist es auch leicht zu hestimmen^ "was fiir
Maschinen mit diesem Wasserrade betrieben werden
können^ sobald man nur das mechanische Moment
dieser Maschinen sammt Reibung und allen Hinder-
nissen aufsucht^ und sämmtliche Momente jenem
de$ Wasserrades ziemlich gleich "werden , da femer
dieses Wasserrad in beiläufig loj- Sekunde ein Mahl
. umgehen wird , so kann man auch leicht die Vorge-
lege so anordnen^ dafs die zu betreibenden Maschinen
die nöthige Geschwindigkeit erhallen.
Einige Bemerkungen über die praktische Aus-
, iQhrung oberschlächtiger Wasserräder»
Es ist für den zweckmäfsigen Bau eines ober-
ichlächtigen Wasserrades noch keinesweges hinrei-
chend^ dafs man die nöthigen Abmessungen dessel-
ben^ als: Durchmesser^ Höhe des Radkranzes^ Ent-
fernung der beiden Radkränze u s. w. kennt; son-
dern es mufs noch genau in Erwägung gezogen wer-
den, was für Maschinen damit zu betreiben , was für
Widerslände zu überwinden sind. Ohne diese Be-
rücksichtigung wird man dem Rade selten die eben
erforderliche Stärke geben ^ und dieses entweder zu
schwer oder zu leicht ausführen^ daher im ersten Falle
unoüue Kosten - und Rcibungsvermebrung , im zwei-
ten Falle aber sehr oft einen ungleichförmigen Gang in
der Maschine^ und den baldigen Ruin des Rades her-
beiführen. So mufs z. B. ein solches Rad fiir die zweck-
mäfsige Betreibung von Poch- besonders aber Ham-
merwerken bei weitem stärker und gewichtiger aus-
geführt werden , als dieses bei denselben Abmessun-
gen fbr Mahl- und Scbneidmühlen u. dgl. nothwen-
dig ist Die grofsen Massen^ die bei Hammerwerken
immer neuerdings wieder in Bewegung zu setzen sind,
bringen sowohl einen ungleichförmigen.Gang^ als eine
nachtheilige Erschütterung im Wasserrade hervor^
und wenn man schon aus diesem letztem Grunde die-
a36 .
ses voUkommen stark und solid ausführen mufs^ so
soll man auch, der erstem Ursache' wegen, eine
noch gröfsere Masse mit dem Rade in Verbindung
bringen, damit diese grofsc bewegte Masse diis Un-
gleichförmigkeit im Gange ausgleichen kann«
Einer der wichtigsten Punkte für die hinreichend
sichere und solide Ausfiihruilg oberschlächtiger Rii-
der ist unstreitig die Verbindung des Radkranzes mit
der RadwcIIe, und die gewöhnliche Art, dieses mit-
telst \ier, unter rechten Winkeln sich kreuzenden,
Radarmen , die in die Welle eingelocht sind , zu be-
werkstelligen , ist um so mehr zu tadeln und zu ver-
werfen , als nicht nur diese Welle dadurch geschwächt,
das Wasser in diese Löcher eingesogen, und so das
Faulen derselben befördert, sondern überdiefs di^se
Verbindung und Befestigung dennoch sehr schlecht
und unvollkommen erreicht wird; dieses kann beson-
ders von grofsen und solchen Rädern gesagt werden,
die bei Poch- und Hämmerwerken' im Gebrauche
sind«
Man erhält aber eine vollkommen haltbare Ver-
bindung dadurch, dafs man jenen Theil der Welle,
welchen das Rad einnimmt, vierkantig läfst, und je-
den Radkranz mittelst vier Arme , die dieses Viereck,
umfangen, befestiget ; diese Radarme, werden bei ih-
rem Übereinandergehen nicht ganz eben überplattet
sondern um diese Verschwächung zu vermeiden , nur
etwas in einander eingelassen , und noch mittelst kür-
zern Armstücken , in denen das Übrige eingelassen
ist, durch eiserne Ringe abgebunden und befestiget,
auch umfassen die Radarme das gedachte Viereck auf
eine solche Weise, dafs zwischen dem Quadrate der
Welle und jenem , welches die vier Arme bilden, noch
von allen vier Seiten Pfosten- und keilförmige Bret-
stücke eingeschoben werden können, und dadurch
das Rad gehörig rund gekeilt v)^ und befestiget wer-
den kann.
Bei dieser Art der Verbindung , bei welcher der
ganze Radkranz mit seinen Zellen von acht starken '
Radarmen getragen wird, die oben mit diesem Kranze
zu zwei und zwei, mittelst durchgehenden Schrauben
(welche gesen die Zellen allenthalben dieselbe Lage
bekommen können , da ihre Anzahl durch vier theil-
barist) befestiget sind , und noch wegen dem hin-
länglich grofsen Vierecke um die Welle, den Rad-
kranz in mehr gleich vertheilten Punkten verbinden ;
bleibt fiir die hinlängliche Festigkeit kaum noch etwas
zu wünschen übrig. Will man, besonders bei sehr •
grofsen Rädern, dem Einwurfe begegnen, dafs die
mit den Armen verbundenen Segmente des Kranzes
ungleich sind, so kann man noch zwischen diese, neue
Radarmq anbringei;i, und so eine noch gröfsere Befe-
stigung erlangen t)* In Figur 9 ist das Wesentlichste
einer solchen Verbindung angedeutet.
9) Unter rund keilen verstehet man in der technischen Sprache
dem Rade mittelst der Keile 9 die nach Erfordernifs auf der
einen oder der andern Seite mehr oder weniger cingetrie«
.ben werden , eine solche Lage zu geben , dafs nicht nur die
Ebenen der Kränze auf der Radachse senkrecht stehen« son-
dern besonders auch die äufsere Peripherie des Raden , die
Verbindungslinie der Mittelpunkte beider Wellzapfea , zur
Achse bekommt; dafs es also so umläuft , als wäre dieses
auf seinen Zapfenlagern Ton oben und den Seiten abge-
dreht worden»
ic) Ich sehe daher nicht ein, wie es; um der gewöhnlich un-
sweckmäTsigen Befestigung des Radkranzes mit der Welle
absuhelfen, nothwenmg sey, Räder ganz ohne Arme
auszufuhren, wie Herr Jägersehmidt j Marktscheider im
Departement des Niederrheins , solche Räder erfunden hat
und zum Gebrauche vorschlägt. Diese will Herr Jäger*
Schmidt nähmlich dadurch herstellen, dafs um die Welle
so viele Pfostcnstiicke herum verbunden und befestiget
werden , bis auf diese Weise ein ganz massiver Zylinder,
dessen Durchmesser jenem, den das Wasserrad bekommen
•oll, gleich wird, und auf welchen dann die Radschaufeln
aufgesetzt werden, entstehet. £s wird aber ahne mein
^38
^Die RadkrSnze werden dadurch hergestellt ^ dafs
man für leichtere Räder aus i^ bis 3 zölligen, für
schwerere aber aus 3 bis 42ÖlIigen ^ Pfosten , Felgen,
deren Zahl sich nach der Gröfse des Rades und der
Breite dieser Pfosten richtet , ausschneidet, und da-
von vier Kränze , von denen immer zwei einen Rad-
kranz bilden, zusammensetzt. Die Befestigung zweier
solcher Kränze zu einem Radkranz geschieht, indem
man den einen auf den andern so aufbohrt, und mit-
telst hölzerner Nägel verkeilt^ dafs nie Fuge über
Fuge, sondern immer die Fugen des einen Kranzes
auf die Mitte der Felgen des andern zu liegen kom*'
men ; zuvor mufs man sich aber die Lage von wenig-
stens dreien aufeinander folgenden Setz- und Riegel-
schaufeln aufgerissen, und die zu bohrenden Löcher
auf dem ganzen Kranze so liingetbeilt haben, dafs die
Nägel immer zwischen den zu machenden Nuthenund
3 Zoll von jeder Fuge kommen.
Eine Hauptsache besteht ferner in der genauen
und reinen Ausarbeitung der Nuthen für die Setz- und
Riegelschaufeln , so wie in der gehörigen Zusammen-
setsung und Verbindung dieser Schaufeln mit den
beiden Radkränzen; hierüber merkeich nur kurz Fol-
gendes an: Sobald die beiden Radkränze fertig/ dar-
auf der Theilrifs gezogen, und die Richtungen der
Schaufeln gehörig aufgerissen sind, wird der Abstand
des Theilrisses vom innern Kreise des Kranzes hal-
birt, und durch diesen Halbirungspunkt ein Kreis
konzentrisch mit den übrigen gezogen , wo sich nun
Erinnerung klar, dafs diese Methode höehstens bei kleinen
Rädern angevrenaet werden könne, und dafs, «ielbst schon bei
mittel {^rofsen Rädern durch diese Art der Zusammensetsuns
nicht nur ein ungeheurer^ Druck auf die Zapfenlager, und
daher eine, diesem Drucke entsprechende Reibung, sondern
auch noch ein unniäTsiger Hostenaufwand herbei geführt
werden mii.se. (Man üehe hierüber den Bf rieht des Herrn
de VaujBclairs , im BüUetim de la SociM ^ Encourägememi
p9ur V Industrie nationale. Dosember 1831. Seite 347«)
a3c)
die Bliuelliiiicn der Riegelschaufcln mit diesem gezo-
genen Kreise durchschneiden^ werden die Löcher
für die Zapfen dieser Schaufeln gebohrt^ in jedes
Loch dann eine Lehre von der Dicke der Riegelschau-
fela nach der genauen Richtung eingesetzt^ und die
zu machenden Nuthen^ die sich vom innern Kreise
des Kranzes bis zum Th eilrisse erstrecken^ vorgerissen;
so wie endlich auch noch mittelst einer Lehre die Nu-
then fiir die Setzschaufeln angedeutet^ und diese nach
Umstanden von | bis i Zoll tief ausgearbeitet werden»
Die Radkränze werden *dann durch die Riegelschau-
feb zusammen verbunden, die Zapfen dieser Schau-
feln,, verkeilt , und endlich die Setzschaufelii einge-
schoben und auf den Kanten der Riegelschaufeln , die
etwas weniges höher stehen , damit erstere beim Ein-
schieben fest aufsitzen , mit starken Blattnägeln von
Schob zu Schuh aufgenagelt; dabei darf man aber
nicht vergessen, die obei-e Kante der Setzschaufeln
nach der Richtung ^^ Fig. 7, abzuschärfen , damit
das Wasser leichter in die Zellen einfallen, undd ««ch
das sonst Sutt findende Aufstofsen nicht verspritzt
werden kann.
Die Riegelschaufeln werden nach der Starke des
fiftdes, V0& i^ bis 2 ZoU^ die Setzschaufeln von \
i>is I j., so v^ie endlich der mit der Rad welle paral-
lel laufende Boden von i ^ i } bis 2 Zoll stark aus^
gcföhru
Sollte die Lange der Schaufeln oder lichte Ent^
femong der beiden Radkränze, nach der angebenen
Regel, über 4 F^^s ausfallen, so vfürde man, ohne
den Schaufeln eine für den Raum der Zellen nadh-
theilige Starke zugeben Gefahr laufen, dafs sich
diese ausbiegen ; in diesem Falle setzt man zwischen
beiden Radkränzen noch einen dritten ein , und ord-
i^et dann die Schauflung so an, dais die Schaufeln
der einen Hälfte immer zwischon die der andern zu
stehen kommen ; dadarch erhält man nicht nur eine
Sröfsere Gleiclitörmigkeit im Gange des Rades , son-
ern es wird auch der mittlere Kranz , bei welchem
die Nuthen aar der einen Seite mit jenen auf der
ander^ Seile wechseln^ weniger geschwächt ; es ver-
steht sich übrigens von selbst^ dafs bei der Besttm*
mung der Gröfse der Zellen diese mittlere Kranz-
dicke berücksichtiget werden müsse.
Damit das Wasser ungehindert in die Zellen ein-
fallen kann , legt man den Ausflufs des Wassers gerade
über den Scheitel des Rades an , und schneidet den
Gerinnsboden in einer solchen schiefen Richtung iiin-
auf ^ dafs dadurch der Winkel^ welchen die Setzschau-
fel einer am Scheitel, stehenden Zeile, mit der da ge-
zogenen Tangente des Rades machte halbirt wird
' Die Breite des Gerinnes soll aber beiläufig \ von der
lichten Entfernung der beiclen Radkränze betragen,
damit beim Einstürzen des Wassers in die Zellen^ die
Lub zu beiden Seiten gehörig entweichen kann.
In England werden nicht nur die Radkränze mit
ihren Schaufeln , sondern auch die Welle und Rad-
arme häufig aus Gufseisen hergestellt; da aber solche
Rad^ellen aus Gufseisen , - besonders im Winter, oft
springen und brechen^ so macht man diese entweder
hohl^ wobei man ihnen eine gröfsere Festigkeit geben
kann, oder auch aus Schmiedeeisen. Die Radkränze
bekommen auch in diesem Falle die Nuthen für die^
in einem Stück gegossenen Setz -und Riegelschaufeln;
in den innern Kanten der Kränze werden in gleichen
Abständen Löcher ausgespart^ diese dann mit Holz
ansgekeilt, um den Radboden aufnageln zu können.
Die Öffnung im Gerinne wird nach aer ETmrichtung
des Herrn Smeaton durch einen horizontalen^ auf
dem Gerinnsboden flach aufliegenden , und mittelst
« eines Hebels bewegten Schieber regulirt und geschlos-
sen > der noch^ um in diesem Falle kein Wasser
a4i
durcbzulassen , unten mit Leder versehen ist; seine
Kante ist gegen die . Öffnung scharf und gewöhnlich
von Eis^«
^
Die Ausliihrung solcher Räder aus Gufseisen^
wird aber auch hier zu Lande schon an einigen Or*
ten angetroffen, und ich habe, nebst manchen andern
schönen Einrichtungen, solche gut angeordnete ober«
schlachüge Wasserräder in Blansko^ dem Eisenrjufs-»
werke des Herirn Grafen yon Sabn^ gesehen« Diese
Art der Ausführung ist um so mehr zu empfehlen^
als man dabei die Schaufeln viel schwacher halten
kann, wodurch die Zellen an Lihalt gewinnen } und
wenn gleich die ersten Anschaffungskosten etwas h&^
trächtlicher sind, so werden diese sehr bald durch
die grofse und lange Da^r solcher Räder vollkom-
men ersetzt.
lii.
Zusammenstellung aller bekannten Vor-
richtungen zum Einspannen der durch
Abdrehen zu . bearbeitenden Gegen«
stände«
Von
Karl K arm ar s c hj
ÄBsistenten des Lehrfaches der Technologie am V^ k«
polytechnischen Institute *).
I. jLlas Drehen o^et Drechseln ist ohne allen
Zweifel eine fiir die Verarbeitung der Metalle ^ des
*y Die SU 'diesem Aufsatse gehoriaen Zeichnungen, welche sich
auf Taf. I, II, IV, V und VI befinden, konnten nicht sämmtlich in
solcher Art ausgeführt werdan , dab ihre Gröfsen das in der
:24^
Hokes und ähnlicher Substanzen höchst wichtige
Operation. Sie erfordert aber zugleich von Seite des
Arbeiters eine nicht unbedeutende Geschicklichkeit,
wenn sie anders mit gutem Erfolge vorgenommen wer-
den soll. Dessen ungeachtet wird selbst der geübteste,
mit den besten Werkzeugen versehene Drechsler
nicht im Stande seyn^ irgend ein Stück Holz^ Metall,
oder dgl. mit der gehörigen Vollkommenheit zu bear-
beiten^ wenn die Drehbank , deren er sich bedient,
nicht so eingerichtet ist^. dafs die abzudrehenden Ge-
genstände leicht^ ohne Zeitverlust^ und vollkommen
rund eingespannt werden können ^). Eine vollstän-
dige Zusammenreihung der bis auf diesen Tag zu dem
genannten Zwecke in Anwendung gekommenen Mittel,
hegleitet von kritischen Betrachtungen über die Brauch-
harkeit eine's jeden derselben ^ kann demnacji selbst
{ur den ausgenildeten Praktiker nicht ohne Interesse
seyn; dürfte auch als Vorarbeit für den Verfasser
eines künftig noch zu erscheinenden technologischen
Handbuches einigen W^rth besitzen.
Die Veranlassung zu dem gegenwärtigen Aufsätze
war die Beschreibung zweier neuen ^ von Engländern
erfundenen Verrichtungen zum Einspannen ^.welche
in mehreren auswärtigen Journalen bereits aufgenom-
men wurden ist. Den Zweck ^ welchen ich mir dabei
vorgesetzt, habe ich nicht ohne Schwierigkeit za er-
reichen vermocht ; durch Anschauung in den Wert
Natur Statt findende Verhältnirs gegen einander beobachtet
hätten. Raumeraparnifs einerseits, und mögliebst genaue
Angabe des Details anderseits sind hiervon die Ursachen.
Auf die Versländlichlicit des Ganzen dürfte dieser Umstand
nicht leicht Einflufii haben.
K.
**) Man sagt von einem eingespannten Arbeitsstudie , dafs es
rund laufe^ wenn dessen Achse mit der Achse der Drehbank*
Spindel zusammenfallt, und erliennt dieses an dem Umstände
nars ein auf der Vorderfläche aus dem Mittelpunkte beschrie-
bener Kreis währelnd des Drehens heine auf irgend eine Seite
ausweichende oder schleudernde Bewegung seigt.
a43
Stauen ist ein grofser Theil von den im Nachfolgen-
den beschriebenen Vorrichtungen gesammeh worden^
den man in gedruckten Werken vergebens suchu Was
ich scholl beschrieben fand^ wurde gesichtet^ ge-
ordnet und berichtigt. Bei der Ausarbeitung des
zweiten Abschnittes^« welcher von beimi Di r.hstuhle
gebräuchlichen £inspannungsarten handelt j hat mir
die in der Werkzeugsammlung des Fabrikspodukten-
Kabinettes am polytechnischen Institute befindliche
voUstandige Folge der Uhrmacherwerkzeuge höchst
wesentliche Dienste geleistet. Dessen üngeachtetläugne
ich nicht die MögUchkeit^ dafs eine oder die andere
hierher gehörige Einrichtung meiner Aufmerk-
samkeit entgangen seyn könne; allein man wird
wohl im Stande seyn y die etwa fehlenden in die von
mir hier aufgestellte Reihe einzuschieben.
3. Das Verfahren beim Drechseln ist verschieden,
je nachdem man sich dazu der eigentlichen Drehbank
oder des Drehstuhls bedient. Der Unterschied zwi-
schen diesen beiden Vorrichtungen ist, im Ganzen
genommen, nicht wesentlich, sondern beschränkt
sich auf die Gröfse und auf die Art der Bewegung.
Dafs diese beiden Umstände dennoch auch einige nicht
unbedeutende Abweichungen in dem Verfahren beim
Einspannen hervorbringen müssen, sieht man leicht ein.
Daher halte ich es auch fiir zweckmäfsig , das Ein-
spannen auf dem Drehstuhle von dem, wie es auf der
Drehbank vorgenommen wird, zu trennen, und beide
abgesondert zu behandeln. Bei der Beurtheilung
einer jeden Verfahrungsart soll besondere Rücksicht
genommen werden auf den Grad, der Bequem-
lichkeit und Sicherheit , welchen man sich davon
Tersprechen kann. Hiernach wipd man auch im Stande
seyn, auf die gröfsere oder . geringere Brauchbarkeit
derselben zu schliefsen, da überhaupt jene Einspan-
nungsart für die vorzüglichste angesehen werden mufs,
welche bei gleicher Bequenüichkeit für die meisten
i6*
a44
^aUe anwendbar ist, und die gröfste Genauigkeit in
Rücksicht auf das Rundlaufen des eingespannten Ge*
genstandes gewährt.
I. Von dem Einspannen auf der Drehbank.
3. liie älteste und einfachste Art des^ Einspan«*
nens ist diejenige, wobei das zu bearbeitende Stück
an seinen beiden Enden durch zwei in der Achse des-
selben liegende Spitzen festgehalten wird ')• Man
bedient sich dieses Verfahrens immer ^ wenn sehr
lange Gegenstände abzudrehen sind, die an den bei--
den Enden festgehalten werden müssen ; aufserdem
aber aiich i|i mehreren anderen Fällen.
Zu diesem Behufe wird in das vordere Ende der
Spindel Ä (Fig.6,Taf. L) eJn so genanter Körner '),
q, eingeschraubt. Die andere Spitze (A* , Fig. a) be-
findet sich in dem Reitstocke i der Drehbank. Sie
ist in einer zylindrischen Höhlung desselben verschieb-
bar, damit sie durch Hülfe der Schraube / nach Be-
dürfnifs vor - oder rückwärts bewegt werden könne.
Zu ihrer Feststellung dient eine andere Schraube , /i.
Übrigens kann der ganze Reitstock, da man bald lange,
bald kurze Stücke zu bearbeiten hat, nach der Länge
der Drehbank bewegt, uud unter derselben durch
— -»— I , ■ ' - -
^) Aus einer der Description de tEgypte beigefugten Kupfer-
tatcl ersieht man , dafa die Drechsler im Orient sich eben-
falls dieser Art einMtspannen bedienen. Ihre Drehbank hat
jedoch dfe meiste Ähnnchlieit mit dem gemeinen Drehstuhle
unserer Uhrmacher , indem die Arbeit wie bei diesem durch
einen Bogen in Umdrehung gesetst wird. Zum Andrücken
des Drehstahls bedient sich der vor der Drehbank iiiumde
Arbeiter des Fufsea.
s) Körner heilet bei vielen Arbeitern überhaupt Jede kegell^r*
mige Spitze aus gehärtetem Stahl. So bedient man sich der
Körner , um durch einen mit dem Hammer darauf i^fUhrtea
Schlag die Stelle vorzuseichnen 9 w^ in irgendein Stück
Metall ein Loch gebohrt werden seil. Körner nennt man
gleichfalls die durch eine Solche Spitze hervorgebrachte ke-
gelförmige Vertiefung.
a45
einen Keil^ m^ festgestellt werden. Da die Umdre-
hung der Spindel b (Fig. 3 und G) nicht hinreicht^
den eingespannten Gegenstand herum zu fuhren , so
ist für diesen Zweck ein eigener Führer angebracht,
dessen Einrichtung zwar verschiedener Abänderungen
empfänglich ist , der aber am häufigsten di^ in der
Zeichnung (Fig. 6 ) angegebene Gestalt hat. Er be-
steht nähmlich aus einem eisernen Kloben s (der seiner
Gestalt wegen oft das Herz genannt wird), welcher mit-
telst einer Stellschraube, und auf die in Fig. 7 bemerk-
te Art, an das abzudrehende Stück t festgemacht
wird. Durch den Kömer q steckt man dann ein win-
kelförmig gebogenes Eisenstück r, welches bei der
Umdrehung der Spindel den an der Arbeit befindli-
chen Kloben s , und somit auch die Arbeit selbst her-
umfuhrt.
«
Das Drehen zwischen Spitzen gestattet unter
allen Arten des Einspannens die meiste Genauigkeit;
vorausgesetzt, dafs beide Spitzen selbst in einer
mit der Achse* der Spindel vollkommen zusam-
mentreffenden Linie hegen , was man leicht dadurch
erkennt, dafs dieselben, wenn sie einander genähert
werden , genau auf einander treffen. Doch können,
wie man leicht sieht, Gegenstände, welche auf ihrer
Vorderfläche abgedreht werden sollen^ nicht auf
diese Art befestigt werden«
4« Man kann bei dem Drehen zwischen Spitzen
des zuvor beschriebenen Führers entbehren, wenn
man statt eines an der. Spindel befindlichen Körners
sich der bei den Drechslern unter dem Nahmen des
Zwirls bekannten Vorrichtung bedient. In diesem
Falle wird unmittelbar an das vordere Ende der Spin-
del ein messingener Spindelkopf (Fig. 5 , Taf. I) hei
o festgeschraubt, in dessen weiteres Ende p man den
eigentlichen Zwirl(Fig. 9) einschraubt. Dieser letz-
tere besitzt aufser der eisernen Spitze a noch ein Paar
schneidige und spitzige Theile Oj c, welche sich in
346
die Arbeit eindrücken^ \renn von der andern Seile
der im Reitstocke befindliche Körner vorgesetzt wird.
Dieser Art einzuspannen kann man sich, begreiflicher
Weise, nur dann bedienen, wenn Holz gedreht wird^
während die Anwendung des vorhin ( §• 3 ) beschrie-
benen Führers sich auf die Metallarbeit beschränkt.
5. Bei jenen älteren Drehbänken, denen die Spin-
del gänzlich mangelte, und auf welchen Alles zwi-
schen Spitzen mit Hülfe der Wippe oder des Pilaster-
bogens gedreht wurde, kam doch oft genug der Fall
vor, wo schlechterdings diese Art des Einspannens
unanwendbar gefunden werden mufste. Bei solchen
Gelegenheiten bediente man sich der sogenannten
Anlaufscheibe (Taf H , Fig. g) , welche aber gegen-
wärtig, da die Drehbänke durchaus ,eine verbesserte
Einrichtung besitzen , kaum mehr benützt wird. Eine
solche Scheibe, c, ist von Messing ocjer Buxbaum-
holz, und besitzt an ihrem Umkreise eine gewisse
Anzahl konisch versenkter Löcher von abfallender
Gröfse, deren Mittelpunkte sämmtlich gleich weit
vom Zentrum der Scneibe entfernt sind. Mittelst
einer vorgelegten Schraubenmutter a wird dieselbe an
der Docke d der Drehbank so befestigt, dafs sie sich
nach Belieben drehen und feststellen läfst j der Mit-
telpunkt des oben stehenden Loches befindet sich da-
bei jedes Mahl dem Körner der zweiten Docke gegen-
über. Die abzudrehende Arbeit b wird einerseits
durch diesen Körner festgehalten , während sie mit
ihrem andern konisch gedrehten Ende in einem pas*
senden Loche der Scheibe liegt; der Beurtheilung
des Arbeiters bleibt es überlassen, die hierbei Statt
findende Reibung durch Stellung der Docke so sehr
als möglich zu mäfsigen, ohne der Genauigkeit der
Bewegung zu schaden. Man kann mittelst dieser Vor-
richtung ohne Anstand hohl drehen und bohren , zu
welchem Ende auf die Docke eine wie gewöhnlich
gestaltete Auflage , e , befestigt ist. Nöthigen Falles
kann auch ein einziges Loch statt vieler dienen , wenn
^4?
man dasselbe nach Bedürfnifs zu erweitern oder zu
verengen im Stande ist. Die da^u nöthige Vorrich-
tung ist in Fig. 10 abgebildet. Sie besteht aus einer
mit einem Gewinde a versehenen zweitheiligen Platte^
deren öfinung c durch eine bei b angebrachte Schraube
der angegebenen Veränderung empfänglich gemacht
wird. Der Ausschnitt d dient zur Befestigung an die
Docke der Drehbank. Sowohl diese Vorrichtung^
als die oben beschriebene Anlaufscheibe Verden jetzt
sehr zweckmäfsig durch verschiedene Arten von Fut--
fern ersetzt, von denen im Nachfolgenden die Rede
ist Häufiger im Gebrauch ist dagegen selbst jetzt
noch die in Fig. 47 gezeichnete^ und unter dem Nah-
men Lunette bekannte V orrichtung. Dieselbe besteht
aus einer Art von eisernem Rahmen aa^ \n welchem
zwei halbrund ausgeschnittene hölzerne Backen oo
eingelegt, und durch Schraubenmuttern n y welche
unmittelbar auf das bewegliche Querstück zz wirken,
Segen einander geprefst werden. Diese Backen bil-
en hierdurch eine kreisrunde Öffnung als Lager fiir
das Arbeitsstück, welches hinten in dem Körner der
Spindel läuft, und dessen Vorderfläche somit frei
bleibu Der ganze Apparat wird mittelst der Gabel i
an den Reitstock der Drehbank befestigt, jedes Mahl
so, dafs die öf&iung der Backen genau in aie verlän-
gerte Achse der Spindel fällt. Begreifen wird man, dafs
ein öfteres Wechseln der Backen nöthigist, weil man
oft solche mit engern odei^ weitern Ausschnitten an-
.vrenden mufs. Dieser Umstand hat jedoch keinen
Einflufs auf die Brauchbarki^it der Vorrichtung, da
{*ene Backen einfache Bretchen sind, die mit dem
lalbrunden Ausschnitte versehen, und von oben in
den eisernen Rahmen eingeschoben werden.
6. Es ist schon (§. 3.) berührt worden, dafs das .
Einspannen zwischen zwei Spitzen bei weitem nicht
überall anwendbar sey. Für jene Fälle nähmlich, wo
irgend ein Stüek, welches keine bedeutende Länge
hat, oder welches auf der Vorderflächc bearbeitet
348
werden soU^ einzuspannen ist, bedient man sich eines
gans andern Mittels , nähmlicb der so genannten Fut^
ter Q4er Patronen^ von welchen die Arbeit an einem
einzigen Ende hinlänglich fest gehalten werden kann.
Die gewöhnlichen Futter haben eine sehr einfache
Gestalt (Fig. ro, Taf. I.)- Sie hestehen n&hmlich
in einem vorn ausgehöhlten Stück, welches in den
Fig. 5 abgebildeten Kopf der Spindel geschraubt, und
in dessen Öffnung der abzudrehende Gegenstand durch
Hammerschläge hinein geprefst wird. Man macht sie
aus Holz, seltener aus Messing. Will man die Futter
unmittelbar auf die Spindel der Drehbank anbringen,
so gibt taian ihnen die in Fig, 1 1 im Durchschnitt ab-
gebildete Gestalt/ Bei den meisten Drechslern ist
diese die gewöhnlichste Art des Einspannens , und sie
hat die grofse Bequemlichkeit fiir sich , mit Vi^elcher
die Arbeit^ sie mag wie immer geformt seyn, festge-
macht werden kann. Dagegen sieht man leicht , dafs,
besonders bei etwas längeren Stücken, ein voUkom*
menes Rundlaufen nur schwer zu bewirken seyn
möchte > ein Umstand, der freilich bei ordinalen Ar-
beiten wenig zn sagen hat.
r
Die Zinngießer bedienen sich lum Einspannen
derjenigen Arbeiten, welche durch Abdrehen ihre
Rundung erhalten sollen, ebenfalls der Futter, oder
so genannten Stöcke, Es sind dieses hölzerne Zylin-
der, welche entweder unmittelbar auf das s^ier^
kantige Ende der Drehbank«- Spindel aufgesteckt,
oder auch in einen messingenen Kopf eingeschraubt
Werden« Auf ihrer vordem Seite dreht man dieselben
nach der Form des zu bearbeitenden Gegenstandes
hohl aus, und bestreicht sie mit Kreide. Um die
Arbeit fest zu halten, bringt man am Rande des Stok-
kes drei Stücke Zinn an , welchen auf der dem Mit-
telpunkte zugekehrten Seite ein runder Einschnitt ge-
geben, und zwischen die das Arbeitsstück einge-
klemmt Mrird. Im Gänsen genommen ist die Dreh-
bank oAev Drehlade der Zinngiefser einer inreit gerin-
gem Genauigkeit empfänglich, als jene des Drechslers.
7. Diese Futter sind für die allermeisten Fälle hin-
reichend j und ihre Gestalt erleidet nur selten einige
Abänderungen, die aber immer durch den Zweck der
Bearbeitung bedingt werden mufs. Als Beispiel einer
solchen Verschiedenheit mag die in Fig. 6 (Taf. 11)
gezeichnete Vorrichtung dienen, welche für den Fall
ihre Anwendung findet, dafs man aus einer Kugel
durch Abdrehen gewisser Tb eile einen vieleckigen
Körper bilden will. Ein gemeines Futter aa^ wel-
ches mil Hülfe der Schraubenmutter c auf der Dreh-
bank-Spindel befestigt wird, und dessen Höhlung
halbkugelformig gestahet ist, wird nähmlich mit
einem aufgeschraubten Deckel ter.sehen, der in seiner
Mitte so durchbrochen ist, dafs ein Theil der einge-
spannten Kugel b durchsieht. Diese letztere wird
hierdurch nicht nur sehr fest gehalten , sondern man
hat zugleich auch den Vortheil, dafs nur der Deckel
etwas locker geschraubt werden darf, wenn man die
Kugel drehen will, ohne dem Rundlaufen derselben
Eüntrag zu thun.
Erwähnung verdient hierauch jene, auf Taf. I,
Fig. 20 abgebildete Vorrichtung, welche bei den
Drechslern unter der Benennung des Zangenfutters'
bekannt ist, und den Zwe<;k hat, das Einspannen
eines flachen Arbeitsstückes aucb aufser dem Mitiel-
E unkte auf eine leichte Art möglich zu machen. Sie
esteht aus zwei viereckigen Bretchen, von denen
das hintere mittelst der Schraube a in den Kopf der
Spindel befestigt werden kann. An diesem Brete sind
zugleich zwei Scbraubenspincleln angebracht, welche
durch eben so viele Löcher des vordem Bretchens
durchgehen , und mit kleinen Schraubenmuttern ver-
sehen sind. Durch das Anziehen dieser lÜuttem wer-
den beide Bretchcn gegen einander gedrückt^ um die
einzuspannende Arbeit festzuhalten. Im Mittelpunkte
des vordem Bretes ist ein rundes Loch ausgeschnit-
ten^ damit, nf an mit dem Werkzeuge bequem an die
Arbeit gelangen könne. Dafs die Anwendung dieses
Futters ziemlich beschränkt seyn müsse, sieht man
bald ohne Erläuterung ein. Man bedient sicli
desselben z. B. wenn in ein flaches Stück Holz an
verschiedenen Stellen Löcher gebohrt , oder Vertie-
fungen eingedreht werden sollen.
8. Die gemeinen Futter sind , wie man schon aus
ihrer Beschreibung abgenommen haben wird, nur
zum Einspannen für Gegenstände von einerlei Dicke
anwendbar. Es wäre jedoch viel zu umständlich,
wenn der Drechsler sich für jede neue Arbeit auch
ein anderes Futter verfertigen müfsta Zwar hilft man
sich meist dadurch , dafs man in ein schon vorhande-
nes gröfseres Futter einen Holzpfropf eintreibt, und
diesen bis zu der nöthigen Weite ausdreht. Oft aber
ist selbst dieses Verfahren zu viel zeitraubend; und
manchmahl geschieht es auch, dafs ein schon ganz
bearbeitetes- Stück, an welchem Hammerschläge nicht
leicht angebracht werden können, einzuspannen ist.
In diesen Fällen bedient man sich der so genannten
Klemmfutter, in welche Gegenstände verschiedener
Gröfse leicht fest gemacht werden können.
Die einfachste Art der Klemmfutter besteht aus
zwei Holzstücken, welche, wenn sie zusammengesetzt
werden , in ihrer Mitte eine runde Höhlung zum Ein-
legen der Arbeit lassen, und durch Einschlagen in
ein gewöhnliches Futter fest gegen einander geprcfst
werden. Die beiden Zeichnungen Fig. i3 und t4
auf Taf. J[ sind bestimmt, diese Einrichtung zu versinn-
lichen. Fig. i3 zeigt die eine Hälfte eines solchen
Klemnif utters , die, wie man sieht, gegen das Ende
verjüngt zugeht 3 in Fig. i4 ist aa die vordere Ansicht
a5i
des ganzen Klemmfdtters,.^ die eingespannte Arbeit;^
und cc das gemeine Futter, welches das Ganze zusam-
menhält.
Bequemer als diese Art der Klemmfutter ist eine
andere, von welcher Fig. i5 eine Vorstellung gibt.
Man kann jedes gemeine Futter in ein solches Klemm-
futter umwandeln , wenn man mit der Säge zwei über
Kreuz gehende Einschnitte in dasselbe macht, am
hintern Ende eine Rinne aa eindreht, damit die wei-
ter ^egen vorn ;u liegenden Theile sich etwas federn
können , und endlich einen messingenen Ring b c auf-
steckt , der das ganze Futter um so stärker zusammen-
prefst, je mehr er gegen das dickere Ende bei a ge-
schoben vdrd. Man kann dem Ringe b c auf seiner
Innern Seite , und eben so dem Umkreise des Futters
Schraubengänge geben, und solchergestalt den Ring
nach Bedürfnifs vor -oder rückwärts schrauben ; allein
dieses Verfahren ist nicht nur etwas umständlich, son-
dern gestattet auch die Vortheile nicht, die man sich
etwa davon versprechen könnte. Es ist zwar nicht
zu läugnen, dafs* hierbei die Verengerung des Futters
gleichförmiger und sanfter vor sich gehe, als wenn
der Ring mit dem Hammer angetrieben wird ; aber
bei dem eben genannten Verfahren steht es auch in
der Gewalt des Arbeiters, die bereits eingespannte Ar-
beit durch die auf verschiedene Seiten des Ringes ge-
richteten Schläge ganz rund zu richten, was im er-
sten Falle natürlicher Weise nicht angeht, indem
beim Zusammenschrauben des Futters sich alle Theile
in gleichem ,Mafse gegen den Mittelpimkt bewegen.
Die beiden beschriebenen Arten der Klemmfut-
ter kommen zwar am häufigsten vor, sind aber
doch nur dann anwendbar, wenn die einzuspannende
Arbeit am hintern Ende rund ist. Für jene Fälle,
wo man anders geformte Gegenstände auf der Dreh-
bank fest machen will, wird man sich der in Fig. iG
gcEeichneten Fuiter mit Vortheil bedienen. Sie un-
terscheiden sich von den gewöhnlichen dadurch^ dafs
sie statt der runden Höhlung eine nach der Quere ge-
hende Spalte besitzen , in welche der abzudrehende
Gegenstand eingelegt wird. Eine mit einer Flügel-
mutter versehene Schraube ist bestimmt , beide Hälf-
ten zusammen zu pressen , und solchergestalt die Ar-
beit f(ftstzuhalten. Beider Verfertigung der Tabak-
pfeifenröhre , so wie in manchen anderen Fällen, wer-
den diese Futter in Anwendung gesetzt.
9. Zum Einspannen von Holz ist auch die in Fig.
17 gezeichnete Vorrichtung^ wiewohl nicht sehr häu-
fig, im Gebrauchs Eine Scheibe aa, welche bei
d in den (Fig. 5 gezeichneten ) Kopf der Spindel ein-
geschraubt werden kann, tragt eine tttarke Holz-
schraube c, an welche die Arbeit unmittelbar befe-
stigt wird. Die Scheibe selbst dient der Arbeit zur
Grundfläche, und mufs daher ganz eben abgedreht
seyn. Damit man im Stande Bey, die Schraube c,
wenn sie unbrauchbar geworden ist, leicht mit einer
neuen zu vertauschen , kann sie mit einer viereckigen
Verlängerung versehen , diese durch ein viereckiges
Loch in der Scheibe gesteckt, und hinter derselben
mit einer Schraubenmutter befestigt werden. Statt
der Holzschraube c ist es auch hinreichend , einen
vierkantigen eisernen Stift anzubringen , auf welchen
die vorher mit einem runden etwas kleinern Loche
versehene Arbeit mittelst des Hammers aufgetrieben
wird. Mit dieser Vorrichtung hat eine andere Ahn«*
lichkeit, welche in Fig. 37 im Dnrchschnitt abgebil-
det ist, und zum Einspannen flacher Gegenstände,
welche in ihrem Mittelpunkte ei^^<lurcbgehendes Loch
besitzen, hin und wieder angewendet vrird. In* ein
gemeines , auf der Drehbankspindel befestigtes Futter
aaa wird eine messingene Scneibe b 6 eingeschraubt,
welche in c 0 einen Hals znm Aufstecken der Arbeit
besitzt. Die letztere wird durch .eine an der Schraub-
a53
Spindel dd befindliche Mutter, e, festgehalten. Der
Hals c mufs begreiflicher Weise eine dem Loche des
Arbeitsstückes angemessene Stärke besitzen^ und die
Fläche der Sclieibe b, welche der Arbeit zur Anlage
dient, dreht man gerU' bei jedesmahligem Einspannen
neu ab, um die möglichste Genauigkeit beim Rund*
laufen zu erhalten.
Will man ein grofseres Stück Holz bearbei-
ten, dessen Mittelpunkt nicht durchbohrt wer-
den darf, so bedient man sich einer Art yon
Kopf, welche aus einer messingenen Platte be-
stellt, und an das vordere Ende der Drehbankspin-
del festgeschraubt wird. An dem^ Umkreise dieser
Platte befinden sich drei Locher, durchweiche eben
so viele Holzschrauben gehen, deren Köpfe hinter-
wärts sind. Durch diese Schrauben kann denn die
Arbeit ebenfalls bequem gehalten werden (Fig- 19)-
Es gibt unzählige Fälle, wo dieses Mittel mit Vortheil
angewendet werden kann ; doch wird dieses immer
nur dann der Fall seyn, wenn die Verunstaltung der
Arbeit durch die gebohrten Löcher nichts zu bedeu-
ten hat. Es gibt auch solche mit drei einfachen eisernen
Spitzen versehene Scheiben (Fig. 18), auf welche
die Arbeit aufgeschlagen wird. Weil aber diese Spit-
zen allein nicht hinreichend sind, die Arbeit zu hal-
ten , so wird auf die vordere Fläche derselben der im
Reitstocke befindliche Körner angesetzt, imter wel-
chen man noch ein flaches Stückchen unterlegt , da-
mit die Arbeit dmrch die Spitze nicht beschädigt
werde.
10. Die in den letzten sechs §§. (4 — 9) be-
schriebenen Vorrrchtungen zum Einspannen werden
in der Regel nur fiir Holz und ähnliche weiche Sub-
stanzen, welche dem Abdrehen keinen sehr bedeu-»
t^nden Widerstand entgegensetzen, angewendet. Me-
tadle dreht man entweder (sind es längere Stücke)
254
zwischen Spitzen > oder man bedient sich dazu eige-
ner Vorrichtungen ^ die wieder von sehr verschiede-
ner Art seyn können. Eine derselben , die ziemlich
häufig vorkommt ^ ist in Fig. a (Taf. II) abgebildet.
Sie besteht, wie man sieht, aus zwei Backen, by by
die sich durch das Anziehen der Flügclsclirauben d^dy
einander nähern lassen , während sie beim Nachlassen
dieser Schrauben durch kleine Spiralfedern aus Eisen-
draht, welche hei i,/, liegen, aus einander getrie-
ben werden. Die Schrauben ^, e, welche jedes
Mahl so weit eingedreht werden , dafs ihre Spit-
zen den Theil j des Kopfes berühren, sind be-
stimmt, die beiden Backen ganz unbeweglich fest
zu stellen. Der Theil f^ der nach seiner gan-*
zen Länge durchbohrt ist, endigt sich in eine
Schraube, und ist bei c mittelst einer vorgeleg-
ten Mutter befestigt. Die Schraube a , welche zum
Einschrauben der Vorrichtung in den Spindelkopf
dient, ist, nebst der daran benndlicben Scheibe /,
von Messing; alle übrigen Theilc bestehen aus Eisen;
die Backen müssen dort, wo sie die Arbeit fassen,
verstählt werden. Das abzudrehende Metallstück
(welches jedoch immer nur von geringer Dicke scjrn
kann) wird in die Durchbohrung von J^gesteckt, und
vorn zwischen die Backen b b eingeklemmt. Dafs
man hierbei diese letztern um gleich viel von dem
Mittelstücke y entfernen müsse, um die Arbeit zum
vollkommenen Rundlaufen zu bringen, leuchtet ohne
Erinnerung ein ; eben so die Unmöglichkeit mittelst
dieser Vorrichtung andere Gegenstände^ als höch-
stens starke Metalldrähte, einzuspannen. Das Nahmli-
che gilt von der in Fig; 3 1 (Taf VI) gezeichneten Vor-
richtung, deren Backen sich an Gewinden^ wie die eines
Feilklobens, bewegen.
Ein Kopf von ähnlicher Einrichtung ist der auf
Taf. IV, Fig. 19 vorgestellte. Die zum Festhaltendes
Arbeitsstückes bestimmten Backen cc laufen hier
zwischen zwei Linealen dd^^ und werden durch zwei
a55
Schrauben ^ deren Köpfe man bei b k ^ieht , geführt.
Mittelst des Anschlages a schraubt man die ganze
Vorrichtung an die Spindel der Drehbank fest. —
Ziemlich dieselbe Konstruktion zeigt der in Fig. 20
(Tai. IV ) abgebildete Kopf> dessen sämmtliche Theile
auf einer runden hölzernen oder Qiessingenen Scheibe
fest sind. Die ebernen Backen a^ welche gleichfalls
durch Schrauben^ cc^ gestellt werden^ liegen hier
in einem eisernen Rahmen bby und zwischen sie wird
das abzudrehende Stück (Eisen oder Messing) ein-
gespannt.
I^ie beschriebenen Vorrichtungen gehören, wie
sich aus dem Obigen ergeben haben wird, nicht mehr
zu den einfacheren : dessen ungeachtet hat man sie noch
weiter auszubilden und zu vervollkommnen getrach-
teu — So hat man z. B Köpfe, an denen die beiden
Backen mitteist einer Stellscnraube, welche zur Hälfte
rechte, zur Hälfte linke Gänge besitzt, von einander
entfernt werden können, ohne ihren gleichen Ab^
stand vom Mittelpunkte zu verlieren.
II. Zum Einspannen dünner Metallstücke dient
häufig auch die in Fig. 3 (Taf. ü) nach zwei Ansich-
ten gezeichnete Vorrichtung. Es ist dieselbe ein ge-
meines, aus Messing verfertigtes Futter, welches mit
seinem hintern Theue a auf die Spindel der Dreh-
bank festgeschraubt wird, und in welchem das Ar-
beitsstück durch acht auf das Mittel zugehende Schrau-
ben c c (von denen je zwei und zwei hinter einander
stehen) gehalten wird. Einleuchtend ist es, dafs
die Spitzen dieser Schrauben immer in gleicher Ent-
fernung vom Mittelpunkte des Futters bleiben müssen,
wenn der einspannte Gegenstand zum Rundlaufen ge-
bracht werden soll. Da nun eine solche Adjustirung
der Schrauben nicht ganz leicht ist , so setzt auch der
Gebrauch des Futters einige Übung voraus. Räthlich
ist es daher , im Hintergrunde des Futters eine Spitze
anzubringen , zwischen diese und die Spitze des ge-
genüber stehenden Reitstockes die Arbeit einzulegen.
a56
dieselbe rund zu richten , und dann erst die Schrau-
. ben anzuziehen. Hat man Ursache , eine Beschädi-
gung der Arbeit durch die Spitzen der Schrauben zu
befürchten^ so ist es gut^ kleine nach der passenden
Form Kugeleilte Blechstückcheh zwischen einzulegen^
eine Vorsicht^ welche besonders dann nicht aufser
^ Acht gelassen werden darf, wenn ein am hintern Ende
schon fertiges Stück eingespannt werden mufs«
v,Man bedient sich dieser Vorrichtung auch sehr
oft tum Einspannen derjenigen Bohrer, mit denen
auf der Drehbank gebohrt werden soll, und die dann
am hintern Ende vierkantig sind , 4amit die Schrau-
ben cc auf die Flächen drücken können. Solche Boh-
rer werden wohl auch blofs in ein messingenes, an
der Drehbank -Spindel befestigtes Futter eingesteckt,
oder in den Kopf der Spindel (Taf. I. Fig. 5) einge-
schraubt, zu welchem Behufe sie die in Fig. 4 ( ^^f*
II) abgebildete Form, nähmlich am Ende eine höU
zerne Schraube besitzen«
12. Hierhergehört auch die in Fig. i (Taf. 11)
gezeichnete Art von Futter, welche zwar sehr sinn-
reich ausgedacht, nichts desto weniger aber, der
Beschränktheit ihrer Anwendung wegen, nicht sehr
bekannt ist. Das Hauptsächlichste davon besteht in
zwei eisernen Winkeln , i und Ar , welche durch die
damit verbundenen Schrauben g g einander genähert
werden , und zwischen sich das zu bearbeitende Me-
tallstück (welches meist dicker Draht ist) festhalten.
Jene beiden Winkel liegen in einem eisernen Gehäuse,
dessen Gestalt aus den Zeichnungen J3 und C hinrei-
chend deutlich wird. Es besteht nähmlich aus einer
kreisrunden Platte , in deren Mittel sich eine konische
Öffnung für den Durchgang des Arbeitsstückes befin-
det, und welche zugleich mit vier kleineren Löchern
versehen ist, um an das eigentliche, aus Messing
verfertigte Futter a festgeschraubt zu werden. Fig. i • Jl
zeigt dieses Futter nebst dem abgenommenen Gehäuse
von der Seite gesehen; B und C sind die vordere nnd
hinterls Ansicht des die Winkel enthaltenden Gehäu-^
ses ; D ist die vordere Ansicht des Futters (ji) ; und
£ zeigt die Detail- Einrichtung der heideu Winkel.
Die Bedeutung der Buchstaben ist in allen diesen
Zeichnungen die nähmliche^ und zwar folgende f
a das Futter 9 v^elcbes mit seiner Schraubenmutter 6
auf die Drehbankspindel befestigt wird; und von c
bis c' durchbohrt ist^ um den hintern Theil des ein-
gespannten Arbeitsstückes aufzunehmieü ; d das G^
Läuse, in welchein die beiden Winkel entlialten sind;
und welche^ im Mittelpunkte niit einer nach vorn sich
erweiternden Öffnung / versehen ist; e.e die Fort-
setzung des Futters , auf vir eiche das Genäuse d ge^
Steckt wird ; und Vielehe in der Mitte ausgedommeiC
ist, umiüLrdie Bewegung det* Winkel den nöthigett
Baum zu lassen, h h (Fig. B) diei Schraubenlöcher;
welche zur Befestigung des Gehäuses d auf dein Fut-
ter dienen. Ähnliche Vier Löcher en(häli natürlich
such die y<]/r4erseite dieses . letztern ; liüd ilian be-
merkt sie auf deü vorspringenden Theileii ^e'xn Fig.
J). — Der eine von den beidelil fFinkeln (der iil
den Figuren mii k bezeichnete ) ist gesp'ahen^ und
nimmt den andern (£) in sich auf. .Durch die Seiten-
ansicht in Fig. E v^rd diese Einrichtung zur Oeniigei
versinnlicht. Beide Winkel lassen zwischent sich eine
viereckige Offiauäg; Vielehe der Öffnung^ im[ Gehäuse
d entspricht^ und uin so gröfser Wird; je Weiter inäOL
die Scbra'üben gg zurückzieht; Dafill dieses Zurück-
Sieben von beiden Seiten gleicfamäfsig geschehedt
müsse y braucht wohl kaum erwähnt t\i Werden. Die
Schrauben gg sind mit den Winkeln so verbünden;
dafs sie sich zwar frei drehen können^ allein bei feder
ihrer Bewegungen vor- oder rückwäirts die Winkel
selbst initnehmen. Der Gebratreh dieses Futters wird
ii^h hiernach von selbst erklären; das Gehäuse d
Llcibt immerwährend mit demselben verbünden^ und
das Festhalten der Arbeit (die z. B; ein starker Drahd:
$tlkshn im% polyt. Init. IV. B4« i^
a58
seyn kann) ge^chi^ht durch Anziehen der Schrauben
gg. Es ist jedoch hierüber ganz das Nähmliche zu
bemerken y was im vorigen § über die daselbst be-
schriebene Vorrichtung gesagt wurde. Nur ist der
Gebrauch des gegenwärtigen Futters mit weniger
Schwierigkeit verbunden, da blofs zwei Schrauben
auf das Genaueste berichtigt werden müssen, um den
eingespannten Gegenstand zum Rundlaufen a^u bringen.
<
i3. Mit dem In §• ii beschriebehen Futter hat
diejenige Vorrichtung eine grofse Ähnlichkeit, der
man sich zum Einspannen bedient, wenn aus Holz,
Elfenbein oder anderem Materiale ein Stern (der von
manchen Drechslern als Kunststück verfertigt wird)
gedreht werden soll. Fig. 7 und 8 (auf Taf. U) sind
zwei verschiedene Durchschnitt- Zeichnungen dnes
solchen Futters, welches mittelst der Schraubenmut-
ter a (Fig. 7) an dem vordem Theile der Drehbauk-
spindel befestigt wird. Durch den Rand desselben
sind, mehrere Löcher (als a', b'y c, dy Fig. 8) gebohrt,
und diese enthalten eben so viele Schrauben, welche
auf zweckmäfsig geformte Holzsiückchen drücken, und
somit den eingespannten Körper festbaltep. Zu dem-
selben Behuie liegt im Hintergrunde des Futters eine
andere Schraube, b>y welche bei der Umdrehung
der Spindel genau rund laufen mufs. Ich halte es
für überflüssig, weiter in das Detail dieser Vorrich-
tung einzugehen, da sie so selten, und zu einem so
wenig wichtigen Zwecke gebraucht wird. Ein erfin-
derischer Arbeiter sucht sich in manchen' neuen Fäl-
len durch allerlei Mittel zu helfen, deren Aufzählung
schwierig, vielleicht unmöglich, und — glücklicher
Weise — auch nicht nöthig ist. Mir mufs es genü-
gen , im Verlaufe dieses Aufsatzes einige solche , für
aufserordentliche Fälle anwendbare Arten des Ein-
spannens anzudeuten, da ich mir nicht vorgesetzt
habe , in das kleinlichste Detail einzugehen.
a59
I
i4- Flache Arbeitsstücke^ die.su kurz sind^ ali^
dafs maa sie ia ein Futter einspannen könnte ^ und die
auch nicht zwischen Spitzen festgehalten werden kön-
nen, weil man sie auf der Vorderfläche zu bearbeiten
Willens ist, sucht man auf verschiedene andere Ar-
ten an der Drehbankspindel zu befestigen. Das ein-
fiichste Verfahren^ von dem hier zuerst gesprochen
werden mufs, ist das Auf kitten y welches häufig bei
Dosen und ähnlichen Arbeiten vorkommt. Man be^
dient sich dazu einer flach abgedrehten, in den Kopf
der Spindel eingeschraubten Scheibe. An diese hält
man, während die Drehbank in schneller Beweguns
ist, ein Stück des aus Kolophonium, Terpenthin und
Ziegelmehl bereiteten Kittes, der dadurch weich
wird, und die Oberfläche der Scheibe überzieht "*)•
Drückt man unter diesen Umständen das zu bearbei-
tende Stück fest darauf, so vereinigt es sich sehr gut
mit der Scheibe , und kann nach ; dem Erstarren de4
Kittes nach Belieben abgedreht w^den ; durch einen
einzigen schnell geführten Hammcrschlag wird diese
Verbindung zuletzt wieder aufgehoben, und zwar
meist so vollkommen , dafs nicht eine Spur des Kittes
an der Arbeit zurück bleibt. Statt des erwähnten zu-
sammengesetzten Kittes kann mit den nähmlichen
Handgriffen auch Mastix angewendet werden, der
aber theurer ist. Wenn grofse Stücke zu bearbeitent
*) Bei der Bereitung dieses Kittes scheint es hauptsäcblioh dar-
auf anzukommen 9 dem durch Terpenthin säner gemachteii
Harze einen Körper beizumischen , der seine Konsistenz ver-
mehrt, und seine Sprödigkeit vermindert. Dieser Körper ,
ist das Ziegelmebl , an dessen Statt auch Kreide oder ge-
siebte Asche gebraucht werden kamt. — Der vorliegende
Fall ist übrigens nicht der einzige , wo der Drechsler die
durch Schnelle Reibung hervorgebrachte Hitze benutzt ; das
Näh>nliche geschiehtauch , wenn gewisse Arbeitsstücke dureh
Anreiben, mit Siegellack eingelassen werden sollen , und
wenn der Drechsler, um eine geringe Menge Leim schnell
flüssig zu machen , diese in seine eiserne Röhre gibt , welche
er dann, während die Drehbank in Bewegung ist, stark
gegen die hölzerne Rolle der Spindel andrückt. ^-
L7*
:i6o
Bind, ist es gut^ die hölzerne Scheibe^ vorauf man
sie befestigen will ^ blofs. in geschmolzenen Mastix za
tauchen^ und sie 50 auf eine bequemere und leich-
tere Art mit einer dünnen Lage Harz zu i^berziehen.
Das Aufkitien konmit unter andern auch dann
Tory wenn man Willens ist^ verschiedepe Stü^cke
Metall mit Hülfe eines Supportes auf der Vorderfläche
fiieich hoch abzudrehen , stait sie abzufeilen. Diese
Stücke werden dann zu gleicher Zeit aufgekittet^ und
80 mit gröfserer Genauigkeit bearbeitet^ als man mit-
telst der Feile zu erreichen im Stande wäre.
i5. Bei gewissen Gelegenheiten bedient man sich
der in Fig. 12 auf Taf. I gezeichneten Vorrichtung*
Ein gewöhnliches ( hier nach der vordem' Ansicht
dargestelltes) Futter , aa, trägt nähmlich ein höl-
zernes Kreuz , an dessen vier Armen eben so viele
eiserne Haken c, c, c, c, eingeschraubt sind« Die
umgebogenen Theile dieser letztern halten die Arbeit
(welche in der Zeichnung durch eine punkt^rte Kreis-
linie angegeben ist) fest) und sie können zu diesem
Behufe nach Bedürfnifs in verschiedenen Entfernun-
gen vom Mittelpunkte angebracht werden» Die Ein-
fachheit imd Bequemlichkeit dieser Vorrichtung macht
sie für manche Zwecke sehr brauchbar. Man bedient
sich ihrer unter andern bei Verfertigung der Spinn-
räder, um den Kranz dieser letztern auf der innern
Seite abzudrehen, bevor die Speichen eingesetzt wer-
den« Man kann sich zu ähnlichem Behufe auch einer
messingenen Platte bedienen, auf weichet in ver-
schiedenen Entfernungen vom Mittelpunkte Kreise
gezogen sind, deren jeder mit drei viereckigen Lö-
chern durchbohrt ist. In diese Löcher werden die
gleichfalls vierkantigen Schäfte der Haken gesteckt,
und auf der> hintern Seite mittelst Schraubenmuttern
befestigt. Das Stück, welches gedrechselt werden
soll, legt man so genau als möglich in den Mittel-
2ßl
pnnkt^ eine Operation^ welche durch die erwähnten
auf der Platte befindlichen konzentrischen Kreise sehr
erleichtert wird. — Diese beiden Vorrichtungen sind
zur Bearbeitung von Metall nicht wohl tauglich^ da
sie eine geringe Festigkeit besitzen. Kommt nun aber
K. B. der Fall vor^ dafs ein starker eiserner Ring auf
seiner innern Seite ausgedreht werden soll, so kann
man sich aiif folgende Art helfen. In die vordere
Fläche eines gemeinen hölzernen Futters a (Taf. V
Fig. lo) wird eine Vertiefung gedreht, welche den
(hier durchschnittweise gezeichneten) Bing y zum
Theil aufnimmt. Auf den Rand des Ringes legt man
rund herum drei oder vier eiserne Klammern bd,
welche mit ihren äufsern Enden (bei b) auf eben so
vielen hölzernen Klötzchen c liegen. Starke Holz--
schrauben e gehen durch Öffnungen in diesen Klam-
mem , dringen in das Futter ein , und halten den
Ring y* vollkommen unbeweglich. —
i6. Nicht selten tritt der Fall ein, dafs ein schon
rundes Stück Holz oder Metall u. dgl. so eingespannt
werden soll, dafs es genau wieder rund läuft. Die-
ses mit der vollkommensten Genauigkeit zn bewirken,
ist eine der schwierigsten Aufgaben des Drechlers,
zu deren Lösung nicht wenig Übung und Kunstfer-
tigkeit erfordert wird. Bei langen Stücken ist es am
besten, sich der Spitzen zum Einspannen zu bedie-
nen; für kürzere Stücke hingegen, die man weder
auf diese Art, noch auch in einem Futter bequem
festmachen kann, gibt es eigene Köpfe von der in
Fig. 5 ( Taf. n ) gezeichneten Einrichtung. Eine
starke runde Messingscheibe, welche an den vordem
Theil der Spindel festgeschraubt wird, besitzt nach
der Richtung der Halbmesser vier Einschnitte, welche
nahe am Rande anfangen, und bis auf eine geringe
Entfernung vom Mittelpunkt reichen. In jedem die-:
•er Einschnitte bewegt sich ein kleiner Schieber &,
der genau eingepafst seyn mufs , und keinen Spielraum
besitzen darf; diese irier Scbieber, i/vcicbe vor- und
rückwärts über die Fläche der Scbeibe vorsteben^
fassen, wenn sie gleicbmäfsig gegen den Mittelpunkt
bewegt werden, das einzuspannende Arbeitsstück^
und halten es fest, zu welchem Ende sie auch auf
der nach dem Mittel gekehrten Seite feilenartig ge-
hauen seyn können. Die Bewegung der Schieber ge*
schiebt durch vier Schrauben, welche ^an beiden En-
den eingelassen sind, und ihre Muttern in den Schie-
bern selbst besitzen. Indem man mittelst eines pas-
senden Schlüssels diese Schrauben an ihren Köpfen
a a umdreht , setzt man die Schieber einzeln iü Gang^
und zwar entweder vor - oder rückwärts , je nach-
dem die Drehung nach einer oder der andern Seite
vorgenommen wird. Da diese Art der Führung durch
Schrauben auch in so vielen anderen Fällen vorkodimt,
so braucht hier nichts weiter darüber gesagt zu werden.
Auf der Platte selbst sind mehrere konzentri-
sche Kreise gezogen, mit deren Hülfe sich leicht be-
urtheilen läfst, ob ein bereits rundes Stück, welches
neuerdings eingespannt werden soll, im Mittelpunkte
sich befinde. Es gibt auch solche Köpfe mit nur
drei Schrauben ; aber diese sind weniger nequem, da
'sich mit ihnen solche Gegenstände, welche am bin*
tem Ende viereckig sind, nicht einspannen lassen.
Dabei dieser Vorrichtung die Schrauben jedes Mahl
einzeln in Bewegung gesetzt werden, una es' doch
schwer hält , ohne Zeitverlust alle vier Schieber in
gleiche Abstände vom Mittelpunkte zu bringen; so
bat man auf verschiedene Arten den Gebrauch des
Kopfes bequemer zu machen gesucht. So hat man
durch ein zwischen zwei Platten gelegtes Bäder werk,
welches von einem Getriebe aus in Bewegung gesetzt
wurde, und auf alle Schieber zugleich wirkte, diesen
Zweck zu erreichen geglaubt ; allein abgesehen von
der Kostbarkeit eines solchen Mechanismus, bleibt
seine Wandelbarkeit ein bestandiges Hindernifs der
a63
allgenieioen Anwendung. Eben so hat man Kopfe
verfertigt^ weiche aus zwei über einander um einen
gemeinschaftlichen Mittelpunkt beweglichen Platten
bestanden. In einer dieser Platten befand sich eine
Fuge^ welche von dem Umkreise bis 'nahe an den
Mittelpunkt eine fast unmerkliche Spirallinie bildete;
die hintern Theile oder Schweife der Schieber waren
so geformt^ dafs sie ohne Hindernifs in dieser Fuge
laufen konnten^ und wenn man daher eine von den
Platten drehte ^ so wurden die Schieber gleiehmäfsig
nach dem Mittelpunkte bewegt. Geifslery der dieser
Art von Köpfen (im dritten Theile seiner Drechsler*
kunst ) erwähnt y sagt nichts Näheres über dieselben,
indessen scheint ihre Einrichtung mit jener des im
I. Bande dieser Jahrbücher (S. 3a8 folgg.) vom Herrn
Prof. G. j^ltmütter beschriebenen Uhrmacher- Zu-
sammensetzers, und der von mir bald anzuführenden
englischen Vorrichtungen von Hack imd Bell, dem
Prinzipe nach, Ähnlichkeit zu haben.
K
17. Ziemlich verbreitet ist der Gebrauch des in
Fig. 1 1 (auf Taf. II ) gezeichneten Kopfes zum Ein-
spannen, kurzer Arbeitsstücke. Es besteht derselbe
mus einer starken Messingscheibe, welche mittelst'
einer daran befindlichen Schraubenmutter an die Dreh-
bankspindel befestigt wird« Auf der Yorderfläche
dieser Scheibe befinden sich drei um die Punkte b
bewegliche Arme <t, deren finden c eben so viele
Bäckern formiren , zwischen denen die (in der Zeich-
nong durch eine punktirte Kreislinie angegebene) Ar-
beit eingeklemmt wird. Ein jeder dieser Backen be-
sitzt zu dem Behufe eine Schraube, die sich in einem
bogenförmigen Ausschnitte der Platte bewegt, und
auf der hintern Seite derselben vermittelst einer vor-
gelegten Mutter gestellt wird. Diese Einrichtung ist
daher ganz jene, welche ein gemeiner Uhrmacher-
Zusammensetzer hat ( Bd. I dieser Jahrb. S. 339)7
Da man nur mit Hülfe einer bedeutenden Obung im
aGA
Stajpde ist^ die Baden ohne Zeitverlust in die zum
Rundlaufen der eipgespaqnten Arbeit nöthige gleiche
Entfernung ypm Mittelpunkte zu bringen^ so ist es
;ut, entweder die Oberfläcbe der Platte piit vielen
Lonzentrischen Kreisen zu verseben ^ oder wenigstens
den lyi iit^lpunkt durch eine nur wenig hervorragende
$pi(ze zu bezeichnen ; indem beide Mittel das Eiur
spannen ungemein erleichtern« Ich werde späterhin
(§• 3^) Gelegenheit haben ^ eine ^uf solche Art verbes-
serte Vorrichtung apzugeben, deren man sich bei
den DocLendrc;l)§tuhlen 4er Uhrmacher pft bedient.
•
f8« Vor Kurzem sind von den Engländern ^.^^^
pnd Thoniizs Hack zwei zum Einspannen auf der
PrebbanL bestimmte Köpfe angegeben worden^ deren
Beschreibung sicl^ nrsprünglich in den Transßctions
gf fhß Socie^ fqr JEncourngement etc. (Vol.
]^XXyiI. i3l9) befindßt^ 4us dief en ^ber in mc^hrere
andere technische Zeitscl)rifteni\bei:gegangenist. Dies^
Vorrichtungen haben unter sich sowohl ^ als mit der
oben (§ i6) berührten ,^ nnd mit dem in Bd. I dieser
Jahrb. besc|ir.iebenen Zusammensetzer grofse Ähnlichr
leit; ihre l^rläuterung dürftcj daher Leiner bedeu-
tenden Schwierigkeit unterliegen^ obwohl dieur^prüngT
liehen englischen Beschreibungen sich eben ni^ht
durch grofse Klarheit auszeichnen. Di0 erste dieser
Vorrichtnngen ^ ifür vfel^he der Erfinder^ Bell, von
der Aufmunterungsgesellschaft in London niit der
silbernen Medaille und einer Geld-Unterstüt^nng be-
Johnt v^urde^ istauf Taf 11^ und zwar Fig. la nach
der yordern Ansicht^ Fig. i4 von der Seite ^ und
Fig. i5 im Durchschnitte gezeichnet* Sie -besteht
aus einem starken Metallstücke Jl, welches piittelst
der Sc|iraube a an die Spindel der Drehbank befe*
stigt wird. Eine kleine durchbohrte Scheibe j9, welche
auf den Rapfen b des Stückes A gesteckt^ und mit-
telst zweier Schrauben cc (Fig. i3) an das letztere
festgemacht iat^ enthält die Drehungspunkte d dreier
a65
Arme , deren mit Schrauben versehene Enden^ Cj auf
eine leicht begreiflicherweise das Arbeitsstück zwi-
schen sich festhalten. Rückwärts ist auf das Stüdi
A ein messingener Bing D aufgesteckt , dessen Gestalt
aus Fig. i5 deutlich wird. Der Zapfen b dient zum
Umdrehungspunkte der Platte Cj welche mit ihrem
Kranze den Ring D bedeckt, und^auf denselben an-
geschraubt ist^ wie ebenfalls die Durchschnittzeichr
nung hinreichend yersinnlicht. Die Fläche dieser
Platte ist mit drei schräg gestellten Einschnitten f
(Fig. 12) versehen I in welchen die Enden e der
Arme sich so bewegen,- dafs sie jederzeit gleichen
Abstand vom Mittelpunkte behalten« Man braucht,
um irgend ein Stück Holz, Elfenbein oder dergl.,
velchßs früher schon rundgedreht worden ist, ein-
zuspannen , dasselbe nur auf die Fläche des Kopfes
«u legen, und durch einen in das Loch k (Fiff^ x4)
gesteckten Schlüssel die Platte C nach der in Fig. 1 3
▼on dem Pfeile angedeuteten Richtung so lange umzu-
drehen,, bis die Enden e der Arme dasselbe hinläng-
lich gefaf^t hfibeii. Die Arme werden hierbei, durch
4ie ip der Platte eingebrachten Schlitze, in welchen
fie liegen, gezwungen, sich dem Mittelpunkte gleich-
piäfsig zu nähern , und man darf daher um d^« Rund-
lanfen des eingespannten Gegenstandes nicht besorgt
»eyn.
Der Vortheil dieses Werkzeuges besteht also in
der Möglichkeit, schon rund gedrehte Stücke ohne
allen Zeitverlust wieder genau rund einzuspannen;
doch möchte seine Zusammengeset^theit ein wichti-
ges Hindernifs der allgemeinen Anwendung se^n.
19. Das Nähmliche gilt von dem in Fig. x6 und
17 abgebildeten Kopfe des zweiten Engländers , Tho-
Inas Hacky der gleichfalls eiüe silberne Medaille zur
Aufmunterung erhielt. Nach dem Vorhergehenden
wird man sich auch von der Beschaffenheit dieser
268 •
vm äie nothigen Falles ftir Arbeiten Ton versohiede-
nen Durchmessern brauchen^ und darch das Anzie-
bei^ der Schrauben so fest als es nöthig ist^ mit dem
abzudrehenden Stücke vereinigen su können«
Eine Abänderung erleidet die Gestalt der Schraub-
rollen nur in einem einzigen Falle , nähmlich zum^b-
drehen der Spindeln \n den Taschenuhren^ deren
eigenthiiroliche Bildung auch eine besondere l^orm
der Rolle nöthig macht. Die Spindelrolle besitzt die
in Fig. af\ und 25 nach der vordem und hintern An-
sicht gezeichnete Einrichtung. Ihre beiden Hälften
Virerden ebenfalls durch zwei Schrauben {a d) zusam-
mengehalten^ v^ie die der gemeinen Rollen. Sie ist
aber auf der vordem Seite nici^t hohl ausgedreht
(wie Fig. !i2 und 23), sondern besitzt dort eine halb-
kugelförmige Warze (d, Fig. 25) y welche einen klei-
nen^ zur Aufnahme des Spindellap^ens bestimmten
Ausschnitt (e) enthält; der zweite Lappen liegt in
einem ähnlichen Ausschnitte auf der hintern Seite der
Rolle (c Fig. 24)- Die Darchbohrüng der Roll^^ in
welche die Spindel gelegt wird , i^t in beiden Zeich-
nungen durch b angedeutet.
Statt der Schraubrollen bedient man sich, vor-
züglich bei etwas gröfserp Arbeiten, eines eisernen
oder messingenen Ringes (Fig. 22, Taf. U), der mit-
telst dreier auf den Mittelpunkt zugehenden Schrau-*
ben befestigt wird , und ebenfalls auf seiner Stirn
^ine für die Saite bestimnite Rinne besitz^
Bei der Uhrmacherei, und ^uch aufs^rdem> kom-
men häufig Fälle vor, wo man der abzudrehenden
Arbeit selbst zwei Spitzen gibt, und diese in koni-
schenlLöchern der nun verkehrt in die Docken einge-
steckten Körner laufen läfst« Dann pflegt man wohl
auch öfter, um eine gröfsere Genauigkeit zu erzie-
len, der Arbeit vorerst Spitzen anzuf eilen y hinter
209
diesen neue anzudrehen , die ersten wegzubrechen^
und <Ueses Verfahren einige Mahl zu inriederhohlen^
damit man von dem Rundlaufen des eingespannten
Stückes vollkommen überzeugt seyn könne. Die voi>
erwähnte Art des Einspannen^ wird jedes Mahl dann
angewendet^ wenn ein schon an seiner Achse stek-
kendes Rad abgedreht werden mufs.
21. Das Einspannen zwischen Spit^sen auf dem
Drehstuhle , wie wir es im vorigen § gesehen haben,
kann nicht immer mit der Arbeit selbst unmittelbar
vorgenommen werden, nahmentlich in dem Falle
nicht, wenn dieselbe im Mittelpunkte ein Loch be«
sitzt, oder überhaupt von solcher Gestalt ist, dafs
sie von Spitzen allein nicht mit vollkommener Sicher-
heit gehalten werden vvürde. Bei solchen Gelegen-
heiten he Ant mail sich häufig der Drehstifte , welche
an Gestalt und Einrichtung sehr von einander ab-
weichen, übrigens aber jedes Mahl einen Theil
de$ Drehstuhls bilden, und d€h Hauptzweck ha-
ben, die eingespannte Arbeit mit der nöthigen
Festigkeit und Bequemlichkeit zu halten.
Die gemeinste und häufigste Art äet Drehstiften
Ist diejenige/ von welcher Fic.- ^3 auf Taf. II €fine
Yc^stelluns gibt; Dieses Werkzeug besteht aus einer
runden stählernen Achse, welche mittelst der beiden
Spitzen ä und 6 zwischen die Stifte des Drehstuhls^
(nach Art der Fig. 26 auf Taf 1) eingespannt wird.
Die Arbeit mufs mit einem Loche versehen seyn ; sie
wird auf den runden > etwas konischen Theil e desf
Drehstiftes gesteckt, und dreht sich daher mit unf
ihre Achse, wenn der Drehstift durch den Bogen,
dessen Schnur man' um die messingene Rollet schlingt
in Bewegung gesetzt wird. Jener Theil / c , derAchsey
worauf die Rolle steckt, ist bei vielen Drehstiftenf
sechs- oder achteckig, aus der einfachen Ursathey
damit die RoUe fester halt.
32. Diese Art der Drehstifte findet beim Abdre-
hen verschiedener Uhrbesiandtheile ^ z. B, der Fe-
derhäuser ^ Kronräder, und überhaupt dann ihre An*
Wendung, wenn die in ihrem Mittelpunkte mit einem
Loche versehene Arbeit sehr rein rund gedreht wer-
den soll. Indessen ist doch die Methode , wie die
zu bearbeitenden Stücke befestigt werden^ trotz ihrer
Einfachheit sehr unsicher, da sie aufserordentlich
leicht zum Nachgeben gebracht werden kann, wenn
man nur den Grabstichel etwas stark angreifen läfst.
Aufserdem wird das Runddrehen sehr dünner und
schwacher Gegenstande, wegen des Schwankens der-
selben, bedeutend erschwert, wo nicht ganz unmög-
lich, gemacht. Besser, obwohl eben nicht bequemer,
ist daher eine andere Art der Drehstifte , welche man
in Fig. !i4 abgebildet sieht. Der Unterschied gegen
die vorige besteht nur darin, dafs aufser der Rolle a
auch noch eine^ dem recht eben gefeilten Arbeits-
stücke zur Basis dienende glatte messingene Scheibe
b angebracht ist, und dafs die Arbeit selbst nicht
blofs aufgesteckt, sondern auf das vordere* Ende des
Drehstiftes au/geschraubt wird. Das hierzu bestimmte
Schraubengewinde c, ist jedes Mahl ein linkes, da-
mit durch den Widerstand, welchen der Grabstichel
beim Abdrehen leistet, die Arbeit nicht* locker
werde 9 sondern sich nur um. so fester anschraube.
Uhrmacher drehen alle ihre Räder vor dem Eiuschnei-
den der Zähne auf diese« Art rund.
23. Begreiflicher Weise mufs hierbei die Arbeit
jedes Mahl ein* eben so weites Loch besitzen , als die
Schraube des Drehstiftes dick ist. Da dieses nun
(ungeachtet mau Drehstifte von sehr verschiedener
Gröfse hat) nicht immer der Fall seyn kann, aufser-
dem auch beim nachfolgenden Ausreiben (welches
vorgenommen werden mufs , um die eingeschnittenen
Schraubengänge wegzunehmen) dieses Loch leicht
etwas aufser das Mittel kommen kann; so bedient
man sich häufig und mit Yortheil der Drehstifte mit,
Muttern (Taf. II Fig 25), die jedes Mahl dann ge-
braucht werden y wenn das in der Arbeit befindliche
Lioch nicht mehr erweitert oder verdorben werden
darf^ deren Einrichtung aber, bis auf eine einzige
Zugabe, nicht wesentlich von der beschriebenen ab-
weicht. Die Arbeit wird hier nicht aufgeschraubt,
sondern Mos aufgesteckt; damit sie aber dessen unge-
achtet festhalte , wird sie durch eine kleine vorge-
legte Schraubenmutter dy gegen die Scheibe igeprefst.
Dort^ wo die vordere Fortsetzung der Achse auf die-
ser Scheibe aufsitzt (bei n), ist um sie herum eine
kleine Rinne eingedreht, in welche der zwischen der
Schraubenmutter und der Platte liegende Konus e
eindringt. Dieser Konus hat keinen andern Zweck,
als auch das Einspannen solcher Arbeitsstücke mög-
lich zumachen, deren ZentralöShung einen gröfseren
Durchmesser hat, als die Schraube. Indem nähm-
lich der Konus von der Mutter d geprefst wird , ver-
senkt er sich in die oben erwähnte Rinne , und füllt
9o das in der Arbeit befindliche Loch jedes Mahl aus.
Diese Befestigungsart ist aber nicht ganz so sicher , als
die im vorigen § beschriebene. Den- nähmlichen Zweck
hat die in Fig. a6 gezeichnete, fiir gröfsere Arbeiten
bestimmte Abänderung des Drehstiftes , woran nur
die Schraubenmutter h anders geformt, der Konus g
grafser^ und die messingene Platte durch ein ganz hohl
ausgedrehtes MetaUstücky ersetzt ist
I
34 Eine etwas abweichende Einrichtung besitzt
der übrigens ziemlich selten gebrauchte Zifferblatt-
Drehstift y welcher zum Einspannen der Uhrzifier-
blätter dient, wenn diese am Rande abgedreht wer-
den sollen. ' Die Arbeit erfordert eine bedeutende
Vorsicht, weil sonst das die beiden Seiten der Blätter
bedeckende Email leicht ausspringt. Wenn ferner
das Zifferblatt fest genug gehalten werden soll, so
mufs ihm eine weiche, elastische, und seiner ge-
^ krümmten Gestalt angepafste Unterlage gegeben wer^
den. Ah solche dient ein am Drehstifte (Taf. II
Fig. 27) befindliches Stück Kork o> welches vorn^ zur
Aufnahme des Zifferblattes^ rund vertieft^ hinten aber
mittelst kleiner Schrauben an einer dünnen Messing-
platte d d befestigt ist. Gehalten wird das Zifferblatt
durch ein kleines rundliches Korkstück b, welches
von der Schraubenmutter a gegen die hohle Seite des
Blattes gedrückt wird.
a5. Flache Arbeitsstücke; welche im Mittel-
punkte kein Loch haben dürfen^ werden, so wie bei
der Drehbank (§. i4)> auf gekittet j txi welchem Be-^
hufe man sich eines Eigenen Drehstiftes bedient, wel-
cher in Fig. 28 gezeichnet ist. .Dieser besteht gana
aus Eisen, und besitzt nebst der Drehrolle c blofs
eine am vordem Ende der Achse sitzende runde
Scheibe, welche zur Erleichterung des Aufkittens
etwas schüsself firmig vertieft; und mit mehreren
konzentrisch eingedrehten Kreisen versehen ist. Auf
diesö Scheibe wird etwas Siegelläek gelegt, und (in^
dem man die Flamme eines Lichtes durch das Löth-
röhr gegen die hintere Fläche der Scheibe bläst) zum
Schmeken gebracht ;^ nachdem man das Arbeitsstück
auf das fliefsende Siegellack angedrückt hat , bringt
man die ganze YorriCntuhg in. den Drehstuhl, legt
^ die Spitze d in den Körner des einen Stiftes, und
setzt die Spitze des andern for die aufgekittete Arbeit;
Hierdurch wird die letztere eben so fest gehalten', als
dieses sonst bei den andern Drehstiften (welche mit
ihren zwei Spitzen auf die in Fig. 26^ Taf. i anigege-'
beiie Art eingespannt v^etden) der Fall ist,
d6« Die englischen Ufarniach^r bedienen sich fiir
gewisse Zwecke; wie zum Einspannen der Unruhen
und anderer Räder, Welche drei Stege (oder Arme)
besitzen, des in Fig. 39 abgebildeten Drehstiftes, der
bei den franlzösischen und deutschen Uhrmachern, so/
viel ich weifs^ nicht im Gehrauch ist. Es ist eine^
dem in* Fig. ^4 gezeichneten Drehstifte ähnliche Vor-
richtung^ welche sich von diesem nur durch den
Mangel des Schraubengewindes^ und durch eine an-
dere Einrichtung der vordem Platte unterscheidet.
Diese ist hier nähmlich doppelt ^ d. h. es sind zwei
Platten (äa und bb)y zwischen welchen die abzudre»
hende Arbeit eingelegt und festgehalten wird. Zu
diesem Behufe ist die eine der beiden Platten {bb)
beweglich ^ und kann abgenommen werden , während
die andere {aä) an der Achse des Drehstiftes fest ist.
Die Gestalt dieser Platte wird aus ihrer^ vordem Auf-
sicht (Fig. 3o) deutlich. Man sieht ^ dafs dieselbe
drei^ fast wie eine 8 gestaltete Ausschnitte mit un-
gleich weiten Öffnungen^ im Mittel aber ein gröfseres
rundes Loch besitzt. In jenen Ausschnitten liegen
die Köpfe cc dreier Schrauben^ welche in die hin-
tere Platte (aa Fig. 29) eindringen^ und^ wenn sie
angezogen werden , beide Platten gegen einander
pressen^ wodurch die Arbeit (deren abzudrehender
Kand über die Platten hervorragt) fesigehalten wird.
(In der Zeichnung hat mau absichtlich einen Schrau-
benkopf weggelassen^ damit die Gestalt der Aus^
schnitte desto besser in die Augen falle.) — Um die
bewegliche Platte bb abnehmen zu 'können , dai:f
man dieselbe nur etwas verschieben^ wo dann die
Kopfe der Schrauben in die weiteren Ofihüngen der
Sförmigen Ausschnitte zu liegen kommen^ und der
Entfernung weiterkein Hindernifs entgegensetzen. —
Aus Fig. 29 wird man noch ersehen y dafs der vor-
dere Tbeil e der Achse y woran sich die zweite Spitze
befindet, nur eine sehr geringe Dicke besitzt; dieses
ist norhwendig, damit sie auch durch kleine Löcher
der zu bearbeitenden Stücke leicht durchgehe.
37. Eine ganz eigenthümliche, von allen bisher
beschriebenen verschiedene Einrichtung besitzt der so-
c^enannte Kronrad- Drehstift j dessen Bestimmung
Jjilirb. 4. polyt. Iiiftt. IV. Ua, X8 ^
^74
schon durch seine Benennung ausgedruckt ist. Er
dient nähmlich zum Einspannen der in den Uhren
vorkommenden Kronräder y die auf ihrer Höhe (am
Bande nähmlich) abgedreht werden sollen. Fig. 3i
ist eine Vorstellung davon. Er besteht^ wie man sieht,
aus zwei Theilen, jixxndiBy deren sich jeder in eine
runde* Scheibe von etwas kleinerem Durchmesser, als
jener der Kronräder gewöhnlich ist, endigL Diese
Scheiben sind in der Figur mit a und b bezeichnet;
zwischen sie wird das Kronrad so eingelegt y dafs es
vollkommen rund läuft^ und wenn man diese Lage
durch Versuche nach und nach gefunden hat, so
prefst man beide Scheiben durch drei Schrauben
(von denen in der Zeichnung natürlich nur zwei be-
.. merkbar sind) so gegen einander, dafs sie das Bad
festhalten, welches nun an seinem vorstehenden Bande
nach Belieben abgedreht werden kann. Beide Hälf-
ten des Drehstiftes sind ausgehöhlt , damit die Achse
des Bades nebst dem daran sitzenden Getriebe be-
quem darin Platz finden kann. Die ganze Vorrich*
tung wird übrigens, wie jeder gemeine Drehstift, mit
ihren beiden Spitzen in den Drehstuhl eingespannt^
und durch Umschlingen der Saite des Drehbogens um
die Bolle c in {Bewegung gesetzt. Damit beim ^ Zu-
sammensetzen beider Hälften das Ganze nie aufhören
kann rund zu laufen, ist durch die Scheiben £iund6
ein kleiner eiserner Stift ii gesteckt, nach welchem*
man sich beim Zusammensetzen richtet, um immer
die gleichen P^nkte der Scheiben einander gegenteber
zu bringen.
28. Zum Abdrehen der Unruhe (des Schwung-^
rades in den Taschenuhren ), bevor noch die Spindel
daran befestigt ist> bedienen sich die Uhrmacher bei
nns und in Frankreich eines eigenen Drehstiftes, der
eben davon den Nahmen des Unruh- DreJistiftes
fuhrt. Man sieht ihn in Fig. 3a vorgestellt. Er be*^
, steht ganz aus Messing , und besitzt eine verhältnifs-
mäfsig starke flxiöhe Schdibe aa^ durbh welche drei
Schrauben b6 gehen ^ die eigenüich zum Festhal-
ten der Unruhe bestimmt sind. Indem man diese
üähmlich auf die erwähnte Scheibe legt, und die
Schrauben anzieht, kommen die Köpfe der letzterii
auf die drei $tege (Arme) derselben zu liegen, und
halten sie fest. Jl Fig. 3^ zeigt die Vordere Ansicht
der Scheibe y und zugleich die Lage der eingespann-
ten Unruhe,' Ivelche hier mit punktfrteu Linien ge-
teichnet ist^ Ganz die nähmliche Einrichtung benn-
det sich auch am andern Ende des Drehstiftes, bei g^
für kleinere Unruhen. Wie man sieht,* sind auch
twei Drehrollen e, e eingebracht,' von denen nach
Belieben eine ofdcr die andere zur Bewegung benützt
Verden kann; weseiltlich ist dieser Umstand aber
üicht. Der gäiite Drehstift ist hohl; und im Innern
desselben steckt eiüe lüit de^ zwei Spitzen versehen^
stählerne Spindel cd, wel&he sich verschieben, und.
durch eiüe von .der Seite angebrachte Schraube f
feststellen läfst. Diese Vorkehrung hat keinen an-
dern Zwe6ky al^ die Möglichkeit; Unruhen mit ver-
schieden grofsen Löchern einspannen zu können. Je
kleiner nähmlich das Loch im Mittelpunkte des
Schvirungrades ist, desto weiter schiebt man die Spin-
del zurück, damit die Dicke derselben dem Einspan-
nen nicht hinderlich sey. Beidä Spitzen sind eben
ans dieser Ursache auch nicht sehr kolbig, sondern
Verjüngen sich htir langsam.
2^: Gleichfalh zum Abdrehen der Unruhe ,' so
Wie auch anderer mit drei Stegen versehener Räder^'
dient dör Fig. 33 gezeichnete Drehstift , der sich von
dem in Fig. a5 vorgestellten (§:23) einzig dadurch
unterscheidet,' dafs durch die messingene Scheibe.
iia drei kleine Schrauben gehen/ deren Köpfe auf
^ie (§ ^6) besdiriebene Art den zu bearbeitenden
gegenständ festhalten, und so das Verziehen dessel-
ht^ dmük das Fe^tisdhräuben der Mütter (weicht*
2'j6
natürlich nur auf den Mittelpunkt mit der gröfsten
Kraft ^irkt) verhindern.
3o. Zu den seltener vorkommenden Arten der
Drehstifte gehört endlich diejenige^ welche in Fig. 38
( Taf. II ) abgebildet ist , und zum Einspannen flacher
Gegenstände^ z. B. der Uhrplatten , dient. Sie be-
steht aus einer messingenen Scheibe aa, und aus
dem eigentlichen Drehstifte, welcher in f die RoUe^
und in g eine Spitze hat. Die Scheibe besitzt einen
nahe an ibrem Mittelpunkte vorübergehenden geraden
$chlitz, in welchem sich ein kleiner stählerner Schie-
ber c bewegen^ und nöthigen Falles auch mittelst
zweier Schrauben b b, deren Köpfe sich auf der vor-
dem Seite der Scheibe befinden, feststellen läfsu
Dnrch diese Verschiebung lassen sich .die beiden
Schrauben, vne man sieht, nach .Erfordernifs dem
Mittelpunkte nähern , oder von ihm entfernen. Hat
man nun irgend einen flachen Gegenstand zu bearhei«-
ten, z. B. in der Platte einer Uhr eine Vertiefung
aus^Eudrehen , so legt man dieselbe auf die Fläche
der Scheibe a, bewegt den Schieber c, so weit als
es möglich und nöthig ist, 'gegen den Mittelpunkt^
und zieht endlich die Schrauben bb ( von denen auch
eine ganz wegbleiben kann, und oft sogar wegbleiben
piufs) dfi, deren Köpfe nun auf dem eingespannten
Arbeitsstücke liegen, und dasselbe festhalten. Durch
die beschrieb<?ne Einrichtung wird es auch möglich^
einen Gegenstand exzentrisch, d. h. aufser dem Mit-
tel einzuspannen, wenn dieses wegen irgend eines
UmStandes erfordert wird. Um nach Beliehen einen
Punkt des Arbeitsstückes in das Mittel zu bringen, ist
die Scheibe mit einer Spitze d versehen ; damit diese
aber das Eiospannen nicht hindere , ist sie elastisch,
d. h. sie gibt einem unbedeutendem Drucke nach^
und weicht in das Innere des Drehstiftes zurück. Die
Art, wie dieses bewirkt wird^ is( ziemlich einfach,
und läfst sich aus der Zeichnung erkennen. Der
377
Drehstift ist nähmlich hohl ^ und in seiner Höhlung
liegt ein runder stählerner Stift ^ der an seinem vor-
deren Ende die Spitze d trägt ^ hinten aber sich in
eine kleine Spiralfeder i endigt^ weche eben das Zu-
rückgehen der Spitze bei Anwendung eines Druckes
möglich macht. Hat nun die eingespannte Arbeit an
der Stelle der Spitze ein Loch j so steht jene dadurch
heruor^ und sie dient dann, nachdem sie durch die
Schraube e befestiget worden ist^ auf die gewöhn-
liche Art zum Einlegen der Vorrichtung in den Dreh-
stuhl. Befindet sich hingegen in der Arbeit dort^
wo dieselbe von der Spitze berührt wird , kein Loch^
so setzt man, um den Drehslift festzuhalten, den
zweiten Körner des Drchstuhls vor. Damit in keinem
Falle die Spitze zu weit aus dem Drehslifte heraus-
gehen könne; hat sie an der Stelle, .wo die Druck-
schraube e ansteht , einen seichten Einschnitt , der
in der Zeichnung bei dem Buchstaben n sich befin-
det. Eine ähnliche, vielmehr ganz dieselbe Einrich-
tang wird später ( Fig. 45 ) abgebildet , und ( §. 33)
beschrieben.
3i. Aufser den eigentlichen Drehstiften gibt es
noch verschiedene andere Werkzeuge, die mit ihnen
gleiche Bestimmung haben , in ihrer Gestalt aber be-
deutende Abweichungen zeigen. Hierher gehört
z. B. diejenige Vorrichtung , welche von den Uhr-
gehäusemachern zum Abdrehen des Rohres, in wel-
chem sich der Drücker an einer Repetiruhr schiebt,
gebraucht wird (Fig. 46 )• Sie wird wie ein Dreh-
stift mit ihren beiden Spitzen a und b in den gemei-
nen Drehstuhl eingespannt, und mittelst der Rolle e
in Bewegung gesetzt ; auf den durch eine Stellschraube
d befestigten runden Stahlstift a ( der von angemes-
sener Dicke aus einem ganzen Sortimente gewählt ist)
steckt man das erwähnte Rohr, und der gebogene
Theil c gestattet dem Uhrgehäuse selbst hinlängli-
chen Raum. Auf grofse Genauigkeit mufs man bei
278
dieser yorrichtupg freilich' yerzichten ; alleiipi di^se ist
hier auch wohl entbehrlicher^ als irgend wo anders.—
Man hat ferner kleine Stielkloben y welch« an ihrem
Ende eine Körnerspitze ^ und nahe dabei eifxe Dr%h-
rolle besitzen. Diese können^ wenn man zwischen
ihre Backen ein Arbeitsstück einklemmt^ an welchen^
sich die zweite Spitze befindet^ ebenfalls in den Dreh-
stuhl gelegt, und statt eines Drehstiftes gebraucht
werden; allein man bedient sich ihrer zu dieser Ah-
sieht selten, da sie eben so wenig Genauigkeit ge-
währen, als ein ähnliches Werkzeug, welches in
' Fig* 4o vorgestellt ist , und aus einer Art von Schub-
zange besteht, deren Backen durch einen Hing a zu-
saminengeprefst werden. Will man sich bei dem Ge-
brauche dieses Instrumentes etwas mehr Bequemlich-
keit verschaffen , so kann man auch sowohl den Ring
a}s die äufsere Seite der Backen^ mit Schraubengän-
gen versehen, und hierdurch eine dem früher (§.8)
beschriebenen Klemmfutter ähnliche Vorrichtung her-
stellen. — Manche, nahmentlich englische, Uhrma-
cher l>edienen sich , um schon ierüge Schrauben , aii
welchen , nachträglich noch etwas gedreht werden
mufs,' einzuspannen, des ip Fig. 07 abgebildeten
Werkzeuges,' welches aus einer geraden eisernen
Achse aCj und avis einer daran befindlichen Laterne
d besteht.' Die letztere läfsf sich an der Schraube c
hin und her bewegen, und besitzt vorn bei e einq
kleine OShung, durch welche die zu bearbeitende
Schraube so eingesteckt wird, dafs ihr Kopf dem In-
iietn der Laterne zugekehrt ist Das Ende der Achse
ia c ist in Form eines Schraubenziehers schneidig zu-
gefeilt, und wird in die Kerbe des Schraubenkopfes
eingesetzt, während das Ganze zwischen den beiden
^Spitzen ( wovon sich die eijäe bei a, die andere ad
der eingespannten Schraube befindet), im Dreh-
stuhle liegt, und mittelst der Rolle b in Umdrehung
Seset*zt wird. Zum Poliren der Schraubenköpfe be-
ienen sich die Uhrmacher einer ähnlichen Vorrich-
«79
tnng^ welche aber unmittelbar mit der Hand gefäbrt
wird. Endlich gehört Bierherder sogenannte iScA/i^A:-
kenpolirer, welcher von den Uhrmachern zum Poli-
ren und Abgleichen der Schnecken gebraucht wird»
Man sieht ihn in Fig. 34 vorgestellt. Er besteht aus
einer Art ^on Kluppe oder Zange b, zwei sich federn-
den Armen^ welche an ihren vordem Enden (bei c)
durch eine kleine Schraube a (s. die Ansicht Fig. 35)
zusammeugeprefst werden. Diese Zauge sitzt auf
einer runden Scheibe /,/, und besteht mit ihr aus
einem und dem nähmlichen Stücke. Die Scheibe
liegt unmittelbar auf dem mit der Rolle d versehenen
Theile i der Vorrichtung^ und wird noch mit einem
breiten messingenen Ringe gg bedeckt. Die Schrau-
ben vereinigen diesen Ring fest mit dem Stücke i, und
würden auch die Scheibe y* nebst der daran befind-
lichen Zange unbeweglich machen , wenn nicht die
in ersterer angebrachten Löcher beträchtlich weiter
wären ^ als die durchgehenden Schrauben es verlan-
gen. Zu gröfserer Deutlichkeit ist auf Taf. II die
Zeichnung Fig. 36 beigefügt^ in welcher die Scheibe
und der darauf liegende Ring von vorn zu sehen^ und
mit den nähmlichen Buchstaben wie in Fig. 34 be-
zeichnet sind. Die um die Schraubenköpfe punktirt
gezogenen Kreise bezeichnen dort die in der Platte
/y befindlichen Löcher ^ welche den Schrauben eini-
gen Spielraum 9 jedoch nur so lang gestatten, bis diese
fest angezogen , alle Theile der Vorrichtung unbeweg-
lich mit einander vereinigen. Der Gebrauch* des
Werkzeuges ist folgender : Wenn die Schnecke einer
Taschenuhr nach dem Einschneiden polirt^ oder wenn
einige Gänge derselben tiefer gemacht werden sollen,
weU die Feder ungleich zi«ht , so wirxl der viereckige
Schneckenzapfen in die Zange b c eingeklemmt , und
die ganze Vorrichtung in den Drehstuhl gelegt, zu
welchem Behufe einerseits die Spitze e, anderseits
der zweite runde Zapfen der Schnecke dient. Weil
aber hierbei nur sehr selten die Schnecke sogleich
rund laufen wird , 60 verrückt man die an der Zange
sitzende Platte yy* zwischen dem Ringe ^g- und dem
Theile i so lange ^ bis alles vollkommen rund läuft;
dann zieht man die drei Schrauben fest an^ und ver-
hindert so jede fernere Verrückung.
3a. Alle bisher (§§. ai — 3i) beschriebeneu
Arten von Drehstiften und ähnlichen Vorrichtungen
sind für den gemeinen Drehstuhl bestimmt, wie er
in Fig. 26 auf Taf I vorgestellt ist. Der Uhrmacher
bedient sich aber aufserdem noch zu besondern Zwek-
ken einiger andern Arten von Drehstühlen, welche
dann meist auch eigenthümliche Arten des Einspan*
nens nöthig machen.
m
Hierher gehört vorzüglich der so genannte Dok--
kendrehstuhl (Taf. 11 Fig. 89), der ganz genau* eine
Drehbank im Kleinen ist^ indeni er eine förmliche
Spindel i^bc) besitzt y welche rückwärts in einem
Körner d, vorn aber bei b ^ \n einer konischen Höh-
lung der mittlem Docke läuft *). Der vordere TheilÄ
der Spindel^ welche übrigens wie gewöhnlich mittelst
des Drehbogens in Bewegung gesetzt wird', ist hohl^
damit man verschiedene Arten der zur Befestigung der
Arbeit bestimmten Köpfe einstecken kann. Diese Köpfe
bestehen gewöhnlich in einer zum Aufkitten mit Sie-
gellack bestimmten eisernen Scheibe, und in den bei-
den Fig. 4i uiid 4^ gezeichneten Vorrichtungen,
übo# welche ich noch ein Paar Worte sagep mufs. —
Fig. l\i wird mit dem runden Schafte c in die Höh-
lung der Spindel gesteckt, und besteht aus zweiBak*
ken b^ welche mittelst einer durchgehenden Schraube
a gegen einander geprefst werden. Im Übrigen hat
*) Der gewohnliclien Einrichtung zu Fo1fi;e liann man diesen
Drehstuhl auch als gemeinen Drehstuhl brauchen , wenn die
mittlere Dock^ nebst der Spindel abgenommen wird, wo
dann blofs die beiden äufsern Pocken mit ihren lioritem a
und dy übrig bleiben.
diese Yorrichtuiig grofse AhnHclik<ät mit derjenigen^
welche in Fig. 2 (Taf II) gezeichnet ist (§. 10 )j
sie dient hauptsächUch zum Einspannen kleiner Reib-
ahlen y bei denen es auf ein genaues Rundlaufen gar
sehr nicht ankommt, — Der in Fig. 4^ vorgestellte
Kopf ist ganz derselbe ^ welcher auch in Fig. 1 1 als
fiir die Drehbank bestimmt abgebildet, 1 und früher
(.§. 17) beschrieben worden ist; mit dem einzigen
Unterschiede y dafs sich die ( in der Zeichnung punk-
tirten) drei Arme auf der Hinterfläche der Scheibe
befinden. Die runden Köpfe derselben, aaa, wer-
den über den Rand des einzuspannenden Arbeits-
stückes gelegt, und halten dasselbe fest, wenn die
hinten befindlichen Schraubenmuttern angezogen wer-
den. Zum Abdrehen von Platten (die aber nie auf ihrer
Dicke bearbeitet werden können ) u. dgl. ist diese Vor-
richtung sehr im Gebrauch!; den Uhrmachern ist der
damit versehene Dockendrehstuhl unter der franzö-
sischen Benennung Tour a plaque bekannt. — Um
solche Gegenstände, welche darauf gedreht werden
sollen, ohne Zeitverlust rund richten zu können, ist
das Mittel der Scheibe durch eine elastische Spitze
c angedeutet, welche beim Auflegen der Arbeit zu-
rückweicht.. Die Einrichtung, wodurch dieses be-
wirkt wird, ist schon oben (§. 3o) beschrieben, und
( Fig. 38 ) abgebildet worden. Doch bleibt hier die
in der erwähntenZeichnung angegebene Stellschraube e
weg, weil keine Befestigung der Spitze nöthig ist.
Um die letztere vor dem gänzlichen Herausgehen zu
sichern , macht man blofs den mittlem Theil des Stif-
tes, woran sie sich befindet, etwas dicker. Dieser
Stift liegt in einer zapfenförmigen Verlängerung der
Scheibe*, welche zugleich zum Einstecken in die
Spindel des Drehstuhles dient.
Zuweilen verbindet man mit dem Dockendreh-
stuhle eine ähnliche Vorrichtung, wie die(§. 3o) be-
schriebene. Fig. II auf Taf. V zeigt die Gestalt dersel-
ben in der Seitenansicht« AB ist die Spindel des Dreh-
Stuhls^ an welche vorn die messingene Platte G G fest-
geschraubt "wird. Di^se Platte besitzt in gleichen Ab-
ständen drei vomMittelpuilktebis nahe an den Umfang
reichende Einschnitte oder Schlitze y welche eben so
fielen Schiebern zur Leitung dienen. Zwei solche
Schieber sieht man in der Zeichnung bei bb, und sie
können durch Schrauben aa an jeder Stelle befe-
^stigt werden. Jeder Schieber bildet an seinem vor«'
dern Ende eine Art Maul^ indem sich dem festste-
henden Stücke ein beweglicher Backen d mittelsi;
der Schraube e nähern läfst. Im Innern der Spin-
del AB befindet sich ebenfalls ein stählerner Zen-
trirstift JST, dem aber die Feder fehlt, und der sich
defshalb durch einen bei / angebrachten Riegel vor-
und rückwärts schieben läfst. Dieses Drehstuhls be-
dient man sich zu dem (§. 3o) angegebenen Behufe,
vorzüglich aber, um die Zapfehlöcher der Räder in
die beiden Uhrplatten genau einander gegenüber zu
bohren. Man spannt hierzu die schon mittelst der
Pfeiler vereinigten Platten H^ L (wie die Zeichnung
ausweiset) so auf der Vorrichtung ein, dafs die eine
derselben, in welche die Zapfenlöcher bereits ge-
bohrt sind, von den Backen bd geh alten 'wird* In-
dem man hierauf den Stift K so weit vorwärts schiebt^
dafs seine Spitae r mit dieser Platte in Berührung
kommt , richtet man irgend eines der Löcher in das
Mittel, und legt den Bohrer über die Auflage Afy
welche vorher auf die erforderliche Höhe gebracht
worden ist. "Bei diesem Verfahren wird man immer
sicher seyn, das in die Platte L zu bohrende Loch
jenem in der Platte H befindlichen genau ge-
genüber zu erhalten; denn der Bohrer wird so lange
auf der Fläche von L einen Kreis beschreiben, als
er sich nicht in der verlängerten Achse des Zenlrir-
stiftesÄr befindet*).
*) ÜÜoht allgemein ist die Anwendung dieses Drebstuhles unter
den Uhrmacbern verbreitet ^ vielmehr scheinen nur die eng-
a83
33. Älinlichkeit mit dem gemeinen Dockendveh-
stuhle hat der in Fig. %3 abgebildete Unruhdreh-
stuhl ^ dessen der Uhrmacher sich bedient^ um die
schon mit der Spindel versehene Unruhe abzudre-
hen. Die Gestalt des genannten Uhrbestandtheils
macht hier ebenfalls eine eigene Einspanqungsart
nöthig. Auch der Unruhdrehstuhl besitzt eine Art
Toa Spindel^ welche an ihrer hintern Spitze durch,
die mit einer Stellmutter b versehene Schraube ab
gehfüten wird^ vorn aber^ bei c in einem konischen
Lager läuft. Auf den vordem hohlen Schaft dieser
Spindel d, v^ird der zum Einspannen bestimmte Kopf
aufgesteckt^ -welcher in Fig. 44 tiach zwei Ansichten
vorgestellt ist^ Er besteht aus einer zum Aufstecken
bestimmten Hülse e^ aus einer daran sitzenden, schüs-
selförmig ausgedrehten Scheibe fy und aus einem an
die letztere mit drei Schrauben befestigten Rin^e g.
Seine Gestalt wird aus der vergröfserten Durchschnitt-
zeichnung Fig. 45 di^ deutlichsten werden, wo die
nähffllichen Theile auch mit den nähmlichen Buch-
staben bezeichnet sind. Die abzudrehende Unruhe
wird zwischen die Scheibe ff und den Ring gg so
eingelegt, dals der Rand derselben darüber hervor-
ragt, die an ihr befestigte Spindel steht durch die
Öffnung des Ringes heraus. Damit man beim Ein-
spannen jedes Mahl leicht das Mittel £nden, und die
Unruhe zum Rundlaufen bringen könne*, liegt in der
Uöhlimg der Spindel d ein elastischer Körner, d. h.
ein beweglicher Stift, auf welchem das Mittel durch
eine kleine konische Vertiefung angedeutet ist.
In diese Vertiefung setzt man den Zapfen der
Unruhe, wenn dieselbe am Drehstuhle befestigt
werden soll. Die Einrichtung des Kömers ist ganz
dieselbe, wie die (Fig. 38) gezeichnete, und(§. 3o)
lischen Hünstier sicli desselben zu bedienen. InFranltreich
und Deutschland wendet man, statt dessen, eu dem nähm-
lichen Behufe eine einfachere Vorrichtung , die sogenannte
Geradbohrmasehine an, deren Beschreibung nicht hierher
gehört.
beschriebene der elastischen Spitze, n i^t dieser
Körner^ m der Einschnitt desselben, o die Spiral-
feder, welche ihn elastisch macht, und f die Schraube
zum Feststellen desselben.
An den Unruh drehstühlen der englischen Uhr-
macher fehlt sowohl der elastische Körner, als der
auf der Scheibe / liegende Ring ; hier halten bloft
die Köpfe derdreiSchraubenauf dieinFig. Sa (§.28)
angegebene Art die Unruhe fest, die nur durch wie-
derhohlte Versuche zum Rundlaufen gebracht wer-
den kann.
IV.
Beschreibung eines neuen, leicht tracba-
ren, Baroskops zum Gebrauche beiiti Hö-
henmessen, statt des Höhen-Barometers.
Vom Herausgeber.
deit der Zeit, als man das Barometer als Instrument
zur Bestimmung der Höhen aus den korrespondiren-
den Barometerständen verwendet, hahen{die Physi-
ker sich vielfach hemüht, diesem Apparate diejenige
Einrichtung zu gehen , Vielehe ihn zu diesem Gebrau-
che am geschicktesten macht. £s sind in dieser RücL-
sicht vielerlei Vorschläge, und mehr oder vreniger
sinnreiche Anordnungen gemacht v?orden, um die
zwei wesentlichen Eigenschaften, auf welche es hier
ankommt, zu gewinnen, nähmlich ä) Genauigkeit
der Beobachtung, und b) Tragharkeit des Apparats,
so, dafs er auf Reisen ohne bedeutende Gefahr des
Zerbrechens oder Unrichtigwerdens mitgeführt wer-
den könne*
285
Was die Genauigkeit des Höhen - oder Rei^e*
barometers in der Beobachtung d^s jedesmahligea
Barometerstandes betrifft; so hängt diese von zwei
Beol)acbtungen ab^ nähmlich a) von der Beobachtung
des Standes des Quecksilberniveau im Barometer ; und
b) von der Beobachtung des Thermometers , v?elcher
die Temperatur des Queclisilbers in dem Barometer
anzeigen soll , weil die genaue Kenntnifs dieser Tem-
peratur nothvirendig ist^ um die wahre Höhe der
Quecksilbersäule bei einer bestimmten Temperatur,
z. B. bei o^ R. zu finden. *
ä) Die Höhe der Quecksilbersäule im Barometer
wird durch zwei Beobachtungen gegeben^ nähmhch
durch die Beobachtung des untern und jene des obern
Niveau^ das Reisebarometer mag übrigens auf irgend
eine Art eingerichtet seyn. Die Fehler dieser beiden
Beobachtungen können zusammen fallen oder sich
entgegenstehen^ und die Fehler in der Bestimmung
de^Höbe der Quecksilbersäule daher sich vergröfsern
oder vermindern. Bis zu welcher Genauigkeit man
den Stand des Quecksilberniveau in der Barometer-
röhre bei übrigens sorgfältiger Einrichtung durch Ver-
nier und Absehen unmittelbar beobachten könne^
hangt zwar %um Theil von der Übung und Geschick-
lichkeit des Beobachters ab. Wenn aber mehrere
Individuen , welche beiläufig gleiche Übung in ähnli-
chen Beobachtungen besitzen^ abwechselnd nach ein-
ander die Höhe der Quecksilbersäule eines genauen
Barometers bestimmen (nachdem jedes Mahl Vernier
lind Absehen wieder verrückt^ und von dem folgenden
Beobachter neu gestellt worden sind); so findet sich,
wenigstens nach meinen Erfahrungen^ dafs die Ge-
nauigkeit dieser unmittelbaren Beobachtung selten
höher ^ alsaufo.o4 einer Linie geht* Nin;imt man
mehrere Beobachtungen ( bei welcben jedoch we-
gen der dabei so leicht eintretenden Temperaturän-
denmgen die gröfste Vorsicht nothwendig ist) und
am
aus diesen den Durchschnitt ; so läfst sich allerdings
bei grofser Übung in der Behandlung dieses Instru-
mentes eine gröfsere Genauigkeit erreichen : ich halte
jedoch die Bestimmung auf ^§5 bis y^^ einer Linie
flir die Grenze y über welche hinaus fernere Anga-
ben ganz unsicher sind. Diese Genauigkeit ist fiir
die meisten Höhen * Beobachtungen allerdings mehr
als zureichend: nur bei gan2 geringen Höhen kommt
sie in Betracht} bei gröfsern verschwindet sie dage-
gen gänzlich.
b) Der Einflufs der Temperatur d^r Quecksil'^
bersäule bringt dagegen eiüe bedeutend gröfsere Un-
sicherheit in die genaue Beobachtung der Höhe die-
ser Säule. Denn da bekanntlich diese Queöksilber"
säule bei Erhöhung oder Verminderung der Tempe-
ratur sich vetlängert oder verkürzt y und diese Ände-
rung so bedeutend ist^ dafs sie fiii* 1^ R. Tempera-
tur^mterschiedbei der Quecksilbersäule von 38 ^ schon
0.075 Linien, und bei einem Barometerstande von
ad^^ noch 0.062 Linien beträgt; so erhellet hieraus;
dafj» eine Ungewifsheit in der Bestimmung de^ wahren
Temperatur der Quecksilbersäule indemAugenblickey
als ihr Niveau beobachtet wird, um i^ R. schon einen
bedeutend gröfsern Fehler hervorbringt, als derjenige,
welcher aus der unmittelbateb Beobacl|tung jenes Ni*-*
teaü hervorgehen kann. ^Würde der Bäroiäeterstand
bis auf X).'^' Ol genau beobachtet, so müfste die Beob*-
achtung dät Temperatur des Quecksilbers b^i^ ^ihein
Stande Von 28'' bis auf d^. i'i R., und bei eihem
Stande von :23" bis auf o^. i5 R. genau seyntj damit
das Beobachtungsresultat die Genauigkeit bis aufo'^^o<
der Quecksilberhöhe erhalte. Wie schwierig, nian
kann sagen, beinahe unmöglich eine so genaue Ausmit-
telung der TemperattA: der Quecksilbersäule im Baro^
ineter für die Zeit der Beobachtung sey, vermag je-'
der tVL beurtheiten, v^elcher mit Beobachtungen üb6)^
Ausgleichungen und Bestimmungen der Temperaturen
Terschiedener Körper sich beschäftiget hau
Bei allen Höhebarometern ^ welche ich bis jetzt
gesehen habe^ ist das zur Ausmittelung der Tempe-
ratur der Quecksilbersäule bestimmte Thermometer
in der Nähe der Barometerröhre an dem Gehäuse
derselben angebracht. Bei dieser Vorrichtung halte
ich es für sehr schwierige in den meisten Fällen
während der Beobachtungszeit die Temperatur der
Quecksilbersäule bis auf bedeutend weniger als 2^ ge-
nau zu bestimmen.
Bis nähmlich das Quecksilber im Barometer di«
Temperatur der unmittelbar umgebenden Luft^ welche
den Stand des äufsern Thermometers bestimmt ^ an-
nimmt ^ ist eine Zeit Ton wenigstens so Minuten er-
forderlich^ wenn der Temperatur- Unterschied 5° —
10^ R. beträgt. Hierbei wird vorausgesetzt ^ dafs
während dieser Zeit die Temperatur sich nicht ändere^
oder neue Schwankungen derselben eintreten. Wenn
also das Barometer aufgehängt und für die Beobach-
tung eingerichtet wird 3 so kann erst dann ^ wann datf
Thermometer etwa ao Minuten lang einen konstanten^
bis auf y'^ Grad bestimmbaren Stand behalten hat^
mit Siehe j'heit gerechnet werden, dafs die Tempera- ^
tur der Quecksilbersäule genau dieselbe sey y wie jene
des äufsern Thermometers. Allein diese Bedingung
ist^ zumahl an den Orten ^ wo man zu beobachten
gezwungen ist, sehr schwer \tnd nur zufällig zu er-
reichen* Die letzten Ausgleichungen der Tempera-
tur geschehen sehr langsam; und jede Schwankung
in derselben, während der erwähnten, zur vollstän-
digen Ausgleichung erforderlichen Zeit bringt Irrun-
gen heror. Solche Schwankungen werden durch
jeden Windstofs , durch einen Sonnenstrahl, durch
die Annäherung des Beobachters, welche gewöhn-
Heh das Thermometer stärker und schneller alEcirty
a88
I
\ I
als die Quecksilbersäule des Barohieters^ hervor ge-
bracht* Aus diesen Gründen^ und gestützt auf meh-
rere Beobachtungen^ glaube ich, dafs man unter den
bei den Höhenmessungen mit dem Barometer vor-
handenen Umständen und unter den nöthigen Vor-
sichten in der Regel bei der Bestimmung der Tem-
peratur der Barometersäule nicht bis auf viel weniger
als 2 ^ R. sicher sey. Diese Unsicherheit gibt für die
Höhe der Barometersäule Von 28'' einen Fehler von
o"' i5, und fiir aS" einen Fetler von o"' 124 ; wel-
cher iolglich beinahe zehn Mahl so grofs is|;, als der
Fehler bei der unmittelbaren Beobachtung 'der Queck-
silberhöhe.
Um den Grund dieses Fehlers von dem Höhen-
barometer wegzuschaffen, und ihm dadurch für die
Beobachtung jene Genauigkeit zu geben , deren es
möglicher Weise fähig ist, ist es nothwendig, das
Thermometer zur Messung der Temperatur der Queck-
silbersäule 'unmittelbar in das Quecksilber selbst zu
bringen, und zwar sowohl an dem untern Theile der
Säule als auch an einem höheren, damit dus den Ständen
der beiden Thermometer die mittlere Temperatur
genommen werden könne. Da in diesem Falle die
Kugel dieser Thermometer nur sehr klein, folglich
auch deren Skala, wenn der Quecksilberfaden leicht
sichtbar seyn soll , nicht so grofs seyn kann , dafs sie
wenigstens \ Grad mit Genauigkeit angibt ; so müfstc
man diesen Thermometern diejenige Einrichtung ge-
ben, welche ich nachher beschreiben werde, nähm-
lich die Kugel durch eine dünne Röhre ersetzen. Auf
diese Art geben diese Thermometer unmittelbar die
Temperatur der Quecksilbersäule an, und es ist für
i'ede Beobachtung nur ein kurzer Zeitraum erforder-
ich, indem es nun nicht mehr nöthig ist, eine lange
Zeit zu warten, um von der Übereinstimmung der
Temperatur der Barometersäule mit jener des äufsera
Thermometers versichert zu seyn. Übrigens ist je-
28g
doch nicht zu läugnen , dafs durch diese Einrichtung
die Gefahr der Beschädigung des Barometers hei
dem Transportiren bedeutend vermehrt werde.
Was die Tragbarkeit des Höhenbarometers he-
trifft^ so bleibt rücksicfatlich dieser Eigenschaft mehr
zu wünschen übrig ; und die vielfältigen' Abänderun-
gen^ welche man in dieser Rücksicht mit demselben
Torgenonunen hat^ scheinen die Forderungen noch
nicht zu befriedigen. Eine über ^8 Zoll lange mit
Quecksilber gefällte Glasröhre bleibt immer ein zur
bequemen und sichern Hin- und HerschaSung wenig
geeigneter Gegenstand^ man mag diesem Apparate
übrigens welch immer eine Einrichtung geben. Die
grofse Sorgfalt, welche dabei erforderlich ist^ um
das Barometer oder dessen toricellische Leere vor dem
Eindringen der äufsern Luft oder vor Feuchtigkeit
2u bewahren j vermehrt diese Schwierigkeiten. Hau*
fig geschieht es daher, dafs man auf Reisen das Hö-
henbarometer oft unbrauchbar findet, wenn man es
gerade am nöthigsten hätte. Diese Beschwerlichkei-
ten, verbunden mit der Kostspieligkeit solcher Appa-
rate , wenn sie jenen Grad von Vollendung besitzen
sollen, welcher ihrer Anwendung die erforderliche
Zuverläfsigkeit verschafft, scheinen der Grund zu
seyn , warum die Höhenmessungen durch das Baro-
meter , zumahl bei geringeren Höhen , noch keines-
wegs so verbreitet sind, als sie bei. der Genauigkeit,
die -sich damit erreichen läfst , zu seyn verdienen.
Es ist bekannt, dafs die Höhe einer Quecksilber-
säule, welche mit dem Drucke der korrespoqdiren-
den Luftsäule im Gleichgewichte steht, eigentlich das
Mafs der Dichtigkeit derjenigen Luft ist, welche mit
dem untern Niveau dieser Quecksilbersäule in Berüh-
rung steht , und dafs sonach die Barometerstände den
korrespondirenden Luftdichtigkeilen proportional sind.
Wenn man daher ein leichtes und bequemes Mittel
Jahrb. des polyt. Inst. IV. Bd. IQ
ago
hat 9 die relative Dichtigkeit der Luft an einer gewis*
sen Stelle mit Genauigkeit zu messen , so läfst sich
aus dieser Bestimmung der zugehörige Barometerstand
herleiten y ohne dafs man unmittelbar eine Quccksil-
hersäule zu messen nöthig hau
Nach diesem Grundsatze kann man folgende Me-
thode anwenden , um die Barometerhöhe auf einem
Berggipfel ohne Anwendung des Barometers mit gros-«
ser Genauigkeit zu bestimmen.
Man nehme ein Glasröhrchen voii etwa 8 Zoll
Länge und 4 ^^^ G Linien Weite ^ welches an dem
einen Ende zutfeschmolzcn , an dem andern aber mit
eiher kleinen Öffnung versehen ist^ welche sich am
Ende eines etwa eine Linie langen Röhrchens befin-
det^ in welches dieses Ende des Glaszylindct*s ansge^'
zogen ist. Man bestimmt nun mit Genauigkeit < die
Kapacität dieser Röhre durch Abwägen mit Queck-
silber y auf die Temperatur von o R. reducirt. Es
scy nähmlich das Gewicht des Quecksilbers ^ welches
die Röhre bis zu dem Punkte des dünnen Halses , bis
zu welchem dieser bei der folgenden Beobachtung mit
Siegellack verschlossen w^irdj anfüllt = ;?> dieXempe-,
ratur desselben = ^^ die kubische Ausdehnung des Gla-
ses für I® R. = k, die auf o R. reducirte Kapacität der
Glasröhre =s ^ in Gewichtstheilen ausgedrückt^ so
ist F's=:p ^i^kt)y wo die Gröfse p nach dem def
Temperatur t entsprechenden specif. Gewichte des
Quecksilbers korrigirt ist. Solcher in einem Futterale
leicht zu verwahrenden Glasröhren kann man meh-
rere mit sich führen, und auf jeder, den Werth voil
^bemerken/
Befindet man sich nun auf der Höhe^ deren zu-
{gehörigen Barometerstand ( in Korrespondenz mit
einem gleichzeitig unten beobachteten) man bestim->>
men will; so beobachtet man genau die Temperatixr
39«
»
des Thermometers^ welches *maa mit der ervrähnteii
Glasröhre längere Zeit in Berührung gelassen hat^und
verstopft hierauf die kleine Üfihung der Glasröhre
mit einem Knöpf chen Siegellack. Bringt man, nach-
dem man zu Hause angekommen ist, diese Röhre nun
in Quecksilber, nachdem man von dem dünn ausge-
zogenen Ende das Siegellack abgenonunen, oder das
vorher mit einem Einschnitte versehene Ende dieses.
Röhrchens abgebrochen hat; so dringt das Quecksil-
ber in dieselbe, und^füllt sie so weit ah, bis dieEIa-
sticität der innern Luft mit der äufsern im Gleichge-
wichte steht. Nachdem man die genaue Überein«^
stitnmnng des Niveau des Quecksilbers im Innern der
Röhre mit jenem aufserhalb derselben hergestellt, uad
die Temperatur des Quecksilbers, so wie den Stand
des Barometers beobachtet hat^ verschliefst man die
untere Öffnung mit dem Finger, hebt die Röhre aus
dem Quecksilber, und wiegt nun diese in die Röhre
eingedrungene Qüecksilbermenge ab ^ Welche von V
abgezogen, das Yolum der vorher verdünnten, nou
durch den untern Luftdruck zusammen gedrückten
Luft angibt, welches mit V* bezeichnet werden soll;
Hieraus läfst sich nun der beobachtete Barome-^
terstand auf folgende Art berechnen;
Es sey der gesuchte Barometerstand auf der Höhe;
auf o *^ R. reducirt, = b.
Die hier beobachtete Temperamr ät V;
Der Barometerstand, welcher unten vorhanden war;
als das Volum V^ gemessen wurde = J5'.
Die Temperatur des Quecksilbers bei dieser Mes-
sung =s ^. .
Die Ausdehnungsgröfse der Luft fiir . i ® R; s=s n =a
o.oo468-
Die kubische Ausdehnung de$ Glases =r ^ ss: ö . odd
o 3283 ,
so ist das Volum der in der ganzen Röhre enthaltenen/
^9*
bei b'Xxnd t' eingedrungenen Luft auf irgend Sinen
dritten Barometerstand B und auf o^ R. reducirt
= ^(i-^n«')(i~A:<')|.
i
Bei der unten bei B^ Barometerstand^ und t
Temperatur vorgenommenen Messung war das Volum
B=s /^^ folglich ist dieses Volum auf B. Barometer-
stand und o® R. reducirt =/^'(i — nt) (i — ^^)-o
Diese beiden Werthe sind gleich^ oder :
n I - nt') ( I -^^')^= ^( I -nt) (i^kt)^i also
l^^r'(i-^nt')\i-'kt) .^ ^^ ^ .^ Tj^^j,^^
. r(i^nt') (i^U^)
de^jB' liir 0° R. ausgedrückt ist.
Es ist nicht zu läugnen , dafs die Anwendung
dieser Methode umständlich sey , und wenn sie eine
grofse Genauigkeit geben soll^ Gewandtheit im E^pe-
rimentiren erfordere. Indessen scheint sie als Aus-
hülfsmittel vortheilhaft da angewendet werden zu kön-
nen y wo man grofse , mit Anstrengung und Gefahr
zu ersteigende Höhen messen will; in welchem Falle
es räthlich seyn dürfte^ mehrere solcher Röhren mit
sich zu fuhren, um mittelst derselben den Barome-
terstand zu bestimmen, wenn das Barometer schad-
haft geworden seyn sollte , oder auch um den durch
das Baropieter genonmienen Stand zu kontroUiren.
Ich habe diese Methode nicht wegen dieser
ziemUch beschränkten Anwendung umständlicher ange-
führt, sondern weil mir dieselbe zur Veranlassung
der Ausführung des Instrumentes gedient hat, wel-
ches der eigentliche Gegenstand dieses Aufsatzes ist.
Dieses Instrument i^t ein Luftthermometer, welches
so .eingerichtet ist , dafs durch Korrektion der durch
die Temperatur entstehenden Änderung die Elasti-
cität der aufsern Luft bestimmt werden kann* Bei
jedem Luftthermometer , in welchem die Luft mit ir-
gend einer Flüssigkeit , z. B. Quecksilber^ gesperrt
ist^ und die Luft über diesem Sperrungsmittel mit
der Atmosphäre in Verbindung steht ^ kann bekannt-
lich die richtige Bestimmung der Temperatur nur
dann erhalten werden^ wenn der Barometerstand bei
der Yon dem Instrumente angegebenen Ausdehnungs-
gröfse in Rechnimg gebracht , oder die Angabe des
Instruments auf denselben Barometerstand reducirt
"wird. Wendet man bei einem solchen Apparate das
umgekehrte Verfahren an , und reducirt die Angaben
des Instrumentes auf gleiche Temperatur^ so gibt
es die Bestimmungen des Barometerstandes. Die
letztere Methode ist das Princip des -Instrumentes^
welches ich hier beschreibe.
So einfach dieses Princip ist^ so ist dessen Aus-
fuhrung doch vielen Schwierigkeiten unterworfen,
wenn man diejenigen Forderungen befriedigen will,
welche hier gemacht werden können. Das erste In-
strument dieser Art habe ich vor drei Jahren verfer-
tigt, und durch Beobachtungen mit demselben die
Fehlergrenzen so wie die Verbesserungsweisen ken-
nen zu lernen gesucht. Nach Benützung dieser Er-
fahrungen und mehrfachen Abänderungen bin ich end-
lich bei derjenigen Einrichtung stehen geblieben,
welche ich in dem Nachstehenden beschreiben werde.
Ich übergehe dabei der Kürze wegen die Erfahrungs-
gründe, welche mich allmählich zu dieser Einrichtung
geführt haben , oder das Historische in der Konstruk-
tion meines Instrumentes, und übergebe diesen Ap-
parat in demjenigen Zustande, in welchem er mir
gegenwärtig fiir Höhenmessungen, meinen eigenen
Erfahrungen nach, sehr brauchbar scheint, der Be-
urtheilung , Benützung und weitern Vervollkonunnung
der Physiker.
294
I
Allgemeine Beschreibung des Instrumentes.
Die Zeichnung dieses Baroskops befindet sich
auf der Tafel VI, Fig. i in halber Gröfse. Auf einem
Bretchen von lo bis 12 Zoll Länge und 3 ZolLBreite
ist der aus Glas verfertigte Apparat befestigt, und mit
einem passenden Deckel von oben verschlossen. Die-
ser Apparat besteht aus einem dickeren, 4 — ^ Li*
nien v^eiten Glaszylinder h c, und aus einer mehr-
fach gebogenen dünnen Röhre ab, welche y^ bis-i^
Zoll innere Weite hat, und an dem untern Theile
des Glaszylinders angeschmolzen ist. In den Glaszy-
linder b c ist das Thermometer icn durch die obere
Öffnung c eingesenkt, so daf$ die mit der Skala ver-
sehene Thermometerröhre cm an der äufsern Wand
des Zylinders anliegt, der stau der Kugel in einen
dünnen langen Zylinder ausgezogene und mit Queck-
silber gefiilhe Theil ic aber, beiläufig nach der Achse
des weiten Zylinders hinläuft, und mit der untern
Spitze bis an die Öffnung der dünnen Röhre ab
reicht, und in der Mündimg derselben aufruht j die
obere Öffnung bo^ c ist mit Siegellack volkommen
verschlossen. Die Länge der einzelnen geraden Stücke
der gebogenen Röhre ab beträgt beiläufig 10 Zoll.
Das äufserste mit der Atmosphäre in Verbindung ste-
hende offene Ende dieser Röhre ist mit einem klei-
nen hfiessingenen Hahne versehen, welcher luftdicht
schliefst. In der gebogenen l^öhre, welche ich die
Skala * Röhre nennen will, befindet sich die schwarz
angedeutete Quecksilbersäule pq, welche sf gerade
Stücke der Skalaröhre ausfüllt. Diese Säule dient als
SpeiTungsmittel zwischen der im Zylinder eingeschlos-
senen Luft, und derjenigen, welche, in dem mit der
Atmosphäre korrespondirenden Theile der Skalaröhre
befindlich ist. An einem Theile der Skalaröhre, welche
dem untern Ende des Zylinders nahe liegt, z. B. bei
o, ist ein willkürlicher Punkt bezeichnet, welcher
im folgenden der Nullpunkt genannt wird. Von die-
•
sem Punkte an wird die Kapacität des Zylinders bc
gemessen, so wie die Kapacilät' der Skalartihre von
diesem Punkte angenommen wird. Eben so ist ein an-
derer Punkt der Skalaröhre bei «r beiläufig ^n derje-
nigen Stelle bezeichnet,. wo das Quecksilberniveau q
sich befindeor würde ,. wenn das entgegengesetzte Ni-
veau p sich nahe unter dem Hahne bei a befinden
würde. Der Zwischenraum zwischen diesen beiden
Punkten o und x macht die eigentliche Skala des
Instrumentes aus, und ist in loo der Kapacität nach
gleiche Theile eingetheilt, welche auf der Glasröhre
selbst durch feine Striche bezeichnet sind , und von
denen die Unterabtheilungen durch eine bewegliche,
aus Elfenbein verfertigte Skala gemessen werden, auf
welcher in der Länge eines Zolles 60 — 80 Theil-
striche aufgetragen sind. -Das Yolum der in dem Zy-
linder bc von dem Nullpunkte an eingeschlossenen
Luft ist mit Beziehung auf den Barometer- und Ther-
mometcrstand so regulirt, dafs bei einem Barometer-
stande von 2Q'^ und einer Temperatur von 0° R. das
Endniveau // der Quecksilbersäule auf den Nullpunkt
o zu stehen kommt. Der Glaszylinder bc ist mit
einer die Wärme schlecht leitenden Substanz , z. B.
Tuch, Baumwolle,' Firnifs oder Wachs überzogen,
damit er die Wärme in der Nähe des Beobachters
nicht zu schnell aufnehme. Auf dem Bretchen des
Instruments sind aufserdem noch zwei Libellen, die
eine nach der Länge, die andere nach der Breite des-
selben angebracht, um sich von der horizontalen Lage
des Instrumentes bei der Beobachtung zu versichern.
•
Theorie und Gebrauch dieses Baroskops.
Es Sey das Volum der in dem Zylinder des Ba-
roskops eingeschlossenen trockenen Luft, von dem
Nullpunkte an gerechnet, bei 0° R. und B Barofiic-
terstand ( dieser Barometerstand ist bei meinem In-
strumente als 39" angenommen) = /^ Für diesen
Fall steht das Ende q der Quecksilbersäule auf dorn
296
Nullpunkte. Erwärmt sich nun die Luft im Zylinder,
80 dehnt sie sich dieser Erwärmung proportional aus,
die Quecksilbersäule weicht daher zurück, bis das
Ende derselben q auf irgend einen Theil der Skala-
röhre trifit, z. B. auf denjenigen, welcher in der Fi-
gur mit q bezeichnet ist. Die Temperatur, welche
das Thermometer in dem Zylinder anzeigt , sey ss ty
so wird diese Vermehrung ded Luftvolums = />^ ( i
+ w^), wo ?i:= 0.00 468 für die Sotheilige Ther^
mometer - Skale.
Ändert sich nun dabei der Barometerstand B in 6,
so ändert sich das Volum der Luft in dem Zylinder
in dem verkehrten Verhältnisse dieser Barometer-
stände : bei der Temperatur t und dem Barometer-«
Stande b wird also jenes Luftvolum = /^( i+w^)-r.
Nun sey die Anzahl der Theile , um welche das
Ende der Quecksilbersäule q von dem Nullpunkte o.
sich entfernt hat, wie es sich durch die Beobachtung
für t und b ergibt, =s m, in Theilen des f^ ausge-
drückt ; so ist das' beobachtete Volum der einge-
schlossenen Luft, ohne Rücksicht auf die Ausdeh-
nung des Glases =i F '\' m. V^enn dagegen das
Glas sich im Verhältnisse von t ausdehnt ; so ist die-
ses beobachtete /^ -f tu zu klein , mufs daher im
Verhältnisse jener Ausdehnung vergröfsert werden,
und wird daher nach dieser Korrektion = (/^+w)
(i-^rkt). Dieser beobachtete Werth des Luftvolums
iiir t und b ist de^I berechneten gleich ; daher
(f^+m) (i+*0 «/^(i + /iO ^i folglich
Durch das Baroskop wird also der bei der Beob-
achtung Statt fii^dende Barometerstand erhalten, wenn
man die Temperatur des Thermometers ==? ^, und
den Stand, des Instruments ss m beobachtet} und
397
hiernach , da y und B für ein bestimmtes Instrument
einen beständigen Werth haben, den Barometerstand
b aus obiger Formel berechnet} was längstens in
einer Viertelstunde geschehen ist. Dieser gefundene
Barometerstand b gilt für die Temperatur der Queck-
silbersäule von o^ R; und in demjenigen Mafse^ in
i^elchem B angegeben ist.
Diese Berechnung des Barometerstandes aus den
Angaben des Instrumentes ist jedoch nur dann nöthig,
^enn die beiden zu einer Höbenijnessung gehörigen
Beobachtungen mit zwei verschiedenen Instrumenten,
bei welchen die Gröfisen /^und B einen andern Werth
hätten , angestellt worden wären. Ist jedoch zu die*
sen Beobachtungen dasselbe Instrument gebraucht
virordeh ( wie dieses in der Regel anzunehmen is{ ) ;
so behalten /^und Zimmer denselben Werth, fallen
daher aus der Rechnung , und der Werth von b wird
durch die einfache Form = X
bestimmt, d. i., die Berghöhen werden nach den
Angaben dieses Instrumentes unmittelbar aus dem
yerhältnisse der Luftdichtigkeiten in den beiden
Stationen bei der Temperatur von o° R. berechnet;
Wobei die Luftdichtigkeit bei dem Barometerstände
ß und o^ R. , durch die Gröfse 7? bemessen ist.
Da die Berechnung des obigen Ausdrucks kaum
mehr Zeit erfordert, als die Reduktion eines beob-
achteten Barometerstandes auf die Temperatur von
o R , und wenn man diese Rechnung mit Logarith-
men macht, man dadurch sogleich den in die Höhen-
formel zu setzenden Logarithmus von b erhält: so
erhellet hieraus , dafs die. An Wendung dieses Instru-
mentes beim Höhenmessen nicht mehr Rechnung
brauche, als bei den Beobachtungen mit dem Baro-
meter , ja noch weniger, wenn man bei dem letzte-
39« .
' ren noch die Ausdehnung der Skala und die Kapil-
larität der Röhre in Rechnung bringen will.
Es sey die Temperatur des Instruments und der Luft
auf der unteren Station =:: t^ jene auf der obem
= t^i und
die Dichtigkeit der Luft bei o^ R.^auf der unteren
Station d, jene auf der obern =d';
so ist a =: - — 1—7 und d i= ,
daher die Höhe in Wiener Klaftern :
H ^ 96Ö4 log. ^^. ( I + o.poS (iii' ) ).
Von der Art und Weise , das Instrument wäh-
rend der Beobachtung zu behandeln.
Wenn das Instrument aufbewahrt oder transpor-
tirt werden soll^ so bringt man durch die senkrechte
Stellung des Instrumentes die sperrende Quecksil-
bersäule in eine solche Lage^ dafs die Luft in dem
Zylinder so weit ausgedehnt oder zusammen gedrückt
wird (je nachdem die durcl* den vorhandenen Baro-
meter - und Thermometerstand bedingte Lage der
Quecksilbersäule es rathsam macht )^ als der. drücken-
den Quecksilbersäule (nach der einen oder der an-
dern Seite) zukömmt, und verschliefst hierauf den
Hahn, welcher an dem Ende der Skalaröbre ange-
bracht ist. Dadurch werden die Oseillationen der
sperrenden Quecksilbersäule, bei der Neigung des In-
strunients io verschiedenen Richtungen, klein, $0
dafs auch bei heftigeren Erschütterungen keine Tren-
nung dieser Säule zu beflirchtcn steht. Man kann so
das Instrument , nachdem es mit seinem Peckel ver-
sehen worden, in der Rocktasche bei sich führen,
ohne wegen einer Beschädigung desselben unter den
gewöhnlichen Umständen besorgt sejn zu dürfen.
Ein Zutritt der äufseren LüA zu- der abgeschlossenen
Luft des Zylinders durch die sperrende Quecksilber^
säule hindurch ist in jedem Falle wegen der Länge
dieser Säule unmöglich; und wenn bei heftigeren
Stöfsen auch «ine Luftblase in diese Säule eindrin-
gen sollte^ welches immer nur nahe an dem einen
oder dem anderen Ende derselben Statt findet, so
kann diese durch zweckmäfsiges Schütteln sehr leicht
wieder weggeschafft werden.
Wenn man mit dem Baroskop an einem Orte
beobachten will ; so legt man dasselbe auf irgend eine
Unterlage (z.B. einen Tisch, Stein, Hut.etc, welche
man mit einem zusammengefalteten Taschentuche be-
deckt hat) nach dem Stande der auf dem Brete be-
festigten Libellen beiläufig horizontal, *^öffnet hierauf
den Hahn, stellt durch gelindes Hin- und Uernei-
gen die Sperrungssäule in die gehörige Lage, und
legt auf diejenige Stelle, wo das Ende ^dieser Säule
ist, die kleine verschiebbare Skala, durch welche ein
Theil der Skala;*öhre in kleine Thcile getheilt wird;
damit man bei der nachfolgenden genaueren Bestim-
mung dieser Thcile schon alles an seinem Orte finde.
Bei dieser Aufstellung des Instruments ist darauf zu
sehen, dafs der Ort, an dem es sich befindet, nicht
dem Sonnenscheine ausgesetzt sey, damit das In-
strument wenigstens so lange in einer gleichblei-
benden Temperatur sich befinde , bis das Ther-
mometer desselben und die Luft des Zylinders eine
gleiche Temperatur angenommen haben, welches
längstens in 5 Minuten der Fall ist. Beobachtet man
ganz im Freien , so mufs man daher das Instrument
mit einem Tuche , Hute u. dgl. bedecken« ^Um sich
zu vensichern, dafs die Temperatur des Instrumoiites
konstant geworden sey, ist es gut, nach einigen Mi-
nuten die Skala des Thermometers mittelst einer
Loupe schnell und mit Zurückhaltung des Athems
zu beobachten , und nach kurzer Zeit diese Beobach-^
3oo
tung zu wiederhohlen. Findet man , dafs der Thermo-
meterstand mit dem früher beobachteten derselbe ist^
so schreitet man sogleich zur Beobachtung des Stan-
des der Quecksilbersäule in der Skalaröhre oder der
Ausdehnungsgröfse der Luft = m. Hätte sich der
Thermometerstand geändert , so ist es gut^ mit der
Beobachtung noch einige Minuten abzuwarten.
. Bei der definitiven Beobachtung bemerkt man
also in jedem Falle zuerst den Stand des Thermome-
ters mittelst einer Loupe so genau als möglich^ und
notirt sogleich diesen Stand; hierauf bemerkt man
sogleich den Stand der Quecksilbersäule oder die
Gröfse m auf folgende Weise:
Die Sperrungssäule ist, wie schon oben gesagt
worden, «o lang, dafs sie zwei Röhren ganz, und
eine dritte blofs auf etwa ein Drittel anfüllt. Je nach
der Gröfse der Luftausdehnung nimmt also diese
Säule den Raum von 2 Röhren und einen Theil einer
dHtten ein ( dieser Fall ist bei den meisten Beobach-
tui^gen vorhanden) ; oder jene Säule ist in vier Röh-
ren vertheilt, so dafs dann jede dieser zwei Röhren
nur etwa die Hälfte so viel Quecksilber, als vorher
die dritte enthält In dem ersten dieser beiden Fälle
{^A) sind die Endniveau der horizontalen Quecksil-
bersäule um ein Drittheil einer Röhrenlänge von ein-
ander entfernt , in dem zweiten Falle (Ja) hingegen,
kommen sie einander immer näher, bis sie in einer
gewissen Lage in einer Linie stehen, welche senk-
recht durch die lange Achse des Brötchens geht.
Ist bei der Beobachtung der Fall {A) vorhanden,
so hebt man das Bret .an den Enden seiner Jangen
Achse, in der Figur bei ^, jiy etwas in die Höhe,
indem man es so halt, dafs die Blase der nach der
Breite des Bretes liegenden Libelle in der Mitte steht,
und neigt nun das Bretchen mit den Enden A und A
3ot
darcH Drehung desselben um die*! senkrecht auf die
Länge gezogene Achse uet mehrere Mahle sanft auf •
und abwärts^ so dafs die Blase der Libelle Z Anfangs
ihre ganze Rghre durchläuft^ dann kleinere Theile
and bei den letzten Neigungen nur wenig von' dem
Mittelpunkte der Libelle rechts und links abweicht,
wobei man Acht hat , dafs die Neigungen so reguKrt
"werdfen , dafs die zu einer jeden derselben gehörigen
zwei entgegengesetzten Bewegungen der Blase bei-
läufig gleich grofs sind; während dem aber die Blase
der zweiten Libelle ihre Lage in der Mitte behält.
Nach vier bis fiinf dergleichen Neigungen hat das Ni^
veau der Sperrungssäule seine Stelle eingenommen.
Ist dagegen der zweite Fall (B) vorhanden, so ge*
schehen die Neigungen des Instruments nach der 4
Breite desselben, nähmlich durch gelinde Drehung
um die Längenachse ß^ ß', während welchen die Blase
der Libelle / spielt, jene der Libelle L aber auf
dem Mittelpunkte erhalten wird. Sobald nun auf
eine oder die andere Art die gehörige Lage der Sper-
rungssäule. oder ihres Endpunktes q hergestellt ist,
wird nun das Instrument sogleich auf die Unter-
lage zurück gestellt, und mit der linken- Hand an
dem eilen Ende des Bretchens festgehalten, wobei
jnan es so wendet, dafs die Blasen der beiden Libel-
len in der Mitte stehen, klopft hierauf einige Mahl
mit deüi Zeigefinger der rechten Hand an das andere
Ende, um die Quecksilbersäule etwas zu erschüttern,
und liest nun den Stand des Endniveau oder die Gröfse
m , und zwar nach dem scharfen Rande des Endes
der Quecksilbersäule, mittelst der Loupe auf der
beweglichen Skala genau ab, und notirt dieselbe. Die
Zahl der gröfsern auf der Glasröhre selbst bezeicbne-
ten Theile kann man mit Mufse nachher bemerken.
Hierauf besichtigt man mit der Loupe neuerdings die
Skala des Thermometers und bemerkt dessen Stand.
Wenn der Zylinder des Instruments, wie oben be-
merkt worden, mit einem die Wärme abhaltenden
3oa
Überzuge versehen ist, und man in diesen Beobach-
tungen einige Übung erlangt hat; so findet sich oft^
dafs nach Beendigung der Beobachtung das Thermo«
xneter des Instruments noch ganz unverändert steht.
' Sollte dieses aber nicht der Fall seyn ^ so Vfird aus dea
beiden beobachteten Thermometerständen das Mittel
genommen, und dieses als der zu der beobachteten
Grüfse von m gehörige Thermometerstand notirt.
Wenn man .unmittelbar nach der zweiten Beob-
achtung des Thermometers den Stand von m neuere
dings beobachtet, nachdem man vrie vorher dasBret-
eben mit der linken Hand gefafst hat, und das an^^
dere Ende mit der rechten erschüttert, während diel
Blasen der beiden Libellen in ihrer Mitte erhalten
werden , hierauf wieder den Thermometerstand, und
dann wieder nach Wiederhohluug der torigen Mani*
pulation den Stand von m, u. s. f. (wobei der zu dem
vorigen m gehörige zweite Thermometerstand, der
erste für das folgende m wird^ u. s. w.), so kann man
von beiden Gröfsen sehr ge;iaue Mittel erhalten. ^ Je«*
doch darf bei diesem Verfahren die Temperatur des
Instruments nicht zu schnell steigen, sonst werden
die Beobachtungen unrichtig, indem die Ausdehnung
der Luft oder die Änderung von m in sehr kurzen
Zeiträumen nicht völlig genau mit der durch das
Thermometer angezeigten Temperatur gleichen Schritt
hält (was wahrscheinlich daher rührt^ dafs das Queck^
Silber die strahlende Wärme schneller aufnimmt und
abgibt, als die Luft); sondern es ist, wenigstens eine
kurze Zeit hindurch, eine Beständigkeit der Tempe-*
ratur erforderlich, damit die Temperatur der Luft
nnd des Thermometers gleich seyen.
Um 2^u{ die beschriebene Weise dieses Baroskop
mit Sicherheit und Leichtigkeit zu behandeln, so
dafs die Gröfse m mit Genauigkeit und in kurzer Zeit
beobachtet werden kann ; ist einige Übung erforder-
3o3
lieh 9 die man sich in kurzer Zeit durch öftere Wie*-
derhohlungcn in der Beobachtung des Standes des
Quecksilberniveau q erwirbt.
Der Grund dieses Verfahrens zur richtigen Be-
stimmung der Gröfse m oder des Quecksilberniveau q
leuchtet übrigens von selbst ein. Denn wenn die Bla-
sen der Libellen' in der Mitte einspielen y und die
Röhren des Inkrumenles auf dem Bretchen überall
gleich aufliegen^ so hat die sperrende Quecksilbersäule
selbst eine horizontaleLage, durch gelinde Neigung oder
Drehung um derselben Achse wird also die Trägheit
der sperrenden Säule überwunden^ und der gesuchte
, Punkt q liegt bei den letzten kleinen Neigungen in
der Mitte der sehr kleinen zuletz.t Statt findenden
Schwankungen jenes Niveau; und dieses Niveau
nimmt nun durch eine mäfsige Erschütterung genau
diejenige Stelle ein^ bei welcher die auf beiden Enden
der sperrenden Quecksilbersäule anliegende Luft die-^
selbe Elasticität hat.
Von der Grenze der Genauigkeit iii der Beob-'
achtung mit diesem Instrumente.
Die richtige Konstruktion und Thcilung des In«
^trumentes^ wovon nachher die Rede ist, voraus^^c-
setzt ^ häiigt die Gehauigkeitsgreüze iü der Beobach-
tung mit diesem Baroskop von folgenden Gröfscn ab>
näbmlich: i) von der Bestimmung der Temperatui'
oder der Gröfse t^!x) von der Bestimmung der Lage
des Quecksilberendes ^ öder der Gröfse m^ 3) von
dem Einflüsse in der richtigen Bestimmung der Gröfsä
F'y welche für dasselbe Instrument ein für alle Mahl
Statt findet, so dafs bei jeder Beobachtung eigentlich
nur die Bestimmungen der beiden ersten Gröfsen in
Betracht kommen.
i) Es sey die an dem Thermometer beobachtete^
zu m gehörige Temperatur t etwas zu klein, und.
die wahre Temperatur = ^', der zu der letztera
3o4
gehörige, aus der Formel sioh ergebende Barometer-
stand = Ä', so ist b'-^h :^ i — 1—L — .b. Der Stand \
des Thermometers an dem Instrumente kann nun bis
auf 0.0125 eines Grades R. beobachtet werden. Denn
die Skala des Thermometers erhält eine Länge von
10 Zollen^ auf welcher sich 4o Grade R. (3o^ ober
o und lO^ unter o) befinden ; folglich konunen auf i^
R. 3 Linien. Nun gibt ein Zoll dieser Skala, in 7a
Theile getheilt, noch eine reine nicht zu enge Thei*
lung auf Elfenbein oder Silber, von welcher sich
Yiertheile noch leicht und sicher nach dem Stande
des Quecksilberfadens in der Thermometerröhre mit
der Loupe abschätzen lassen ; folglich erhält der Grad
18 Theiis triebe, und durch Abschätzung geht die
Genauigkeit der Beobachtung bis auf ^ ss • — =.
o^.oiaS. Ist nun it' — ^=:o°oi25; so wird ^'— ä=s
o"'. 018 für t= 10° und Ä = aS'^j f ür A = a3''
wird Ä' — Ä= o'". 01 4 • bei niedrigem Barometerstän-
den noch geringer. Die Temperatur kann also so ge-
nau beobachtet werden , dafs bei mittleren* Barome-
terständen die Fehlergrenze in der Bestimmung der
Höhe der Quecksilbersäule nur etwa 0.0 1^ Linie be-
trägt, wobei nur von einer einzigen Beobachtung,
und nicht von einem' Mittel aus mehreren die
Rede ist.
a) Die beobachtete Gröfse m sej etwas zu klein,
und die wahre sey = m', der zu dieser gehörige Ba-
rometerstand SB 6' so ist b -^b^ = — H — bx wo
/^= 349-3 bei einem meiner Inst;*umente. Nun kann
die Gröfse m bei diesem Verhältnisse der Kapacität
des Zylinders =3 Zugegen jene der Skalaröhre = 1 00
leicht bis auf -^^ eines Theiles (wie diese in der
Skalaröhre eingegraben sind) bestimmt werden. Denn
3o$
ein solcher Theil 'wird durch die bewegliche Skala in
3o Theile geiheilt^ und jeder solcher Theil kann noch
leicht in Beziehung auf den scharfen Rand des Queck-
silberniveau halbirt werden. Ist nun m^ ^ m =: -Jf^,
so wird Ä — Ä' = o'".oi5 für Ä = a8", für höheren
Barometerstand^ noch geringer. Diese Genauigkeit
kann durch die Vergröfserung des Werthes von P^
für das Instrument noch erhöht werden.
3) Was endlich die Genauigkeit in der Bestim*
mung der Gröfse f^ betrifft (von welcher nachher
Lei der Verfertigung des Instrumentes die Rede ist)^
so ist bei dem Instrumente , welches ich hier als Bei^
spiel nehme > dieselbe folgender Gestalt beschaffen.
Das Yerhältnifs des Volums der Skalaröhre ^ nähmlich
der 100 Theile derselben , zu dem Volum des Zy-
linders^ wird durch das Gewicht der Quecksilber-
mengen, welche diese Räume bei gleicher Tempera-
tur ausfüllen^ bestimmt. Das Gewicht einer jeden
dieser Mengen kann leicht auf einer geeigneten Wage
bis zu ^ Gran , jenes fiir die Skalaröhre (wo die Queck-
silberniveau's bereits durch die EndtheUungenbegränzt
sind ) noch genauer bestimmt werden. Nun betrug
bei dem vorliegenden Instrumente das Gewicht des
Quecksilbers in der Skalaröhre =s 9748 Gran^ jenes
in dem Zylinder =: 34o3.8 Gran; folglich ist loo«*
f^ = 974*5 : 34o3.8 oder P^ = 349.287. 'Setzen
wir nun den Fall^ jenes Gewicht des Quecksilbers
im Zylinder sey um die bedeutende Gröfse von
1.21 Gran zu klein, oder es sey 34o5 Gran, so
würde demnach f^ = 349-4o9* Nun ist b' -^ b ^=i
-~ — ^-j — L— b\ y* -^ V sey nach dem Vorigen
K {^ K -X ^ )
= o. 122; so ist für 28' b'^b =^ o'".oo79. I)ie
Gröfse f^ konnte also um o.ü unrichtig seyn , und es
würde bei b = 28" doch erst nur etwas über ^^^
Linie Unrichtigkeit in der Bestimmung des Barome^
terstandes hervorgebracht werden, bei niedrigem Ba-
rometerständen noch weniger.
Jalirb. J, pol^t. lii«t. IV. lld, 20
3o6
Hieraus foIgt> dafs bei cfiner genauen Konstruk-
tion des Instrumentes^ und bei genauen Beobachtung^
gen es möglich sey^ mittelst desselben den Barometer*
stand bis nahe auf j§-^ Linie genau zu bestimmen«
Von der Art und Weise ^ das Baroskop zu ver-
fertigen ^ und von den dabei zu beobachtenden
Vorsichten.
Von der Sorgfalt in der Verfertigung und Thei-
lung des Instruments hängt die Genauigkeit ^desselben
ab^ und es ist daher nothwendig^ dafs der Physiker
selbst sowohl die Theilung als die Regulirung des In*
strumenles verrichte. Die Herstellung dieses Baro-
skops betrifft folgende > in der nachfolgenden Ordnung
vorzunehmende Verrichtungen:
. i) Di^ Verfertigung der gebogenen Glasröhre mit dem
Zylinder.
d) Die Reinigung derselben«
3) Die Verfertigung des Thermometers«
4) Die Eintheilung des Theiles der gebogenen
Röhre, welcher die Skala enthält^ nebst der
beweglichen Skala.
«
5) Die Bestimmung des Verhältnisses zwischen der
Kapaciiät der Skalaröhre und jener des Zylin*
ders, oderBestimmung des Werthes von V.
6) Einfiillung der Sperrungs - Quecksilbersäule.
7) Austrocknung der Luft im Zylinder«
8) Regulirung des Instrumentes für dessen Über-
einstimmung mit dem Barometerstande«
3o7
9) Befestigung desselben auf dem Brete^ mit den
Libellen.
1) Die gebogene Gl€isrbhre mii dem an dem
einen Ende derselben angeblasenen Glaszylinder
kann von jedem gescbickten Glasblaser verfertigt
vre^rden. Diejenigen, welche ich besitze, sind von
dem sehr kunstfertigen Glasperlen -Fabrikanten, Hm»
Anton Schwefel in ff^ien, hergestellt worden. Zu
der Skalaröhre, welche eine Länge von 5o — 70 Zoll
hat, wird eine etwa eine Linie innert Weitß haU
tende, so viel möglich gleich dicke Glasröhre genom-»
men, und dieselbe^ wie die Figur zeigt, fünf Mahl
oder sieben Mahl hin und her gebogen, so dafs die
' einzelnen Stücke beiläufig miteinander parallel, gleich-
weit von einander entfernt, und von gleicher Länge
sind. . Diese letzteren Erfordernisse sind jedoch kei«
neswegs* wesentlich, sondern gehören nur zum bes^r
Sern äufsern Ansehen des Instrumentes, so wie zur
Raumersparnifs. Für die, Genauigkeit des Instrumen-»
tes aber wesentlich ist der Umstand, dafs di^ sämmt*
liehen fünf Röhren, so wie deren Biegungen, möglichst
genau in einer und derselben Ebene liegen. Denn
es ist aus der obeA beschriebenen Art, mit dieseni
Instrumente zu beobachten, klar, dafs wenn eine
Röhre, in welcher sich die Sperrungs- Quecksilber-
säule befindet", etwas höhet läge, als die übrigen, in
welchen diese Quecksilbersäulen gleichfalls vertheilt
ist, dadurch der Druck einer kleinen Quecksilber^
säule nach der einen oder der andern Seite hin ent-
stehen, und einige Unrichtigkeit hervorbringen würde.
Übrigens wird weiter unten (6) die Vorsicht erwähnt
werden, durch welche kleine Unregelmäfsiskeiten
in der horizontalen Lage der Quecksilbersäule un«r
schädlich werden.
An dem einen Ende dieseir gebogenen Röhre
:io
3o8
wird nun der Glaszylinder angeblasen, und mit der-
selben gleichfalls parallel aufwärts gebogen.
Dieser Zylinder kann etwas kürzer seyn , als die
HöIie der Skalaröhre ; bben hat er eine Ofihung, welche
grofs genug ist, dafs das im Nachfolgenden zu be-
schreibende Thermometer in denselben hinein ge-
schoben werden kann. Die Weite dieses Zylinders
nimmt man so , dafs beiläufig 3} bis 4 Mahl so viel
Quecksilber, als die Röhren der Skalaröhre (oder
als fünf Röhren derselben, wenn sie sieben Biegungen
hat) enthalten, denselben anfüllet. Es ist übrigens
aus der Theorie dieses Baroskops bereits bekannt, dafs
je gröfser die Kapacität dieses Zylinders oder der
Werth von» K genommen werde , desto gröfser die
Skala für denselben Werth des Barometerstandes
werde; dagegen aber mit demselben Instrumente auch
nur zu einer geringeren Höhe gemessen werden kön-
ne, wenn die Anzahl der Röhren nicht vermehrt
werden soll. Es sey nähmlich bei einem solchen In-
strumente V=^ 35o, wo die Kapacität der getheilten
y
Skalaröhre = loo} so ist für o° R., A = — - — . By
V\ m
ist nun -B= 29" für o R., so kann bei dieser Tem-
peratur, mit dem Instrumente so hoch gemessen wer-
den, bis m =: 100 wird, also bis zum Barometer-
stande von '^^§ B s= a3'^5. Da die Lange der Skala
s=: 100 bei diesem Instrumente, weichesaus sieben Röh-
ren besteht, etwa f^S Zoll beträgt ; so werden ^Iso G§
Zoll Barometerhöhe auf einer Skala von 4^ Zoll ge-
messen , also I ^' durch beinahe 7 Zoll.
•
Da eine Skalaröhre von nur fünf Biegungen leichter
und genauer zu verfertigen ist, als mit sieben Bie-
gungen oder einzelnen Röhren, so ist es auch, um
eine grofse Skala zu erhalten , vortheilhaf t , zwei In-
strumeote von fünf Biegungen oder Röhren in der Art
KU reguliren, da/s das eine nur zu Messungen von
3o9
gro&eren, das aodere aber zuMessungeii von gerin-
geren Barometerständen dient. Es sey z» B. fdr ein sol-
ches Instrument der Zylinder so genommen^ dafs
sich die Kapacität der Röhren j auf welchen sich die
Skala beGndet^ zu jener des Zylinders verhält, vrie
ioo:5oo;'der o Punkt oder B ist auf ag'^ regulirt;
so miist dieses Instrument bei o^ R. bis zu dem Ba-
rometerslande von -^tl^^Q =s a4^ Zoll* Die Länge
der Skala beträgt hier 37 Zoll; also kommen auf ^%*'
Barometerdifferenz, 27 Zoll der Skala, oder auf i**
etwa 5/5 Zoll. Diese Gröfse ist zur genauen Beob-
achtung von m mehr als hinreichend.
Regulirt man nun den Nullpunkt eines zweiten
auf dieselbe Weise konstruirten Instruments auf a4''>
oder setzt B = a4'' » ^o kann mit diesem bei o^ IL
bis zu dem Barometerstande von^. a4*=^ ^o'* ge-
messen werden. Bei diesem zweiten Instrumente
mufs übrigens der Hahn am Ende der Skalaröhre
so lange genau geschlossen bleiben , als der Barometer-
stand noch über a4'' ist, damit das Sperrungsqueck-
silber nicht in den Zylinder zurück treten Diese Vor-
sicht ist auch bei dem gewöhnlichen, auf 119'^ bei o^
R. gestellten Instrumente zu beobachten, wenn das-
selbe bei hohem Barometerstande bei einer bedeutend
unter o^ R. gesunkenen Temperatur transportirl
würde.
Übrigens ist es wahrscheinlich, dafs ein geschickter
Glasblaser, welcher sich mit der Verfertigung der
Glasröhrep dieses Instrumentes beschäftigte, nach
einiger Übung und Erfahrung Mittel finden würde,
welche deren Herstellung bei möglichster Genauigkeit
sehr erleichtern. So könnte man z. B. die, hier im
Grunde allein wesentliche, Lage der sämmtlichen Röh-
ren in derselben Ebene vielleicht dadurch leicht und
sicher erreichen, dafs man die nach der gehörigen
Form gebogene Röhre auf eine bis zum Glüheii er-^
3io
faitzte ebene Platte legte, und auf derselben allmäh-
lich erkalten lielse.
ü) Da diese Glasröhren^ wenn sie 'aus den Hän-
den des Glasblasers kommen , im Innern theils durch
Staub ^ theils durch QuecksUberoxyd (beim Abmes-
sen der beiläufigen Kapacitäten von Röhrea und Zy-
linder) verunreinigt sind^ so müssen sie vollkommen
rein hergestellt v^erden. Diese Reinigung geschieht,
indeqa man reines Ammoniak (Ätzammoniak) wieder«^
höhlt durch di^ Röhren hindurch laufen läfst. Man
setzt zu diesem Behuie auf die Öffnung des Zylinders
einen gläsernen Trichter, und schüttet die Flüssig-
keit in denselben, v^ährend sie aus der entgegenge-*^
setzten Öffnung der Skalaröhre abfliefsi. Durch das
Ammoniak ' vvird auch von den Innern Wänden dasje«-
nige Quecksilber abgelöst, virelches durch Schmutz
ein oxydähnliches Ansehen erhalten hätte. Ist dieses
aber nicht der Fall, und es wären noch hier und da
trübe Flecken in der Röhre bemerkbar ; so mufs man
nach Ausleerung des Ammoniaks destillirtes Wasser,
nach diesem* verdünnte Salpetersäure, und hierauf
"wieder destillirtes Wasser durchlaufen lassen, um
die Säure völlig auszuspülen. Das Innere der Röhre
wird nun vollkommen rein.
Die Röhre mufs nun ausgetrocknet werden, was
einige Zeit erfordert , und auf folgende Art bewerk-
stelligt wird. Man füllt den (senkrecht stehenden)
Zylinder mit ganz reinem Quecksilber an ,' und läfst
dieses durch sämmtliohe Röhren hindurchlaufen, wo^
durch der gröfdte Theil des Wassers hinaus geschafft
^ird. Diese Operation wiederhohlt man einige Mahl,
nachdem man aas Quecksilber vorher mit Fliefspapier
gut abgetrocknet hat. Man richtet nun eine kleine
hauchige Flasche , welche mA trockenem salzsauren
Kalk zur Hälfte gefüllt ist, so vor, dafs das offene
Ende des Zylinders mittelst eines flachen Korkstö«
3ii
pfels und Wacl^ oder auch blofs durch Wachs luft-
dicht in ihrem Halse befestiget werden kann. Die
nach dem Vorigen schon ziemlich vom Wasser gereir
nigte Rohre legt man nun auf ein erhitztes Blechj
oder erhitzt sie über einem Kohlenfeuer ^ so dafs sie
»emlich warm wird^ und nachdem sie wieder etwas
abgekiihlt^ befestigt man sie mittelst des Halses des
Zylinders in dem Halse der Flasche^ den man durch
Auf tröpfeln von Wachs gut verschliefst^ und läfst das
Ganze an einem ruhigen Orte etwa acht Tage lang stec-
hen y nachdem man die Öffnung der Skalaröhre o^it
einen) Papiere vor dem Staube verwahrt hat. Es ist
gut^ um den Luftwechsel in der Röhre zu befördern^
Vrenn man während dieser Zeit den Bauch der Glas-
flasche einige Mahl erwärmt (im Winter an dem
Ofen , im Sommer an der Sonne ), damit die trockene
Luft aus derselben sich durch die Röhre hindurch
vierbreitOt
Hat man endlich die Röhre ^ nachdem man keine
Spur von Feuchtigkeit mehr in derselben bemerkt^
wieder von der Flasche getrennt; so befestigt man
nun den Hahn an dem äufseren Ende der Skala-
röhre ^ und verschliefst denselben ; das offene Ende
des Zylinders wird gleichfalls mit einem kleinen Kork-
stöpfel verschlossen. Der Hahi#!9st von Messinge
seine Hülse pafst ziemlich genau auf das Ende der
Röhre ^ und er wird aufgekittet ^ indem man dieses
fTnde in der Nähe einer WachsAamme wärmt y dann
mit einer dünnen Lage Siegellack überzieht^ und nun
die Hülse des I^ahnes^ die man vorher gleichfalls er*
Wärmt hat^ darüber schiebt.
3) Bei der Verfertigung des Thermometers
sind diejenigen Vorsichten zu beobachten^ welche
bei der Verfertigung eines jeden genauen Thermome-
iers Statt finden müssen; daher ich mich hier vor-
züglich auf dasjenige beschränke ^ was diesem In-
Qtrumente ia dieser Rücksicht eigenthümlich ist. Es
ist schon obeu gesagt worden^ dafs bei diesem Thcr-
mome^r die gewöhnliche Kugel durch einen langen
Zylinder ersetzt ist^ welchem die Xhermometer-
röhre pralle! läuft^ wie Fig. III Taf« VL Dieser
dünne Z)üindcr ist so lang, dafs^ wenn er sich ia
den Zylinder des Instruments eingeschoben befindet|
und die obere Biegung auf dem Rande der ÖQnung
desselben aufliegt^ die untere Spitze noch an das
untere £nde des Zylinders reicht^ um in dessen Ver-
engerung aufzuruhen. Die Kapacität des dünnen Zy-
linders ist so regulirt^ dafs^ wie schon' oben gesagt,
die Thermometerröhre von der Biegung an bis zu
ihrem Ende^ oder in einer Länge von lo bis ii Zol-
len nur 4o^ enthält^ nähmlich von — lo^ bis -f 3o^.
Dieses Thermometer wird auf die gewöhnliche
Art gefuUt^ und dessen Nullpunkt^ bestimmt. Zur
Bestimmung der Theilung bis 3o^ aufwärts , ist e^
nicht hinreichend, durch Yergleichung mit einem
ganz genauen Thermometer blofs den Punkt von 3o^
auf der Röhre zu bestimmen ; sondern es mufs ein
Mittel aus mehreren Beobachtungen genommen wer-
den. Nachdem man sich nähmlich vorläufig ' davon
versichert hat, dafs der Soste. Grad beiläufig gegen
das Ende der l^phre hinfällt, wenn für die Skala
unter dem Nullpunkt noch für 8 bis lo^ R. Raum
bleibt, so findet man die Graduirung der Röhre
folgender Gestalt«
Man nimmt ein sehr genaues gewöhnliches Ther-
mometer, und legt die* Kugel desselben mit einem
Theile der Röhre in heifses Wasser von etwa 4o^ R.,
welches sich in einer irdenen Schüssel befindet, de-
ren Boden mit einer zusammengelegten Leinwand be-
deckt ist, damit das Thermometer die Schüssel-
wand selbst nicht berühre. Unmittelbar neben die-
sem Thermometer wird das zu graduirende Thermo-
3^3
meter des Instrunientes gelegt, und die Temperatur
des ersteren beobachtet. Da die Temperatur des
Wassers unter diesen Umständen sehr langsam ab-
nimmt; so kann diese Beobachtung mit Sicherheit
vorgenommen werden. Sobald dieses Thermometer
nun einen ganzen Grad anzeigt , nachdem beide län-
gere "Keit im Wasser gelegen; so bemerkt man auf
dem zweiten Thermometer den Stand der Quecksil-
bersäule clurch einen feinen Einschnitt mittelst eines
Messers ( wovon unten ), und notirt sich diesen Grad,
dasselbe wiederhohlt man nach einiger Zeit bei einer
niederen Temperatur, und so fort, bi» das Thermo-
meter endlich für lange Zeit stationär bleibt ( wenn
die Temperatur des Wassers niit jener der umgeben-
den Luft ins Gleichgewicht kommt). Man legt nun
die zu graduirende^ Thermometerröhre auf eine feine
Skala oder ein fein gel heil tes, mit Transversalen ver-
sehenes Mafs, und zählt genau die Entfernung eines
jeden der beobachteten Grade von dem Nullpunkte
in Theilen dieses Mafses ab. Man reducirt sonach
diese sämmtUchen Entfernungen auf diejenige Ent-
fernung vom Nullpunkte, welche dem 3osten Grade
zugehört; nimmt aus sämmtlichen das Mittel, und
trägt diese berechnete Entfernung vom Nullpunkte
aus mittelst des vorigen Mafses auf die Thermometer-
röhre auf. Diese Fntfernung wird nun in 3o gleiche
Theile oder Grade getKeilt«
Z. B. bei der Graduirung eines «ölchen Ther-
mometers erhielt ich für die Entfernung des Null-
punktes von dem Punkte des beobachteten Grades
folgende Werthe:
für 330 R. — 189.2 Äiafstheile
9 igO » 109. ;»
» l5ö » — 86. 9
Reducirt man diese Werthe auf die Entfernung vom
Nullpunkte bis 3o<> (33^ : 30= 189.3 : x); so erhält
man
3i4
für 3o^ — ^7^^9
— 173. 1
— 172. '
voraus das Mittel =s 172 y welches als die wahre
Entfernung des 3o'I'" Grades vom Nullpunkte anger
nommen und auf die Röhre aufgetragea wird.
Der Thermometerröhre wird auf dem Bretchen
des Instrumentes die Skala aus Elfenbein oder Silber
untergelegt^ und in das Bretchen eingelassen. Wie
jeder Grad dieser Skala getheilt werden solle ^ um
die erforderliche Genauigkeit ii^i Ablesen zu gewäh- *
Tcn^ ist bereits oben erwähnt worden. Leicht und
genau kann man die Theilung dieser Skala vermittelst
eines Instrumentes bewerkstelligen^ dessen sich die
Kupferstecher zur Ausziehung der feinen parallelen
Linien bedienen ^ welche zum Schrafliren der Zeioh^
nungen gehören. Herr Optikus Friedrich Fbigilänt
der in JVien verfertigt solche Maschinen mit Ge-
nauigkeit: mittelst derselben kann jede Linie von
einer gegebenen Gröfse in eine beliebige Anzahl von
Tbeilen genau gctheilt werden.
4) Die Eintheilung derjenigen Röhren, welche
die Skala enthalten , mufs durch Kalibrirung vorge-
nommen werden, weil die einzelnen Theile nach ih-r
rer Kapacität einander gleich seyn müssen. Durch
Fortschieben einer kleinen Quecksilbersäule in der
Röhre kann diese Theilung nicht genau genug erhal-
ten werden, weil die Konvexitäten an beiden Enden
dieser Säule sich ändern, je nachdem die Röhre wei-r
ter oder enger wird; um Genauigkeit zu erhalten,
mufs daher die Theilung oder Kalibrirung mit einer
Quecksilbersäule vorgenommen werden , die so grofs
ist, dafs die Änderungen der Konvexitäten an ihren
Enden gegen ihr ganzes Gewicht verschwinden. Ich
habo hierzu folgeade Methode angewendet.
3i5
In der Figur III, Taf. VI stelle die Linie ab die
Länge der Skala ox auf dem Instrumente vor, welche
in loo der Kapaciiät nach gleiche Theilc getheilt wer-
den soll. Man verfährt nun folgender Gestalt.
a) Man fiillt in die Röhren so viel Quecksilher,
dafs dieses genau die Länge der Skala ausfüllt. Die
£nden der Quecksilbersäule werden hier, wie immer,
nach ihrem scharfen Rande gemessen. Nachdem
diese Länge genau bestimmt ist, nimmt man dieses
Quecksilber aus der Röhre , und wiegt es genau ab.
(Die Kenntnifs dieses Gewichtes ist auch noch für die
Folge nothwendig. ) Ich will dieses Gewicht mit G
bezeichnen. Man nimmt nun genau die Hälfte dieses
GcwirJites,'Uiid theilt damit die Skala ab in zwei
Theile, sowohl von a als von b aus gemessen. Dieser
mittlere Theilungspunkt wird auf die Röhre mit einem
feinen Striche eingeschnitten, nachdem man vorher
diesen Punkt mittelst einer feinen Feder und Tusch
auf der Röhre bemerkt hatte. Stattdessen, und mit
gröfserer Genauigkeit kann man auch auf die Röhre
nach ihrer Länge mit Weiogeistfirnifs einen schma-
len Streifen ziehen , in welchen man mit einer Nadel
zuerst die Stände der Quecksilberenden senkrecht
auf die Achse der Röhre einceifst, und erst dann,
wenn alle diese Theilungspunkte unter einander kon-
troUirt und richtig erkannt sind , mit dem Messer ein-
schneidet. Bei diesem Einschneiden macht man zu-r
erst einen kleinen Schnitt in den mittleren Theil der
Röhre, den man dann nach rechts und links in ge-
rader Linie mittelst eines angelegten kleinen Lineals
erweitert,
b) Man nimmt nun den fünften Theil des Gc->
wichtes Gy und theilt damit die Skala in zehii gleiche
Theile auf folgende Art.
Man legt die Quecksilbersäule von a nach i, und
3iC
bezeichnet den Punkt i ; . dann von i nach 2 , und
bezeichnet den Punkt 2. Hierauf mifst man von b
nach 4> und von 4 i^&eh 3. Stimmen alle Theile
durch die Gegenprobe^ indem man von 2 bis b und
von 3 bis a zurück milst^ so werden sie auf das Glas
eingeschnitten.
Hierauf legt man das Ende der Quecksilbersäule
an c an^ und mifst rechts und links nach 5 und 6^
endlich von 5 und 6 nach 7 und 8* Auf diese Art
ist die Röhre in zehn gleiche Theile getheilt.
Man erhält zuweilen Röhren, wo die einzelnen
Zehntheile beinahe als zylindrisch angesehen, und
sonach in zehn Theile weiter geometrisch abgetheih
werden können : es ist jedoch besser, durch Kalibri-
ren auch jeden dieser Theile noch weiter in fiinf
Theile zu tbeilen. Man geht so am sichersten, be-
sonders da dann die Abmessung der Theilung genau
auf dieselbe Art geschieht, als man sie späterhin an
dem Instrumente beobachtet; weil, wenn das Ende
der Säule wieder an dieselbe Stelle der Röhre kommt,
dieses Ende , folglich die Kante der Konvexität , auch
ganz genau wieder unter denselben Umständen be-
obachtet wird.
• •
c) Um*nun diese letzte Kalibrirung herzustellen^
nimmt man das Quecksilber aus der Röhre , und wiegt
von demselben, d. h. von dem Fünftel des ganzen
Gewichts G, ^i?^ genau ab, also ^^ des Ganzen; und
füllt dieses Quecksilber wieder in die Röhre. Gesetzt
die Länge der Skala betrage 27 Zoll, so nimmt diese
Quecksilbersäule imm,er noch eine Länge von beinahe
5 Zoll ein. ^
d) Mit dieser Säule mifst man zuerst von a nach
b fortlaufend, so da(s der Endpunkt der Säule be-
zeichnet, und dann der Anfang derselben auf diesen
3i7
Punkt gesetzt^ der Endpunkt wieder bezeichnet wird^
u. 6. i. Sodann mifst man von b nach a zurück auf
dieselbe Art. Die durch diese Operation erhaltenen
Punkte der Linie sind in der Figur mit -f bezeichnet.
m
e) Man mifst ferner mit der Quecksilbersäule von
dem Theilungspunkte i nach a^ und spdann nach b.
Eben so /nifst man von dem Theilungspunkte 4 nach
b , und sodann nach a^ fortlaufende Die hierdurch
erhaltenen Punkte sind in der Figur mit '^ bezeichnet.
/) Hierauf mifst man mit der Quecksilbersäule
von dem Theilungspunkte a nach a und nach b:
Eben so von dem Theilungspunkte 3 nach a und nach
b. Die hierdurch erhaltenen Punkte sind mit ^
bezeichnet.
g) Endlich mifst man mit der Quecksilbersäule
von den Theilungspunkten 6^ c und 5 nach a und
nach b. Diese Punkte sind mit ? bezeichnet. Auf
diese Art ist die ganze Skala in 5o gleiche Tbeile
getheilt^ und jeder dieser Theile kann nun ohne
Fehler in z^ei gleich grofse Theile mittelst des Zir-
kels abgetheilt werden. Diese Theilung kann man
zuletzt dadurch kontrolliren ^ dafs man die Queeksil*
bersäule von dem ersten Theilungspunkte an > durch
alle einzelnen Punkte fortschiebt. Man mufs auf die-
selbe übrigens alle Sorgfalt vei:wenden, da von der
Genauigkeit dieser Tlieilung die Genaui ^eit des gan-
zen Instrumentes abhängt. Es versteht sich von selbst^
dafs während dieser Theilung die Temperatur nicht
zu sehr variiren müsse.
Das Messer, dessen man sich zum Einschneiden
der Linien auf die Glasröhre bedient^ ist eine kurze,
etwa 3 Zoll lange und i Zoll breite zweischneidige,
scharf geschlifiene Klinge von sehr hartem Stahl, de-
ren sich die Glasperlenfabrikanten zum Zerschneiden
3:10
dere Niveau .^^sich in irgend einer der Biegungen
befände* , ,
5) Die Bestimmung aes Verhältnisses zwischen
der Kapacität der . Skalaröhre und jener des Zylin*
ders oder die Bestimmung des Wevthes von F^ wor-
über bereits im Vorigen das Theoretische vorgekom-
men ist y geschieht auf folgende Weise :
Das Gewicht des Quecksilbers^ welches die
Skala der Röhre des Instruments genau ausfüllt^ ist
bereits aus dem Vorigen bekannt (4)« Bei meinem
Instrumente z. B. betrag dieses Gewicht bei i5^ IL
s= 974«5 Gran.
Man stellt nun das Instrument (die Röhre mit dem
Zylinder) senkrecht^ so dafs die Öffnung des Zylin-
ders sich oben befindet; s^nkt in diese Öffnung den
' Quecksilberzylinder des Thermometers, so dafs die
Biegung auf den Rand jener Öffnimg aufliegt, die
Thermometerröhre aber an die äufsere Wand des Zy-
linders in der gehörigen Stellung anzuliegen kommt,
an welcher man sie durch Auftröpfeln von etwas
Wachs befesligt. Bei der vorigen Temperatur fiillt
man nun den Zylinder mit reinem Quecksilber an,
so dafs es bis an die Öffnung reicht, welche noch
zwischen der Biegung des Thermometers und dem
Rande seiner Öffnung übrig ist, und welche später
mit Siegellack verschlossen werden soll, und entfernt
sorgfältig alle Luftblasen aus dem Zylinder. Hierauf
beobachtet man die Länge der Quecksilbersäule auf
der nun bereits j'etheilten Skalaröhre über dem Null-
punkte genau (dfenn du^ch die Anfüllung des Zylin-
ders ist das Quecksilber auch in dieser ersten Röbre
in die Höhe gestiegen), leert hierauf das Quecksil-
ber wieder vollständig aus, und wiegt es.
Dieses Quecksilber wog z. B. s=v 3494 Gran \ das
3ai
Queclisilber nahm in der' ersten Röhre vom Niill*
punkte an einen Raum der Skala von lo^f Theilen ein.
ff an vviegt das Quecksilber der loo Theile der Skala
( vrie bereits früher unter 4) gefunden virorden ist)
=: 974*5 GraUj folglich beträgt die Lange c= lo^^
Theile im Gewichte = 90.2 Gran ; welche von 3494
Gran abgezogen^ für das Gewicht des Quecksilbers
im Zylinder s=5 34o3.8 Gran geben.
Nun ist die Skala in 100 der Eapacität nach
gleiche Theile eingetheiU worden^ folglich verhält
sich 100: ^«= 974'5 : 34o3.8, oder /^= 349-3.
Dieser Werth von /^ wird auf dem Instrumente
angemerkt, am passendsten am Ende der Skala für
die Thermometerröhre.
6) Hierauffüllt man dXe Sperrungs - Quecksilber-
säule in die Röhre, so, dafs sie die bereits angege-
bene Länge von etwa 21 \ Röhren einnimmt. Man
fiillt zu diesem Behufe völlig reines Quecksilber in den
Zylinder, läfst aus diesem dasselbe so lange in die
Glasröhre treten, bis die Säule lang genug ist, und
schüttet das überflüssige Quecksilber wieder aus dem
Zylinder.
Es ist hier der Ort, anicugeben, warum die Sper-
rungssäule diese beträchtliche Länge habe, da ftir den
Zweck der vollkommenen Abschliefsung der äufsern
Luft von der inneren auch eine kürzere Säule hinrei-
chen würde. Einer dieser Gründe ist die mögliche
Ausgleichung desjenigen Fehlers, welcher dadurch
entstehen kann, dafs die Röhren, in welchen sich
die sperrende Quecksilbersäule während der Beobach-
tung befindet, nicht genau in derselben Ebene liegen.
Bei der angegebenen Länge ist nähmlich die Säule
wenigstens in drei Röhren, zuweilen selbst in vier Röh-
ren vertheilt, wodurch deren etwaige Ungleichhei-
Jahrb. de« pol> t. last. IV« Bd. 2 I
3a3
ten^ nähmlich diejenigen, welche man dardh die
Lage d'er Röhren bei dier' Verfertigung des Instrumenta
nicht wegschaffen kohnte , sich wechselseitig kompen*
siren. Uherdiefs verschafft diese Länge der Sper-
rungssäule noch den Vortheil, dafs auch für den
Fall, als die Endniveau's derselben beinahe in eine
gerade Linie fallen, ihre leichte Beweglichkeit den-
noch durch Drehung des Instruments um die Längen-
achse Statt finden kann, was nicht der Fall wäre,
wenn z. B. diese sperrende Säule nur so lang wäre^
dafs sie nur eine Röhre ausfüllte.
«
*j) Da das Instrument nunmehr so weit fertig ist,
dafs t\i der letzten Regulirung desselben geschritten
werden kann ; so mufs der Zylinder jetzt mit wo//-
kommen trockener Luft gefüllt werden. Man be-
dient sich hierzu derselben Flasche mit frisch ausge-
glühtem und gepulverten salzsauren Kalke, welche
bereits oben zur allgemeinen Austrocknung der Röh-
ren und des Zylinders angewendet worden ist. Mit-
telst eines gehörig durchbrochenen Korkstöpfeis be-
festigt man den noch offenen Hals des Zylinders, in
welchem sich gleichfalls noch das Thermometer (des-
sen Skalaröhre mit Wachs an die äufsere Zylinder*
wand angekittet ist ) in seiner ersten Lage befindetj
in dem Halse derselben durch Auftröpfeln von Wachs,
und stellt das Instrument , gegen das Umfallen gehö-
rig geschützt, an einen sichern Ort. Von Zeit zu
Zeit bewegt man die sperrende Quecksilbersäule ge-
gen das Ende der Röhre (wo sich der Hahn befmdet),
und nach einiger Zeit wieder gegen den Anfang des
Zylinders, um auch die Luft in der Röhre völlig aus-
zutrocknen. Nachdem man das Instrument drei bis
vier Tage in diesem Zustande gelassen, schreitet man
zu der letzten Operation, nähmlich der Verschliefsung
und Regulirung desselben.
Da auf diese Art der Zylinder mit trockener at-
3a3
mosphärischer Luft geftillt wird ; sa köiinte- das Be^
denken eintreten^ dafs das Endniveaü q der sperren^
den Quecksilbersäule allmählich oxydirt^ und dadurch
die Gröfse des Volums /^ verändert würde. Dieses
Bedenken liefse sich zwar durch Anwendung von Stick*-
gas oder WassersioSgas leicht beseitigen; ich halte
jedoch^ auf meine bisherigen Erfahrungen gestdtzt^ de^^
ren Anwendung ftir unuöthig^ weil ganz reines Queck-
silber in vollkommen ausgetrockneter Luft unter den
hier vorhandenen Umständen keine Oxydation erlei*-
det. In einigen^ von mir als erster Versuch bereits
vor drei Jahren verfertigten Instrumenten dieser Art.
ist an dem Endniveau der Quecksilbersäule nicht die
geringste Oxydation zu bemerken : dessen Oberfläche
ist noch eben so blank ^ und in der Röhre ohne ir-
gend ein Anhängen eben so leicht beweglich^ als
Anfangs.'
■
8) Man nimmt die Regulirung des Instruments
an'einem Orte vor^ wo die Temperatur nicht sehr
wechselt. Das Instrument wird nun von der Flasche
getrennt ^ und beiläufig horizontal auf einen Tisch
gelegt. Man* bemerkt nun den Stand des Thermome^^
ters an demselben mit derselben Vorsicht und Ge«
■
nauigkett, wie oben schon für die Beobachtungen
selbst angegeben worden ; und notirt denselben. Eben
so beobachtet man den Stand eines genauen Baro*'
lueters so genau wie möglich , mit dem zu demselben
gehörigen Thermometerstande ^ und reducirt diesen
Barometerstand auf die Temperatur o^ R* Dieser
redncirte Barometerstand sey = &• Wenn nun das
Instrument bei dem Nullpunkte auf 29'' =^ 34^ Li-
nien = B gestellt werden soU^ so wird die Gröfse m
aus der Formel
m = -j- F
334
berechnet , in welcher die Gröfsen t, B und b bekannt
sind^ und n und k bleibenden Werth haben. Z.B.
bei dem bisher angeführten Instrumente ist V =:
349-3^ i? c= 348'" j die Temperatur der Luft im
Zylinder des Instrufnents zeigte dessen Thermometer
SS 12^. 2 R. Das Barometer stand zu dieser Zeit auf
38".63 bei ia°^R. , welcher Stand aufo° R. redu-
cirt = 342"' 46 = ^ beträgt. Da nun für Grade R.
n = o.oo468 und A:=: o.oooo338 ist^ so ergibt sich
m =3 35.766.
Nun sucht man auf der Skala des Instruments
diesen Theilungspunkt m mittelst der beweglichen
Skala genau auf^ und bewegt die sperrende Queck-
silbersäule so^ dafs der si^arfeRand ihres Endniveau
.genau auf jenen Punkt trifft. Nachdem man das In-
strument so vorbereitet hat^ untersucht man mit der
Loupe, ob sich der Stand des Thermometers an
demselben nicht geändert habe : sollte dieses der Fall
seyn, so mufs man die erste Temperatur wieder
herankommen lassen. Sobald djks Thermometer einige
Zeit ruhig auf der bemerkten Temperatur stehen bleibt^
so verschliefst man nun Ynittelst geschmolzenen Sie-
gellacks plötzlich die Öffnung ^ welche an dem Halse
des Zylinders zwischen dessen Rande und der Bie-
gung des eingesenkten Thermometers noch vorhan-
den war. Damit diese Schliefsung um so leichter und
schneller erfolge^ ist es gut , wenn man vorher (nach-
dem der Zylinder mit trockener Luft versehen wor-
den^ und unmittelbar nachdem er aus der Flasche
mit salzsaurem Kalk genommen worden ist) diesen
Zwischenraum schon bis auf eine sehr kleine^ durch
Einstecken einer feinen Nadel erhaltene Öffnung
verschlossen hatte.
Das Instrument ist nun fertige und durch die
letzte Operation ist sein Nullpunkt au{ B = 29" in
demjenigen Mafse regulirt worden, in welchem die-
3a5
ses B angegeben ist. Die aus ' dert beobachteten
Werthen von m berechneten Werthe von b gelten
also immer für jenes Mafs von B. Den Werth von
B bemerkt man daher gleichfalls auf dem Instru-
mente.
Übrigens kann noch bemerkt werden, dafs die
vollige Genauigkeit in der Bestimmung des Werthes
des Nullpunktes des Instrumentes oder der Gröfse B
(deren Zweck die leute Regulirung ist ) auf die ho*
obachteten relativen Barometerstände, wie sie zu
Höhenmessungen nöthig sind, keinen merklichen
Einflufs habe (indem die Höhen in der Atmosphäre
den Differenzen der Logarithmen der beiden zusam-
mengehörigen Barometerstände proportional sind ),
sondern nur auf die Bestimmung des absoluten Baro-
meterstandes zu einer gegebenen Zeit ; obgleich es
gut ist, auch bei dieser letzten Bestimmung die gröfste
Genauigkeit zu erreichen, was auch hier leicht mög-
lich ist.
9) Man befestiget nun das Instrument auf das
Bretchen, welches aus ganz trockenem, wohl aus-
gedörrten Holze verfertiget ist, dessen obere Fläche
schwarz lackirt, oder mit schwarzem Holze fournirt
seyn kann. Dieses Bretchen ist mit drei halbzylin-
drischen Vertiefungen versehen, nähmlich fiir die
beiden Libellen , und zum Einsenken des Zylinders
des Instruments , damit die Röhren unmittelbar auf
der Fläche des Bretchens aufzuliegen kommen. Man
fangt damit an, zuerst die Libellen in ihre zugehö-
rigen Vertiefungen einzulegen , und darin zu befesti-
gen. Mittelst einer Wasserwage, die man auf die
Fläche des Bretchens stellt, richtet man dieselben
so, dafs ihre Blasen in der Mitte einspielen, wenn
das Bretchen horizontal ist. Man legt nun die Röhre
auf, indem man den Zylinder in die Vertiefung ein^
senkt, und so richtet, dafs die einzelnen Röhren so
3aG
viel möglich gkichmäfsig auf dir Fläche des Bret«
chens aufliegen , auch die Röhre des Thermometers
unmittelbar auf der Skala desselben aufruht. Mau
richtet zugleich das Instrument so^ dafs der Null*
punkt der Thermometerröhre genau mit einem gaa-**
zen Theilstriche der auf dem Bretchen befestigten
Skala zusammen tri0t. Nachdem die Röhren sonach
die erforderliche Lage haben , so bezeichnet man an
den Biegungen derselben die Punkte^ in 'welchen
durch das Bretchen feine Öffnungen zu bohren sind,
um mittelst eines feinen Eisen«- oder Messingdrah**
tes die Röhren auf dem Brete zu befestigen. Für
denselben Zweck kann man auch die Zwischenräume
zwischen den Röhren mit geschmolzenem schwarzen
Wachse ausfüllen , vvodurch die sämmilichen Röhren
nicht nur eine unverrückbare Lago erbalten, auch
das.Quecksilbei^niveau gut absticht, sondern vrodurch
auch die Bequemlichkeit erhalten wird, dafs man die
bewegliche Skala durch Andrücken an diese nach-
gebende Unterlage in den erforderlichen Fällen fest
stellen kann. Der Deckel zu dem Instrumente kann
entweder mittelst eines Gharnieres oder durch vier
an den Ecken befindliche Stifte befestiget werden,
so, dafs er beim Gebrauche des Instrumentes von dem
untern Bretchen ganz weggefiommen werden kann.
Die obere Hälfte des Zylinders kann nun auch mit
ihrem Überzuge verseben vsrerden. Diese Überzie-»
hung des Zylinders ist von Wichtigkeit, und für ge*
Haue Beobachtungen sehr erleichternd. Da die un-^
tere Hälfte des Zylipders in der in dem Bretchen he*
kindlichen Aushöhlung liegt ;^ so füttert man diese
Höhlung mit feinem Tuche aus, bevor der Zylinder
in dieselbe. gelegt wird. Mit eben solcbem Tuche
"wird auch die freistehende Hälfte des Zylinders üher-^
sogen, indem man dieses auf denselben festleimt,
S0| dafs es auf der einen Seite an der Kante der Aus-^
höhlung anschlielst, auf der anderen aber bis an die
ThQrmometerröhre reichu pbrigcas kapa mait dio^
327
sen Überzug auch mit geschmolzenem Wachse y oder
mittelst einfacher Lagen von Weingeistfirnifs oder
einer Auflas ung von Siegellack in Weingeist herstellen.
Das Instrument ist nunmehr für die Beobachtun-
gen voUendeL Es ist nicht zu'läugnen^ dafs dessen
Verfertigung Genauigkeit .und Geduld erfordere;
wenn aber die angegebenen Regeln beobachtet wor-
den sind, und sonach d^s Instrument gut ausgefallen
ist; so wird man durch den, Gebrauch, den man von
diesem Instrumente machen kann, reichlich entschä-
diget werden. Der Zeitaufwand bei der Verfertigung
desselben ist nicht bedeutend. Wenn man die ein-
zelnen zerstreuten Arbeiten zusammenrechnet, so
sind dazu höchstens drei Tage Zeit erforderlich.
Übrigens ist es nothwendig, dafs die Röhre von dem
Glasblaser schon möglichst vollkommen hergestellt
sej, damit man die Arbeit nicht mit einem i;nvoll-»
kommenen Instrumente verliere. In der Folge werde
ich Beobachtungen mittheilen, welche mit diesem
Instrumente gemacht worden sihd , da ich den gegeur
wärtigen Aufsatz nicht länger mehr ausdehnen kann.
Ich hoffe , dafs die «vorstehende Beschreibung hinreir
chend deutlich ist, dafs Jeder dieses Instrument
selbst zu verfertigen , und sich von den Eigenschaften
desselben zu überzeugen im Stande sqyn werde*
^*
V.
Versuche und Bemerkungen über den
Moire metallicpe.
Von
G. Altmütteri
Professor der Technologie am !i« k« polyteohaiachen -
Institute.
(Als Fortsetzung des im ersten Bande dieser Jahrbücher , S* 94
u. f. befindlichen Aufsatzes.)
Weniger dürfte das lange Ausbleiben dieser schon
im ersten Bande versprochenen Fortsetzung^ als de*
ren jetzige Erscheinung hier zu entschuldigen seyn.
Denn einerseits ist der Moir^ in Beziehung auf die
technische Benützung nicht mehr von Wichtigkeit,
weil der ganze Fabrikationszweig durch zu häufige
Anwendung beinahe schon verfallen ist^ und ander-
seits ist derselbe Gegenstand seit meinem ersten Auf-
satze schon in mehreren Schriften besprochen wor-
den. Nur dadurch wird^ wie ich hoffe^ meine jetzige
Arbeit sich vielleicht selbst rechtfertigen , dafs^ wenn
schon das merkantilische Interesse verloren gegan-
gen^ dennoch das wissenschaftliche geblieben ist,
und dadurch, dafs ich mit einiger Zuversicht noch
1'etzt die Mittheilung mehrererErfahrungen versprechen
Lann, die neu, und für die theoretische Ansicht
nicht ohne Nutzen seyn möchten.
i) Meine ferneren , jetzt schon über drei Jahre
alten, Versuche bezogen sich zunächst auf die Dar-
3a9
Stellung des Moire 'melalliqae auf zinaeraeu Gufswaa-
ren. Eine vorgefafste Meinung verzögerte die Ge-
winnung eines günstigen Resultates ziemlich lange^
belehrte mich aber dafiir wieder in mancher andern
Rücksicht. Ich war nähmlich nach meinen frühern
Versuchen überzeugt ^ und bin es gröfsten Theils
noch ^ dafs die Yersdhiedenheit der Figureil ^auf vei^
sinntem Eisenblech fast avsschliefslich von der Art
und Weise abhängt y wie das Eisen erhitzt and abge-
kühlt wird ^ dafs also dieses die Haupt -^ das Zinn
hingegen nur eine Nebenrolle bei diesen Erscheinun-
gen spiele. Die durch die Lichtflamme entstehenden
Sterne (erster Band dei" Jahrbücher ^ Seite 99 ) > fer-
ner der Umstand ^ dafs dlisselben auf verzinntem Ku-
pferblech, welches sich^ als ein guter Wärmeleiter^
nicht stellen- und ruckweise erhitzt und abkühlt^ wie
Eisen, bei gleicher Behandlung nicht entstehen; end-
lich die Betrachtung, dafs das Zinn ^ mit welchem die
Bleche Überrogen sind, immer von diesen letztern ab-
hängig bleiben müsse, möge diese Meinung um so
mehr entschuldigen, als ich noch jetzt überzeugt
bin , man werde durch Legirung der Verzinnung mit
andern 'Metallen nie eine von der Wärmeleitungsfä-
higkeit des zu Grunde liegenden Bleches unabhän-
gige Krystallisation , also Figuren, die von den ge-
wöhnlichen sehr verschieden sind, erhalten können.
Solche Zusätze werden höchstens den Glanz erhöhen
oder vermindern, — wie das Letztere vorzüglich bei
einem Bleizusatze Statt findet — weil die Wirkung
der Beitze hier anders ist , als auf eine ganz reine
Verzinnung. — Diese Ansichten waren es , die mich
zu glauben verleiteten, nur aus legirtem Zinn wür-
den sich zum Moiriren fähige Gufswaaren erhalten
lassen.
2) Ich schmelzte daher reines Zinn mit verschie-
denen Metallen in verschiedenen Verhältnissen zu-
sanunen^ und behandelte die ausgegossenen und er^
332
vermuthlich "weil dort durch das fortwährende Ein-
strömen des heissen Zinnes die beträchtlichste Stö*
ning der Krystallisation vorgeht. Ein grofses Hin-
dernifs bei der Verfertigung solcher moirirten Gufs*
waaren liegt auch noch darin ^ dafs nach dem -Gusse
gar nichts beschabet oder abgedreht werden darf^
weil an solchen Stellen keine Zeichnungen erscheinen
würden y so dafs man also ohne Übelstand nicht ein
Mahl die Oufsnabte wegnehmen kann^ und man alle
Formen zu rundem Geschirr so einrichten niüfste^
dafs sie blofs aus zwei Theilen bestünden ^ ein
Verfahren^ welches die Mannigfaltigkeit solcher Ge-
fafse sehr beschränken würde. Ohne Figuren er-
scheinen die beschabten oder abgedrehten Flächen
defswegen^ weil durch diese Bearbeitung die Kri-
stallisation gleichsam verdrückt^ und daher unsicht-
bar gemacht wird. — Auch Weifsblech^ welches moirirt
werden soll^ verträgt kein Schaben^ Abkratzen oder
Poliren ^ aus demselben Grunde.
5) Wenn aber auch das Moiriren der Zinngufs*
waaren keine grofse praktische Wichtigkeit hat^ so
bietet es doch Ansichten dar , die wissenschaft-
lich interessant seyn möchten. Ich habe hier Ver-
suche im Sinne/ die nicht nur augenscheinlich
darthun^ dafs jneine^ im ersten Bande der Jahrbücher
' S. 107^ 108^ gegebene Erklärung der Entstehungsart
des Moird die richtige sey^ sondern überhaupt sich
recht gut eignen^ manches in der Lehre von der Kry-
stallisation anschaulich zu machen^ und deren ich
mich seit einigen Jahren bei meinen Vorlesungen mit
Nutzen bediene. Dafs die Beitze die Zeichnungen
nicht erst hervorbringe , sondern nur deutlicher
mache , läfst sich , so wie beim Blech ( Jahrbücher
L S. 108) auch hier nachweisen. Auf ausgegossenem
erkalteten Zinn^ auch wohl auf Blei , sieht man oft
die dunkeln und hellen schillernden Flecken schon
sehr deutlich^ wenn auch nicht so schön^ ^% nach
333
der Beitze. Ferner kann man diese Figuren durch
ein einfaches Verfahren sehr leicht darstellen^ wenn
roan nahmlich ein etwas längeres gegossenes Stück
Zinn oder. Blei langsam und vorsichtig hin und her
biegt ^ wodurch allein die Flecken deutlich her-
vor kommen '^), zum Beweise dafs sie eine Folge der^
im Innern regelmäfsig liegenden , schon vorhandenen
Krystalle sind, welche durch das Biegen etwas von
einander entfernt 9 dadurch sichtbar, und nur dann
zerstört oder unscheinbar werden, wenn man das Bie-
gen zu lange fortsetzt. Übrigens mufs zu diesem Ver-
suche die Oberfläche rein und hell glänzend seyn,wie
sich wohl von selbst versteht. — Dafs die Flecken
wirklich nichts anders sind, als Krystalle, zeigt die
aufmerksame Betrachtung dünn gegossener und ge-
beitzter zinnerner Gefäfse. Bei diesen sind die Flek-
ken sowohl aufsen als innen ganz gleich, d. h. wo sie
anfsen grofs sind, sind sie es auch innen, und um-
gekehrt; sie haben auf beiden Oberflächen dieselben
Begränzungcn , die gleiche Form , die gleichen Win-
kel, so dafs die einzelnen Krystalle durch die ganze
Dicke des Gefafses nothwendig durchgehen müssen«
Zur völligen Evidenz kann man das krystallinische
Gefiige des Zinnes und Bleies durch folgende Ver-
suche bringen. Wenn eine, von Zinn oder Blei, we-
nigstens ^ Zoll dick, und ungefähr 6 Zoll lang
gegossene Stange langsam über Kohlenfeuer erhitzt
wird, so wird sie, kurz vorher, ehe sie zu schmel-
zen anfängt, so spröde, dafs man sie zerbrechen kann.
Um das zu bewerkstelligen, mufs man sie an den En-
den in ein Paar Feilkloben einspannen , diese in bei-
den Händen halten, und die Stange entzwei zu bre-
chen suchen; oder noch leichter, man wirft sie gegen
einen mit Steinen gepflasterten Boden. Nach einiger
*) Das Verdienst, diese gewifs auffallende Erscheinung zuerst
beobachtet tu haben , gehört nicht mir , sondern meinem
Assistenten , Herrn Karl /Carmarsck»
334
Übuog i^ird oban den rechten Augenblick treffen^ und
dann wird sie^ besonders in leuterem Falle ^ in meh«
rere Stücke zerspringen. Diese nun zeigen auf den
Bruchflächen ein so deutliches^ strahlig krystallini*
sches , ^>om Mittelpunkte ausgehendes Gefügey daft
jeder, der diesen Versuch das erste Mahl anstellt^
^ewifs recht sehr davon überrascht werden wird* Da
die Stange nicht bis zum Schmelzen konmien darf^
so ist mit Sicherheit zu schliefsen, dafs die eben be-
zeichnete innere Ordnung der kleinsten Theilchen
schon nach dem Gusse vorhanden gewesen seyn niüs-^
se. Auf ähnliche Art wurde ein moirirter zinnerner
.Secher bis zu dem angegebenen Punkte erhitzt^ und
dann gegen den Steinboden des Arbeitsortes gewor-
den. Er zersprang in Stücke^ die Kanten derselben
waren aber nicht geradlinig, sondern eckig, und
folgten genau den Winkeln und Linien, der durch
die Beitze sichtbar gewordenen Flecken, deren
Ursache also schon gleich nach dem Gusse vorhan-
den gewesen seyn mufste. Diese Versuche mit dem
früheren, über Blech angestellten, zusammengenom-
men, beweisen sehr deutlich, dafs in Zinn und auch
Blei, ungeachtet der anscheinenden Gleichförmigkeit,
die Krystalle schon gebildet vorhanden sind, und
durch die Beitze, oder durch das oben angeführte
Biegen, nur erst recht sichtbar werden.
6) Ob diefs der Fall bei allen Metallen sey,
und ob sie demnach fähig seyen, dieselben Erschei-
nungen zu zeigen, welche Zinn und Blei unter ge-
wissen Umständen darbieten, ist eine ziemlich schwie-
rige Frage. Ich mufs mich auf solche Fälle beschrän-
ken , die ich mit Erfahrungen belegen kann. Vorerst
gehört hieher schon, nach dem oben Gesagten, das
Blei, obwohl durch die Beitze auf demselben kein
Moire' erscheint, weil dasselbe als sehr leicht oxydir-
bar, von den Säuren schnell angegriflen und aufge-
löst wird. Doch bin ich im Stande, die Anzahl der
335
Metalle^ die unter günstigen Umständen schillernde
Flecken zeigen^ noch zu vermehren. Gufseisen^
mit recht schwachem Scheidewasser behandelt , gibt
deutlich sein strahliges Gefiige zu erkennen^ dessen
Richtung nach der Art, wie es sich in der Gufsform
'von aufsen nach innen abgekühlt hatte, so bestimmt
£U bemerken ist, wie oben bei den zerbrochenen zin-
nernen und bleiernen Stangen. Bei gegossenem Ei-
sen ist eine verdünnte Säure und eine vorsichtige
Behandlung um so mehr zu empfehlen , als sonst die
ganze Oberfläche zu stark angegriffen, und Alles un-
deutlich wird. — Hier findet noch eine Beobachtung:
Statt, die am Schlüsse des vorigen Aufsatzes (Jahr-
bücher I. S. II 3) bereits angedeutet ist. Ich brachte,
schon vor i3 Jahren, zum Behufe elektrisch - chemi-
scher Versuche, gegossene Wismuth- Stäbchen mit
sehr verdünnter Salpetersäure in Berührung, und
bemerkte schon damahls mit Verwunderung, dafs
durch die langsame Einwirkung derselben, schillernde,
eckige, scharf begränzte Flecken auf der ganzen Über-
fläche entstanden, die unserem jetzigen Moire ganz
ähnlich, von mir damahls wohl beachtet, aber weil
meme Aufmerksamkeit auf ganz andere Resultate ge-
spannt war, nicht weiter untersucht wurden. Auch
Wismuth wird demnach gewifs mit Zinn gleiche Re-
sultate gewähren, und zwar um so sicherer, als bei
dem ersteren die Krystallisation deutlich genug zu
sehen ist. Endlich habe ich solche sehr deut**
liehe Flecken auch an einigen Stücken gewalzten
Messingbleches, und an Messing- und Bronze -Gufs-
waaren beobachtet, dieoffenbar zur nähmlichen Klasse
der Erscheinungen gehören. N^hmentlich kann ich
hier in Wien auf das Monument Kaiser Joseph des
IL verweisen, wo sich an manchen, auf den zur Be-
festigung der bronzenen Kette vorhandenen Granil-
pfeilern aufgesetzten, ebenfalls bronzenen Kugeln,
der schillernde rautenähnliche Moire sehr deutlich
und so zeigte dafs über seine Natur kein Zweifel seyn
336
kann. Atmosphärische Einflüsse , und das öftere Be-
tasten mit feuchten Händen haben hier das Metall zu-
fällig so geheit^t^ vfie man diefsmit Zinn absichtlich
thut. Ich zweifle gar nicht ^ dafs jeder ^ der viele
aus Messing und ähnlichen Metal^kompositionen ver-
fertigte^ im Gebrauch befindliche Gegenstände in
dieser Beziehung untersucht^ meine diefsfälligen Be-
obachtungen volikofnmea bestätigen^ und sich durch
den Augenschein wird überzeugen können^ dafs das
häufigere Vorkommen des Moire eben so wenig be-
fremden darf^ als die Krjstallisirbarkeit der Metalle
überhaupt.
^) Der Moird ist also keineswegs eine seltene^
sondern eine mit der Krystallisation zugleich ziem-
lich häufig vorkommende Erscheinung. Selbst bei
Zinn ist er (auch ohne Beilze) zu bemerken^ und
schon sehr früh^ der Hauptsache nach^ von Proust
bemerkt worden. Er beschreibt ( Gehlen^s neues
allgem« Journal d. Chemie^ i8o4» 3. Band^ S. i65)
die merkwürdige Veränderung^ welche eine bleihaltige
Verzinnung durch' die Einwirkung von Essig erlei-
det. Die Verzinnung bleibt desto heller^ je reiner
sie war^ und der Essig bildet auf derselben strah-
lenförmige Zeichnungen y die, nach Prousfs Aus-
druck, in ihren Lichtern und Schatten so deutliche
Kontraste zeigen, dafs sie nicht nur das Auge ver-
gnügen, sondern auch zum Kennzeichen einer guten
Verzinnung dienen können , indem sie sich auch auf
einer ganz bleifreien, durch die Einwirkung des
Essigs bilden. Niemand wird hier die Beschreibung
des Moird verkennen, der also schon früher, auch
von mir, wie ich oben erzählte, amWifsmuth bemerkt
wurde, dessen technische Anwendung aber erst der
neuesten Zeit vorbehalten war.
8) Wenn aber auch diese Erscheinung überhaupt
nicht gar so beispiellos ist , un4 nur so lange Ver-
337
wunderung erregen konnte , als die auffallende Ver-
wandlung verzinnter Flächen allein bekannt war^ so
würde man sich doch sehr grob irren y wenn man
alle Flecken und Zeichnungen^ die sich auf verschie-
denen Metallen^ vielleicht aus ganz anderen Ursachen
zeigen^ unter eine Klasse bringen^ und mit der Be-
nennung Moir^ bezeichnen wollte« Nahmentlich ha-^
bea das ^' aber wie ich glaube sehr übereilt^ in der
neuesten Zeit französische Gelehrte gethan^ welche
den jüngst häufig besprochenen Damast auf orien-
talischen und andern Säbelklingen u« s« w. ebenfalls
Moire nennen y und überhaupt beide Worte als Syno-
nyme brauchen. Allein es lassen sich genug wesent*
liehe Unterschiede zwischen beiden angeben^ da das
Gemeinschaftliche kaum etwas Anderes ist^ als das
Hervorkommen mehr oder weniger regelmäfsiger
Zeichnungen durch Anwendung der Säuren. Der
Moire nimmt seinen Ursprung aus dem KtyHaU-
gefüge des Metalles , der Damast hingegen aus dei*
ÜngleichfoPmigkeit der Masse \ die Flecken des er-
stem sind schillernd^ und meistens eckige die des
andern erscheinen von jeder Seile angesehen gleich^
und bestehen mehr aus krtunmlinigen Figuren u« s« w<
In dem^ im gegenwärtigen Bande enthalteneui
Aufsatze über damaszinen Stahl ^ werden auch diese
Unterschiede so detaillirt angegeben Werden^ . als
es dort nöthig ist^ hier aber nicht ganz zweck'
mäfsig seyn würde«
9) Hier mufs ich noch einem Zweifel begegnedi
Dafs die oben angeführten^ einen Moir^ zeigenden^
Bronze "- und Messingstficke bereits bearbeitet^ z« B4
die Kugeln abgedreht und polirt sind^ scheint mit
der Erfahrung im Widerspruche zu stehen ^ dafs ab->
geschabtes Zinn durch aas Beitzen keine Figuren
mehr zeigt. Allein hier mufs die relatrve Härte die^
ser mit einander verglichenen Metalle mit in Rech-
nung gebracht werden« Bei der Weichheit des Zin«
ianh4 a« pol7t, Imt. JV. 114. 23
34o
fliefsen^ und mithin den guten Erfolg vereiteln sollte.
Die Kupferplatte selbst aber, wenn sie nicht sehr
dick ist, wirft und krümmt sich durch die Hitze, und
trägt so ebenfalls zum Mifslingen der Operation bei.
Dieser Unbequemlichkeiten wegen, substituirte
ich der massiven Platte einen , mit einem Drahtnetz^
wie man es zu den Sieben braucht, überzogenen
Rahmen, aufweichen der Stanüiol gelegt, und von
unten mit einer Lichtflamme erhitzt wurde. Aller-
dings geht hier die Arbeit leichter von Statten , nur
aber mufs man sich hüthen , den Siebboden zu stark
zu erhitzen, weil er sonst den Stanniol verbrennt, und
unbrauchbar macht. Auch das Drahtnetz selbst lei-
det bald so sehr, besonders wenn es fein ist, dafs
man es durch ein neues ersetzen mufs.
Am besten wirkt noch eine Metallplatte , so dick,
dafs sie sich nicht werfen und verziehen kann , die
man mit kleinen Löchern versieht, welche aber so
nahe als möglich an einander gebohrt, und nach un-
ten, wo die Hitze wirken soll, trichterförmig erwei-
tert seyn müssen. Sie hat nur .die Schwierigkeit der
Verfertigung, und die Langsamkeit, mit welcher
durch die Löcher das Schmelzen bewirkt wird, ge-
gen sich.
»
In Rücksicht auf alle diese Versuche ist zu be-
merken, dafs der Stanniol langsam, und nur eben
bis zum Flüssigwerden erhitzt werden darf, weil er
sonst leicht verbrennt, eigentlich ozydirt wird , al-
len Glanz verliert , ja sogar manchmahl ganz und gar
durchgebrannt wird*).
^mmmm^ ■ ■ I ■ ■ W ■ ■ ■ ■ I ■■■ ■ tfiti ■ ,1 ■
*)' Das geschmoleene Zinn lauft auch bey diesen Versucben
nach und nach farbig an. Merkwürdig aber ist es, dafs
die Farben keineswegs unurdcndich , sondern so regelniäfsig
und in derselben Ordnung erscheinen , wie beim Erhitxen
(jies Stahles. Mit einiger Übung kann man es dabin bringen.
34i
i3) Auf die angegebenen Arten erhielt ich Stan-
niolflecken^ die^ auf die gewöhnliche Art gebeitzt^
einen sehr schönen Moire gaben. Nur hatten die
Flecken eine ganz eigenthümliche Form^ die sich dem
Innern Gefiige des Antimonium näherte^ und über*
haupt mehr in die Lange gezogen war. Da aber die
beschriebenen Yerfahrungsarten ziemlich umständlich
sind^ so war ich nicht sehr mit dem Erfolge zufrie-
den^ bis mir endlich der Zufall Mittel verschaffte^
ohne Weiüäufigkeit meinen Zweck zu erreichen.
1 4) Ich hatte ein Stanniolblatt mit der Licht-
flamme überschmolzen ^ wufste aber gewifs^ dafs
einige Stellen von derselben unberührt^ daher ganz
im ursprünglichen Zustande geblieben waren. Nach
dem Bcttzen erschien , gegen alle Vermuthung^
auch an den unveränderten Stellen ein^ von dem
der überschmblzenen verschiedener Moire'. Obwohl
ich es nun für unmöglich hielt , dafs blofser geschla-
gener Stanniol noch Krystalle zeigen könne^ so unter-*
suchte ich doch meinen Vorrath von überschmolze-^
nem Stanniol^ und fand bei einigen Stücken auch
die nicht flüssig gewesenen Stellen moirirt^ bei an-
dern Jiingegen sie blofs dunkelgrau', welches letztere
der Theorie auch vollkommen gemäfs war. Diese
Verschiedenheiten veranlafsten mich^ jetzt auch ro^
hen ungeschmolzenen Stanniol zu beitzen. Manche
Blätter wurden durch die Beitze dunkelgrau, und
liefsen nur , so wie gehämmertes Weifsblech, ein ganz
feines, weiter zur technischen Anwendung nicht
brauchbares Korn bemerken. Bei andern aber war
der Erfolg ganz gegen alle Erwartung. Sie zeigten
nähmlich (ohne vorhergegangenes Schmelzen) einen
Icleine StanniolslÜGkcIien durchaus rait derselben Farbe eu
überziehen. Am sichersten gelingt diefs durch die An^
Wendung eines Drahtnetzes , durch die Erhitzung mit einer
brennenden Wachskerze, und mit der gelben und violei«
rothen Farbe«
344
und die Folie sogleich in recht ?idem Wasser rein
gewaschen werden. Solcher Stanniol kann endlich
wie Blech gefärbt und lackirt , oder auch wie die or-
dinären farbigeu, Zinnfolien mit gefärbter Hausenblase
überzogen werden, Yerfalirungsarten, deren aus-
führliche Beschreibung nicht mehr zum Zwecke der
gegenwärtigen DarsteUung gehört.
17) Wie steht es aber jetzt um die Theorie, wenn
geschlagenes Zinn die Krystallisation ^behält, nicht
aber geschlagenes Weifsblech? So wenig sich das
ersterbe erwarten liefs, so vollständig läfst es sich er-
klären. Zwischen dem Schlagen des Bleches auf
einem verstahlten Ambofs, mit dem gleichfalls har-
ten stählernen Glanzhammer, und dem des Stanniols
ist näbmlich ein sehr beträchtlicher Unterschied« Die
Blätter des let^tern werden keinesweges einzeln, son-
dern in grofser Anzahl zugleich, weniger eigentlich
geschlagen, als mit einem, mit einer schmalen Bahn
versehenenHammer ausgetrieben, also wohl dünner,
aber zugleich aucb, > und vorzüglich gröfser gemacht.
Der senkrechte Druck ist bei dieser Manipulationsart
nie sehr heftig wirkend, weil viele Blätter über einander,
und also insbesondere die mittelsten sehr weich lie-
gen, wie es auch seyn mufs, wenn sie nicht faltig,
oder gar durchgeschlagen, sondern hauptsächlich
blofs gestreckt werden sollen. Die Krystalle des Zin-
nes werden auf diese Art nicht ganz zerdrückt, und
das Gefuge abgeändert, sondern nur , wie das ganze
Blatt weiter ausgebreitet , und daher bei fortschrei-
tender Bearbeitung immer gröfser. Diefs läfst sich
auch durch die Erfahrung nachweisen, indem die
dünnsten Blätter in ein und demselben Pfunde ( der
Einkauf geschieht nach dem Gewicht), folglich, da
alle gleich grofs, aber nicht gleich schwer sind, die
leichtesten auch die ansehnlichsten Flecken geben.
In ihnen sind näbmlich die Krystalle am weitesten
l(us einander gehreitet, oder so w sagen, gefletscht
345
v^orden. Vergleicht man mit allem diesen das Blank*
hämmern des Weifsbleches , so findet man hier zwei
ganz harte Werkzeuge , die unmittelbar auf das Zinn
-wirken , welches , da es auf dem wenig nachgiebigen
Eisenblech aufgetragen ist, nothwendig zusammen-
gedrückt, und in seinem Gefüge ganz abgeändert
werden mufs, weil hier kaum etwas nachgeben kann,
als das Zinn allein. YöUig befriedigend wird alle
noch etwa zu erhebenden Zweifel die Wahrnehmung
aufklären, dafs verzinntes Kupferblech, wenn es so
wie Weifsblech überhämmert und blank geschlagen
wird, dennoch einen Moir^, und nicht ein kleines
Korn zeigt, gewifs defswegen, weil das Kupfer, viel
weicher als Eisen, den Uammerschlägen nachgibt,
folglich die ganze Gewalt derselben nicht auf die Ver-
sinnung allein fällt.
Was bei gewalztem Zinnblech erfolgen würde,
kann ich nicht mit Gewifsheit bestimmen, weil im
Handel keines regelmäfsig vorkomnat , denn die Ver-
feriigungsart mit dem Hammer ist leichter und schnei«
1er. Indessen aber, wenn das Auswalzen nicht zu
schnell geschähe, und die Walzen noch überdiefs,
wie bei der Anfertigung des Bleibleches, blofs von har-
tem Holz wären, würden die krystallinischen Flecken
eher vergröfsert als verkleinert werden , wovon man
die Ursache aus den vorher gegebenen Erörterungen
ohne Schwierigkeit wird einsehen können.
i8) Meine bisherigen Untersuchungen beschliefse ich
mit einem Vorschlage, der mir zu spät beikam, und wel-
cher so sanz das Praktische betrifft , dafs ich die Prü-
fung und etwannige Ausfuhrung jenen überlassen mufs,
die sich mit der fabriksmäfsigen Anfertigung.des Stan-
niol-Moird etwa beschäftigen möchten. Die Dar-
stellung desselben aus der oben ausfuhrlich charak-
terisirten glatten Stanniolsorte ist zwar sehr leicht,
allein man hat die Figuren nicht in seiner Gewalt,
\
348
nifs und Übung erfprdert^ dem ungeachtet aber im-
mer nur ein beiläufiges Resultat zu geben im Stande ist.
Der einfachste Weg zurElrreichung dieses Zwek-
Les scheint deifenige zu seyn^ -welchen man schon
seit langer Zeit' eingeschlagen hat^ um die absolute
Festigkeit anderer fadenförmiger Körper (z. B. der
Metalldrähte) mit Genauigkeit auszumitteln ^ und
>^elcher darin besteht , dals man durch Anhängen
von Gewichten die Kraft aufzufinden sucht ^ welche
zum Zerreifsen des Körpers erforderlich ist. Auf
dieses Verfahren gründet sich die Einrichtung eines
von dem Mechaniker Johann CatUnetti zu Mailand
erfundenen^ und Mitostenometer genannten Instru-
mentes ^ mittelst dessen die Festigkeit von Flachs^
Garnfäden u. dgl bestimmt v^erden soll*).
Allein in der Erfahrung hat diese Methode so
viele Schwierigkeiten^ dafs sie wohl nie mit Erfolg
virird angewendet werden können. Die Feinheit der
Schafwollfaden ^ die geringe Gröfse der zum Zerreilsen
nöthigen Gewichte ; die Schwierigkeit, so feine Fä-
den zweckmäfsig zu befestigen ; das fast Mikrome-
trische der ganzen Behandlung: diese und einige
minder wichtige Umstände lassen an dem Gelingen
des in Rede stehenden Verfahrens iiir immer ver-
zweifeln.
Das erwähnte Instrument des CatUnetti ist da-
her auch mit einer zweiten Vorrichtung versehen,
welche das Zerreifsen der Fäden auf eine andere Art
bewirkt. Der zu prüfende Faden wird nähmlich un-
ten an eine kleine, zum Drehen eingerichtete, und
mit einem Sperrrade versehene Welle , oben aber an
*) Opuseoh iuUa nuova macchina del Mtccanico Giov* CatU-
netti^ per dirompere gli stell del Uno e della canapa , ete,
9 iopra altri oggetti r^lativi edaeccssorj. MiUno 18 .so. Fol.
349
einen Haken befestigt, der mit einer . Spiralfeder in
Verbindung steht. Durch das Umdrehen der Welle
wickelt sich der Faden um dieselbe auf, und die Fe-
der wird so lange zusammen gedrückt , bis ihre Ela-
sticität die Festigkeit des ziehenden Fadens zu über-
winden im Stande ist, und der letztere reifjit. Die
Feder bat während ihres Zusammendrückens einen
kleinen Zeiger geschoben, der beim Abreifsen des
Fadens stehen bleibt ; mittelst diesem kann man daher
auf der nebenan befindlichen Skala die relative Stärke
des untersuchten Fadens erkennen.
Schon vor ungefähr zehn Jahren hat der Fran-
zose Regnier einen so genannten Dynamometer zur
Bestimmimg der Stärke der Schafwolle angegeben,
welcher beiläufig folgende Einrichtung besitzt*). Auf
einem 3|- Zoll breiten, 5 j- Zoll langen , und.der Be-
quemhchkeit halber ( weil man auf dunklem Grunde
die Wolljfaden leichter bemerkt) schwarz angestri-
chenen Brötchen befinden sich zwei parallele , aus
Messigdraht verfertigte, einarmige Hebel, von denen
der eine sich in eine Zeigerspitze endigt , und an der
andei'n Seite mittelst einer aus Blech bestehenden
einfachen Fed^r beweglich ist, während der zweite
sich um einen dünnen Zapfen dreht. Beide Hebel
bewegen sich längs eines in fünfzig Grade gelheilten
Bogens , und sind an ihren freien Enden mit kleinen
Schraubenzangen zum Einspannen der Wollfäden ver-
sehen. Um dieses Instrument zu gebrauchen, wird
der zu untersuchende Wollfaden mit beiden Enden
in den Zangen befestigt , wo dann genau eine Länge
von 8 CentimStres (2I7V0 ^^'^ ) horizontal aufgespannt
ist, weil nähmlich die zwei Hebel eben so weit von
einander entfernt sind. Nun zieht man langsam den
um seinen Zapfen sich drehenden Hebel an, wodurch
*) Bulletin de U iociSU pour tEncouragement de V Indus trU
nationale. Uro. CI. (Novembre i8i2>*
35a
Hülse a ist auf der innem hohlen Seile schwarz an-
gestrichen^ um die zu untersuchenden Fäden dem
Auge bemerkbarer zu machen«
Das Einspannen der auf ihre Festigkeit zu prü-
fenden WoUiäden geschieht zwischen zwei Zangen^
welche in den Figuren mit / und g bezeichnet sind.
Die obere Zange^y*^ befindet sich vor dem Boden e
der Hülse ^ und in horizontaler Ebene mit diesem
Boden ^' wie man aus Fig. 3' entnehmen kann^ in
welcher die erwähnte Zange nach der obern Ansicht
gezeichnet ist« Die Innenfläche der Zange y wo die-
selbe den Boden e berührt (s. auch Fig. 2)^ ist mit
Papier beklebt, damit durch dessen Rauhigkeit der
Wollfaden sicherer festgehalten werde. Die Bewe-
gung der Zange geschieht um den Punkt f , wo, statt
eines Gewindes , eine nur lose angezogene Schraube
das öffnen und Schliefsen derselben gestattet. Das
letztere geschieht durch das Anziehen einer zweiten
Schrauber, mit ränderirtem Kopfe, deren vorderer
Theil sich in die Dicke von e vertieft; und eine kleine^
aus hart geschlagenem Messingblech verfertigte Feder^
Uy öffnet die Zange wieder, wenn jene Schraube (r)
zurück gezogen wird.'
Die zweite Zange, g^, deren Einrichtung ganz der
beschriebenen gleich kommt, und welche durch die
Schraube s geschlossen wird, befindet sich an der
kreisrunden Welle b c , über deren BeschaSenheit
Folgendes bemerkt werden mufs. An jedem Ende ist
dieser Welle ein schwächerer Hals angedreht, mit
welchem sie in einem halbrunden Ausschnitte des
Gehäuses a liegt (s. Fig. 2,6). In ihrer Mitte be--
sitzt sie eine rund herum gehende Nuth A, in wel-
cher ein hakenförmig gebogener , und vierkantig ge-
bildeter Messingdraht ( Fig.* a zeigt ihn mit puuktir^
ten Linien) liegt, der mit seinem vorderen Ende die
Welle umfafst, und bei ty wo er durch das Gehäuse a
353
geht , mittelst ein^r kleinen Schraubenmutter festgc«
stellt ist. Diese Einrichtung gestattet der Welle eine
freie Drehung^ ohne der Festigkeit ihrer Lage hin-
derlich zu seyn. Durch Anziehen oder Nachlassen
der erwähnten Schraubenmutter ( t Fig. 2 ) kann die
Bewegung der Welle nach Belieben schwieriger ge-
macht oder erleichtert werden^ weil sich dadurch
die Reibung derselben an den Wänden des Gehäuses
a vermehrt oder vermindert. Die Beweglichkeit der
Welle 6 c hat keinen andern Zweck ^ als den, das
Zerreifsen des zwischen beiden Zangen eingespannt
ten Wollfadens möglich zu machen. Indem man
nähmlich diese WeUe langsam nach der in Fig. 2
durch den Pfeil bei b angedeuteten Rieb tung umdreht,
dehnt sich der an zwei Punkten durch die Zangen JF
und^ festgehaltene Faden zuerst blos aus; wenn der
Zug aber fortwährend wächst, reifst er endlicb, bnd
in diesem Augenblicke hält man mit dem Drehen inne.
(Fig. a zeigt die Lage des Instrumentes in dem Au-
genblicke , wo der Faden gerissen ist.) Es ist ohne
Erinnerung klar, dafs man die Welle um so mehr
werde verdrehen müssen, je gröfsere Festigkeit der
untersuchte Faden besitzt. Da es aber nicht mög-
lich wäre , aus der Stellung des Instrumentes nach
dem . Augenmafse auf die gröfsere oder geringere
Stärke der Wolle zu schliefsen, so hat der Erfinder
dieses Geschäft durch nachfolgende Einrichtung er-
leichtert. Das Ende c der Welle b c tragt eine runde^
mit einem ränderirten Kranze versehene Scheibe d,
welche die Kante des Gehäuses a beinahe berührt. *
Die hintere , in der Zeichnung nicht sichtbare Hälfte
dieser Scheibe ist in So- gleiche Theile oder Grade
getheilt^ und zwar so, dafs an jener Stelle, wo auf
der Fläche der Scheibe der kleine Stift p steht, sich
die Null der Eintheilung befindet. Als Zeiger für
diese Eintheilung dient die Kante der Hülse a , und
die Zahl, welche dieser Kante in dem Augenblicke,
Jahrb. 4ci folju last. IV. RA. ^3 .
354
wo der Faden abreifst, gegenüber; ;tebt, .wird als das
Resultat des Versuches bel^ach^tet .
Um die Resultate dqr niit.verschiedenea Instru«*
mentea dieser Art angestnliten Versuche ^o mög^ch
übercinsiimmen4 zu machen^ iiiü$sea ,die Welle bc
i;ind die Tlieilscheibe d eine genau gleiche Gröfse
haben, äei einem, dem Verferfiger für die Werksegg-
sammlung des polytechnischen Institut^es. abgekaj|/ten
Exemplare beträgt der Umfang der erstem genau i
Zoll, und der letztern a^ Zoll (Wicq^r Mafs,).
Aufser den schon beschriebenen Theilen des In-
strumentes gehört zu demselben noch ein kleines
Werkzeug , nähmlich das in Fig. i mit m n bezeich-
nete Zängeichen^ welches aus zwei Stückchen einer
Taschenuhrfeder gebildet, und .durch ein messingenes
Gewichtchen so beschwert ist, dafs es genau 2^^
Gran des Wiener Apothekergew^hts wiegt. Die
Schwere des Zängelchqns anzugeben, scheint mir
defswegen nothwendig, weil davon, wie man bald
sehen wird , die Spannung des mit dem Instrumente
behandelten Wollfadens abhängt, und weil man^
um zwei Werkzeuge der Art korr^spondirend zu
machen, auch auf diesen Umstand Rücksicht neh-
men müfste« Die zwei mesungenen Stiftchen, wo-
mit das Zangelchen verschen ist, dienen zum Off-
nen desselben, .indem mit ihrer Hülfe die beiden
Federstücke 'sich von einander entfernen. Jedes die-
ser Stiftcheu, welches an einem Theije der Zange
durch Vernieten fest gemacht ist j geht durch ein
kleines Loch des andern Theiles, wie man aus der
Zeichnung deutlich genug entnehmen kann« Aufser
der Zeit des Gebrauches wird das Zängelchen in
eine Öffnung q des obern Bodens der Hülse gesteckt,
so, dafs nur aer Theil n davon heraussieht
4
Nach. dem Vorhergehenden glaube, ich ohne An-
stand zur Beschreibung des Verfahrens schreiten zu
355
iidiinen^ welches bei der Anwendang des Instrumen-
tes beobachtet werden mufs.
Man fangt damit an^ von der zu untersuchenden
Schafwolle einen Faden auszulesen ; diesen fafst man
an einem Ende mit den Fingern der linken Hand^ mit
dem andern aber klemmt man ihn in das kleine Zän-
gelchen. Man läfst nun den Faden ^ der durch das
Gewicht des Zängekbens in einer gewissen Spannung
erhalten wird, frei herabhängen; man bringt ihn so
zwichen die geöffneten Zangen des Instrumentes, und
schliefst vorerst die obere derselben , f. Während
der Wollfaden noch frei gespannt hängt, versichert
man sich hierauf, dafs der Stift /7 die Kante des Ge-
häuses a berührt, oder Twas dasselbe ist) dafs die
Ntill der Theilscheibe d aieserKaiite gegenübersteht;
dann erst schliefst man auch die untere Zange ^, und
nimmt zuletzt das Zängelchen m n, als nunmehr über«
flüssig, weg. Fig. i zeigt das Instrument in jener
Lage, welche die Theile desselben vor dem Abneh-
men des Zängelchens besitzen. — Das Umdrehen der
Welle c d^ wodurch der eingespannte Faden ausge-
dehnt wird, geschieht, indem man mit den Fingern
der rechten Hand den ränderirten Kranz der Theil-
scheibe fafst. Man mufs hierbei alle plötzlichen Zuk-
kungen der Hand auf das Sorgfältigste vermeiden, weil
durch sie der Faden leicht vor der Zeit abgerissen
wird; im Gegentheil befleifsige man sich einer lang-
samen und gleichförmigen Bewegung, die durch eine
kurze Übung erworben werden kann. Schon vor dem
Ver&uchfe mufsmhtelst der Schraubenmutter t (Fig. 21)
die Reibung der Welle zweckmäfsig regulirt worden
seyn, damit sie weder zu gering noch zu grofs sey,
indem in beiden Fällen einige Unregelmäfsigkeiten m
der Bewegung nicht leicht vermieden werden können.
Ungeachtet dieses Hülfsmitiels bleibt doch die Art
der Bewegung das Unvollkommenste am ganzen In-
strumente , welches dadurch etwas schwierig zu be-
4
356
handelA wird. Unter > zeLii mit . der nälimlicben
Wolle 9 und unter gleichen Umstanden angestellten
•Versuchen geben meist nur drei oder vier genau das
nähmliche Resi;iltat^ wovon der Hauptgrulild in derUn«-
gleichiörmigkeit der Bewegung liegt, welche ,das vor-
schnelle Abreisten; mancher Faden, zur Folge hat.
Z weckmäfsig durfte es aus dieserUrsache vielleicht seyn^
den Krapz der getheilten Scheibe mit Zähnen zu ver-
sehen . und in diese eine Schraube ohne £nde ein*^
greifen zu lassen, welche von der Hand des Versuch-
anstellers gedreht würde. Dafs dadurch das Instru-
ment zusammengesetzter würde , k^nn hiergegen kei-
nen Einwurf abgeben, denn diese Zusamcnengesetzthcit
steht in keinem Verhältnisse zum flutzeu des Instru-
ments. ^
In dem Augenblicke , wo bei fortgesetztem Dre-
hen der Welle der Faden abreifst, hält man mit der
Bewegung still, und liest von der Theilscheibe die Zahl^
welche der Kante des Gehäuses gegenüber steht, und
als das Resultat des Versuches betrachtet wird, ab.
Die Erfahrung hat gelehrt, dafs la üud aS als die
beiden Extreme der Festigkeit, welche bei gewöhn-
licher Schafwolle anzutreffen sind, betrachtet werden
können; in den meisten Fällen beträgt der Unter-
schied zwischen zwei zu vergleichenden Wollensorten
kaum drei oder vier Grade; die verschiedenen, mit
einer und derselben Sorte angestellten Versuche wei-
sen hingegen oft genug eine eben so grofse Diffe-
renz aus. Dieser Umstand könnte vielleicht, we-
nigstens gröfsteiitheils, gehoben werden, wenn man
den halben Umfang der Scheibe d statt in 5o, in
mehrere^ z. B. in loo Grade theilen wollte. Die
oben angegebenen Extreme würden dann durch ^4
und 5o ausgedrückt, wodurch sich ein viel bedeu-
tenderer arithmetischer Unterschied ergäbe.
35^
Für dies«»- Bishüf würde es vieUeicht auch von
Nutzen dejn, der Wolle cd eine geringere Dicke
und eine solche Einrichtung zu geben , dals sie , bis
zum Abreissen des' «ing6spännten Haares^ wenigstens
eine ganze Umdrehung Vollbrin^^en müfste^ die dann
sehr leicht in eine grofse Anzahl Theile eingetheih
werden könnte.
Der Wichtigkeit des Zweckes wegen ^ wozu das
in Rede stehende Instrument ( welches man vielleicht
nicht Unpassend einen Festigkeitsmesser nennen
könnte) bestimmt ist ^ stelle ich hier einige bei der
Anwendung dess^elben zu beobachtende Vorsichls-
mafsregeln zus<immen^ wie siä sich mir durch die Er-
fahrung ergeben haben ^ und wie sie sich auch^ zum
Theil wenigstens^ aus der Bauart des Werkzeuges
ableiten lassen.
i) 'Das Instrument mufs^ wenn man einen Weil-
'faden in dasselbe befestigt , rfiöglichst horizontal ste-
hen, weil aufserdem eine schiefe Spannung des Fa-
dens erfolgt, welche der Genauigkeit des Resultates
Nachtheil bringt. Während man die Welle dreht,
kann das Instrument ohne Anstand in der Hand ge-
halten werden, weil der einmahl gespcinnte und fest-
gemachte Faden keine Veränderung mehr erleidet.
a) Das Schliefsen der beiden Zangen mufs mit
grofser Sorgfalt geschehen , weil aufserdem der Fadeii
nicht fest genug gehalten wird, sondern durchschlüpft,
und daher eine gröfsere Festigkeit zu besitzen scheint^
als ihm wirklich eigen ist. -Es ist nicht räthlich,
einen Wollfaden , der aus'Versehen nicht fest genug
eingespannt war , und beim Drehen der Welle durch
eine der beiden fangen ganz oder zum Theil durch-
geschlüpft ist , zu einem neuen Versuche wieder zu
verwenden, weil er in diesem Falle meistens schon
einen Theil seiner Festigkeit verloren hat.
358
3) Aus derselben Ursache ?erineide maa es, den
Faden übermäfsig lang am Zängelclien frei hängen
SU lassen,
4) Man vermeide es gleichfalls, während des
Versuches den eingespannten WoU&den anzuhauchen^
indem die Feuchtigkeit des Athems leicht eine Än-
derung im Resultate hervorbringen kann,
5) Man erneuere von Zeit zu Zeit das die Innen*
fläche der Zangen bekleidende Papier, yreil sich in
dieses durch oft wiederfaohlte Versuche Rinnen ein-
drücken, welche das Durchschlüpfen der Wollhaare
erleichtern.
6) Während des Drehens der Welle vermeide
man jede Zuckung der Hand , aus dem schon früher
angegebenen Grunde. Man mufs sich gewöhnen,
ohne Unterbrechung so lange fortzudrehen, bis der
Faden reifst. Beobachtet man diese Vorsiebt nicht,
80 reifsen die Fäden gern dann , wenn man die Be-
wegung nach einer vorhergegangenen Unterbrechung
von Neuem. beginnt.
Es ist bekannt, dafs gröbere Haare, z, B, Men«
schenhaare, sich leichter von der Spitze gegen die
Wurzel, als umgekehrt, zwischen zwei haltenden
Körpern durch bewegen ; und man erklärt diese Er-
scheinung aus der vermutblichen schuppenartigen
Struktur dieser Haare, welche der von oer Wturzel
nach der Spitze zu gehenden Bewegung ein gröfse»
res Hindernifs entgegen setzt. Man könnte daher die
Vermuthung hegen, dafs dieser Umstand auch bei
der Prüfung der Schafwolle auf ihre Festigkeit seinen
Einflufs habe, und dafs es demnach vielleicht nicht
gleichgüliig sey , ob man die Fäden mit der Wurzel
nach oben oder nach unten einspannt, indem im
letztem Falle das Durchschlüpfen aerselben zwischen
I
\
359
den Zangen befördert YTorde. Allein die von mir
eigen» znr Aufkläriup^ dieses Zweifels angestellten
Versuche scheinen einer solchen Yermuthung nicht
günstige daher ich auch nur gelegenheitlich bemerke,
dafs bei allen meinen übrigen« Versuchen ( deren Re-
sultate ich unten» angebe ) die Wurzel d^r Wollhaare
abwärts gekehrt war.
'\
Die Festigkeit einer Schafwollsorte zu wissen^
kann nur dann irqn erheblichem Nutzen seyn , wenn
die Feinheit derselben zugleich mit berücksichtigt
wird ; der P7)igtlfinder^8che Festigkeitsmeaser findet
daher hauptsächlich in Verbindung mit dem bekann-
ten englischen Wollen - Mikroskope ( Dollomts Eiro-
meter) seine zweckmäfsigste Anwendung. Nur in-
dem man beide Instrumente nach einander um Rath
fragte kann ein brauchbarer Aufschlufs über die Be-
schaffenheit einer vorliegenden Wollgattung erhalten
werden j und man wird sich z. B. des Voigtländer^ -
sehen Inatrumentes bedienen y um zu erfahren ^ wel-
che von zwei oder mehreren gleich feinen SchafwoU«
Sorten eine gröfsere Festigkeit, und somit mehr tech«-
nische Brauchbarkeit besitzt.
In der nachfolgenden Tafel, welche die ReSul^
täte einiger von mir angestellten Versuche enthält,
wollte ich hierauf Rucksicht nehmen; allein ich mufs
Sestehen , dafs meine Geduld und meine Übung in
em Gebrauche des Wollen- Mikroskopes nicht zu-
reichten, eine lange Reihe übereinstimmender ResuU
täte hinsichtlich der Feinheit der untersuchten Woll-
gattungen zu Tage zu fordern; wie ich denn übek*-
haupt jenes sinnreiche Werkzeug nur für eine Art
technischer Spielerei zu halten geneigt bin»
Den Inhalt dieser Tafel stelle ich daher nur als
eine kleine Sanunlung von Beispielen auf, avis denen
36o
man von der Festigkeit einiger SchafwoUsorten einen
beiläufigen Begriff erhalt. In der dritten Rubrik fin-
det man die .Resultfite von fünf Versuchen über jede
Sorte angegeben; ich habe aber fast jedes Mahl zehn
Versuche anstellen müssen , um nur fünf Resultate
zu erhalten^ welche einigcrmafsen mit einander über-
ein stimmten '^). Die Ursache davon liegt vielleicht
zum Theil in meiner geringen Obung (doch habe ich
'seit einem Jahre mehrere hundert Verbuche ange-
stellt)^ vorzüglich aber ohne Zweifel in einigen Män-
geln des Instrumentes y und in der wirklichen Ver-
schiedenheit der Wollfäden.
*) Die Scbwierigkcit , übereinstimmende Resultate tax erhalten,
hat schön Regnier bei dem Gebrauche seines Instrumentes
eingesehen , und defswcgcn gerathen , jeden Versuch wenig-
stens fünf Mahl isu wiederhohlen , und aus 'den erhaltenen
Bcsultaten das Mittel zu ziclien. Mach seinem Vorschlage
soll man sogar, um sicherer ku seyn, die grufstcn und die
I kleinsten Zahlen jedes Mahl weglassen , und nur die mitt-
leren beibehalten. 9o lobenswerth in dieser Rüchsicht die
Aufrichtigheit des Erfinders ist, der seiner Erfindung keinen
übertriebenen Werth beilegen will: so wenig günstig spricht
«ie für die Braucld)arlieit des Instrumentes | ungeachtet Bt-
gnier die Abweichungen in den Resultaten fianas auf Rech-
*nung der Verschiedenheit der Wollfaden stellen «u können
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36a
Um in RficLsicht auf Festigkeit eine beiläufige
Vergleichung der Schafwolle mit anderen fadenför-
migen Stoffen möglich zu machen^ habe ich gleich-
falls mehrere Versuche angestellt^ deren Resultate
die folgende Tafel enthält.
«
MittelsaM
Nähme des untersuchten
ResulUte Ton fünf
AUft rliAS^n
Stoffes
Versuchen
Versuchen
Mulegarn Nro. i6o
aus indischer Baum-
wolle ....
3i, 3a, 3i, 33, 34
3ar)
Thibetanische Zic-
genwoUe . . .
i8, i8, i8, 17, 17
i7>
Inländische dto. •
16, 17, i8, ao, 18
ni
Kamehlhaar . .
16, 17, 18, 19, 18
i7f
Menschenhaar . •
a5, 19, a4, ai, aa
aaf
Einfache Seidenfäden
9, 10, 9, 8, 10
9f
Feiner Niederländer
X
Battist - Flachs^ rein
•
ausgehechelt • .
a, a, 2, a, a
= ")
*) Die Ursache von der scheinbar sehr grofsen Festiglieit des
feinen Games Hegt in dem Umstände, dafs sich während
des Versuches die einzelnen Baumwollenfäden aus einander
ziehen, und dafs sich mit Genauiglieit gar nie der Augen-
. blick angeben läfst , in welchem der Faden abreifst.
**) Der Grund von der unbedeutenden Festiglieit des Flachs-
fadcns liegt in seiner geringen Elasticität , durch welche ein
sehr zeitiges Brechen desselben veranlafst wird.
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t >
VIL
Über Schrauben und ihre Verfertigung.
Von
G. A l t m ii t t e r,
Professor der Technologie am lt. Ic. polytechhischen
- Institute»
»■i*i
Uie Unentbehrlichkeit der Schrauben in den me-
chanischen Künsten^ wo sie zu den verschiedensten
Zwecken angewendet werden^ mufs Erörterungen
über dieselben^ vorzüglich in so fem sie das Prak-
tische betreffen^ wünschenswerth machen. Yerge*
bens sucht man über ihre leichteste und sicherste
Yerfertigungsart , über die verschiedenen Gattungen
derselben y über Vorsichtsmafsregeln ^ die bei ihrer
Wahl zu beobachten sind^ in Druckschriften unoe-
ständliche Aufklärung. Der praktische Arbeiter ist
daher häufig zu seinem und oit zum ffachtheile der
herzustellenden Arbeit^ blofs auf Versuche beschränkt,
und sehr oft wird die Ursache der UnvoUkommenheit
des Effektes^ die eben hier zu suchen wäre^ nicht ein«-
mahl geahnet. Manches zwar, was der nachfolgende
Aufsatz liefern wird, ist bereits ein Eigenthum einzelner
Werkstätten ; allein hier findet man es mit vielem An«
deru, gar nicht bekannten, in eine» der wissenschafUi-
eben nahekommende Form zusammen gestellt, und es
dürfte überhaupt der Mühewerth seyn, einmahl die
eigentlich mechanischen Gewerbe, in wissenschaftp
lieber Hinsicht genauer zu untersuchen, und das,
was seit Jahrhunderten von einzelnen Arbeitern er*
3G4
dacht und verbessert wurde/ in einer zusammenhän-
genden systematischen Ordnung^ für einen künftigen
vollkommenen Lehrbegriff der mechanischen Tech-
nologie zu. bearbeiten ^ und so den blofsen Theore-
tiker in den Stand zu setzen^ dem Arbeiter solche
Angaben zur Ausführung irgend einer Idee zu ma-
chen , die demselben mit seinen ihm von der Seite
des Gebrauches und der Übung bekannten Mitteln
erreichbar sind.
Da die Theorie der Schraube sich in sehr vielen
mathematischen Schriften findet^ so beifciehen sich
meine Untersuchungen fast ausschliefsend auf das
Praktische , von welcher Seite auch dermahlen noch
das meiste zu wünschen übrig' ist. Eine^ so viel ich
weifs noch neue^ Eintheilung der Schrauben wird
vorausgeschickt) um die einzelnen Arten leichter
übersehen , und manches Abweichende bei ihrer
Hervorbringung in der Folge bemerken zu können;
hierauf folgt die Darstellung der Mittel , durch wel-
che sie verfertiget werden können^ und zwar vorzugs-
weise jene^ die bisher noch nicht^ oder nur unvoil*
ständig beschrieben worden sind* Die Aufzählung
der Materialien^ welche man zu Schrauben in ver-
schiedenen Fällen gebraucht^ und. sogar manchmahl
nothgedrnngen wählen mufs ^ und endlich einige Be-
merkungen über besondere^ von den gewöhnlichen
abweichende Arten von Schraubenmuttern machen
den Beschlufs des Ganzen.
u/. tOer die verschiedenen Arten sfon Schrauben.
*
Als Eintheilnngsgrund kann hier keine blofs zu-
ftllige und unwesentliche Beschaffenheit^ wie etwa
der Durchmesser der Spindel^ oder die Stärke der-
selben dienen, obwohl auch diese in vielen Fällen
wichtig ist. Ich habe daher die um die Spindel ge-
legten Gänge und ihre Verschiedenheiten zu diesem
Zwecke gewählt, die auch völlig zum vorgesetzten
3ö5
Zwecke hinreichen werden. Die Gänge konpen in
vier Rücksichten betrachtet werden; hähmlich in
Rücksicht auf Form, Richtung, Stärke oder Fein-
heit, und j^nzahl. Nach der Untersuchung dieser cha-
rakteristischen Abänderungen wird diesen Abschnitt
eine kurze Andeutung schraubenähnlicher Vorricb-
tungen beschliefsen^ denen sowohl ihr Äufseres als
auch ihr von dem der eigentlichen Schrauben sehr
abweichender Gebrauch am besten diese Stelle an-
weiset.
Wenn man sich die Gänge , der Verständlich-
keit des Folgenden wegen ^ immer als abgesonderte
um die zylindrische Spindel gewundene Streifen vor^
stellt^ so sipd sie nach ihrer Form^ entweder ^cAar/^
oder rund, oder aber flach. Ausdrücke die in den
Werkstätten häufig gehört werden^ obwohl für die
erste und letzte Art die Benennung dreikantig und
{vierkantig bezeichnender seyn würde.
Bei scharfen Schrauben (Taf. VI^ Fig. 7 ) sind
.die Gänge dreieckige und liegen mit der Grundfläche
auf der Spindel auf. Damit sie aber gehörig hoch^
und mitbin die zwischen ihnen befindlichen Vertie-
fungen so stark werden e dafs in die letztern die hohen
Gänge der Schraubenmutter hinreichend eingreifen^
und einer angebrachten Gewalt widerstehen können^
niuunt man (Ten Winkel an der Schneide des Ganges
immer kleiner als die beiden an der Grundfläche.
Die gleichseitig dreieckige Form der Gänge ist also
fiir dauerhafte Schrauben nicht brauchbar ^ denn sie
werden zu stumpf^ der Eingriff in die Mutter zu seicht^
diese erweitert sieb bald, und wird endlich ganz un-
brauchbar. Obwohl solche scharfwinkelige Gänge
jene sind, die man bei fleifsigen Arbeiten am häufig-
sten findet, weil man nur durch sie sehr tiefe Schrau-
ben erhalten kann, so versteht sich dieses doch nur
für kleinere Schrauben. Unanwendbar sind sie dann,
308
Frage, warum fast alle SchneckcngehUuse rechts gc-
v^unden, und die linken als Seltenheiten oder Natur-
spiele zu betrachten sind. Raum dafs die Bemer-
kung hieher gehört, dafs dasUineindrehen einer ge-
wöhnlichen Schraube leichter ist; denn beim Heraus-
drehen, was doch atich oft geschieht, findet wieder
das Gegenthcir Statt. Indessen können die linken
Schrauben in einigen Fällen höchst vortheilhait be-
nützt werden. Auf ein, mittelst einer Schraube be-
festigtes Arbeitsstücl; wi^ke eine Kraft, in einer Rich-
tung, wodurch die Schraul^e aufgedreht wird. Diese
wird daheic unnütz, und man mufs eine andere mit
verkehrten Gängen wählen , dip nach der entgegen-
gesetzten Richtung Mch, öATnep (äf^t, also durch den
oben verausgesetzten Widerstand vielmehr zu- als auf-
gedreht wird. Nahmentljch kommt diefs bei den
Drehsliften der Uhrmacher (Taf IL Fig. a4, 25)vor,
wo > die aufgeschraubte abzudrehende Arbeit durch
das Anhalten des Grabstichels losgehen würde, wenn
die Schraube nicht eine li^kc., i dem \yiderst9nd ge-
rade entgegen wirkende, und sich folglich dadurch
nur noch fester schliefsende wärp. An solchen \yägcn^
wo die Räder durch vorgelegte Schraubepmuttern.
vor dem Herunterfallen gesichert sind, müssen die
an der linken Seite des Wagens ebenfalls linke scyn.
Ein weniger bekanntes Beispiel, Vodurchcine Spin-
del, die halb recht und halb link ist, die Haupttheile
des Werkzeuges gleichzeitig einander genähert oder
entfernt werden, gibt der hölzerne Zirkel (Taf. VI.
Fig. 12). Wenn die Spindel ab nach der .Richtung,
welche der Pfeil in der Mitte derselben anzeigt, ge-;
dreht wird , so nähert sich der Schenkel c dem Mi^*
telpunkte, weil er durch die Schraubenmutter in der
Richtung a sich bewegen mufs ; ^thut dasscl^c^ aus der
gleichen Ursache. Die Schnelligkeit, womit, dieses
Instrument genau gestellt werden kann , macht es für
viele Arb\3itcn sehr empfehlungswerth. Beiläufig nur
erinnere ich, dafs die Muttern e e um ihre Achsen
' 369
Leweglich seyn müssen , weil die Spindel sonst nicht
bei jedfer Öffnung des Zirkels sich in ihnen frei dre-
hen, und so die heiden Schenkel führen könnte.
Die Unterscheidang der' Schrauben in grobe und
feine ist nicht eben wichtig, nnd gründet sich dar-
auf, dafs von 'schwächern Gängen mehr auf einer
bestimmten Länge der Spindel Platz haben, als von
stärkeren. Man sagt, daher, die Schraube habe so
viele Gänge auf den Zoll, d. h. es lassen sich auf der
Länge eines Zolles z. B. 60 derselben zählen. Bei
starken Prefsschrauben beträgt' die Entfernung einer
Windiipg von der andern oft einen Zoll und darüber.
Die feinstieh Schrauben hingegen, wie die bei Mikro-
meter - Vorrichtungen, habed auf den Zoll oft 70 bis
do derselben. Hundert bis i!20 Gänge aber dürften
das Höchste seyn , was bisher in dieser Art geleistet
worden ist. Dat^ für die jedes Mahl nöthige Stärke
def Gänge'k.ein^ Regeln gegeben werden können, son-
dern hier 'tJbung und Erfahrung allein leiten müsse,
lie^t wohl in der Natur * der Sache. Nur wir(i'. man
flache Gewinde nie schwach machen können, weil
dadurch der Zweck derselben , nähmlich die Dauer-
haftigkeit, verfehlt vrarde» Feine Schrauben aber
werden nöthig seyn , wo etwas durch sie mit Ge-
nauigkeit gefimrt werden soll, nnd auch dort, wo
die Schraubenmutter blofs in dünnes Blech gemacht
werden mufs , weil man nur dann auf Festigkeit rech-
nen kann, wenn sich in der Schraubenmutter hin-
reichend viele Gewinde befinden, was aber im vor-
ausgesetzten Falle nur durch die Feinheit derselben
erreicht werden kann. Z^u sehr feinen Schrauben-
spindeln endlich mufs immer das beste und dauer-
hafteste Material gewählt werden , also guter Stahl
oder reines Eisen, weil sich ein anderes nicht mit
der gehörigen Schärfe ausarbeiten liefse.
Die Anzahl der Gänge ( im nachfolgenden Sinne)
l«hrk. <L pel/t. Utt. IV. M. ^^
37«
•
ist für die AjiWf nc|uiig.¥Oft giröfstpr Wichtigkeit, und
wahrscheinlich hiofs cjefs^/^gen ii| allen mathemati-
sdien und teifhn^ff hen f)Verken» kaum bloft berührt,
weil sie weniger iheöretiscji, sondern fast nur prak-
tisch ist. D^r Uqierschied z^isphen einer gewöhnli-
chen einfachen und einer mehrgängigen Schraube
besteht in Folge^deEn• Bei der ersieren geht der
einzige vorhaodenjG ßchraubengang in einem fort so
Yon der Grundfläche l>is an das Ende der Spindel,
dafs Windung an Windung liegt, upd zwischen zweiea
derselben nichts mebjr Pjiatz hat, als die den erhöh-
ten Windungen ^jLsprc^hend^iIi Vertiefungen für
, die hohen Tbeile der ^chraubönmuiter. Man denke
sich denselben Z}[lind9r, u;ßd,$ben so starke Gänge,
die aber um die Spindel weii)^figer gewunden seyeo, *
als das erste Mahl, so etw^, dafs dfe Entfernung
zweier Windungen drei Ms^bl so grofs wäre, als vor-
hin. Jetzt wird so ^yiel Platz übrig bleiben, dafs man
zwischen dieselben, von der Grundfläche der Spindel
an , noch einen zw^i^en G.s^g würde hindurchführen,
oder auflegen können* Wird. der. ^rste Gang noch
mehr aus einander g^zogot)^^ werden zwischen zweien
seiner Windungen 2,.3i>'4 ^°d mehrere andere
Gänge Platz finflen,j^di6, v,an der Grundfläche ausge-
hend,, sich.neben. einander ii) gjcicbei^ Entfernungen
um die Spindel winden. , I^^s ^uQallende dieser Kon-
struktion vermindert sich übrigens, sehr, so bald
man sie blofs theoretisi^h bcitracht^t.,. Es ergibt sic^
dann leic^it, idafs. di^, yermfhrte Anzahl* der. Gange
blofs eine, praktische Zv\tha^, das eigentlich Kar.ik-
terische al^er das starke Steigen de$ als ursprünglich
angenommenen Ganges ist, wodurch seine Windun-
gen so weit werden, dafs* poch mehrere, in gleichen
Abstanden auf der Spindel, herumgelegt werden kon-'
nen. Auf dem Zylinder (Taf. VI. Fig.^ i4) denke
man sich eine mit der Achse parallele Leiste , die
also noch keinen Schraubengaiig gibt;, in Fig. i5,
T^f« VI ist sie ett^as geneigt, in Fig. i6 aber schon.
37f
fo fttark^ dafii sie einen förmlichen^ ' nber sehr stet*
gendpn (rang bildet. Endlich sind die Windungen in
Fig. 17 so enge^ dafs sie eine gewöhnliche einfache
Schraube bilden. Diese aber^ so wie jede andere,
kann man wieder sehr leicht in eif^e doppelte oder
zweigängige umwandeln^ wenn man »sich die Breite
der GBnge ohne ihre Neigung gegen die Achse
zu ändern , um die Hälfte vermindert denkt ^. wo dann
zwischen ifaneu noch ein anderer Gang eingelegt wer*
den kann« Aus Fig. iG kann aber durch Einlegen
von 5 bis 6 neuen Gängen .eine vollständige Schraube
gebildet werden, und die Ursache , warum man in
der Ausübung wirklich so verfährt , ist.l^eine andere,
als weil der einzige schnell steigende Gang zu wenig
Widerstand leisten könnte; denn die Eigenthümlich«
keiten beim Gebrauch bleiben, jenen Umstand ab«
gerechnet, dieselben ^ und lassen sich durch die
starke Neigung des einen Ganges gegen die Achse,
oder sein starkes Stcigep , vollkommen erklären. Die
vorzüglichsten Eigenschaften mehrfacher Schrauben,
znit den gewöhnlichen verglichen , sind folgende :
i) Sie taugen nicht, um etwas fest zu verschrauben,
sondern gehen bei geringem Widerstände freiwillig
zurück, ohne dabei auszubrechen , oder die Schrau«
benmutter zu verderben. 3)* Bei einer ganzen Um«-
drehung tritt eine solche Schraube viel weiter aus der
Mutter hervor, und beschreibt einen desto längeren
Weg, je mehr ihre Gänge steigen. 3) Sie vertragen
in gewisser Be/äehung, ilähralich in Rücksicht auf die
Festigkeit des Materials, viel mehr Gewalt, als die ein«
fachen ; eine Beschädigung der Gänge ist also bei ih-
nen, wenn sie zu starken Pressen verwejidet wer«
den, nicht leicht zu besorgen. Mehr Kraft aber,
oder eine gröfsere Geschwindigkeit wird durch sie
nibht bezweckt, und sie werden daher auch ganz so
berechnet, wie einfache. Zur Erläuterung jener drei
Eigenheiten wird eine nochmahlige Betrachtung der
Figuren i4» i^, 16 und 17 (Taf. VI) dienlich sejn«
>4*
37a
Man denke sidi^^ d^r Z^indev Fig. i4 passe in ein
rundes^ in eiiier Platte ' befindlioip^s Loch^ in dem
auch für die -senllreoht^' Leiste ein £in$chnitt vor-»
banden ist ; so wird* er sich in'demselben ohne Schwie*
rigkeit^ ünd^'öhni^ sich zu drehen^ auf und nieder
bewegen lassetir Fig. 'r5 al>er unter denselben Um-
standen wird' sich äcfaon'^ etwas, . Fig. 16, noch mehr
um seine Achse drehen y und zum Auf* und Nie-
derziehen des- letztern ^chem eine'lgroise Gewalt er-
forderlich seyn. ^ Je stärker die 'Windung der Leiste
ist (diesem als deii Schrdubengang, die l^latte aber
als die Mutter betrflchte^) y desto mehr dteht sich
der Zylinder, desto schwerer wird aber auch das
Hin- undHemehen/ündt^i einer förmlichen Schraube^
wie Fig. 17; dereh' Gänge Wenig schräg sind, wird
es, ohne sie' zu verderben^ ('unmöglich, 'sondern sie
,mufs absichtlich und 1 mit einer Krafl gedreht wer-
den, welche hinreicht/ <die 'Reibung zwischen Spin-
del und Schraubenmutter zu überwinden. Die Rei-
bung nimmt zu,' wib die Windungen cngeir werden,
im entgegengesetzten 'Falle abeV ab. Wenn daher
starksteigende (mehrfaofae) Schrauben' auch nicht
dienen um etwa» fest tJa halten , so' braucht man sie
doch, wo sie entweder durch eine geringe Kraft, oder
gar wie beim Pressen 'des Papiers, durch die Elasti-
cität des eingcpref^ten Gegenstandes- von selbst wie-
der zurück geben, 'und so Zeit und Kraftaufwand er-
sparen sollen. Da solche nur wefiig um ihre Achse ge-
drehte Schrauben weit *aus der Mütter hervortreten, so
sind sie überall sehr nüizlich,* wo man pfiit einem gerin-
gen Theil der Kreisbewegung sie auf eine Unterlage will
drücken lassen, wie ^z, B. bei Buchdrucker- und
Knopfpressen, Durchschnitten u. dgl. 'DenPrefsben-
Sel des Buchdruckers braucht , um die Schraube aiif
en Satz witken zu lassen, noch nicht die Hälfte
eines Kreises; zu beschreiben, wogegen, um eine ein-
fache Schraube eben so tief zu bringen^ 3 bis 4
373
Sanze Umdrehungexv ifedlhig' seyai vüirden. Um auf
lese Art Zeit ku spare« >^'7i^äre zwar nur ein einziger
stark schiefer Gang auf der Spindel! möthig, dieübri*
gen noch hinzu gefügten, jähere vermehren die Dauer-
haftigkeit der Presse, Weil dann diei Last nicht mehr
ganz auf den einzigen Gang wirkt ) sondern auf alle^
nach ihrer Anzahl^ gleich verthjsilt^'>dieselben nicht
so leicht beschädigen oder gar ( vorzüglich die in der
Mutter) wegbrechen kann.. X)ieses letzteren Vorzu-
ges wegen findet/ man sojche Schrauben < auch an
Münz-^ ja sogar an. eröfseren Siegelprc^sen , deren
Dauerhaftigkeit sie. sehr bedeutend erhöhen.
Hier mag nach dieiBe^hreibdjatg einiger . bisher
wenig bekannten Vorrichtungen Platztfinden,. bei de-
nen mehrfache Schrauben miiiüberraschendem Er-
folg aufgewendet werden , und nicht leicht durch et-
was Anderes- zu ersetzen wären» »'.
Taf. VI. Fig.* i8 ist/ eine kleine sehr bequeme
Siegelpresse' abgebildet« Die Druckschraube a, für
welche durch 6'dieMuiterigcs«hnitten ist, hat sechs
Gänge ^ und steigt so beträdhüich^^dafs schon durch
die halbe Umdrehung das mit ilvr .vetbundcne Siegel
ganz auf die * Unterlage y herabkömmu Eine bei d
in dem ( metallenen ()i Gestelle festgemachte stählerne
Feder wird dadurch, wgleich gespannt^ und treibt,
sobald man die Haod vom Griß^ der Schraube weg-
zieht y und Alles ^ish ' selbst, überläfst , die Schraulie
in die erste Lage wieder auriMJc, wodurch ein sehr
schnelles Siegeln möglichi wird. Damit das Siegel
wohl mit der Schraube zugleich nieder geht, sich aber
dabei nicht drehen kann, so i$t es an ihr nicht unbewegt
lieh fest, sondern hat einen, röhrenförmigen Ansatz,
in welchen das Ende der Schraube gesteckt wird.
Beide verbindet die Feder so miteinander, wie die
^^g* ^9f 1*^- ^' vergröfsert zeigt. Die Feder (alles
von oben angesehen ) hat in ihrer Breite ein rundes
374
Loch a, 90 grofs^ dafs der. Ansatz des Siegels leicht
durchgeht. Mittelst des langen Einschnittes b c aber,
fiir welchen zwei ähnliche^, an beiden Seiten der
Röhre befindliche, vorhanden sind^ wird sowohl diese
als auch die unten mit einer eingedrehten Nuth ver-
sehene Schraube, mit der Feder verbunden , und
die Schraube dreht sich jetzt wohl in dem Einschnitte
b c, das Siegel aber wird von demselben festgehalten,
und an der Uivdrehung verhindert. — Eine wenig
steigende einfache Schraube müfste , um nach f zu
kommen y mehrmabl mit Zeitverlust ganz herumge-
dreht, um gehörig zu 'widerstehen^ weit stärker ge-
macht werden, und würde sich endlich durch aie
blofse Feder nicht wieder in die Höhe treiben lassen.
Noch sonderbarer ist die Wirkung des starken
Steigens der Schraubenwindungen bei dem .auf Taf.
YL Fig. 30 gezeichneten Bohrer^ der^ weil beim
Gebrauch desselben nichts weiter nöthig ist^ als ein
senkrechter Druck auf den Kopf desselben, überall
anwendbar ist^ wo aus Mangel an Raum^ mit dem
Drehbogen , und den sonst üblichen Bohrvorrichtun-
gen nicht zuzukommen ist. Das Äufsere desselben
ist von Holz , und nur bei a eine messingene Kappe
aufgeschraubt^ durch deren runde Öffnung der zy-
lindrische Theil der Bohrspindel frei sich bewegen
kann. Die letztere (in welche die Bohrspitze h ge-
steckt ist) endet sich in eine stark steigende dop-
pelte Schraube. Sie wird auf eine ganz einfache Art,
und blofs^ dadurch verfertigt, dafs man das obere
Ende der Bohrspindel flach ausschmiedet, und diesen
Theil im glühenden Zustande so, dreht, dafs die ge-
hörige Schrauben Windung erfolgt, und die beiden
schmalen Kanten der geschmiedeten Schiene die dop-
pelten Gänge bilden , wie Fig. aa , Taf. VI zwischen
ab im gröfseren Mafsstabe zu sehen ist. Für diese
Söhraube ist bei/", Fig. ao , Taf. VI eine eben so
einlache^ und Fig. aij Taf VI besonders gezeichnete
Mutier in die hcikerne R^^e »eingeUssen ,. die^ aus
einer eisernen , mit zwei, ^insc^initten versehenen
Platte besteht^ worein die zr^ei SdUraabengänge pas-
sen^ und sich in ihr^ wie; i^ einer r9jcdentlichen Mut-
ter^ bewegen können. Auf dem* obern Ende der Spin-
del liegt bei c ein zylindrisches IJdessing^ tückchen frei
und so^ dafs es sieb 'in der hQlzQrncn Röhr^ leichthin
und wieder schieben läfsjt. ^ dient vblofs zum Stütz-
punkte der Spiralfeder ^r^f^ die oben , an dem Gehäuse
des Bohrers ansteht^ Ujfi W(irkung dieses artigen^
yon unsern Klaviermachern bereif angewendeten In-
strumentes wird sich jetzt bald ergeben. Hat man
die Bohrspitze dort^ wo sie wirken soll> aufgesetzt,
und drückt man den, Kopf e des Bohrers senkrecht
nieder, so folgt hothwendtg die ganze hölzerne Röhre
dieser Richtung; die Spiralfeder r^ird zusammenge-
drückt , die Schraubenmuti^e^ ß geht ebenfalls abwärts,
und dreht mithin die an dfsr Spindel befindliche dop-
pelte Schraube, wodurch die Bohrspitze ebenfalls
gedreht wird, und, das. Loch zu bilden anfängt. Läfst
man mit dem Drucke nach ^ so -breitet sich die Spi-
ralfeder aus, die fiuhrerhül,s& wird, von ihr gehoben,
und duröh die mitgehende Mutter bei/* die Spindel
wieder, aber in entgegengesetzter, Richtung, urn^e^
dreht. Der nächste Druck bringt wieder die erste
Bewegung hervor, \in4 das 'Spiel idauert so lange,
als ijnan diese ab wechseliüde^ Bewegung veranlafst, und
durch sie der Bohrspitz^ diej vor- ^nd rückwärts ge^
hende, sehneil drehende Bewegung crtheilt. Dafs
man aber mittelst dieses lo^trpmentes nur kleine und
solche Löcher . werde erhalten können , die keiner
bedeutenden Kraftanwendung bedürfen, erhellt aus
der Betrilchtung, dafs beim Zurückgehen der äufsev
reu Hülse .blofs die Spiralfeder thätig ist , und sie
einen zu grofsen Widerstand nicht überwinden könnte,
also unter solchen Umständen der Bohrer beim Auf-
wärtsgehen der Hülse stecken bleiben würde^
Ferner ^ehßrt hierher eine .An von Hohbohrern,
die jetzt in den englischen Werkzeuglabriken unter
dem Nahmen screw augers verfertigt v^erden, und
auch den inländischeo Zimmerleuten , durch die
mit dem Fabriksprodukten • Kabinette verbundene
Werkzeugsammluog bekaant und schätzbar geworden
sind. Den wirksamen Theil eines solchen Bohrers
stellt Figur a^ , Taf. VI vor. Die grof:»en Windun-
gen bestehen aus einer flachen Stahlschiene , die so
wie die vorher beschriebene Bohrspindel schrauben-
förmig zusammen gedreht ist. Die unterste senk*-
rechte Kan(e ein,es jedi^n Ganges , von denen in der
Zeichnung nur die eine, d e, sichtbar seyn kann , - ist
etw^s breiter ausgetrieben , und zugeschärft. * Die
iitfsersten wagrechten Enden der Gänge aber^ c d,
sind ebenfalls scharf, und verlieren sich in eine
eigentliche doppelte Schraube f, mit sehr dünnen
Gängen, nach Art der Holzschrauben (Fig. ii^Taf.Yl).
Wenii dieser Bohrer auigesetzt, und langsam umge-
dreht wird, so greift zuerst die «inea kleinem Boh-
rer bildende Zugschraube / an , dringt der schneidi-
Sen Gänge wegen sehr leicht ein , und dient während
er ganzen Arbeit zur Führung der . eigentlichen
Schneiden. Von diesen letztem schneidet die .erste
C££. horizontal, die andere aber de wirkt im innern
Umfange des Loches, und macht dasselbe zylindrisch;
Da die Späne an den Ausgängen der zwei Schrauben-
windungen entstehen, so bleiben sie nicht nur in
denselben, sondern schrauben sich an ihneil in die
Höhe, und kommen, wenn auch das Loch 6 Zoll
tief gemacht wird., von selbst oben heraus. Der
Bohrer füllt sich daher nie mit Spänen so an, dafs
seinp Wirkung unterbrochen, und es nöthig würde,
ihn von Zeit zu Zeit heraus zu ziehen , und zu rei-
nigen« Allein noch ein anderer Umstand macht
dieses Werkzeug, jedoch nur dann noch empfehlungs-
vrerther, wenn es so gebraucht wird, dafs es die
Holzfasern quer durchschneidet, also durch ein
377
Brei oder ^inen Balken , aber nicht m der Richtung
der Länge derselben^ bohrt. • Hier ist selbst bei dem
stärksten Bohrer , und einem zwei Zoll weiten Loche
fast gar kein senkrechter Druck auf deüselben nöthig,
weil die Führungsschraube y* ihn Isieht^ die Schnei-
den aber nur langsam uAd im Verhältnisse des Zuges
angreifen. Soll aber das Loch mit den Holzfasern
parallel laufend werden, so- reifsen die durch die
Schraub^ / im Holze • gebildeten Gänge aus, der
Bohrer mufs, um zu schhidfden, 'Stark niedergedrückt
•werden, utid wirkt in dieseili,^ freilich sehr selten vor-
kommenden, Falle nitht' so gut; wie im vorigen.
•I
Mehrfache Schrauben, undzwar rechte und linke,
auch* bei einer Art englischer Patent- Kork-
zieher vor, deren Beschreibung ich defswegen hier
weglasse, weil eine solche schob in mehreren, auch
deutschen, Büchern, unW andern* im »Magazin aller
neuen Erfindungen , von Baumgärtner ^ « 3ter Band,
Seite 36, gegeben ist « "^
Aufser den im Vorigen aufgeführten Arten von
Schrauben liefsen sich noch mehrere ' Ab weichun-
gen aufzählen , die aber , da sie mehr an schrauben*
ähnlichen Vorrichtungen als an Schrauben im enge^
ren Sinne vorkommen, hier biofs berührt zu werden
brauchen. So sind oft die blofsen Schraubenwindun-
gen ohne Spindel vorhanden. Schon die eben vor-
gekommencn Bohrer gehören streng genommen hier-
er, Aufserdem aber auch jede Korkzieher, dieblofa
einen nach der Schraubenlinie ^gewundenen sogenann-
ten Wurm haben, der ganz frei, ohne Spindel, aber
so gehärtet ist, dafs er die letztere entbehren kann.
Etwas ganz Ähnliches sind auch die einfachen und
doppelten Kueelzieher der Schiefsgewehre, Auch be^
dient man sich bei manchen Argandischen Lampen,
eines schraubenförmig gewimdenen Drahtes^ auf wel-
378
chem ein Messingstuckchen kluft, zum Auf <- und Nie-
derachieben des Dochtes.
Die Windungen an ein und derselben Spindel
sind auch nicht immer von gleichem Durchmesser,
und hierher gehören jene , die gegen das Ende su
verjüngt. sind ^ und konische Schrauben darstellen. Zu
diesen kann man die meisten Holzschrauben rechnen,
die^ des leichtern Eindringens wegen, an der Spitze
dünner gemacht v^erden. Auch das , zum Aufschrau-
ben von abzudrehenden Holzstücken, Taf. I. Fig* 1 7 vor-
gestellte Futter mufs den eigentlichen Holzschrauben
zugezählt werden. Den gewöhnlichen Holzbohrern
gebührt hier ebenfalls eine Stelle. Die angreifende
Spitze derselben besteht aus zwei groben und schar-
fen Schrauben Windungen, von welchen > die obere
sibh bald zu einer hohlen messerförmigen Schneide
erweitert, welche eigentlich das Holz wegschneidet,
während jene blofs zur Führung dient. In weitester
Bedeutung werden endlich auch noch die Schnecken
in den Uhren und an Bratenwendern zu nennen seyn,
deren Bestimmung und Verfertigungsart aber von der
der eigentlichen Schrauben so sehr abweicht, dafs
eine nähere Untersuchung über dieselben hier am un«
rechten Orte seyn würde.
B. Über die Verfertigung der Schrauben.
Die Wichtigkeit der Schrauben, d^r Umstand,
dafs von ihrer Güte sehr ofl das Gelingen irgend
eines mechanischen Entwurfes ganz abhängt, und
ihre im vorigen auseinandergesetzte Verschiedenheit,
haben die Verfertigung komplicirt und mühsam ge-
macht, so, dafs sie nach Gestalt, Gröfse, Genauig-
keit, Anwendungsart u. s. w. immer durch andere
Mittel hervorgebracht werden müssen. Indessen las-
sen sich diese unter folgende Hauptrubriken bringen.
Es können nähmlich Schrauben durch blofse PFerk-
zeuge ^ oder auf Drehbänken von verschiedener Ein«
^79
richtung^ dann durch etgenth&mliche , bloft zu die-
sem Zwecke bestimmte Maschinen, und endlich
auch^ obwohl nur sehen , aus freier Hand verfer-
tigt werden;
Was die Bearbeitungsart mittelst der Werkzeuge
betrifft, so müssen stählerne^ eiserne und messingene
Schrauben von den hölzernen getrennt ^ und in zwei
Klassen abgesondert, behandelt werden, da die
Werkzeuge /u beiden sehr verschieden sincL
Für die erste Klasse, der aus härteren Metallen^
anzufertigenden, sind die Schraubenbleche die ein-
fachste Vorrichtung, aber nur brauchbar für kleinere,
blofs scharf- oder rundgängige, und solche die zur
Verbindung und zum Zusammenhalten einzelner Theile
bestimmt, die gröfste Genauigkeit nicht nothwendig
haben. Ein Scbraubenblech ist eine gehärtete stäh-
lerne Platte, in welcher sich mehrere mit Schrauben-
gängen versehene Löcher hefmden. Wird in eines
derselben die vorher durch Feilen oder Abdrehen
genau rund zugerichtete Spindel hineingedreht, so
drücken sich die hohen Windungen desselben in die
gli»ite Spindel ein, und es entsteht die verlangte.
Schraube. Allein sehr scharfe und, tiefe Gänge sind
nie zu erhaltefl, weil das Metall zwischen den Gän-
gen eigentlich nicht heraus geschnitten, sondern blofs
zusammen geprefst wird. Um aber doch das * Mög«
liebste zu thun, haben alle solche Bleche oder
Schneideisen für ein und dieselbe Spindel, zwei,
auch wohl vier Löcher, wovon die folgenden' immer
um etwas weniges enger sind. Durch allmähliches
Ausschneiden in allen diesen Löchern erhält man die
Gänge von ziemlicher Schärfe. Wollte man dieses
aber sogleich durch das engste Loch erzwingen , so
würde die Schraube abbrechen und in demselben so
stecken bleiben , dafs sie oft gar nicht mehr heraus
zu bringen wäre^ oder es könnte auch wohl durch
38o
den zu großen Widerstand das Schoeideiseii selbst
ausspringen , und zum Theil verdorben werden. Beide
unangenehmen Zufälle ereignen sich bei Mangel an
Vorsicht und etwas stärkern Schrauben nur zu oft.
Um Schraubenmuttern zu verfertigen^ bedient man
sich sowohl hier als auch bei den Kluppen, von de-
nen in der FoTge mehr vorkömmt, der Schrauben-
bohrer. Wenn man mittelst irger ^ einem Loche
des Schneideeisens eine stählerne Spindel anfertigt^
und sie gehörig härtet, so kann man mit ihr in ein
anderes metallenes Siück, in welchem' vorher ein
etwas kleineres Loch gebohrt wurde, die Schrauben-
mutter schneiden', in welche wieder die,, tiiit *deo|
nähmlichen Loche des Schneideisens verfertigte Spin-
del passen wird. Die Bohrer werden gern , des all-
mählichen Angreif ens wegen, konisch gemacht, und
mit Kerben versehen, wovon aifch nocl^ das Nöthige
gesagt werden wird. — Der Einfachheit und leichten
Handhabung wegen sind die Schraubenbleche bei
kleineren Arbeiten ziemlich allgemein eingeführt.
Grpfs- und Kleinuhrmacher, Schlosser, Büchsen-
macher u. dgl. bedienen sich ihrer sehr häufig. Von
Uhrmachern v/erden vorzugsweise die von Las^ousL
in Ge/}/* verfertigten gesucht , welche in versi^hi^er
neu Gröfsen mit numerirt^n Löchern , die bei glei-
cher Bezeichnung auf allen auch vollkommen gleich
sind, verkauft werden.
\?
3raiioht man genaue Schrauben, oder stärkece,
etwa über j- Z^oll dicke ; sollen sie lang , vollkommen
rein ausgeschnitten, oder 'aber mit flachen Gewin«
den verseben seyn : so kann man die Kluppen nicht
wohl entbehren, durch welche das blosse Zusammen-
drücken des Metalles vermieden, und ein eigentli-
ches Herausschneiden bewirkt werden soll. Die Theile
einer solchen- ^ind das Gestelle (fast immer von Ei-
sen und nur selten von Messing), welches auch vor-
zugsweise die Kluppe heifst; dann die so genannten
38i
Backen^ halbrund ausgeschnittene und in den Aus*
schnitten mit Schraubengängen versehene gehärtete^
immer p«iarweise vorhandene Stahlstücke , end-
lich eine oder ziyei Stellschrauben^ wodurch dieBak-
ken einander beim Portschreiten der Arbeit ' allmäh-
lieh genähert veerden können. Eine Kluppe der ge-
wöhnlichsten Art zeigt Figur i^ Taf. VII. Hier ist aa
das Gestelle, 6 o sind die Backen, welche, wenn die
Stellschraube^ weit genug zurück gedreht ist, durch
die Erweiterung bei e leicht herausgenommen werden
können , und in die Kluppe auf eine eigene Art ein-
Seschoben sind. Die Stellschraube hat bei f einen
urch löcherten Kopf, in welchen ein als Hebel wir-«
kender Stift eingesteckt, durch ihn die Schraube
gedreht, und die Backen gegen das zu schneidende
Stück geprefst werden können. Endlich bezeichnet
gh die zum Drehen der Kluppe dienlichen Hand-
griffe. Eine nähere Betrachtung verdient das Ein-
schieben der Backen, welches so geschehen mufs,
dafs diese einander wohl genähert werden , sonst aber
keine Seiten- oder schwankende Bewegung haben
können. Die verschiedenen Methoden zu diesem
Zwecke lassen sich am leichtesten darstellen , wenn
die Kluppe (Fig. i, Taf VII) im Querdurchschnitte
nach der Linie iA:*gezeichnet wird. Die beste und
gewöhnlichste Art des Einschiebens zeigt Fig. a,
Taf. VII, wo a a die in der ersten Figur mit Im be-
zeichneten Seitenwände der Kluppe sind. Sie wer-
den nach einem spitzigen Winkel abgeschrägt. Nach
dieser Neigung werden auch die Backen , aber ver-
tieft, an den äufsern schmalen Seiten eingeschnitten^
und lassen sich daher auf jenen zwei spitzwinkeligen
Kanten hin und her schieben, ohne sich, wenn alles
fleifsig gearbeitet ist, seitwärts zu verrücken. Die
Figuren 3, 4 ^^^ S> T^^^* ^U zeigen andere, aber
weniger zu empfehlende Arten des Einlcigens. Bei
Fig. o ist Gefahr, dafs die kleinen Ansätze der Bak-
ken 6 beim Gebraudi ausbrechen. Die in Fig. 4 ^er-
38a
»
tiefte Nmh bt^ wenn die Kluppe^ yne es eigentlich
der Festigkeit wegen seyn soll , aus dem Ganzen ge-
arbeitet wird , nie genau zu verfertigen , da sie blofs
mit dem Meifsel ausgehauen werden raüfste. — Man
wird bereits bemerkt haben, dafs be* le Backen einer
in der Mitte zerschnittenen Schraubenmutter verffli-
oben werden können , und dafs an den Kanten des
Schnittes die einzelnen Gänge eben so viele Schnei-
den oder Zähne bilden, welche, wenn man sie mit-'
telst der Stellschraube gegen die zu bearbeitende Spin-
del prefst, und die Kluppe ^ den Handgriffen dreht^ das
Metall angreifen, und die Schraube durch eigentli«-
ches Herausschn^den , und nicht durch blofses Zu-
sammendrücken hervor bringen. Was hier eigentlich
wirk}r^ sind also die Kanten der Gänge an jedem Bak-
ken, oder die Linien ab und c^ in der 5ten Figur
auf Taf YII , welche eine oder die andere zum An-
griff kommen, je nachdem die Kluppe nach einer
oder der andern Richtung um die Spindel gedreht
wird. Um die Backen noch schärfer zu machen, und
zugleich .den weggeschnittenen Spänen einen Ausweg
zu verschaffen , gibt man jedem Backen am Grunde
einen Ausschnitt, Fig. 5, Taf. VII, ef. Noch mehr
angreifend kann man sie machen, wenn man auch
neben den Gewinden gerade Rinnen einfeilt,'Taf. YII.
Fig.'6 aUy und aufserdem den Einschnitt am Grund«
Ä schräg erweitert, oder endlich ihn, wie die punk-
tirten Linien derselben Figur zeigen , so sehr vergras^
sert, dafs .von den Gewinden fast nichts als blofse
Zähne stehen bleiben. Diesen letztern aber bleibt,
hei so starken Ausschnitten, so wenig Festigkeit dafs
sie leicht ausbrechen und zu Grunde gehen. Es ist
jene^ Fig. 6 verzeichnete Bildung der Backen tlemnach
nur dann zu rechtfertigen, wenn, wie hei den Holz-
' schrauben , Tai. VI, Fig. 1 1 , sehr viel Metall wegge-
schaflPk werden soll. — Beim Gebrauch spannt man
die zu schneidende Spindel ( am häufigsten in einen
Schraubstock ) fest ein , setzt attf ihr oberstes Ende
383
die Xluppe, oder eigentlich die Öffnung der Backen^
an, und dreht ^ wenn die Stellschraube mäfsig ange-
zogen worHen ist, das Werkzeug an den Handgriffien
um die Spindel. Nach und nach müssen während
der Arbeit die Backen mittelst der SteUschrauhe ein- .
ander langsam genähert werden y bis die Spindel rein
ausgeschnitten ist. Die ganze Operation fordert aber
einen genauen und geschickten Arbeiter, und Vor-
sieh tsmafsregeluy deren nur einige hier Platz finden
können. Das Innere der Backen mufs zu eisernen;
odcR' stählernen Schrauben mitOfal^ zu messingenen
mit einer Mischung aus Fett und Wachs, reichlich
versehen werden , wodurch man die Arbeit erleich-
tert, und die Backen schont. Läfst man diese, durch
starkes Anziehen der Stellschraube, zu heftig angrei-
fen^ so kömmt man in Gefahr, dafs sie ausspringen,
oder dafs wenigstens die zu verfertigende Spindel,
wenn sie lang und dünn wird, sich krümmt, wefs-
halb sie oft ganz verworfen werden mufs. Wenn die
Spindel ganz rein ausgeschnitten ist, aber zu dick
wäre , so mufs man sie nicht etwa dünner schneiden
woUep, weil dann «oft mehrere Gänge weggerissen
werden, sondern mau befeilt sie, oder dreht sie ab,
und schneidet sie dann erst nach. Da die Griffe da-
zu dienen, um eine gröfsere Gewalt ausüben zu kön-
nen, so müssen sie, besonders für dicke Schrauben,
lang seyn ( bei solchen über einen Zoll im Durch-
messer 3 bis 6 Fufs), und es wird oft noth wendig,
zur Umdrehung der Kluppe mehrere Personen zu-
gleich anzustellen. Die jederzeit stählernen Backen
müssen gehärtet, aber, um das Ausbrechen mög-
lichst zu verhindern, wieder bis zur gelben Farbe
nachgelassen seyn. Über ihre Verfertigung wird spä-
ter noch etwas gesagt werden.
Diese am häufigsten vorkommende Einrichtung
der Kluppen hat* zwei bedeutende UnvoUkommenhei-
teo. Die Stellschraube g Fig. i , Taf. VII^ oder —
384
wenn der Griff hj wie es oft vorkömmt^ eine zweite,
gatiz gleiche ist «— beide, gehen durch das gewalt-
same Umdrehen nicht selten auf, und die Arbeit
wird dadurch sehr verzögert. Die Sielischrauben,
aufweiche aller Widerstand der Backen fällt, werden
endlich auch loeker, ihre Muttern reiben sich aus,
und die Kluppe. Verliert an f Brauchbarkeit sehr be-
deutend. Ein anderervNaditheil fmdet bei der Art
Statt, wie die Backen eingeschoben werden. Wenn
zwölf und mehrere Paare d^rselbeneingepafst werden
sollen, so werden durch das gewaltsame Hineinpro-
biren die Wände der Kluppe, Vorauf sie sich schie-
ben müssen, abgenützt, und die zuerst verfertigten
scbliefsexi dann nicht mehr so gut an , als die letztem,
erhalten Spielraum nach der Seite, welcher^ da nan
nicht mehr in beiden Bficken genau Gang auf Gang
treffen kann, dufserst nachlheilig isl. Auch beim
fortwährenden Gebrauch findet eine solche Abnützung,
endlich Statt. Indessen ist diese zweite, die Art des
Einschiebens betreflende, UnvoUkommenheit weniger
bedeutend, weil man bald neue Backen anfertigen,
und sie so genau als es nöthig ist, einpassen kann.
Es ist also vorzüglich wichtig, den Stellschrau-
ben einen Platz anzuweisen , wo sie nicht mehr als
Handgriffe dienen. Zu diesem Ende gibt man der
Kluppe die Taf. ¥!!> Fig. 7 abgebildete Form. Die
Stellschraube a geht von der Seite hinein , und die
Griffe zum Umdrehen, b c, sind mit dem Gestelle aus
deqfi Ganzen gearbeitet; alle$ Obrige aber ist wie bei
der vorhergehenden gemeinen Kluppe. Fig. 8, Taf.VU
zeigt eme andere, ebenfalls mit abgesonderter Stell-
schraube; sie fallt aber, der verschobenen Form we-
gen, nicht so gut in das Auge.
#
Aber auch dem oben angedeuteten zweiten Feh-
ler hat man abzuhelfen versucht, und zwar durch
Kluppen mit Deckplatten, die, ebenfalls mit fe«-
38S
sten HandgriiTen versehen / so kölistrnirt sind , dafü
die Backen nickt eingeschoben'^ sondern bloFs einge»
legt y und gegen dus Herausfallen durch eine vorge»
legte Platte gesichert werden. Fig. ii, Taf. VH
stellt eine gemeine englische Kluppe dieser Art Vor»
Das Hauptstück derselbc^X ist^ 'naq^^'den punktiileb
Linien ^ ganz diirchbrocfien ^ und hat 'daher eine' viäl-*-
eckige öfihung^ iti welche die^'Backen^ die hier gans
gerade Seitei^wände hiib^ii,^ hlofs ^hinein gelegt^ und
mit der Stellschraube einander'genäh^rt. werden kön-
nen. Damit sie aber nicht heraus fallen »der-wan^
li^h, ist die Öffnung^ in der sie liegen, durch zwei
Pldtlen gedeckt. Die untere, cc, Fig. 12, Taf. VII,
ist' auf die Kloppe fest genietet ^ dici. obere aber, bb^ '
derselben Figur, Mit 4' Schrauben aäaa, Figj' ii,
Taf. Vn, mit dem Gestelle verbui^den. Die Grifie'Äc
sind mit diesem aus einem Stucke, so wie auch ^bei
den zw^ei folgenden Arten. Die obere und untere
Platte haben runde Löcher, Fig. 12, Taf. VII mn,
utai die zu sclineidende Spindel durchzubringen. Zwi^
schfen beiden PlflTten können die Backeh mittelst' dbr'
Stellschraube so einander genähert werden, als Welkte
sie nach der gemeinen Art eingeschoben wären.
r
Die Unbecjuernlichken , dafs man , um die Bak^
ken von Spanen zfr reinigen, oder um neue cinzfde*'
gdii', die obere Platte mit Zeitverlust los'schrft^ibea
jiilif^, wird bei eiher andern ( Taf. VII, Fig. 9 und 10)
glücklich "vermieden. Auch hrer 'ist das Ge^teUe
dul^cbfbrodhen ,' wit die puhktirten Lfnieü f g zeigen*
Aliein die langem *Wärlde dii^ser Öffnung 5in4> wie
Fig. 10 deutlidh zu sehen' ist, abgeschräjgt, so dafs
unteh ,'^uhj das Durchfallen der nach derselben Fbitn
gebildeten Backen zu verhindern, keine besondere
Platte nöthig ist, sondern die keilförmig eingelegten
Backen nur von ^ben ' gedeckt* ^u v^erden braucheq.
Die Deckplatte bb, Ftg. 9 und 10^ wird bloft ^rca
swei Scihraubett angedrückt. Sie hat zwei runde Lo*
Jahrk. 4«« paljt. las«. lY. B4. ^5
386
eher cc, Flg. 9, sogrofs, dafs die Kopfe der Schrau-
ben leicht durch sie. -durchgehen. Werden diese
nachgelassen^ und verschiebt man die Platte in der
Richtung des Pfeiles^ so läfst sie sich abheben^ in-
dem jetzt die grofsen Lochet den Durchgang der
Schraubenköpfe gestalten, und dann die Backen
herausgenommen und wieder eingelegt werden kun-
toem Die Deckplatte mufs ebenfalls eine gröfsere
Öffnung z haben, um die Spindeln zwischen die
Backen bringen zu können.
An diese Kluppen reihet sich die, mit einem Scbie*
her versehene 5 Taf. VIl, Fig. «3 und i4 an. Der
letzterer ist in eine schräge Nuth der Kluppe tvjc/2(affl
besten in Fig. i4 zu sehen) keilförmig eingeschoben,
und hält die> wie bei Fiji; 9 und 10 eingelegten ^ak-
ken ebenfalls so fest, dafs sie sich blofs durch die
Stellschrauben a a einander nähern lassen , sonst aber
nach oben oder unten keineswegs von der gehörigen
Richtung abweichen können. Der Srbieber mufs,
*wie die Platten in den zwei vorigen Beispielen, mit
«iner gröfseren runden Öffnung versehen, seyn.
' Bei allen drei Arten aber, wenn sie auch noch
50 genau verfertigt sind, kommicn zwischen die Platte
und die Backen die beim Schneiden entstehenden
Späne; es findet eine grüfsere Reibung, und end-
lich Beschädigung der Theile Statt, und die Backen
kommen aus ihrer genauen Lage. In Rücksiebt der
Dauerhaftigkeit ist ihnen daher für starke Schrauben
immer die (Fig. 7 Taf. VII) dargestellte Art vorzu-
ziehen, so wie anderseits, in Hinsicht auf Genauig-
keit für sehr feine Schrauben, die so genannten Gbar-
nierkluppen ebenfalls besser und sicherer sind.
Die Backen werden bei diesen letztern nicht pa^
rallel gegen einander geschoben ; sondern die Klappt
9elbst besteht aus zwei Uaupttheilen , deren jeder
X'
einen Backen enthält^ und die einander mittekt de«
Gbarniers oder Gewindes, von dessen fleifsiger Bear«
l>eitung die Güte des ganzen Werkzeuges nbbängt,
langsam genäiiert werden können. Das Charnier d
( Fig. i5,Tai. YII) ist dem eines Zirkels ^bnlich^ und
durch dasselbe lassen sich die Tbeiie a und b nähern,
Mrenn die unbeweglich eingelegten Backen cc tiefer
in die Spindel einschneiden sollen. Bei ee wird die*
se« Werkzeug wie eine Zange mit der Hpnd gefafst
und zusammen gedrückt. Die Backen sind länger
als sonst gewöhnlich, es geht daher an , in dem nähm->
liehen Paare mehrere verschiedene Gewinde anzo*
bringen, und eines davon nach Belieben zu gebrau*
eben. Damit durch die bc^im Sqhneiden angewen^*
dete Gewalt kein Verrücken derXheile a und 6 nach
der Seite Statt finde ^ ist auf jeder Fläche von 6 eine
eiserne- Schiene x fest genietet, zwischen welche a
genau pafst, und daher ohne ausweichen zu können,
dem Theile b sich nähern läfst.
Die Kluppe Fig. i6, Taf. YII, hat lange Hand-
griffe, ein so genanntes eingestemmtes Charnier d^
und eine besondere Vorrichtung zum Zusammenpres-
sen der beiden Ilaupttheile c und e* Es dient hie-*
zu nähmlich die um a bewegliche Klammer oder Stu«
del , durch welche oben die auf das Ende des Thei-
los c drückende Stellschraube b geht. Fig. in zeigt,
uiit gleichen Buchstaben bezeichnet, die Studel von
vorn angesehen, und macht ihre Wirkung gans
deutlich.
Fig, i8, Taf. VII ist noch eine Charnierkluppe,
mit einem einzigen hölzernen Handgritf.oder Heft y^
und der Hauptsache nach von den zwei vorigen nicht
sehr verschieden; denn sie hat zwei mittelst des
Charniers c verbundene Haupttheile a und 6, und
ebenfalls die Studel d. Nur ist die Schraube e eine
neue sehr nützliche Zuthat. In der Lage, wie m
a5*
388
jeut steht ^ ist ein weiteres Zusammengehen der
Theile a b nicht mehr möglich j und '^ ist daher ia
jenen Fällen sehr gut^ wo man viele Schrauben von
ganz gleicher £)icke verlangt^ weil, wenn diese
Schraube einmahl für die verlangte Dimension ge-
stellt ist 9 keine Spindel dicker und keine dünner aus-
fallen kann. Die Buchstaben xx bezeichnen Ver-
tiefungen in der Kluppe y durch welche es möglich
wird^ die Backen^ wenn sie sich zu festleingeklemmt
haben ^ mittelst eines spitzigen Instrumentes wieder
heraus tu stofsen. Man hat sie zu diesem Zweck be-
sonders in allen Charnierkluppen ^ und auch sogar
oft an den gewöhnlichen. Die Charnierkluppen über-
haupt gehören y besonders für sehr feine Schrauben,
unter die allerbesten , weil , wenn das Charnier ,^nt
gearbeitet ist, ein Wanken der Backen. nie Statt fin-
den kann. Mit Unrecht aber würde man sie für sehr
starke^ oder für flachgängige Schrauben, die unter
allen zum Schneiden die gröfste Gewalt brauchen,
anwenden wollen, denn hier würde das Charnier
zu bald nachgeben, und für solche ist, die Fig. 7;
Taf YII gezeichnete Kluppe ohne Zweifel die vor-
züglichste.
Den Kluppen mufs auch noch eine zur fabriks-
niäfsigen Bereitung der ordinären Holzschrauben be-
stimmte Vorrichtung , die auf Schnelligkeit und Be-
quemlichkeit berechnet ist, aber nicht auf die, hier
weniger nothwendige Genauigkeit, zugezählt werden.
Ihr Unterschei(lendes besteht darin, dafs das eigent-
liche^ die Backen enthaltende Gestelle senkrecht imd
fest steht, während die zu verfertigende Spindel wag-
recht liegt^ und durch Umdrehung einer Kurbel in
die Backen gefuhrt und ausgeschnitten wird. Das
Ganze zeigt die Abbildung Fig. la und i3, Taf. VIII.
Es ist ab eine vierkantige Eisenstange^ die beim Ge-
hrauch in den Schraubstock gespannt wird. Siie trägt
erstens zwei Stützen c d , und dann auch die Kluppe e,
Ton folgender Einrichtung. la dieser liegen xwei
Paar Backen , wovon jenes^ was man eben braucht^
oben gelegt wird y wo aber dann der Mittelpunkt der
Backen mit 'der Achse der runden Stange rr zusam-
men treffen mufs. Bei einigen gemeinen Kluppen fin-
det man ebenfalls mehrere Backenpaare zugleich ein^
geschoben ^ allein die Seitenwände des Gestelle« fal*
len dann so lang aus^ dafs sie leicht sich biegen, wefs--
halb man jetzt diese Einrichtung nur noch selten an-
trifft. Die Kluppe e selbst ist nicht aus dem Ganzen
gearbeitet^ sondern ihr oberes Querstück hat ein
Charnier m ( Fig. i3, Taf, VIII) an einer, und
eine Schraube n an der andern Seite, wodurch es
während der Arbeit niedergehalten wird. Da dieses
Stück sich au&chlagen läfst, so kann man die Backen
sehr leicht herausnehmen, und erspart die sonst nö-
thige Erweiterung e (Fig. i\ Taf. VII). Die Stell-
schraube trägt eine Kurbel o (Fig. ii und i3,
Taf. VIII). Die rund zugerichtete auszuschneidende
Spindel wird in die Zange p fest eingespannt, und
diese sammt der ganzen Achse rr .nittclst einer zwei-
ten Kurbel x, vorwärts und in die Öffnung der Backen
hinein gedreht. Zugleich werden bei fortschreiten-
der Arbeit mittelst der Kurbel o die Backen einander
genähert , und die Schraube ist in kurzer Zeit vollen-
det. Der Hauptfehler dieser, übrigens zu gemeinen
Holzschrauben hinreichenden, Methode ist der, dafs
man mittelst der Zange nur selten eine Schraube wird
rund, und so einspannen können, dafs sie mit rr in
derselben Achse zu liegen kommt. Diese Vorrich-
tung leidet auch noch Abänderungen , z. B. das An-
bringen auf einem festen Werktische u. s. w., die
aber zu unbedeutend sind, um hier eine Stelle zu
verdienen.
Wir kommen jetzt auf die, zur Verfertigung der
Muttern, ja selbst der Backen uneiitbehrlicbenSchrau«
benbohrer. Wenn eine harte stählerne Schraube mit
390
Gewalt in ein Loch eingedreht wird^ so werden ioi
Innern desselben wohl Gänge entstehen , aber natup
lieh durch blofses Eindrücken. Um also scharfe
Gänge in der Mutter zu erhalten , ist es nötbig, die
Bohrer so einzurichten^ dafs sie allmählich angreifen^
und so viel möglich wirklich schneiden. Man macht
sie daher fast immer konisch , oder gegen die Spiize
zu dünner; man hat ferner^ besonders fiir genaue
Arbeiten sogar zwei derselben , einen zürn Vor- detf
andern zum Ausschneiden , beide also von etwas ver-
schiedener Dicke ; und endlich sind sie so eingerich'
tet^ dafs sie^ so wie die Backen, eine Art von Zäh-
nen erhalten. Das letztere bewirkt man durch Ein^
schnitte mit der Feile, die, etwa vier an der Zahl,
der ganzen Länge des Bohrers nach herunter gehen,
nnd so geformt werden , dafs die durch sie entste-
hende spitzigere Kante nach jener Seite gekehrt ist,
wa der Bohrer eigentlich angreift. Fig. 19, Taf^Vtt
i^t a a ein solcher gerader Einschnitt, B aber stellt
den Durchschnitt des Bohrers^ und die Lage der
durch die vier Kerben entstandenen Zähne dar. Will
jnan fiir die nähmliche Mutter zwei Bohrer nehmen,
so wird der erste, dünnere, nicht nur konisch ge-*
macht, sondern auch vierkantig, und so zugefeilt,
dafs nur vier Zahnreihen auf ihm stehen bleiben, v?ie
Flg. 20, Taf. VII Jy und im Durchschnitt gesehen Ä
Diese Zähne werden noch schärfer^ wenn man die
vier Flächen, wie die punktirten Linien in B zeigen,^
hohl «usschleift. Gute Bohrer haben ober den eigent«
heben Gewinden auch noch einen dünneren Hals,
Fig. 19 und ao, Tat VII bby damit man mit dem
eigentlichen Gewinde durch ein Loch ganz durch*
whneiden könne; alle aber bedürfen eines flachen
oder viereckigen Kopfes c in beiden obigen Figuren,
woran man sie fassen , und mit der nöthigen Gewalt
drehen kann. Kleinere spannt man blofs in einen Feil-
kloben ein , zu gröfsern aber bedient man sich des
Windeisens^ eines langen eisernen Hebels, welcher
39«
in der Mitte ein Loch hat , in welches der Kopf des,
Bohrers genau pafst^ und womit man den letztem
herumführt. Will man übrigens nur einen einzigen
Bohrer anwenden, so mufs er ziemlich lang und stark
konisch seyn, denn ein ganz zylindrischer bricht^
wenn das einzuschneidende Loch, wie es seyn soll,
um die Tiefe der Gänge kleiner gemacht wird , fast
immer in demselben ab, und ist oft nie mehr heraus
zu bringen. Die Bohrer werden, wenn sie gehörig rund*
gerichtet sind, so wie jede andere Schraube geschnit*
ten, dann aber mit den Kerben, oder mit den vier
Flächen versehen. Sie müssen immer von Stahl seyn,
und werden zuletzt gehärtet, und wieder bis zurget
bea Farbe nachgelassen.
Die Backen werden zwar auch wie eine
Schraubenmutter verfertigt, aber dennoch mit eini-
ger Abweichung, die hier angegeben werden mufs^
Beide Backen werden gehörig in die Kluppe ein:^
gepafst, und dann mit halbrunden Einschnitten von
hinreichender Gröfse versehen. Zum Einschneie
den der Gänge in diese mufs man sich aber durch-
aus eines runden Bohrers bedienen, denn ein vier^
kantiger ist dazu nicht brauchbar, weil, sobald
zwei seiner Flächen mit denen der Backen parallel
zu stehen kommen, die letztern zusammengehen, die
Ecken des Bohrers an ihren Kanten sich sperren, die
ganze Arbeit stockt, und ein ferneres Umdrehen der
Kluppe nicht mehr möglich ist. Da auch die gera«
den Kerben runder Bohrer (Fig. 19, Taf. VII aa)
roanchmahl in die Kanten der Backen einfallen , sa
macht man sie oft spiralförmig, aber so , dafs sie der
Richtung der Gänge entgegen laufen (Taf. VI, Fig.
28, o) ; eine Vorsicht, die zwar nicht eben unentbehr*
lieh , doch aber unter manchen Umständen von Nut*
zen ist. Zur Verfertigung eines Backenpaares reicht
übrigens ein einziger runder Bohrer , ja sogar weRn
er ganz zylindrisch ist , vollkommen hin , weil maa
393
hier deü Vorthell hat; die Backen mittelst der Stell-
schraube allmählich zu nähern, und so tief zu schnei*
den j als man will, wogegen eine eigentliche Mutter
auf ein Mahl ganz fertig gemacht werden mufs, und
durch Verengern der Öffnung nicht mehr nachzu-
schneiden ist.
So kann man also, wenn man den Bohter hat,
die Backen , und mit diesen wieder den erstem wech-
selweise verfertigen. Wie aber , wenn eine Schraube
verlangt-wird , wozu man weder Backen noch Bohrer
aufzutreiben weifs, z. B. eine flache dreifache Schraube
von bestimmter Gangweite , oder eine sehr feine Mi-
krometerschraube ? Für die letztere können in vielen
Fällen die Schraubenschneid -Maschinen, die weiter
unten folgen, angewendet werden; zu den ersten
kann man, und auch zu fast allen überhaupt, die
Spindel oder den Bohrer aus freier Hand mittelst der
Feile verfertigen« Ich kenne zu diesem Behufe zwei
Verfahrungsarten« Die eine, blofs für gröbere Gänge
anwendbare, besteht darin, dafs man sich nach der
in mehreren mathematischen und technischen Schrif-
ten auseinander gesetzten Art, Weite und Neigung
der Qänge auf t^apier zeichnet, und dieses um die
zu verfertigende Spindel leimt« N^ch den gezeich-
neten Linien schneidet man dann mit einer Messer-
feile das Papier so durch, dafs die Richtung der
Windungen auch auf der Spindel eingeschnitten wird.
Nach Maf^gabe derselben wird an den gehöri-
gen Stellen mit passenden Feilen das Metall wegge-
nommen, und, obwohl mit ziemlicher Mühe, die ver-
langte Schraube vollendet. Eine zweite, für feine
Schrauben geeignete Methode besteht darin, dafs
man um die Spindel Draht windet, und zwar von
einer solchen Dicke, dafs die Anzahl seiner Windun-
gen auf einen Zoll der Anzahl der verlangten Gänge
gleich kommt. Zwi^hen dem Draht wird dann mit
l^iner sehr fcharfwinkeligen Feile, die durch denselben
393
^is auf die Spindel dringt , die Schraubenlinie ange-
deutet^ und endlich aus freier Hand noch vollkom-
tnen ausgefeilt. Leichter noch geht die Arbeit^ wenn
D¥aD statt der runden Spindel eine vierkantige nimml^
sie ebenfalls mit Draht umgibt ^ und dann beim lang-
samen Abwinden desselben an ^ jeder der nach und
nach entblöfsten Kamen mit der Feile die Zähne ein-
streicht. Um mittelst eines solchen Bohrers eine
Mutter zu schneiden ^ braucht man nur eine geringe
Länge desselben zu bearbeiten^i una um die unver-
meidliche Ungleichheit d^r Zähne oder Gänge zu ver-
bessern, schneidet man ihn in eine Suhlplatte^ härtet
diese 9 verfertigt mit derselben einen zweiten Bohrer^
dem man^ wo es nöthig ist, durch tieferes Einfei-
len nachhilft, vVodurcb sich, wenn dieses Verfahren
mit geübter Hand einige Mahle wiederhohlt wird^
jene Fehler von selbst ausgleichen.
Durch eine , auf den ersten Anblick Jböchst auf-
fallende Manipulation kann man sich, wenn man
blofs rechte Bohrer oder rechte Backen hat, die lin-
ken von gleicher Gangweite und Steigung verschaf-
fen. Zur Erklärung dieser Verfahrungsweise dienen
die Figuren a6 und 27 auf Taf. VL Der Bohrer mufs
vierkantig seyn , und also vier Reihen Zähne besitzen.
Dann richtet man in einer gewöhnlichen Kluppe zwei
Backen, aber nur von Messing vor. In den gröfsern
(Fig. 26 afb g) wird ein Loch gebohrt, und mit
dem Bohrer wie sonst ein rechtes Gewinde in dem-
selben eingeschnitten. Dann feilt man von diesem
Messingstiick so viel weg, dafs es die Gestalt abec
bekommt. Der Bohrer /. wird wieder eingeschraubt,
so dafs eine seiner Kanten über die Fläche des Bak-
kons in der Mitte des Loches hervorsteht. Er mufs
hierbei so fest eingedreht werden, dafs ersieh durch
eine sehr grofse Gewnlt nicht verrücken oder her-
ausschrauben läfst, und diefd erreicht man am besten
durch starkes Verkeilen der Öffnungen h u Der
394
Zweite Backen 4 bekommt blofs einen ziemlich seich-
ten halbrunden Einschnitt^ ohne alle Gänge. Ist die
links zu schneidende Spindel n in den Schraubstock
eingespannt worden, so ^ird auf ihr oberstes Ende
wie sonst die Kluppe aufgesetzt. Man dreht sie, aber
verkehrt, und drückt dabei zugleich mäfsig nach un-
ten. So behandelt, erhält n bald linke Gewinde,
welche sofort in, die Aushöhlung des zweiten BacEen d
einschneiden, dort sich ihre Mutter bildeu^ die beim
Fortschreiten der «Arbeit zur Führung dient^ und ein
ferneres Abwärtsdrücken der Kluppe entbehrlich
macht. Offenbar veranlafst die Entstehung des linken
Gewindes der anfängliche unterwärts gehende Druck,
verbunden mit der verkehrten Umdrehung der Spin-
del. Denn, obwohl der Bohrer, von dem nur die
eine gezahnte Kante wirkt, ein rechter ist^ so ist
das, was ihn als einen solchen charakterisirt ^ nähm-
lich das rechts Aufsteigen der Gänge, hier defshalb
von keinem bedeutenden Einflüsse, weil von den
letztern nichts mehr tforig ist, als blofse Zähne, de-
ren schiefe Stellung nach der einen oder andern Seite
kaum bemerkbar, und noch weniger von Wirkung
ist, sobald sie durch das anfängliche Abwärtsdrückea
der Kluppe kompensirt worden ist. — Ein Gegen-
stüqk zu diesem ist das folgende Verfa^hren. Von
zwei rechten stählernen Backen legt man nur einen
(Fig. 37^ Taf. VI a) in die Kluppe, an der Stelle
des zweiten aber einen messingenen b , mit dem blos-
sen halbrunden Ausschnitte. Wird die so vorgerich-
tete Kluppe wie vorher gedreht und abwärts gedrückt,
so entsteht auch hier ein linkes Gewinde, und im
messingenen Backen sehr bald die Führung für das-
selbe, wahrscheinlich, weil blofs die äufserst^ Kante
s des stählernen Backens zum Angriff kommt, und
als eine Zahnreihe zu betrachten ist, welche durch
die Richtung der Drehung und des Druckes links
schneidet, und mithin so wirkt, wie die des rechten
Bohrers nach der Flg. 26 dargestellten Lage dessel«
393
hen. Beide Methoden habe ich seihst versucht y und
mit etwas Übung und Geduld vollkommen ausführbar
befunden.
Eiserne gröfsere Schrauben^ blofs zum Eindre-
hen in Holz bestimmt^ können schnell, aber ziemlich
unvollkommen, und nur zur Noth, mittelst .eines
Gesenkes erhalten werden. Di^ Gesenke der Eisen*
arbeiter können überhaupt als zweiiheilige Formen
angesehen werden, in deren untern Theil ein, vor-
her beiläufig zurecht geschmiedetes Eisenstück gelegt,
das obere daraufgesetzt, und durch die auf dasselbe
angebrachten Hammerschläge das stark glühende, und
daher weiche Eisen gezwungen wird , sich nach den
ausgehöhlten Vertiefungen in beiden Tbeilen allmäh-*^
lieh zu bilden. Auch das zur Hervorbringung der
Schraubengähge auf einer geschmiedeten Spindel he«
stimmte Gesenk (Taf. VII, Fig. 35, 36) besteht aus
zwei Tbeilen , die aber mittelst eines Gewindes, c^
Fig. 35 , mit einander vereinigt sind. Die Gestalt der
Schraube ist in beiden Stücken zur Hälfte und ver-
tieft vorhanden. Das Ganze wird durch den Ansatz
e in den Ambofs, oder sonst unbeweglich fest gelegt.
Wenn das Stück a mittelst des Gewindes c aufgeho*
ben worden ist, kann man^die glühende und erweichte,
in die Schmiedezange eingeklemmte Spindel in die
Schraubenform heia: einlegen, und das Stück a wie-
der niederlassen. Auf den Kopf desselben d wird
mit dem Hammer geschlagen, n|ich jedem Schlage
aber die Spindel .ein wenig gedreht, um sie auf allen
Seiten mit der Form in Berührung zu bringen, bis
sie, durch Wiederhohlung dieser Handgriffe, voll-
kommen sich in dieselbe gefügt hat. Die 36ste Figur
zeigt perspektivisch den untern Theil besonders, oo
aber ist in beiden Figuren ein starker Zapfen, wel-
cher mit b aus einem Stücke, in eine Krinne des
Obertheils a pafst, und verhindert, daTs dieses durch
die heftigen Schläge zur Seite ausweicht. Genauig-
396
keit und Schärfe der Gänge darf man hier nicht er-
Mrarten , und fast iqimer wird man , um solche Schrau-
ben nur einiger Mafsen brauchen zu können^ mit der
Feile nachhelfen müssen.
Die Bearbeitung hölzerner Schrauben und ihrer
Muttern , so vreit sie mit blofsin Werkzeugen vorge-
, nommen wird, weicht von der vorigen beträchtlich,
und zwar vorzüglich darin ab, dafs bei den hölzer-
nen ein Zusammendrücken des Materials, wie es zum
Theil selbst bei den mit der Kluppe geschnittenen
metallenen in einigem Grade geschieht, v^egen der
Struktur des Holzes gar nicht möglich ist, sondern
die erhöhten Gänge durchaus durch eigentliches Weg-
schneiden von Spänen gebildet werden müssen Eine
den Schraubenblechen entsprechende Vorrichtung
ist also hier kauni denkbar, sondern man bedient sieb,
wenige in der Folge noch vorkommende Ausnahmen
abgerechnet , durchaus der besonders dazu eingerich-
teten Kluppen, lind der Bohrer von eigenlhümlicher
Beschaffenheit.
Das wirksame Stück einer» solchen ordinären
Kluppe ist der stählerne Zahn oder der so genannte
Geiisfufs, welcher zwei scharfe, nach der Form des
künftigen Ganges unter einem spitzigen Winkel zu-
sammen laufende Schneiden hat, und am besten aus
einer dreieckigen Feile verfertigt wird, von welcher
man ein Stück ausglüht, einfeilt, und demselben wie-
der etwas mehr als die Federhärte gibt. In der Fig*
^f\, Taf. VII ist unter b ein Geifsfufs von der ausge-
feilten Seite zu sehen, c ist sein Durchschnitt, a die
Seitenansicht, und beiläufig die Lage, in welcher
man ihn mit einer eisernen Klammer in die Klappe
festlegt. Die letztere aber ist von Holz, und besteht
aus zwei Theilen, nähmlich der eigentlichen Kluppe,
Taf. VII, Fig. 31 und Fig. 23 tt, und einer Platte
Fig* aa oder Fig. ^3 nn^ welche auf jene mit zwei
hölzernen Schrauben z z Fig. aS befestigt wird. Das
Hauptstück ^^Fig. ai und 33 ist des leichteren An«
fassens wegen ausgeschweift oder auqh mit Handgrif-
fen versehen. Fig 21 zeigt die Kluppe^ wenn die
Deckplatte (Fig. 2a und aS /i/i) abgenommen ist.
Man bemerke bei b den festgeklammerten Geifsfufs ;
a ist ein Loch , durch welches die Späne herauskom«
nien ; dd sind die öfinungen ftir die hölzernen Schrau-
ben ( B2 Fig. a3). In der Mitte der Fig. ai ist c «ine .
durch die ganze Dicke des Stückes mit Schrauben-
gängen versehene Durchbohrung, in welche die zu
verfertigende Spindel genau pafst. Die Öffnung in
der Deckplatte Fig aa, oder Fig. a3 m hinge-
gen ist glatt, aber um die Stärke der Schrauben-
gänge bei c, Fig. ai weiter. Zur wirklichen Anwen-
dung dreht man zuerst die hölzerne Spindel so dick^
dafs sie durch das Loch m Fig. aa und a3, ohne Spiel-
raum zu haben, aber doch leicht durchgeht, und
diese Öffnung dient daher überhaupt zu nichts ande-
rem, als ihr eine Leitung zu verschaffen. Wird die
Spindel p jetzt in die mit der Platte bedeckte Kluppe,
Fig. a3, hineingedreht, so greift sogleich der Geifs-
fufs, der nach der künftigen Neigung des Ganges et-
was schräg liegen mufs, an, und schneidet den drei-
seitigen Span aus dem hölzernen Zylinder. Da
hierdurch ein vertiefter Gang entsteht, so findet die-
ser sogleich hintef der Schneide des Geifsfusses die
erhöhten Gänge im Loche c Fig. ai und a3, welche,
verbunden mit der schiefen Lage des Zahnes , der
neu entstehenden Schraubenspindel zur Leitung die-
nen. Damit die Gange aiif der Spindel nicht ganz
scharf werden, wodurch beim Schneiden, noch mehr
aber bei künftigem Gebrauch das Ausbrechen dersel-
ben zu befurchten wäre, sondern eine Platte, erhal-
ten, wie Taf. VI, Fig. o; so mufs die Spindel etwas
dünner gedreht , oder das Loch in der Platte Fig aa,
enger gemacht werden, als es nöthig wäre, wenn
man die Gänge ganz scharf haben wollte. Wenn die
398
Spindeln dick sind, z. B. 3 Zoll und darüber^ so
mufs so viel Holz weggeschnitten werden, dafs durch
den dabei Stau findenden Widersland ebenfalls das
Wegbrechen des Holzes^ oder auch eine Beschädi-
gung des Zahnes zu besofgen ist. Um diese zu ver-
meiden, legt man, dem ersten Geifsfufse gegenüber,
noch einen zweiten, Taf. VII, Fig. 21 e. Beide wer-
den so gestellt, dafs jener den Gang blofs vor- aber
nicht ganz bis auf den Grund schneidet , also nur
dem zweiten, welcher weiter vorwärts gelegt wird,
vorarbeitet, und somit beide, und auch das Holz
selbst, weit weniger leiden. Die Geifsfiifsc auf 3
bis 4«^n vermehren ist unnöthig, indem ein Paar der-,
selben hinreicht, und nur bei den gröfsten Schrau-
ben noch die Vorsicht nöthig ist, dafs man, ehe man
sie in die Kluppe bringt, auf ihnen einen oder an-
derthalb Gänge «aus freier Hand ausarbeitet j damit
diese in* der Mutter der Kluppe sogleich eingreifen,
und zur ferneren Leitung dienen. — Der leichtern
Verständlichkeit wegen wurde bisher angenommen,
die Spindel werde in die Kluppe hinein gedreht, allein
dieses ist bei solchen, die, um sie blofs in der Hand zu
halten, zugrofs sind, nicht möglich. Man spannt da-
her das rund abgedrehte. Holz entweder in einen
Schraubstock, oder., bei gröfserem Durchmesser^ in
die Zwinge einer Hobelbank, setzt die Kluppe auf
das x>berSte Ende desselben , und dreht sie mit bei-
den Händen, nöthigenfalls auch mit Hülfe mehrerer
Personen um. Da der starke senkrechte Druck
bei sehr grofsen Spindeln nicht leicht durch die blofse
Hand erfolgen kann, so legt man auf die Kluppe Ge^'
Wichte, oder läfst an deren Stelle eine oder zwei
Personen sich daraufstellen.
Dafs man durch das eben beschriebene Verfahren
mit der nähmlichen Kluppe immer nur Spindeln von
gleichem Durchmesser erhalten könne, wird aus $ler
Betrachtung klar, dafs, wenn man die Spindel düo^
3991
ner dreht^ die Abplattung an den Gäik^en za stark
wird y und die Vertiefungen zu seicht bleiben. Klup-
pen zu metallenen Schrauben gestatten aber wohl^
innerhalb gewisser Gränzen , die Verfertigung von
verschieden starken Spindeln, weil die Öffnung der
Backen durch die Stellschraube verändert werden
kann. Hier ist ein wohlgeliingener Versuch, dasselbe
bei hölzernen (kleineren) Schrauben nacbzuihmen.
Die Kluppe Taf. VII, Fig. 28 (von oben angesehen)
ist in der Mitte durchschnitten, hat also auch statt
der gewöhnlichen, zwei Deckplatten, die wie sonst
befestigt sind. Beide Theile ab lassen sich durch
die Stellschrauben cc in verschiedene Entfernungen
von einander bringen. Dadurch ändert sich auch die
Weite der Oßhung d, und der Zahn oder Geifsfüfs
wird dem Mittelpunkte derselben mehr oder weniger
genähert. £r wird daher an drei verschiedene Spin-
deln, wenn a und b gehörig gestellt sind, gleich tief
schneiden, und die Aufgabe ist hiemit gelöst. Die
mit einer Eintheilung versehenen,^ an b befesti{;ten
Messingstreifchen, ff', machen es möglieb, a uod b
einander immer parallel zu stellen. Diese Art Klup-
pen findet man noch nicht in den Werkstätten , ob-
wohl sie oft nützlich seyn können, da bei der gegen«
wärtigen der Unterschied zwischen der gröfsten und
kleinsten anzufertigenden Spindöl nicht unbedeu^
tend ist.
Die Schr&ubenmuttern in Holz werden mit Boh«-
rern verfertigt, die mit den fiir Metall gebräuchli-
chen ziemliche Ähnlichkeil haben. Eine stark ko-
nische, blofs eiserne Schraube, wenn sie auf vier Sei-
ten halbrund und so ausgefeilt wird, dafs von den
Gängen nur vier Rippen oder Kämme stehen bleiben^
wie Taf. VII, Fig. a5 j4, und im Querdurchschnitt B,
stellt einen solchen Schraubenbohr^r dar. Wird in
Holz ein Loch gebohrt, so weit als die Spindel, die
eigentlichen Gänge \y eggerechnet, so kann man mit«
4oo
telst jenes Bohrers sehr leicht die yertieften Gänge
hervorhringen. Sein zuerst wirkender dünnster Theii
wird nur seichte Gänge in das Holz einreissen^ bei-
bähe sie hlos anzeichnen^ bis die nachfolgenden stär-
kern Zähne sie weiter^ und endlich die obersten sie
YoUkommen ausbilden^ wobei freilich das Holz weni-
ger scharf weggeschnitten als eigentlich heraus ge-
kratzt wird ^ so dafsdas Innere der Gänge immer mehr
oder weniger rauh bleibt. Das Hineindrehen des Boh-
rers geschieht entweder durch ein quer an ihm be-
festigtes hölzernes Heft , oder besser^ durch ein bei
x Taf. Vir, Fig.- a5 aufgestecktes Windeisen. Das
letztere hebt man, wenn die Mutter ganz durchge-
schnitten ist, ab, und läfst den Bohrer unten durch-
fallen y wobei man nicht in Gefahr kommt, beim rück-
wärts Herausdrehen desselben die bereits gemachten
Gänge zu beschädigen.
Besser und mehr eigentlich, schneidend wirken
folgende zwei Bohrer (Taf. VII, Fig. iC und 27).
Der erstere ist eine auf die gewöhnliche Weise ver-
fertigte kegelförmige eiserne Schraube, die sehr stark
und so ausgehöhlt ist, dafs, wie die untere Ansicht^
zeigt, sehr scharfe Zähne (wie einer bei m B) ent-
stehen, die aber nach aufwärts durch die Schräge
des Einschnittes immer weiter zurück zu stehen kom-
men, damit nicht alle zugleich, sondern die am
dünnsten Tbeile der Schraube zuerst angreifen. Die
Schraubengilnge des Bohrers Fig. 37 sind nach oben
zu abc immer von geringerem Durchmesser, weil die
drei zuletzt bezeichneten nur zur Führung des Bob*
rers dienen, und durch ihre abnehmende Stärke die
Reibung an den bereits gebildeten Mnttergängen ver«
mindert wird. Das Ende der Schraubenwindung x
ist nach einwärts so wie ein Geifsfufs mit zwei schar-
fen Schneiden versehen, und von hier an der Bohrer
innen hohl, und unten bei m ganz offen. Der bei X
im eigentlichen Sinde gctschnittene Holzsp^n gebt
4oi
daher durch das vor x schattirte Loch in den Bohrer
hinein, und fällt bei m unten durch. Der hohle zy-
lindrische Ansatz o o, welcher genau das fiir die Müt-
ter vorgebohrte Loch ausfüllen mufs, leitet den Boh-
rer Anfangs y und erleichtert das Drehen desselben,
ohne dafs ein Schviranken Statt findet. Sind einmahl
ein Paar Gänge in. der Mutter da*, so übernehmen die
Windungen abc die fernere Führung des Bohrers.
£r kann übrigens nur für kleinere Schraubenmuttern
empfohlen werden, die er sehr rein ausschneidet j zu
gröfsern taugt er nicht, weil, da die G£nge nicht
allmählich, sondern durch das Wegschneiden eines
einzigen Spans entstehen müssen, zu seiner Um-
drehung eine zu grofse Gewalt nöthig wäre. Wenn
er stumpf wird , läfst er sich ' auch nicht so oft
schärfen, als die vorigen Arten, weil das Loch bei x
dadiu'ch zu sehr vergröfsert wird.
Da man hölzernen Schrauben , wegep der gerin^
gern Festigkeit des Materials, immer verhältnifsmäfsig
sehr grobe Gänge geben mufs, so findet man kaum
für die Bohrer zu den kleinsten Muttern eiserne
Schneidekluppen ^ mittelst welcher man sie von Me-
tallarbeitern könnte anfertigen lassen. Allein diefs
ist auch'nicht nöthig, sondern die gewöhnlichste Art
von Bohrern ( Tat VII ; Fig. a5 ) wird fast immer
aus gehörig zugeschmiedetem Eisen gefeilt. Auf die-
ses zeichnet man sich die Z^^hnreihen vor, und ar-
beitet sie dann mit einer dreieckigen Feile aus» Ob-
wohl sie also bei einiger Übung leicht zu machen
sind, so reicht man dennoch mit ihnen nicht ^aus,
wenn man sehr dicke Schrauben und dazu passende
Muttern braucht.
Was müfste man für ungeheure Eisenstücke zu.
g-bis i^zöUigen Bohrern haben, welche Gewalt würde
nöthig seyn, um die Mutter mit ihnen auszuschneiden;
und dennoch , da auch sie nur kratzen und schaben
Jahrh. d. poljt. In«!. IV. M. 0,6
4oa
würden ^ • erhielten die Gänge nie die gehörige Stirke,
und um so "weniger, da die Erfahrung lehrt , daCs
gerade die Mutter überall am frühesten zu Grande
geht. Aus diesen Ursachen, und weil die hölzer-
nen Schrauben zu Pressen u. dgl., wenn, sie die thea-
ren eisernen ersetzen sollen , 'viel gröfsere Dimensio-
nen erfordern^, und Spindeln von 5 bis lo ZoU nicht
unter die Seltenheiten gehören, hat man Mittel er-
dacht, die Schraubenmuttern auf eine leichte und
zweckmäfsige Art zu verfertigen , während die Klup-
pen fiir lozöllige Spindeln noch fiiglich gebraucht
werden JLÖnnen. Man macht nahmlich die Bohrer
blofs von Holz , und gibt ihnen einen einzigen Zahn
oder Geifsfufs , der auf zwei verschiedene Arten in
Wirksamkeit .gesetzt wird.
Die Bohrer mit dem sogenannten Sattel, für
kleinere Schraubenmuttern von etwa 4 his 6 Zoll
Weite bestimmt , sind auf folgende Art eingerichtet
Taf. VII, Fig. üQ ist a das Holz<&tück, in welchem
die Mutter entstehen soll, und in das ein um die Stärke
der Gänge kleineres Loch bereits vorgebohrt ist
D^r Bohrer ist dort, wo er in dem^telben laufen mufsi
zylindrisch, und so dick, dafs er ohne zu starke Rei«
buhg an den Wänden desselben gedreht werden kann*
Ober seinem glatten Theile bildet er aber eine Schraube
e, deren Gänge der anzufertigenden Mutter genau
entsprechen. Diese Schraube hat ihre Mutter in dem
Sattel b , welcher , wenn der Bohrer im Loche des
Stückes a genau senkrecht gerichtet worden ist, auf
demselben entweder mit eisernen Schrauben c , oder
mittelst gewöhnlicher Tischlerschraubzwingen, ^i^
bei c/, fest gehalten wird. Unter den Schrauben-
gSngen hat der Bohrer ein viereckiges Loch, in wel-
ches der stählerne Zahn g gedrange eingesteckt wird.
Er hat die Form eines quer durchschnittenen Gang6S|
und ist auf der Fläche , mit der er dem Holze entge-
gen geht, 80 ausgearbeitet , dafs er zwei, unter einem
4o3
spiuigen Winkel zusammen stofsende Schneiden be*
kommt, Taf VII, Fig. 3i. Auck kann er, damit
er nicht so leicht schartig wird , an dieser Seite gans
flach seyn, bekommt dann auf der andern Seite zwei
Abdachungen, und, wenn man abgeplattete Gänge in
den Vertiefungen der Mutter haben will, vorn noch
eine dritte Facette, wie Fig. 3o, Taf. VII. Der er-
stere (Fig 3i ) schneidet besser, wogegen der an*
dere blofs schabt, dafür aber auch länger dauert.
Wenn man den Bohrer an seinen Handgriffen ff
{Fig. 29, Taf, VII) in der gehörigen Richtung dreht,
so schraubt er sich in die Mutter des Sattels h hinein;
der an ihm befindliche Zahn macht nothwendig die '
ganz gleiche Schraubenbewegung, wird, sobald er in
nie OflTnung des Stückes a gelangt, nach der nähmli*
eben Linie in demselben angreifen, und die Anlage
zu den vertieften Gängen machen. Im Anfange darf
der Zahn nur sehr wenig über den Zylinder vorste-
hen, damit er nicht zu stark einreifst; ist er aber
durch das Loch in a ganz durch, so dreht man ff
in verkehrter Richtung, bis der Zahn wieder über
demselben zum Vorschein kommt. Jetzt treibt man
ihn weiter aus der zylindrischen Spindel hinaus, da-
mit er stärker einschneide , upd so erhält man, durch
allmähliches Vorwärtsrücken desselben, endlich eine,
der im Sattel befindlichen ganz gleiche Schrauben-
mutter, die hier, da man das Angreifen des Zahnea
ganz in der Gewalt hat, sehr rein ausfallen mufs.
Dieser Vorrichtung ist eine andere , für die dick-
sten Schrauben bestimmte, ziemlich analog. Sie
kommt bei den Arbeitern unter der Benennung des
Bohrers mit der Zugplatte vor, ist Taf. VII, Fig. 3a
und 33 abgebildet, fast noch einfacher und so leicht
zu machen , dafs man dazu nicht einmahl die Werk- .
zeuge zu Verfertigung der Spindel e Fig. ag , Taf. VII
und ihrer Mutter nöthig bat. Das Holzstück ah^
Fig. 3a, Taf. VII wird wie sonst durchgebohrt, xx
a6*
aber, welches den Bobrer fuhrt ^ und stau des Sat-
tels diente mit starken eisernen Schrauben pp an
dasselbe befestigt. Der Bohrer c wird durchaus zy-
lindrisch und so abgedreht^ dafs er sowohl in das
Loch Zf als auch in das mxx befindliche, g j Mrel-
ches gar keine Gänge hat, sondern blofs rund ist,
pafst. Auch er erhält keine eigentlichen Gänge,
sondern an deren Statt zeichnet 'man auf seinem Um-
fange die verlangte Schraubenlinie vor, und schneidet
sie mit einer starken Säge etwa ^ Zoll tief von d bis
n ein*). Dieser Sägenschnitt dient zur Leitung des
Bohrers dadurch^ dafs unter dem Loche g eine, etli-
che Zoll lange, Eisenplatte y ^lü xx festgeschraubt
wird, und zwar in der Lage, welche die Neigung
der Gänge erfordert. Sie steht über das Loch g et-
was vor, und greift daher beim Einstecken des Boh-'
rers in den Sägenschnitt desselben ein. So ersetzt
diese Eisenplatte (Zugplatte) ganz die Stelle einer
förmlichen Schraubenmutter in g, tmd die Spindel
schraubt sich mittelst des Einschnittes in ihr eben so
gut. Der Zahn folgt dieser Bewegung, und wirkt
bei gleicher Behandlung eben so, wie bei vorbescbrie-
benem Sattel j so dafs sich auf diese Art Schrauben-
muttern von 13 Zoll Weite ohne Anstand ausschnei-
den lassen**). Fig. 33, Taf. VII ist ein solcher Boh-
rer, von vorzüglicher Einrichtung, besonders* ge-
zeichnet. Durch das Loch b seines runden Kopfes
a steckt man den zum Umdrehen nöthigen langen
Hebel. Der Zahn ist^ mit c bezeichnet, d aber ist
*) Hat lüait anstatt des Bohrers eine schon geschnittene Srin-
del 9 so dreht man die Gänge derselben so weit weg , aafs
nur eine Spur von ihnen sichtbar bleibt « nach dieser wird
der Einschnitt mit der Sage gemacht , und das Vorseichnen
der Scltraubenlinie hicmit erspart.
^*) lnGeifiteriX>rec\a\tT ^ Leipsig i8o5, 11 1. Theil « iste Abth.
findet sieb nach dem franeösischen (manutl idu tourneur,
4. Paris 1791) auf Taf. XV eine ähnliche Vorrichtung, die
aber so komplicirt und unbequem ist, daCi aie der ^>^^
«Lafjgestellten weit nachstoht.
4o5
eine eiserne SteUscbraube ^ weichein delr durchbohf-
ten Spindel bis zum Zabne geht^ ihre in das Holz
fest eingelassene Mutter bei ee hat^ und auch nur
in der Nähe derselben Schrauberigäuge braucht, weU
che die punktirten Linien andeuten. Zieht man diese
Schraube an, so drückt sie so iest auf den Zahn, und
hält ihn in jeder Lage so unbeweglich , dafs er durch
die gröfste Gewalt beim Schneiden nicht zurück ge-
drückt werden kann.
Ich habe endlich auch den Versuch gemacht^
Schneidezeuge für hölzerne zwei- und dreigängige
Schrauben anfertigen zu lassen. Da er yoUkommen
gelungen, und mir nicht bekannt ist, dafs man diese
Idee sonst schon ausgeführt habe, so erlaube ich mir
um so mehr hier einige Bemerkungen darüber, als
solche Schrauben bei kleineren Pressen, wo das Auf-
und Zuschrauben viele Zeit wegnimmt, sehr bequem
sind, und ein freiwilliges Zurückgehen, wegen der
grofsen Reibung, die Holz an Holz erleidet, bei ih-
nen nicht so häufig ist, als bei ähnlichea Top Metall,
endlich auch wohl durch ein zweckmäfsig angebrach-»
tes Sperrrad gänzlich zu verhindern wäre. Die Kluppe
zu solchen Schrauben mufs natürlich zwei oder drei
Geifsfiifse haben , welche so schräg, als es wegen des^
jedcsmahligen Steigens der Gänge erforderlich ist^
und auch jeder in einem besonderen Gange der Mut-
ter, einzulegen sind. Soll eine dreifache Schraube
entstehen, so ist vor Allem darauf zu sehen, dafs die
drei Zähne so gestellt werden, dafs die drei zugleich
entstehenden Späne gut und bequem aus der Kluppe
heraus gehen können. Diese mufs auch länger ge-
macht werden,, oder besondere Griffe bekoo^men,
weil, mehr Kraft zum Umdrehen erfordert wird. Sind
die Bohrer ans massivem Eisen nach Art der Fig. ^5,
Taf. YII, so bekommen sie für ein doppeltes Ge-
winde 4iur vier Zahnreihen, für ein dreifaches aber
müssen sie ^chszeilig seyn, und die Schiefe der
4o6
Gänge vor dem Ausfeilen genau vorgezeichnet wer«
den. Wollte man aher einen hölzernen Bohrer mit
der Zugplatte anwenden, so müfste dieser drei Zahne
über einander , oder noch besser, ein Stück Stahl mit
drei zabnäbnlicben Schärfen erhalten, sowie auch zu
ratben ist , für jeden der drei Gänge eine besondere
Zugplatte einzulegen , wodurch mehr Dauerhaftigkeit
imd gröfsere Sicherheit in der Bewegung erzielt wer-
den kann.
Von hölzernen Schrauben habe ich nur noch
sehr wenig zu sagen , was am schicklichsten bei den
Erörterungen über das zu Schrauben anzuwendende
Material vorkommen wird» *
Wenn man annähme , ein Mechaniker sey mit
allen im Vorigen vorgekommenen Werkzeugen verse-
hen, so wird er doch bald in die Lage kommen.
Schrauben verfertigen zu müssen, wozu ihm jene
nichts mehr nützen. Feine Schrauben von beträcht-
lich starkem Durchmesser, wie an Perspektivröhren,
an weiten Büchsen , wo für die Gewinde nur wenig
Raum ist, und sie, um fest zu hallen, desto feiner
seyn, zugleich aber an ein dünnes Rohr , oder einen
Zylinder mit schwachen Wänden gemacht werden
müssen, können durch Kluppen u. d^l. niemals ver-
fertigt werden. Hierzu^ und in unzähligen andern
Fällen, bedient man sich der Drehbänke vorzugs-
weise, entweder der gemeinen, oder solcher, die
aufser den zum gewöhnlichen Drechseln anwendba-
ren Tbeilen noch besondere, zum Schraubendrehen
ausschliefsend bestimmte Z.usätze haben, so dafs eine
solche Vorrichtung , ihrer Hauptbestimmung nach,
immer nocb eincDrebbank bleibt, und von den eigent-
lichen Schraubenschneid- Maschinen ganz iiiglich ab-
gesondert werden kann.
Ehe ich jene Methoden der Schraubenverferti-
4o7
gung untersuche^ die der Drehbank eigenthümlich
zugehören ^ will ich einige kurz erwähnen^ wo die
Drehbank blofs erleichterndes Hülfsmittel ist, als
Hauptwerkzeug aber ebenfalls gewöhnliche Bohrer
oder. Kluppen gebraucht werden.
Dünne und lange Schraubenspindeln kann man
mit Yortheil auf der Drehbank mittelst gewöhnlicher
Kluppen verfertigen. Die Spindel wird zwischen die
Backen gelegt , dann wie jede andere Arbeit in der
Drehbank eingespannt, und durch die Bewegung der-
selben zum Umlaufen gebracht. Die Kluppe hält
man mit der Hand, und führt sie nach der Richtung
der entstehenden Schraube langsam fort. Die roti-
rende Bewegung der Drehbank und der Spindel ver-
tritt hier die Stelle des Umdrehens der Kluppe , und
der Erfolg ist derselbe, ja sogar unter der Voraus-
setzung einer dünnen Schraube noch besser, denn
man braucht die Backen nur sehr allmählich einander
zu nähern , indem das , was hier dem starken Drucke
der Backen auf die Arbeit fehlt , durch die Schnel-
ligkeit des Uralaufens derselben reichlich ersetzt, und
die fertige Schraube nicht so leicht krumm wird, wie
bei der gewöhnlichen Bearbeitungsweise. Die Kluppe
(Taf. VII, Fig. i5) ist für die Drehbank vorzugs-
weise geeignet.
Man ist sehr oft in die Nothwendiekeit versetzt,
eine langsame und gleichförmige Umdrehung eines
Rades oder einer Scheibe mittelst einer Schraube be-
wirken zu müssen, eine Vorrichtung, die unter der
Benennung der Schraube ohne Ende allgemein be-
kannt ist. Zu gröfsern Maschinen wird die, meistens
mehrfache. Schraube entweder aus freier Hand ge-
feilt, oder mit der Kluppe geschnitten , das Rad aber
auf der Räderschneid - Maschine mit der nöthigen An-
zahl von Zähnen versehen ; kleinere hingegen werden
durch einen gewöhnlichen Schraubenbohrer > mit
4o8
Beihülfe der Drehbank hearbeitet. Bei mathemati-
schen Instrumenten söil durch eine solche endlose
Schraube weniger eine grofse Gewalt ausgeübt, als
vielmehr eine Scheibe langsam um die Achse gedreht
werden; die Gänge an jener, und die Zähne oder
vertieften Gänge im Rade oder in der Scheibe sind
feiner, und die Schraube mufs, def Dauerhaftigkeit
wegen , s'o tief als möglich in dieselben eingreifen. In
der, üg. Fig., Taf. VI ist aa eine Seitenansicht der
Sd^ibe, und h der Durchschnitt der Schraube. Die
Scneibe hat demnach eine halbrunde, mit den Gän-
gen oder Zähnen versehene Vertiefung , die als eine
halbe und kreisförmig zusammen gebogene Mutter
angesehen werden kann. Um sie anzufertigen , hat
man folgende zwei Verfahrungsarten. In die fertig
abgedrehte Stirn des Rades oder der Scheibe wird
eine halbrunde Nuth eingedreht, so tief, dafs die
Schraube, wenn die Gänge vollendet sind, bis zar
halben Dicke in derselben liegen kann. Um die
Gänge einzuschneiden , bleibt die Scheibe auf der
Drehbank , diese aber wird nicht wie sonst durch den
Tritt in Bewegung gebracht, sondern die Schnur ab-
genommen, so dafs die Dr€hbankspindel der noch zu
bewerkstelligenden Bewegung der Scheibe folgen
kann. Für den wie gewöhnlich beschaffenen Schnei*
debohrer c (Taf. VI, Fig. a8) wird eine Gabel ab
vorgerichtet, in welche er zu liegen kommt, und mit
einer Kurbel d versehen wird. Diese Giebel befestigt
man bei n in dem Support der Drehbank, eine, bei
guten Metalldrehbänken nöthige Auflage , die so ein-
gerichtet ist, dafs der Drehstahl mittelst einer Füh-
rungsschraube langsam der umlaufenden Arbeit ge-
nähert werden kann, also nicht biofs mit der Hand
wie gewöhnlich gehalten wird. Eben so wie sonst
der Drehstahl, kann die Gabel, und also auch der
Bohrer c, allmählich in, der durch den Pfeil ange*
S ebenen Richtung gegen die Scheibe e gerückt war-
en. Jetzt dreht man mit der Kurbel d den Bohreo
4o9
der sogleich anfängt in der Nuth der Scheibe die
Gänge einzuschneiden, auch zugleich dieselbe fort-
schiebt und im Kreise bewegt. . Greift er nicht mehr
an, so wird die Gabel mehr vorwärts geschoben, sie
prefst den Bohrer neuerdings an das Rad, und er
schneidet tiefer, bis endlich bei fortwährender Um-
drehung der Kurbel die Zähne im Rade ganz voll-
endet sind. Schneller kann man auf folgende Art
( Taf. VI , Fig. 29 ) zum Ziele gelangen. Das ^itj4|r
Rinne versehene Rad, aa, wird horizontal, uncf^o
aui den Support befestigt, dafs es sich frei um seind
Achse drehen kann; 'den Bohrer b aber spannt man in
die Drehbank wie jedes andere Arbeitsstück^ein, und
setzt ihn wie ein solches jn fortwährend rotirende
Bew^egung. Das Rad wird während dem, mittelst
der Führungsschraube des Supportes dem Bohrer
langsam genähert, welcher hierdurch ebenfalls die
Gänge in der Nuth allmählich aussehneidet.
In den vorhergehenden Beispielen ist die Dreh-'
hank offenbar ein blolses Beförderungsmittel; allein
sehr häufig v^ird sie, entweder nach der gewöhnli-
chen Bauart, oder mit besondern Abänderungen, zur
unmittelbaren Verfertigang von Schrauben gebraucht«
In diesem Falle sind dann jene Hülfswerkzeuge nö-
thig, die unter dem Nahmen der Seh raubstähle (Taf*
VI, Fig. 3o ab'c) vorkommen, und einer näheren Be-
trachtung gewürdigt werden rcüssen. DeuK Wesent-
lichen nach wirken sie det, auf der Fläche der
Backen, scharfgezahnten Lin.en {ab und cd Taf.
yUy Fig. 26) analog. Sie siad zweierlei, auswen-
dige und inwendige. Erstere, a, Fig. 3o, Taf. VIj
braucht man, um auf dem iufsern umfange eines
Zylinders Gewinde hervor zu bringen, die andere
aber, c, Fig. 3o, zur gleichen Bearbeitung einer In-
nern Höhlung, oder einer Schraubenmutter* Man
hat sie also auch immer paarweise von gleicher Fein-
heit. Um gut zu schneiden, sind sie unten abge«
4io
schrägt y wie die Seitenansicht^ Taf YI^ Fig. 3o b
zeigt. Die obere ^ dem Arbeiter zugekehrte Fläche
aber ist gan^ eben, und wird, wenn die Zahue
durch den Gebrauch stumpf geworden sind, nach-
geschliffen. An der linken Seite äufserer Schraub-
stähle stehen bei guten Werkzeugen der Art einige
Zähne ganz frei, wie Taf. YI, Fig. 3o bei/i, damit
man mit denselben auch nahe an einen Ansatz der
Arbeit zu schneiden im Stande ist, und der Schaft
des Stahles dabei nicht hinderlich wird. Da derselbe
nur mit der obersten Fläche angreift , und nach uht
«ten sogleich stark schräg ist, so ist die Lage der die
Zähne bildenden Kerben ziemlich gleichgültig, und
kann entweder ganz gerade , oder, bei gewöhnlichen
rechten Schraubstählcn, auch rechts seyn. Da linke
Schrauben auf der Drehbank höchst selten gemacht
werden, auch die Schiefe der Zähne so wenig als
bei der Yerfertigung linker Schrauben mit rechten
Bohrern oder Backen ip Betrachtung kommt , so ist
sie auch ganz und gar unwesentlich. ^
»
Y^eitläufig den Gebrauch dieser Werkzeuge auf
der Drehbank zu beschreiben, ist hier, da das Ver-
fahren nnt^r die bekanntesten gehört, nicht der Ort,
und es kann daher der YoUständigkeit und des Fol-
genden wegen nur kurz berührt werden. Es lassen
sich durch dieselben auf jeder gemeinen Drehbank
mit dem Schwungrade, aber freilich nur mit vieler
Übungy Schrauben auf Holz, Hörn oder Bein, schwe-
rer auf weichen, und gar nicht auf harten Metallen,
wie Eisen und Stahl, hervorbringen. Man stelle sich
vor, ein hölzerner Z/linder drehe sich auf einer
ordinären Drehbank, wie gewöhnlich, gegen den
Arbeiter zu, und dieser halte ihm einen Spitzstahl
entgegen, so wird einblofser runder, in sich selbst
zurückkehrender Reifea, eingeschnitten werden. Wird
aber während der Uadrehung der Stahl fortgerückt,
so können die Enden des Einschnittes nicht mehr zu-
4i<
sammentrefien , und es wird statt des blofs kreisrun-
den^ ein schraubenförmiger gebildet werden ^ und
zwar in mehreren Windungen^ wenn das Fortrücken
des Stahles fortgesetzt wird , und gleichwcit von ein«
ander abstehende, wenn die Bewegung des Stahles
gleichförmig bleibt. Die relative Geschwindigkeit
derselben aber bestimmt wieder die Fefinheit der
Gänge. Da das Ausschneiden der Gänge auf ein Mahl
nicht möglich ist , so mufs das Vprwärtsschieben und
Anhalten des Stahles öfter wiederhohlt werden, und
damit beim Zurückbewegen desselben weder er Selbst
noch die Arbeit beschädigt wird, auch sie während
dieser Zeit verkehrt (vom Arbeiter ab) gedreht wer-
den. Den altern Drehbänken niit der Feder ist
diese abwechselnde vor- und rückwärts rotirende
Bewegung obnediefs schon eigen; bei den jetat im-
mer allgemeiner werdenden mit dem Schwungrade
aber kann sie durch eine geschickte Bewegung des
Trittes ebenfalls erzwungen werden , oder man gibt
auch ihnen Federn, die blofs beim Scfarauben-
schneiden gebraucht werden. Indessen bedient man
sich nur äufserst selten eigentlicher Spitzstähle ^ son-
dern fast immer der Schraubs table, weil deren zu»
gleich einschneidende Zähne der Hand selbst zur
Liitung dienen, der einzäbnige Stahl hingegen nie
so fest gehalten werden kann, dafs die Entfernungen
der einzelnen Gänge gleich, und die Schrauben brauch-
bar würden.
Die wenige Genauigkeit solcher Schrauben , ver-
bunden mit der zu ihrer Hervorbringung nöthigen
aufserordentlichen Übung, und die Uubrauchbarkei^
dieser, bei den gemeinen Drechslern übrigens allge-
mein eingeführten Methode^ auf Stahl und Eisen, ha-
ben Gelegenheit zur Erfindung der sogenannten
Paironen- Drehbänke gegeben. Bei diesen verän-
dert der Stahl seinen Ort nicht, sondern wird unbe-
weglich angehalten 9 wohl aber wird die Drehbank-
4l3
Spindel gezwungen^ sieh während des RnndUufens
auch zugleich vor- und rückwärts zuschieben^ und
dadurch eine Schraubenlinie zu beschreiben. Zu
diesem Ende befinden si^ch am hintern Theile dersel-
ben mehrere^ gewöhnlich 6 bis 8, kurze Schrauben
von verschiedener Feinheit^ die man Patronen nennu
Unter jeder liegt im Gestelle der Drehbank ein höU
zerner Riegel ^ welcher durch einen untergesteckten
Keil aufwärts und an die Spindel gedrückt werden
kann. Dort^ wo er die Patrone berührt, ist er nach
der Dicke derselben halbrund ausgehöhlt. Wird die
Spindel und mit ihr die Patrone gedreht , so schnei-
den sich die scharfen Gänge der letztern in das Höh
ein, und bilden eine Schraubenmutter, in welcher
sich die Patrone , nach der Richtung der Umdrehung,
welche man der Spindel gegeben hat, gleichsam aus-
und einschraubt, diese also vor- oder rückwärts
geschoben wird. Da die ' eingespannte Arbeit hier-
durch eine der Patrone entsprechende schraubenför-
mige Bewegung, erhält, so wird ein fest angehaltener
Schraubstahl, dessen Zähne den Gängen der Patrone
entsprechen, dieser ganz gleiche Schraublenwindun-
gen einschneiden. Übrigens geschieht das völlige
Ausschneiden auch hier nicht auf ein Mahl^ sondern
man mufs die Arbeit öfter vor - und zurücklaufen las-
sen , welches durch eine besonders angebrachte Fe-
der, oder durch abwechselndes Treten des Schwung-
rades, wie bei der gemeinen Drehbank, geschehen
kann. Die Patronendrehbänke kommen in verschie-
denen Abänderungen vor. Die zu grofse I^änge einer
solchen Spindel, die unvermeidlich ist, wenn man auf
ihr viele Patronen haben will , aber deXswegen nach-
theilig wird, weil eine sehr lange Spindel schwer so zn
zentrircn ist, dafs jeder Punkt ihrer Achse auch ge-
nau in der Achse der Umdrehung liegt , vermeidet
man dadurch, dafs man auf eine kurze Spindel die
Patrone , die jedes Mahl gebraucht wird , an ihr hin-
terstes Ende entweder aufschraubt ( was mit einem
4x3
linken Gewindo geschehen mufsj weil 'sie sich sonst
losdreht)^ oder aber viereckig , oder konisch auf-
steckt^ und mittelst einer vorgelegten Schraubenmut-
ter befestigt. Dadurch kann man so viele Patronen
bei einer Drehbank haben ^ als man ^illj' nur mufs
för jede, die hinten angebracht wird, ein dazu pas-
sender hölzerner Riegel genommen werden. Statt
dieses bedient man sich , obwohl selten, auch eines
Polsters aus Hutfilz (Geifslers Drechsler, Band II,
S. 4i)> <>^6r auch einer zinnernen Unterlage, indem
in diesen die Patrone besser und genauer laufen soll.
Jene von Buchs-, Weifsbuchen - , Birnbaum- oder
Lindenholz sind übrigens die cewöhnlichsten , denn
wenn sie , wie es öfter geschieht, verdorben werden,
so kann man sie schnell und ohne Zeitverlust sogleich
wieder ersetzen.
•
Da ich mich über die vorstehenden Anwendungs-
arten der Drehbänke kürzer fassen konnte, in der
Voraussetzung, dafs man sich nöthigenFqlls aus Druck-
schriften, oder in Werkstätten ausfuhrlichere Beleh-
rung leicht werde verschaffen können , so werde ich
hier die Verfertigung der Schraubstähle , von deren
Güte die Vollkommenheit der Schrauben gröfsten
Theils abhängt, erörtern, um so mehr, da ich im
Stande bin, Verfertigungsarten anzugeben, die nur
wenig , zum Theil aber auch gar nicht bekannt sind.
Die regelmäfsigste ist die mittelst stählerner Rä-
der oder Scheiben. Man dreht dieselben etwa von
n^'* im Durchmesser, mit beiläufig ^'^ breiter Stirn.
Wenn sie auf den vorder^ Kopf der ^Drehbankspin-
del, am besten mittelst seines viereckigen Loches, fest
aufgesteckt sind, so werden auf dem Umkreise Schrau-
bengänge mit'passenden Stählen und den dazu gehöri-
gen Patronen verfertigt. Die Gänge selbst versieht man,
so wie an gewöhnlit^hen Schraubenbohrern , mit £in-
«chnitten> wodu^^h die eigentlich schneidenden
4i4
Zahne hervorgebracht werden. Wenn ein solclies
Rad gehärtet y nnd wieder auf die , mit der gleichen
Patrone versehene Drehhank gehracht worden ist, so
wird ein abgeschrägtes nnd fest angehaltenem Stahl-
stück durch die Zähne des umlaufenden Rades ein-
geschnitten^ und in einen Schraubstahl von glei-
cher Feinheit verwandeh. Wird die einzuschnei-
dende Fläche des künftigen Schraubstahls recht-
winkelig mit der Achse des Rades und der Dreh-
bankspiodel angehalten^ so entsieht ein äufserer,
beim parallelen Anhalten mit beiden aber ein inne-
rer oder Multerstahl^ die^ mit der nähmlichen Scheibe
verfertigt^ ganz genau zusammen passen. Man sieht
leicht, dafs diese Bäder als Abschnitte von sehr dik-
ken Schrauben anzusehen sind, und auch ganz so
verfertigt werden. In Beziehung auf die Kerben oder
Einschnitte ist noch zu bemerken, dafs diese ja nicht
mit der Achse der Scheiben gleichlaufend, sondern,
der Bichtung der Gänge entgegen, ziemlich schräg
seyn müssen. Denn im erstem Falle würden die an-
gehaltenen Stähle in jede der geraden Kerben einfal-
len, bei der Umdrehung des Rades, so oft ein Ein-
schnitt käme, stofsen, und am Ende ganz verdorben
werden.
Im Notbfalle , und manchmabl sogar mit vielem
Vortbeil, kann man auch durch gemeine, zu Kluppen
gehörige Bohrer, sehr gute Schraubstähle erhalten.
Ich hatte einmahl einen solchen sehr feinen ( mit 80
Gängen auf den Zoll) nötbig, um auf gedrehten Flä-
chen sehr feine konzentrische Reifen oder Kreise zu
ziehen. Ein nicht zu schwacher gewöhnlicher Schnei-
debohrer wurde auf der Drehbank eingespannt, und
während er umlief, die schräge Fläche des künftigen
ScSrau^stahles angehalten, wodurch diese sehr bald
und nach Wunsch ausgeschnitten und mit Zähnen
versehen wurde. Aber auch hier müssen die Ein-
schnitte des Bohrers schräg, und so seyn, wie sie
4i5
bereits in der Fig. 28, c, Taf. VI vorgestellt >¥ordeii
sind ; die Ursache ist dieselbe , wie bei den Rädern.
Zur Verfertigung solcher feinen Zahnstähle braucht
man nicht ein Mahl die Drehbank, sondern man kann
auch folgender Mafsen zu Werke gehen. Man nimmt
ein Stahlstück , Taf. VII, Fig. 3^ a, aus dem zwei
solche Stähle auf ein Mahl werden, und welches da«
her auch die dazu nöthige Länge haben mufs» In
der Mitte desselben wird, durch die schmälere Kante,
ein Loch von erforderlicher Gröfse gebohrt, und in
dieses mittelst eines feinen Bohrers eine Schrauben-
mutter sehr rein und ganz scharf ausgeschnitten.
Wenn man jetzt so viel von dieser Stahlschiene weg-
feilt, dafs nur cc,ee übrig bleibt, so erhält man
zwei sehr gute Schraubstähle, deren Zähne durch
die erhöhten Gänge der innern Höhlung gebildet wer-
den, und deren obere Seiten und Schneiden bei pp
sich befinden. Dafs der gezahnte Theil ein Stück
eines Zylinders, und folglich hohl ist, schadet gar
nichts, wenn nur die obere Kante p über die untere
vorsteht, und das Loch und der Bohrer nicht zu
klein gewesen sind, wodurch freilich die Krümmung
zu beträchtlich atisfallen würde«
Eine leichte Art, Schraubstähle von mittlerer
Feinheit nach zu machen , oder zu einem innern oder
äufsern das fehlende Gegenstück zu erhalten , ist fol-
gende. Auf einen, in der Drehbank eingespannten,
einen Zoll dicken , und ungefähr ^'^ langen Zylinder
von Zinn, schneide man mittelst des vorhandenen
Stahles eine Schraube, oder auch blofse Reifen ein;
Auf diese trage man eine hinreichende Quantität fei-
nen Schmirgel und öhl, halte das zu bearbeitende
Stahlstück an, und verfahre ganz wie bei einem stäh-
lernen Schneiderad ; so werden sich in den Stahl die
Gänge vollkommen und rein einschleifen, das zin-
4i6
nerne Rad aber leidet , wenn man nicht uninafsig
stark andf ückt^ dabei wenig.
Dafs man auch aus freier Hand die Zähne^ wenn
tie richtig vorgezeichnet sind , mit einer passenden
Feile werde einschneiden können^ unterliegt wohl
keinem Zweifel; allein selten^ und nur durch einen
aufserst geschickten Arbeiter werden sie jene Genau-
igkeit erhalten, vermöge welcher bei einem zusam-
men gehörigen Paare die Zähne des einen genau in
die Vertiefungen des andern passen , und sie voll-
kommen ausfüllen. Diese Verfcrtigungsart kann also
nur im Nothfalle und in Ermangelung anderer Uülfs^
mittel Statt haben.
Für die gewöhnlich vorkommenden Schraub-
stähle möchte , besonders zur fabriksmäfsigen Erzeu-
gung, das auf Taf. VIII, Fig. 4> 5, 6, 7 und 8 vor-
gestellte Instrument sehr empfehlenswerth seyn. Es
besteht aus zwei, blofs von Holz gearbeiteten Haupt-*
theilen, nähmlich dem untern F , Fig. ^, 6, ^, an
welchem das Ganze beim Gebrauch in den Schraub-
stock gespannt wird, und in welchem sich wieder
eine messingene Patrone und eine Zwinge zum Ein-
klemmen des anzufertigenden Stahles befinden; und
aus dem oberen Theile , welcher sich auf dem vori-
gen schieben läfst, des leichlern Laufes wegen aber
denselben mit einer eisernen Klammer t/(^, Fig. 7 um-
&fst. Es dient der mit der Feile versehenen vier-
eckigen Stange zur Leitung, und kann n^ch dem
Einfeilen jedes Zahnes um die gleiche Entfernung
zurück geschoben, und mittelst eines besonderen
Hakens wieder festgestellt werden. Zu diesem In-
strument gehört ferner eine Anzahl von Patronen und
Einstreichfeilen, die zusammen passen, und deren
Zahl mit jener der Schraubstähle, die man von ver-
schiedener Feinheit verfertigen will, übereinkommen
müfs. Die Patronen sind prismatische Messingstück*
4i7
chen (bei w, Fig. 4 und G ist eine sichtbar )^ deneq
man auf der obern Fläche gleich weit von einander
abstehende Kerben gibt^ von welchen^ wie die Folge
lehren wird^ die Feinheit der Stahle abhängt. Uni
sich die Patronen zu verschaffen^ verfertigt man sich
eine Art von doppeltem Körner , das heifst^ ein Stück
geharteten Stahles mit zv^ei gleichen Spitzen^ oder
besser^ Schneiden« Die Entfernung derselben mufs
dem Abstände der Zähne auf dem 4LÜnftigen Schraub-
stahl gleich seyn. Wenn man diesen Körner auf das
Messingstückchen aufgesetzt hat^ so drücken sich
durch einen leichten Hammerschlag seine Schneiden
in dasselbe ein. In di^ zv^eite, der auf diese Art ent-
standenen seichten Kerben « setzt man den Körner
aufs neue , und erhält durch Schlagen auf den Kopf
desselben noch eine dritte^ in die letzte einge-
setzt, gibt er eine vierte, u. s. w., bis die ganze
Fläche mit gleich weit von einander abstehenden leich-
ten Eindrücken versehen ist. Diese werden mit einer
feinen Feile stärker eingestrichen, und in wirkliche
JBinschnitte verwandelt. Durch verschiedene Körner
kann man also Patronen zu Schraubstählen von jeder
erforderlichen Feinheit vorrichten. Allein eben so
unentbehrlich sind auch die Feilen, deren Form Fig.
8 k darstellt. Es sind dünnflache Stahlstücke , auf
den schmalen Seiten schneidig zugefeilt, und auf
den dadurch entstandenen vier Flächen wie eine
gemeine Einstreichfeile gehauen. Je feiner die
Stähle werden sollen, desto spitziger mufs der Win-
kel a , Fig. 8 seyn , weil sonst die Zähne zu stumpf,
und die Schrauben zu seicht ausfallen würden, und
aus dieser Ursache mufs er immer unter 6o Graden
genommen werden. Die Feilen können auf beiden
Seiten gebraucht werden, und sind also doppelt.
Wem ihre Verfertigung zu mühsam seyn sollte, der
wird unter den Sorten gewöhnlicher feiner Feilen
solche finden , die ebenfalls , wenn sie mit Vorsicht
ausgesucht werden, dieselben Dienste leisten; wie
Jjihrb. de» poljt. liut. IV. Bd. ' aj
4i8
2. B. die Einstreich -^ Trieb- und Schraubenkopf^ Pen
len. — Die zur jedesmahligen Patrone passende Feile
v^ird mit m, Fig. 4 ^i^d 6 (einer mit zwei Handgrif*
fen b d versehenen genau viereckigen eisernen Stange)
durch eine vorgeschraubte eiserne Platte / verbunden^
und ist jetzt zum Einschneiden geeignet. Die Stange
liegt im Obertheile ^ Fig. 4 ^y mittelst zweier kleinen^
mit E aus einem Stücke bestehenden Ansätze n/i;
sie findet hier die genaueste Leitung^ und kann mit^
telst der Handgriflfe hin und her geführt werden. Ist
der Schraubstahl im Untertheile F, Fig. 4> ^9
unbeweglich eingespannt^ so bringt die Feile y wie aus
Fig. 6 noch deutlicher wird^ in denselben (hier mit
u bezeichnet) nach* und nach einen Einschnitt zu-
^vege> dessen Tiefe und Form überhaupt jener
der Feile ganz gleich ist. — Noch ist zu erklä-
ren y wie der zu schneidende Stahl eingespannt wird,
wie die Einschnitte mittelst der Patrone in gleichen
Entfernungen angebracht^ und wie endlich während
des Ausschneidens jedes einzelnen Zahnes die zwei
Haupttheile der Maschine unverrückt erhalten werden.
Der Stahl mufs , es mag ein aus - oder ein inwendiger
seyn^ schief eingespannt werden y damit die mit Zäh-
nen zu versehende 9 immer schräge Fläche > mit der
Ebene des Instrumentes parallel^ und rechtwinkelig
gegen die Feile zu liegen kommt. Das Einspannen
geschieht zwischen den Backen r und Oy Fig. 5^ und
aswar bei einem inwendigen oder Mutterstahl so y dafs
er wie w, Fig. 6, nach der Länge der Vorrichtung
gelegt wird^ oder aber^ ist es ein auswendiger Stahl,
dafs er durch die schiefe Öffnung B geht^ und sein
Schaft unten über dieselbe hinaus ragt^ seine schräge
Fläche aber ebenfalls der Feile zugekehrt ist. Um
die Art des Festhaltens recht deutlich zu machen, ist
Fig. 5 ein Querdurchschnitt ( nach der Richtung CZ>,
Fig. 4) beigefugt worden. Hier ist zz ein vierecki-
Ser starker^ im Holz frei beweglicher Riegel , der
urch die Stellschrauben CD beliebig verschoben
i
419
'Werden kann. An ihm ist tier Backen r fest, und
geht daher mit ihm zugleich , gegen den andern im
Holz fest eingelassenen , o , durch welchen auch der
Riegel z geschoben werden kann. Daher kann r
durch die Schrauben CD dem feststehenden Bak«
ken o nach Erfordernifs genähert^ und zwischen
ihnen jeder Stahl von beliebiger Dicke sehr fest in
die öflfnung B eingeprefst werden. Im Untertheile
jP, Fig. 4 9 G, 'j, liegt ferner auch die messingene.
Patrone w, von deren Einschnitten die Stärke und
Enifernung der Zähne des Stahles abhängt; sie
wird in eine Art von eisernen in das Holz eingepafs-
ten Kästchen, durch die Schraube A eingespannt«
Um nach jedem Einschnitte die Feile weiter zu ri^k«
ken, damit sie einen folgenden gauz gleichen hervor-
bringe , ist das obere Stück auf dem untern beweg-
lich, fällt mittelst eines Hakens int den nächsten Pa-
troneneinschnitt, und kann zugleich fest gestellt wer-
den. Im Längendurchschnitte des Ganzen, Fig. 6,
ist xa dieser Haken, dessen hinterer Theil gegen a
zu elastisch, und eine abwärts v^irkende Feder seyn
mufs. Dadurch eben fällt er, wenn das Obertheil
so weit als es nöthig ist, geschoben wird, in einen Pa-
troneneinschnitt, und jenes kann nun durch die Flii-
gelschraube s, Fig. 6 und 4> auf das Untertheil so-
gleich befestigt werden. Beim Verschieben des Ober-
theiles mufs der Haken nothwendig erst ausgehoben
werden, wozu wieder eine besondere Einrichtung nö-
thig ist. Man liiflet zuerst die Flügelschraube s, und
schiebt dann den, auf dem Obertheile befindlichen
zweiten Haken q so weit in das für ihn' bestimmte
öhr^ (Fig. 4 und 6) als er geht. Da dieser Ha-
ken q gegen den Winkel viel dicker ist, als an der
Spiue, und eine schiefe Fläche bildet, so wird das
Ohr j^, und mithin auch ax, an welchem es fest ist,
in die Höhe gezogen, und der Einfallshaken a: aus
der Kerbe der Patrone ebenfalls heraus gehoben.
Jetzt schiebt man das Obertheil langsam so weit rück-
2'J
4^6 I
Mrarts, bis x über dem nächsten Patroneneiiischfiiue
iteht^ dreht ff wieder zurück^ wodurch xa darch
seine wieder frei gewordene Feder&raft von selbst
in die nächste Kerbe gedrückt wird ; ferner zieht aian
die Schraube s fest an^ und macht endlich* durch
Hin- und Herziehen der Feile ia d m b, Fig. 4»
einen neuen Einschnitt in den Schraubstahl. Diese
Manipulation 9 welche bei einiger Übung gar nicht
zeitraubend ist^ wiederhohlt man so lange ^ bis durch
das Fortrücken des Obertheiles und der mit ihm ver-
bundenen Feile j und ihre Bewegung , die^^zeFllä-
che des eingespannten Stahles mit Zähnen versehen
ist. Die letztern werden so scharf und rein^ auswen-
dige und inwendige mit derselben Patrone verfertigt^
passen so genau in einander , dafs y ichts zu wünschen
übrigbleibt. Sehr feine Stähle aber , z.B. niitmehr
als vierzig Zähnen auf den Zoll ," die ohnediefs nur
selten verlangt y^erden^ mufs man mit dieser Vorrich*
tung nicht erhalten wollen^ einerseits , weil Patronen
för solche nur mit gröfstcr Mühe genau > zu verferti-
gen seyn werden , und anderseits , weil man dann das
ganze Instrument , um der genauesten Bewegung ver-
sichert zu seyn , von Metall und mit einem Aufwände
-verfertigen müfste^ der mit dem zu erreichenden
Zwecke in keinem Verhälmifs stünde. Dafs man es
übrigens noch verbessern^ und die^ Yorbereitungsar-
beiten verkürzen könnte y unterliegt keinem Zweifel.
So wäre es thunlich^ statt der Patronen feilige Schrau-
ben zu nehmen, die dreieckig zugefeilt, und mit
einer Kante nach oben stehend eingelegt, eben so
gut zu benützen wären.
Der geringe Grad von Genauigkeit, welcher beim
Schraubendrechseln auf der gemeinen Drehbank und
nur durch grofse Übung zu erreichen ist, und die
Beschränkung der Patronendrehbank auf die vorhan-
denen Palronen und Schraubstähle haben den Wunsch
erregt , an der Drehbank Vorrichtungen anzubringen^
4^1
mittelst .welcher man^ innerhalb gewisser Granxen,
Schrauben yon jeder Feinheit , oder wenigstens von
sehr vielen Abstofungen drehen könnte. Ich werde
im Folgenden vier solche verschiedene Abänderungen
der Drehbank beschreiben, die der Theorie nach
vollkommen zur Lösung der Aufgabe genügen, und
wobei die praktischen Hindernisse , die sich der Aus-
führung entgegensetzen , ebenfalls berücksichtigt
werden sollen. Da zur Schraubenbewegung nur die
Verbindung der drehenden Bewegung mit oer gleich-
zeitig fortrückenden erforderlich ist, so wird man
sich nicht wundern, bei allen vier folgenden Arten^
ein ganz verschiedenes Prinzip zu finden, obwohl sie
darin übereinkommen , dafs nur die Spindel jene bei-
den Bewegungen macht, während der Stahl wie
bei der Patronendrehbank, für welche sie überhaupt
als Ersatzmittel angesehen werden können, unbe«
weglich angehalten wird. Wollte, man aber diesem
letztern die fortrückende Bewegung geben, der Spin-
del hingegen blofs die rotirende, so könnte man die
Anzahl dieser Vorrichtungen noch bedeutend ver«
mehren , * indem es keine Schwierigkeit hätte , neue
Arten derselben zu erfinden , da jene doppelte Be-
wegung auf die mannigfaltigste Art zu bewerkstelli-
gen ist.
Eine ältere Universal - Schraubendrehbank ist
die von Grandjean in Frankreich erfundene (Taft
VI, Fig. aSy Sie hat kein Schwungrad, welches
überhaupt zum Schraubendrehen zu schwerfällig und
•ehr unbequem ist, sondern die Drehung der Spin-
del wird durch den Tritt c bewirkt, und dieser, so-
bald das Niedertreten aufhört, durch die Feder d
wieder in die vorige Lage herauf gezogen. Den Stahl
läfst man, wie bei der gemeinen oder Patrönendreh-
bank, nur dann schneiden , wenn sich die S pindel ge-
gen den Arbeiter dreht, also, während der Tritt
abwärts bewegt wird. Wenn die dadurch gespannte
'Eederd den Tritt hebt^ so dreht sich die Arbeit
verkehrt^ und der Stahl kann dann nicht schneiden,
sondern mufs zurück gezogen werden. Die schie-
bende Bewegung der Spindel bewirkt man durch
eine zweite, am Tritte befestigte Schnur b y und den
Winkelhebel o , dessen Arm m das hinterste Ende
der in ihren Docken leicht verschiebbaren Spindel
berührt. Man setze also, der Drehstahl werde
gleich hinter der Rolle a: unbeweglich an die zu ver-
fertigende Arbeit angehalten , und c nieder getreten.
Dem Tritte werden beide Schnüre a und 6 folgen;
a wird die Rolle und die Spindel wie sonst gegen
den Arbeiter drehen, b aber den Schenkel n des
Winkelhebels niederziehen, und dadurch den andern
Arm m ganz natürlich zwingen, die Spindel vor-
wärts zu schieben. Nach dieser zusammengesetzten
Bewegungslinie wirkt auch der Drehstahl, und er
fängt daher an, die Schraube einzuschneiden. Der
Tritt, sich selbst überlassen, wird durch die Feder
d wieder aufwärts gezogen, und auch die Spindel
durch folgende Einrichtung wieder in die erste Lage
gebracht. Die zweite Docke der Drehbank trägt eine
otütze t/, mit dem Umdrehungspunkte eines zweiten
Winkelhebels, Am äufsern Schenkel p desselben
hängt ein Gewicht g, durch welches sein zweiter an
die Spindel gedrückt wird. Wenn die Schnur b nie-
der-, die Spindel aber vorwärts geht, so wird dieses
Gewicht gehoben; wie aber die Wirkung des Fufses
auf den Tritt nachläfst, so schiebt das Gewicht g die
Spindel zurück, und diese bringt wieder den Schen-
kel m des ersten Hebels in die ursprüngliche Lage.
Um die Feinheit der Schraubengewinde zu bestim-
men, mufs der Punkt, an welchem die Schnur b
mit n verbunden ist, in beliebiger Entfernung von
der Umdrehungsachse o angebracht werden können^
und zu diesem Behufe gibt man jenem Hebelarme
eine Nuth, in welcher ein kleiner, mit der Schnur ä
verbimdener^ Schieber an jeder Stelle befestigt ¥ro^
4a3
den kann. Wenn b sich näher bei o befindet^ so
wird der Schenkel n verkürzt^ und m mufs einen
gröfsern Boge^ beschreiben^ folglich' die Spindel
"Weiter vorwärts schieben^ und ein gröberes Gewinde
heryorbringen. Obwohl die Feinheit der letztern
wie der Befestigungspunki der Scbkiur by ganz will-
kürlich ist^ und also jede Abstufung mögUch zu
seyn scheint ; so ist diese Drehbank dennooh nicht
sehr empfehlenswerth. Die zu schneidende Spindel
mufs entweder ( wie in der Zeichnung ) eine unnö*
ihige^ und des zu befürchtenden Zitterns und Yibrirens
wegen^ s^hr nachtheilige Länge haben ^ oder aber
auf eine Art y die hier mühsam und umständlich ist,
zwischen Spitzen eingespannt werden. , Da an ihr
immer die Rolle a: stecken mufs^ so fällt aller Wi^
derstand, der^;,rda auch das Gewicht g zu heben
nicht unbedeu^qnil seyn wird^ auf sie zurück,
und wenn sie etwas dünn ist, wird sie nothwendig
achwanken , mithin die Schraube nicht vollkom^
men ausfallen. Ihre Fehlerhaftigkeit wird noch
durch das während der Arbeit Statt findende Aus-
ziehen der Schnüre Uy b vermehrt. Weniger be*
deutend ist es , dafs man auf dieser Drehbank blofa
Spindeln, aber keine Schraubenmuttern verfertigen
kann, wovon der Grund einleuchtet, sobald man sich
vorstellt, wie ein Mutterstahl angebracht werden
mufs,
Figur 23, Taf. VI, stellt eine andere Drehbank
vor, wo mittelst eines auf der Hinterdocke stehenden
metallenen Kegels, wenn auch nicht alle, doch eine
grofse Zahl von Feinheitsabstufungen der Gänge zu
erhalten sind. Der Kegel dy Fig.' ^3, hat mehrere
Abtheilungen, und auf jeder derselben ein Loch,
in welches der Haken einer stählernen Gelenkkette by
die mit den in Uhrwerken gebräuchlichen über-*
einkommt, eingelegt werden kann. Die Welle, an
Welcher der Kegel fest ist, bewegt sich unten in der
Pfanne k , oben aber in einer runden ÖflFnung der zu
diesem Zwecke vorhandenen Stütze m. An d befia-
det sich aucli noch der Rechen e, ein Theil eines
Kronrades (in Fig. a/i, Taf. VI, wo er von unten vor-
gestellt ist , kann man seine Zähne bemerken \ wel-
cher jede erhaltene Bewegung auch dem Kegel mit-
theilt. Die Drehbankspindel h i trägt hinten ein
langes Getriebe fy welches in den Rechen eingreift,
und ihn also ebenfalls umdreht. Die Kette b^ mit
einem Ende in ein Loch des Kegels eingehangen^
ist mittelst eines Stiftes an der senkrechten Schie-
ne a a befestigt ; diese aber entweder bei x um
eine Achse beweglich, oder so elastisch^ dafs ihr
Untertheil, etwa von a bis x^ sich federn^ und
dem Zuge der Kette b folsen kann. An aa steht
auch der äufserste abgerimdete Theil der Spindel i
genau an. Beim Niederziehen der Schnur p mittelst
des gewöhnlichen Tretens, erfolgen aufser dem Rund-
laufen der Spindel noch folgende Bewegungen. Das
Getriebe f dreht den Rechen e und den Kegel d.
Auif diesen windet sich ein Theil der Kette b auf;
diese zieht wieder nach der Richtung des Pfeiles die
senkrechte Schiene, und die an letztere^ bei i anste-
hende Drehbankspindel wird gleichzeitig mit dem
Runddrehen vorwärts geschoben, und zur Schraa-
benbewegung genöthigt. Um aber die bei h einge-
spannte Schraube völlig ausschneiden zu können^ mufs
aie Spindel und alles Übrige wieder in die erste
Lage zurück. Dazu dient die Feder g. Sobald man
mit dem Treten nachläfst , geht die Schnur durch die
Wirkung einer ähnlichen Feder, wie bei der vorigen
Drehbank ( Taf VI , Fig. nSy d) den verkehrten
Weg ; die Spindel dreht sich in der entgegen gesetz-
ten Richtung, nähmlich vom Arbeiter ab, durch die
Drehung des Getriebes f nach eben derselben wird
der Kegel zurück gefiihrt, und die Kette b wieder
abgewunden. Sie kann aber nicht schlaff werden^
weil eben jetzt die vorhin gespannt gewesene Feder g
4^5
naeh rück^värts "wirkt ^ ^ureh ihre Kraft da^ Ende
der Spindel i mit der Schiene aa in beständiger
Berührung bleibt^ und aa "wieder in die vorige senk-
rechte Lage 'zurück gebracht wird. Die Abstufungen
des Kegels dienen dazu, feinere oder gröbere Ge^
^inde zu erhalten , indem^ bei gleicher Umdrehungs-
geschwind iskeit der Spindel, ihre geradlinige Bewe-
gung verändert \nrd. Wenn die Kette am dickehl
Theile des Kegels und dem gegenüberliegenden Stifte
in aa eingehangien vrird, so windet sich mehr von
derselben auf den ersteren auf^ aa wird weiter vor-
wärts gezogen, die Spindel weiter geschoben, und die
Gewinde der Arbeit werden weitläufiger und gröber.
Die untersten Stufen des Kegels geben also die stärk-
sten, die obersten, die feinsten Schrauben , und mit
der Anzahl derselben, die zu vergröfsern nicht schwer
ist, mehrt si<«h auch die Verschiedenheit der zu er-
haltenden Gewinde. Bisher wurde immer dasselbe
Getriebe y vorausgesetzt ; dadurch aber, dafs man
solche mit mehreren Zähnen aufsteckt, kann die Be-
wegung des Kegels beschleunigt , noch mehr von der
Kette auf die nähmlichen Reifen desselben aufgewun-
den, und also die Anzahl der Schrauben noch sehr
vermehrt werden. Nur müfste man dann den Re-
chen e so einrichten, dafs er für ein dickeres (mit
mehr Zähnen versehenes Getriebe) höher und immer
bo gestellt werden könnte, dafs er jedes Mahl mit dem-
selben im gehörigen Eingriff bliebe, was ebenfalls
keiner Schwierigkeit unterliegt. Übt^igens mufs die
Sanze Drehbank sehr genau gearbeitet , und beson-
ers der Eingriff zwischen Rechen und Gelriebe auf
das Sorgfältigste berichtigt werden, weil man sonst
bei feinen Schrauben des Zweckes gänzlich verfehlen^
und sie bei weiten unvollkommener als durch Patro^
nen erhalten würde.
Weniger zusammengesetzt, und besonders für
Schrauben auf Messing und Eisen weit vorzüglicher
4:»6
kl, 4i^ Auf Taf. yill , Fig. 1 1 gezeichnete Dreh-
bank, Das charakteristische Stück derselben ist ein
eiserner Rahmen (von dem aber in der Figur biofs
die. eine längere Seite Uy zu sehen i^t)^ an dessen
oberer Leiste .mittelst eines gut gearbeiteten doppel-
ten Gewindes eine starke Schiene t sich befindet
Diese endet sich wieder in einen gezahnten Bogen rr,
fM welchen die endlose Schraube jCfy ebenfalls noch
am Rahmen fest^ eingreift^ und bestimmt ist^ durch
Bewegung des Bogens die mittlere Schiene t be-
liebig über die Fläche des Rahmens zu erheben.
Das Ganze stellt daher eine mehr oder weniger
schiefe Fläche^ oder einen Keil dar^ tvovon der Nei-
gungswinkel durch Umdrehung der Schraube ohne
}ii\deqy willkürlich bestimmt werden kann. Der Rahmen
selbst ist in zwei Nuthen der hintern senkrecht ste-
henden Pfosten beweglich, hat zur .Yerminderung
der Reibung vier Rollen^ mit denen er auf dem Holze
läuft, und hängt bei p an einer Schnur c, welche über
die R,olle b seleitet^ an der Drehbankspindel d fest-
gemacht wird. — Die mittelst des^ in der Zeichnung
weggelassenen Trittes niedergezogene Scbmiir e drehe
die Arbeit auf die gemeine Weise^ zugleich aber wiki*
kelt sich die apdere Schqur c auf die Spindel auf,
und hebt den au ihr hangenden Rahmen nebst der
schiefen Fläche, Die Spindel wird dadurch auch
vorwärts g^hen^ weil ihr hipteres Ende an die in die
Höhe steigende keilförmige Fläche t ansteht , von ihr
geschoben^ und jene also genöthigt wird^ die oft be^
sprochene Schraubenbewegqng zu machen. Bei der
Umdrehung in verkehrter Richtung (die zum all-
mählichea Ausschneiden der Schraube bei allen
Drehbänken unerläfslich ist) wickelt sich die Schqur
c wieder ab^ die schiefe Fläche sinkt zurück, durch
ihr eigenes, und durch das noch besonders ang^"
hängte Gewicht s, und die Spindel kann durch
den Druck einer vorher gespannt gewesenen Feder,
diQ in der j^eichnung weggeblieben ist^ yon welcher
4^7
sie aber bei x nmfafst VivcAy wieder die ursprünglicbre
Lage annebmen. Kaum angedeutet braucht es zu
vrerden, dafs die, durch die Schraube q abzuän-
dernde Neigung der schiefen Fläche auch verschie«
dene Gewinde hervorbringen werde. Steigt sie mehr,
80 wird die Spindel in derselben Zeit weiter vorge-
schoben, und die Schraube gröber 3 eine geringere
Erhöhung aber gibt feinere Gänge. Die Abstufungen
kann man nach Willkür erhalten, und die unentbehr-
lichsten allenfalls^auf dem gezahnten Bogen rr durch
eine Art Eintheilüng anzeichnen. Diese Drehbank
gehört unter die vorzüglichsten, und nur der Vor-
wurf trifft sie , dafs sie zur Bewegung ziemlich viel
Gewalt erfordert, indem der schwere Rahmen mit
dem Gewichte s gehoben, und seine Reibung am
Holze überwunden werden mufs. Indefs kann die
letztere durcb recht genaue Bearbeitung, durch Aus-
füttern des Holzes mit Metall, und ähnliche Mittel ver-^
mindert , und dann auch der Rahmen selbst viel leich-
ter gemacht werden*).
Die Reihe der Schraubendrehbänke soll die auf Taf.
Vni, Fig. 10 vorgestellte bcschliefsen ; 'bei welcher
eine unbiegsame Schiene, a b , die schiebende Be we«
gung der Spindel bewirkt. Ein viereckiger, mit cp
bezeichneter Riegel kann , mittelst einer angebrach-
ten Leitung, leicht horizontal hin und her geschoben
werden; in seinen Kopf /? aber ist das Ende der
Spindel so eingelassen, dafs sie sich wohl drehen,
aber nie von ihm trennen kann. In der Mitte besitzt
er eine länglich viereckige Öffnung, durch welche
die Schiene ab geht, aber in derselben mittelst eines
■ I ■■ ■ . i — ,^— — ^—
*) Die Zeichnung ist «nar so, wje die der vorigen und nachsl-
folgenden n^ch einer Tvirli] ich bestehenden > Drehbank ange-
fertigt , indefs mufs doch bemerkt werden , dafs eine 9 dem
Principe nach , gleiche 9 aber im Detail viel unvollkomme-t
nere und weniger sweckmäCsigere , auch im IMagasin aller
n^HOa Erfindungen« Bd« IV « & ifuj« sv finden i>(«.
4a8
Stiftes eingehängt ist^ und sich detnnach um denselben
wenden kann. Bei z ist am Gestelle eine feste eiserne
Stütze mit mehreren Löchern angebracht, in deren
eines ( in der Zeichnung in das oberste ) ein sut^
ker runder Stahlstift eingesteckt wird. Die Schnur e
ist am untern Ende von ba^ und anchy über eine
Rolle k aufwärts geleitet, an der Drehbankspindel
befestigt. Beim gewöhnlichen Niedergehen der
Schnur o windet sich die zweite ee auf den hin-
tern Theil der Spindel auf. Ihr folgt die Schiene ab^
indem sie sich schief stellt, und das Ende b dersel-
ben sich gegen den nur gedachten Stahlstift stemmt
Da dieser nicht weicht, so mufs der Riegel cpy mit
welchem ba verbunden ist, sich vorwärts schieben,
und mit ihm auch die, sich während dem, runddre-
hende Spindel. Ihr Zurückgehen bewirkt hier keine
Feder, sondern das Gewicht^, welches beim Nie-
dertreten gehoben worden ist, nach demselben aber
den Riegel c p und alles mit ihm Verbundene
auf die erste Steile zurück bringt^). Der Punkt, am
welchen sich die als ein Hebel zu betrachtende Scbiene
eigentlich bewegt, ist kein anderer, als der Suhlstift
inz, und wird dieser verändert, so wird auch die
Länge jenes Hebels vermindert, oder vermehrt. Steckt
man den Stift in eines der tiefer stehenden Löcher der
Stütze z, so entsteht ein feineres Gewinde, weil jeut der
Hebel a 6 als kürzer zu betrachten ist, und daher den
Riegel und die Spindel in derselben Zeit nicht mehr
so weit vorwärts schieben kann. Die obersten Löcher
geben daher die gröbsten , die untersten die feinsten
Schrauben. Diese Drehbank, obwohl anscheinend
weniger einfach , als die vorige , ist dennoch leich-
ter herzustellen, mit geringerer Kraft in Bewe-
gung zu setzen , und daher für Arbeiten aus weicbe-
*) Die Klammer mm verhindert das Ausweicbea der ziemlich
langen Schiene nach der Seite , und erlaubt ihr blofii die
Bewegung vor* und rüekwärt».
4^
ren Materialien^ tut Holz, Hom^ Beuii Messitig^ u«
8. w. sehr zu empfehlen.
Die vier eb^n beschriebenen Drehbänke gehören
unter die Sekenheiten^ während die Patronendreh-
bauk in jeder bessern Werkstätte zu finden ist^ un-
geachtet oft die Verlegenheit einixitt, dafs man Schrau-
ben braucht, für welche weder Patronen noch Schraub*
stähle vorrälhig sind. Diesem Fehler würde aller«
dingSy vorzugsweise die Taf. VIII, Fig. ii abgebil-
dete y und auch die auf derselben Tafel, Fig. lo be-
findliche, abhelfen, wenn man den Stahlstif^ der
letztem durch eine leichte Abänderung auf jedem
Punkte der Stütze z zum Feststellen einrichtete,
allein dessen ungeachtet können solche Vorrichtungen
nie allgemein werden. Der gemeine Drechsler langt
mit der gewöhnlichen Dockendrehbank aus ; für die
regclmäfsig vorkommenden Metallarbeiten dient die
Patronendrehbank, die man zu 8 bis la verschiede-
nen Gewinden ohne Anstand einrichten kann;/ und
nur der eigentliche Mechaniker bedürfte einer oder
der andern vorhin aufgeführten künstlichen Einrich-
tungen. Allein auch -sie unterliegen noch mehreren
Beschränkungen. Für feine Schrauben mit 5o und
mehr Gängen auf den Zoll fallen-sie, weil sie doch auch
zum gewöhnlichen Runddrehen dienen sollen, zu
schwer aus, fiir sehr grobe aber sind sie wieder,
wenn sie in der gehörigen Stärke gebauet werden, zu
schwer zu bewegen, und für die mittleren Gänge
weniger brauchbar. Jene kleinen, durch sie zu er-
reichenden Abstufungen, und Schrauben mit bestimm-
ter Anzahl von Gängen, werden noch überdiefs so
selten verlangt, dafs eine Werkstätte fast nur der
Ostentation wegen , und um Nichtkenner zu blenden,
sich mit Kosten- und Zeitaufwand in den Stand set-
zen wird, jede mögliche Schraube zu verfertigen.
Man darf femer nicht hoffen, sogleich nach gehöriger
Stellung einer solchen Universaldrehbank mit einem
43o
einfachen Splizstahl Schrauben schneiden zu kdnnen«
Wird derselbe blofs mit der Hand angehalten^ so
kann diefs nie so unverriickt geschehen, dafs die
Gänge gleich yrürden. In der Regel mafs man also
auch hier die Schraubstähle haben , und ist auf die
ihnen elitsprechenden Gewinde beschränkt. Indes-
sen kann man, mittelst eines Supportes, auch dieser
Beschränkung wohl abhelfen , der aber dazu einer
besonderen Einrichtung bedarf. In einen gewoha-
lichen Support wird der Drehstahl unbeweglich ein-
gelegt, und der Schieber, auf dem er sich befindet,
allmählich mittelst der Führungsschraube der Arbeit
genähert. Diese läuft aber beim Schraubenschneidea
obwechselnd vor und zurück , und im letztem Falle
mufs der Stahl ebenfalls, damit seine Spitze nicht
abbreche, zurück gezogen werden. Diefs kann aber
mit der Führungsschraube kaum zur rechten Zeit
tind hinreichend schnell geschehen. Die einzig mög-
liche Art, beim Schraubendrehen die eigentlichen
Schraubstähle zu entbehren, ist demnach die, dafs
-der Spitzstahl im Support in zwei Klammem lieet,
und mittelst eines Hebels gegen die Arbeit gedrückt
wird, dieser aber eine Feder erhält, welche, so-
bald man zu drücken aufhört , augenblicklich densel-
ben, und mit ihm den Stahl zurück zieht; eine Abän •
derung , deren man sich zum Guillochiren erhabener
Flächen, z.B. der Uhrgehäuse bereits schon bedient.
Unentbehrlich sind die Drehbänke, wie schon
früher erinnert wurde, zum Schraubenschneiden auf
hohlen und dünnen Röhren , weniger tauglich aber
zur Anfertigung schwacher Schi*auben8pinaeln , oder
künftiger Schraubenbohrer, weil man diese fast nie
so einspannen kann, dafs sie nicht zittern, sich schwin-
gen und federn, wovon der Nachtheil von sich selbst
klar ist. Auch flachgängige Schrauben liefert die
Drehbank nicht, indem für diese, wo weit mehr
Metall weggeschnitten werden mufs, die gewöhnliche
43i
bewegende Kraft y yerbünden mit der^ jeder Dreh-
bank eigen thümlichen schnellen Umdrehung, nicht
hinreicht, auch bei dem hier nöthigen gewaltsamen
Anhalten des Stahles bei der Patronen - Drehbank die
hölzernen Riegel, bei den künstlicheren die Ketten,
Schnüre, oder andere Theile nachgeben würden.
Wohl aber können mit gewöhnlichen Stählen mehr-
fache Schrauben erhalten werden« Man lasse die
Spindel einer Patronen- Drehbank auf einem sehr
froben Register laufen, und schneide mit einem
table, der noch ein Mahl so fein ist, als die eben
angewendete Patrone ; so entstehen nothwendig dop-
pelte Gänge auf der Arbeit, bei einem drei Mahl fei-
nem Stahl dreifache u. s. w. So erhält man doppelte
Gänge, oder, wie die Drechsler ^agen , zwei Anfänge,
wenn man bei der gemeinen Drehbank den Schraub-*
stahl mit der doppelten Geschwindigkeit, die zu se^
nem regelmäfsigen Gebrauche nöthig wäre, f* rtbewegt.
Auf ähnliche Art könnte man bei allen bisher erwähn^
ten Drehbänken verfahren ; allein eine nähere Aus^
einandersetzung ist um so überflüssiger, als sich diese
Eutstehungsart mehrerer Gänge sehr leicht nach dem
oben Seite 371 Gesagten erklären läfst.
Ich komme jetzt zu den eigentlichen Schrauben^
schneid* Meischinen, deren vorzüglichste Bestimmung
es ist, Schrauben von einer Dicke > Länge oder Ge-
nauigkeit hervor zu bringen, wie man sie durch alle
bisher aufgezählten Mittel nicht zu erhalten im Stande
ist. Unter den drei Hauptarten derselben ist die
erste (Taf. VIII, Fig. 9) zu den stärksten flach -und
mehrgängigen Prefsspindeln äufserst vortbeilhafte
in dem Grade einfach, dafsaienur im weiteren Sinne
KU den Maschinen gerechnet werden kann. Auf dem
aus starken Pfosten bestehenden Gestelle findet
in einer Stütze derselben bei k, die Leitspindel 1,
ihre Schraubenmutier. Am hintern Ende der Spin-
del sieht man die Büchse h , in welche die erst sa
434 ^
sdineidcndd , aber schon gehörig rund zogerichtettf
Schraube m, mit mehreren Schrauben eingespannt,
und ihre Achse mit der von i genau gleichlaufend so
Bentrirt werden kann^ dafs sie mit i während der Ar-
beit nur ein und dasselbe Stiick ausmacht. Die
Stütze n hat dort^ v/o die Spindel m durch sie geht,
ein für dieselbe genau passendes* rundes Loch, wel-
ches überhaupt blofs zur Leitung dient« An der
Leitspindel i ist endlich noch ein starkes hölzer-
nes Kreuz // befestigt, durch welches sie von meh-
reren Personen mit der noihigen Gewalt unagedrcht
werden kann. Man sieht leicht^ dafs, wenn das
Letztere geschieht, das Stück m ebenfalls eine Schrau-
henbewegung, und zwar eine^ der Spindel i ganz
bleiche y wird machen müssen. Wird jetzt noch an
^ie Stütze n bei der runden Öffnung ein schneiden-
•der Zahn angebracht , so wird dieser auf m wirken,
xind nachcler Bewegung der Leitspindel i einen Span
weg zu schneiden anfangen. Da wegen der voraus-
gesetzten Tiefe der Gänge y durch einmahliges Vor-
wärtsgehen von i und m, die neue Schraube noch
nicht vollendet seyn kann , so mufs i wieder heraus^
oder in der Mutter i zurück gedreht , der Zahn g
tiefer gestellt, der vertiefte Gang aufm zum zweiten
Mahle mittelst desselben bearbeitet^ und dieses all-
mähliche Tieferstellen des Zahnes und das ganze Ver-
fahren so lange wiederhohlt werden, bis m ganz fertig
und tief genug ausgeschnitten ist. Der stählerne Zabng
liegt in einer eisernen Hülse , in welcher er^ sowohl
langsam nach unten hinausgeschoben ^ als auch durch
zwei bis vier starke Schrauben während des Schnei*
dens fest gehalten werden kann, damit ihn der Wi-
derstand des Materials und die hier überhaupt nöthig^
grofse Gewalt nicht zurück zwingen kann. Ferner ist
überall, wo man flache Gewinde mit nur einem Zahn
schneidet, recht sehr anzurathen , diesem mit einem
abgerundeten vorzuarbeiten^ und den flachen erst
dann einzulegen^ wenn jener schon die Gewinde g^*
433
schnitten Kat. Die Ursache ist folgende. Der flache
Zahn mufs drei von einer Seite zugeschär.fle recht«
winkelig zusammen stofsende Flächen haben^ die aber^
wenn die Spindel nur einiger Mafsen lang ist^ nicht
durch die ganze Arbeit aushalten^ sondern an den
Ecken stumpf werden^ oder gar ausbrechen. Durch
die erwähnte Vorsicht aber brauchen jene scharfen
Kanten das Gewinde blofs zu vollenden^ sie halten
aus, und der Grund der Gänge wird rein^ scharf
und winkelrecht. Mittelst dieser Maschine erhält man^
wenn sie ^tark genug gebauet ist^ eiserne Spindeln
bis 8 Zoll im Durchmesser^ aber immer nur solche
Gewinde, die der jedes Mahl angewendeten Leit-
spindel i entsprechen. Die Spindel m kann dicker
oder dünner seyn als i, m kann scharfe Gänge he«
kommen, wenn i flache hat, und lungekehrt, dafs
demnach also einzig und allein die Neigung der
Gänge, sonst aber auch gar nichts, von i bedingt
wird. Auch wenn man eine eiserne Leitspindel von
der nöthigen Beschaffenheit nicht sich zu verschaffen
im Stande ist, kann man leicht helfen , und die Ma*
schine wird um so einfacher und schätzenswerther.
Die Spindel i kann, wenn sie nur die gehörige Gang«
weite hat, auch von Holz se}m, in k die Mutter
bekommen, und, um ihr die nöthige Dauer zu
geben, 12 Zoll dick gemacht werden, wenn die
zu schneidende Schraube m nur 4 oder 6 im Durch-
messer zu' haben braucht. Ja sogar eine solche
eigentliche Schraube von Holz ist entbehrlich, wenn
man auf einen hölzernen Zylinder die Gänge vor-
zeichnet , mit einer starken Säge einschneidet, und
bei k eine Zugplatte von gehöriger Stärke für sie ein-
legt, kurz ganz so verfährt, wie schon oben, Seite
4o3, 4p49 bei Gelegenheit der hölzernen Schrauben
auseinander gesetzt wurde. Auch Schrauben mit meh-
reren Gängen kann man auf dieser Maschine leicht
erhalten, nur mufs jeder Gang besonders geschnitten
werden. Auf die hölzerne Leitspindel wird nur ein
Jahrl». d. pol^t. Uüt IV. Ud. ^3
434 .
Gang von gehöriger Steigung vorgeschnitten, und
fiir ihn die Zugplatte bei k eingelegt. Der Zahn g
bildet dann auf m nur einen, aber sehr v?eitläufigen
Gang. Um zwischen den Windungen desselbea
den zweiten und dritten zu erhalten, wird in ge-
hörigem Abstände ein zweiter (auch wenn er aus-
gehalten hat, derselbe Zahn) eingelegt, und end-
lich noch der dritte, und mit jedem besonders
der nächste und letzte Gang eingeschnitten. Dafs
man bei dem Loch in g drei gleich weit von einander
entfernte eiserne Hülsen für die nach einander wir-
kenden Zähne braucht, erhellt von selbst; drei Ein-
schnitte auf der Spindel i, und drei Zugplatten wä-
ren nur des sichern Ganges wegen zu empfehlen, aber
nicht unentbehrlich. Es erhellet, dafs man durch
einen, mit der Stärke der Spindeln verglichen, nur
geringen Aufwand, Schrauben von den gröfstea
Durchmessern wird verfertigen können, und dafs da-
her diese Maschine, eben ihrer Einfachheit wegeOi
unter die unentbehrlichsten und schätzenswürdigsten
gehört. Sie schliefst sich an die Drehbänke an,
durch eine ziemliche Ähnlichkeit , die sie mit der Fa*
tronen- Drehbank hau Die Leitspindel i kann mit
der Patrone verglichen werden , die AI utter bei k ve^
tritt die Stelle des hölzernen Riegels, der feststehende
Zahn fehlt ebenf^ls nicht; nur die Art der Bewe-
gung ist anders und langsamer, wie sie es, um grofse
Gewalt anwenden zu können, auch seyn mufs. --
Schraubenmuttern kann man mit ihr ebenfalls vcrfer-
tigen, obwohl es ziemlich selten geschieht. Das mit
dem gehörigen Loche versehene Metallstück, in >¥el-
^chem die Mutterschraube entstehen soll , wird statt
der runden Öffnung in n angebracht. An die Leit-
spindel i kömmt aber statt m ein einfacher hölzerner
oder metallener Zylinder, in welchen quer der Zahn
eingelegt wird. Für diesen Zylinder mufs endlich
noch aufser n , eine dritte Stütze mit blofser runder
Öffnung, um ihm zur Leitung zu dienen, angebracht
werden. Der in ihm steckende Zahn macht durch
435
die Spindel i ebenfalls die Schraubenbewegung ^ und
sobald er in das Mutterstück kommt , fangt er an in
demselben die Gänge zu schneiden^ lund vollendet
sie^ wenn er während der Arbeit nach und nach
weiter vorwärts geschoben wird. Daher wird durch
diese Anwendungsart die Maschine den Holzscbrau-
benbohrern mit der Zugplatte (siehe oben Seite 4o3 )
fast ganz gleich. — Bei so vielen Vorzügen wird man
sich über einige UnvoUkommenheiten^ welche dieser
Maschine eigen sind^ nicht wundefn. Dafs nur^ wenn
das Gestelle nicht ungemein verlängert wird^ kurze
Spindeln zu erhalten sind^ hat wenig zu bedeuten^
weil Prefsspindeln überhaupt nie sehr lang sind. Un-
ani^enehm aber ist es^ dafs man die beiden Spin-
deln durch die Schrauben bei h, nur mit vieler
Mühe gleich rundlaufend richten kann^ und dann,
besonders wenn sie ziemlich lang sind, die Gewinde
von m auf einer Seite meistens etwas seichter ausfal-
len, als auf der andern, eben weil die Achsen von
m und i selten ganz auf einander treffen. Da endlich
die Umdrehung durch // nie sehr gleichförmig, son-
dern fast nur ruckweise und zu schnell geschehen
mufs, so bringt diese Ungleichförmigkeit den Zahn g",
wenn nicht das Gestelle und die Stützen äufserst fest
sind, zum Zittern, er schnurrt, und macht auf dem
Grunde der tiefen Gänge Rippen, die nicht leicht
mehr wegzubringen sind.
Die Art der Bewegung ist es, durch welche
sich die Fig. i4, Taf VII abgebildete Abart sol-
cher Maschinen vortheilhaft auszeichnet, aber auch
die Herstellung weit kostbarer und das Ganze zu-
sammengesetzter macht. Es ist a die Leitschraube,
b die zu schneidende Spindel, d ein gleich der
' Zugplatte auf die Gänge von a wirkendes Eisen-
slück, c endlich der schneidende Zahn. Am
Mittelstücke, welches immer dasselbe bleibt, sind
an den zwei Köpfen ee mittelst einer hinreichen-
28*
436
den Anzahl Schrauben die zwei Spindeln einge-
spannt« An derselben befindet sich ferner das metal-
lene Rad A von dem die drehende Bewegung aus-
geht^ und zwar dadurch^ dafs in dasselbe eine Schraube
ohne Ende x eingreift^ an deren Achse auf jener
Seite ^ die man in der Zeichnung nicht sehen iano,
die Kurbel^ an die eine oder zwei Personen gestellt
werden können^ und das Schwungrad g befestiget
sind. Wenn die endlose Schraube mittelst der Kur-
bel gedreht wird ^ setzt sie auch das Rad f und
die mit ihm verbundenen beiden Spindeln in Umdre-
hung. Da aber das Ganze durch die Leitspindel a
zugleich die Schiraubenbewegung machte so mufsdie
endlose Schraube ebenfalls der fortrückenden Bewe-
gung folgen können^ indem sie nur dadurch mit dem
Radey* in beständigem Eingriffe bleiben kann. Zu
dem Ende hat sie ihre Zapfenlager nicht in dem fe-
sten Gerüste^ sondern sie liegt aiif einer Art vonVi^a-
gen^ der mit acht^ auf den zwei Hauptbalkcn lau-
fenden Rädern verschen ist ( in der Zeichnung sieht
man nur vier derselben)^ und also^ samnit Kurbel
und Schwungrad^ mit dem Hauptsysteme der ver-
bundenen Maschinentheile a efe h gleichförmig fort-
rücken kann. Wenn auch die endlose Schraube drei-
fach ist^ bleibt die Bewegung noch immer sehr lang-
sam; aber es ist eine greise Kraft auszuüben^ und der
Stahl c wirkt so gleichförmige dafs die Gänge die
höchste Genauigkeit erhalten. Alles übrige bei dieser
Maschine^ wie z. B. die Möglichkeit^ hölzerne Spindelo
anzuwenden e mehrfache Schrauben zu schneiden u.
8. w. ist wie bei der vorigen.
Figur 1, a, 3, Taf. VIII, stellt eine Maschine
vor, die, obwohl ebenfalls mit der Leitspindel ver-
sehen, von der vorigen Hauptart in mehreren w'esenili-
eben Stücken verschieden ist. Schon ihre Hauptbestim-
mung weicht beträch tUch ab, indem sie vorzüglicb
darin besteht, lange Schrauben zu schneiden, die man
weder auf 4er Drehbank, noch mittelst der KluppeO)
V
durch welche sie fast immer krumm werden ^ erhalten
kann. Aufserdem dreht sich hier die Arbeit blofs
rund 9 der Stahl ist es^ der sich fortbewegt^ und
endlich k^nn man durch Veränderung des Räderwer-
kes mit derselben Leitspindel die verschiedensten Ge-
winde anfertigen. Man hat die Maschine nach die*
sen Prinzipien in verschiedener Gröfse und mit ver-
schiedenen Abänderungen^ wovon die gezeichnete
unter die kleinern gehört, auf welcher auch kurze
Spindeln , und solche mit 60 bis 70 Gängen auf den
Zoll mit Genauigkeit bearbeitet werden können. Auf
ihr wird die Arbeit, ganz so, wie bei einer gewöhn-
lichen Drehbank, entweder mittelst des Führers oäet
Sternes, oder auch mittelst der Hohldocke mit der
Spindel ^verbunden, ihrem andern Ende aber der
Reitstock B vorgesetzt. Die Spindel ^ (und mit ihr
die Arbeit ) empfängt die roiirende Bewegung durch
die bloTs mit der Hand umzudrehende Kurbel C7, am
hintern Theile der Maschine. Die Achse, an wel-
cher die Kurbel C fest ist, trägt nähmiich ein soge-
nanntes Laternengetriebe ä aus Stahlstäben, die in
zwei konzentrische Messingplatten eingenietet sind^
welches in das , an der Spindel befindliche Rad 6 ein-
greift. Diefs ist gleichsam der erste, der Spindel zu-
gehörige Theil des Räderwerkes. Sie hat aber, zur
Fortleitung der von C ausgegangenen Bewegung, noch
das zweite Rad c, welches mittelbar bis auf die Leit-
spindel D wirkt. Diese ist so in das Gestelle der
Maschine eingelegt, dafs sie sich nur rund drehen,
sonst aber nicht verrücken kann. Ihre Schrauben-
mutter ist in det Zeichnung nicht iu sehen , weil sie
unter dem Support liegt, mit dem sie nur ein Stück
ausmacht. Der Support ist mit seinem Fufse zwi-
schen zwei nach unten einwärts abgeschrägte Lei-
sten FF eingelegt, und wird zugleich mit der durch
die Leitspindel fortgeschobenen Schraubenmutter längs
der Maschine vorwärts geführt*). Von dem Räder-
r --p
*; In einer andern Figur (18, Tef. VIII) sieht man diesen
Theil der Maschine von der vorderen schmalen Seite. FF
438
werke abc aus y mufs jetzt die Leitspindel D eben-
falls in der gehörigen Richtung gedreht werden, und
dann wird nicht nur die Arbeit die Kreisbewegung
machen^ sondern auch durch den^ zugleich, init dem
Supporte gerade vorwärts gehenden Stahl Ey die ver-
langte Schraubenlinie eingeschnitten^ und das erreicbt
werden^ was auf der gemeinen Drehbank das mit der
Rotation der Arbeit gleichzeitige Fortschieben des
Stahles (siebe oben S» 4^0 ) bewirkt. Zu diesem Ende
greift das an der Spindel befindliche Rad c in ein an-
deres dy und dieses endlich^ in ein an der Leit-
spindel befestigtes ein. Letzteres aber^ da es un-
mittelbar unter (i liegt ^ kann von oben ^ und also in
Fig. «, Taf. yill nicht gesehen werden,' wohl aber
wenn das Räderwerk von vorn gezeichnet wird , wie
in Fig. 2 derselben Tafel. Hier ist a das Getriebe,
mit welchem die Kurbel verbunden ist ; b greift in
{la^se.Ibe ein, und befindet sich wie c ander Spindel.
Die Bewegung von c aber wird mittelst des Zwi-
schßnrades d bis zur Leitspindel y deren Rad mit ^
bezeichnet ist> fortgepflanzt. Die Pfeile zeigen die
Richtungen, in denen sich die Räder drehen, wenn
die Kurbel rechts herum gefuhrt wird. Die Rich-
tung von c und b bezeichnet auch die der einge-
spannten Arbeit,; und die durch d abgeänderte^ von
g:, Jene der Leitspindel, welche als eine rechte
Schraube den Support und den Stahl vorwärts fuhrt,
wqhrend sich die Arbeit dem letztern y wie es seyn
Aiufs, entgegen dreht.
» *
Es ist jetzt die Frage ^ wie man mit einer und
derselben Leitspindel verschiedenartige Scbrauben
erhalten könne. . Diefs geschieht dadurch y dafs man
sind die £vrei , am Gestelle G G fest geschraubten Leisten,
N ist der abgeschrägte Fufs des Supportes , mit der Schrau-
benmutter P auf eine Art verbunden , von der erst später
die Rede scyn kann f D endlich ist der Durchschnitt der
Leitspindel.
439
die Leitspindel zwingt, bei gleicher relativer Geschwin-
digkeit der mit den Rädern b c verbundenen Arbc?it,
die ihrige zu ändern, und mithin den Stahl j& schnel-
ler oder langsamer fort zu schieben. Man wechselt
daher jenes Rad, von dem die Drehung der Leit-
spinder ausgeht , und weiches Fig. i und a mit c
bezeichnet wurde, während die zur Spindel gehöri-
gen , a und 6 , und das Zwischenrad d , welches
blofs zur Übertragung der Bewegung auf g bestimmt
ohnediefs die Geschwindigkeit nie verändern kann^
beibehalten werden.
Wenn statt des mit c bezeichneten, mit i8 Zäh-
nen versehenen Rades, eines mit 9 derselben ange-
schraubt wird, so bewegt es die mit ihm verbundenen,
d und g, nur mit der halben Geschwindigkeit, die
Leitspindel geht um die Hälfle langsamer und das
Gewinde wird noch einmahl so fein. Ein Rad mit
36 Zähnen aber , statt mit 18, führt den Stahl dop-
pelt so schnell, und das Gewinde wird noch ein
Mahl so grob. Und so läfst sich durch Veränderung
der Zähneanzahl von c der Feinheitscrad der Gewinde
(ursprünglich die Geschwindigkeit des Stahles) vidll-
kiirlich modifiziren. Die Verhältnisse bei der als
Original der gegenwärtigen Darstellung gebrauchten
Maschine sind aber folgende :
Das Rad a hat 16 Zähne ^
Ä » 36 »
c » 3 bis 3o in willkürlicher Gra-
dation * ) ,
d T^ 3o oder auch 5a ^),
g » 3o.
*) Die mit 3 bis i8 Zahnen «ind blofse Getriebe aus Subldraht,
die übrigen aber förmliche Bäder.
**) 4)a8 Rad mit 5i Zähnen dient xu den feinsten Gewinden,
und also dann » wenn die Getriebe mit 3 bis 18 Stäben ge-
44o
Die flachgängige Leitspindel ist ao Zoll lang und
hat sechs Gänge auf den Zoll. Nach diesen Daten
ist es leicht zu berechnen^ welches Räderwerk vor-
gelegt wei\den müsse ^ um Schrauben von bestimmter
Feinheit zu erhalten.
Weil^'statt c gröfsere und kleinere Räder aufge-
steckt werden müssen , so würden sie in d nicht ein-
greifen können^ wenn dieses nicht so zu verstellen
wäre^ dafs es jederzeit sowohl mit g^^ als mit dem bei
c befindlichen^ im genauen Eingriffe bleibt. Der
Träger des Rades d hat zu diesem Behufe die aus
Fig. 3^ Taf. Vin^ ersichtliche^ eigenthümliche Ein-
richtung. B, Fig. 3 zeigt das Räderwerk von innen
( bei h Fig. i ) , ji aber ist die Seitenansicht dessel-
ben. Der Träger/* des Rades d ist um den Hals
der Leiupindel ( i Fig. 3y B) frei im Bogen beweg-
lich. Ferner ist f, uin das Rad d mit c und g ia
dieselbe Ebene zu bringen^ rechtwinkelig nach aus-
sen gebogen (Fig. 3, ji). Der senkrechte Aufsatz Ä
aber, in Fig. i und 3^ hat einen bogenförmigen Aus-
schnitt^ durch welchen eine an /* befestigte Schraube
e, Fig. 3^ ^ und ^;y reicht 9 und an jeder Stelle des-
selben mit einer vorgelegten Mutter angeschraubt
werden kann. Da ^ in c nicht mehr eingreifen könnte^
wenn statt des letztern ein kleineres Rad oder Ge-
triebe^ durchs: in Fig. 3^ B^ bezeichnet, aufgesteckt
ist; so öffnet man die Schraubenmutter bei e, Fig. 3
B, schiebt dann d mittelst seines um i beweglichen
Trägers y so weit gegen or, dafs ein genaues Inein-
andergreifen der Zähne Statt findet, und schliefst die
Mutter bei e wie vorhin. Dadurch wird es möglieb,
f immer so zu wenden, dafs d, g und c, des letz-
__ _ _ _ _ 9 _^^^^^
braucht werden. Durch dieses gröfsere Bad wird die Ge-
schwindigkeit übrigens gar nicht geändert , wohl aber ist
der EingrifTz^wischen c, d und g leichter zu rcgulireni weno
d mchrero Zähne hat.
44x
tem Darchmeiiser mag wie immer beschaffen seyn,
mit einander in Yerbinaung und im fleifsigen Eingriffe
bleiben.
' Noch ist die Einrichtung des^ in Fig. i^ mit vor-
gestellten Supportes zu erklären. Seine oberste Platte
nn kann mittelst langen Einschnitten und den in
das Hauptstück gehenden Schrauben vorstellt, und
der Arbeit zu- oder von ihr abgerückt werden; je-
doch diQUt dieses Verrücken nur für gröfsere Entfer-
nungen^ nicht aber für die, zum allmäblichen Nähern
des Stahles erforderliche. Dieser aber liegt auf
einem Schieber, der durch Umdrehen des Kopfes
m, und die an demselben befindliche Führungsschraube
auf eine ähnliche Art zwischen zwei Leisten langsam
geschoben wird, wie der ganze Support, dessen
Leisten mit FF bezeichnet worden sind. Man kann
also den Stahl, wenn er tiefer schneiden soll, vor-
wärts bewegen, oder auch, wenn es nöthig ist, zu-
rück ziehen.^ Er liegt auf dem Schieber in zwei Klam-
mem , durch welche Stellschrauben auf ihn drücken,
und damit er nicht zurück weichen kann , steht an
sein hinteres Ende noch die Schraube o an.
f
' Wenn durch da; Rechtsdrehen der Kurbel C
Fig. I, der gehörig weit .vorwärts gerichtete Stahl
der gansen Länge der Arbeit nach fortgeschoben wor-
den ist, so hat er wohl angegriffen, allein auch hier
ist es immöglich, ein tieferes Gewinde mit einem
Mahle auszuschneiden. Man mufs daher jetzt den
Stahl (eigentlich den Schieber, -der ihn trägt) zu-
rück ziehen, so, dafs er die Arbeit nicht mehr be-
rührt, und die Kurbel C links drehen, wodurch alles
verkehrt geht, und der Support auf den Ort, von
i^elchem er ausgegangen ist, wieder zurück geführt
vrird. Der Stahl wird nun vorwärts gestellt, so, dafs
er «t&rker angreift^ C abermahls rechts gedreht ^ und
442
diese Manipulation so oft wiederhohlt^ bis die ver-
langte Schraube ganz ausgebildet ist;
Statt blofser Schrauben kann man auf derselben
Maschine auch Schneckenfiir Uhrwerke und ähnliche
Zwecke einschoeiden , dann aber mufs der Stahl
die beim GuiUochiren der Uhrgehäuse. gewöhnliche^
schon oben Seite 43o besprochene Einrichtung ha-
ben, und blofs mittelst eines Hebels an den vorher
gehörig abgedrehten Kegel angedrückt werden.
Die zu bearbeitende Schraubenspindel ^ wenn
sie vorher abgedreht worden. ist, kann in diese Ma-
schine nie so eingespannt werden, dafs sie wieder
.genau rund läuft, was doch nöthig ist, weil, wenn
sie steigt, die Gänge auf einer Seite tiefer als auf der
andern ausfallen. Man kann daher leicht, und mit
aller Sicherheit, sie auf der Maschine selbst abdre-
hen. Sie wird zwischen A und By Fig. i , einge-
spannt, und bei c ein Rad vorgelegt, welcJies den
Support sehr langsam führt, also eines mit wenig
Zähnen. ,In d^n Support kömmt ein etwas breiterer
Drehstahl, oder ein abgekrüpfter Zahn, dessen län-
gere schräge Seite an die abzudrehende Spindel ge-
rückt wird. • Dieser wird> wenn man iso wie beim
Schraubendrehen verfährt, ip einer Schraubenlinie
die Arbeit längsam und mit der gröfsten Genauigkeit
Abdrehen. Die Maschine ist daher auch, obwohl es
nicht ihre vorzüglichste Bestimmung ist, zum genauen
Runddrehen zu gebrauchen, und mufs sogar dazu ge-
braucht werden, wenn man Schrauben, die allen Fo^
derungen entsprechen , durch sie verfertigen will.
Das Räderwerk, und die übrige Detaileinrich-
tung dieser Maschine,, ist der verschiedensten Abän-
derungen fähig , einer besseren und bequemeren Kon^
struktion des Supportes nicht einmahl zo^ gedenken \
,i.
443
denn es kommt blöfs darauf an, die Schnelligkeit, wo-
mit die Spindel sich dreht , in verschiedene Verhält-
nisse 1 mit der Geschwindigkeit der Leitspindel zu
setzeb, und mithin die fortrückende Bewegung des
Stahles zu mäfsigen^ oder zu beschleunigen. Nach
der eben beschriebenen Bauart kann die Maschine
blofs schwäcbere Schrauben, bis zur Länge von lo
Zoll etwa, liefern; zu solchen, bis zu 12 Fufs Länge,
mufs nach derselben Grundidee die Maschine nach
Art einer sehr starken Drehbank ausgeführt werden,
taugt aber dann natürlich nicht mehr für feinere
Arbeit Ich will versuchen , auch von einer solchen
einen allgemeinea Begriff zu geben. Die Drehbank-
spindel läuft wie sonst in ibren Docken, und auch
das Einspannen geschieht auf die gewöhnliche Art.
Die hölzerne Rolle an der Spindel ist mittelst eines
Riemens, einer Bandkette oder eines Seiles mit dem
grofsen, 4 his 5 Fufs im .Durchmesser haltenden
Schwungrade in Verbindung, und erhält von diesem
ibre Bewegung. Auf das äufserste Ende der Spin-
del, zur linken Seite des Arbeiters, können noch
die nöthigen gezahnten Räder geschraubt werden.
Parallel mit ihr, aber tiefer, und unter den zwei lan-
gen Balken der Drehbank, liegt die Leitspindel * )
in eigenen, an den Querbalken des Gestelles befind-
lichen Lagern. Ihr Kopf an der linken Seite des Ar-
Leiters aber ist ebenfalls geeignet, so wie das Ende
der Spindel , Räder zu tragen. Das in der Spindel
befestigte Rad kann mit dem der Leitspindel , mit-
telst eines oder mehrerer dazwischen gelegten, ver-
bunden, und so die Bewegung der Spindel auf die
letztere fortgepflanzt werden. Die verhältnifsmäfsige
*) Je länger sie ist, desto längere Scliraubcn liann man durch
aie erhalten. Im Nothfallc Itann sie * auch von IIolis seyn,
dann aber muts man sie vor dem Abdrehen und Schneiden
nach der ganjsen Lange durchbohren, und in die Ö/Tnunff
eine recht starke Eisenstange einlegen , um das Werfen und
Hrfimmeii möglichst au verajodem.
\
444
Umdrehungsgeschwlndigieit beider hängt von der
Zähneaiuahl ihrer Räder ab , und kann durch Wech-
sein derselben .willkürlich regulirt werden. Die
Leitspindel hat auch hier ihre mit dem Support, den
sie schieben mufs, verbundene Mutler. Der Sup-
port selbst trägt den, mittelst einer Führungsschraube
gegen die Arbeit zu verstellenden Zahn, sein Fufs
aber läuft auf eisernen, recht eben gehobelten Schie-
nen, die in die obere Fläche der langen Balken des
GesteUes eingelassen sind. Manchmahl stellt man
ihn aber auch, mit mehrerer Sicherheit, auf ein fünf-
seitiges Prisma, dessen Schneide nach aufwärts ge-
kehrt ist, oder auf einen eisernen, genau rund ge-
drehten Zylinder; oder man kann bei sehr starken
Maschinen, zwei Prismen, oder zwei Zylinder neh-
men, welche dann die Stelle jener eisernen flachen
Schienen vertreten, dem Support zur Leitung dienen,
und seinen Lauf sehr sicher machen. Man sieht bald,
dafs eine solche Drehbank mit der, Taf. YIII, Fig i
gezeichneten Maschine so viel die Grundidee betrifft,
ganz einerlei ist; nur kann man auf der erstem viel
stärkere und längere Schrauben verfertigen, und auch,
w<is ihre Hauptbestimmuug ist, metallene Walzen von
mehreren Zentnern am Gewicht, sehr genau abdrehen.
Auch Schraubenmuttern können mit diesen Ma-
schinen verfertigt werden, wenn die Leitspindel ge-
nau unter der Drehbankspindel liegt, und folglich
auch der Support über die ganze Breite des Gestelles
reicht. Auf die Spindel wird dann , statt der abzU'
drehenden Arbeit, ein hölzerner oder eiserner Zylinder
eingespannt , in welchen quer der schneidende Zahn
eingelegt ist, und sich folglich mit ihm runddrebt.
Auf den Support kommt das, mit dem vorgebohrten
Loiche versehene Stück, welches die Muitergänge er-
halten soll, und jener ZyHnder mufs durch dasseHx^
so ^durchgehen , dafs seine Achse mit dem Mittel-
punkte des Loches zusanuneu fällt. Wird jetzt die
445
Maschine in Bewegung gesetzt^ so dreht sich der
Zahn blofs rund^ die auf dem Support befestigte
kiinftige Schraubenmutter aber rückt ( mit der durch
das vorgelegte Räderwerk zu regulirenden Geschwin-
digkeit) längst der Drehbank langsam fort^ und dem
sich drehenden Zahn entgegen^ welcher , sobald er
in das Lochkommt^ in demselben Schraubengänge ein-
zuschneiden anfängt Diese werden desto tiefer^ je
mehr man nach und nach den Zahn aus dem Zylin-
der vorstehen läfst. Man vergleiche hiemit das bei
Gelegenheit der Maschine^ Taf. YIII^ Fig. 9^ über
die Verfertigung der Schraubenmuttern Gesagte, oben
Seite 434 Man wird die Ähnlichkeit zwischen bei-
den Yerfahrungsarten nicht verkennen. Ganz reiii fal-
len solche Muttern aber nie aus, weil der schwanke
Zylinder zittert , und der Zahn schnurrt ; auch ist
diese Art der Anferti|;ung zeitraubend, weil, um
den Zahn nur allmählich angreifen zu lassen, der
Support sehr oft vor- und zurück geführt werden
mufs. Gemeinhin verfertigt man daher die Muttern
entweder mittelst eines gewöhnlichen Schneideboh-
rers , oder auch durch den Gufs , von welchem letai-
tern später das Nöthige gesagt werden soll *).
Die Punzirmaschinen für Kattundruckwalzen, mit-
telst welcher die letztern durch die langsame Bewe-
gung des Supportes abgedreht werden , und derDes-
sein durch stählerne Punzen in sie eingeschlagen,
oder durch eine Art von Ränderirrädern eingedrückt
wird , können ebenfalls zum Schraubenschneiden ver-
wendet werden, und haben mit den vorher beschrie-
benen Maschinen eine auffallende Ähnlichkeit Die
Verschiedenheit des Zweckes aber trennt sie von
denselben, so, dafs hier die blofse Andeutung ge«*
nügen mufs.
*) Auf ähnliche Art liann man mit einem breiten Zahn hohle,
auf dem Support liej^nde Zylinder sekr genau bohren.
44Ö
Die miiielst der erwähnten Maschine dargestell-
ten Schrauben können auch noch^ besonders wenn
man den Grund der Gänge sehr rein haben will^ ge-
schliffen und poiirt werden. Zu diesem Ende um-
giefst man sie auf einer Länge voi^ 2 bis 6 Zoll mit
Blei , und läfst sie auf der Drehbank sich rund dre-
hen^ während man die bleierne^ mit Ühl und feinem
Schmirgel versehene schraub^nmutterähnliche Hülse
mit der Hand hält^ und auf der Spindel laufen läfst.
Den Beschlufs der Schraubenschneidmaschinen
mag eine dritte Hauptart machen, näbmlich die von
Ramsden zur Verfertigung einer Seh^aube , für seine
Theiimaschine gerader Linien , gebrauchte. Sie ist
ihres berühmten Erfinders vollkommen würdig, aus-
schliefsend für sehr genaue Schrauben bestimmt, mit
Abänderungen aber, die ich angeben werde, auch
für sehr verschiedene Gewinde brauchbar. Taf. VIII,
Fig. t5 \ix sie, von oben gesehen, vorgestellt. AA
ist ein sehr genau abgerichtetes, gehörig befestigtes
dreieckiges Prisma, dem der Support B sehr fleifsig
aufgepafst worden ist. C bezeichnet die Spindel, wel-
che geschnitten werden soll; die sich in ihren Zapfen-
lagern blofs rund drehen kann. Ihr Kopf trägt ein
grofses Kegelrad D ^ in welches ein kleineres ähnli-
ches, Ey eingreift. An der Welle des letztem befin-
det sich vorerst die zur Bewegung des Ganzen nöihige
Kurbel Fy dann aber auch die Führungsschraubc G^
die mit der möglichsten Feinheit bereits auf einer,
der in Fig. i , Taf. VIII . befindlichen ähnlichen Ma-
schine geschnitten worden ist. Sie wirkt hier als
eine endlose Schraube, indem sie in der Stirne des
grofsen Rades ^ihre Mutter findet, und dasselbe um
seine Achse bewegt. Beim Rechtsdrehen der Kurbel
F dreht sich C gegen den schneidenden Zahn, FG
aber bewegt sehr langsam das Rad Hy in der, durch
den Pfeil angedeuteten Richtung. Eben so ist der
Weg bezeichnet , auf welchem der Support B fort-
gehen mufs, um die Schraubet hervor zu bringen;
447
^ie aber jener , während C sich blofa dreht ^ auch
gleichzeitig vorwärts geschoben wird^ soll jetzt ge-
zeigt werden. Dazu ist die kleine Scheibe N auf H
festgeschraubt. Auf dem Umkreise derselben ist eine
flache Nuth eingedreht^ in welcher^ beiläufig dem
Buchstaben p gegenüber^ das Ende einer sehr dün-
nen Stahlfeder (wie man sie fiir Sackuhren braucht)
fest gemacht ist. Diese Feder p geht unter m (wel-
ches blofs der Träger der^ das Zurückweichen des
Zahnes verbmdernden Schraube x ist) weg^ und
ist mit dem andern Ende in ein^ auf dem Support
B stehendes Klötzchen o gut befestigt. Wenn sich
H in der bezeichneten Richtung , und mit ihm auch
das Scheibchen N dreht ^ windet sich die Feder op
auf das letztere allmählich auf, und zieht das Klötz-
chen o nebst dem Support B vorwärts. Da sich die
Spindel C zugleich rund dreht, so beschreibt der
fortgehende Zahn auf derselben nothwendig eine
Schraubenlinie. Die gleichförmige Bewegung von iV
hängt ganz von der des grofsen Rades , und zuletzt
von der Genauigkeit der Schraube G ab. Da diese
aber schon mit der gröfsten Vorsicht geschnitten wurde,
und ihre vielleicht noch yorhandenen Ungleichheiten,
durch die aufserordentlich langsame Bewegung und
die grofse Anzahl von Zähnen oder Gängen der gros-
sen Scheibe H vermindert , ja fast ganz ausgeglichen
werden, so erhellet, dafs durch diese sinnreiche Ein-
richtung die Genauigkeit auf einen sehr hohen Grad
getrieben werden könne.
Um vielerlei Gewinde zu erhallen, dürfte man
nur statt N gröfsere oder kleinere Scheiben anbrin-
gen. Auf eii^e gröfsere wird sich , dieselbe Verzah-
nung/>£ vorausgesetzt, in gleicher Zeit mehr von
der Feder p ( die einer Kette darum vorgezogen ist^
weil diese doch immer sich mehr oder weniger aus-
zieht) mehr aufwinden, ^ wird schneller geschoben,
und das Gewinde bei C gröber; bei einer kleinern
448
Scheibe erfolgt das Umgekehrte. Man müfste aber zu
diesem- Behufe das Klötzchen o znm Verstellen ein-
richten^ und die Feder, nm sie verlängern oder ver-
kürzen zu können^ in demselben blofs mittelst Schrau-
ben fest machen ; wodurch die Feder immer mit B
parallel bleiben, und auchbei verschiedenem Durchmes-
ser der Scheiben jedes Mahl straff angezogen werden
könnte» Nicht uninteressant möchte es seyn^ auf
die Ähnlichkeit dieser Maschine mit der oben , Seite
4^3 beschriebenen Drehbank aufmerksam zuniacheo.
Die Anzahl derSchrtiubenschneidmaschinen liefse
sich wohl leicht durch Kombination der bei den
einzelnen vorkommenden Grundideen und Detailein-
richtungen vermehren, allein kaum lohnte es sich
der Mühe, da man mit den bereits aufgeführten voll-
kommen ausreich t,und eine einztgeMaschine überhaupt,
praktischer Hindernisse wegen, gar nie. für alle Arten
von Schrauben anwendbar seyn kann, iur die einzel-
nen aber Yerfertigungsarten genug vorhanden sind.
Ich bemerke nur noch, dafs man fast auf allen, zu
den Uhrmacher- Requisiten gehörigen Schnecken-
schneidzeugen auch feine Schrauben vpffertigen
könne, und dafs die neueren Vorrichtungen dieser
Art, unter denen es auch welche gibt, mit denen
man sowohl rechte als linke Schnecken erhalten kann,
dem Prinzip nach, auf die, Seite 4^7 beschriebene
Drehbank erinnern; da sie aber vorzugsweise zu ganz
andern Zwecken bestimmt sind, so können sie hier
auch nicht weiter berücksichtigt werden.
Höchst selten ist 'es thunlich oder nöthig. Schrau-
ben blofs aiis freier Hand zu verfertigen, und nur
alsdann, wenn es entweder auf Genauigkeit gar nicht
ankömmt, oder wenn bei seltener Form und Gröfse;
die Anschaffung eigener Werkzeuge zu umständlich,
kostbar und für die Folge unnütz würde. Scbrau-
bengänge an Haken, die blofs in Holz eingedreht^or-
449
deo^ feilt man oft^ nnr gans obenhin ein. Eben so
vrird auf der ^ mit Papier umleimten , oder sonst be-
zeichneten Spindel die Feile zur Hervorbringung dör
Gänge gebraucht, wenn (oben Seite 892) ein ganz
neues,, nicht vorräthiges oder aufzufindendes Ge-
winde verlangt wird , z. B. zu einer gröfeern Maschi-
nerie eine endlose drei- oder viergängige Schraube.
Hölzerne Prefsschrauben über 10 Zoll im Durch*
messer , sind nicht mehr gut mit der Kluppe zu
schneiden, sondern es wird auf eine Art, die man
in mehreren Kunstbüchern , wie in Geifslers Drechs-
ler, 3ter Theil, 3te Abtheilung, S. 88, finden kann,
die Schraubenlinie auf die Spindel gezeichnet, nach
dieser mit der Säge vorgeschnitten, das Holz mit Meis^
sein ausgehauen, und die Gänge endlich mit der
Raspel geebnet. Diis Muttern zu solchen Spindeln
aber müssen mit dem Zahn geschnitten werden, nur
bei sehr grofsen Öffnungen können in diesen, aber
immer sehr unvollkommen, die vertieften Gänge
mit kurzen Meifseln ausgestemmt werden.
Diese Verfahrungsarten sind übrigens so sel-
ten, gründen sich so ganz auf die individuelle Ge-
schicklichkeit des Arbeiters, und auf einzelne Hand-
griffe , dafs es überflüssig wäre ^ länger bei ihnen zu
verweilen«
C Über das Material zu den Schrauben.
Das Material zn den Schrauben ist verschieden
nach ihrem Gebrauche, und nach andern, die Wahl
bestimmenden Rücksichten. Ich werde der Aufzäh-
lung der vorziiglichsten Materialien noch einige Be*
merkungen beifügen, die dem Praktiker vielleicht
nicht unwichtig aeyn dürften.
Nur selten macht man Schrauben von Staht, weil
dieser spröder ist als £)seA> und daher die Köpf«
Jnbrb. 4m yoljt. In*!. IV. Bd. Ü^
45o
solcher Schrauben, wenn sie Stöfsen ausgesetzt sind,
leicht abspringen; sie sind aber auch schwerer^ mit
Zeitverlust und gröfserer Abnützung der Werkzeuge
zu schneiden,' und in jeder Hinsicht theurer, als
eiscrnel Bei feinen Uhrmacherarbeiten findet man
sie jedoch ziemlich allgemein, und vorzüglich defs-
wegen, weil sie gehärtet, einer feinern und hel-
lem Politur fähig sind , und die durch das nachfol-
gende Anlassen entstehende blaue oder violette Farbe,
schöner und gleichförmiger ausfällt , als auf Eisen.
Lange stählerne Schrauben zu härten, ist nie rathsam,
weil sie fast immer dadurch krumm und schief sich
ziehen. Wollte man aber durchaus eine, etwa hei
einer Theilmaschine anzubringende Schraube, nm
ihre Abnützung möglichst zu verhindern , hart haben,
so müfste man die Härtung' mit der blofs rundgedreh-
ten Spindel vornehmen, und erst diese, bis zur stroh-
gelben ober blauen Farbe nachgelassen, einschnei-
den. Dieses kann aber weder mit den gewöhnlichen
Backen , noch mit dem stählernen Zahn einer Schnei-
demaschine geschehen, denn vorzüglich die erstem,
aber auch letzterer, würden auf der harten Spindel zu
bald stumpf werden , oder ausbrechen. Man bedient
sich also eines in Messing gefafsten Diamantsplitters
von der gehörigen Form, und gebraucht ihn statt
des Zahnes in einer Schraubenschneidmaschine. £r
schneidet zwar sehr langsam, aber rein, und ohne
stumpf zu werden, und dient sogar auch zum voll-
konimenen Ruüddrehen der stählernen Spindel, wenn
sie sich beim Härten etwas gezogen haben sollte. Die
zu einer Theihnaschine Rämsdens bestimmte Schraube
C, Taf. VIII, Fig. i5) ist auf diese Art mittelst
es Diamantes bearbeitet worden. Da dieses Mittel
zeitraubend und mühsam ist^ gewöhnliche stählerne
Zähne aber selten die ganze Operation aushalten, und
das Nachschleifen oder Wechseln derselben immer
sehr mifslich ist^ so kann man sich auch des Hand-
griffes bedienen, den aus gutem Gufsstahl zugefeilten
i
45i
Zahn auf einem harten Amhofs recht lange zu schia*
gen^ wodurch sein Gefüge dichter, und er, seihst
wenn das Schneiden sehr lange dauert, nicht leicht
stumpf wird Das Ausspringen aber mufs man durch
sehr langsames Angreifen £u vermeiden suchen.
Schrauben aus Eisen sind die allergewöhnlich«
sten, und man findet sie von jeder Form undGröfse;
ihre Muttern aber sind in der Regel von Messing,
oder einer ähnlichen Komposition, um die zu schnelle
Abnützung der Spindel zu verhindern. Starke Prefs^
schrauben Air PapierfabrikAi werden auch wohl,
der Wohlfeilheit wegen, aus Gu/seisen gemacht; ent*»
weder schneidet man auf den gegossenen Zylinder die
Gänge mittelst einer Maschine , oder aber , und noch
leichter, eine als Modell dienende schon fertige Spin-
del wird , wie andere Gufswaare, geformt und abge«
gössen. Nie aber können durch das letztere Verfah-
ren die Gänge rein und glatt atisfallen , man müfste
sie denn nacharbeiten, wodurch aber wieder die
Kosten^ bedeutend erhöht vferden. — Merkwürdig
ist eine, im Fabriksprodukten- Kabinette des poly-*
technischen Institutes befindliche englische Kaffeh'-
miihle , an der alles , sogar die zum Zusammenhalten
der einzelnen Theile bestimmten kleinen Schrauben,
von gegossenem Eisen ist.
Messing wird nicht häufig zu eigentlichen Schraa«
benspindeln verwendet« Holzschraubeii findet man
wohl aus diescmMaterial, da es leichter zu bearbeiten ist,
und jene daher wohlfeiler geliefert werden können,
auch eine Beschädigung der Gänge im Holz nicht so
leicht zu besorgen ist. Die leichtere Yerfertigungsart
verschafft ihnen auch bei kleinern Metallarbeiten
Anwendung, und wählen mufs man sie bei magnetischen
Vorrichtungen, wo eiserrie Schraubenein unrichtiges
Resultat und irrige Schlüsse veranlassen könnten«
Gedrehte ein- und auswendige Schraubengänge auf
39*
45a • ,
messingenen Rohren n. dgl. sind aber bekanntlich
sehr häufig.
Schrauben von edlen Metallen. Crold. Silber und
Platin y findet man auf den^ aus denselben verfertig-
ten Waaren; sie lassen sich mit Kluppen, oder auch
auf der Drehbank y so wie Messing, bearbeiten. Gold
und Platin dient insbesondere noch zu jenen Kernen,
die in die Läufe der bessern Feuergewehre dort ein-
geschraubt und fest vernietet werden , wo das Zünd-
loch gebohrt werden soll.
Auf Zinn schneidet der Zinngiefser Schrauben
mittelst des Drehstahles, wie jeder andere Drechsler;
auch können si6 , wenn die Gufsform darnach ein-
gerichtet ist, sogleich an die Waare mit angegossen
werden , sind aber dann nie rein und scharf.
Bleierne Schraubenspindeln nimmt man defswe-
gen bei einer neueren Sorte elektrischer Zündma-
schinen, weil sie mit Schwefelsäure in Berührung
kommen, die eiserne oder messingene bald ganz «er-
Stören würde. Das Blei ist übrigens zur Bearbeitung
mit dem Schraubstahle zu weich , wohl aber läfst es
sich mit den zu hölzernen Schrauben bestimmten
Kluppen recht gut schneiden, und erhält, so behan-
delt, scharfe und reine Gewinde.
Zinkj Kupfer uhd härtere Metall- Legirungen
behandelt man, bei der Verwendung zu Schrauben,
ganz so wie Messing.
Nach den Metallen ist Holz das schätzbarste
Material zu Schrauben. Manche Vorrichtung wird
durch dessen Anwendung viel wohlfeiler , oder aber
leichter. Der letzte Umstand ist bei Pressen, wie
z. B. den Handpressen der Buchbinder, die oft hin
und wieder gehoben werden müssen, sehr wichtig.
453
Unter dea verschieden en Holzarten ^ind für diesen
Zweck jene die besten , die bei einer mäfsigen Härte
s^hr zähe sind. Die festesten indischen Hölzer^ wie
Ebenholz j Qiiajak u. dgl sind so spröde^ d.afs Gänge
auf denselben bald wegbrechen würden. Zu sehr
starken Schrauben bedient man sich vorzugsweise des
Weifsbucbcnhokes. Der Spindel- und Kornelkirsch*
bäum haben zwar ebenfalls ein sehr zähes und hartes
Holz^ sind aber selten von der nöthigen Dicke zu ha-
ben^ und daher nur zu dünneren Schrauben anwend-
bar. Wo man Reinheit und Glätte der Gänge ver-
langt^ kann man sie ebenfalls sehr gut brauchen;
wenn aber solche Schrauben nicht sehr viel tragen
sollen^ auch das sehr feine Buchs- und Birnbaum-
holz. Alle diese Hölzer müssen zwar trocken seyn^
allein die zuletzt genannten^ weniger zähen^ nicht zu
trocken j ja das Bimbaumholz und ähnliche weniger
feste mufs man sogar vor dem Schneiden etwas an-
feuchten , weil sonst die Gänge ausbröckeln. Ob-
wohl die Yerferiigungsart früher schon ausführlich
behandelt wurde, so mufs ich doch noch eines be-
sondern Falles hier gedenken. Die Schraubenmut-
ter in Holz mufs allezeit quer durch die Fasern gehen^
nie aber so ^ däb das Schraubenloch mit den letz-
tern parallel wäre ^ weil dann diese^ von den Zähnen
des Bohrers beinahe rechtwinkelig angegriffen, un-
fehlbar gänzlich weggerissen würden. Indessen kam
ich doch in die Verlegenheit, fiir lange Spindeln
sehr lange Muttern , die sich aus Querholz nicht mehr
gut anfertigen liefsen, zu bedürfen. Das Loch wurde
also dennoch nach der Länge der Fasern ( in Buchs )
gebohrt, aber die Gänge von einem geschickten
Drechsler auf der Drehbank mittelst eines groben
Schraubstahles eingeschnitten, wo nicht das mindeste
Ausfasern Statt fand» sondern alles nach Wunsch
gelang-
Auch die Innern und äufsern Schraubengänge
454
auf Büchsen und Galantcriearbeiten ^ yon feinen Hol-
^ern, Knochen y Elfenbein ^ Horn^ Kokosnufsscha-
len, Perlenmutter, werden mit Schraubstählen ein-
gedreht; nur dünnevelfenbcinerne Spindebi, die auf
der Drehbank zu leicht nachgeben würden, können
sicherer mit kleinen, wie die zu hölzernen Schrau*
lien eingerichteten, Kluppen erhalten werden.
Dem Alabaster j Serpentin stein, überhaupt sol-
chen Steinarten , die sich drechseln lassen , kann
man die nöthigqn Gewinde ebenfalls mit Schraubstäh-
len geben , die aber, damit die Zähne nicht brechen,
weniger nach unten abgeschrägt seyn soUen, als die
gewöhnlichen,
Die manchmahl auf die Hälse gläserner Flaschen
aufgeschraubten ebenfalls gläsernen Kappen wer-
den wie Gltts überhaupt, mit kupfernen Rädchen
und Schmirgel, von dem Glasschleifer bearbeitet.
Während das kupferne Schleifrädchen in schneller
Umdrehung begriffen ist , hält man das Glas blofs mit
der Hand an, und durch geschickte Führung dessel-
ben kann ebenfalls eine Schraubenlinie, oder der
Tertiefte Gang eingeschnitten werden,
Töpfergeschirr, besonders die Gefäfse zur
Schwefelsäure, werden ebenfalls oft durch thönnme
Stöpsel verschraubt. Sowohl die auswendigen als
inwendigen Schrauben erhält man hier mittelst höl-
zerner Spindeln und eben solcher Schraubenlöcher,
deren Erhöhungen sich leicht in den, beim Formen
noch sehr weichen Thon eindrücken lassen.
Bei den Hülsen ordinärer Mikroskope, und an
Papparbeiten überhaupt, kommen endlicn auch noch
manchmahl papierene Schrauben vor, deren Bear-
beitung von der gewöhnlichen begreiflicher Weise
«ehr abweicht, Man schneidet aus guter dünner.
455
Pappe einen schmal ^i Streifen^ und leimt ihn auf die
äufsere Flache der die Schraubenspindel vorstellen-
den papierenen Röhre in der Schraubenlinie fest. In
die dadurch entstehenden vertieften Gänge legt
man einen zweiten gleichen ^ etwa^ dickeren Papp-
streifen ein^ .versieht ihn auf der äufsern Fläche mit
Leim^ schiebt das äufsere^ stau der Mutter dienende
Rohr darüber , und zwingt dieses durch die ^ jedem
Papparbeiier bekannten Mittel > sich an den zweiten
Streifen genau anzulegen. Nach dem Trocknen des
Leimes werden sich beide Röhren an einander schrau-
ben lassen^ indem die zwei Streifen^ der erstere auf
der Spindel , der andere in der Mutter , die Gänge
bilden.
Ä Bemerkungen über einige besondere Arten von
Schraubenmuttern.
Bei Gelegenheit der Schraiibenschneidmaschinen
v^urde mehrmahls bemerkt , dafs man Schraubenmut-
tern* durch sie fast nieniahls ganz rein erhalten könne^
weil es nicht möglich ist^ den Stahl mit der nöthigen
Festigkeit^ ohne Zittern und Schnurren zu führen;
daher bearbeitet man jene mit gewöhnlichen Boh-
rern. Nur dann aber nuifs man sich einer noch nicht
erwähnten Methode bedienen^ wenn diese gar zu
stark seyn müfsten^ wie dieses schon hei Spindeln
von mehr als 3 Zoll im Durchmesser der Fall
seyn würde. Die Schraubenmutter wird daher von
Messing oder Glockenmetall gegossen ; indem die
Spindel als Kern dient ^ in die Gufsform eingelegt^
und auf sie das Metall aufgegossen wird. Es umgibt
dabei die Spindel auf allen Seiten , und bildet nach
dem Erkalten eine sehr gut und vollkommen anschlies-
sende Schraubenmutter. Nur ist bei dieser Opera-
tion eine doppelte Vorsicht dringend anzurathen. Das^
ohne weitere Vorbereitung aufgegossene, Metall legt
sich beim Erkalten, wobei es'sich sehr stark zusam-
men zieht^ so fest an die eiserne Spind(^l, dafs man
456
sie oft nicht mehr losdrehen kann^ und eher die
Spindel bucht ^ als die Mutter bewegt. Man vermei-
det diesen nachtheiligen Zufall dadurch , dafs man
die Spindel dort^ wo sie mit dem Metall umgössen
werden soll^ recht gut mit dünnem Lehmbrei über-
streicht, der nach dem Austrocknen eine Zwischen-
lage bildet^ und die unmittelbare Beriihrung bei-
der Stücke unmöglich macht. Ist die Spindel un-
gleich dick , und sind die Gänge verschieden tief ^ so
xnufs die Lage von Lehm noch dicker genommen
werden. Aber auch diese Vorsicht würde nichts hel-
fen^ wenn jene. Fehler gar zu merkUch wären,
daher denn zum Aufgiefsen der Muttdr immer die
möglichste Gleichförmigkeit der ' Spindel unerläfs^
liehe Bedingung ist. — Es geschieht mancbmahl,
dafs, wenn man die Form öffnet, während das Me-
tall noch sehr heifs ist, die neue Schraubenmutier
beim Erkalten Risse bekommt, ja sogar in Stücke
springt. Die Ursache dieser Erscheinung ist darin zu
suchen, dafs das Metall durch die in ihm liegende
eiserne Spindel verhindert wird, sich allmählich und
gleichförmig von aufsen nach innen zusammen zu zie-
hen. Denn die Oberfläche erkaltet hier am ersteig
das Innere aber später, und die Spindel endlich, die
wie Eisen überhaupt, viel schwerer die Hitze fahren
läfst, und noch überdiels in der Mitte des heifsen
Metalles liegt, ganz zuletzt. Das Metall, welches
nach innen nicht ausweichen kann, springt also, und
man mtifs , um den Gufs nicht völlig einzubüfsen i so-
wobl hier, als auch dann, wenn metallene Wah^i^
auf starke eiserne Achsen aufgegossen werden , jedei
Mahl das gänzliche Erkalten abwarten, ehe mau den
Gufs aufdeckt.
Bei gröfseren Sckraubstöcken, von neuerer (so^
genannter frönzösischer ) Bauart, findet die flach-
gängige Schraubenspindel ihre Mutter nicht spgleicb
im hinteren Theile dieses Werkzeuges, sondern es
liegt in diesem mittelst einer, das Verdrehen verbiß'
457
dernden Warze, ein eisernes Rohr, welches mit den
Muitergängeu versehen ist. Diese können nicht mit
dem Bohrer nach der gemeinen Weise geschnitten
'werden , weil durch die zur Herstellung des flachen
Gewindes nöthigc grofse Gewalt das schwache Rohr
unfebihar aus einander getrieben würde. Man ver^
fahrt also auf nachfolgende eigenthümliche Art. In
die vertieften Gange der Spindel windet man ein
nach der Form derselben genau zugefeiltes Eisenstan-
geJchen. Es mufs über die MNicn Gänge etwas* we-
niges vorstehen. Die Spindel sammt dem in sie ge-
wundenen Eisensuibchen wird jetzt in das g^enau
passende hoble Rohr gesteckt,* dieses vorher mit fein
gekörntem Kupfer versehen, und dann alles der er<^
forderlichen Glübchitze ausgesetzt. Das Kupfer
schmilzt, und das Eisenstängelchen lölhetsich in der
Röhre fest, welche letztere dadurch in eine Schrauben-
mutter verwandelt wird. Man kann sie mit einem
passenden Scbraubenbohrer allenfalls nacharbeiten,
um ihre Gänge noch genauer zu machen.
Eine Schraube, die fortwährenden Erschütterun«**
gen ausgesetzt ist, wird oft los, und geht freiwillig zu*
rück. Ein Umsund, der sehr nachtheilig ist, wenn et-
was zwischen zwei an Schmuben befindlichen Spitzen
sehr genau, und ohne zu schlottern, laufen soll. Taf.
VIII, Fig. iG, sind A und B an den Enden mit Spitzen
versehene Schrauben , die ihre Muttern bei c und d
haben. Zwischen ihnen liegt eine Achse, welche
ein Schneiderädchen e (etwa zu einer Räderschneid-
mascfaine für Uhrmacher) und die zum Umdrehen
desselben nötbige Rolle /) zur Anbringung des Dreh-
bogens, tragen soll. Durch den Widerstand, den
das Rädchen e beim Schneiden erfährt, verbunden
mit der Schnelligkeit des Umdrehens , würden ji und
B bald locker werden, e zu schwanken anfangen,
und einen breiteren und unsicheren Schnitt ma-:
eben. Um diefs zu verhindern , gibt man den Schrau-
ben J und B noch besonderts Stellmuttern gh, die
458
zum bequemen Anfassen mit eben solchen Rändern
versehen werden y wie a nnd b. Diese Muttern wer-
den^ wenn j4 und JB so gerichtet sind^ dafs die^und
e tragende Welle zwischen ihnen , willig und ohne
Spielraum zix haben , läuft , so fest als möglich ange-
zogen^ und die Schrauben j4 B können jeut nur
durch die gröfsie Gewalt^ und nicht ohne Beschädi-
gung der vier Schraubenmuttern zurück gedrückt
werden^ lassen sich aber leicht wieder verstellen,
wenn g und h nachgelassen wird. Bei solchen dop-
pelten Muttern müssen aber entweder die Gewinde
fein, oder aber die Muttern lang seyn, weil sonst
die Reibung nicht so sehr vermehrt wird , dafs die
Spindeln^ ohne die Stellmuttern zu öffnen ^ nicht ge-
dreht werden können.
Um zu verhindern 9 dafs eine Schraubenmutter,
in welcher sich eine Spindel oft hin und wieder be-
wegen mufs, nicht zu bald durch das dabei unver-
meidliche Ausreiben unbrauchbar , und der Gang der
Schraube unregelmäfsig werde^ wendet man verschie-
dene Mittel an, je nachdem die ganze Vorrichtung
stärker oder schwächer, und die Schraube einer
gröfsern- oder geringern Gewalt ausgesetzt ist. Eine
der gebräuchlichsten Vorkehrungen, um die Dauer der
Mutter zu verlängern, besteht in dem Zerschneiden
derselben. Taf. VIII, Fig. 17 ist eine Schraubenmut-
ter, welche an einer Seite mit einer Metallsäge auf-
geschnitten ist. Durch die Lappen o o gebt eine
Schraube n, mittelst welcher man die Mutter, wenn
sie sich erweitern und die Spindel in ihr Luft ha-
ben sollte, wieder zusammen pressen, und gleich-
sam verkleinern kann, indem sich ihre dünnen Wände
a a federn, und mithin der Schraube n nachgeben müs-
sen. Durch das Anziehen der letztern kann der Gang
der Spindel immer sehr genau erhalten, und die Mut«
ter viel dauerhafter gemacht werden. Dafs, wenn
%ie sehr lang wäre , statt einer Schraube zwei zum
459
Zusammendrücken des aufgespaltenen Theiles nöthig
'werden y versteht sich von seihst.
Wenn es die Umstände erlauben^ so kann man
die Mutter auch ganz aus einander schneiden^ auszvrei
Theilen hestehen lassen^ undheide Stücke a by Taf.
YIII^ Fig. i8^ durch zwei oder mehrere Schrau-
ben cc mit einander vereinigen. Diese werden^
im Verhältnifs wie die Mutter sich ausreibt y von Zeit
zu Zeit angezogen^ und stellen, die ursprüngliche
Genauigkeit wieder her.
Befürchtet man ^ es werden kleine^ nie ganz zu
vermeidende Unregelmäfsigkeiten der Spindel, Fehler
beim Gebrauch derselben zur Folge haben, woran
bei Mikrometer - Vorrichtungen u. dgl. oft sehr viel
gelegen ist y so kann man die Schraubenmutter eben-
falls zweitheilig machen, und unter eine, der zum
Zusammenhalten derselben bestimmten Druckschrau-
ben eine schwache Feder legen. Der bewegliche
Theil der Mutter wird dann bei jeder unrichtigen
Stelle der Spindel nachgeben, und die Fehler der
leutern ausgleichen. Taf. VIII, Fig. ao ist bc der
obere Theil der Mutter, welcher mit dem untern
durch zwei Schrauben verbunden ist , und also genau
an die Spindel anliegt.- Unter dem Schraubenkopfe
o liegt die Feder e, welche ausweichen, und so den
Gang der Spindel reguliren kann. Diese Vorrichtung
ist von der^eite Äc, inFig. ai derselben Taf. noch
besonders vorgestellt, und mit gleichen Buchstaben
bezeichnet. £s mufs übrigens bemerkt werden, dafs
diese Vorkehrung nur bei ganz feinen Instrumenten
getroffen werden kann, für stärkere Maschinen aber
nicht taugt.
Durch solche Mafsregeln wird die Mutter nicht
nur länger erhalten, sondern auch der sogenannte
leere Gang solcher Schrauben y die etwas führen
46u
l!Dussen , zum Theile vermieden. Man sagt , eine
Schraube gehe leer, wenn sie sich drehen l^ifst, ohne
auf die Muiter zu wirken, und die mit ihr verbunde-
nen Theile fort zu schieben. Oft kann man eine
solche Schraube ^ bis ^ eines ganzen Umganges ma-
chen lassen, ohne dafs sie die Mutter bewegt, und
die Ursache davon ist keine andere, als weil die letz-
tere sich abgenützt und so erweitert hat ', dafs die
Spindel erst nach einiger Zeit in ihr angreift ^). Der
Erweiterung, in so fern sie von dem häufigen Ge-
brauch und der blofsen Reibung zwischen Spindel und
Mutter herkömmt, kann durch das Zerschneiden der
letztern wohl abgeholfen werden ; allein bei Leitspin-
deln u. dgl. kommen noch einige schädlicher wir-
kende Ursachen hinzu. Diese Spindeln sipd selten
ganz vollkommen gerade , sondern steigen fast immer
mehr oder weniger. Wenn sie aber auch wirklich
diesen Fehler nicht hjitten , so ist es doch unmöglich)
sie beim Einlegen in die Zapfenlager so zu zen-
triren, dafs sie ganz genau mit der Bahn des Sup-
portes parallel seyn sollten. Im Augenblick, wo die
Leitspindel steigt, wirkt sie stärker auf den obern
Tlieil der Mutter, eben so, wenn das zu führende
Stück an einigen Stellen seiner Bahn schwerer gebt
Endlich fallen noch alle Stöfse und Erschütteruiif^en,
denen der Drehstahl bei der Arbeit unvermeidlich
durch den Widerstand des Materials ausgesetzt ist,
zuletzt auf die Mutter der Leitspindel. Sie wird
durch alle aufgezählten Ursachen sehr bald so erwei-
tert, dafs man sie durch eine neue ersetzen mu(s.
Indessen kann man auch hier helfen, indem man
die Mutter nicht unbeweglich fest mit den Stücken
verbindet, die sie fuhren soll. Taf. VIU, Fig. ^^>
*) Der leere Gang beträgt aucli manchmahl eine ganse Umdre*
huiig oder mehr, dann aber hat die Mutter 8o sehr gelitten^
4ars sie der baldigsten Nachhülfe bedarf.
46i
ist F ein am Haupttheile einer Drehvorrichtung \^e^
fesdgtes Stück y auf welchem — ebenfalls mittelst ab*
geschrägter Flächen aufgepafst — N durch die Leit-
s{3iQdeI D geführt werden soll. Letztere ist wie ge-
wöhnlich so eingelegt^ dafs sie sich blofs rund dre-
hen kann , also die Mutter P nothwendig schieben
mufs. Diese ist an N bei a angeschraubt^ allein he\x
so dünn ausgearbeitet, dafs sie sich federn, und da-
her etwas nachgeben kahn, wenn*/> nicht vollkommen
rund laufen sollte. Die Feder bei x, die in diesem
Falle, so wie die ganze Schraubenmutter, von Eisen
seyn mufs, bricht auch zugleich alle Stöfse und Er-
schütterungen, die etwa auf iV wirken sollten. Pist
endlich auch noch aufgespalten, und mit der Druck-
schraube c versehen, so wie Fig. 17, Taf. VIII.
■
Diese Einrichtung ist bei einem zum Abdrehen
bestimmten Support, wo die Führungsschraube nie
sehr lang ist, vollkommen genügend, besonders weil
sie die nachtheiligen Wirkungen heftiger Erschüt-
terungen fast ganz aufhebt, und dabei wenig Raum
einnimmt. Bei einer langen, nicht ganz geraden
Spindel aber kann die Feder x dennoch nicht genug
nachgeben^ weil sie bei a angeschraubt ist. Für
diese Fälle, z. B. fiir die, Taf. VIII, Fig. 1, gezeich-
nete Maschine, ist folgende Einrichtung zu empfeh-
len. Taf. VIII, Fig. 18 zeigt die Art und Weise, wie
die Mutter P der Leitspindel D mit dem Fufsc des
Supportes N (der zwischen den auf dem Gestelle G G
festgeschraubten Leisten FF bewegt werden soll)
in Verbindung zu bringen ist. P ist nähmlich mit N
nicht ein Stück, sondern an N sind auf der untern
Seite zwei starke eiserne Stifte (von denen, da sie
in einer Linie stehen, nur einer, x, in der Zeich-
nung sichtbar ist) eingenietet, welche in zwei in der
Mutter beßndliche Löcher gehen. Zwischen der
obern Fläche der letztem und der untern des Schie-
bers ist so viel Raum , dafs die Mutter sich etwas he-
4621
ben nnd iehkea, und auch nabb beiden Seilen wen-
den i^anfi^ wenn die Spindel oder die Bahn des Sdiie-
bersiV nicht vollkommen gerade seyn sollten. Da-
mit die Seitenbewegung möglich werde ^ sind die Lö-
cher ^ in welche die Zapfen (jc) reichen ^ etwas oval,
und diese haben daher nach beiden Seiten Spielraum.
Nach der Länge der Mutter aber müssen sie an die
Löcher genau anschliefsen, damit' durch das Gegen«
theil nicht D leer gedreht werden kann, bis die Stifte
an den Löchern anstünden« Die perspektivische An-
sicht! der Mutter, Taf. VIQ, Fig. 19, zeigt nicht nur
die Form der Löcher nn, sondern auch noch eine
Feder o, welche, wenn sie auch nicht unumgänglich
nöthig ist, doch den Nuuen hat, dafs sie die Mutter
fortwährend und bei jeder ihrer kleinen Abweichun-
{;en an die Spindel andrückt. Durch diese vorzüg-
iche Einrichtung wird' nicht nur die Mutter geschont,
sondern das Leergehen der Spindel möglichst verhin-
dert. Es ganz zu vermeiden , ist aber eben so un-
möglich , als Spindel und Mutter so einzurichten, dais
ihre beiderseitigen Gänge mathematisch genau in
fortwährender Berührung bleiben.
VIII.
über die Verfertigung damaszirter SäbeL
klingen, nach der Methode des Herrn Pro-
fessors Anton CrivellL
Von
Karl K arm ar s c h,
Assistenten des Lehrfaches der Technologie am ]i. Ic.
polytechnischen Institute.
(Mit Zeichnungen auf Taf. m«, Fig. i — 6, und fiänf
Stahlabdrücken *).
Im dritten Bande dieser Jahrbücher ^ Seite 433
bis446^ befindet sich eine ^ im Auszuge gemachte freie
*) Die Figuren 1,4«^ und 6, auf der dritten Tafel , sind Nach-
bildungen der Hauptarten des CriVe/Ztschen Damastes, in
60 fern sich dieselben durch eine radirte Zeichnung geben
lassen* Es macht mir ein Vergnügen , noch aufserdem auf
einem besondern Blatte getreuere Kopien , in mit Hülfe der
Hupferdruckerpresse von den Stahlplältchen selbst gemachten
Abdrücken , beilegen xu können. Die Leser verdanken sie
der xuvorkommenden Güte des Herrn Professors CriWi/t, der
auf meine Bitte die erforderlichen Stahlmuster bereitwillig
übersandte. Zur cenauen Erläuterung des Aufsatzes wer»
den diese Abdrücae sehr dienlich seyn. Was auf ihnen
weifs erscheint , ist auch auf dem Stahle weifs und glänisend»
während die schwarten Stellen hier matt und dunkelgrau
erscheinen. Um mich leicht darauf bexiehen zu können,
habe ich die fünf unter einander befindlichen Abdrücke mit
sehr bemerkbaren schwarzen Punkten in einer Ecke bezeich*
nen lassen. — Die Idee , Abdrücke unmittelbar von damas-
zirtem Stahl zu machen , scheint zuerst in Prankreich gefalst
worden zu seyn. Dem November - Hefte von i8a2 der Jin-
464
Übe^etEung des von dem Herrn Professor Crwelli
in Mailand über den in der Überscbrift genanntea
Gegenstand verfafsten Werkebens. Jener Aufsau
.enthält eine Prüfung der bisher zur Verfertigung des
daniaszirten Stahles vorgeschlagenen Methoden , und
eine Beschreibung der von Herrn Crwelli zu demsel-
ben Zwecke angestellten Versuche^ die^ wie jeder
Unparteiische gestehen mufs , mit einer riihmlichea
Umsicht und Sachkenntnifs vorgenommen sind. In-
dessen ist do>ch das erwähnte Werkchen zu einer
Zeit erschienen^ wo Herr Crwelli mit seinem Gegen-
stande noch nicht vollkommen im Reinen war y und
es konnte daher auch hauptsächlich nur eine Andeu-
tung dessen enthalten^ was seither durch das Genie
des Verfassers auf eine so höchst interessante Art
ausgebildet worden ist.
Die Eigenthümlichkeit des von Herrn Criveüi
nales de l Industrie liegt ein Abdruck von C/oir^/'scheiii
Damast bei. Molardx der mit Clouet gemeinschaftlich a^
beitete, schlägt dereleichen Fae simiUt vor, um das Pa-
piergeld unnachahmlich ru machen. Kann aber nicht ein
geschickter Hupferstecher diese Abdrücke, wenigstens für
eine oberflächliche Betrachtung, täuschend nachmachen?
Und ist ein Erkenntnifsmittel , welches sich auf Ai^//M Merk-
. mahle gründet , wohl sicher su nennen ? — Hier mufs auch
die sinnreiche Idee des Herrn von Widmannttädten tn iVien^
Abdrücke von mit Scheidewasser geätstem Mete^reisen tu
verfbrtigen , berührt werden. Dieser 'glückliche Versuch,
welcher vielleicht sur Entstehung der fran/^ösischen Stahl-
abdrücke Gelegenheit gab , wurde sehr früh durch Ilerra
von Widmamtstädien sur Ausführung gebracht, und ein
solcher, von der bekannten Elnbogener EUenmaste mit
Druckerfarbe gemachter Abdruck, ist dem durch Herrn Ritter
von Schreibers t Direktor des k. k. Naturalien - Uabinettes«
herausgegebenen Werke über Meteormassen ( Beitrage ^vlc
Geschiclite und Henntnifs meteorischer ^tein- und Metall'
massen. IVien 1810, Fol. mit zehn Tafeln ) beigelegt. In
einem Umstände sind jedoch die Meteoreisen- Abdrücke von
' den Abdrücken des damasjsirtcn Stahls verschieden. Bei
Jenen ist nähmlich der nach dem Ätzen hoch stehen blei'
bende Theil eingeschwärzt und abgedruckt , während man
diese ganz wie Abdrück« von einer gestochenen Hupfer«
platte verfertigt«
465
^rfundeneh Verfahrens, machte die HerLeischafilin^
einiger hiernach verfertigten Klingen tur allgemeinen
Ansicht ^ünscbenswerth, u^d auf eine an ihn ergan-
gene Aufforderung, übersandte derselbe nirht nur
sechs Mustersäbel, welche zugleich mit mehreren
anderen, im kaiserlich königlichen Münzhause zu
Mailand verfertigt worden waren , sondern auch eine
detaillirte Beschreibung der dabei beobachteten Ver*-
fahrungsärten. Die erwähnten Klingen sind im Fa-
briksprodukteh- Kabinette des polytechnischeti Insti-
tutes aufgestellt; diit Beschreibung aber. Welche Se.
Exzellenz der Herr Präsident der hohen k. k. Kom-
merz-Hofkommission zur Benutzung für diese Jahr-
bücher'gnädigst mittheilte, ist die Häuptquelle desr
praktischen Tbeiles voti nachfolgendem Aufsatze, wel-
chem ich übrigens auch die Resultate einiger, auf
höheren Befehl in Wien angestellten, vollkommen
gelungenen Versuche einterleibt habe. Da die Be-
söhreibung des Herrn Cfivelli vieles Neue enthält,
was auf eine schickliche Art mit dem schon Bekann-
ten in Verbindung gesetzt Werden mufste,' so wird
man sich gern die wenigen Wiederhohlungen gefallen!
lassen, die, der Natur der Sache nach, unvermeidKci|f
wafren.
i) Da^ Material, aus welcher^ Herr Cri^elli seine
Säbel verfertigen läfst, ist guter Stahl, von der Sorte/
die unter dem Nahmen BU.lhauer- Stahl (^Acciajö
da scultore) in der Gegend um Brescia erzeugt
wird. Die Stangen dieses Stahls , welche achteckig
und beiläufig \ Zoll dick sind/ werden in einer nicht
ganz an das Weifsglühen reichenden Hitze y durch
Schmieden in Blcchstreifen verwandelt, die bei einer
Dicke von ^ Linien ( Wiöner Mafs) ij Zoll breit
sind. Jene Stücke^ welche ^ich während der ilrbeit
unganz .zeigen sollten, müssen beseitigt werden, weil
sie aufserdcm der Güte und äufsern Schönheit der
9iihrb. des polyt. Indt. IV. Bd. '3o
466
Klingen Eintrag thun würden. t[berhaupt mnfs man
a^fich während der ganzen noch folgenden Bearbeitung
Ungänzen so viel möglich zu vermeiden suchen, eine
Vorsicht 5 die hier nöthiger ist^ als in irgend einem
andern Falle.
a) Die erhaltenen Bleche werden mit Eisendraht
von gleicher Dicke (^ Linien) dergestalt umwickelt,
dafs zwischen zwei einzelnen Windungen immer ein
Zwischenraum bleibt^ der drei Mahl so grofs ist, als
die Dicke des Drahtes. Das Eisen bedeckt demnach
heiläuflg ^ der ganzen Oberfläche. Um die Quanti-
tät dieses 'Metalles zu vermehren, hat man nur nöibig,
die Windungen näher an einander zu legen. Wie
wir aber in der Folge (i3) sehen werden, ist das
Mengenverhähnifs . zwischen beiden Metallen ( Siahl
und Eisen) keineswegs gleichgüliig^ sondern hat we-
sentlichen Einflufs auf die Güte der Klingen.
3) Diese umwickelten Bleche erhitzt man bis
nahe zur Weifsglühhiize*), und schlägt sie vorsichtig mit
einem grofsen Hammer auf ihrer breiten Fläche. Da-
durch wird der Eisendraht nicht nur flach gedrückt,
sondern er dringt zugleich auch, um beiläufig den
drillen Theil seiner Dicke, in das Blech ein. Di®
Erfahrung hat Herrn Crivelli gelehrt, dafs, ungeach-
tet der Draht in der Hitze schneller weich wird, als
der Stahl^ er sich doch nur dann durch die Hamnier-
schläge breit quetscht ^ ohne in die I^icke des Ble-
ches selbst einzudringen , wenn er im Vergleich mit
dem letztern zu dünn ist.
' Um den Yorlheil Aes Flachhammerns einzuse-
•
*J Bei dem oft wicderhoBlten Glübcriy Seliinieden und Schweis-
«cn der Masse würde «a scbr unzweclimärsig scjn , ihr jede»
Mahl eine groPse Hitxe zu geben , wodurch der Stahl ')>"'
zu bald dem Verbrennen ausgesetzt, und bedeutend vci*
schlechten werden würde.
407
heh, mufs man bedenket ^ dafs' eine Säbelklinge nicht
leicht zerbrechlich seyn darf^ und eine feste und gute
Schneide haben mufs , welche nicht verdorben wird^
wenn man sie gegen harte Körper schlägt^ und welchö
doch zu gleicher Zeit weiche und nachgiebige Sub-
stanzen ohne Anstand durchschneidet. Wenn man
daher jetzt betrachtet^ dafs der um das Stahlblech
gewickelte Eisendraht in dasselbe vertieft ist ( und
äßwar auf beiden Seiten schief^ doch in sich durch-
kreuzenden Richtungen)^ und es dem zu Folge nach
der Breite (d. h. in der Richtung^ iii v^elcher die
Klinge jedes Mahl zu brechen geneigt ist) unterstützt
imd befestigt; so wird man sich leicht überzeugen^
d,afs das Eisen hier auf die vortheilhafteste Art beige-
mischt ist^ um das Brechen der Klingen zu verhin-
dern. Und weil man in der Folge alle an beiden Kan-
ten dieser umwickelten Bleclistreifen hervorstehenden,
XJmbiegüngen des Eisendrahtes wegschafft^ so wird
das mittlere Drittel der Blechdicke/ welches gan]?
Stahl ist^ entblöfst; und die Klingen behalten dem-
nach eine gute Schneide^ die aber mehr Festigkeil;
hat^ als die Schneide eines gewöhnlichen Säbels; weil
der schneidende Theil auf beiden Seiten von dem
Eisendrahte gehalten^ und vor dem Ausspringen ge^
sichert wird.* ^
Die Anwendung eines Bündels von abwechseinf-
den Stahl- und Eisenblech- Streifen, oder von Stan-
gelchen beider Metalle ( wie sie Clouet vorgeschlaf-
gcnhat, s. diese Jahrb. Bd. III. S> 4^3), macht die
Konsistenz der Schneide unsicher y denn diese k:mn
auch wohl ganz von Eisen icyn, wenn sie beim
Schleifen zufällig auf ein Eisenblech kommt. ^ Dieje-
nigen y welche glauben y dafs durch das Zusammen-
drehen solcher Büschel' dem Übel abgeholfen werde,
irren sich ; denn , obgleich dieses Verfahren in allen
europäischen Fabriken, wo damaszfrte Klingen ver-
fertigt werden^ eingeführt ist, so wird dadui^h der
3o*
468
Nachtheil nur vergröfsert. Durch das Zusammendre-
hen werden nähmlich die Theile in eine solche Ord-
nung gebracht^ dafs auf der Schneide abwechselnd
Stahl und Eisen neben einander liegen müssen. Die
schlechte Beschaffenheit solcher Klingen saU auch
Clouet so wohl ein, dafs er sich gezwungen fand,
seine Säbel auf der Schneide zu verstählen*).
4) Man nehme 18 bis 20 umwickelte und flach
gehämmerte Blecbe von einer Länge zwischen sieben
und acht Zoll, lege sie auf einander, umwinde sie
mit Eisendraht, und bilde daraus durch ^chweifsen
und Schmieden im Gesenke eine eilf Linien breite, in
-der Mitte 5, an den Enden aber nur 3j Linien dicke
iStangc. Diese liefert zwei Säbelklingen von gewöhn-
licher Form und einmahliger Bearbeitung, Den
Damast, der auf solchen Klingen nach dem Beitzcn
erscheint, und welcher aus grofsen, in die Länge ge-
zogenen Flecken und Linien besteht, nennt Herr
\Cvi\felU natürlichen Damast. Fig. i , auf Taf. W?
gibt eine beiläufige Vorstellung davon. Säbel dieser
Art liaben zwar keine sehr schöne Zeichnung; aber
sie kommen, da ihre Bereitungsart sehr einfach ist,
aufserordentlich wohlfeil zu stehen , und könnten da-
her vielleicht mit V^ortheil für die Armee gebraucht
werden.
5) Verlangt man einen feineren Damast, so wird
die von der ersten Bearbeitung herkommende, 2^
*) Das ist doch wohl auch bei den türliischen Klingen der
Fall, die aus einem Stahlblech zu bestehen scheinen, ^^'
welches zu beiden Seiten ein dünner Streifen von Dam^^^
aufgelegt ist. Wenigstens hat ein im Fabriksprodul(tcn* H^'
binette des polytechnischen Institutes befindliclicr orienlnli-
scher Säbel ganz dieses Ansehen , so wie auf der gescld'^*^'
iien Schneide desselben durch Beitzen mit Scheidet^ asscr
nicht die mindeste Spur eines Damaslcs hervor grbracMt
werden konnte, übrigens widerspricht diese Erfahrung ^Icf
Behauptung des Herrn Crivelll , dafs auch die Schneide der
türkischen Säbel damaszirt sry.
409
einer gleichen Dicke von 2 Linien ausgehämmert^^
Stange in 7 Tbeile zerschnitten, diese schweifst man
hierauf zusammen , und bildet daraus eine der vori-
gen ganz gleiche Stange von zweimakliger Bearbei-
tung. Durch das Zusammenschweifsen der erwähn-
ten 7 Stücke ist die Zahl der die Stange konstitiri-
renden Blätter bis auf (7X i8) 126 oder (7X20)
i4o vermehrt worden ; und durch das Ausschmiedeu
zur vorigen Dicke sind diese Blätter sieben Mahl
dünner und feiner geworden, als sie Anfangs waren.
Beide Umstände bewirken daher begreiflicher Weise
eine Verfeinerung des Damastes, der nun schon viel
schöner und zarter ausfällt, ungeachtet er noch in
seiner Form. keine wesentliche Änderung erlitten hat.
Der obere, in der Ecke mit einem schwarzen Punkte
bezeichnete Abdruck auf dem beiliegenden Blatte
gibt einen deutlichen Begiiff hiervon.
Man mufs, um der Schönheit der Klingen nicht
zu schaden, sorgfältig darauf achten, dafs die durch
das Schweiisen zu verbindenden Flächen von Oxyd
( Glühspan ) frei seyen ; dafs die Stücke wenig auf
ein Mahl ^ und ilur stufenweise erhitzt werden; und
dafs die Erde , deren man sich zum Schweifsen be-»
dient, recht trockener Thon, keineswegs aber Sand sey.
G) Die ( 5 ) beschriebene Operation könnte man
oft genug wiederhohien, ohne dafs man eine wesent*
hebe Abänderung in den Zeichnungen des Damastes
hervor zu bringen vermöchte. Das Gemenge aus Ei»
8cn und Stahl würde nur immer inniger, und somit
der Damast zuletzt ganz unmerklich werden. Defs-»
wegen hat Herr Crwelli eine sehr scharfsinnig aus-
gedachte Methode angegeben, wodurch man die
Zeichnung der Klingen nach Belieben zu modifjziren
im Stande ist. Sie besteht in Folgendem. Man nimmt
die von der ersten (4) oder zwe^ien (5) Bearbeitung
erhaltene Stange, und maclit mit einer runden Feile
470
auf Leiden Flächen derselben ( entweder senkrecbt
flach der Quere, oder nach Beheben auch schiel)
))albrunde Rinnen bis auf den dritten Theil der Dicke
jder!Siapge; dergestah, dafs die Rinnen der einen
Fläche den Zwischenräumen zwischen den Rinnen
der andern Fläche gegenüber stehen. Die Zeichnung
(Taf. 111, Fig. a ) wird jeden Zweifel über. die Ge-
stalt einer auf diese Art bearbeiteten Stange heben.
Man sieht, dafs hier auch die bei aa gewesenen £k-
ken abgerundet sind, weil sie sich sonst bei dem
nachfolgenden Schmieden überlegen, und üngänzen
verursachen könnten. Zur Erleichterung der Arbeil
]s.ann man sich auch eines runden Meifsels bedienen,
und die Einschnitte nur zuletzt nachfeilen.
^ ) Bei der auf die beschriebene Art behandel-
ten Stange sind die parallel liegenden, vorher durch
das Schweiften verbundenen Blätter an regelmäfsig
geordneten Stelleu so durchgeschnitten, wie man aus
der Zeichnung ersieht, in welcher die Blätterlagen
flurch gerade gleichlaufende Linien angedeutet sind
Die Stange wird nunmehr bis zur hellen Kirschfarbe
glühend gemacht, und auf dem Ambofse mittelst eines
grofsen flachen Hammers geschlagen. Dadurch be-
wirkt man ^ dafs die höher liegenden Theile nieder«
gedrückt werden , dafs alle ganz gebliebenen (durch
das Einfeilen nicht ^erstückten ) Bleche sich schian-
genförmig winden ("wie man das auf dem Rücken
der fertigen Säbel deutlich wahrnimmt, und 'wie es
in Fig, 3 gezeichnet ist); und dafs alle jene^ die
durch die Feile zerstückt worden sind, mit ihren
Bändern rosenartige Zeichnungen bilden , welche aus
vielen konzentrischen, wellenförmig begränzten Ellip-
sen bestehen, und in der Mitte mit mehr oder weni-
ger grofsen länglichen Flecken versehen sind*). Fig. 4
^) Ich J<ann Wer nicht timbüi , efnen Fall an^.iiführen , dcrw'
dem obigen viel Ähnlichkeit hat, und ihm viclleiihl '^
4?!
•
ist eine Abbildung dieses Damastes^ welchen Herr
Crivelii Rosetten- Damast nennt. Unter den von
ihm eingeschickten Säbeln beßndct sich einer^ der
auf diese .Weise, und zwar . aufserordentlich schön
gezeichnet ist. Die Einschnitte sind hier schräg auf
die Stange angebracht worden. Wie die Zeichnung
ausfälhy wenn dieses nicht geschieht , kann man aus
dem Abdrucke eines vortrefHich gerathenen Stückes
beurtheilcn^ der auf dem angefugten Blatte der zweite
in der Ordnung^ und mit zwei Punkten bezeichnet
ist. Bei dem Originale des Abdruckes Nro. 3, ist
f wahrscheinlich durch nachheriges Schmieden) die
Gestalt der äufsersi zarten und feinen Zeichnung etwas
modifizirt. — Die in -einander liegenden elliptischen
Linien des Rosetten - Damastes werden desto zahl-
reicher und feiner, je gröfser die Anzahl und je ge-
ringer die Dicke der Blätterlagen in der verwendeten
Stange gewesen ist; um daher einen feinen Damast
zu erhalten , mufs man die von der zweiten Bearbei-
tung (5) herkommende Stange dazu wählen. Da-
durch, dafs man die Richtung der Einschnitte verän-
dert, hat man, wie wir schon gesehen haben, auch
eine gewisse, obwohl geringe Modifikation der Zeich-
nung in seiner Gewalt. Doch mufs man immer darauf
sehen, dafs die Rinnen der beiden Flächen einander
nicht gegenüber kommen, weil dadurch nicht nur
der Hauptzwec*%, nähmlich die schlangcnförmige Bie-
gung der inneren Blätter ( welche die Festigkeit der
Klingen gar sehr befördert), verfehlt, sondern auch
die Schönheit der Zeichnung um Vieles vermindert
würde.
Erlfititening dienen ](ann. Das iingarisclie geflad^^rte Eschen-
holt r.eigt nahmlich ebenfalls eine Lage der Fasern, dio
jener in Fig. 3 gezeichneten ganz« gleich kommt ^ und wird
dasselbe in einer gewissen I\ichtung gcvsrhnilten , so erhält
es ebenfalls wellenlörraige und ellipMscIie Spiegel , die den
Figuren der Crivellischcn Säbel gleich kommen. Mir scheint
der 1an^ beltanntc Anblick dieses Itul/.es sehr geeignet ^ da$
Versieben des oben Gesagten zu erleichtern.
47^ .
8) Man Kann sich Icicbt ül;)ei:zeugen , dafs-die
pach der eben beschriebenen Methpde auf den Klin*
gen hervor gebrachten Zeicbnungen bis zur volL-
kommenen Abnutzung der ersteren dauern müssen;
weil die Lage der Eisen - und Stahjtbeile gegen ein-
ander; so wie die Lage d^r einzelnen Blätter, durch
die ganze Masse gleich ist. Herr Crwelli hat sogar
bemerkt^ dafs der Damast um so feiner wird, je dün-
ner man die Klingen durch wiederhobk&s Abschlei-
fen macht. Als Beispiel führt er einen von ihm ein-
gesendeten Säbel an. Man bemerkt an- diesem auf
beiden Seiten grofse weifse, fast leere Flecken, die,
versichert Herr Crwelli, nach mehrmahligem Ab-
schleifen eben so schöne Zeichnungen erbalten wcrr
den, als die übrigen Theile dieser Klinge schon jcm
)>esitzen.
q) Das Einschneiden und nachfolgende Flach*
hämmern der Stangen trägt übrigens nicht nur zur
Schönheit des Damastes bei, sondern auch zur Festig-
keit der SäbelMingen, indem dadurch die Blätterla-
^en derselben eine sehr zweckmäfsige Lage bekom-
men, ^m das Abbsechen bei einem heftigen Wider-
stände zu erschweren (7). Herr CrhelU bemerkte
an vielen orientalischen Klingen, die er in ffl.en vx
3ehen Gelegenheit hatte, deutlich die Spuren der
pben beschriebenen Einschnitte, ile^n Tauglichkeit
zur Hervorbringung der gewünschten Zeichnungen
ihm zuerst bei der langen und aufmerksamen Betrach-
tung eines acht persischen, in Konstantinopel ange-
kauften Deiches klar wurde. Die Orientaler bedienen
sich, nach ^Aervn CrwelWs Meinung, vielleicht die-
ser Methode manchmahl nach dem Zusammendrehea
4er Stangen.
10) Da es bei dem (6 und 7) beschriebenen
Verfahren überhaupt nur darauf ankommt, dafs ein
Theil der auf der Oberfläche befindlichen Blätter
473
entfernt^ und dun^.h andere^ aus dem Innern der
Stange, wieder ersetzt v^ird; da sich ferner dieser
Zweck auf mancherlei Art erreichen Jäfst: so ist
auch schon das Mittel gegeben, durch wjelches man
die Zeichnungen des Damastes zu einem hohen Grade
der Mannigfaltigkeit bringen kann. Eben so sieht
man jet^t den grofsen Vorzug, welchen das Verfah-
ren des Herrn Crwelli vor dem sonst durchaus ge-
bräuchlichen Zusammendrehen hat, Diese letzte
Methode ist auf jene Formen der Zeichnungen be-
schränkt, wel(^he aus der Schraubenlinie entstehen*^);
das Verfahren des Herrn Crwelli hingegen kagin eine
fast unendliche Menge abgeänderter Zeichnungeft
hervor bringen, deren Verschiedenheit hauptsächlich
durch die Art, wie die Blätterlagen des Innern jenen
auf der Oberfläche substituirt ( und wio- demnach die
durchgeschnittenen Kanten der letztern zum Vor«*
scheine gebracht) werden, bedingt ist,
ii) Um einen sehr schönen, bis zur Abnützung
von zwei Drittheilen der Säbeldicke dauernden Damast
auf eine leichte Art zu erhalten, verfahre man folgen«"
der Mafsen.
In den vordem flachen Theil (die Bahn) eines
Hammers werden, auf eine Tiefe von zwei Linien,
beliebige Zeichmingen eingegraben^ z. B. runde Lö-
cber, wie Herr Crivelli es machte. Man nimmt
dann eine durch ein - oder zweimahlige Bearbeitung
erhaltene, die (5) angegebenen Dimensionen besit-
zende Stange , macht sie bis zur hellen Kirschfarbe
glühend, legt sic>auf den Ambofs, und setzt den Ham-
mer darauf, auf den man endlich mit grofser Gewalt
Schläge führt. Durch dieses Verfahren wird das Me-
tall gezwungen, die Vertiefungen des Hammers (der
*) Ich prsiicbe , Mcrübcr das nachysuicsen , was im Bd. III dic'
scr Jahrbücher, Sr4^9 — 44* « ßcsagt worden ist.
474
nichts anders als eine Art Gesenk ist ) auszufüllen, so,
dafs auf der Fläche der Stange gewisse Hervörragun-
gen entstehen y welche der in den Hammer eingegra-
benen Zeichnung entsprechen. Ist diese Arbeit auf
einer Seite der Stange vorgenommen^ so schafft man
die Hervorragungen* durch die Feile oder den Schleif-
stein ganz wieder weg. Denselben Operationen wird
die andere Fläche der Stange unterworfen. Endlich
schmiedet man die Klingen daraus^ welche beim Beit-
-zen ganz mit kleinen , aus konzentrischen Linien zu-
sammen gesetzten^ und zum Theil mit feinen^ nach
der Länge laufenden Streifen vermischten Zeichnun-
gen bedeckt erscheint. Die Gestalt dieser Zeich-
nungen richtet sich, begreiflicher Weise, nach der
Form der in dem Hammer befindlichen Vertiefungen,
ungeachtet sie durch das Schitfieden noch etwas ver-
ändert werden,
Fig. 5 (Taf.. ni) gibt eine beiläufige Vorstel-
lung eines Damastes, zru dessen Hervorbringung blofs
runde Löcher in das Gesenk gegraben waren. Durch
Ausstrecken mit dem Hammer, und durch wieder-
hohltes Abschleifen der Klingen , verändern diese
Zeichnungen allmählich ihre Gestalt : die konzentri-
schen Ringelchen werden gröfser, und die Längen-
Dimension wird im Ganzen vorherrschend, weil im-
mer mehr von dem natürlichen Damaste des mittle-
ren Drittels der Dicke entblöfst wird. Auf diese Art
erhält man einen Damast von solcher Gestalt, wie ihn
der mit vier Punkten bezeichnete Abdruck auf dem
beiliegenden Blatte zeigt. Ganz verschwinden kstna
der Damast nie vor der gänzlichen Zerstörung des
Säbels, weil im äufsersten Falle der dem Gemische
eigenthümliche natürliche Damast (4) zurück bleibt.
Man kann das erwähnte Eindri'icken der Stangen
auch kalt vornehmen, wobei man sich eines beliebig
gestalteten Meisseis bedient. Der auf diese Aft er-
475
haltenc Damast ist, ,wie Herr Cri^elli meint, viel-
leicht beständiger, als jener,, den man in der Glüh-
hitze bereitet; aber ein solches Verfahren wird im
Grofsen nur schwer allgemein anzuwenden seyn,
weil dazu eine im Führen des Meisseis sehr geübte
'Person erfordert wird. Herr Crwelli hat sich für
diesen Fall eines Feilenhauers bedient. Hingegen
wird die Bearbeititi>g der Stangen im glühenden Zu-
stande leicht im Grofsen ausgeübt werden , weil man
sich eines förmlichen Gesenkes bedienen, und so
beide Fläohen zugleich bearbeiten \dLnn,
in) Das von Herrn Crwelli fiir die Hervorbrin^
gung des Damastes aufgestellte Prinzip ( lo) be-
schränkt sich keineswegs auf die bisher beschriebe-
nen Yerfahrungsartea, sondern ist noch einer weit
ausgedehntem Anwendung empfänglich. Man kann
im Allgemeinen behaupten, dafs jedes Verfahren,
wndurch den Thcilen im Innern der Stange eine ver-.
änderte Lage gegeben wird , eine besondere Art des
Damastes hervorbringen müsse. So wäre es z. B.
möglich, auf der Oberfläche der Stangen mittelst
Gesenken äufserst verschieden geformte Erhabenhei-
ten anzubringen, durch das Wegschleifen derselben
•die darunter befindlichen Stellen zu entblöfsen, und.
auf diese Art die Zeichnungen des Damastes mannig-
faltig 2u piodifiziren. Es unterliegt keinem Zweifel,
dafs man durch dieses Verfahren selbst im Stande
seyn wird , Buchstaben und andere willkürliche Züge
zu erhalten, welche beim Abschleifen und neuerli-
. chen Beitzen des Stahls immer wieder zum Vorscheine
kommen *), Man könnte eben so eine flach geschmie-
*) Wciclien Verfahrens - französische I^ünstler zu dcTD.selben
Zwcckn 'Av\\ bedienten , ist un'trlannt. ^Degrand ' Gurgey
in Marseille hat {Bulletin de la SocUi^ pour r Encouraget
ment de l Industrie nationale^ 1821 , p. 4^) ^^^ Aufmun-
terunj^s -<'>escI1schan XU /'ar/j eine Klinge mit Buchstaben
vor^cle^t. Der TVJihiniiche verferligtc ein ovales, 34 Milli-
meter langes Medaillon von dainabsircüm Stahl , mit dem
476
dete Stange verschiedentlich ki^iinimen , und sie vor
dem Ausbilden zur Klinge durch Schleifen oder Fei-
len 'wieder ebnen ^ u. s. w. >
i3) Die Härte ^ welche man den damaszirten
Klingen zu geben im Stande ist, hängt von der Qua-
lität des Stahles und von der verhält nifsmäfsigca
Menge des mit demselben vermischten Eisens ab. Es
ist daher nöthig, besonders die letztere^ durch wie-
derhohke Erfahrungen geleitet^ fest zu setzen. Klin-
gen, die aus einem Theile Eisen und zwei Thcilcn
Stahl bestehen, mache man, Herrn CrwelU zu Folge,
glühend, tauche sie in kaltes Wasser, und bediene
sich ihrer in diesem Zustande. Einer der eingeschick-
ten Säbel ist auf diese Art gehärtet. Klingen, bei
denen das Eisen nur den vierten Theil der Miscbiing
bildet, können durch das eben angegebene Verfahren
ganz hart gemacht, dann aber bis zur Annahme der
himmelblauen Farbe wieder nachgelassen werden *)•
i4) Um das Hervorkommen des Damastes zn be-
wirken, legt man die polirten, und durch Abreiben
mit Kalk von allem Fett befreiten Klingen in eine,
aus HO Theilen Wasser und i Theil Salpetersäure
zusammen gesetzte Beitze, und läfst sie beiläufig i^
bis 20 Minuten in derselben. Beim HerausnehnicQ
4
Portraite des Königs von Frankreich. Dieses Medaillon
Keigt sich auf seiner untern Fläche grob, oben hint^egcn
(wo das Portrait ist) sehr fein moirirt ( dainasisirt ). 1^<^^
BiidniCs seihst durchschneidet alle Zxi^e des Damastes, u"/^
unterscheidet sich durch seine wcirsliche Farbe, so wio.
durch ein körniges Ansehen — Nacli dieser Beschreibung
kann man zwar liein Urtlieil fällen; doch läfst sich fast ver-
muthen , dieses Bild sey durch einen , von der Dnmassirung
ganz verschiedenen ProzeÜs in den Stahl hinein gebracht.
•) Die orientalischen Arbeiter bedienen sich , wie aus oinfr
Nachricht des englischen Konsuls in Aleppo , Herrn Barktr
{Bulletin i8ai , p. 36o ), hervor zu gehen scheint, f-^^
Härten der Klingen einer Mischung aus gleich viel Scsamöbl)
Hammeltalg» Jungfernwachs und Steinöhl,
• 477
wischt man sie unvollkommen ab^ und läfst sie dann
von selbst ganz trocknen. Zuletzt reibt i^ian sie mit
einem von Baumöbi durchdrungenen Tuchlappen. Da
das säuerliche Wasser^ indem es die Oberfläche der
Klingen oxydirt, in geringer Menge zersetzt wird,
und dabei die Entwickelung von kohlenstofihältigem-
Wasserstoffgas verursacht , welches Gas dort, wo es
in kleinen Bläschen sich an die Klingen hängt, die
Einwirkung der Beiize auf dieselhen verhindert, so
entstehen auf den Flächen der Klingen viele weifse
Punkte , die mar auch an einem der eingeschickten
Säbel deutlich bemerkt. Um diesem Fehler abzuhel-
fen, schlägt Herr Crwelli eine Beitzc aus 3o Theilen
Weinessig und i Theil Salpetersäure vor, welche,
seinen Erfahrungen zu Folge, ganz dem beabsichtig«»
ten Zwecke entspricht.
Bei den Versuchen , welche ich über die VcJr*
fertigung des CrwellVschen Damastes zu machen Ge-
legenheit halte , fand ich eine nicht unbedcutenda
Schwierigkeit in der Wahl der Beitze« Die beidea
angeführten Vorschriften des Herrn CrweUi konnten
mir eben nicht sehr zu Statten kommen , da in den-
selben die Stärke oder Konzentration der anzuwen-
denden Salpetersäure nicht ausgedrückt ist. Ich
xnufste mich daher zu wiederhohlten Versuchen be-
quemen, und fand, dafs eine Mischung aus i Theilo
käuflichem Scheidewasser ( von i,3oo spezifischem
Gewichte) und 20 Theilen gemeinem Essig die besten
Dienste leistet. Man hat bei ihrer Anwendung nichts
von einem zu lang fortgesetzten Beitzen zu befürch-
ten. Der Damast erscheint wenige Minuten nach dem
^ Einlegen der Klingen schon sehr deutlich , und wird
nach und nach immer merklicher. i5 bis ^5 Alinuten
dürften im Allgemeinen hinreichend seyn, um die
Operation zu vollenden ; nimmt man die Klingen vor
dieser Zeit aus der Säure, so unterscheiden sich die
Linien des Damastes h\of^ durch ,die hellglänzende
478
Farbe auf mattem Grunde; späterhin kommen sie im-
mer höher zu steheil , und werden bei lang fortge-
setzter Beitze encflich sehr fühlbar. Die zweckmäs-
sigste Lage , welche man den Klingen beim Atzen
gibtj besteht darin ^ dafs man sie auf die Schneide
legt , und ihre Flächen aufser aller Berührung mit
den Wänden des Gefäfses erhält "^j.
Ob die Härte der Klingen auf den Erfolg des
Beitzens einen Einßufs habcy ist eine Frage, ^e^
che sich mir bei meinen Versuchen. fast unwillkürlich
aufdrangt indem ich an einigen dcir dem Beitzen
unterworfenen Stücke einzelne, von der Säure weit
weniger als die übrigen angegriSeiie Stellen bemerkte,
aufweichen der Stahl eine hell elsengraue Farbe be-
iiielt, während er sonst durchaus matt und dankelgrau
wurde. Vorzüglich war das erstere mehrmahls in der
Nähe der Angel, so wie an der Spitze der Klingen
der Fall. Ich habe es durch einige , von mir eigens
BU dem Bchufe angestellte Verbuche nicht dahin ge-
*) Nach Barker ( a. o. a 0. ) verwendet man im Orient als
B«it7.millel ein natilrHciieii Salz, welches unter dem Nahmen
Zagh aus den drusischen Gebirgen Itommt, und 6'in Gpnicnge
«US saurer schwefelsauerer Thoncrde und schwefelsaurem
Eisen i«»t. Diese Substanz wiM in einem bleiernen Gefalsc
mit Wasser aufgelöst, und die erhaltene Flüssigkeit streicht
man mit den blofsen Fingern auf. Dies^ Operation wird
öfter wiederhohlt, und nach jedesihahligom Bestreich^'*
taucht man die Klinge in reines Wasser, nm sie abau^^Ä-
sehen. — A Um die Säbel vor dem Beilzei» vollkommen glaK
tind rein zu machen, polirt man sie mit Schmirgel und Blut*
Mein, und beseitigt alles darauf befindliche Fett durch Ab-
i'eibcn mit Kalk und mit in Wasser zerrührter Tabakasche.
l>cu Damast der Flinteiiläufe bringt man durch ^jn, von
4em angegebenen verschiedenes Mittel zum Vorschein. I^^J
vorläufig mit feinem Sand oder Ziegelmehl abgeriebene, ""u
dadurch blank gemachte Lauf wird näh mlicn. i .Zoll 'i<-l^
mit einem aus ijS TheiKsn Schwefel , 1 1 Theilen Salfnia;^
i4 Tli«ilen Kochsalz tind etwas W^asser bestehenden Teig
bedeckt , hierauf 24 bis 3o Stunden lang der feuchten L»f|
ausgesetzt, zuletzt abgewaschen , getrocknet, und mit Olu
eingerieben. —
479
bracht, mit voller Sicherheit beslimmen zu können,
ob gehärtete Klingen anders von der Säure angegrif-
fen werden , als ungehärtete. Einen Vei-such , wo-
bei das daniaszirte Stahlstück im gehärteten Zustande
an einigen Sielten fast gar nicht, im weich gemach^
ten hingegen, durchaus ( wiewohl nicht gleichstark)
angegriflfen wurde, wage ich nicht hierher zu rech*
nen; denn ich halte es für möglich, dafs eine geringe
Spur von Fett das Angreifen der Säure verhindert
habe * ).
*) Über die vorliegende intcressaiite Frag« ist von Andern
Folgendes bemerkt worden« De^r Engländer Daniel fand,
dafs die Salzsfiure auf barten und Tveichen Stahl' eine sehr
vjrscbicdcnc Wirkung äuföert. Legt man näbmlich ein gc-
bärtetes und ein ungehärtetes Stahlstuck zugleich in die
Säure, so braucht jenes eine fünt'Malil so lange Zeit als die*
ses , um dieselbe zu sättigen ; und bei der Untersuchung ih-
rer angegriffenen Oberflächen findet man das harte Stück mit
kleinen Vertiefungen, wie \?urmstichiges Holz, Jb^deckC,
von dichtem gleichförmigen Ansehen, während das weiche
eine faserige , wellenförmige ( wavy ) Textur zeigt. — Die
beiden Chemiker Stodar$ und Faraday hatten bei ilirer Un*
tersucbung des mit Platin legirten S^tahlcs Gelegenheit, an-
dere , nicht minder auffallende Verschiedenheiten zwischen
hartem und weichem Stahl *u bemerken. Wenn «wei Stücke
jener Legirung , von welchen das eine gehärtet , das andere
aber weich ist , durth wenige Stunden der Wirkung von ver-
dünnter Schwefelsäure ausgesetzt werden , so bedeckt sich
^ das harte Stiick mit einem metallischen sehwar/en kohligen
Pulver, uiid die angegriffiene Oberfläche desselben erscheint
fein faserig; das weiche Stück hingegen erhält einen dicken
grauen Überzug, welcher dem Reifsblei ähnlich ist, sich
weich anfühlt ^ leicht mildem Messer achneiden läfM, und
an Menge 7 oder 8 Mahl so viel beträgt , als das schwarz«
Pulver des harten Stückes. Den nähmlichen Unterschied
bemerkt man bei reinem Stahl ; nur ist er hier weniger auf.
fallend , weil die Wirkung ^der Säure nicht so schnell und
heftig vor sich geht. — - Wenn man eine der erwähnten pul-
^erigeA Substanzen mit verdünnter Seh w e fcfl -f oderSaTlzsäure
behandelt, so löst sich das darin enthaltene Eiseno:ftydul attf,
und es bleibt ein der Säure fernerhin widerstehender Rück-
stand , welcher getrocknet und bis zu 3oo' oder 400« Fahre Ah.
efhitzt, wie Pyrophor unter viclemi Rauche verbrennt,
vorsätzlich entzündet aber in eine helle Flamme ausbricht.
Der Rückstand des Verbrcnnens ist Eisenoxydul mit* dem
zur Legirung angcwendeirn JMelallc (Platin) gemengt (/?«-
pertorjr of Arts ^ Jan. 1823 , p. 91 — 93). —
48o
•
' l5) Es unterliegt Leinem Zweifel^ dafs die yon
Herrn Crwelli erfundenen Verfahrangsarten zur Her-
vorbringung eines dem ächten sehr nahekommendea
Damastes geeignet seyen \ um aber ihren Werih voll-
kommen richtig beurtheilen zu können^ mufs ntm
auch ge2eigt werden ^ in wie weit die darnach ver-
fertigten Khngen jene vorzüglichen inn'ern Eigen-
schaften besitzen^ welche den orien^lischen einen
80 ausgebreiteten Ruf erworben haben. Laut eines
durch Herrn Crwelli eingeschickten, von dem k. k,
italienischen General -Kommando ausgestellten Zcrü-
. fikates sind die nach den in der Armee üblichen For-
m/en verfertigten damaszirten Säbelklingen genau un-
tersucht, und da man ihre Stärke und Elastizität voll'
kommen genügend fapd , nachstehenden Proben un-
terzogen worden.
\
i).Acht starke, in einer Reihe aufgehängte Talg-
kerzen wurden ohne die mindeste Anstrengung reui
abgehauen;
<
3) Auf eine ebenfalls frei hängende , zusammen
[ewickelie und in Wasser getauchte Kotze, deren
janzes eine Rolle von 44 Blättern bildete, wurden
durch verschiedene Personen Hiebe gefuhrt, von de-
nen die meisten 20 bis 2^ Blätter durchdrangen.
Nach diesen Proben^ welche über die Schärfe.
der Schneiden keinen Zweifel mehr gestatten, Ter^
suchte man
3) einzelne y ^äterhin auch bis fünf neben ein«
ander eingeschlagene starke Hufnägel durchzuhauen,
was auch immer ohne Beschädigung der Klingen ge-
lungen ist*)^ Um endUch die Festigkeit der CriveüC'
•) Ein von Herrn Crivelli eigens ssur Anstellung von Vcrsu-
eben der Art eingeschickter Säbel, mit welchem dicke eiserne
. /
48i
sehen Klingen mit jener ^ der jetzt in der Lk. Armee
gebräuchlichen Säbel vergleichen zu können^ wurden
4) Hiebe mit den ersterch gegen Kavallerie -Sä-
bel geführt; ein Versuch, den gewifs keine Klinge
in der Welt ohne Nachtheil aushallen würde. Auch
hier erprobte sich die Yorzüglichkeit der damaszirteoi
Klingen, indem die Scharten derselben immer bei-
läufig um die Hälfte weniger tief ausfielen, als jene'
in den gewöhnlichenv
16) Die Bräuchl)arkeit der Crw^llP.schen Säbel,
und ihre Yorzüglichkeit gegen die nicht damaszirten
Klingen unterliegt nun wohl keinem Zweifel mehr;
und um den Vortheil bei ihrer Verfertigung zu si-
chern, kommt es nur niehr darauf an, die Preise^ für
welche dieselben von einer Fabrik geliefert werden
könnten, beiläufig fest zu setzen. Herr CriveUi hat
zu diesem Ende nachstehende Rechnungen mitge-
theilt , deren Daten gröfsten Theils von der Verferti-
gung der im Eingange dieses Aufsatzes erwähnten
Klingen hergenommen sind.
' ' * ' •
Kägel ohne Spur einer Verlereung durchgehauen werden
konnten, wurde von mir angewendet, um '/^^ Zoll dicken
otahldraht durchzubauen. L>ieses gelang nun Kwar ohno
Anstand auf jeden Hieb; airer in der Schneide bHebr doch
jedes Mahl ein hedcutender Eindnick^ zurüci'.. Miin kann
indessen dieses Resultat keineswegs fikr entscheidend anneh«
men, und zwar aus zwei Ursachen. Einmahl war die er'"
wähnte Klinge scharfer gcsciriifren, als eigentlich nöthig ge-
wesen wäre, und dann leidet jede Schiieide vie mehr, wefi.i
der zu trennende Körner rnnd, als wenn er flach odef
eckig ist. Der Grund ateser letztern Erscheinung Hegt ohne
Zweifel in dem gröfsern Widerstände, den die Oberfläche
eines runden Körners dem Zustimmendrücken entgegenstellt,*
und den ich fast der Wirkung eines Gewölbes Vergleichen
möchte. Die Schneide eines gewöhnlichen Säbels wäre un-
ter den erwähnten Umständen gewifs schV bedeutend aus-
gesprungen, und der Schlag hätte vielleicht das Abbprin-
^en der ganzen Klinge herbei gefuhrt.
J«)irb. d. polyf, Iirnt- tV. Bd» 3 ^
(
/
48a
V
Berechnung der Ausgaben für die Verfertigung
von i6 Stück damaszirter Säbelklingen mit so
genanntem natürlichen Damast (4). *
Milanesi
Lire Soldi
Für 6oJ Pfund ( 32* Wiener Pfd.) Bild-
hanerstahi (jicciajo da scultore) er-
ste Sorte, i3 Soldi das Pfund . . 89 — 3
;io Pfd. (10; W. Pfd.) Eisendraht,
9^ Soldi das Pfd 9 — loj
Für die Verwandlung des Stahls in Blech
{'2). Ein Tag Arheit sammt Kohlen 10 — *
Für das Umwinden der Bleche mit
Draih (3). Zwei Tage .... 2 — ■ ^
Für das Flachhämmern der umwickelten
Bleche ( 4 )• Zwei Tage zu 60 Soldi,
sammt Kohlen 4 . * 6 — » »
Für die Vereinigung der umwickelten
und flach gehämmerten Bleche in 8
Bündel, jedes von heiläufig 10 Pfd.
(5|. Wiener Pfd.) I Tag ... • 2 — t
Für das Zusammenschweifsen dieser
Bündel, für die zweimahlige Bearbei-
tung (4, 5) und für das Ausschmie-
den derselben in 8 Stangen von 6 Fufs
L^nge, 6 Linien Dicke in der Mitte
und 4 Linien an den Enden do Soldi
für jedes Bündel Sa — »
Für die Verfertigung von 16 Klingen aus
diesen 8 Stangen, 3 Tage zu (io Soldi,
sammt Kohlen 9 — »
Für das Ausfeilen der Klingen , 3 Tage
zu 3o Soldi, nebst zwei abgenutzten
Feilen 6 — 10
Übertrag iiG — 3^^
483
Milanesi
Lire Soldi
Übertrag iiG — • 3J
Für das Härten der Klingen ... 0 _ »
Für das Nachlassen^ Kalthämmern und
Geraderichten der Klingen, die sich
beim Härten geworfen haben, i Tag ^ - — »
Summe 12^ — 3j^
Diesem nach kömmt jede mit natürlichem Da^
ttiast versehene Klinge von der Art, welche früher
(5) beschrieben wurde, auf 7 Lire 1 5 Soldi milanesi
(5,95 Lir. ital., oder 2 Guinea 17 Kreuzer Konv;
Münze) zu stehen.
17) Verlangt man irgend ein^n bestimmten re-
gelmäfslgen Damast, so mufs man zu dem vorigent
Preise noch Folgendes hinzufügen:
Milani. Konv. M.
L. — S, fl. — kr.
a) Für die (11) beschriebend
Art des Damastes, dessen
Zeichnungen heifs einge-
prefsiwerden : u Stunden
Schmiedearbeit, 5 Stun-
den mit der Feile, nebst
Almutzung der Werk-
zeuge . . . • . . . i — : » -i:- » ,;— 3r5§
b) Für den s. g. Rosetten-
Damast (6,7): 2 Tage
Feilen zu 3o Soldi nebst
Abnutzung der Werk-
zeuge
3_i5_ i_ ei
3i*
484
Konv. M.
fl; -- kr.
c) Für den Damast mit der
regelmäfsigstea Zeich-
nung *) : 3 Tage Arbeit
zu 5o Soldi^ nebst 25
v^ Soldi für Abnutzung der
Werkzeuge . • . . 6 — 5 — i — 5i
Demnach kosfcte :
Eine Säbelklinge von zweimah-
liger Bearbeitung (5) und mit
natürhchem Damast . . 7 — 5 — 3 — 17
£ine dergleichen mit der (it)
beschriebenen Art des Da-
mastes 9 — i5 — 2 — 02^
Eine dergleichen mit Rosetten-
Damast . - . . • . II — 10 — 3 — 33}
Eine dergleichen mit regclmäs«
sigster Zeichnung . . ♦ if\ — » — 4 — ^
Hierbei sind die Kosten fiir das Schleifen nicht
mit gerechnet, weil sie zu sehr nach den Lokal- Um-
ständen variiren können. Man kann indessen anneh-
men, dafs diese Ausgabe bei der Ausübung der Fa-
brikation im Grofsen höchstens Lir. i, 5o Gentes.
itaL (347* Kreuzer) betragen werde, in Mailand
kostet das Schleifen und Poliren einer Klinge beinahe
das Doppelte des angegebenen Preises.
*) Die Zeichnung dieser Säbel hcstolil aus sehr feinen undzar-
ton Linien, ungefähr so, wie Fit». 6 (Taf. lU ), und dcrrail
fünf Punkten bezeichnete Abdruck auf dem beilietjenden
. Blatte zeigt. Da in der von Herrn Crivclli eingesandtt'n
detaillirten Beschreibung ihre Bereitungsart gar nicht berüiirt
. wird, so kann ich auch darüber wenig Rechenschaft geben.
Man- würde wahrscheinlich solche Zeichnungen durch dni-
selbe Verfahren erhalten, von dem schon früher (11, »^J
die Rede w^r.
^, 485
Bei der Verfertigung von 16 Klingen im Mailän-
der Münzhause kam jede derselben um einige Lire
höher zuziehen ^ als die obige Rechnung ausweiset;
und zwar wegen mehrerer aufserordenilichen Kosten,
die bei der Fabrikation im Grofsen wegfallen würden.
Zu diesen aufserordentlichen Kosten gehören beson-
ders die zur Aufmunterung unter die Arbeiter ver-
theilten Belohnungen , und die überlheure Bezahlung
desSchleifens, von welcher eine grofse Fabrik wenig-
stens die Hälfte zu ersparen im Stande seyn würde.
18) Um iiber die Erzeuguhgskosten des damas-
zirten Stahles im Grofsen etwas Sicheres festsetzen
zu können, dient folgender Kostenausweis über die
Verfertigung von 33^ kleinen mailändischen Pfunden
( 179 W. Pfd.) dieses Materials, welches aus 4 Thei-
len Stahl und i Theil Eisen besteht.
Milan. Konv. M.
L. — S. fl. — kr.
Für 327 Pfund (176 W. Pfd.)
Stahl {Acciajo da scultore)
zu II Soldi 179 — 17 — 53 — loj
.» 877 Pfd. Eisendraht, zu 10
Soldi ...... .43 — 15 — 12 — 56
» 1 5 Tage Arbeit, zuSoSoldi 37 — 10 — 9 — ^7
» 8 Moggien (18 Wiener Mot-
zen) weiche Holzkohlen,
zu 3^ Lire aß — » — 8 — 17
Summe 289 — 2 — 83 — 5oJ-
ManT'erhielt aus den angegebenen Quantitäten
(bei 20 p. Ct. Abfall) 333 Pfund (179 W. Pfd.) na-
türlich damaszirten Stahl von einmahliger Bearbeitung
(4), wovon ein mailänd. Pfund auf 17 J Soldi, oder
ein Wiener Pfund auf 28|^ kr. Konv. Münze zu stehen
kommt. Setzt man demnach, dafs zur Verfertigung
■i
486
eines Kavallerie - Säbels 3| Pfund ( i^ W.^PfcT.) no-
thig seyen ^ und rechnet man die Kosten für die
Verfertigung der Klinge aus diesem Matei:4il auf 3o
Soldi (267 Kreuzer); so kommt dieselbe auf 4 Lire,
ii^Soldi, oder Lire 3, 5o Cent iial. ; und wenn
man für das Schleifen Lir. i, 5o Cent. (17) hinzu
rechnet y auf 5 Lire ital. oder i Gulden 55 Kreuzer
Konventions - Münze.
19) Als Anhang zu dem gesenwärligen Aufsatte
scheinen mir einige theoretische Untersuchungen über
den Damast im Allgemeinen, undüber jenen der orien*
talischen Säbel insbesondere, wohl geeignet. Man
wird es vielleicht nicht ungern sehen, wenn die ver-
schiedenen darüber herrschenden Meinungen hier
zusammen gestellt, verglichen, gewiirdiget werden.
Der Gegenstand verdient, als Zeitsache, diese Mühe,
un4 ich will versuchen, ob ich die scheinbar einan-
der entgegen gesetzten Ansichlei) zu erläutern und
zu veremigen vermag.
Die orientalischen damaszirten Kljngen haben in
Europa schon seit sehr langer Zeit Aufmerksamkeit,
und durch ihre vortrefflichen äufsern und innern Eigen-
schaften den Wunsch, sie nachzuahmen, erregt. Da
man (entweder durch die Schuld der Reisebeschrei-
ber, welche davon sprechen, oder weil die Orienta-
len sie geheim halten, am wahrscheinlichsten jedoch
aus beiden Ursachen zugleich) die Methode nicht
kennt, welche von den Arbeitei-n jener Länder zur
Hervorbringung des Damastes angewendet wird 5 so
ifand man ihre Nachahmung mit sehr bedeutenden
Schwierigkeilen verbunden ^ und wenn man aufrieb'
tig seyn will, mufs man gestehen, dafs bis jetzt noch
Niemand dahin gekommen ist, alle Arten des orien*
talischen Damastes ganz täuschend und mit Sicher^
heit nachahmen zu können.
487
Die Bemühung metirerer Gelehrten^ wie jene
NichoIson*s , Oreillys, Wilde*s und Clouet*s, de*
ren,im III. Bande dieser Jahrbücher '(S. 437 u. s.w.)
gedacht wird ^ lassen sämmtlich in irgend einer Hin«*
sieht etwas zu wünschen übrig. Die Versuche des
Herrn Professors Crivelli mufs man unter allen jenen,
deren Resultate bekannt geworden sind"^), fiir die
gelungensten halten, weil durch die von ihm ange-
gebene, in ihrem Frinzipe aufserordentlich zu modi^
fizirende Methode nicht nur gewisse Arten des ech^
ten Damastes vollkommen täuschend nachgeahmt wer«
den, sondern auch die Hervorbringung einer höchst
zahlreichen Menge verschiedener neuen Zeichnungen
möglich gemacht ist.
20) Eine kritische Untersuchung des Damastes
wird es mit der Beantwortung zweifi Fragen zu thun
haben, welche folgende sind: i) Auf welche Art
sind die Thcile im Innern des Stahles geordnet , um
die Entstellung einer Zeichnung beim Ätzen mit Säu-
ren veranlassen zu können? a) Welches sind die
wesentlichen Beslandtheilc des damaszirten Stahls? —
Sind diese Fragen entscheidend gelöst, so kann das
aus der Beantwortung hervorgehende Resultat am si-
chersten zur Leitung bei der .Nachahmung des echten
Damastes dienen. Ich will wenigstens versuchen, die '
*) Br^ant*s angcbliclie Entdecituiig , die genaue Nacliahmung
des Damastes betreuend, liann hier gnr nicht in Betrachtung
gezogen >verden , da ^ine verächtliche Gcheinmirslirämerei
die Pariser SopUt^ d* Encourafi^ement p, VI, n. veranlafsl
hat, in ihrer Siuung vom 3. April 1H22 die Geheimhaltung
jener Entdeckung, und zugleich (wohl nicht zu ihrer eige-
nen F/ofsen Ehre) die Bcl^anntmachnn^ dieses merlswürdi-
gen Vorsatzes zu beschliefsen. { Bulletin de la Socidt^ £t En-^
couragement Nro. CCXIII ). Allein selbst in Ermanglung
einer nähern Kcnntnifs von Brennt s Verfahren erlauben vvir
uns, mit grolser Wahrscheinlichkeit iw vcrniuthen , dafs
durch dasselbe die V*»rdiensre unsers genialen CrivelU uicht
sehr durften geschmälert werden.
488
beiden Fragen so nahe zu beleuchten^ als es nach
4en bis jetzt bekannt gewordenen Daten möglich ist.
Auf welche Art sind die Theile im Innern des
dumaszirten Stahls geordnet y um die Entste-
hung einer Zeichnung beim Atzen mit Säuren
zu veranlassend
Gleich Anfangs, als man in Europa den orienu-
lischen Damast nachzuahmen versuchte, ging man
von dem Grundsatze aus, dafs ihre Masse eine Men-
gung von Eisen und Stahl in einem Zustande scy,
.worin die zur Beitze angewendeten Substiinzen eine
verschiedene Wirkung auf beide Metalle zu äiifsern
vermögen. Dieser Ansicht blieb man bis auf die
neueste Zeit getreu, wo (wie es scheint , zuerst von
französischen Gelehrten) die Vermuthung deutlich
ausgesprochen »wurde, der Damast könne seinen
Ursprung wohl einer andern Beimischung des
Stahls verdanken y und sejr weniger die Folge eines
mechanischen Gemenges verschiedener Metalle^ als
der Krjrstallisation einer chemischen ^Mischungf
einer Legirun^. Diese Behauptung hat, man mufs
• (es gestehen, viel zur Förderung <Jer über den Damast
angestellten Untersuchungen beigetragen, und die
Betrachtung des Gegenstandes aus einem höhern, wis^
senschaftlichen Standpunkte veranlafst. Eben so si«
eher aber ist es, dafs die nähmliche Behauptung;
durch mehrere Erfahrungen und Beobachtungen an*
scheinend unterstützt, %\x einer einseitigen Behand-
lung der Sache Gelegenheit gab, und in dieser Rück-
sicht dürfte es vielleicht von Nutzen seyn, den Grund
beider Ansichten etwas näher zu würdigen.
2i) Wenn wir auf irgend ein Metallstück ein
Auflösungsmittel so höchst verschiedene Wirkung
hervorbringen sehen, wie diesem beim damaszirten
Stahle geschieht , so ist es wohl der Natur gemäfs,
^uf eine unvollkommene (also mechanische) Verei-
489
ni^nng, auf ein Nebeiieinanderliegen in gröfsern oder
kleinem P^rtikelchen verschiedener Stoffe in einem
tind demselben Stücke zu schliefsen. Diese Betrach-
tung rechtfertigt, oder entschuldigt wenigstens, wie
'mir scheint, jene lang hergebrachte Meinung über
die Natur des Damaszener - Stahls. Gelingt es nun
vollends, durch Zusammenmengen verschiedener
Metalle (wie Eisen und Stahl) etwas dem Damast
ganz Ahnliches hervor zu bringen , so ist der halbe
Beweis für dieselbe schon geliefert.
Betrachtet man dagegen die zweite, gegenwär-
tig sehr verbreitete Ansieht, welche die Zeichnun-
gen des Damastea für eine Folge des Krystallgefüges
hält, so wird Jedermann gestehen, ^afs dieselbe nur
dann allgemein gültig seyn könne, wenn es erwiesen
ist, dafs die Zeichnungen aller im Orient verfertigten,
und demnach für echt zu haltenden Waffen ohne In-
konsequenz, als von der Krystallisation abstammend
betrachtet werden können. Das ist aber bei weitem
nicht der Fall. Allerdings gebt zwar aus mehreren
Zeugnissen hervor, dafs es unter den orientalischen
Säbein einige von dieser Beschaffenheit gibt, allein
ihre Zahl ist verhälinifsmäfsig gering, und man kann
sie fast als Ausnahmen betrachten.. Mir ist wenigstens
unter allen damaszirten Klingen, deren Anblick ich
mir verschaffen konnte, keine einzige vorgekommen,
auf welcher die Zeichnung einen ganz krystalliniscben
Charakter gehabt hätte. Vielmehr beobachtete ich
zahlreiche Fälle, in welchen die Gestalt des Damastes
der Annahme eines krystalliniscben Gefuges der Masse
geradezu entgegen war. Ein . Jeder: Andere wird
sich , gleich mir, durch einen Blick überzeugen, dafs
z. B. der höchst regelmäfsige, aber aus krummen LU
nien bestehende Damast sehr vieler orientalischen Sä-
bel, vorzüglich aber der gleich einem schmalen Bande
in einer Schraubenlinie herum gelegte Damast der
türkischen Flintenläufe nichts weniger als eine Folge
490
der Krystallisation seyn kann. Das Gesagte findet
seine Bestätigung in den Äufserungen von Degrand-
Gurgejr und Hericart- de-Thury. Der erste, ein
geschickter Stahlfabrikant in Marseille, sagt: {Bulle-
tin de la Soclete dEncouragement^ 1831, p. 4<>)-
»Die Meinung, welche jetzt zu herrschen scbeiat, ist
die, dafs der Damast hlofs eine Wirkung der Krystal-
lisation sey. Ich habe viele orientalische Klingen ge-
sehen, deren Zeichnung beinahe aus symmetrisch ge-
stellten, und wahrscheinlich durch die Krystaliisaüoa
hervor gebrachten, geometrischen Figuren besiaod;
allein ich habe andere gesehen, mit unrcgelmäfsigon
Zeichnungen. Es scheint demnach, dafs man zwei Arten
des Damastes unterscheiden müsse, von denen die eine
das. Resultat der Kunst ist^ und ohne Zweifel hatte
Clouet bei seinen Versuchen nur diese im Auge, weil er
die Existenz der andern nicht kannte. Aufserdem sind
die damaszirtcn Flinten- und Pislolenläufe, welche
in der Levante verfertigt werden, offenbar ein Pro-
dukt der Kunst, da die Zeichnungen, woinit sie ge-
ziert sind , keine Regelmäfsigkeit und geometrische
Form zeigen.« — Hericart-rde- l^hiiry äufsert sich
{Bulletin de la Societe d'Encouragementy 1821,
p. 38 1 ) auf ähnliche Art, Nach ihm gibt es im Oriente
zwei Arten damaszirter Säbelklingen. Einige sind
hart und spröde, und zeigen auf der Oberfläche kleine
regelmäfsige, mehr oder weniger symmetrisch gestellte
Figuren, welche einen gewissen Anschein von Kry-
stallisation haben. Andere hmgegen sind theils eisen-
artig und biegsam, theils weich und elastisch ; diese
hietlDen auf ihrer Fläche verschiedene, aus verfloch-
tenen krummen Linien bestehende Zeichnungen dar,
welche gewisse Nuancen der moirirten Zeuge nach-
ahmen. Aufser diesen zwei Arten soll sich zuweilen
noch eine dritte finden, von krystalliuischem Damast,
und in gewissem Grade elastisch, welche von den
Orientalen am höchsten geschätzt wird^
TJngeacbtct OS nun ausgemacht ist, dafs man
zwei sehr we.senilich von einander- verschiedene Ar-
ten von Damast annehmen müsse; ungeachtet ferner
diese Annahme den hisher geführten Streit üher die
Natur der Erscheinung zu Gunsten heider Parteien
zu entscheiden scheint ^ so ist doch die Zusammen-
fassung beider Arten unter einem gemeinschaAlicheu
Nahmen mit der wissenschaftHchen Ansicht nicht ver^
trägHch. Die Ei scheinung des eigentlichen Damastes,
wie man ihn in der Regel an den orientahschen VVafr
fen bemerkt, ist immer eine Folge ungleichförmiger
Mischung der Bcslandtheile, aufweiche natürhch das
Beitzmittel nicht gleichförmig ZU wirken vermag. Zwar
kann man auch auf der Fläche eines in seinem Innern
vollkommen homogenen Metallstückcs durch Beitzeu
zuweilen eine Zeichnung hervorbringen; diese ist
dann aber immer eine Folge der Kryslallisatio^n, trägt
ihre Kennzeichen — gerade, und in bestimmten Win-
keln gestellte Linien — und gehört eigentlich der
Klasse des moire metaliique an , welche ganz ohne
alle Ursache von Einigen mit dem eigentlichen Da-
maste zusammen geworfen wird*). Zwischen diesen
beiden Fällen gleichsam im Mittel steht derjenige, in
welchem eine metallische Oberfläche nach dem Beit-
zen nüt einer den Charakter der Krystallis^ation tra-»
genden Zeichnung damaszirt, oder vielmelir moirirt
erscheint, und dessen ungeachtet keine Gleichförmig-
keit im Innern besitzt. Hier haben sich nühmlich bei
dqr Krystallisation des Körpers einzelne seirier Be-
standtheile mehr oder weniger von den übrigen abge-
sondert. Dazu mögen die oben erwähnten Sabelklin-
f^en mit krystallinischem Damast, und die bekannten
Meteoreisen-' Massen gehören. Aus Mangel an Nach-
richten und eigenen Erfahrungen kann ich über die
*) Über den Moir^ m^talUque verschtiffcn zwei in diesen Jabr-
büchern ( Band I, 8 (;.|, und Band IV, S. 3^8) hcfindlicbo
erschöpfende Aufsätze des Herrn Professors Altmätter^
Belehrung.
49ß
einigen, kaum merklichen dunklern Läo genstreifen
zeigte die ganze ^ mit der Belize behandelte Ober-
fläche nichts ^ was der Erwähnung wertji-scyn würde.
I)ie Anlage zu einem körnigen Geftige war zwar
höchst unvollkommen^ aber doch mit einiger Miihe
zu erkennen«
Gufsstahl von dem gräflich Egger* sc\xen Werke
in Kärnthen. Die blank geschliSene Oberfläche er-
litt durch die Beitze keine deutliche Veränderung.
*
Englischer Gußstahl, Das Stück war nach dem
Beitzen ziemlich gleichförmig mit einem feinen^ scbim^
mernden Korn überdeckt.
Englisches Stahlblech ( Bruchstück eincfr Zieh-
klinge). Nichts deutlich zu Untcrssbeidendes, denn
die Ungleichheit der Farbe an manchen Stelleo kann
auch ai^dern Ursachen zugeschrieben werden,
Stahlblech vom gräflich Egger'szhevL Werke.
Unrcgelmäfsige^ aber deutliche hellere Flecken auf
grauem Grunde/
Ein Stück einer Sense. Grofse^ in die Länge
gezogene Flecken«
Fragt man um die Ursache dieser merkwürdigen
Erscheinung^ so läfst sich wohl nur auf zwei Arten
eine Antwort finden. Entweder mufs angenommen
werden, dafs alle untersuchten Stahlgattungen un-
gleichförmig genug in ihrer Masse seyen, um eine
verschiedene Wirkung der Beitze auf ihre Theile zn
gestatten, oder man ist gezwungen, die damastäbn*
liehe Zeichnung als eine Folge der durch die Bear*
beitung theilweise zerstörten oder geänderten Krystal''
lisation anzusehen. Beides möchte wohl bei verschie-
denen Gelegenheiten der Fall seyn ; aber sogleich <ü^
497
•
rechte Uriach<3 der Erscheinung atizügeben^ durfte
in den meisten Fälleii nicht schwer seyn. Blofs das
Korn^ welches auf der pölirten Oberfläche des Gufs^
Stahls durch Beilzen entwickelt wird,.mag der Kry**-
stallisation angehören, während die übrigen Verände-
rungen (vorzüglich der Damast des ohnehin eiseuhälti<^
gen Feder- und Sensenstahles) mit derselben nichts
gemein haben*
• ^4) Durth die vorliegenden Fälle wird es höchst
tvahrscheinlich , ja die ^Wahrscheinlichkeit wächst
zur Gewifsheity dafs der DiamaSt^ * oder etwas ihm
mehr oder minder Ähnliches, keineswegs zu den sei*
tenen, wohl abet* zu den bis jetzt nicht hinlänglich
beacbteteü Erschein!' ngen gehöre, und dafs zwischen
ihm und gewissen andern Phänomenen, vorzüglich
dem Moirä mStallique^ eine auf den ersten Blick
Sehr i^erraschende Ähnlichkeit herrsche. Auf die
wesentliche, innere Verschiedenheit des jWbir^ übri-
gens, und auf die Noihwendigkcit, ihny um der wis-
senschaftlichen Ansicht willen, von dem eigentlichen
Damast ganz und gar zu trennen,- ist schon (22) hin-
gewiesen worden. Noch bleiben aber selbst in der
Klasse des eigentlichen Damastes sehr viele Fälle
übrige in »welcheü durch die Wirkung der Beitze auf
gewisse, blojs mechanisch neben einander liegende^
tcngleichartige Theile^ eine Zeichnung entsteht. E»
gehören nähmlich hierher, aufser den gewöbnlicheni
Artender türkischen Waffen (äi) und ihren euro-
päischen Nachahmungen auch alle in, ihrer Masse
nicht gleichförmig gemischten. Eisen- und Stahlsor-
ten (aa, 23 *)• Freilich ist die Zeichnung der letz-
*) Ein hierher gel^öriger Fall is.t wahrficiicinlich au6h dernach«
stehende , von Stoaari und Paraday beobachtete. Als diese
Chemiker Scahl mit Silber zu legi en suchten , Leroerhten
sie, dafs beide Metalle nur. dann sich innic vereinigten,
trenn die Stenge des Silbers etwa V500 ^^ Stahls betrug.
Das über diese Quantität beim Schmelzen zugesetzte Silber
vcrthcitte sich in Kleinen abgesonderten Parläelchen unter
den Stahl i und die ausgestreckte Legiriing erschien , nach
Jahrb. de« poljt. ln«it. IV. Hd. 3a
498
t<;rn oft nur dem ürsprupgej keineswegs aber der
Gestalt nach^ jener der orientalischen Säbel und
Flintenläufe verwandt^ aber die wissenschaflliche Un-
tersuchung kann hierauf keine Rücksicht nehmen.
Hingegen würde man in der Praxis wieder sehr Un-
recht thun, wenn man jedes mit Flecken oder Linien
gezeichnete Stahlstück dem Damaste beirechnen wollte.
Ks ist vielmehr unumgänglich nöthig^ .sich über den
dem Worte Damast unterzulegenden Begriff ein
für alle Mahl zu vereinigen. Nimmt man dieses Wort
im weitesten Sinne ^ also in dem, liach welchem es
die Wissenschaft künftig geTlraucheil wird, so istnichts
leichtefr, als damaszirten Stahl zu machen; dann bat
es i$ogar ( wie wir oben gesehen haben ) keine Schwie-
rigkeit, solchen Stahl zu finden* Ihn künstlich za
bereiten, wird eben sowohl das mühsame Schweifsen
des Stahls mit Eisen, als ein unvollkommener Schmelz
prozefs hinreichen ^), wobei eines der legirten Metalle
sich nicht innig mit dem andern vereinigt, — Be-
schränkt man hingegen den Begriff des Wortes, nennt
man nur jene Stahlgattungen damaszirty auf deren ge-
beitzter Oberfläche sich häuQgere und regclmäfsigere
Zeichnungen darbiethen j oder noch mehr, will man
unter damaszirten Klingen etc. nur jene Stücke vef
standau wissen, welche den schönen orientalischen
im Ansehen gleich kommen; so ändert sich die
Sache bedeutend, und die Verfertigung des Damastes
bleibt dann das , wofür man sie bisher immer ansah,
nähmlich eine nur schwer zu lösende, und noch jetzt
nicht vollkommen gelöste^ Aufgabe für den europäi-
schen Künstler. . ^
oS) Das Vorstehende (aa -^ 24) wt eine ge-
drängte Erläuterung dessen, was wil^ auf syntheti-
dem Beitsen mit verdünnter Schwefelsäure, von feinen Sil-
beradern durchsogen. {Jßepertory ofArti, Jan. i8s3tp* 7-^^
*) Vergleiche die vorige Anmerkuiig«
499
schem fFege über diä Bestandtheile des eij°;eiitlichen
Ddtnastes wissen. Die chismische jinalyse, eine soiist
80 nützliche Rathgeberin^ scheint hier ihren Diqhst
^anz und gar versagen zu wollen. Noch hat man his-
heir nicht mehr als zWei Bruchstücke alter orientali-
scher Klingen zerlegt/ und mit Bestinimtheit weitet
nichts entoeckt^ als da(^ sie (abgesehen von ihrqc)
Hauptbestandstoffen > Stahl und Eisen) weder Gold
noch Silber.; Platiii oder Palladium enthalten ! Diesem
Umstand liefert dber noch keinen Beweis; dafs nicht
fetwa andere Klingeii diese Metalle wirk^ch enthaU
ten""). Die Entdeckung Scher ef^s; däfs das Silicium
(Kieselerdemetall) einen Bestandtheil dfes Damasze-
iierstahls ausmache'^),' ist interessant > aber nicht
•^^ • _ __ . ^ . •_ '_ \ ^_ ^^^
*) HMcbri' de^ Thurjr im BuUbtin de lä SociM d Eneourägementi
1821« p. so4* — Das Vorstehende ist richtig, aber, mit
demselben Berichterstatter (a, ä«0. p« ao5) eu glauben,
dafs die Orientalen iprirlilich die Ltfgirüng ^^% Stahls mÜ
den ^nannten Metallen ( Gold! Platin j Palladium!!!)
versucht haben, ist doch sehr gewägt. *Vrhr ist es, dafs
vdie Idee , rfeil Stahl zu härten ,* ^ie v^ixi Kupfer härtet
( d. h. durch Legirung.), sich dem menschlichen Verstand^
iehr natürlich da. bielhet ;« aber irir kenni*i ja ein weit hür-
seres und einfacheres Mitral, den Stahl zu härten!! Würde
man nicht öineri S^ahlfabrihanteh verlachen, der, um' seinen
Stahl KU härten y ihn mit 1 oder a p. Ct. Gold, Platin pdetf"
yoUends Palladium zusammdu zu schmelzen versucht«^ ? Ich
darf nicht befürchten , dafs man mich hier unrecht verste-
hen, und glauben wird., ich verkenne den Nutzen gewissi^r
Legirungen des Stahl« mit anderen, wenn auch seltenen Me-
tallen,' welche vielleicht nur durch ihre Kostbarkeit aufser
der allgemeinen Aiiwendun^ sii bleiben gezwungen werden.
^*) Wenn man die poliftd Öberflach^' einer damassirten Klingt
der Wirkung einer Säure aussetst, so bemerkt man, dafs
auf diCM^r bald angegriffenen Oberflach9 sich hervorsprin«'
gendo Stellen geigen , die allen ihren Glanz behalten, haben^^
und die von der Säure nicht verändert worden sind. Di^
meisten dieser Flecken sind zugerundet, .es sind selLst
\renige darunter , die. nur unvollkommen kreisförmig wären«'
Ihre Gröfse variirt, von der eines* kaum |iemerkbaren Punk*
tes, bis zu einer Linie und darüber im Durchmesser* JEMese
von den Säuren unangegrifFenen Theile haben eine sehr be-
träphtliche Härte , denn sie 9ut«to die besten Feilen sehr
iald ab«' fte weichen vom Suhl fn Rücksicht der ^arb^
3a»
5oo
eben charakterisirencl 9 da 69 bekannt ist, dafo fast
alle bessern gemeinen Stoblsorten ebenfalls Siliciam
enthalten.
a6) Diejenigen^ welche die Zeichnungen des
Damastes für eine Folge der Krystallisation erkiären,
halten den Damaszener- Stahl selbst für eine Legirung
oder chemische Verbindung des Stahls mit andern
Metallen (20-; nur sind sie über die Natur dieser
Metalle nicht im Reinen, da^ wie (aS) erwähnt^ die
chemische Analyse hierüber nichts bestimmt hat. Un-
geachtet dieses mifslichen Umstandes hat doch die
Erfahrung auf synthetischem Wege gelehrt, dafs ge-
wisse Legirungen des Stahls etwas dem Damast Ahn*
liebes liefern. Da aber dieser Damast in einer gleich-
förmigen Mischung entsteht, und eme Folge der Kry-
stallisation ist (wie theils aus den unten folgenden
Angaben, der Versuchansteller selbst erhellt^ theils
aber mit grolser Wahrscheinlichkeit vermuthet wer-
den kann ) : so gilt von ihm das'(ai ) Gesagte im vol-
len Umfange.
Eine natürliche Legirung des Stahls ist der aus
Ostindien nach England kommende PFooez, ein, we-
gen seiner vorzüglichen Eigenschaften^ sehr geschäu-
ab, die beide bei einer allmählichen Erhitsung annehmen;
denn in einer Wärme, die den 8tähl bei weitem nochnicbt
Eum Anlaufen bringt , haben die hervorspringenden Punkte
sehon eine prächtige blaue Farbe , deren Gianz den des
schönsten blau angelassenen Stahles übcrtriiTt. — Bei einer
Temperatur, wo der SKihl blau zu werden anfangt, er«
scheinen jeno Punkte smaragdgrün , und wenn der Slabl
vollliommen blau ist, nehmen sie eine Farbe an, welche
der des eben reduzirlen Goldes gleicht. Diese Punkte haben
die Eigenschaft, das Licht einzusaugen, und leuchtend tu
werden. Sie verändern ihre Form durch Hämmern nicht,
wie grofs auch die auf den umgebenden Stahl wirkende
Hraft sey. Herr Scheret^ der sicl^ mit einer genauen Un-
tersuchung dieser Thoile beschäftiget hat, erklärt sie für
Stiicitira. (Annales g^n^raUs dei sclences phj'tiifUfSy NoVerobre
1810. )
5oi
lea Material zu feinen Schneidweriztugeo ^ welches
aufser Eisen und Kohlenstoff vorzüglich jHumium
( Thonerilemetall) enthält. Man hedient sich des
Wootz, mehreren Nachrichten zu Folge, im Orient
zur Bereitung damaszirter Klingen, und er gibtauch
auf seiner gehörig behandelten Oberfläche eine dem
Damaste gewisser Mafsen ähnliche Zeichnung. Dafs
übrigens diese Zeichnung mit jener der orientalischen
. Klingen nicht übereinstimmt, gesteht seihst Uiricart-
de-Tliurj*)^ der aber, um seine Ansicht von der
Bereitung der erwähnten Klingen 9.u retten ^ die Ver-
muthung äufsert, der Wootz werde im Oriente nur
nicht rein angewendet, sondern vor dem Gebrauche
mit einem Zusätze umgeschmolzen, welcher den Da-
mast modifizire^j.
In einiger Hinsicht mit dem Wootz verwandt, ist
das meteorische Eisen, dessen schon oben (si ) be-
rührte Zeichnung, wie Versuche gelehrt-haben, von
einem ungleichförmig durch die Masse vertheilten
Gehalte an Nickel herrührt. Die mit Einsicht und
vielem Glücke angestellten Versuche der englischen
Chemiker Stodart und Faradajr zut . Nachahmung
des Wootz und zur Darstellung anderer Stah'Uegirun-
gen (Jahrbücher Bd. III, S. 4^3 ) haben, wie es
scheint , Veranlassung zu allen ähnlichen spätem Un-
te^uehmungen gegeben, wovon ich die auf mei-
nen gegenwärtigen Zv^cck, Bezug habenden kurz an*
fuhren will«
*) Bulletin de la SocUU d'Mncouragement ^ 1824, p. sp4*
**) Ich selbst habe mich von der Art des auf dem Woöts ent«
stehonden Damastes nie diiich den Anblich unterrichlen kön-
nen. Ich konnte blofs ein engliches, dem Vorgeben nach
aus Wfiots bestehendes Rasirmcsser , auf dem über */, ZoU
breiten Bücken mit der Bcitze versuchen, erhielt aber nicht«
als eiitigo unregelmäfsige und undeutliche Flecken. Von
den feinen verschlungenen Linien doi* tfirkisohe|i Sabal
■eigt« liich keine Spur.
503
Der OLfistlieutenaut Fischep in Schaßiauseriy
hat über die ißereitunjg des Woou Folgendes bekanut
gemacht"^);
Indem man Stangeneisen ^ StabI, vorzüglicb aber
graues Gufseisen^ mit einer grofsen Menge Kohlen
umgeben^ durch mehrere Stunden einem heitigeQ
Feuer aussetzt^ bildet sich auf der Oberfläche des
schmelzenden Metalles eine Art ^ aphit oder gekohl-
tes Eisen ^ die unter der Gestalt sehr dünner, Wi-
cher, abfarbendei* Blätter von starkem Glanz, aber
ohne regelmäfsigq Formen erscheint.
Eine Mischung aus einer Unze dieses künstlichen
Graphites und eben so viel reiner Alaunerde v?arde
in einem lutirten Tiegel durch eine halbe Stunde
einer auf ungefähr iGo Ff^edgwood! sehe Pyrometer-
gräde steigenden Hitze, bei welcher das Schmiedeisen
in Fiufs kommt, ausgesetzt 3 man fand auf dem Bo-
den des erkalteten Tiegels ein Metallkorn, welches
genau eine -halbe Unze wog , einen körnigen Beuch,
tind eine in's Gelbliche ziehende Silberfarbe zeigte.
Der Rückstand war schwarz, pulverig, wog ebenfalls
genau eine halbe Unze, und hauchte einen starken
Schwefelgeriich aus. '
Bei ehiem peuen Versuche wurde das erwähSie
Metallkorn mit S Un^en Gufsstahl auf die schon be-
schriebene Art zusammen geschmolzen. Statt die ge-
flossene Mischung auszugiefsen , begniigte sich Herr
Fischer , dem Tiegel beim Herausnehmen aus dem
Pfjpn eine horizontale l^age zu geben, und ihn in die-
ser Richtung erkalten zu lassen. Nach dem Zerbre-
chen desselben fand sich das hierdurch zu einer läng'
liehen Stange gebildete Metall kryst^llisirt , so ^war,
dafs die Oberfläche mit von verschieder jsn Mittel-
*) Biblioth64fue universeile ^ Septemhr^ i8ai>
5o3
punkten ausgehenden Strahlen hedeckt schien. Auf
der ganzen Fläche zeigte sich ein metallischer Glanz^
der demjenigen nahe kam, welchen das auf Porzel-
lan getragene Platin besitzt. Das Gewicht der Legi-
rung war genau 5^ Unzen. Im Bruche zeigte sie
sich mit senkrechten^ theils glänzenden^ theils mat-
ten Blättern krystallisirt; dem Hammer gab sie nach,
ohne zu brechen^ bewies dabei aber einen aufseror-
dentlichen Widerstand. Nachdem sie zu einer ii
ZoU langen Stange ausgehämmert, und bei dunkler
Rothglübhitze gehärtet worden war, hatte sich das
Korn derselben so sehr verfeinert, dafs es mit freiem
Auge nicht mehr beiperkt werden konnte, und der
Bruch gleichförmig grauweifs^ fast wie der des Por-*
zelians erschien. Die Härte, welche die Stange an-
genommen hatte, war über Erwarten grofs, sie ritzte
glasharten Stahl , und widerstand der Wirkung des
Grabstichels. Die polirte Oberfläche erhielt augen-
blicklich eine ^ Art Damast, wenn man sie mit ver-
dünnter Schwefelsäure behandelte ; durch Salpeter-
säure erhielt sie blofs eine matte, dunkelgraue Farbe.
Federmesser, die man aus dieser Mischung verfer-
tigte, behielten lange Zeit eine aufserordentlich
scharfe Schneide,
Unter den Legirungen des Stahls, welche zur
H0rvorbringung des Damastes sehr geeignet sind, ver-
dient jene mit Chrom eine vorzügliche Stelle. Wenn
man, nsich Berthier*) , im Kohlentiegel ein Gemenge
von beliebigen Quantitäten Chrombxyd und Eisen-
oxyd heftig erhitzt, so erhält man jedes Mahl eine voll-
kommen homogene Verbindung beider Metalle. Diese
Legirungen sind im Aligemeinen hart, spröde, krj-
stallinisch, heller grau von Farbe als das Eisen, sehr
glänzend; übrigens weniger schmelzbar , viel weniger
magnetisch, und viel weniger von den Säuren angreif-
*) AmH^4i d4 ChimU ttda Physi^us'^ Mai i3ai.
5o4
bar 9 als Eisen. Diesie EtgBnschafcen besitzt die Ver-
bindung in desto höherem Grade^ je mehr sieverhäli-
nifsmäfsig Chrom enthält. Durch Zusamnienschmcl-
zen dieser Chromlegirung mit gutem , in sehr kleiae
Stücke zerschlagenen Gufsstahl erhielt Berthier eine
Mischung^ die man Chromstahl nennen könnte. Er
bereitete zwei Legirungen dieser Art^ "von denen die
eine i p. Ct.^ die andere 17 p. Ct. Chrom enthielt
Beide liefsen sich gut schmieden ^ die erstere scbiea
sich sogar leichter bearbeiten zu lassen^ als reiuer
Gufsstahl. Man verfertige daraus ein Tafelmesser
und ein Rasirmesser; diese zwei Klingen wurden sehr
gut gefunden, ihre Schneide war hart und fest; am
merkwürdigsten aber ist. der Umstand, dafs siedurch
Beitzen mit Schwefelsäure einen schönen, aus silber-
weifsen sehr glänzenden Adern bestehenden Damast
erhielten. — Auch Stodart und Faraday haben, bei
Gelegenheit ihrer Versuche über StahllegirungeO|
zwei Proben einer Mischung aus Stahl und Chrom
bereitet. lOoo Gran Stahl mit iG Gran regulinischem
Chrom wurden bei einem heftigen Gebläsefeuer
geschmolzen.; die Legirung liefs sich gut schoiieden,
war hart "und zeigte keine Neigung zum Springen
pder Reifsen. Auf ihrer polirten Oberfläche mit ver-
dünnter Schwefelsäure gebeitzt, zeigte sie ein kry-
stallinisches Gefüge, und erhielt, da die Krystalle
durch das Schmieden ausgestreckt worden waren, einen
sehr schönen Damast. Bei dem zweiten Versuche
lieferten 1600 Gran Stahl mit 4^ Gran Chrom ein
Korn, von viel beträchtlicherer Härte als das vorige,
welches aber ebenfalls einen sehr feinen Damast zeigte.
Hierbei wurde zugleich die überraschende (nichts
desto weniger aber zu erklärende) Bemerkung ge-
macht, dafs der durch Poliren weggenommene Da«
mast beim Erhitzen de.*: Metalls wieder zum Vorscbeia
kam^). {Repertoiy of Arts, Jan. iSaS, pag.g^)
*) Dieselbe Beobacbtung^habe icb selbsr oft be! dem nach Cri*
veüi's Metbod« damassirten Stahl geniachc.
r««
SoS
Nach Briant*) hat der Kohlenstoff den meisten
Einflufs auf die Hervorbringung des Damastes ;. denn
durch die Verlnndung des Stahls mit Kohlenstofi* al-
lein erhielt er einen schönen^ Damast*
Auch die Legirungen des Stahls mit mehreren
andern Metallen, z. B« tsm Platin, sind des Damas«
zirens fähig»
Hericart^de-Thurjr'inüeri sich**) über diese
Mischungen im Allgemeinen auf folgende Art : ^£s
ist immer gewifs^ dafs die Legirungen einen Damast
hervorbringen^ upd dafs einige dr^rselben einen eigene
thümlichen Charakter besitzen. So unterscheidet sich
der Damast der Platinlegirung merklich — Silber,
Chrom u. a. gleichen sich aber. Die orientalischen
Klingen zeigen eine grofse Verschiedenheit im Damast,
und man kann somit voraussetzen , dafs die Legirung
in ihnen verschieden ist.^ — Wenn wir, nach dem
Vorausgeschickten, mit dem letzten Schlüsse nicht
einverstanden seyn können, so liefert derselbe da-
gegen den Beweis, wie schwer es den Anhängern der
Krystaliisations - Theorie fällt, ihre Ansicht durchzu-c
fahren ; indem sie zu der Annahme einer Menge ver-r
schiedener Legirungen ihre Zuflucht nehmen müssen,
um eine Erscheinung zu erklären, welche nach un-
serer Voraussetzung blofs durch eine verschiedentlich
abgeänderte mechanische Bearbeitung hervorgebracht
wird. —
Die Versuche mit Stahl- Legirungen beweisen
nichts mehr, als dafs auch wirkliche chemische Ver-
bindungen von* Metallen etwas dem wahren Damast
Ähnliches zu liefern vermögen ; denn eine solche,
blofs synthetische Erfahrung kann uns nicht bewogen,
*) Bulletin th la SocUt^ ^Encouragemeutf i8si, p. 317.
*^) Daselbst, p. ie4«
5o6
eiae Meinung zu verlassen^ welche ihrerseits aaf so
▼iele gewichtige Gründe gestützt ist"^).
27) Häh man die im Vorhergehenden angeführ-
ten Thatsachen und Schlüsse zusammen^ so kann
man ungefähr folgende für die wissenschaftliche Be-
trachtung nicht unwichtige Sätze als Resultat daraus
ziehen :
I. Die Hervorhringung einer Zeichnung auf me-
tallischen Flächen durch Anwendung von Beitzen,
kann von zwei Ursachen herrühren ^ entweder nähm-
lich von dem Krystallgefüge der Masse , oder yqndem
mechanischen Nebeneinanderliegen verschiedenartiger
Bestandtheile,
fi. Die voÄ der Krystallisation abhängenden Zeich-
nungen bilden eine eigene Klasse der Erscheinun-
*) Ich mache mir ein Vergnügen daraus, die Ansicht eines
h\ev gewifs ]^ompetenten Mannes, des Qerrn Prof. CriveUi^
mitKutheilen. in einem Schreiben an mich aufserl er sich
nähmlicd folgender Mafsen: vDie Meinung der f ran sosischen
Gelehrten, über den Ursprung der Damaszener -Zeicbnun-
gen betrefTend , Iiann ich , nach vielen Versuchen , welche
ich über die ycrfertigiing des gegossenen Stahles anstellte^
Sie versicherp , dafs die Krystallisation eine Gattung unvoll-
Kommenipr Zeiehnyng hervor zu bringen vermag. Da aber
die Krystallisation die beste Hämmerung des Materials ver-
liindert, so ist es handgreiflich, dafs sie die Güte äer Werk-
> seuge herab etipt. Die gröfsten Schwierighelten , welchen
ich während meiner Versuche begegnete , fand ich in der
Notbwendigheit , die Krystallisation zu verhindern oder zu
vernichten. Die Möglichheit, die Masse zu hämmern, ist
immer verbal tnifsmäfsig zur Hebung der Krystallisation; und
ich ineine sogar , dafs ^ner Anschein von Damast , welchen
die Frani^osen bei dem Wootz brmerlien , hcine andere Ur-
sache hat, als dafs sie den gegossenen STahl nicht zu häm-
mern wi^en. In jed^ni Italic ist dieser Anschein nur obei^
flächlicb, und geht mittelst des Schleifens aus; und damit
die verarbeiteten Klingen nicht brechen, mufs man sie nicht
harten Ein sehr gut damaszirtes Rasirmesser, welches
ich in Beiseyn des Institutes gegossen und gehämmert habe,
wurde, wie S\p9M%AemProü9.iso verbale vergangenen' Jähret
sehea V5nneii , för WaoU anerkannt ete^r
5o7
gen , welche man fortan mit dem Nahmen des Moir6
m€tallique bezeichnen könnte^ weil sie eins und das-
selbe mit dem bisher ausschliefslich so genannten
Phänomen sind. Sie unterscheiden sich in ihrem ur«
sprünglichen Zustande durch gerade^ unter gewissen
Winkeln sich berührende Linien y und können durch
mechanische Bearbeitung ihren Charakter etwas än-
dern^ nie aber ihn ganz verlieren^ wenn sie nicht sammt
ihrer Ursache — derKrystallisation selbst — vollkom-
men zerzort werden.
3. Diejenigen Zeichnungen , welche man an den
gewöhnlichen orientalischen Waffen findet^ unter-
scheiden sich^ nicht blofs dem Ursprünge nach, son«
deril auch in Bezug auf ihre äufsere Gestalt, sehr we-
sentlich von den obigen. Sie bestehen nähmlich aus
mehr oder weniger 'regelmäfsig gestellten, meist krum-
men, und keine Spur der Krystallisation zeigenden
Linien und Flecken , welche ihre Entstehung der un-
gleichförmigen Mischung der Masse, und der eben
so ungleichförmigen Wirkung der Beitze auf die ver-
schiedenen Bestandtheile verdanken. Man könnte
für sie in der Zukunft den Nahmen Damast beibe-
halten , im weitesten Sinne dieses Wortes aber auch
alle der Entstehung nach damit verwandten, undfrü-r
her aufgeführten Erscheinungen damit zusammen
fassen.
4. Jene seltener vorkommenden orientalischen
Klingen I welche eine offenb«ir von der Krystallissi-
tion herrührende Zeichnung besitzen, sind hiervon
gänzlich zu trennen, und dem Moirä in^tallique
( unter 2 ) beizugesellen.
5. Als charakteristischeBestandtheile des eigent-
lichen Damastes (3) kennt man bis jetzt blofs Eisen
und Stahl, oder überhaupt Eisen von zwei verschie*
denen Zuständen y in welchen es durch iSjiuren ver^
5o8
f chieden angegriffen ^ird. Die MengQDg aun beiden
Eisensorten kann, wie es scheint^ am zweckmälslg-
3ten durch mechanische Bearbeitung^ also durch
Schweifsen^ geschehen»
6. Ungeachtet mehrere Legirungen des Stahls
«ine dem Damast ähnliche Zeichnung liefern , so ist
dieses doch kein Beweis^ dafs die orientalischen Klingen
"wirklich aus einer solchen Legirung bestehen. Der
Wootz ist keineswegs das eigentliche Material dieser
Klingen. Es scheint zweckmäfsiger , die zahllosen
Verschiedenheiten des orientalischen Damastes aus
einer abweichenden mechanischen Bearbeitung, als
aus einer Verschiedenheit der Bestandtheile zu er-
klären.
IX.
Untersuchungen über eine besondere
krumme . Linie«
Von
Adam Burg,
Bcpetitor der böhern Mathematik am k. k. polytechaisehea
Institute.
•ELin Zufall reranlafste mich , die Natur einer kram«
inen Linie zu untersuchen, die vor eini^^en Jahren yon
Herrn Dubois , einem ehemahligen Zögling des Institutes
jcu Paris , auf folgende Art entdeckt -wurde. Herr Dubois
ergirg sich nähmlich in Begleitung seines Hundes am Mee-
resuf'er, bemerkte in einiger Entfernung einen seiner Be-
kannten, nnd ging auf diesen zu. Als der etwas entfernt
geifvesene Huivd dieses Mrahrnahm , rannte er gegen seinen
Herrn , und hintcrliefs im Sande die Spuren seines Weges»
welcher Herrn Dubois hei seiner Bückkehr, der Begel-
mäfsigkeit der auf diese Weise besehriebeifen krummen
Linie wegen« aufTieL Er suchte daher eine Gleichung
für diese Kurre, unter der Voraussetzung, dafs !•(«>• der
Hund immer genau die Richtung gegen seinen Herrn ge-.
nommen habe ; dafs 2* •• der Weg des Herrn eine gerade
Linie — und dafs S^ '^* sowohl die Bewegung des Herrn, als
die des Hundes gleichförmig gewesen sey. Obschon aber
diese Gleichung im 2ten Bande der Correspondance sur Ve-
cole Imperiale poljrtechnique^ Seite 375, angegeben ist, so
ist doch keines weges die Art der Entwicklung, um diese
Gleichung zu erhalten, angezeigt, so wie auch keine wei«
tern Untersuchungen über diese Kur^e selbst zu finden sind«
Ich glaube daher, dafs die Untersuchungen, die ich über
diese krumme Linie angestellt habe, und somit bekannt
^ebe , nicht ohne eiiiiges Interesse sejn dürften»
Es sey, unter den obigen Bedingungen, in Fig. 1 , Tab. VI.
dier Hund in A^ der Herr in ^; BG die Gerade, die der
Herr, AD MG die Kurre, die der Hund beschreibt; der
anlangliche Abstand AB sej gleich a, und der Winkel
ABGy den diese Verbindungslinie AB mit der Geraden
^G einschliefst, gleich a. Um nun eine ganz allgemeine
Gleichung für diese krumme Linie AD MG zu erhalten,
sej A der Anfangspunkt der Abscissen, AB die Abscissen— ^
BG die Ordinatenachse, so, dafs der Koordinaten winket
ebenfalls gleich a wird. Man ziehe nun zu einem beliebig
gen Punkte M der Kurve die Ordinate PM parallel .tu
]BG, setze AP=:x und PMs^jr\ zu demselben Punkte M
ziehe man auch noch die Tangente T MC^ so wird vermöge
der ersten Bedingung der Herr in C sejn müssen , wenrt
der Hund in M ist. Da ferner die Bewegung aus den
Punkten A und B zugleich anfing, so wird der Bogen
A DM in derselben Zeit t vom Ilonde beschrieben , in
welcher der Herr die gerade Linie BC zurück legt; setzt
man daher die Geschwindigkeit des Herrn gleich c, die
des Hundes gleich C, arc A D M=s Sy so ist, weil nach
der letzten Bedingung die Bewegung gleichförmig g^-^
schiebt: S^Ct und BCsscU Wird die erste Gleichung dif««
ferenzirt, so erhält man dSssCdli aber aus der^Eigenschaft
des Ktirvenelementes Ist auch <i*r= yi/^-j-flt^* — ^dx.djr
COS.CU Dahtr: C dt s:t y^^ijf^^. df^ — a dje^ dy^ cos. a
\
5io
*
j 4- J2!l_i^ CÖ8. «♦ Öder VeAi man 2^ =iK
^
setzt, sV ist: Cdizszdx\ \ ^w^* — a «/ cös. a^
In den beiden ähnlichen Öreiückeri HAT und PTC findet
folgende iPropoition Statt.' PTiPM — BT: BC^ und da
föi* jeden HcJordiriatenWinkel die Subtalngcntfe' PT:t=ijr -^
V
Uli «o wird B T=zBÄ—Ä T^BA— (AP— FT) = a —
« 4"^ ^ > werden daher für die Glieder dieser Piopor-
tioti die gehörigen Werthe gesellet, so erhält AätLi
jr — . :jrssa — ^+^ — : c*< daraas folgt, c^s=:(a — *) -.
•|-^. Wird diesei erhaltene" GUichnng differen^rfi so
Ist cdl=5 (d^a:) ^_^fr^4.£fr=(a— x)rf«#/, da-
^ dar dx ^
her dt SS 5.^ — L-ii^; wenn inan j^lzt den gefundenen
c '
Werthfürde in die obig« Diflerenzialgleichung Cd£ a
dx ^ 1 -j-jf» — 2 ji^ cos. a substitairt, sp erhalt man die Glei"-
C
c
yvenh man das Yerhältnifs der beiden Gesichir^indigkeiten
L.sszn setzt) und der Integrirung wegen, diese GleickuJig
t
dtP
iincters ordnet : ^ as-JT^^
chüng: - (a-^x) dtvsstdx V i-f-«'* — a >^ cos. a, öder
ri(a—x)^y I — a cos. a. w + w*.
Wenn man diese i)ifferenzialgleichüng integrirt, so er-
hfilt man:
-:— i Idg« (a^^*) SÄ log; a+ log. | m> — C6s.a+
U^Y^i— a COS. a; »1^ -f. w^* 1 -flog. Consta oder, da log; t
schon in log. Const begriffen istc
5ii
■ 1 I I— — Ifci^M*
I — a COS. a. u/J^tinl J^ log. Const. Daher auch:
(fl — jt) " es Const. J w — COS. a-fV> — acos. a^^^-w* 1
Um die Konstante zu bestimmen, bemerke man, daPs aus
der Natur der Sache für jfsso auch ^s=o und BCss^o
wird, es ist aber iJCssc^Bs (a-*-x) ^-{-^9 daher o ss
I
ai4f^o mithin auch m^sso; es ist daher 1 a ^ ss Const.
I
II
^ — GQs. d 4* 1 ) ui^d daraus folgt! Const. s=s «^
t — • cos. a
Läfst man der leichtem Entwicklung wegen in der Glci«
dhang, für diesen gefundenen Werth der Konstante, blols
C stehen , so erhält maii:
^ g X ) — ^ . ^^^^ a B= y I — 2 Cos. a. m/4- iv^
I
( a «J — _ ^^ 2 ^,0g^ ^^ ^;.g«3 1 .^^ 2 cds. a w*^w^.
Aus dieser Gleichung folgt nach gehöriger Redulition ;
-mssiia x^ " ■ C sin. * * / a — - x'i" <• -
w — l« ^; — JL COS. a — ■ ^ :. und wennf
man stMt W seinen Werth setzt : -/aaVf '^ '+ cos. «*
_ Csii».>a(a-x)\ a^„. foig<.
5l3
1
n
C «In. fl*.
ifni21rf4f# Wird diese Gleichung intcgrirt, so
2
erhalt inani
^ =
n+ i
4-^C08.O+ -Ä
Csiti. >a. (a^3?) ^ j^ . ^^1^ ^ j^jg neue «ü bestim-
meiide Konstante is(: da abfer wie zuvor für x=o auch
na» nC sin. *«. ö *^
^=.0 iTird,' so iit ö SS -^^
ÄC(rt— i)"^
4- X, därflus folgt: K— ^
n — i
n a ^
n C sTft. *a. a *
2C(n— i) si'iHrO
Wenn' man daher diesen gefundenen Wcrth für K in die
n
Gleichung setzt j so efhältinan: ^
aC{n~i)
1—
+
;r cos. äi und wenn man endlich auch fiSr C seinen Wertfc
•etj^t^ 60 ist:
ji — I
^— ^ift — cos. a). I „
a(n— 1)
— (fl — a:) '^
J^X cos. ff)
2(rt-j-i)(i— COS. tf)[
da ab^r 1 — cos.a=2 8in. *f a, sin,*rta=/l sin.*^ o, cos.*;«»
80 erhält mäü nach gehöriger Reduktion die gesuchte
Gleichung, oder:
• I « — i ».— I
a » — (a — x) ■
nSlTI. «7« n
n
a
5i3
n COS. "7 a 3
-2 — a
^+^ .
X C08. a.
Soll die Zeit f bestimmt werden, in welcher der Herr
"ton dem Hunde eingehohlet "v^ird , so darf man nur, weil
ini Augenblicke der Begegnung die Kurve mit der gera-
den Linie BG xusamnfen fällt, mithin für diesen Punkt
der krummen Linie AB^=:a die Abscissc, tind JSGss et
die Ordinate wird, in die erhaltene Gleichung jr ^ss et
und X -=i a setzen,' und aus dieser entstehenden Gleichung
die Einhohlungszeit t bestimmen. Es ist nähmlich:
71. sin; *-7 « n cos. *-a , "" ■ j i
c4= . 1— a — * a 4* A <508. a, und daraus
n — 1 H-|- i
folgt nach gehöriger Reduktion: t = ?L^-II ^V
Um die Bichtighcit dieser erhaltenen Gleichungen
znm Theil zu erproben, kann man jetzt verschiedene
Bedingungen machen und sehen , ob die ' erhaltenen Re-
sultate mit der Natur der Sache übereinstimmen. E^
sej zuerst die Geschwindigkeit des Hundes gleich jener
C
des Herrn, d. i. C^=s c daher n==z:' =^ 1 ; unter dieser
c
Toraussetzung g6ht die Gleichung der Kurre in folgende
über:
siA. ^a. fl f « .; . v„t cos. 'fa^— -* •
^= -! lao— (a— ;ryj .^ d
ja* — (a — ••a?)*! +* cos, a-=8in. *i a. a? — cös "7«
/ggar— x»v ^^ aber. das Glied sin.' *fa.a2 zu Üsiim-
V aa / .0
men ,' mtrfs man nach den bekannten Regeln lA dem Bruche ;
«—ji^ Inf
fl * — (g — j) j^^ gömeinschafllichen Faktor, der
für n = 1 0 wird , im Zähler und Nenn6r abkürzen ; wir^
-Jahrb. ^ poT/t. Iiml. IV. Bd. 33
5x4
daher Zähler und Nenner dieses Braches so differenxirt,
dafs n die Teranderliche Gröfse ist, so erhält man:
^ - log., a (a^x) " log.(a-^> ^^ ^^ ^ ^j^j
also ?=^log.tf — log.(a — .T)-=log. ^ Es ist daher for
. o . a — 0?
diesen Fall die Gleichnng der Hurre: jr r=-. a sin. 'je
log. g _/2/?jr — ar^\ ^^^ «^ a + ar COÄ. a.
a — a? \ ♦ 2a /
Dasselhe Besnltat vriirde man übrigens, nvr aof
einem liingem Wege, gefundeft haben, wenn man in die
obige Difl'erenzialgleichung {A) n z=^ ä gesetzt, unddaao
erst die Gleichung integrirt haue.
Setst man ip diese gefundene Gleichung x=^ a, io
wird wegen log. ? =• log. 00 = 00 Änch^ = öO, ^^^
o
unter der gemachten Voraussetzung, dafs der Herr und
der Hund einerlei Geschwindigkeit (laben, wird der Weg
des Herrn zur Asymptoie der krummen Linie, d. h# der
Hund kann sich dem Herrn bis in's Unendliche nähern,
ohne ihn jedoch jemahls zu erreichen. Wird in die Gleichung
für die £inhohlungszeit i, C ==- c gesetzt, so wird:
< =^r— IZ —j =^ 06» welches ebenfalls anzeigt,
dafs unter dieser Toraussetzung kein Einhohlen mög-
lich ist.
Wenn man ferner unter dieser Voraussetzung, dab
C^==:c also n = i ist, in der Gleichung t:=r^(!lZL22hl)
c\ /i* — 1 /
den Winkel aT=:^o setzt,« so geht der Bruch; * 1^
n* — I
in > über, und man erhält nach gehöriger Bestimmung
o ^
dieses Braches, t ^s: JL^ • Die G)eichuj)g der Kurve aber
5x5
Terwanielt «ich In Folgende :>' = « — CflfJZf!^
\ 2tt •
s= fL., welches offenbar die Gleichung einer geraden Li*
a a
nie ist« £& wird nähmlich bei dieser Voraussetzung in
Fig. 2 der Herr in ß^ der Hund in A sejn , und da der
Hund mit derselben Geschwindigkeit gegen den Herrn
kommt, werden sie sich in der Mille der Geraden A B^^^a
treffen, also wird t ^=^ et und i = -f— die Zeil für das
3 2C
Zusammentreffen 9 so M-ie 'diese eben gefunden wurde«
Eben so kann man in d.e allgemeine Gleichung der Kurve
ohne für n einen speziellen VVerlh anzunehmen, a ss o
öetzen. In diesem Falle verwandelt sich die Gleichung^
der Kurve in folgende :
y 5P: ± — -: a " I tt — (a — x) " I und die
Gleichung für die Einhohl ungszeit wird in diesem Falle:
^ a f n — 1\ a a .. .
f = - ( '. .1 =: _ • --r-7; — ; so ifio CS auctt
seyn mufs, weil Ct 4~ c£ =c a ist.
Wäre aber die Geschwindigkeit das Hnndes sogar
kleiner als die des Herrn, nähmlich C^c also n^ \;
so würde die Gleichung für die Einhohlungszeit in fol-
gende übergehen: tss-f — '.JLlZlj ; soll aber ein Zusam«
mentreffen möglich sejn, so mufs i einen positiven Wertk
erhalten. <lnher mufs cos. a^/t sevn. Da aber der Cosinus
eines Winkels wächst, wenti di'rVVinkel iibniinmt, sdinufs
unier dieser Voraussetzung der Winkel ABC=a in je-
dem Failo ein sjiizer, un.l zwar um so kleiner s yn,
je kleiner /i, d. i. je kleiner C gegen c wird; in diesem
F«'ille aber betindet sich der Hund vor dem' Herrn, wie
dieses aac|i, soll ein Begegnen möglich werden, aus der
Natur der Sache nicht anders seyn kann;
•
SetiTt man csso» also nss _ as ÖO« so verwandelt
o
33*
5i6
sich die Gleichung der Kurre in folgende: ^=:sin.*^«.
«•[« — (a — ^ ) I — CO»- H **• « I'* — (^ — •^)| +
^ COS. .a, oder es wird nach gehöriger Reduktion jr=o; «
gehet nähmlich unter der Vor.ai]ssetzung, dafs der Herr
im Punkte ß stehen bleibt 5 die Kurve in eine gerade
Liqie über, welche mit der Abscissenachse AB zusam-
men fallt , so wie es auch der Natur der Sache angemessen ist,
weil in diesem Falle der Hund die Gerade AB beschreibt
Sucht man noch für diesen Fall die Zeit des Einhohlens,
so wird <= ? ( ^ ) 5=: ^L-; um aber diesen Aus-
o \QO^/ 0,00
druck XU bestimmen, setze man in die ursprüngliche
Gleichung: i= ü: (^ — cos.aX \^^^^ ^ ^^.^^^ Werthi
c V n»— 1 / «
$0 wird i sa —
c
fC ^
^-•'— COS. u
c
aC
(C — CCOS. a\
ßr
c tss o wird daher: <äs _ J^ also a ssi C t wie ei
sejn mufs.
Man setze jetzt den Winkel asstSo Grad, so rer-
Wandelt siel* die Gleichung der Kurve in folgende:
jr=a anl a » — (a — .r) «1 — x und es wiri
in Fig. 6 der Hund in ^, der H'err in B seyn. Für die
Einhohlungszeit t erhält man die Gleichung: t^z^Tl^tl]
g35 -. oder wenn für n der Werth gesetzt wird:
c (/i — i)j
< SS , eine bekannte Gleichung für die Zeit desEin-
C — o
hohlens, wenn sich zwei Körper in einer Geraden nach
derselben fiichtung bewegen.
Dafs übrigens die für diesen Fall umgewandelte
5i7
Gleichung der Kurve , nähmlich ^ss ^ ^ ^«
n — 1
— x) • J —
a •
— (a — ;r) • | — x welches die Gleichung einer gera-
den Linie ist, in welcher die Abscissen-Achse mit der Or*
dinaten- Achse zusammen fallt, seine Richtigkeit hat, kann
noch auf folgende Art untersucht werden : Es folgt sowohl
aus der Natur der Sache, als auch aus der Gleichung für die
Länge der Kurye, dafs für diesen Fall diese Länge gleich der
Abscisse mehr der zugehörigen Ordinate wird; denn es ist
die oben gefundene Gleichung für die Länge der Kurve
oder S^s=. / dx ^ * + ~.^ ^ ^®*- « i «etzt man ia
U djr* dx
diese Gleichung a s= 180 Grad, bo ist S ss f dx
Es ist aber auch aus dem Yorhergehenden S es Ct,
wobei £S3 \^~^) _:?1 4, *?^ ist , also wird: Sssnia — x)
c dx~ c, \ ^ '
dy
-^ 4< /i^; witd nun die in Untersuchung stehende Glei^
äx
chung difTerenzirt , so erhält man :
j- s=sa "(a — x) — 1, diesen Werth samm t jenen für,
in diese Gleichung gesetzt gibt :iSs=RaÄ(a*-x) » — yifa — ») g
\
ü— I »— »
n «I ^ « _(a— «)
4- • A
n — 1
n — I
a
^— (a— «)"»^J •
Da man aber auch aai der xu
prüfenden Gleichung ^+*='* a*| " -^ä*-«) *
1 f *T**^
» »I« ■
a I •*
findet, so ist, wie es seyn mufs: 5ss=ar-|.^%
Will man die Gleichung der Kurve a^if rechtwinhe-
5i8
lige Koordinaten beziehen , so , dafs in Fig. i die Ton i
auf die Ordinatepachse- Bß senkrecht geßllte Linie A^,
Abscissen^Achse wird: so bezeichne man die neuen Ab-
fcissen A P' mit .r' und die neuen Ordinalen P' M mit r',
drücke die vorigen Koordinaten durch diese aus, und
subslituire die erhaltenen Werthe für x und r in die
Gleichung für die Kurve. Es ist aber in dem Dreiecke
AP P, AP'=AP sin. a und P' P - — AP cos. a, oder
x' ^== X ?in. X und daraus x «= , P^P =r — ar cos. «
sin, a
^^--^ .t' CQlg. a} ferner i^t M P' ^ MF + P P' daher
y ^ y — - X* cotg. «, also y ~ r' + ^' ^*^'6- ^* ^*^
'ser Werth von .t und r in die Gleichung der krummea
Linie gesetzt, gibt:
^'-|-a?'cotg « =
n sin, *ri »
n
71
\ sin.a/
• a
TlCOS. *r« A
V^ sip. a/
7l-|- l
oder yretm man die Accente ^egläfst:
1 f
-j-x' cotg, q*
^ =
n sin. 4 a "
I
IS
n — 1
n 4-1
n^ I
•■-(
»— I
. ■
a S'n. flt— • a:\ n
sin. a
n -*• 1
)
n cos. *T«
n / a9in. a^X)\ n
"^ V sin. a / j
Will man statt der Linie AB — «, die Senkrechte
AB* in die Gleichung bringen , so setze man AB^ ^= ^i
dannist6 =rasin.aunda=: -_ , daher :^=i * — !-—
sin, a /i— 1
b "
fin«
n— I
« — 1\
6 » (6 — ar)
it — i
sin« " a
n — t
Sin«
neos, 'ra
1
^
t
/^-^
sin« a
I
'n
5i9
Ä ■ ( b~x) »
n-f »
n H- i
sin.
n sin. *{• a
(ti— 1 ) sin. a
a sin. " a.
it — I
-.(6-ft)
n
^ n COS. *7 a 6 «
(n-j-i ) sin. a
+ *
■»- 1
6 - — (6— x)
71 tang. 7 a n
— — b
b •-(&-*)- U
» COtg. 7 «
,a(n + i
1
n
b " Ä — (6— :r)
n
Wenn man endlich noch den Anfangspunkt der Ab-
scissen nach B* verlegt, dafs man also in dieser G!»i-
chung statt 6 — x x schreiben mufs, so erhält man die
»— I
Gleichung: y=!Liü!SlJ_l 6 I 6 " —
n cotg -J- et
-b
Setzt man in die-
serGleichung c = o d. !♦ »=00, sQwird^=s — (6—*)
cotg. a die der Natur der Sache gemäfse Gleichung für
die Gerade AB.
Rektifikation dieser krummen Linie.
Die Länge der ganzen Kurve AMG vom Anfangs-
punkte A bis zum ßegegnungspunkte G kann ^ehr leicht
gefunden werden, weil arc. AMG == Ct^ wobei die Ein«
hohlangszeit , oder e -=5 -( -JH *Jl\ ist; es ist daher
«c AMQ = 9 a /"inffflf^ = n « / " - CO»- A
t
%
Um aber die Länge dieser Kurve allgemein ^ far jeden
Werth der Abscisse x zu bestimmen, substituire man in
Anfanf^s gefunäene Difiereniialgleichuog :
i^ (irY^^cos.^.t. für d..-« Quotit-nw«
den gehörigen \Ycrtli , und integrire dann diese Gtci-
nung.
Wird niihnilich die allgemeine Gleichung dieser
-iurve:
-(.-.) ■ _'
,^|
»+■
— (a — x') ° I + ^ COS. a diflTerenzirt , so ün-
man: ^ — sm.-o I I — cos. '-al t
dj: "Va — j:/ \ a /
■ COS. n, daher ist: dS ^ d.fY('4- sin. '^«Z ^ ^ );
rf CO». *-J- "(" •'V' + COS. »a — a sin. 'j o cos. »f «
+ 3 CM. a »in. »; °(— ^ — ) — '«P»»-«-co«-'f'(-^^^^^)
— a coi. *a ■ — s cos. a sin. *i «I ) + « coa, s.
,....,.(r=f)=J = ^V|-.i...;.(-^y
4-C0B.*7nf f ^\ +a »in. *f « 'cos. »JoI'ä. d m
Diese Gleichung integrirt gibt:
S = GODSt.
1— •
sm. >~a. a la — ^ I 4. ^
n — 1 \ / «^ n-4- 1
+
COS. *|a.a (tf — x) 1. Um die Constante zu be?
stimmen , bemerke man , dafs für x = o auch s = o
seyn mufs , daher : o = const. — [ sin. * f a, #
JL C08.*7 «. fl J ; aus dieser Gleichung folgt:
/sin. »7 a COS. *i a\
cpnst. = n a l . ? — j_ 2 — ) ^^ n a
f^IZ ^)* ^^ ^^^ daher allgemein die Länge dieser
krummen Linie, oder:
fn — C08.a\ I n • -i ^"Z \ «
1 Lill
J^ COS. *fa.a [a — x\ \y für « := 0 erhäU
man ^ =s arc. AM G = n ^ ( . 1— ) wie zuyor.
Um wenigstens eine Supposition zu machen , sej
e rsi o also n =O0; in diesem Falle wird: S -=^ a -*—
I sin. *7 a (fl — ^) + COS. *7 a (« — ^)j = a — 7
(« — x) = »T. Es wird nähmlich unter dieser Voraus«
Setzung, vom Hunde die gerade Linie ^ ^ «Fig« I be«
«ichrieben, deren Länge immer gleich der AbtciMO
selbst ist.
ia^
Quadratur der Fläche , Welche Ton der Abtcissey
der zugehörigen Ordinate und dem entsprechenden
Bogen dieser krummen Linie begränzt wird.
Um in Fig. 4 ^ic Fläche APM zu bestimmen , setzte
man das Flachenclement gleich df^ so ist wie bekannt:
dj^ ^ — jr dx sin. a, oder wenn ssait y der Werlh aus
der Gleichung der Kurve gesetzt wird:
/f »in. * r a
1 ^1
dx-^dxQ* — x) I •_
— — V I <w? — ar(Ä — *) I +«rfxcos*a f sin.«.
Wild daher diese Gleichung integrirt, so erhält man:
S =
/isin, »^a "
a
n
n— I
t «— %
X '\-
n
a/t
(a — x)
neos *! a
/i-j- l
n 4- i
«-j-
n
2/1 + 1
("-*)•
x^ cos. a
sin, a + consl.
Da für X — o auch /=: o wird, so erhält die
ConstaiUo den Werlh:
Const. =
• I sm. »7
V(/.— 1) (3/1—1)
at
,.^^, cos.*7a. ö* ) sin. a. Es ist daher:
V/i+ i) (3/1+ i) /
5a3
/«
»i.
n 8in. '7 a
7t
— •
— TT
X +
2/1— I
(a~ar)
n COS. *7 a
n +
_ ^t ^» (" ^^"' 't ^ _f^!lJijL_ »in. «•
\(/A 1) (2/1 1) ('i+«)l2/l+l)J
Für ar = ö scy die Fläche AMGBA == F, so ist:
F = [^"^"-'t « a^ _ neos. »1 «^g^,^^ COS. a _ ^^ ^^
\ n — I 71+ 1 2
/ sin. * f a COS. * 7 a \ 1 .
( 1 : ! . j I sm. a
\(/l — 1) (2/1 1) (/l+l) (2/1+1 / j
, . / 2/1 — COS. CL \ ^„ . jl
«= <i* sm. a 1 ) . Für einen andern
V 2(2/1 — 1) (2/1+1) /
Absland des Hundes yoin Herrn : z. B. gleich A^ wäre
die- Fläche, wenn alles Übrige gleich bleibt: jF' ss;
^»sin./if 2/1 — COS. « Y j^j^^^ ^p^ _,.^^^ ^^^
\2(2/i— --1) (2/1+ ly
Bestimmiini» der krummen Oberfläclie des Korners,
'welcher durch die ümdrebnng der von der Kurve
AMC Legranzien Ebene AB'GA um die
Achse AB' entstehet.
Um diese Oberfläche zu bestimmen, zähle man die
Abscissen lon A aus auf der Geraden AB'^ welche senk-
recht auf B* G sWhet, urtd zugleich die. Umdrehungsachse
ist; es sey nähmlich A?' =z x und P^ M ss= r. Für die-
sen Fall ist die schon oben abgeleitete Gleichung der
Kurve
Izm im]
b — (6 — jr) I _
i
S20
die gleich Anfangs gefundene DifferenlialgleiclMUig:
<fiS r= da:\\M /^V — 2C09. a.^ far den Quoticntea
*^ \dx/ dx ^
^ den gehörigen Werth , und integrire dann diese Glci-
dx
chung«
• Wird nähmlich die allgemeine Gleichung dieser
Jtutve :
B — I
It — »
-- n
jism. T ** «i . " / -«x
n — 1
n COS. * 7 « fl ■
/t4-i
^ " -.(tf_ar) *? j + :r cps. a differen^irt, so fin-
det man: ^ ■= sin.'^a ( — t — )
cos.
H^)'
J[- COS.
=^ d.Tyfii'+
rf CO», «i «(-^nl)" + cos. »« — 8 »in. »| a cos. 4 «
I
+ 3 cos. a sin. *f a(^-£_y — aco8.a.cos.«fi(.fZlfj
a
— 3 CO*. »« — fl CO», a sin. »I a(- " ) + « CO». «•
• \a — x/
^üo^.^^ayt f\ -|-a sin. *7
a *COS. *f ä|
l/iT
•■''•'>(7:by+~-^<-*^')T
Sai
Diese Gleichung integrirt gibt:
1^ =. const« —
81B. >|-a. a (ö — x) A ^
€0s.*fa.a (« — x) I* Um die Constante zu be?
stimmen , bemerke man , dafs für x = o auch S = o
»eyn mufs, daher: o = const. — | — H — sin. *- a. #
JL cos.^l «• ^ I 9 A^s dieser Gleichung folgt:
^^^^. /sin. »7 a cos. ^{ a\
V n — i ' 71 4- » ^
(—HI -*-*)* ^^ ^^^ daher allgemein die Länge dieser
krummen Linie , oder :
(« n— I
1 W +l\
-|- -!L-.cos,4a. a r« — xj I ; für * =5 fl erhält
man
arc. AM G s= n g i 1 wie zuror«
Um wenigstens eine Supposition zu machen, sej
tf -== o also n =00; in diesem Falle wird: 3-=^ a —
I sin. *7 a (a — *) + COS. *7 a (a — x)j = a —
(^ — :r) = X. Es wird nähmlich unter dieser Voraus«
Setzung, Tom Hunde die gerade Linie ^ ^ ^Fig. I be-*
schrieben I deren Länge immer gleich der Absciss^
selbst ist.
5a4
f *+ 1
n COtg. f a ^ "
»+ i-^
n
y in welcher
Gleichung bcsAB' ist S^tzt man das Element der zu
suchenden Oberfläche gleich d. O^ so ist nach behannten
Gründen: d. O = 2 jr^ Vaa * + d;-* == 2 sr r f/xA/ , ^
wird daher die Gleichung der Kurve differenzirt, so ist:
C-f-O-- •"•=
da:» 4 '6 — x) '
' <ie» 3 \6 — x) ~
COgt, 7 « / ^-^^^^
Ferner ist:
(—)=
V. +^rl^
dx*
■
(yttang. 7 g ^^
« — 1
it
I« — 1
_(i— *)
(^y+
cotg. t « /*
2
(
(6 — «) «-(i— «)
« — »
n
n
4(114.1)
6 (ft-r-ar)
(6~x)
+
( 6— « ) — (& — ar)
nC0tg.*7 a
-^1
A " (6-*)"-(i-*) " j;
es ist
4(«+i)
daher nach gehöriger Reduktion^
I
UO ^ak l «(t— neos. tt)| o * dx(b-
V 4(n* — 1) ( COS. »f
5a5
)
«— I
+
6 « dx(b — xY
sin. *f a
n
+
n
4(^ + 1)
COtg. *|- et 6
«— t
«^(*— «) —
7t «
tang. * ^ a 6 da: (6 *— a:)
4(/i— i)
Wird diese Gleichutig inte^rirt, so erhält tQan :
^ ^ ^ I n*(i — n cos..a) t «^
C7= const. — 3 * I i^ 1 — ^
n
"*"4(Ä~i ) («4-1 y sin. »i
it
(*-*)
ift >4-i
+8örVo»*"*s-*^-*
s
Jl
• II + ■
(^-X) _
n'
8(/i— O*
li
»
»Ä — •
tang. »ia.6 (6— ») _
n(6— «)»
4(i*— i)i
Da hier wieder für « = o auch O =: o irird , so et^
hält man, nach einer gehörigen Redaktion fttr die Cen-s
staute den Werth:
const ~ü^y f n^ (t ~n cos, ä) (n— cos, d
{ (a* — i) *siri. *a
. n^ [(/i— i) ^cos. g — 4 71 sin« *i g] 71 \
**" 15(74». -1) *7in. »g 4(n»— i)j;
Es ist daher allgemein die krnmme Oberfläche, oder:
O -f a jr 6* f ^^ ( 1 — 71 COS. tf ) ( 71 — COS. g )
l (71« — 1) « sin. «a
. ni r(n— t)icos.g— 4nsin. ^f g] n \
2(71«— 1)1 sin- «a : ' "^ 4(n2_i)j
5a8
ax* cos.««« COS. «» =*• cos, « +a., mithin:
(■
«« dx + dM
m I . t
n 4- I
}i — * I
(« — jc^) ~atf rfa;(fl — ar) | -)-
n + »
1 n -r » I« — r >
n n
4- a dx{^ — ^) — 2 rfx(.
_ g 71^ sin. '^ a C09. *7 «I a* dx^a
71'— l l
Diese Gleichung iategrirt, gibt:
«4- t
rfj?(a-:— jc)
0
3 n — «
n + I
««— I
a 7t "
(« — «) + /^ '" ^ (-»— x)
2 71 1
+
71* COS. ♦■?- Ä
»t " «
2 71
.«•jj—.^ -.^ (« — X) +- ^a
3/1+2 JÄ/t-t- 1^
»I 27t^ Sfal. '^ a COS. '7gL'^4- ^ '
^ '^ y 71* -* I ^ 2 71+1
(*— «) ' +
H+i
» n— »
71
271 1 3 j
Da für jrs= o aucli Ji[ e= o wird, so erhält die Coo'
stante den Werth:
Consti
0
'r a
371 2
I» +
Sag
+.
fl n ^ I »• COS. *7 a I » , I 9 fl I
oder es wird nach gehöriger Redaktion:
»■<*' sin« 'a, jr
Const.
I fe(3-^4n)
[ (,i^i)» (a/i— i) (3a-
n(ä4^ 4^)
y
COtg. *f a
tang. *i a — ; ^,j — ,- ■ — •
(n+i)'(3Ä+i) (3n+a)
a(8w'+i) 1 ji .^. j^^ . allgemein :
jf „yi sm. 'a «
^ 4 "
ä^ x^
n
371 — 3
(a^x)
Sn — •
» 4;j^ in — « ^
, ^a n • ^ « , »(3 — 4i)ö* 1
+
COtg. 7 a
(/l+ !)•
• _» S«+ i
3n + a V / T ^
■■•
^ ' («n+t)(3ä+«)j «•— ij*
X
in — •
aii+ 1
^ (a^X)
a/i—- 1
(«-«)
I)
Für JT s=3 a erhält man endlich den ganzen Körper oder
0
l«fcrb. Im poljt. Inst. lY. Bi,
34
53o
cotg. * I g f ,« n(3+4») a* \ •
(^,_<gyi' + i)a*| j_ n' g» sin. 'a y T lang, 'j •
3(4^' --i>)y a 1(2/1— i)(3n-«)
., cotang. H g ^ 4 ]
Wollte man blofs den Körper haben, der darcli£e
Umdrehung der Fläche ABGMA um die Achse ^B' ent-
stehet, so dürfte man nur Ton diesem gefundenen kör-
perlichen Inhalte, den Kegel abziehen, ifiv dnrch Um*
drehung des rechtt?inkeligen Dreieckes AB^Bj um die
Kathete AB^ entstehet«
Setzt man in den erhaltenen Ausdruck für JT, e^9
so gehet die Kurve AMG in die Gerade AB^ and det
Körper in einen Kegel über, der durch die Umdrehun;
des rechtwinkeligen Dreieckes AB^ B am die Katbete
AB' enUtehet,
Üs ist aber it =. ^ r= q^ . mithin verwandelt sich die
obige Gleichung in folgende: ,
«. 00 ***' "^ '^* ^f^"6 '7 ^ cotg, •70. * ^1
a* sin. •« ^ f sin. • 7 a cos, • ^ a '\ . ^ i.^.
z: I : • . — 3 I s ea istaber
lA Icos^'ia sin. '4 « ^
sin, '7 a cos< '7 et sin. *7 o + COS. ♦f o — asin.^T«
COS. • 7 a sin. * f a gin. •{- a cos. *; «
COS. • t A _ ^sin. *7 g — cos, »^ a v* _ .2sin. '|g— tj
\ sin. 7 i. cos. 7 a / Vsin. 7a cos. 7«'
_.-cos. g - 4 COS. 'g , ^j,^.^^ ^ = ^' «in. >g r
"^\ 7 sin. g / sin. 'g **
4 COS. '«^^^ ^ »^> «* <^<>»>'« welches auch wirklich
sin. *g 3
der richtige Ausdrack für den Inhalt des gedachten He-
gels ist.
53i
Für die Glerchong der Kurre auf reohtwinkeligo.
Koordinaten bezogen, nähmlich y = ^ ^^"g* >7 ^ ^ i
2(/l — i)
6
_(6-;t)
9 erhält man ii^r den Krümmungshalb«
messer, wenn dieser gleich Ä gesetzt wird, JR ==' —
n(6 — -a?)
^"('-^/)'<
tang. f a / \ ^cotang
wobei das negative Zeichen anzeigt ,' dafs sich der Krüm-
mungshalbmesser Ton der Kurve aus , nicht nach der Ab-
szisse, sondern nach der entgegengesetzten Seite hin er-
streckt, also TOii der Kurve die konvexe Seite ge^cn die
Abscissenlinie gekehrt ist.
X.
Nachtrag zu dem oben befindlichenAufsatzeNro.YIII,
. über die .Yerfertiguiig damaszirter Säbelklingen.
W as ich hier nachzutragen ndthig finde , ist eine
von Herrn Professor CrwtLli mit der gefalligsten Offenheit
mir mitgetheilte , leider aber erst nach vollendetem Ab-
drucke des obigen Aufsatzes eingelangte Nachricht über
die Verfertigung des S. 484 erwähnten Damastes mit der
regelmäfsigsten Zeichnung. Die Hervorbringung dieser
ungemein schönen Gattung des Damastes gründet sich, wie
leicht voraus zu sehen war, und wie ich auch in der
S« 484 stehenden Note angedeutet habe, auf das nähmliche
S. 475 nahmhaft gemachte Prinzip , welches so viele an-
dere, höchst interessante Abänderungen zuläfst, und. des-
sen Auflindung dem genialen Entdecker , auch ohne seine-
übrigen Verdienste , einen sehr ehrenvollen Platz unter
den Gelehrten Europens anweisen würde, —
34*
/
532 J
ä;
Die Zeichnung, deren Gestalt duroh den Lauf der pa-
rallelen Linien in Fig. 6 (Taf. YIII) hinreichend bemerk-
bar gemacht ist, wird im Voraus «auf beide Flächen der
nach ^. 4 und 5 meines obigen Aufsatzes bearbeiteten Slahl-
stange so aufgetragen , dal's die Theile derselben einander
genau gegenüber stehen. Mit Hülfe des Meifsels haut nun
nun auf einer der beiden Flächen den die Zeichnung bil-
denden Streifen selbst , auf der andern dagegen , das ihn
umgebdnde Metall bis zum dritten Theile der Dicke heraas.
Wenn Aie Stange solcher Gestalt ausgehöhlt ist, glühtman
sie 9 uiid schlägt sie mittelst eines grolsen Hammers flach.
Da die Zeichnung i welche auf einer Seite herror ragt,
eine gldich geformte Aushöhlung auf der andern Seite un-
ter sieh findet, so vertieft sie sich darein, und der Damatt
wird regelmäfsig , zugleich aber so dauerhaft , dab er nie
durch Schleifesn ausgeht. Man wird in diesem Prozesse
die Gleichheit des Prinzipes mit jenem , welches der Yer-
fertigung des Rbdetteii -^ Damastes ( S. 469 bis 473 ) ca
Grunde liegt t nicht' verkennen« Statt einer 1 wie im T0^
liegenden Falles dtagrtcqae geformten Zeichnung, kann
man durch dipsds Mittel auch jeden beliebigen andern Des-
seiii; ja selbst Buchstaben und ganzd Nahmen < 'irie es Hr.
CritfßUi mehrniahls unternommen hat, herror bringen.' — Das
gegen das Ende des Aufsatzes Nro. YIII , in einer Note e^
wähnte Rasirniesser ist niir in der Zwischenzeit als eiuGe-
scherik von Herrn Professor Crii>eUi gütigst überschickt
worden > und es frdu^ mieh^ hiei;' naChträgliph yersichem
zu können^ dafs durch die Betrachtung des^ielben nieine oben
dargelegten Ansichten kein^s^r^gs Waiikeild geworden sind.
Der aiifserordentlich feine ^ mehr aus Punkten aU Linien
bestehende^ Damast dieses Messers läfst sich nähmlich
sehr wohl aus den! Gefüge der Masse oder aus der Lage
der Theile in ihrem Innerii ( einer ünirollkomnlenen Krf-
stallisation) erkläreil^ und er gehört demnach, wie ick
gezeigt habe , eigentlich der Klasse des Moire an , wenn
fteine Zeichnung auch bedeutend von diesem abweicht—
Karl Karmarsch.
XI.
Wissenschaftliche und technologische
Notizen,
ausgezogen aus den englischen und frail-
zösischen Zeitschriften«
Von Karl Karmarsch, •
Atsislenton des Lehrracfacs der Technologie am lif bi
polytechnischen Instiinte.
I. Nachricht von den in Frankreich eingeführte^i
Kachemirziegen; nebst Bemerkungen über das
feine Wollenhaar einheimischer Ziegen.
JLiA zweiten Bande dieser Jahrbücher, S. 364, i*t
Nachricht gegeben wordep tod 4er glücklichen Verpflan-
zung der Kachemirziegen nach Frankreich dprch die Herren
Ternattx und Jauhert, Zur Vervollständigung dessen , was
dort über die Geschichte dfeses für diß Ökonomie und Tech-
nologie gleich wichtigen und merkwürdigen Unternehmens
gesagt worden ist , stelle ich hier die rorzüglichsten spä-
tem Nadhrichten zusammen. Als Quellen sind dabei meh-
rere in dem Memorial ^nioersel de V Industrie fran^aite- (Pa*
risy seit 1820), und in den Archioes des decouoeries von 1821
befindliche Aufsätze benützt. Man hat sich in Frankreich
selbst über die Zweckmäfsigkeit und den wahrscheinlichen
Erfolg der Unternehmung viel gestritten ; besonders merk-
würdig ist ein Aufsatz in dem ersten Bande des erwähnten
Memorial', dessen Verfasser (Rou^ier de Labergerie) auf eine
etwas anzügliche Art« zum Theil aber auch mit gut gewähl-
ten Gründen , die grofsen Hoflnungen auf einen ausgezeich-
neten Erfolg za mäfsigen sucht. Hit Übergehung alles
534
"Übrigen , habe ich hier blofs da» Historische angehoben,
und auf eine solche Art zusammengereihet, dafs daraas der
Gang des Unternehmens dentiich in die Augen fallt.
Vermöge eines zwischen Herrn Ternaux und der Re-
gierung geschlossenen Vertrages reiste Jaubert im April
1818, mit einer Empfehlung des Ministers Richelieu ver-
sehen , aus Frankreich ab, und richtete seinen Lauf zuerst
nach Odessa > von wo er sich nach Astrachan , in das Lager
des russischen Generals J^r/no/o/^ begab. Dort 20g er bei
bucharischen , hirgisischen und armenischen Handelsleaten
die nöthigen Erkundigungen ein; man sagte ihm, dafs am
Ural eine Ziegenart yon glänzender Weifse existire 9 derea
Felle reich an feiner Wolle wären , und die daron erhahe-
neu Proben schienen ihn) yoUhommen mit der durch dea
russischen Handel nach Europa kommenden Kachemirwolle
überein zu stimmen. Dieser Weisung folgend drang er
in die zwischen Astrachan und Orenburg liegenden Steppen,
wo ihdi zerstreute Flocken der nähralichen Wolle zu Ge-
sieht kamen, die ihn Ton der Entbehrlichkjeit einer be-
schwerltchen Reise durch Persien nach Thibet überzeugten.
Hier brachte er 1 ^89 Thiere an sich , übersetzte mit diesen
die ff^olga, und nahm seinen Weg gegen das azowscheMeer
zu; da er dasselbe aber schon yomEise bedeckt fand, war
er gezwungen , die Reise längs der Küste bis nach Theo-
dosia fort zu setzen. Bei seiner Ankunft in letzterer Stadt
waren ihm bereits 288 Thiere zu Grunde gegangen« Hier
war es, wo rersrchiedene persönliche Widerwärtigkeiten
Herrn Jaubert zu treffen anfingen« Gewisse zu dienstfer-
tige Freunde in Odessa hatten rorschnell die Nachricht yer«
breitet, dieser Franzose komme mit einer Herde von
dreizehnhundert Kachemirziegen aifs Thibet zurück , und
eine solche Neuigkeit erregte in den Hauptstädten BuJ^
landss wie billig, eine grofse Verwunderung« Die Harn-
barger Zeitung bestätigte jene Nachricht bald darauf; und
niemand schien mehr daran zu zweifeln , als man sich an-
Versehens, durch Znsammenhaltung der Entfernung mit
der seit Jaubert's Abreise yerflossenen Zeit, von der Un-
möglichkeit einer solchen Reise überzeugte.' In Petersburg
erlaubte man sich bei dieser Gelegenheit boshafte Sarkas*
men und bittere Ironien in Menge gegen den neuen fran-
zösischen Jasons Jaubert sah sich hierdurch yeranlaHiti
dem GouTcrneur von Theodosia auf sein Ehrenwort zu er«
535
Uiren , dafa er 'selbst auf keine Art ^nr Yerbreitung der
Meinung i als komme er wirklich aus Thibet , habe beitrat
gen wollen. Während dem wufste man im Norden bereits,
"wa&man in Paris nicht wufste, nähmlich dafs diese Ziegen
jEur Yerpflanzung in die Pyrenäen bestimmt waren.
Wenn Jauhert Befehl oder Instruktionen hatte, eine so
grofse Anzahl yon Ziegen zu kaufen , so mufste er in glei«r
eher Zeit auch Vollmacht haben, eine angemessene Zahl
Ton Transportschiffen zu ipiethen ; das scheint aber doch
nicht der Fall gewesen zii seyn, denn er begnügte sich mit
zwei kleinen Fahrzeugen , in deneil die Thiere so wenig
Raum hatten, dafs sie sich kaum bewegen und niederlegen
konnten« Eine solche unangemessene Zusanunenhäufnng
hatte für die Gesundheit derselben üble Folgen, die sipH
wohl hätten yoraussehen lassen: die Verschiedenheit der
Nahrung, der Mangel an Luft und an Bewegung, so wie
die faulen Miasmen, deren Bildung unter diesen Umstän«
den nicht za vermeiden war, richteten schreckliche Ver«
Wüstungen unter der Herne an. Ob nun gleich durch
das eingetretene Sterben der Raum für die zurückbleibeuT
den Thiere von Tag zu Tag yergröfsert wurde, sq wav
doch die Quelle der Ansteckung nicht beseitigt; ja es
scheint selbst, dafs der im April 1619 zu Marseille ange-
kommene Transport auf dem Wege yiel yom Durst gelitT
ten habe.
Herr Tessier^ ein Mitglied der Akademie der' Wissen-?
Schäften« und Inspektor der königlichen Schäfereien, er-
hielt Befehl , diese Ziegen in Empfang zu nehmen. Er
fand sie in einem traurigen Zustande ; seinem Berichte zu
Folge waren dieselben ohne Ausnahme yon der Räude be-
fallen, zwischen deren eiternden Krusten Würmer sich
eingenistet hatten , ein auffallender Beweis yon der Ver-
nachlässigung dieser Thiere , an denen nur noch einzelne
mit Haaren- bewachsene Flecken zu bemerken waren. Ein
anderer^ Ficq d'AzjT hätte , in der Betrachtung , dafs ^le
erwähnte Hautkrankheit die Wiedererzeugung des Flaumes
in seiner Quelle yerhinderte, dafs die traurige Existenz
dieser Thiere keinen befriedigenden Erfolg yersprechen
konnte, und dafs es am zweckmäfsigsten gehandelt seyn
würde , künftige Kosten zu ersparen , unfehlbar darauf aur
getragen, die ganze Herde in das Meer, zu werfen) Her^
536
T(0fft>r aber Terfehr anders: er wollte den Rnhoi htbea,
die mit so yielen Auslagen herbeigeschaffVen Thiere na
Nutzen Frankreich» bei Leben zu erhalten , and das ist ihm
auch glacklich gelangen. Nach einiger Unachlassigkett
wählte er nähmlich folgendes Mittel znr Heratellang der
Ziegen^ welches ihm das zweckmäfsigste schien. Alle
Thiere wnrden vollkommen abgeschoren , nnd hierauf mit
einer aus Schweinfett, Sohwefelbliimen nnd Kantharidea
bestehenden Salbe ron der Schnautze bis zu den Fflfsen ein-
« * ■
geschmiert. Qann schritt Herr Testier, in Gemäfsheit des
Eingangs erwähnten Vertrages , znr Auswahl von hnndert
Thieren , die von der Regierung übernommen werdea
sollten; diese, nebst noch fünfzig auserlesenen, ffir Reck-,
nung des Herrn Temaux bestimmten , kamen nach der kö*
niglichen Schäferei zu Ferpignan , die unter der Leitung
des Herrn Oüpier^ eines eifrigen, kenntnifs- und erfahrungs-
reichen Mannes, steht. Die übrigen liefs man in den Umr
gegenden von Marseille iind Toulon»
Pas abgeschornc Haar wurde dem Minister des Innern
überschickt; mit einem Theile desselben stellte man 2a
Rheims^ unter der Ayfsicht einer Kommission vonManufak-
ttiranten, einen Webe versuch an. Der Zeug, den man er-
hielt, ward bei der Ausstellung im Louvre dem Urtheile
des Publikums unterworfen.
Mehrere Ziegen waren zu Marseille gestorben ; ihre
yiiefse wurden nach Paris geschickt, nnd zum Gegenstande
eines andern Versuches bestimmt , über welchen eine aus
dem Grafen ChapteUi dem Direktor Christian, dem Shawls-
Fabrikiinten.^^Za/t^e, dem ynterptäfekten von Saint-DeniSß
und dem Maire yon Saint'^Ouen zusammengesetzte Kommis-
sion die Aufsicht führte. Die in Folge dieser Yei;anstsl-
tnng' zu Saint - Ouen fabrizirten Gewebe waren gleichfalls
mit den übrigen fndustrial - Produkten im Louvre aafg^
stellt, und das Publikum hat sie dort während länger als
einem Monathe nach Bequemlichkeit untersuchen könneo«
Man hatte zu jener Ausstellung auch eiii ganzes Yliefs bei'
gefägt, es war Jedermann* erlaubt, Flaumhaare davon her-
aus zu ziehen, und es blieb nun kein Zweifel mehr, ,ieü
die Shawls, welche aus dem nach Ankunft der Ziegen g^
sammelten Haare gewebt worden waren, den indischeiv
537
t
im^ dm früher «os^ echtem Hateriale in Frankrtkih reribr«-
tiglen Tollkommeii gleich kamen;
Die «n Perpignan etablirte Herde war bald yoUkom-
men wieder hergestellt, nnd hat seitdem sich bereits zu
Tcrmehren angefangen. Nach der Wurfzeit im März i8ao
fing das feine Wollhaar, von dem im April die ersten Spa-
ren sich zeigten, sich zu wickeln an {d se pelotonner)^
woraus auf eine Art von Reife geschlossen werden konnte.
Daher wiu:de dasselbe den Thieren mittelst homener Kämme
abgenommen , nnd man erhielt es auf diese Art fast ganz
rein yon gröberem Haar. Jedes Thier hat im Durchschiitt
3 Vs Unzen (6 V^ Wiener Loth) dieses kostbaren Produktes
fpegeben ; von einigen Ziegen und yon einem grolsen Bocke
erhielt man sogar sechs Unzen. Es findet »ehr weuig Ter-
lust Statt, und alles scheint anzukündigen, dafs diese Thier«
gattnng sich leicht akklimatisiren werde. Die Ziegen
sind in Absicht auf den Milchertrag den einheimischen yor«
zuziehen. Die groben Haare derselben haben eine yer^
achiedene Länge; man hat bemerkt, dafs die kurzhaarigen
Thiere manchmahl mehr Wolle liefern ,' und dafs beson-
ders die grau gefärbten eine feinere Wolle geben. Man
hofft di.e Menge des Ertrages durch Verpflanzung der
Thiere in die höheren Pyrenäen - Gegenden (also in ein
ihnen mehr angemessenes Klima) zn yergröfsern; und man
will auch durch sorgfältige Auswahl der zur Fortpflanzung
bestimmten Thiere, so wie durch die Vermischung der-
selben mit inländischen Ziegen, die einen ähnlichen Flaum
tragen , zu gewinnen suchen« — Aus öffentlichen Blättern
ist bekannt geworden, dafs am io. Oktober 1822 die dem
Herrn Temaux gehörigen Ziegen znSaini-Ouen yersteigert
wurden. Die obersten Autoritäten des Maine-Departements,
die Deputirten der Kammer, die Naturforscher der ganzen
Umgegend,. und eine Menge von Pächtern, Gutsbesitzern
und Ökonomen waren dabei zugegen. Die ursprungli-
chen Ankömmlinge, fünfzig an der Zahl, und sämmtlich
trächtig, wurden im Durchschnitte zu hundert Franken
an Mann gebrach.t Die in Ftankr&ch geborneil Thiere
gifigen imGanze^i zn deifselben Preisen weg; doch wurden
einige Böcke bis zu aaS Franken gesteigert. Die Verthei-
long der Thiere im ganzen Lande kann (Ör die einheimi-
sche Ziegenzucht yon Nutzen seyn.
53«
t
Eb ist eine wirklich flicht unwiehtigei wenn gleick
nicht mehr neae, Erfahr ang, dafs auch die europäuchai
Ziagen eine Art Flaum , oder eine sehr weiche feine Wolle
unter dem langen groben Haar , welches ihren Körper be-
deckt, tragen. Man findet darin nichts weiter , als die
allgemeine Vorsicht der Natur^ welche den Thieren in der
kältern Jahreszeit pine dichtere und wärmere Haarbedek-
kung yerschafil»
Lorgetil^ Maire von f leider hn Frankreich^ hat dem
Minister des Innern im Frühjahre 1820 sehr schonen Flaum
Ton inländischen , französischen , JZiegen überschickt. Ein
einziges Fell soll mehr als Vi Pfand (14 Wiener Loth)
dieses Materiales liefern« Seinen Nachrichten zu Folge
scheint es, dafs dieses feine Haar erst beim Eintritt der
Winterkälte zum Vorschein kommt, dafs es zu Anfang dei
Februars seine gröfste Länge Irreicht hat, und bald darasf
Ten selbst ausfallt In den Monathen Norember und De-
zember scheinen die Thiere vom Abnehmen des Flauras
noch zu leiden, späterhin aber nicht. Gegen das Ende
des Monaths Jänner würde also die Zeit fallen, in welcher
es am vortheilhaftesten wäre, das Haar zu sammeln. Un-
ter denjenigen Personen , welche sich in der Folge vorzüg-
lich mit der Bestätigung dieser Erfahrungen abgegeben
haben , verdient ein gewisser LareiUei im DeparL des Lan-
des genannt zu werden. Derselbe hat dem Minister des
Innern mehrere Pfunde Ziegenwolle übergeben, deren
Feinheit aulserordentlich gewesen sejn soU. Der Präfekt
zu Ajaccio (auf Korsika) , welcher das feine Wollhaar auch
bei den korsischen Ziegen fand , gibt den Monath Mors als
die beste Zeit zur Einsammlung desselben an. Nach seinen
Erfahrungen sind der Hai» und die vordem Seitentheile
der Ziegen am reichlichsten mit diesem schätzbaren Mate-
riale besetzt. Um dasselbe den Thieren abzunehmen, hat
man zwei Kämme nöthig : einen von Hörn , mit sehr gro«
ben und ziemlich weit aus einander stehetiden Zähnen, und
einen andern aus Buxbaumholz, welcher mit zwei Reihen
verschieden feiner Zähne ' versehen ist. Des ersteren
Kammes bedient man sich, um die Haare der Ziegen vor-
aus in Ordnung zu bringen ; mit dem zweiten geschiebt
das Auskämmen des wolligen Flaumes, wozu man sich An-
fangs blofs der grobem, später aber der feinern Zähne
bedient« Diejenigen gi*oben Haare, welche mit dem Flanooie
53^
sogleich ansgeruaefi werSen» mufs man sorgfaltig dayon
trennen • noch ehii man den letztern von den Zähnen des
Kammes abnimmt; denn die Vernachlässigung dieser Vor-
sicht Terringert den Wertb des Produktes sehr bedeutend.
Die Operation des Kämmens hat zugleich den Vortheil»
dafa dadurch die dem Gedeihen der Ziegen höchst nach-
theiligen ZtfcA;«» (Schaf lause, Tiques) beseitigt werden. Man
-würde daher nicht übel thun, die Ziegenhirten in allen
Gegenden , wo nach der Quantität der Ziegen ein bedeu-
tender Wollertrag zu hoflen ist, mit den erwähnten beiden
Kämmen zu yer sehen«
Auch im österreichischen Staate wurde man bald auf
diesen Gegenstand aufmerksam« So machte im Jahre 1820
der Beamte bei der k k. allgemeinen vereinigten Hofkam-
mer in If^icn, Herr Johann' Richter, den Vorschlag , feine
Gewebe aus inländischer Ziegenwolle zu verfertigen ; und
einige Zeit später sammelte der k, k. Gubernialrath , Staats-
güter- und Salinen - Administrator in GaUzieriß Johann
Ritter von Sacher, wirklich etwas oedeutendere Quantitä-
ten dieses Materials von einheimischen Ziegen« Die von
ihm dem Herrn Regierungsrathe und Direktor des. poly-
technischen Institutes überschickten Muster haben theils
eine schmutzig weifse, theils eine bräunlich graue Farbe«
und kommen dem echten thibetanischen Ziegenhaar , mit
welchem ich sie zusammen hielt, an Feinheit und Länge
beinahe gleich. , Sie sind aber«/ mit einer bedeutenden
Menge grober , langer und steifer Haare gemischt , deren
vollständige Absonderung bei der Bearbeitung eine grofse
Schwierigkeit machen dürfte« Aus den Mittheilungen des
Herrn Ritter von Sacher verdient übrigens noch Folgendes
hier eine Stelle.
Dafs jede gemeine «Ziege in Winterszeit unter den
Stichhaaren eine Hautbedeckung von feiner Wolle habe,
war nicht nur schon früher bekannt, sondern dieGebirgs-
bauern und Ziegenhälter in der Buko^fina haben für diese
Ziegenwolle ihre eigene Benennung (Strim), Ob sie jedoch
davon eine, und welche, Nutzanwendung machen, darum
hat sich bisher niemand bekümmert, so wie man über-
haupt auf das Dasevn dieser Wolle keinen besondern
Werth gelegt hat Erst auf Veranlassung der von Frqnk-^
reich aus bekannt gewordenen {Nachrichten ist cl^eser Qe-
54o
genstand näher gewürdigt» und den Wirthschafb-YonU-
hem in zwölf kameralischen , im karpathischen Gebirge
Ton der siebenbürgischen bis an die schlesische Gränze,
unter dem 47., 48* und 49**** Breitengrade gelegenen Herr-
tchaften aufgetragen worden, darüber anhaltend nachn«
forschen; wozu einem jeden die auf Zeit und Art der
Wollegewinnung Bezug habende Belehrung ertheilt wurde.
Aus den darüber eingelangten Berichten geht als erwiesen
herVor: 1) Dafs die feine Wolle bei den Ziegen jeden
Alters und Geschlechtes in den Sommermonathen gar
nicht vorhanden sey ; s) dafs dieselbe erst in den Monathen
Dezember, Januar und Februar aus der Haut hervor cu
kommen anfange , im März , oft auch im April unverändert
bleibe, und erst bei Abnahme der Froste und beim Genob
frischer Weidenahrung sich ablöse. In diesem Zeitpunkte
bilden sich aus der Wolle lockere Flocken , welche theili
von selbst abfallen , theils an dem Strauchholz , zwischen
welchem die Ziegen der Nahrung nachgehen, hängen blei-
ben ; 3) dafs diese Wolle an solchen Ziegen , welche den
Winter über in Stallungen gehalten und genährt werden,
gar nicht zu finden, und nur jenen ei^enthümlich sej«
welche, den ganzen Winter im Freien »ohne Obdach rer-
lebend, ihre Nahrung vorzüglich in den abgelegenen Ur-
Wäldern an Baummoos , Baumrinde und abgehauenen
Ästen des Nadelholzes finden. Je anhaltender der Win-
ter ist, und je gröfsei' die Fröste sind, desto häufiger
pflegt die feinwollige Hdiitbedeckung zu sejn. Junge
Thiefe solleiY dieselbe in weit reichlicherem Mafse, als
erwachsene , besitzen. Die von einem Individuum zu er-
haltende Quantität Wolle bestimnit auszümitteln , hat man
sich fergebens bemüht; weil die unbedeutende Strenge
des Winters (i8ff) der Erzeugung nicht günstig war, und
Weil man bei ähnlichen ungewöhnlichen ]$achforschungen
vield Yorurtheile der Gebirgsbewohner , als Eigenthümer
der Ziegen, zu bekämpfen hat, bis die Erfahrung von der
, Unschädlichkeit der Abnahme der Wolle für die Gesund-
heit und das lieben der Thiere überzeugt hat. — rDie oben
erwähnten , durch Herrn Bitter von Sacher dem polytech-
nischen Institute eingesandten Proben (welche zusammen
35 7i Leth betrugen) sind das Besultat Rieses ersten Ein-
sammlungsversuches, und gewähren die nicht unwahrschein-
liche Hoffnung eines guten Erfolges der in Zukunft nocb
anzustellenden Sammlungen.
54i
a. Über einige Substanzen^ welche die Fähigkeit
besitzen, vegetabilische Stoffe unverbrennlich zu
machen.
(Arehives des difeouvertei et inventiom nouvelles ^ faites en 1811 ;
liondon Journal of Arti and Sciences^ Nr. JLXIX. Alai^ i893.)
Die Eigenschaft, Papier und Leinwand unverbrenn-
lich so machen 9 welche GajT' Lussac in der Auflösung des
phosphorsauren Ammoniahs entdeckt hat *)) hestiramte
Herrn Hempiinne^ Apotheker zu Brüssel j Untersuchungen
über jene Substanzen anzustellen, welche die Verbrennung
des Papiers, der Leinwand und des Holzes'' verhindern
können. Er hat gefunden: 1) dafs das schwefelsaure Am-
moniak mit dem nähmlichen Erfolge bei Papier und Lein-
wand angewendet wird, als das phosphorsaute Ammoniak,
und dafs es vor diesem noch* den Vorzug einer leichtem
und weniger kostspieligen Bereitung hat; s) dafs daä bo-
raxsaure und salzsaure Ammoniak, der salzsaure Kalk,
das neutrale kohlensaure Kali^ und der 2inkvitriol mehr
oder weniger dieselbe Eigenschaft besitzen. Alle diese
Auflösungen müssen konzentrirt sejn ; sind sie schwach,
so mufs die vegetabilische. Substanz mehrmahls eingetaucht
werden f bis sie Vollkommen Unverbrennlich lirird«
Was das Holz betrifll , so kann es durch blofses Ein-
tauchen gegen die anhaltende W^kung einer Flamme nur
dann geschützt werden ^ wenn es iii sehr dünnen Blättern
ist, die ohne Anstand ganz Von der salzigen Flüssigkeit
durchdrungen werden. Herr Hemptirine schlägt zwei Ver»-
wahrungsmittel zu diesehi Zwecke vori entweder soll man
das Holz auf die Tiefe einiger Linien verkohlen , und es
dann gut mit einer Auflösung yon phosphorsaurem oder-
bor^issaurem Ammoniak tränken; oder^ was sicher^ ist,
man soll das Holz mit Leinwand umwickeln , die mit den
*) Von der Richtiglteit dieser Entdeckung habe ich mich durch
eigene Versuche überseusU Gelcinites ' und ungeleimtes
Papier sowohl als Leinwand, die ich in der Auflösung des
pliosphorsaüren Ammoniaks getränkt und wieder getrocknet
hatte, widerstanden dem Feuer, in welches sie aelcgt wur- '
den , so sehr , dafs sie sich blofs langsam verkohlten , und
erst nach längerer Zeit sch.wach sum Glühen kamen. Nur
in seltenen Fallen peigte sich dabei auf Augenblicke eine
leichte , kaum sichtbare , grüne Flamme*
544
4 Neue BttchdrucLerpresse.
Der Buchdrucker Hel\fanh in Erfurt hat eine Presse
erfunden , welche der des Herrn König (diese Jahrb. Bd.I.
S. 470) vorgezogen isu werden rerdient. * Dieae Maschine,
welche in jeder Gröfse ausgeführt werden kann , und wel-
che acht Bogen zugleich druckt, liefert in zwölf Standen
Ton jedem Bogen 7000, im Ganzen also 56,ooo Abdrücke
auf beiden Seiten. Sie wird leicht durcli ein Pferd in Be-
wegung gesetzt« Drei Me&schen reichen hin, um dai
Papier auf den Bahmen zu legen , und es nach dem Ab-
drücke wieder wegzunehmen* Die ausgedruckten Formen
werden beseitigt, und durch neue ersetzt , ohne da/s die
Maschine in ihrem Gange eine Störung erleidet. Einfach
und fest, ist ditese letztere nur trenigen Beparatareo un-
terworfen.
B. Über Stereotypendruck.
i)er Wunsch ^ gewisse Werke , deren Absatz sicher
genug ist, wiederhohlt abzudrucken, ohne erst jedes Habl
den Satz erneuern zu müssen , 1v:ar die Veranlassung znr
Erfindung des Stereotjpendruckes. t)er genannte Zweck
wird dödur^sh^ dafs man den Satz eines Buches stehen läfst,
nm ihn bei gelegener Z^it Ideder zu benützen , nur unroll*
kommen erreicht; denn die ünermefsliche Quantität roa
Lettern, die dazu erforderlich seyn würde, das grobe
Gewicht derselben 4 und die Möglichkeit des Auseinander-
fallens der Fornien^ sind wichtige Hindernisse« K^
nahm daher ^ besonders um das Einschleichen von neoen
Druckfehlern zu verhindern ^ seine Zuflucht z^ der Terei*
nigung der Lettern durch den Gilfs ; und dieses war der
erste Übergang zu dem eigentlichen Stereotypendnick,
wobei freilich die grofsen Kosten des stehenden Satzes
nicht erspart werden konnten. Späterhin kam man aoi
den Gedanken , steh der gewöhnlichen Lettern blo£^ £d>a
anfänglichen Satze zu bedienen, mittelst dessen man i^
der Folge aus einer eigenthümiichen Metall mischungsuii^
Abdruck geeignete Platten verfertigte« Das Wesen' des
Stereotjpendruckes besteht demnach in der Anwendung
fester Platten statt der sonst gewöhnlichen, aus bewegt'
chen Lettern zusammengesetzten, Formen. Es leuchtet
wohl Jedem von selbst ein, dafs zwischen dem Stereotypen*
545
ämcli^ and äem Dra6%6 der Chinesen mitteltt hölzerner
Tafeln einige Abhlicbkeit herrscht, ohne dafd man übri*
gens deiswegen die Chinesen für die Erfinder des Stereo-
typendrMckes halten darf. Eben so weAig ist es erlaubt}
die Einführung des Stereötjpendruches als eine Rückkehr
DU der altefi Methode jenes asiatischen Volkes zu ver-
schreien ; denn zwischen dem Schneiden einer hölzernen
Tafel und der Verfertigung einer Stereotypen form findet
ein höchst .wesentlicher Unterschied Statt.* Wirft man
dieser letztern vor, dafs ihr Material nicht wieder zu
neuen Formen verwendet i^erden könne, so gilt dieses
nur halb ; denn das Metalls, woraus sie besteht , wird nö-
thigea Falles ohne Anstand wieder verbraucht, was bei
einer geschnittenen Holztafel nie möglich ist. Man inufs
vielmehr die Stereotypie als eine wahre YerbesSerung der
Typographie ansehen; t«reil sie* nicht nur alles das leistet,
was man von der gewöhnlictien Buchdruckerei zu fordern
im Stande ist) sondern aui'serdem sogar bedeutende Vor-
.theile 'gewährt 4 die^sich durch das gemeine Verfahren ^ar
iiie erreichen lassen. Von diesen Vorlheilyi erwähne ich
-nur a) den Umstand, dafs sich in die einmähl mit Sorgfalt
horrigirte Form ganz und gar keine Fehler mehr einschlei*
eben können, und dafs man demnach der Gleichheit aller
Ab4rücke versickert * ist^ b) die Möglichkeit, mit einem
einzigen Satze viele zum Abdrucke taugliche Platten her-
zustellen, wodurch man in den Stand kommt, mehrere
Pressen zu beschäftigen ; endlich o) den Vortheil, dals
man di^ Druckplatten leicht immerfort aufheben kann, weil •
weder das Material derselben ^ noch ihre Verfertigung$art
so grofse KosAen erfordert, als dieses bei einem gewöhn«
liehen stehenden Satze der Fall ist.
Indesseu kann mahn nicht längtien, dal's es bei allen
jenen Büchern , bei welchen neue unveränderte Auflagen
nicht so bald zu erwarten sind, voitheilhafter sey, gleich
mit dem ersten Satze, d. h* mit den gewöhnlichen Lettern,
zu drucken } und dafs dem zu Folge der Stereotypendrnck
kaum jemahls allgemein werden düi-fte.
Frankreich ist das Land, welches den Stereotypen«
druck am meisten gepflegt hat. Dort sind drei verschie-'
dene Methoden dieser Kunst , jede auf fünfzehn 5ahre , pa-^
tentirt worden , nähmlieh die des F« J» Hqjffmann zu Schielt'
JÜiYb. dit polyt, 1m\%, ly. B4« 35 ~
546
f
Stadt im Elsafs (16. Februar 1792), die des Lud4vi?; Stephan
Herhan in Paris (28. Dezember 1797), und des Firmin, Di-
dot (26. Dezember 1797). — Der II. und IV- Band von
der Descripiion des Bretfcts , dont la duree est expiru (1^ P-i-
m, 1Ü18 und 1820) enthalten ausführHohe Beschreibungeo
dieser Yerfahrungsarten, die ich um so lieber in einer
freien Bearbeitung hier miuheilc, da das genannte Werk
gewifs nur von Wenigen benutzt werden kann.
&ä HqffmanrCs Methode*
Der Erfinder nannte sein im Nachfolgenden beschrie-
benes Verfahren Polftypen*^ und Logotj-pen - Druck s tw^^
Benennungen, welche ich auch hier, der Kürze «egeo,
beibehalten wiU«
Die Grundlage dieser Kunst beruht auf der Eigen-
schaft gewisser Metall • Legirungen, nach dem Schmel-
zen langsam zu erkalten, und einige Zeit hindurch »1
einem Zustande der Weichheit zu bleiben , wo sie, gJc»^'*
dem Wachse^ durch einen angemessenen Druck die za^
testen Eindrücke annehmen. Der Erfinder hat es dahin
gebracht, auf solche Art Platten zu verfertigen,- die, g^«|^"
einem Kupferstiche , Zeichnungen oder Sehrift verlieft
enthielten. Die geringe Dicke der inittelst einer erdigen
Farbe auf eine polirte Kupferplatte gemachten Züge reicht«
hin, diese letztere verlieft in der Metall -Legirung her-
vorzubringen, welche während ihres Erkalten» gegen di«
Platte geprefst wurde. Der mit dem Kupfer in Berührung
gewesene Grund erschien polirt und glänzend, wie dieses
Metall selbst. Durch das bei den Kupferdruckern übliche
Verfahren konnte man von solchen Platten ordentliche
Abdrücke erhalten *). Die Ausübung dieser Art von Gi«-
*) Ähntiche Versuche Hat Cadet - de - Gaisicouri mit der />«J-
«^'scbeil Legirung angestellt ( siehe diese Jahrb. Bd. "^'
S. 4^^)' Ich selbst tvurde durch das Überraschende ^^
Resultate» veranlaf^t , einige Versuche der Art xu niacfae<ji
die auch wirklich gut gelungen smd; ungeachtet ich in>^^
eben dadurch übe|*zeugt habe , die HolTiiung Cadetl
dafs sich hierauf eine bequeme und leicht anwendbare Art
Äu drucken werde gründen lassen , könne gar nie in Errül*
lung gehen. Zwar hätte das von Cadet beschriebene Ve^
fahren den Vorzug einer ungemeinen Schnelligkeit y"^
Leichtigkeit für »ich , könnte daher in diesen beiden Küci^'
547
▼irong biethet aber Schwierigkeiten dar , die sich kaum
ganz heben lassen, Hqffmann benützte seine Entdeckung
blofs zur Verroll kommnung der Typographie mit gutem
Erfolg. Folgendes ist das Ton ihm zu diesem Behuf ange-
wendete Verfahren. •
sichten sehr wohl mit der Küpferstccherltunst , und selbst
mit der Lithographie rivalisiren; aber bei dem Abgiefsen
der Platten finden sich Hindernisse , die so bedeutend sind^
dafs alle auf andern >Vegen etwa zu erreichenden Vortheile
dadurch gann gewifs wieder aufgehoben werden. Aufser*
dem nahm lieh 9 dafs von einer grolsen bchärfe der hervor-
gebrachten Züge gar nie die Bede seyn liann, hält es auch
aal^erordentlich schwer, etwas gröfsere Platten vollkommen
6'ben~und glatt KU gierten«, vorausgesetnt selbst, dals man
durc|i Aufschütten von Wasser die Krystallisation des Me-
talles vollliömmen hindert. Meistens bilden sich in dem
geschmolzenen Metalle während des Gusses gröfsere oder
kleinere Luftblasen , die da'nn beim Erlialten Löcher in der
Platte Eurücklassen. . Dadurch, dafs man das Metall, wäh-
rend es noch flüssig ist, vorsichtig uinrührt, kann man
zwar der Luft und den etwa aus der Feuchtigkeit des Pa-
piers gebildeten Dämpfen einen Ausgang verschaffen; aber
doch geschieht es in den meisten Fällen ,- dafs die Platte
hin und wieder, besonders an den MSndern, porös, und
daher anbrauchbar wird. Ich habe auf die beschriebene
Art eine sehr beträchtliche Zahl von Abgüssen gemacht,
aber unter allen nicht einen einzigen ganz fehlerfrei erhal-
ten können, übrigen^ änderte ich später das von Cadet
angegebene Verfahren dahin, dafs ich auch den Abgafs von
Kupf'ersti^h9;bdrücken versuchte, and zwar insbesontlere
von solchen, auf denen sich sehr stark erhabene Schriftzüge
befanden. Das Resultat dieser Versuche war jedes Mableiue
Platte ,' di6 sich recht gut würde wieder haben abdrucken
lassen, wenn anders ihre Oberfläche an allen Orten ganz
glatt gewesen wäre. Gestochene Addrefs- und Visiten-Karten
fassen sich sehr scharf abgiefsen,' wenn man sie mit einem:
Bande von starkem Papiere umgibt,' und dann das Metall
(aus 8 Theilen Wismuth , 5 Th. Blei und 3 Tb. Zinn' ge-
mischt) aufgiefst. Mit noch gröfserer Leichtigkeit kann man
Mflnxfrn u. di^l. vervielfältigen; wenn man sie auf das ge-
schmolzene Metall legt, und etwas audriu'.kt. Sqlche Ab-
drücke lassen sich so<;ar mit einiger Vorsicht in die nähm-
Kche Legtrung wieder abdrucken , besonders wemi man sie
vorher mit Ötil bi^streicht . wodurch freilich die Schärfe
der Züge etwas leider. Ich mufs übrigens gestehen, dafs
sich eben so schöne Abdrücke auch in' geschmolzenem B)ei|
weniger gut in Zinn, machen -lassen; doch hat diq Anwen-
' düng der />arr<f /'sehen Legirung den Vortheil , dafs diese
tit'ii weniger schnell erstarrt , als alle übrigen Metalle. Bei
35*
148
eine wie gewöhnlich ans Beweglichen Lettern Eaian*
mengesetzte Form diente, um einen Eindruck in fette,
mit Gjlps gemischte, und mit schleimigen SabsUnzen zo*
Bereitete Erde zu machen. Dieser Eindruck wurde als
Matrize verwendet, auf welcher eine geschmolzene Mischan§
aus Blei, Zinn und Wismuth im Augenblicke des Erkal-
tens abgeklatscht wurde; so erhielt man Platten, auf deneo
der Satz erhaben war , und die ohne Anstand nn
Abdruck verwendet werden konnten.
Diese Methode hatte keinen andern Yortheil, als dafs
man durch sie nach Belieben permanente Auflagen xu e^
halten im Stande war; ein Umstand, der oft die mit der
Herstellung jener Drucktafeln verbundenen Kosten nicht
vergütete. Der Erfinder dachte defs wegen auf eine antlere
Benützun.^sart seines Prinzipes, und fand diese in dem ron
ihm so genannten Poljrijpen- und Logoijrpendruck (Polrtr
page^ Logoijrpage)^ dessen Beschreibung wir n an beginnen
Die hierzu erforderlichen Typen sieht man in Fig- ^
und5 (Taf. IV) abgebildet. Die eigentlichen oder einfache»
Typen, welche aqs einem einzigen Buchstaben hesie^^
(Fig. 4) , dienen , um mittelst derselben die Buchstaben
■■ ■ ■ ^
den häufig wiederhoblten Versuchen mit dieser Kompositi««
habe ich endlich noch Gelegenheit gehabt, zu hcmtrlt^
daf» sich ihre BcscbafTcnheit durch öfteres Umschmelzen be-
trächtlich ändert. Die drei mit einander verbundenen M^
falle oxydiren sich nähmlich nicht in gleichem Grade, und
' somit wird denn durch wiederhohltes Schmelzen das M>'
schungsverhäHnifs sehr abgeändo't. Dieser Erfolg findet ii
so hohem Grade Slatt , dais die Legirung Entctst nicht nur
sehr viel schwerflüssiger wird, sondern auch ihre Fäbigi^j^«
scharfe Abdrüche und Abgü&se zu liefern, grofstentheils
einbüfst. Noch mufs ich hier einen Irrthum berichtigen«
der ziemlich verbreitet zu seyn scheint. Fast allgeinei'
hält man nähmlich die Sprödigkeit der /^arcr/'scben Le^
rung für gröfser als sie ist. Unmittelbar nach ihrer Berei-
tung ist sie zwar brüchiger als späterhin , wenn ein gro/ie^
Theil des Wismuths durch die beim wiederbohlten Schmel'
zen eintretende Oxydation entfernt ist; doch aber läfst <>'
sich im hallen Zustande (hcifs ist sie jedes Mahl aufserordent-
Hch spröde) einigermafsen hämmern und dehnen. Dcfs^vf
gen ist auch das Zerbrechen der aus diesem Metalle ^^^
' senen Platten während des Abdrucices, welches Cadet-^
Goiticouri besorgte % ganz und gar nioht zu «r warten.
S49
de« Alphabetes elnceln nach einander in weiche Thonmasse
einzudrücken, und *auf diese Art Worte« Zeilen und ganze
Seiten zu bilden« Die >von dem Erfinder sogenannten Lo*
goiypen (Fig. 5) bestehen aus mehreren Buchstaben, wel«
che zusammen euien Theil eines Wortes , oder auch ein
ganzes Wort bilden ; ein treffliches Mittel , das Setzen zu
erleichtern und schneller zu machen. Das Wesentliche
dieser Werkzeuge geht, "wie man schon au« denZeichnun«
gen ersehen haben -'vv'ird, darauf hinaus, dais die einzelnen
Lettern unter rechten Winkeln an einen metallenen Wür«
fei befestigt sind« Alle erdenklichen Figuren können sol-
chergestalt in Tjpen oder Logotjpen verwandelt werden ;
wenn .es sich aber blofs um die Typographie und um die
in den Buchdruckereien gebräuchlichen Zeichen han«
delt , so bedient man sich der bei den Schriftgiefsern vor-
findlichen Lettern , um daraus die erwähnten Tjpen oder
Logotypen zu bilden« Zu diesem Behufe werden die Lettern
in eine kupferne, gehörig vorgerichtete Form eingelegt,
und mittelst einer Schraube in der 'passenden Lage erhal-
ten ; dann vereinigt man die Enden derselben durch Ein-
gl^elsen von Metall , und erhält so ein einziges , aus den ^
erwähnten Lettern und einem angegossenen Würfel be^
stehendes Stück.
Bevor von dem Gebrauch dieser Typen und Logoty«
pen die Bede seyn kann, scheint es nöthig, die Einrich«
tung des Fig. 7 gezeichneten Seizrahmens zu erklären , der
die Stelle des sonst gebräuchlichen Winkelhakens vertritt.
Was man bei der gemeinen Buchdruckeret Setzen
nenn; , besteht in der Zusammenstellung der beweglichen
Karaktere, in der Absicht, ganze Platten oder sogenannte
Formen dai aus zu bilden. In der Polytypendruckerei, von
der hier die Bede ist, verfährt man ganz anders: Setzen
heifst hier die Matrize verfertigen , die in der Folge zum
Abgofs einer ganzen Druckseite dienen soll. ' Der Setzrah*
men ist das Instrument, welches die Bestimmung hat, die
thonartige Erde aufzunehmen , worein die Worte mittelst
der Typen und Logotypen abgedruckt werden. Dieser
Bahmen ist von Messing; seine Seilen haben eine.der Dicke
des Thonklumpens gleiche Höhe , und die Einrichtung ist
so getroffen, da(s ein die Bänder des Bahmens umfassen«
des Lineal ab sich nach der ganzen Länge desselben ver*
95a
Breite des Bahmen« fortfährt, schneidet man ein trapet»
förmiges ^tück Thon heraus, welches durch die Ö^ni^ng de«
Messers eben so einen Ausweg findet, wie der Span durcVi
das Loch eines gewöhnlichen Hobels. Man zieht diese
Furchen nur immer in dem Verhältnisse, als man ihrer
pölhig hat; und sobald eine derselben yojlendet ist, wei-
den gleich mittelst der Typen oder Logotjpen die Bach-
Stäben, Sylben oder Worte eingedrückt, welche die Zeile
bilden sollen. Hierbei mufs'nun sorgfaltig darauf gesehen
werden, dafs die Leitern nie tiefer eingedrückt werden,
als sie über ihren Körper vorstehen , was sehr wenig ist;
der Thon leidet auch solche seichte Eindrücke, ohne einen
Grath aufzuwerfen. Der l^utzen des Zeilenmessers besieht
wie man aus dem Gesagten ersehen haben wird, darin,
dafs der gröfste Theil der Vertiefung in der erdigen Ma-
terie nicht von jeder Letter besonders, sondern für eine
ganze Zeile auf einmahl fremacht wird; auf der späterhia
zu bildenden metallenen Druckplatte müssen demnach die
Zeilen als lauter erhabene , 2u beiden Seiten abgeschrägte
Leisten erscheinen, auf deren Oberiläche die eigentlicfaefl
Lettern nur um Weniges vorstehen.: genau so^ wiew diese«
]i>ei einer gewöhnlichen Bud^druck^rform der Fall ist.
Der Schriftkasten einer Poljtypendruckerci besteht,
pach des Erfinders Vorschlag, für die französische Sprache
aus 870 Fächern, deren jedes ein einziges Exemplar einer
Letter oder eines Wortes enthält. Das Ganze ist nach dem
Alphabet geordnet, und, um allem Irrthume yorzubeugeoi
yerschliefst man jedes Fach mit einem Deckel , auf dem
der innen liegende Typus grofs und leserlich abgedruckt
ist. ' Die Gröfse des Kastens beträgt 24 Zoll in die Länge
und 14 Zoll in die Breite: er wird, wie bei der gewöhn^
liehen Art zu setzen , auf ein schräges Pult gestellt , w^)'
ches der Arbeiter nebst seinem Setzrahmen yor sich hat.
Da bei dieser Art zu setzen die Typen sogleich nach ge-
machtem Gebrauch wieder in den Kasten zurückgelegt wer-
den, so werden alle jene Irrungen vermieden, welche sonst in
den Druckereien dadurch entstehen, dafs beim Ablegen
einer ausgedruckten Form manche Lettern in unrechto
Fächer kommen.
Es ist wahr, dafs beim Polytypendruck begangen«
Fehler sich schwieriger verbessern lassen ^ allein mit
553
Hülfe einer sehr genauen Kopie des Manuskriptes wird es
leicht , gar keine zu machen , da jeder Buchstab , den
man in die Matrize eindrückt, drei Mahl kollalionii*t Mrird ;
ein Mahl wenn man den Typus aus dem Basten nimmt » das
zweite Mahl beim Hineinlegen , und das dritte Mahl wenn
man nachsieht, wo man geblieben ist. Wenn dessen ungeach-
tet aus Zerstreuung Fehler gemacht werden, so kann der
Setzer sie kaum übersehen; er glättet dann die verfehlten
Buchstaben oder Worte mittelst eines elfenbeinernen Grif-
fels , und setzt die rechten an ihre Stelle. Wenn durch
Versehen eine oder mehrere Zeilen ausgeblieben sind,
und man es erst nach Vollendung der Seite bemerkt, so
mufs freilich diese letztere wieder von vom angefangen
werden ; allein dem Setzer einer gemeinen Druckerei, der
ähnliche Fehler macht, geht es beinahe auch n cht viel besser.
Was die in dem Schriftkasten befindlichen Logotjpen
betrifft , so hat der Erfinder nur diejenigen Worte oder
SylbenYerbindungen gewählt, die in der französischen
Sprache am häufigsten Tor kommen (z. B. age, ai^ ant,
abUt atfecj aiion^ 02, ette^ etre^ i7*, ieux , ois^ oient^ un^
bien ^ dans , nous , pas , qui , qu iL u. s. w«) ; die übrigen
werden aus den einfachen Typen zusammengesetzt. Es
hat mit dem Kasten einer Polytjpendruckerei nicht dieselbe
Bewandtnifs, wie mit dem einer gemeinen Druckerei; die
Gewohnheit läfst in der letztern den Arbeiter die Lettern
blofs durch das Greifen linden : hier müssen dieselben mit
den Augen gesucht werden , und man ist daher weniger
Irrungen unterworfen, die Arbeit geht aber auch lang-
samer«
Der Erfinder des Poljtypendruckes hat auch einige
andere nützliche Anwendungen seines Prinzipes vorge-
schlagen , die insbesondere auf den Kattun^:, und Landkar*
tendruck Bezug haben. Die meisten Zeichnungen, die
man auf Kattun druckt, bestehet aus verschiedenartig unter
einander verbundenen Blumen oder Verzierungen , und
erfordern , wenn sie fein und geschmachvoll in Holz ge»
schnitten seyn sollen , beträchtliche Auslagen. Das Ver-
fahren bei dem Polytypendrucke verschafft ein weit ökono-
mischeres Mittel, diese Formen zu erhalten. Die einzel-
nen Theile solcher Desseins können auf bleierne "Typen
gravirt werden , welche man auf die beschriebene Art im
554
Thon eindrückt Es braucht vielleicht nicht einmahl erin-
nert zu werden , dafs man für diesen Fall dem Rahmen
eitie etwas abweichende Eiilrichlung ^geben müsse; das
Lineal mufs sich nähmlich nach aUen Richtungen stellen
Jassen, und man wird selbst verschiedentlich gekrümmte
Lineale nölhig haben , denen man durch Schrauben ohne
£nd^ 'eine regelniafsige Bewegung mitlheilen kann, am
eine gleichförmige Eintheilung des Desseins zu erzwecken.
Der Elfinder beschrankt sich darauf, diese Anwendung
seines 'Prinzipes anzudeuten ; das Nähmliche gilt in Bezug
auf das nachfolgende Verfahren zur Darstellung von Land-
kartenformem
«
Man bedient sich hierzu statt der Thontafel einer
wohl abgerichteten Kupferplatte, die eine Linie dick mit
erdiger Substanz überzogen ist. Diesen Überzug bildet
man aus Ocker, Weinsteinsalz und einer guten Dosis ara-
bischem Gummi. Wenn die wiederhohlt mit demselben
gepfiachten Anstriche durch Wärme getrocknet sind, zeich-
net man die Landkarte darauf. Die PlaVte wird dann wäh-
rend 24 Stunden in einen feuchten Keller gelegt, wo das
Weinsteinsalz zerfliefst , und -der ganze Überzug eine
Weichheit cihält, welche das Ausschneiden der Zeichnung
bis auf die Fläche des Rupfers erlaubt. Dieser Tafel be-
dient man sich auf dieselbe Art, wie der früher beschrie-
benen thönernen Matrizen , um d^mit eine zum Abdruck
geeignete Platte herzusteilen.
Die Verfertigung dieser Druckplatten geschieht auf
nachstehende Art. Man nimmt die fertigen Matrizen ans
dem Setzrahmen und legt sie auf einander, wobei man jede
mit einem Blatte Löschpapier bedeckt, und von den übri-
gen durch eine ebene Kupferplatte trennt. Die dadurch
erhaltenen Säulen beschwert man zuletzt mit einem Ge-
wichte, um das Verziehen der einzelnen Stücke während
des Trocknens, wozu man sich der Sonnenwärme oder
eines geheitzten Ofens bedient, zu verhindern. Wenn
die angewendete Thon erde gut ist (wie z. B. der Pfeifen-
thon), so behalten auch die Matrizen leicht eine vollkom-
men ebene Fläche, die zum Gebrauche derselben gans
unentbehrlich ist. Die ganz , oder beinahe ganz trocknen
Thonplatten werden in einen Rahmen gelegt, der nm etwa
^inen halben Zoll darüber hinausragt | und dessen Bodea
555
I
SO eingerichtet ist , 8afs man das Ganze leicht unter eine
Schraubenpresse bringen kann
Das aus Blei, Zinn und Wismuth, zu ungefähr glei-
chen Theilen, bestehende Metall, welches in einem Löffel
geschmolzen worden ist, läfst man so weit erkalten, dafs
es das Papier nicht mehr versengt ; dann giefst man es auf
einen glatten Bogen von Kartenpapier , wo man es noch
weiter abkühlen lälst^ bis es anfangt, eine weiche Kon-
sistenz zu bekommen. Um die Abkühlung in allen Theilen
der Masse gleichförmig zu machen ,'' mischt man sie fort-
während mittelst einer dünnen kupfernen Kelle durch ein-
ander. Endlich , wenn man das Metall zur Aufnahme des
Eindruckes tauglich glaubt, bringt man es sammt der tho-
nernen Matrize in eine Presse , und bewirkt hierdurch den
Abdruck, dessen Resultat eine Platte ist, die alle Züge
der Matrize erhaben trägt. Damit diese Operation aber
gut yor sich gehe, ist unumgänglich nothwendig, dafs man
die Presse gerade in dem Augenblicke, wo das Metall fest
wird, wirken lasse.
Es wäre wohl auch möglich , das Metall auf die Ma-
trize selbst zu giefsen ; dann müfste man aber die letztere
vorher erhitzen , um die schnelle und ungleichförmige Ab-
kühlung der Metallmischung zu verhindern.
Da der Thon nicht leicht ohne zu springen die schnelle
Hitze, welche ihm durch die Berührung von dem Metall
mitgetheilt wird, ertragen würde; so mufs man demselben,
bevor man die Matrizen daraus verfertigt » wenigstens die
Hälfte Spanisch weif s oder Kreide zusetzen.
b) Herhan*8 Methode,
Herhan verfertigte seine Stereotjpenplatten auf eine
von der vorigen ganz verschiedene Art; das von ihm be-
folgte Verfahren begreift drei Operationen , nähmlich :
i) Die Bildung von beweglichen Lettern , welche an.
Form und Gröfse den gewöhnlichen Typen gleichen, sich
von denselben aber dadurch unterscheiden, dafs sie den
Eindruck der Buchstaben ocrüeft, und zwar rechts ent*
halten.
556
a) Die Verelnignng dieser LeUirn , welche der Er*
finder beivegUche Matrizen nennte za ganzen Kolamnen.
3) Das Abgiefsen oder Abdrücken dieser vereiDigten
Matrizen in das Metall, woraus die Druckformen verfer-
tigt werden sollen,
Jed^ dieser Operotionen soll im Nachstehenden deaU
lieb und ToUständig beschrieben werden«
Der Erfinder grayirt stählerne Stampel, welche den
gewöhnlichen Patrizen der Schriftgiefser gleichen, mit
der Ausnähmet dafs sie kleiner sind, die prismatische Ge-
sr It der Buchdruckerlettern besitzen , und nicht gehartet
sind, weil sie keinen Schlag auszuhalten haben» Diese
Stampel müssen genau rechtwinkelig, dann auch gleich
hoch, und überhaupt so beschafien sejn, dafs man sie
allenfalls auf die gewöhnHche Art setzen und in der Presse
abdrucken könnte. Sie werden einzeln in das gewöhnli-
che Instrument der Schriftgiefser an den Ort eingelegt,
wo sich sonst die kupferne Matrize befindet ; and man gielst
sie hier auf dieselbe Art und mit der nfihmlichen Schnel-
ligkeit ab, als dieses bei den gemeinen • Lettern geschieht.
Die zum Giefsen angewendete Metallmischung weicht von
dem Schriftgiefserzeug ab , und besteht aus 66 Theilen
Blei, i3 Th. Zinn, i6 Th. Spiefsglanz, 5 Th. Kupfer. Da$
^inn läfst man zuerst schmelzen, setzt ihm dann djis in
^ dünne Blättchen verwandelte Kupfer und endlich auch i^^
Blei und Spiefsglanz in den angegebenen Verhältnissen zu.
Nach dem Gusse wcrdep die erhaltenen beweglichen Ma-
trizen von den^ Giefs^apfen, befreit, abgeschliffen und auf
die gewöhnliche Art bestofsen. Zum Gebrauch vertheiU
man sie in die Fächer eines Schriftkastens, der von dem
einer gemeinen Buchdruckerei ganz und g^r nicht verschie-
den ist.
Späterhin fand der. Erfinder es vortheilhafter , cüd
beweglichen Matrizen iir Kupfer einzuschlagen, statt sie
zu giefsen Auf diese und einige .andere Verbesserungen
seiner Methode erhielt er am 27, Bumaire des Jahres VII
(17. November 1798) ein Zusatz • Zertifikat (Cerlificat d' Ad*
ditiong)* Zu dem genannten Zwecke wurde eine ganz aus
^tahl verfertigtet mit der äufserstcn Genauigkeit gebaute^
557
Maschine angeirendet, deren Beschreibung leider! so un»
«leallich und unvollständig ist, dafs sie keineswegs befrie-
digt. Man entnimmt daraus nur so, viel, dafs das, mittelst
Zieheisen vierkantig gezogene, und in Jauter gleich (9 Li-
nien ) hohe Stäbchen zerschnittene Kupfer, durch ein Paar
stählerne Backen, die' sich nach Bedürfnifs verstellen las*
sen, festgehalten wird, während der (gehärtete) stählerne
Buchstabenstämpel (die Patrize), immer nur auf eine ge»
wisse Tiefe, eingeschlagen wird«
Das Setzen wird -mit den beweglichen Matrizen »o
vorgenommen , wie in den gemeinen Buchdruckereien mit
den Lettern , den Umstand ausgenommen , dafs sie von der
Linken zur Bechten, also in der Bichtung wie man liest,
neben einander gestellt werden. Wenn eine Kolumne auf
diese Art fertig geworden ist, bringt man sie in einen
Bahmen von eigener Einrichtung, die sogleich beschrie-
ben werden soll.
Dieser Bahmen ist von Eisen und genau so hoch^
als die beweglichen Matrizen (9 Linien); die Starke des*
selben wird durch seine Gröfse bestimmt, und diese ihtifs '
sich nach der Gröl'se des Formates richten, in welchem
gesetzt wird. Ton zwei Seiten dieses Bahmens gehen
Schrauben durch denselben, welche auf ein Paar gehärtete
stählerne Schienen und mittelst derselben auf die eingesetz-
ten Matrizen drücken, um sie fest zu stellen. DerBahmett
hat eine starke , glatt abgerichtete eiserne Platte zur Un-«
terlage, welche an dem Boden desselben mittelst Schrau*
ben, deren Köpfe versenkt sind, befestigt ist. Diese Platte
besitzt aufserdem zwei mit Schraubenmuttern versehene
Löcher, mittelst deren sie nebst dem Bahmen in der Kli*
chirmaschine festgehalten wird. Auf der obern Seite ist
der Bahmen mit einem eine Linie dicken Eisenblech be*«
deckt, welches durch Sehrauben daran befestigt, und ge-'
nau so grofs ist, als der Umfanp: des Bahmens selbst. Die-^
se» Blech hat eine viereckige Ofinung, die aber nicht in
der Mitte sich befindet, sondern an einer breitern. und
einer schmälern Seite des Bahmens weiter von dem Bandei
dieses letztern absteht. Unter den hierdurch entstehen-*
den Yorsprüngen des Eisenbleches liegen die oben er*
wähnten stählernen Schienen ^ die genau so hoch als der*
558
Bahmen , und so breit ab jene vorstehenden Bänder des
eisernen Deckels sejn müssen^
Das ]^orrigiren der aus beweglichen Matrizen zusam-
mengesetzten Seiten ist aufserordentlich leicht: man braucht
nur die Schrauben des beschriebenen Rahmens etwas nach-
zulassen, die Matrizen nach Gefallen heraus zu nehmen
und durch neue zu ersetzen. Nach dem Korrigiren schrei*
tet man zum Abklatschen der Matrizen , welches dadurch
geschieht, dafs der zuvor erwähnte ^Rahmen sammt den
m denselben geselzten Kolumnen senkrecht auf eine ge-
schmolzene und in einer Umgebung von Papier befind-
liche Mischung aus 4o TheilenBlei und 20 Tb. Spiefsglän2
herabfallt. Der Bahmen wird zu diesem Behufe mittelst
sweier Schrauben an das Ende einer vertikalen eisernen
Stange befestigt , und man braucht nur eine Auslösung za
machen, um ihn sammt dieser Stange zum Fallen sti
bringen.
Die Ivlichirten Platten , auf nirelchen die Buchstaben
natürlicher Weise verkehrt und erhaben erscheinen , müs-
sen zum Abdruck alle auf gleiche Höhe gestellt werden.
Zu diesem Ende hat der Erfinder mehrere yorricmingen
für eine gewöhnliche Drehbank erdacht und ausfuhren las-
sen , welche bestimmt sind, die Platten fest zu halten^
wenn man sie auf der untern Seite glatt abdrehen '^il^*
Dals diese letztere Arbeit mit Hülfe eines Supportes ge-
schehen müssb , braucht wohl kaum erinnert zu werden^
nm so weniger, da es überdiefs nöthig ist« den Grabstichel
bei keiner Platte mehr von d^m Metall wegnehmen zu las-
sen, als das, was über die bestimmte Höhe hervorsteht*)-
Es ist aufsei*dem nothwendig, die beiden Seiten einer jeden
*) Bei dem Allen hält es. doch zuweilen schwer, die klicbirteo
Kolumnen auf einer Formin genau gleiche Höbe tu stellen;
und dafs bei Ermanglung dieses tlmstandes die abdrücke
ungleich ausfallen müssen, ist begreiflieb. Beachtenswertli
scheint daher der Vorschlag des Engländers Ferguson (^^
pertory of Aris elc, April 1823 1 pag. 57), die einBelnes
Platten auf eine '/^ S^oll dicke elastische, Unterlage von Kork
9iu setzen« Die etwa hülier stehenden Kolumnen können
bei dieser Veranstaitiinj; leicht dem Öruck der Presse nac'*'
geben, und man wird der Gleichförmigkeit des Abdruckes
versichert seyn.
559
Platte abzuschrägen , damit sie in dem bald zn beschrei*
benäen Kolumnenträger {Porte - page) festgehalten -werdoa
hönne. Zur Verrichtung dieser Arbeit dient eine messin-
gene Tafel , auf welcher sich zwei parallele Lineale befin-
den, das eine mit schräger Nuth an der Seite: das andere
blofs zum Anschlag eines Hobels bestimmt, dessen schräg
abgeschnittenes Eisen die Kanten der Platte bestöfst, wäh-
rend eine quer liegende, verstellbare Leiste die letztere
fest hält. Die ganze Vorrichtung wird zwischen die Backen
eines gewohnlichen Bestofszeuges eingespannt.
r •
£s erübrigte nodh^ ein Mittel za finden, wodurch
aus den abgeklatschten Kolumnen, die nicht über (4 MilU"
metrts) zwei Linien dick sind, eine geschlossene Form ge*<
bildet werden konnte. Sie auf Holz nageln , auf Unterla-
gen von Blei oder Kupfer befestigen , das Ganze dann mit
einem Rahmen umgeben : keines dieser Mittel genügte deiä
Erfinder^ er verfertigte daher einen eigenen Ko/um/if/itrög^er
von nachstehender Einrichtung. Auf einer ebenen messinh*
genen Platte von (7 Millim,) 3Viq Linien Dicke sind, mit-
telst Schrauben, Leisten aus demselben Metalle, und von
(2 Millim.) 7io Linien Dicke befestigt, welche naeh unten
zu einwärts abgeschrägt sind, und die Stelle der sonst ge-
wöhnlichen Stege vertreten. Zwischen diese Leisten wird
die abzudru<!kende klichirte Platte mit ihren gleichfalia
abgeschrägten Kanten eingeschoben. Eben so legt man
an der obern und untern Seite jedes Formates (formaC)
kleine messingene, an beiden Enden abgeschrägte Leisten
Tor, wodurch die Genauigkeit des Wiederdruckes sicher
gestellt wird. Der auf diese Art mit seinen Formaten ver-
sehene Kolumnenträger hat nichts ßewe;;liches , als eine
eigene Querleiste , die auf einer Seite mit Schrauben be-
festigt wird, und die einzelnen klichirten Kolumnen ganz
unverrückbar macht. Der Abdruck geschiebt auf die ge-
wöhnliche Art. Bemerkt man während desselben einen
früher nic^it korrigirten Fehler^ oder wird durch die
Presse ein oder der andere Buchstab verdorben, so ist
es keineswegs nölhig, die ganze Kolumne neu zu setzen
und abzuklatschen ; sondern man braucht nur die fehler-
hailen Stellen herauszubohren, das Loch viereckig zu ma-
chen , i>nd eine gewöhnliche Letter statt der entfernten
einzuiöthen. , Der Erfinder hat für diese Operation eine
S0a
eigene Maschine angegeben« irelche beiläufig in Folgen«
dem besteht«
Das Hanptstück derselben i^t eine än( tier Fnfseri
ruhende und sorgfaltig zugerichtete messingene Platte.
Auf dieser stehen zwei stählerne Stützen , an welchen eine
ebenfalls stählerne Querstange mittelst ein paar Büchsen
sich auf und nieder schieben, und in jeder Höhe feststellen
läfst« Durch eine andere Büchse ist auf dieser Quersunge
ein Stämpel zu Terschieben , der demnach über jede b^
liebige Stelle der klichirlen Platte gebracht werden kann.
Hat nun der Stämpel genau die Gestalt des iii die Platte
zumachenden Loches, ütid ist er senkrecht über der w
korrigirenden Stelle mittelst einer Schraube befestigt^ aa
kann derselbe durch einen leichten Hanimerschlag abwärts
getrieben werden ^ wo er dann sogleich die Platte an dem
terlangten Punkte durchschlägt. Dafs diese Maschine nJX
grofser Genauigkeit gebaut sefn müsse, ii^enn sie ihre
Herstellung durch den Gebrauch lohnen soll , sieht man
ohne Erinnerung ein. Immer wird aber, selbst bei die-
sem Htüfsmittel , das Korrigiren schon abgeklatscKter Uo-'
lumnen eine milsliche Sache bleiben.
£ine Abänderung des /Ter/tan'schen Terfahrens zu ste^
teotypiren ist die neuerlich (182^) in£ng/iindpatei|tirteVe'
thode des WilltUm Coagrepe, Die yertieft geschnittenen mes-
singenen Tjpen werden hier nicht abgeklatscht', um eine
zum Büch^rdruck geeignete Platte zu bilden ; sondern der
Erfinder schlägt vor, die ganze Matrize nebst einer daraaf
gelegten Zinnplatte durch eine starke WaJzenpresse (von
der Bauart der gemeinen Kupferdruckerpresse) geben ttf
lassen, und auf diese Art in sehr kurzer Zeit eine yoUstan-
dige Kopie derselben zu veranstalten {London Journal (ff
Ans and Sciences ^ Nro. XXYIII April iÖ23).
c) Didot's Methode^
Diese Methode, welche ror den beiden beschriebenen
den Yortheil einer leichtern Ausführbarkeit hat, besteht
in Nachfolgendem«
Man fangt damit an , Lettern ganz von der gewöhnli*
eben Gestalt, aber aus einer härtern Mischung, als das
Schriftgiefsermctall , nähmlich aus einer Legirung top 7
56j
Pfund Blei, 9 Pf, Spiefsglahs , i Pf« Komposition, aas Vi«
Zinnadd 7io Kupfer, zu giefsen: diese werden dann mit den
bekannten Handgriffen Zeile für Zeile neben äinand^r ge-
setzt, solange, bis eine Kolumne fertig ist, die cfidlich
in einen Hahmcn gebracht und durch Schrauben in dem*
selben fcfstsehalten wifd«
Man verfertigt sich^eihen Bahmen yon jenen Simen«
«tonen, welche die zu stereotypirende Kolunrine besitzt;
dieser Bahmeif , der yon Eisen, Messin^g oder Kupfer ist, ^*
und einen eisernen Bodc^ii hat, wird mit einer Platte von
reinem weichem Blei angefüllt, und in diese druckt man
die gesetzten Kolumnen dadurch ab, dafs man sie darauf
legt und das Qan>ce der Wirkung eider starken Schrauben-
presse unterzieht; Der auf diese Art bereitete vertiefte
Abdruck des Satzes kann als Matrize zum Abklatschen der
Stereotjpen tafeln dienen , die hatürlich aus einem Metall
verfertigt werdifn müssen • welchem bedeutend leichtflüssi-*
ger ist, als das Blei. IHdoi bediente sich hierzu (was aber
in d(^r Beschreibung nicht angegeben ist) dek* bekannten
Darcel*3ehen Legirung voa 8 Theilen Wismuth , 5 Th. Blei
und 3 Th. Zinn/
Vergleicht man Aäs Terfaihren' des t)idot mit. den blei*
den, welche früher ans einander gesetzt worden sind, so
erhellt die Vorzüglichkeit desselben auf die unzweideutig-
ste Weise. Hier ist keine mühsame Verfertigung thöner-
Der oder kupferner Matrizen; hier ist kein neu einzuler-
nendes Verfahren beim! Setzen ; hier ist endlich keine yon
jenen vielen Unbequemlichkeiten, 'Welche insbesondere
bei dem HoJJfmamt'schent Verfahren mit dem Abklatschen
thönerner Matrizen jederzeit verbdndenseyn müssen. Zwar
bat die Herhansche Methode den uiyläugbaren Vorth^il,
dafs die Stereotypen die erste' Erhabene Kopie der geschnit-
tenen stählernen Patrizen sind, und daher eine grofse
Schärfe besitzen müssen , während die' Duio^'schen Druck«'
platten erst eine Kopie von der Kopie (nähmlich ein Ab-
druck der schon einmahl abgegossenen L'ettern) sind : allein
die Ansicht der mit Recht beliebten Diäot'ichen ^iereolf*
pendrucke ben^eiset , dafs dieser Umstand der Schärfe der
Umrisse eben Aeinen Schaden zufüg-t. Übrigens mulff
man gestehen, dafs die Vollständigkeit von Didot^s Be-
schreibung Manches zvi wünschen übrig läfst,. indem die
jAhrb. a«0 f6tj%^ Ia»C» IV. IM. ^^
5651
darnach Toteunehmcndo Verfertigung stereotypirter PUv
ten noch mehrere nicht angegebene Yorrichtungeo und
Werkzeuge, ja ganze Operationen, nöthig machen dürfte.
Hierher gehört z. B. das Abhobeln der bleiernen MaUizeo,
welches vor dem Abklatschen verrichtet werden muCs, noi
den um die Buchstaben herum aufgestiegenen Grath weg-
zunehmen« |
t)a8 im Jalire 1798 (17. Februar) palentirte Veriak-
ren des Hupferstechers Gaiieaux zu Paris hat mit dem D»-
Wot'schen die gröfste Aehnlichkeit Die beweglichen Let-
tern V welche auf die gewöhnliche Art zu einer Form sn-
sammengesetzt werden, bestehen hierbei aus einer Mischung
von a Th. Zinn und 1 Th. Silben Die gesetzte und durch
Schrauben in einem Rahmen zusammengehaltene Form
wird mit Hülfe einer Presse in Blei abgedruckt , und mas
erhält so eine zum* Abklatschen in Schriftgiefsermetall ge-
eignete Matrize. Didot hat diesen Prozel's , um ihn tob
dem seinigen zu unterscheiden ^ MonoiQrpa^e genannt (fr«-
vet$, Tome JJ)i
Auch die Methode der Stereotypen - Verfertigang»
worauf August Jpplegath in England den s3. April 1818 p*-
tentirt wurde, weicht von dem Yerfahren DidoVs nicht
sehr wesentlich, und vorziiglich nur darin ab , dafs die zum
Abklatschen nöthige Matrize nicht durch Einpressen dei
Satzes in Blei, sondern ebenfalls wieder durch Abklatschen
in eine Mischung aus, 20 Th. Blei, 2 Th. Spiefsglanz und
1 oder 2 Th. Wismuth ^ hervorgebracht wird. AppUgath'»
Klichirmaschine , die man im Januarhefte 1820 des ^e/)«^
^ory qf Ans beschrieben und abgebildet findet,. wirkt durch
zwei vorher stark gespannte Federn , welche , im Augen-
blicke der Auslösung, die abzuklatschende Form mit gröfster
Gewalt auf das noch weiche Metall niederschleudern.
^ d) Englische Methode.
Man wird ,es nicht unzweckmäfsig finden, wenn ick
hi^ noch Einiges von den aufser Frankreich über den
Stereotypendruck gemachten Versuchen anreihe, um i^'
durch eine möglichst vollkommene Übersicht dieses Kuast*
Zweiges zu verschaffca*
563
Unter dem Nahmen der englischen StereoPjrpen - Ferjer^
iigung ist erst kürzlich eine eigenthümliche Methode zur
Erzeugung unbeweglicher Druckplatten bekannt, und in
dem unten angezeigten Werkche,n beschrieben worden ^),
wovon das Nachstehende ein kurzer, frei bearbeiteter Aus*
zug ist«
Das Haupts&chlichste dieses Verfahrens besteht i) in
der Terfertigung der Matrizen , und 2) in dem Abgiefsen
derselben mittelst eines Meialles, dessen Znaammensetzüng
aber anzugeben vergessen wurde.
Das Material zu den Matrizen besteht in ganz fein ge*
riebenem und durchgesiebtem Gjps (bei dessen Auswahl
man nur darauf zn sehen hat, dals er nicht zu altsey, weil
er durch längeres Liegen s^ine Bindkraft gröfstentheiU
verliert), rothem Bolus ,« und in einer dünnen Abkochung
von Hausenblase. iSVi Loth (Wien. Gew.) Bolus werdea
in Stücke zerschlagen und in 1 V4 Mafs Wasser geworfen,
worin sie sich nach wenigen Minutto zertheilen.
»
Das Stereotjpiren wird, wie jedes Mahl, nur mit ein«-
iselnen Kolumnen vorgenommen , weil sowohl die Yerfer*
tigung , als das Abklatschen oder 4''g^6^^c>^ gröfserer Ma-
trizen bedeutenden Schwierigkeiten unterliegen würde.
Die betreffende , aus gewöhnlichen metallenen Lettern zu*
aammei^gesetzte Kolumne wird voraus auf ein plattes, mes-
singenes oder marmornes Fundament gestellt, und durck
einen kleinen eisernen Keil- oder Schi*aubrahmen; der in
seiner Einrichtung von den gewöhnlichen Schliefsrahmen
der Buchdrucker nicht abweicht,' zusammengehalten; man
umgibt sie ferner mit einem */^ Zoll hohen , auf niedrigen
Füfsen ruhenden, aus Messing gegossenen Bahme'n, und
giefst endlich den gehörig zubereiteten Gjps auf. Um
aber das Anhängen dieses letztern an die metallenen Let-
tern zu verhindern , und das Abnehmen der fertigen Ma-
^} »Enthülltes Geheimnifs d^r englisehen Stereotypen -V^rfer«
tigung , wichtig für die Schriftgiefser und Buchdruclier, die
sich auf diese Art die Stereotypcnplatten selbst giefsen kön-
nen. 8. Mit vielen Holzschnitten. Leiftug^ im Industrie-
Horoptoir « 1892.«-— Beiläufig gesagt, ein Muster von ver-
wirrter und unverständlicher Beschreibung, und daher wokl
eines erläuternden Ausr.nges l^edürfV^.
36*
564
trize leichter zu machen, müfiscn mehrere Yorsicliten
beobachtet Yerden , deVen yernachlässigiing unzweifelhaft
das Mifslingen der ganzen Operation nach sich ziehen wurde,
liierzu gehört, aufser der Anwendung sehr hoher, mit dem
Kegel der Schrift fast gleichlaufender Quadrate beim Setzen
der Koluninen , das Bestreichen dieser letztern mit Baum-
öhl, welches aber gewifs der Schärfe der Lettern schäd-
lich sejn würde f wenn man nicht den Überflufs des Öhles
durch Abwischen mit einem ledernen Kissen wieder l>e-
seiiigte»
»
Das Giefsen der Matrize wird mit den bekannten, beim
Gypsgicfsen überhaupt angewendeten Handgriffen, vorge-
nommen : man vermischt die oben angegebene Quantität
Boluswasser mit lo bis id Tropfen einer dünnen AbliocUun;
von Hausenblase f und setzet dieser Flüssigkeit so vielGvp!»
zu, als zur Hervorbringung einer syrupartigen Konsistenz
nöthig ist$ dann giefst fnan die Hälfte davon auf die in dt*m
Hessingrahmen befindliche Koltimncf, und hilft der Ter*
breitung miteirier weichen Haarbürste nach, bevor man
den Rest der Masse aufschüttet. Mit einem eisei*nen Lineale
wird das Überflüssige von dem Rahmen abgestrichen, und
man wartet sonach das Festwerden des Gjpses*, welches
innerhalb (r bis 8 Minuten erfolgen wird< ab. Um dasselbe
zu beschleunigen, dürfte es raihsam seyn, den Gyps vor
dem Gebrauch zu^erwärmen , weil er dadui'ch das aus der
Luft etwa abscrrbirte Wasser verliert, und eine gröfsere
Bindkraft erhäk.
Das tierausnehmen der Matrize aus demBahmen mafs
teilt Vorsicht geschehen ; man bestc^fst sie hierauf rund
herum mittelst eines scharfen Meifsels , und gibt endlich
dem hoher stehenden Rande derselben an jeder^ der vier
Seiten zwei Kerbi^n oder Einschnitte, welche beim nach*
folgenden Giefsen der Druckplatten das Einströmen des
Metalles erlauben. Um die Matrizen zum Giefsen yorza-
bereiten, ist es nöthig^ sie erst an der freien Luft, dann
aber in einem eigenen schwach geheitzten Ofen gut auszu-
trocknen, zu welchem Behufe man sie senkrecht zwischen
eine Art von Gitter aus Eisendraht stellt.
Das Abgiefsen selbst ist die wichtigste Operation, und
diejenige > welche hier au( eine sehr sinnreiche Art aus-
565
geführt ^ird. Die getrockneten Matrizen yrerden nähmlich
in eine ebenfalls ernrärmte gufseiserne Pfanne gelegt, und
aammt dieser in das geschmolzene Metall (vielleicht Schrift*
giefsermetall?) eingetaucht. Dadurch füllt sich die Höh-
lang der Pfanne mit diesem letzleren, und der Gufs ge-
schieht so ohne weiteres Zuihun des Arbeiters *)•
Die erwähnte Pfanne ist ans Eisen gegossen, nnd
alle ihre Theile sind ebf?n geschliffen , dann aber im Feuer
blau angelassen, vermuthlich um das Anhängen des Metal-
les beim Abgiefsen der Matrizeii zu yerhindern. Sie hat
eine länglich viereckige Gestalt, und ist unten etwas enger
als oben ; die Dicke des Bodens und der Seitenwände wird
auf Vs Zoll, die Höhe im Lichten, d. h. ohne den Boden,
auf 2 ^/s Zoll angegeben. Auf dem. Boden der Pfanne liegt
eine ebenfalls eiserne , V4 ^^^^ dicke und auf vier Füfsen
Ton 7» Zoll Höhe ruhende Platte, welche so grofs ist,|^dafs
sie auf allen Seiten um ilie Dicke eines Kartenblattes von
den Wänden der Pfanne absteht. Auf diese , oben wohl
abgeschlificne und geebnete, Platte hommt die Matrize
umgekehrt mit ihrem Bande so zu liegen , dßfs zwischen
beiden ein Baum entsteht, welcher die Dicke der Druck-
platte im Voraus bestimmt. Damit aber beim Untertau-»
, eben der Pfanne die Matrize Ton dem flussigen Metall nicht
zu sehr gehoben werde, mufs das Ganze mit einem Deckel
yersehen werden, der ebenfalls von Eisen, auf der obern
Seite mit einem eisernen Breuze (um ihn stärker zu ma-
chen) yersehen , und an ^ den vier Ecken abgestumpft ist,
damit hier eben so viele Ofinungen entstehen , durch wel«?
che das Metall in die Pfanne fliefsen kann. Jede Ecke des
Dechels trägt überdiefs ein Ohr, und mit diesem stöfst
eine auf der untern Seite befindliche muschelaHige Ver-
tiefung zusammen , deren Ausführung zwar dringend em^
pfohlen , deren Bestimmung aber nicht angegeben wird.
•
Das Einsenken der auf die beschriebene Art ToVge-«
richteten Pfanne in das zum Giefsen bestimmte Metall ge^
schiebt mit Hülfe eines Brahns, an welchem sie mitteUt
Schrauben befestigt ist; ^nd durch ein einfaches Mittel
wird dieselbe während 7 bis 10 Minuten unter der Ober-
*) Ein ahnliches Verfahren cum Giefscn von Battupdnickfot«'
men siehein diesen Jahrb. Bd. III, S. 11 5.
566
fläche des in einem yieir^ckigen eif^rnen Kessel befindU-
eben Metalles erh^lt^n.
In dcni Aue^enblicke des Untertaachens zeigen siel»
auf der Oberfläche des Metailes vier kleine unschädlicke
Luftblasen , welche von dem Einströmen desselben an dai
Ecken der Pfanne entstehen. Sollten diese Blasen sich an-
mäfsig vergröisern oder gar ^in lärmendes Geräusch Ter-
ursachen , so wäre d^s ein ßeweis von der Nachlässigkeit
des Arbeiters, der entweder die Matrize nicht hinlänglich
getrocknet, oder die Hitze des Metalles zu sehr hat as-
wachsen lassen In beiden Fällen wird man einen mangel-
liaften 4bgufs zci erwarten haben.
Nach Verlauf der vorgeschriebenen Zeit , welche to
kleii^ere Schrift länger bemessen werden mafs, als für
grofse 9 wird die Pfanne aus dem Metallkessel heransge«
nommen , und zur Abkühlung in ein sogenanntes Hublfa^ji
gebracht« Dieses letztere ist eine hölzerne, von innen
ausgepichte Wanne; in seiner halben Hohe Hegt auf Lei-
sten ein mit nassem Sande zwei Finger dick beslreotes
Brqt , auf welches die Pfanne zur Abhühlnng gesetzt wir3.
.Um das Festwerden des eingegossenen Metailes zu be«
schleunigen, ist es auch gut, Wasser in die Wanne «
gieisen , um dasselbe so hoch steigen zu lassen , dafs es
mit dem Sande gleich steht. Die gewöhnliche ium Abküh-
len nöthige Zeit beträgt eine Stunde. Nach Verlauf dieses
Termins wird die Pfanne aus djcm Kühlfafs genomm^i^t
und auf einen hölzernen Klotz gesetzt, wo man zuerst den
peckel abschlägt , und dann zum Herausnehmen der PUtt*
schreitet.
V7ährend des zutoü erwähnten Gusses hat das an dev
Ecken der Pfanne eingeflossene Metall den Raum zwi'
sehen, der auf ihrem Rande hohl liegenden Matrize t o^"
der in der Pfanne bcHndlichen eisernen Platte (s, oben)
ansgefüllt; zugleich ist das Metall unter die erwähnte Pin^^
geflossen , hat dieselbe gehoben , und sammt der Matrue
an den Deckel der Pfanne angedrückt ; in diesem Zustande
ist das Ganze bis zur Ypllendung des Gusses geblieben^
und daher kommt es, dafs jene eiserne Platte jetzt gnn'
in dem Metall yerbprgen ist, und durch yorsichtig ge|tlkrt<
ilammerschläge davon getrennt werden mofs«
5Ö7
So umständlich diese Art , die Matrieea abEugiefaett,
auch immer seyn mag; so hat sie doch bedeutende Vo^t
aüge vor dem einfachen Aufgleisen i|es Metalls , ja selbst
Tor dem Abklatscheq. Das gescfimolzene Metall bleibt
hier einige Zeit in vollkommen llüssigem Zustande mit der
Matrize in Berührung , und es wirke aufserdem durch sei-
nen hydrostatischen Druck , vrefswegen auch der Abgufs
iim so besser ausfallen mufs, je tiefer die Pfanne in den
Kessel eingetaucht worden war. Übrigens ist, begreifli-
cherweise, die Matrize nur ein einziges Mahl brauchbar
und geht mit der Verfertigung des Gusses yerloren»
Die von den Matrizen abgenommenen Druckplattbit
werden mittelst einer nassen Bürste von den noch daran'
hängenden Gypstheilen gereinigt, dann auf hölzerne Stocks
chen genagelt oder angeschraubt, so, dafs sie genau die
Schrifthöhe bekommen , und so sind sie zum Abdruck tauff^
lieh. Weil jedoch die Verfertigung einer grofsen Zahl
solcher Stöckchen eine nicht unbedeutende Auslage verur-
sachen würde, seist es besser, sich eine eigene Art Un-
tersätze von nachfolgender Einrichtung verfertigen zu las-
sen. Aus einem harten , gut ausgetrockneten Holze wer-
den nähmlich Bretchen von der Gröfse des Formates ver-
fertigt ; diese tränkt .man wiederbohlt mit siedendem Öhl,
damit sie der Wirkung der Feuchtigkeit widerstehen, und
Tcrsieht sie endlich auf drei Seiteu mit schrägen Kantea
aus Messing, zwischen welche die gegossenen, an den
Rändern gleichfalls abgeschrägten Druckplatten etwa so
eingeschoben werden , wie die Zunge des gewöhnlichem
Buchdruckerschiffes in ihren Rahmen. Es braucht wohl
kaum erinnert zu werden, dafs die Dicke des Bretes und
jene der Platten zusammengenommen genau der Schrift-
höhe gleich seyn müssen, damit der Abdruck durch Hülfe
der Presse ohne Anstand vor sich gehen könne. Um das
Abschrägen der MeuUplatten möglich zu machen, mufs
man schon beim anfänglichen Setzen jede zu stereotvpi-
rende Kolumne auf allen Seiten mit 7a Zoll breiten., bis
an den Hegel der Schrift reichenden, Linien um^^eben.
Diese vier Liilien drücken sich begreiflicher Weise In der
Matrize , und daher auch in dem Gufs aus , und wardea
späterhin mittelst eines Hobels schräg ab|estofsen, wobei
man sich, um jede Verletzung der dicht daran stehvndm
m
Schrift zu rerYiindern , einer zwepkinafsig gebauten \o^
riclitung iKirA bedienen müssen.
Q« SUreotfpendrvckerßi im österreichischen Kaiserstaale,
In der österreichischen Monarchie hat es seit ^nge-
|:*er Zeit nicht an Yersuchen zu^* Einführang des Stereotj-
pendrnches gefehlt. Mit einstweiliger Übergebung der
früheren, berühre ich hier das Unternehmen des ]Sor4aine-
rihaners, John. fVaits^ der seit dem Jahre i8i<) in Ter*
ibindang mit der königlichen Universitats - Buchdruckern
zu OJcn eine Stereotypendruckerei eingerichtet hat; das
Ton ihm hierzu erlangte ausschliefsende Privilegium ist
Tom 29. August |ih8 datirt. Aus mehreren Umstäpdea
-Vfird es wahrscheinlich, dafs die von H^aUs zuf Erzeugung
seiner festen Druckplatten befolgte Methode heine andere
sey, als die eben zuvor beschriebene englische, welchci
wie nicht geläugnet werden k^nn , vor allen übrigen Ver-
fahrungsar ten mehrere Vorzüge besitzt. Übrigens stehen
^ie pieisten von den in Ofen bereits stereofypirten" ^Ter-
ken , die mir zu Gesicht gekonimen sind , den bekannten
Didot sehen Drucken sowohl ßu Schärfe der Lettern, aUf
und zwar vorzüglich, in Rücksicht auf Korrektheit des
S^tz^s, weit nach. Ein glücklicher Gedanke war es , sich
yorerst blofs auf die gemeinsten Lehrbücher für die nie<i
dern Schulen zu beschränken, und in dieser Rücksicht
bat die ff^atis'sthe Druckerei selbst mehr geleistete a^^
man billiger Weise erwarten konnte: ihre Schulbücher
lassen an Schönheit z. B. dip in IVicn mit beweglichen
Lettern gedruckten weit liintes sich« In jeder Hinsicht
ausgezeichnet ist ein kleiner, auf einem einzigen Duodez«
blatte stereotypirt^r Ti^sehenkalender für die Jahre 1821
und 1B22, der sowohl an Schönheit und Schärfe der Let?
tern , als an Reinheit und Schwärze des Abdruckes das vor-
züglichste mir bekannt gewordene Erzeugnifs der fVaXi^
sehen Druckerei sejn dürfte.
Viel früher schon, nähmlich um das J^hr i8oo,msclite
der jetzige , durch seine Thätigkeit ausgezeichnete Buch«
dnicker, Herr, Anton Strai{/s in Pf^ien^ mehrere Versuche
über, den StercQty pendruck nach Didpt'i Manier. Unter
dem Schutze und der Begünstigung Sr. Exzellenz dei
Herrn Finanzminisjters und damahligen Kammerpräsidenten
569
Grafen von Saurau, so wie dgroh Anleitung -und ynter«
stülzang des Hierrn Grafen Prosper i^on Sin%endorf ^ gelang .
es Herrn Siraujs (damahls noch Faktor der Alherti' sehen
Buphdruekerei), die DiV/ot'sche Erfindung mit vielem Glück
j;ur Ausführung zu bringen. £r slereotjpirte mit gutf m
Erfolge eine kleine , aus einem Duodezblatte bestehende
Ankündigung seiner Erfindung; ferner ein Buchstaben-
tafelchen zum Gebrauche für Schulen ; und eine G^abschrift
auf den verstorbenen Papst {Pias FL) ^ letztere in zwei vcr^
schiedenen Auflagen^ nabmlich mit kleinen und grofsen
Lettern« An der Ausübung des Stereotypendruckes im
Grofsen wurde er nur durch die Verweigerung des unge*
suchten ausschliefsenden Pririlegiuips gehindert. *
Ungefähr gleichzeitig mit Herrn iS/rau/<, versuchte dev
Jetzige Inspektor der königlichen Schrifigiefserei zu Ofen
in Ungarn^ Herr Samuel Falka t>on BtkfaU*a, den Stereo«
ty.pendruck nach Didof 'scher Idanicr zur ^ Ausführung zu
bringen:, allein auch er gab diese Bescliäftigung bald wieder
auf, ohne sie im Grofsen ausgeübt zu haben (man sehe
über seine Versuche eine kurze Nachricht in ßusch's Alma«*
nach der Fortschritte, Erfindungen etc. VI. Jahrg. iSqs,
5. 622).
6. Beschreibung einer Maschine, mit welcher zu
gleicher Zeit Eisenstaiigen zerschnitten und JBlech«
Stücke durchgesdilajgen werden können.
f Bulletin de la SocUt^ ^ Encouragement , Ann^e 1810.^
Diese in England gebräuchliche Maschine, welche
neuerlich auch in Frankreich eingeführt w|irde , ist in
Flg. 1 auf Taf I vorgestellt. Sie ist , der Hauptsache nach,
eine, grofse Metallschere , die aber nicht so unmittelbar
durch die Hand bewegt wird , wie die gewöhnlichen Sche-
ren. Mit ihr ist noch eine Vorrichtung verbunden , weU
che die Bestimmung hat, aus Blech rund geformte Stücke
heraus zu schneiden.
g und o , als die zwei Blatter der Schere , sind aus ^
gehärtetem Stahl verfertigt ; der ganze zur Hervorbringung
der Bewegung bestimmte Mechan Ismus besteht aus geschmie* ^
detem Eisen. Durch eine Kurbel a wird das Getriebe e»
5^2
Man hat sieb auch in Amerika mitdemBau solcher Brücken
abgegeben, wie man au^ nachfolgender, in einem ameri-
Kanischen Journal enthaltenen, Notiz sieht. — Die in Bede
stehende Brücke ist nahe bei Philadelphia über einen vier-
hundert Fufs breiten P'Iufs gelegt. ' Sie besteht aus sechs
Eisendrähten von '/g Zoll Dicke, deren auf jeder Seite drei
sich befinden. Ungeachtet diese Drähte stark gespannt
sind, bilden sie doch einen nicht unbedeutenden Bo^en;
am gegenüber befindlichen Ufer sind Aies^lben drei Mahl
um eipen starken Baum geschlagen«
Die Balken, auf yrelohe sich der Fufsboden der
Brücke stützt, haben eine Länge Ton zwei Fufs, eine
Breite von drßi, und eine Dicke von einem Zo)l ; sie sind
durch Bänder aus Eisendraht mit den Hauptdrähten der
Brücke verbunden. Die den Boden bildenden Breter sind
achtzehn Zoll breit, und mittelst Nägeln an die erwähnten
Querbalken befestigt; um ihre Trennung zu verhindern,
sind sie unter einander ebenfalls durch Eisendraht verei«
nigt« Auf jeder Seite der Brücke ist eine 6 Zoll breite
Bohle, «n welche die Querbalken ebenfalls angemacht sind:
drei zu jed^r Seite ^ gespanntp Eisendrähte ^ dienen als
Geländer.
Die g^nze Brücke ist 16 Fufs über die Fläche dei
Wassers erhoben, und hat eine Länge von 400 Fufs. Die
Entfernung ihrer beiden Aufhängungspunkte beträgt 408
Fufs. Der sämmtliche Eisendraht wiegt i3i4 Pfund, das
ganze Holzwerk 33o8 Pf. , die Nägel 8 Pf. , folglich ist das
Totalgewicht der Brücke 463o Pf. Bei günstigem Wetter
können vier lUenschen eine Brücke dieser Art in vierzehn
Tagen herstellen ; die Ausgaben dafür belaufen sich auf 3oo
Dollars (ungefähr 600 fl.) *).
-^. -
*) Die Brüder S^guin ku Annonay in Frankreich haben Ober
den dortigen Flufs eine Brücke aus Draht angelegt , Trelcbe
18 Metres (beiläufig 60 Fufs) lang ist, und nur 5o Franken
gekostet haben soll (?). Acht Eisendrabte von 4 Millimeires
Dicke wurden vier Mahl parallel über den Flufs geKo^rn
und auf diese der Boden der Brücke angelegt. •>— Die Hosten
einer über die fihone anEulegendcn Prahtbrücke sind, xs\t
es heifst, auf 80,000 Pranken berechnet.
573
g. Verbesserungen an Krämpelmaschinen.
Die Zylinder der Krämpelmaschinen fär Baum- und
Schafwolle werden gewöhnlich aus Holz verfertigt; allein
dieses letztere mag so trocken wie immer sejn , 80 läfst
sich nur sehr schwer das Werfen desselben (welches, be-
greulicher^ Weise, grofse Unbequemlichkeiten nach sich
zieht, und der Genauigkeit der .Maschine schadet) vermei-
den. Wegen dieses Unistandes läfst man das Holz manch*
mahl in Öhl kochen, um es gegen die Einwirkung d^r
Feuchtigkeit unempfindlicher zu machen. Aus. der nähm-
lichen Ursache ist die Verfertigung der Zjlinder von Ku-
pferblech versucht worden ; aber der hohe Preis dieses
Materials macht dasselbe für gröfsere Maschinen ganz uii'^
anwendbar, da es aufserdem auch nidht gaiiz von den Feh«
lern des Holzes frei ist.
Im Jahre i8o3 erhielt der Mechaniken Calld zu Paria
ein Patent auf eine eigenlhümliche Honstruktionsart der
Krämpelwalzen. Die Breter oder Dauben, woraus diescf
Zylinder bestehen^ setzte derselbe der Dicke nach aus
drei verschiedenen Theilen oder dünneren Bretchön zu-
sammen. Das mittlere ist Tannenholz, die beiden äufsern
sind Lindenholz ; jedes 8 Linien dick. Das Werfen .wird
hiei^durdh besser verhüthet , als sonst durch die sorgfäl-
tigste Austrocknung des Holzes. Die einzelnen Breter
werden durch Schrauben mit ihren Enden so zwisdhen den
äufsersten eisernen Kreisen festgehalten, dafs sie sich na-
thigen Falles herausnehmen, und wieder einsetzen lassen«
Die kleinem Zylinder machte Calla ganz aus Messing (^Bre-*
pels^ äont la duree est expiree^ Tom, IL p. 206).
Ein anderer Franzose, Collier^ wurdcf im Jahre 1806
gleichfalls mit einem hierher einschlagenden Patente bef*
theilt. Er bedient sich näh'iji>lich einer eisefnen Achse, ad
^velcher gufscisern^, dorch ein dünnes eisernes Gerip])ie
verbundene Räder sich l>eüudea« Dieses Gerippe Qbcfr«
s^.ieht er oben und unten* mit einem aus kalkartigen Snbstan-
zen, als Gyps, Alabaster, Puzzolane, Kalk, Ziegelmehl
u. s. w. bereiteten Kitt , dessen quantitative Zusammen-
setzung sich nach den Umständen richtet (?). Er wendet
dazu auch Harze, Ochsenblut, Eiweifs, Kohlen und an-
dere taugliche Stofle (!) an, und erhält durch dieses Mittel
57«
einen Körper, um den Hebel in jene Lage za bringe«,
welche Fig.'B A zeigt; auf diese Art trennt sich der Gie(s-
zapfen von dem Körper der Kagel , und diese fällt beim
Öffnen des Models sogleich rund heraus.
Eine der beschriebenen ganz äbnliche Einriebtang
besitzen »uch jene gröiseren Formen, in denen viele Ku-
geln zugleich gegossen und abgezwickt wc^rden (Fig. 9)*
Zehn bis zwanzig und noch mehrere kugelförmige Höh-
lungen beiinden sich in den( Kopfe ab des Models; der auf
die vorige' Art (Fig. 8) bewegliche Eingufs besitzt eine
lange Rinne und eben so viele runde Öffnungen , als Ku-
geln in der Form auf ein Mahl gegossen werden. Meist
ist die Form doppelt, d. h. es befindet sich auf jeder Seite
. derselben eine Reihe Kugelhöhlungen, mit dem dazu ge-
hörigen Eingufs (siehe die Seitenansicht in Fig 9 ^). ^
Der Gebrauch dieses Models bedarf nach dem Oessgt6fl
wohl keiner Erläuterung mehr.
yVeit bequemer noch ist eltie Art von Rugelmodel
die in Fig. 10 abgebildet, und, so viel ich weifs« franzo-
sischen Ut*sprunges ist. Der Kopf dieses. Models« desses
Gestalt und Einrichtung aus den F^g. 11 , 12 und t3 deut-
licher wird, gleicht ganz einem gewöhnlichen. Auf seiner
vordem Fläche liegt eine aus aswei durch ein Charnier i
verbundenen Theilen a^6, bestehende Platte, in deren Mitte
sich der trichterförmige Eingufs /; betind<^t. Ein paaf
Schrauben #?,/, vereinigen die Platte mit dem Model «o,
dafs die beiden Theile der ersterit sich frei um diest^
Punkte drehen können. Fig 11 gibt eine Ansicht des Mo-
^delsf da die Platte weggenommen ist; in Fig. 12 bat mio
die Platte besonders gezeichnet. ZuniGebranifh wird der
Model geschlossen, wie er in Fig. 10 vorgesiellt ist: nach
dem Giefsen öffnet m^ti ihn , und hierbei wird durch Vei-
Schiebung der Platte a 6 der Gufszapfen bart an der Fläche
des Models weggeschnitten. Aus Fig; i3< welche den
Model im geöffneteif Zustande vdrstellt, wird man sich
diesen Vorgang am leichtesten erklären können.
Alle bisher beschriebenen Vorrichtungen cum Ab-
swicken der Kugelhälse sind von solcher Art, dais sie au(
der Kugel eine' runde Platte zurücklassen, det*en Grdi$^
nach dem Durchmesset des abgeschnittenen Gafszapft^Q'
5.77
yertchieden ist. Die Randang der Kttgel wird hierdurch
zwar anvollkommen; allein dieser ITmatand ist auf die Ge-
nauigkeit beim Schiefsen ganz ohne Einflufs , da man schon
die Gewohnheit hat, die Uugelso in den Lauf za bringen,
dafs die erwähnte Platte Tom zu liegen kommt, und da'
auch die rundeste Kugel durch den Stofs des Ladstochjea
verdorben und unrund gemacht wird. Dessen ungeachtet hat
der Engländer Ezecfäel Baker es nicht der Mühe unwerth
gehalten , einen Kugelmodel zu erfinden , der nicht flach,
sondern bogenförmig abzwickt, und solchergestalt die
Yollkommene Rundung der Kugel erhält. Die Aufmunte-
rungsgesellschaft in London hat diese Erfindung mit einer
silbernen Medaille belohnt, und eine Beschreibung und
Zeichnung derselben in ihren TraQsaktionen (Bd. XXXIX
i8ai) bekannt gemacht. Fig. 14 zeigt die Einrichtung
dieses verbesserten Models , der sich unter andern auch
dadurch auszeichnet, dafs er einen sehr itiefenEingufs hat,
wodurch das Hohlwerden der Kugel ganz vermieden wird.
Das Eigenthümliche desselben besteht aber , wie man aus
der Zeichnung sieht, vorzüglich in den beiden Messern ao,
die von krummliniger Gestalt sind , und von denen an jeder
Hälfte des Modeh eines festgemacht ist. In dem Kopfe b
der Schraube, welche beide diese Hälften vereinigt, be*
findet sich eine halbrunde Vertiefung, in n^elche beim Ab-
zwicken die Kugel so gelegt wird , dafs der Gufazapfen
zwischen die Messer a a kommt ; durch Zusammendrücken
des Models wird dann das Abschneiden verrichtet« und
da der Mittelpunkt der Kugel mit dem Drehungspunhte
des Models zusammenfallt , so beschreiben die Schneiden
der Messer, wie man leicht einsieht, einen Bogen von der«
selben Krümmung, welche die Oberfläche der Kugel selbst
besitzt. Die Deuil - Zeichnungen werden das Gesagte hof-
fentlich ganz erläutern. Fig. i5 sind die beiden Theile
des Models; Fig. 16 ist die Ansicht der Schneid Vorrichtung,
Fig. 17 endlich ein Theil des Models von der Seite be-
trachtet. Zum Überflufs hat der Erfinder den Model bei c
auch noch mit einer gewöhnlichen Schere versehen. Der
Ansatz k soll zum Einspannen des Models in den Schraub-
stock dienen , wenn etwa zum Abzwicken eine bedeutende
Gewalt erfordert würde. '
jAlwb. 4m p*ljt. lütt. IV. Bd.
37
578
12. Über das Schweifsen des Gu&stahls und Gull-
eisens.
{Thonuon's jinnah of Philotophy ^ April 1818.J
Das Zasammenschweirsen des Stahls mit Eisen ist
Ton jeher als eine höchst schwierige Operation betrachtet
wordett: Indefs sind viele englische Arbeiter mit dem
Schweifsen de's Gul'sstahls rertraut, und sie behaupten so-
gar^ diese Arbeit sey ihnen leichter, als das Schweifsen
des Eisens, wegen der geringeren Hitze, die dazu c^fo^
dert wird. Viele Arbeiter verderben den Stahl gerade
dadurch , dafs sie ihn zu stark erhitzen. Um die Oijd»-
tion des Stahls zu terhüthen, mufs man einen besondem
Flufs anwehdeti, da der bei dem Eisen gebräuchliche
Schweifssand hicht dazu taugt. Einige englische Arbeiter
ziehen zu diesem Zwecke das Boraxglas, oder auch das
gemeine schwarze ^Bouteillenglas vor, welchem letzten
man noch etwas Alkali zusetzen könnte. Ein englischer
Mechaniker, Georg Scott ^ hat dieses Verfahren seit mek-
reren Jahrert befolgt. Es ist ihm so gelungen , vier Stan-
gen von Gufseisen an ihren Enden zusammen zu schweifsen.
deren jede vier Fufs lang war, und die bestimmt waren,
einen Kern «um Ausziiehen bleierner Bohren zu geben.
Die Verbindung War so vollkommen, dafs man keine Spnr
davon bemerken konnte. Der Ingetiieur J. Dickson rtri-
chert, dafs man gufseiseriie Stangen vereinigen könne) io*
dem man ihre zu verbindenden Enden . in eine Bohre tob
Schmiedeisen einschliefst« Diese Bohre dient als Model«
und verhindert das VerflieAen des Eisens ^ wepu es io
Schmelzung geräth»
Was das Sehiveifseii des Guftstuhls betrifll, so em-
pfiehlt Herr Gill ein iPeüer ton Holzkohleii anzuwenden.
Die zu vereinigenden Stücke werden blank gefeilt, w^^
Borax bedeckt, und durch eiserni; Binge zusammen gehal*
ten. Dann bringt man sie in das Fieuer , und wenn sie so
heifs sind« dafs das Boraxglas, oder das schwarze Boji'
«teillenglas zu schmelzen im Stande sind , taucht man sK
in eine dieser gepulverten Substanzen, und gibt endlich
eine neue Hitze , die aber nur so stark ist , dafs beide E"'
den sich schweifsen« Bei diesem Verfahren behalt der
Stahl alle seine guten Eigenschaften.
579
i3, VerferüguDg von Gewebea aas Pferdehaar
und HolzstreifeD.
(Detcription des Brevets dont la dur^e est expirie^ Tome iyj)
Ein gewisser Franz Bardel zu ParU erhielt im Jahre
1797 ein Patent auf fünfzehn Jahre für das in England üin
liehe , Ton ihm in Frankreich zuerst eingeführte und yer-
besserte Verfahren zur Erzeugung yon Geweben aus Pfer«
dehaar mit leinener , baumwollener oder seidener Kette^
nnd aus dünnen Holzstreifen. Da hierron Manches noch
unbekannt, und daher wohl interessant sejn dürfte, glaube
ich nicht Unrecht zu thun, wenn ich das Wesentliche jener
Fabrikationsmethode hier aufnehme«
Das Färben des Pferdehaars ^ welches seine eigenen
und bedeutenden Schwierigkeiten hat, beginnt mit dem
Einweichen dieses Materiales in Kalkwasser, welches zwöHl
Stunden lang fortgesetzt wird* Man ]äfst(für jede 10 Pfund
des Haares) 5 Pfund Blauholz durch drei Stunden mit
Wasser stark kochen; nach Verlauf dieser Zeit entfernt
man das Feuer unter dem Kessel , und gibt 6 Loth grünen
Vitriol in die hrühe, die man zugleich umrührt« Das
Haar wird hierauf (nachdem es aus dem Kalkwasser ge«
nommen , und wohl ausgewaschen worden ist) in die fer«
tige Farbe gelegt, und erst nach vier und zwanzig Stunden
wieder daraus entfernt, wo es dann sogleich yoUendet
erscheint»
Der Stuhl zum Weben derßofshaarzeuge ist derselbe«
dessen man sich in Seiden- und Baumwollenfabriken be«
dient; die Litzen sind tou Zwirn, und besitzen gläserne
Augen. Um das Gewebe der Breite nach auszuspannen,
kann man sich nicht der gewöhulichen Sperrruthe bedie*
nen , weil diese die Kettenfaden aus einander treiben , und
den Zeug zerreifsen würde, da nähmlich dieser letztere
keine . festen , durch die hin- und wiederkehrenden Ein-
tragfaden gebildeten Leisten besitzt, wie das bei Leinwand
u. dgl. der Fall ist« Eine Vorrichtung Ton ganz eigener
Beschaffenheit ist bestimmt, die Sperrruthe in dieser Art
Ton Weberei zu ersetzen ; man sieht sie in Fig. 8 (Ta£ IV)
gezeichnet« Es ist eine Art Ton Zange ,. welche aus zwei
eisernen, sich federnden Backen cc besteht, und mittelst
einer Schraube d geschlossen werden kann. Die Backen
37*
58o
sind auf der Innenseite mit Leder bekleidet , um jedeTtr^
letzung des Zeuges xa yermeiden« An ihrem hinten
Ende h ist diese Zange mit der Schraubenspindel e «o Te^
bunden , dafs sie , wenn die letztere mittelst der Rorbel g
gedreht wird, unbeweglich bleibt. Die fär jene Schraube
bestimmte Mutter befindet sich in der Stütze jf , welche auf
dem Querbalken i des Stuhlgestelles festgemacht ist Hier-
aus wird man sich ohne Zweifel die deutlichste Yorstellung
Ton dem Zwecke und dem Gebrauche dieses Mechanismos
2u machen im Stande seyn. Zwischen die Backen der
Zange wird die Kante des Gewebes eingeklemmt, vni
durch Umdrehung der Kurbel (welche die Schraube, vai
mit dieser di^ Zange führt) wird die nöthige Spannong
hervorgebracht. Diese Vorrichtung ist , begreiBicher
Weise , zu beiden Seiten des Stuhles befindlich«
Die Kette der Zeuge besteht aus schwarzem oder an-
ders gefärbtem Zwirn; der Eintrag ist Fferdehaar, wel-
ches aber auf eine eigenthümliche Art durch die geöffnete
Kette gebracht wird. Man bedient sich hierzu der inFig'9
gezeichneten Schütze, welche ungefähr 3 Fnfs Isngi 6
Linien breit und 2 Linien dick ist ; am Ende besitzt di^
selbe eine hakenförmige Krümmung, und eine kleine, aas
polirtem Stahl verfertigte Spindel ö. Der Arbeiter stecke
mit einer Hand diese Schütze zwischen die beiden Theile
der Kette ; zugleich fafst er mittelst des Hakens derselbea
das Ton einem Kinde ihm zugereichte Haar, und zieht es
durch die ganze Breite der Kette. Nach jedem Tritte
werden zwei Schläge mit der Lade geführt. Das Hofshaar
liegt, um es geschmeidig zu erhalten, in einem mit etira^
Wasser yersehenen hölzernen Gefafse.
Das Schlichten der Kette geschieht mit Kleister aof
die gewöhnliche Art. Um aber die Reibung der Fäden iß
den Augen der Schäfte und zwischen den Stiften des Riet'
blattes möglichst zu vermindern , überfährt man nach dem
Trocknen der Schlichte die ganze Kette mit einer durch
Beifsblei schlüpfrig gemachten weichen Bürste.
Dem fertigen Zeuge gibt man durch eine aus einer
papiernen und einer hohlen erwärmten eisernen Walze
bestehende Kalander auf dieselbe Art den Glanz , wie die-
ses sonst mit den Baumwollenzeugen geschieht. Manmafs
58i
darauf sehen 9 dafs bei dieser Operation die Leisten des
Zeuges gespannt erhalten werden, damit die Eintragfilden
gerade und parallel bleiben. Nöthigen Falles kann die
Malander durch eine Presse oder durch eine gemeine Hange
ersetzt werden « allein die erstere wirkt inuner am besten
und schnellsten.
Was die Verfertigung der Gewebe aus Holzstreifen
betrifft, so ist frischgelalltes Weiden- oder Lindenholz
hierzu das tauglichste Material, welches yor dem Gebrauch
in 12 -bis i5 Linien dicke Breter zerschnitten wird. Um
aus diesen Bretern dünne und schmale Streifen zu Ter*
fertigen , befestigt man sie auf der Hobelbank so , dafs sie
mit ihrer schmalen Seite in die Höhe stehen. Mit einer
Art Ton Hobel (? Trousquin)^ dessen E^sen statt der Schneide
mehrere feine und scharfe Zähne besitzt, filbrt man über
die ganze Länge dieser Seite bin , und macht durch dieses
Verfahren eine Anzahl Schnitte in das Holz. Wenn hier-
auf mittelst eines gemeinen Hobels ein Span weggestofsen
wird, so erscheint derselbe natürlicher Weise in eben so
▼iele gleich breite Streifen getheilt. Wenn die zuerst ge-
machten Schnitte tief genug waren , kann das Abhobeln
mehr mahl wiederhohl t werden , bevor der Gebrauch des
Zahneisens neuerdings nothig wird. Zur Verfertigung
dieses Eisens bedient man sich eines gewöhnlichen Hobel-
eisens, welches nachgelassen, durch Einfeilen mit den
(eine Linie tiefen) Zähnen yersehen , wieder gehärtet,, und
für den Gebrauch in eine hölzerne Fassung, welche zu
beiden Seiten einen Handgriff* hat , eingesetzt wird. Man
kann dasselbe auch in das rordere Ende des Hobels selbst
befestigen , in welchem Falle das Einschneiden und Weg-»
hobeln der Streifen zugleich , daher mit weniger Zeitver-
lust, aber etwas gröfserem Kraftaufwande, vor sich geht.
Da man sich nicht leicht Holzstreifen von einer über
36 Zoll gehenden Länge verschaffen kann, so ist jene
Gröfse auch das Maximum für die Länge und Breite der
daraus verfertigten Gewebe. Weil ferner das Material der
Streifen ein sehr weifses Hpiz ist, so können dieselben
ohne Anstand und durch die sonst gewöhnlichen Mittel
verschiedentlich gefärbt werden ; um sie nöthigen Falles
noch weifser zu machen , kann man sie durch verdünnte
inroli Waichen mit Seife, oder durch schwof-
bleichen.
tuhl «nr Verfertigung der Holzgewebe ist ganx
II , u d unterscheidet sich von dem l.eintvebei'slulil
aadui'cn , dafs der Breite nach das Gewebe keiner
inung bedarf, wodurch sowohl die sonst gewöhnliche
*r-rRiithe, als die früher beschriebene, beiden II ofshaar-
I angewendete, Vorrichtung entbehrlich wird.
Die Vorbereitung des Stuhls geschieht auf folgende
, Man bäumt auerst eine drei oder vier Ellen lange
3 von Zwirnfäden auf; diese zieht man durch die Au~
dfir Schsfle und durch das Rictblalt, und vereinigt sie
tztern durch Anknüpfen mit den zur eigentli-
kVE bestimmten Holzstreifen. Hierauf zieht man
-.nunkette nach rückwärts, und zwingt dadurch die
, in die Zwischenräume des Blattes und in die
i Litzen einzutreten. Diese Streifen worden
Ol. dem Brustbaum befestigt, indem man sie je
I...J zehn vereinigt. Die iiöthige Spannung gibt man
. durch Anhängung eines Gewichtes an den Ilintcr-
j. Das Weben geschieht auf dieselbe Art und mit der
nlicheu Schutze, wie jenes der Zeuge aus Pferdchaar,
iin die ganze I^üiigc der IIol;ikeltc mit dem Eintrnge
TVrsehen ist, zieht man die Zwirnfaden wieder vorwärts,
•chneidet das fertige Gewebe vor der Lade ab, and knüpft
«■f die oben beschriebene Art etno neue Hette aus Holzr
' abrejfen an. Der Knoten , dessen man sich hierbei bedient,
Utder nähmliche, welcher allgemein unter dem Nahmen
des ffeberknotei» bekannt ist (Taf. IV. Fig. lo).
i4- Verbesserte Bereitang des Garbe -Extraktes.
(Rtpertory of Artt, Juifl 1811.)
Bekannt ist es , dals die Englinder schon vor vielen
Jahren das Gärben mit dem durch Wasser aus der Lohe
eittrahirton Gürbestoß' mit Glück unternommen haben,
Nbd tritt ein gewisser ff^tliam Keadrick m Birmingham auf,
der diese Extraktion auf. eine weit zwechmäfsigerc Art vor-
■ehmen will, nnd lur seine Erfindung im Jahre tSso
(5. Dezember) ein Patent erhalten bat. Die Verbesserung
besteht, der Hauptsache nach, in der Aawendung de»
Wasserdampfes oder des bedeutend über seinen iSiedpunkt
erhitzten tropfbaren Wassers. Der hierzu dienliche Appa-^
rat besteht in einem Dampfkessel von zweokmafsiger Form
und Gröise , aus welchem der mit einer bedeutenden £la*
stizität begable Dampf durch Röhren in mehrere Gefafse
geleitet wird, worin sich die zu ettrahirende Substanz
(frische oder schon ausgegerbte Eichenrinde , Sumach
ü. s. w.) befindet. Die Elastizität des Dampfes regulirt
man so, dals der Druck desselben wenigstens 8 bis la
Pfund auf den Quadratzoll {Ji from eight io tu^elpe pounäs
uponthe cubic lach) beträgt. Das Extraktionsgefafs kann
aus Holz, aus Blei oder aus Eisen, welches mit Blei ge-
ffittert ist, yerfertigt werdefi. ' t)er Deckel eines jeden
solchen Gefafses muTs, so wie der Dampfkessel, mit einem
Sicherheitsventil versehen seyn. Das zu extrahirende Gär-
bematerial wird mit warmem oder kaltem Wasser vermischt
in die Gefafse eingetragen , und zwar richtet sich die Menge
des zugesetzten Wassers nach dem Grade der Konzentra-
tion, welchen man der Brühe zu geben wünscht.
i5« Verbesserung im Drahtziehen.
(Repertory of Arts ^ Juli 1822^
Der Engländer IViUiam Brockedon hat im Jahre 1819
(20. September) ein Patent für gewisse Verbesserungen
im Drahtziehen erhalten. Das Wesentliche seines Ver-
fahrens , welches nun in dem oben genannten Journale be-
schrieben worden ist , besteht in einer besondern Einrich-
tung der Zieheisen. Statt nahmlich dieselben nach der
sonst gewöhnlichen Art aus Stahl oder Eisen zu verfertigeui
bohrt er zylindrische oder konische Löcher in Diamanten,
Saphire, Rubine, Chrysolithe oder andere harte Steine,
welche zum Gebrauch in einen eisernen Rahmen oder eine
eiserne Platte eingesetzt und befestigt werden. Dafsmanden
Löchern mittelst des bei Steinarbeiten überhaupt gebräuch-
lichen Verfahrens eine hohe Politur geben müsse , bedarf
keiner Erinnerung. Das Ziehen selbst wird ganz so vor-
genommen, wie mit gemeinen Zieheisen; nur behauptet
der Erfinder , es sey yortheilhafter , den zugespitzten
Draht durch die engere Öffnung des Loches einzustecken,
584
weQ dann der. Stein dem Zöge groAeren WidertUni n
leisten vermöge« Eisendraht, Stahl-, Messing-, Kupfer-,
Platin-^ kio wie echter nnd unechter Gold- nndSilbardnkt
lassen sich auf diese Art ohne Anstand yerfertigen , und
inan hat noch den Tortheil, dafs wegen der geringeres
Reibung, die dabei Statt findet, dem su schnellen Ass-
weiten der Löcher yorgebeugt wird. Sollte auch dieses
sinnreiche Verfahren je allgemeiner werden, so wird man
sich • doch i um dichen Draht 2u ziehen , ans leicht be-
greiflichen Ursachen, immer der stählernen oder gnltei-
sernen Ziehplatten bedienen müssen.
i6. Verbesserung in der Verfertigung musikalischer
Instrumente.
(Bulletin de la SocUt^ pour VEncour. de t Industrie^ Jlf oi 1811.)
Viele der bekanntesten musikalischen Instrameote
(z. B. Trompeten, Hörner u. s. w.) bestehen aus engea
messingenen Röhren, welche yerschiedentlich geboges
sind, damit der darin befindlichen Luftsäule , der Beqaem-
lichkeit des Gebrauches unbeschadet, eine bedeatende
Länge gegeben werden könne. Das gewöhnliche Yerbh-
ren bei der Fabrikation dieser Instrumente besteht in den
Ziehen der aus Messingblech zusammen gelötheten Rohres
auf der Ziehbank, und in dem Hrümmen derselben, wel-
ches mittelst des Hammers vorgenommen wird, nachden
man die Innenseite mit Fett überzogen, und die ff^
Höhlung mit Blei ausgegossen hat, um dem Bohre mehr
Konsistenz zu geben. Nach Vollendung der Arbeit wird
das Blei ausgeschmolzen ; allein hierbei stöfst man sv
eine Schwierigkeit, welche die geschicktesten Arbeiter
bis jetzt nicht haben heben können. Ein Theil des Bleies
ist nähmlich oxydirt worden , und hängt sich (wahrschein-
lich auch durch Beihülfe des Fettes) so fest an die innem
Wände des Rohres, dafs diese sich trotz aller Bemühunges
nicht ganz* davjon rein machen lassen. Wenn man daher ^
Hülfe eines Meifsels die Röhre an den vorzüglichsten KrttD*
mungen öfTnet, so findet man sie dort immer mit eia^^
ziemlich dicken Lage dieses metallischen Schmutzes be-
kleidet. Obwohl nun die Töne des Instrumentes hierdurch
vielleicht weder unrein noch weniger sanft werden, <^
erfordert ihre Hervorbringung doch eine gröfsereAnstici''
585
gung derBrnat, werni die Hohlang der Bohren tmgleich
und unregelmäfsig ist*
Des' Instrnmentenmacher Labbaj^e (Sohn) zu Paris hat
es dorcli eigenthümliche Yerfahrnngsarten dahin gebracht,
alle Meisingröhren , sie mögen -was immer für eine Krüm-
mungf erhalten, ohne Beihülfe des Bleies so zu biegen, dafs
sie ihre yoUkommene Bnndnng behalten , und auf der in-
nem Seite Tollkommen glatt, d.h. von der vorer'wähnten
und jeder andern Verunreinigung fi*ei sind. Obwohl er
nun die Mittel , deren er sich hierzu bedient , geheim bäh,
und ich also. nichts darüber su sagen weifs, so kann ich
doch eine Bemerkung nicht unterdrücken. Es ist nähm-
lich bekannt, dafs Glasröhren, selbst von beträchtlicher
Weite, leicht über dem Feuer, ohne ihre Bundnng zu ver-
lieren , sich biegen lassen , wenn man sie vorher mit fei-
nem Sande ausgefüllt hat* Möglich wäre es, dafs sich
zwischen diesem Verfahren und dem des Labbajre einige
Ähnlichkeit fände. Das Eingiefsen von Blei bei dem ge-
wöhnlichen Verfahren hat nur den. Zweck, die vorhin
hohle Bohre gleichsam in eine massive runde Stange zu
Tel wandeln , die im Buge weniger sich flach drückt \ dem
Blei dürfte aber wohl ein Ersatzmittel zu finden seyn.
17. YerbesseruDg in der Typographie.
Eine der interessantesten neueren Erfindungen im
Fache der Tjrpographie sind die Kursif^Uttem des Firmin
Didot in Paris j welche im Abdrucke auf eine so genaue
Art durch feine Striche unter einander verbunden erschei-
nen, dafs durch sie die genaue Nachahmung der Hand-
schrift möglich , und dem Auge nicht die mindeste Unter-
brechung der Züge bemerkbar wird. Auf neueren fran-
zösischen Büchertiteln findet man schon häufig die Anwen-
dung dieser dem Auge aufserst gefalligen Schriftart; im
ersten Bande von Borgnis mecanique appUquee aux arts ist
sogar die ganze Dedikation mit derselben gesetzt, was
dem Lesenden einen ungemein wohlthuenden Anblick ge-
währt. Bei der bekannten Reinheit und Schärfe der Didot"
sehen Schriften liefse sich diese Verbesserung wahrscheinlich
mit gutem Erfolge zur Herstellung von kalligraphischen
Vorlegeblättern benutzen, welche die gewöhnlichen gesto-
chenen, und selbst die lithographirten, an Wohlfeilheit
588
digun^^ einer neueii hierher gehörigen Maschine. Ein
Herr Laforett hat nähmlich Snbskription eröfihet avf eine
mechanische Forrichtung %üm Auskörnen, Brechen^ Degun-
miren und Kämmen t^on nicht geröstetem Flachs vjid HanJ
(Btoie mecanique egreneuse^ macqueuse, degommeuse^ ieir
leuse et peigneuse du cham^re et da Un non rouis). In der
Ankündigung hierzu wird erwähnt, dafs ungefähr um iu
Jahr 1740 ein Spanier die erste (von ihm erfundene) au
kannelirten Walzen bestehende Maschine dieser Art (ob
auch für ungerösteten Flachs ? ) nach Frankreich gebracht
habe , von der aber aufser der geschichtlichen ErinneroDg
keine Spur mehr übrig sej. Yon der Maschine des Herrn
Laforest wird gesagt, dafs sie sehr einfach sej, und nicht
nur (wie die alte Regierung es yerlangte) zum Brechen, des
angerösteten Flachses, sondern auch zur Fet^einerung ie^-
selben und zum Hecheln von zwanzig Büscheln in gleicher
Z^eit^ verwendet werden könne. Zu diesen beiden Ope-
rationen sollen nicht mehr als zehn oder zwölf Minutes
erforderlicli sejn , und der klebrige , gammiharzige Thetl
der Stengel soll dadurch gleichsam in Nichte verwandelt
werden (!)• Der auf diese Art zubereitete Flachs soll
den nach dem gewöhnlichen Verfahren erhaltenen ^a
Weichheit, Weifse und Feinheit übertreffen; und man
kann ihm blofs durch zwei- oder dreimahliges , in Zwi-
schenräumen von acht Tagen wiederhohltes , Waschen mit
Lauge die schönste Bleiche geben. — Der Erfinder der it
Bede stehenden Brlschmaschine wird sich ohne Zweifel
gefallen lassen müssen , dafs man in Erwartung genauerer
Details, und direkter, im Grofsen angestellter Erfahras-
gen an dem Erfolge etwas zu zweifeln wagt.
20. William MaUef» Sicherheitsschlofs.
(Rep^rtory €f Ans etc. JuU^ 18a«.)
(Mit Zeichnungen auf Taf. IV, Fig. 11, is, iS,i4,i5, i?)
Dieses Schlofs, worauf der Erfinder (ein Engländer)
den 14. Dezember 1820 patentirt wurde, hat in seine0
Prinzipe Ähnlichkeit mit dem des Somerjonlj welches i»
IIL Bde. dieser Jahrbücher (S. 466) beschrieben worden
ist. Man sieht es in Fig. 1 1 (Taf. lY) in dem Zustande
abgebildet , wo die Deckplatte weggenommen , und der
Biegel vorgeschoben ist. Das Schlofsblech aa wird mit-
S89
teUt seiner SchranbenlScher wie gewöhnlich befestigt*
Der Riegel bb besitzt nur an seinem Kopfe die Tollkom«
mene Dicke , ist aber weiter hinten aasgenommen, so, dals
die übrigen Theile des Schlosses darin Platz finden. Ein
paar vierkantige eiserne Stifte, g und i, welche an das
Schlofsblech festgenietet sind , und durch zwei im Riegel
angebrachte Einschnitte durchgehen, dienen dem letztern
zur Leitung , und vertreten zugleich die Stelle der ZuhaU
iung auf eine Art, von der sogleich ausführlicher die Rede
seyn wird. Auf dem Riegel liegen nähmlich mehrere
eiserne oder messingene Platten e, von ganz eigenthümli-
eher Form, wie man aus Fig. i5 ersehen kann, wo eine
derselben filr sich abgebildet ist. Da alle diese Platten
genau über einander liegen, und folglich sich decken; so
kann man in Fig. 1 1 begreiflicher Weise nur eine dersel«
ben sehen. Jede Platte besitzt einen zahnartigen An-
satz 7, einen viereckigen Ausschnitt A, und auiserdem
noch einen längern Schlitz , mittelst dessen sie sich
an einem zur Leitung dienenden Stift d^ welcher an dem
Riegel fest ist, und durch alle Platten hindurch ragt, auf-
nnd niederschieben läfst. Am Riegel befindet sich ein
unter rechtem Winkel damit vereinigter Aufsatz, cc> der
eben so wohl zur besseren Leitung der erwähnten Platten«
als zum Angriff des Schlüsselbartes . wenn der Riegel ge-
schoben werden soll , dient« Wegen des erstem Zweckes
besteht er aus zwei Theilen , zwischen welchen die untern
Enden der Platten e sich bewegen können. Fig. 1 2 stellt
den Riegel nebst diesem Ansätze oder Leiter perspektivisch
vor; man bemerkt in dieser Zeichnung die beiden Aus-
schnitte o und />, welche zur Auf nähme der Stifte ^1 (Fig. 11)
bestimmt sind, den für die Platten zur Leitung dienenden
Stift d, und den Stift der Zuhaltungsfeder n. In den
senkrechten Wändendes Leiters cc sind schmale Nuhten
angebracht (die Zeichnung zeigt sie schwarz) , in welche
die .Kanten der Platten zu liegen kommen , damit diese
letztern nicht hart auf einander fallen , und sich gegensei-
tig in der Bewegung hindern ; eben so sind Einschnitte zur
Aufnahme dieser Platten in dem Boden des Leiters 1 der
übrigens aber auch ganz oSen bleiben kann.
Die Art, wie das Schlols, während der Kopf des
Riegels aufserhalb desselben sich befindet, zugehalten
wird, möchte nach der Zeichnung kaum einer weitläuftigen
Erklämiig bedürlen* SSmmtliche Platten e werden iwk
die Zuhaltungftfeder/ in der angezeigten Lage erhalten;
sie Stämmen sich daher mit ihrem bei ; befindlichen Ab-
sätze gegen den Stift g , welcher am Schlofsbleche fest
ist , und solchergestalt die Platten nebst dem Riegel Tor
dem Zurückweichen schützt. Die Feder / ist, weil sie
auf jede Platte einzeln einen Druck ausüben muTs, an ihrem
vordem Ende in so viele Theile gespalten, als Platten
yerhanden sind. Man sieht sie in Fig. i3 besonders ge-
zeichnet.
Das Offiien des Schlosses kann (vorausgesetzt, dafs
es nicht durch Gewalt geschieht) dieser Einrichtung «n
Folge nur dadurch bewirkt werden , dafs man die Platten
e alle zugleich so weit in die Höhe hebt, als nöthig ist,
um dieselben an dem Zuhaltungsstifte g sammt dem Riegel
vorbei bewegen zu können. Wären nun alle Platten genat
von der nähmlichen Einrichtung , so würde es mit jedem
gemeinen Schlüssel , dessen Bart die hinreichende Laoge
besäfse , ohne Anstand möglich sejn , das Schlofs za öff-
nen ; das letztere würde demnach nur eine geringe Sicher-
heit gewähren. Dieses ist aber nicht der Fall, sondem
der zahnartige Yorsprung j befindet sich bei jeder Platte
in einer andern Höhe ; folglich mufs , um demselben uher
g hinaus zu heben , jede Platte auf eine tferschiedene Weite
bewegt werden. Weil aber auch diese Mafsregel ohne
Nutzen , und es , um den Riegel frei zu machen , hinrei-
chend wäre, die Platte überhaupt nur sehr weit auszuhe-
ben, gleichviel wie weit; so hat der £rfinder eine Vor-
richtung mit seinem Schlosse vereinigen müssen , welche
das genau bis ax\f einen gewissen Punkt reichende Ausheben
der Platten zur noth wendigen Bedingung macht Diese B^
Stimmung hat der zweite Stiit i, an welchem jede Platte,
welche zu hoch gehoben wird, sich mit dem über / befind*
liehen Absätze fangt, und so das Schieben des Riegel)
neuerdings verhindert. Wenn daher das Schlofs ohne
Gewalt geöffnet werden soll, so mufs nicht nur jede Platte
gehoben , sondern sie mufs auch gerade so hoch gehoben
werden, dafs sie weder an den untern, noch an den obern
Stift stöfst, sondern zwischen beiden genau durchgeht.
Damit dieser Erfolg eintrete , mufs begreiflicher
Weise der Schlüssel eine angemessene Bauart betitien.
5qi
Sein Bart r hat nähmlich (wie man aus Fig. 17 abnelimen
kann) nicht die gewöhnliche Gestalt , sondern besteht a«i8
lauter stafielförmigen Absätzen, deren Anzahl mit jener
der im Schlosse vorhandenen Platten zusammen trifDu Jede
dieser Staffeln mufs eine solche Länge besitzen , dafs die
ihr zugehörende Platte durch sie gerade auf die erforder-
liche Höhe gehoben wird. Der Bart des in das Schtofs
eingebrachten Schlüssels nimmt das bewegliche Schlüssel-
rohr l mit sich herum , und fangt dann erst den Riegel zu
schieben an, wenn er die Platten auf die beschriebene Art
gehoben hat. — Zur Erläuterung des Gesagten ist Fig. 14
beigefügt) welche das Schlofs in dem Augenblicbe vorstellt,
wo der Riegel eben in seiner Bewegung begriffen ist.
Deutlich sieht man dort die nunmehrige Lage der Platten,
welche, so wie alle übrigen Theile, mit den nähmlichen
Buchstaben , wie in Fig. 1 1 , bezeichnet sind«
Wenn das Schieben des Riegels vollendet ist, werden
die Pjatten von der Feder/ wieder herabgedrückt; fallen
aber jetzt mit ^hren bei h befindlichen Einschnitten auf den
zuhaltenden Stift g, der nun den Riegel neuerdings so
lang unbeweglich macht, bis der ganze Vorgang wieder-
hohlt wird.
Die Sicherheit dieses Schlosses beruht, wie man sieht,
auf dem Umstände , dafs die Platten e zugleich auf f^erschie-
dene Höhen gehoben werden müssen , und dafs ein zu ge-
ringer Hub (auch nur einer einzigen Platte) eben sowohl
das Schlofs gesperrt halt , als ein zu grofser. Einzuwen-
den ist gegen dasselbe nur Folgendes: Erstene^ dafs seine
Einrichtung etwas komplizirt, und die genaue Verfertigung
davon schwierig ist; zweitent^ dafs die ganze Gewalt bei
einem etwaigen Versuche, den Riegel gewaltsam zurück
zu schieben, auf den Stift g fallt, der, selbst bei einer
bedeutenden Dicke, leicht wird abgedrückt werden können.
Übrigens gewährt dieses Schlofs (welches mit keinem
Ilauptschlüssel geöffnet werden kann) , eben so wie das im
III. Bande dieser Jahrbücher (Seite 468) beschriebene
Slrutl'scYie ^ den Vortheil, dafs. die Kombination der Fiat-,
ten aufs er ordentlich abgeändert werden kann , worauf sich
eben auch grofsentheils die Sicherheit gründet. Da nähm-
lich die Zahl der Platten , so wie die Höhe , zu welcher
Sga
sie gehoben werden müssen , telir Yerschieden »eyn kum,
so wird man nicht leicht ohne Vorsatz zwei Schlösser die-
ser Art verfertigen können, welche sich durch einen und
den nähmlichen Schlüssel sperren lassen.- Selbst in den
Falle ) dafs der Schlüssel dem Eigenthümer in Yerlnst g^
räth, unterliegt es keinem Anstände 9 einige der Plattes
gegen einander zu yerwechseln , sich einen nenen Schlüssel
Verfertigen zu lassen 1 und somit den alten zam Auftperres
untauglich zu machen. Diese Yortheile stellen das gegen-
wärtige Schlofa in eine Klasse mit dem oben erwähnten
des Struit, und nähern es dem Muster Isller Sicherheits-
schlösser, dem firamaVschen Patentschlosse, welches im
I. 'Bande dieser Jahrbücher (Seite 3 14) besehrieben wo^
den ist.
r
Ein in Wien verfertigtes Exemplar des JMIsIfe/'schea
Schlosses befindet sich im National- Fabriksprodukten -Ht-
binette des polytechnischen Institutes.
211. Neue Versuche über die Anwendung des Koch-
und Glaubersalzes in der Giasfabrikation.
(AnnaUi de V Industrie ^ Aoüt iS^s.)
Durch eine Reihe mit Beharrlichkeit angestellter Ter-
suche ist es dem Unterdirektor Le Guajr an der Spiegel-
fabrik zu Saint ^Gobin in Frankreich gelungen, das Kochsais
und Glaubersalz mit gutem Erfolge in der Glasbereiton;
anzuwenden. Das Kochsalz besitzt im Vergleich mit der
gewöhnlich gebrauchten Pottasche und Soda einen sehr
geringen Werth. Msn erhält mittelst desselben, wie I^
GuxLy behauptet, ein schnell und rein geflossenes, nur bei
einer Dicke Ton 3 bis 4 Linien schwach grün gefärbtem
Glas, wenn man sich des folgenden Einsatzes bedient:
Abgeknistertes Kochsalz • • .100 Tbeil^i
« Gelöschten Kalk • • • • .100 *
Sand 140 »
Alte Glasscherben nach Belieben 5o bis ao'o '
Das Glaubersalz (schwefelsaure Natron) biethet gleich'
falls eine grofse Ersparnifs bei seiner Anwendung alsGU^
Schmelzmittel dar , und die Beschaffenheit des dami^ ^^
haltenen Glases wird gelobt. Man nimmt :
593
Trocknes GlanBeraalz . . • . loe Theile,
Gelöschten Kalk « * , . « la
Kohlenpulrer • • « « « «19
Sand ••«•••« aaS
Glasscherben , nach Belieben 5o bis aoo
oder:
Trocknes Glaubersalz • • • • 100 Theile,
Gelöschten Kalk s66 »
Sand •••••«• 5oo •
Glasscherben. • • • 60 bis aoo 9
Das Glaubersalzglas ist dichter und schwerer, als
das gemeine Glas; es eignet sich zu jedem Gebrauche}
vorzüglich aber zu optischen Instrumenten.
Nach den vorstehenden u\|d denjenigen Erfahrungen,
welche insbesondere no,ch mit kohlensaurem Natron ange-
stellt worden sindjäfst sich für jede Sorte der gemeinen Soda,
deren Gehalt an schwefelsaurem und salzsaurem Natron man
kennt , die Menge von Sand und Kalk berechnen , welche
zur Erzeugung eines guten Glases nöthig ist. Setzt man
z. B. die Bestandtheile einer käuflichen . Soda ^ Sorte zu 80
Prozent kohlensaurem, 14 Prozent schwefelsaurem und
6 Prozent . salzsaurem Natron, so werden für loo Theile
derselben 378.4 Th« Sand, und 5 1.24 Th. Kalk zur voll-
kommenen Yerglasung erfordert ; denn :
ThtU«
80 Th, kohlens. Natron verlangen (den an- sandu kIiiu
gestellten Yersuchen zu Folge • soo 8
14 » schwefeis. Natron • . • . 70 37.24
6 » salzs. » . . • . 8.4 6
S78.4 Si.24
:2a. Englisches Yerfaliren^ damaszirte Gewehrläufe
zu brüniren.
l£ine der angenehmsten und beliebtesten Yerzierun-
gen der Läufe an Jagdgewehren ist bekanntlich das BräU"
nen (Brüniren) derselben , wodurch sie nicht nur den auf
der Jagd unbequemen Glanz verlieren, sondern auch
eine gleichförmige, matt glänzende braune Farbe erhaltenf
3*krb. d«» polyt« Inst. IV^ B4. ^^
4
594 I
nnd vor dem Roste geschützt bleiben« Ungeachtet die
Büchsenmacher alicemein das Verfahren •- wodurch sie
den Läufen jenes angenehme Aufsere geben , unier ihre
Geheimnisse zählen, so nnterliegt doch keinem Zweiiel,
dafs die braune Farbe von weingeistigem SchelUkümiis
herrühre , der durch eine auf der Oberfläche des Eisens «
künstlich hervorgebrachte Rauhigkeit darauf befestigt itird,
weilser an dem blanken Metalle nicht haften irürde. Die
Si^iwierigheit, welche hierbei zu überwinden ist, besteht
nw darin , dafs dem Elisen jene Rauhigkeit mit der mög-
lichsten Gleichförmigkeit , und in keinem höheren Grade
gegeben werde, als eben zum Anhaften des später aufge-
tragenen Firnisses^ nothwendig i&t.
Die einfachste Methode zur Erreichung dieses Zwei*
kcs besteht wohl in der Anwendung rauchender Säuren,
deren Dampf man das Metali so lang aussetzt, bis dasselbe
mit einer sehr unbedeutenden Lage yon.Rost überzogeB
erschein-t, über welche dann sogleich der Firnifs auige
strichen werden kann. Einige Büchsenmacher in li'it^
scheinen sich dieses Mittels zu bedienen^ und wirklick
ha^ lierr Professor AltmüiUr am polytechnischen Instiiuie
in seinen Vorlesungen mehrmahls geglüekte Versuche aa-
gestellt, den Flinteiiläufen durch den Dampf von rauchen-
der Salzsäure jene vorerwähnte Rostbede^kung zu gebeoi
wozu freilich bedoutenJe Zeit und einige Aufmeiksamt^i^
nöthig ist, damit nicht einzelne Stellen des Eisens zu sebr
ang/egrifFen werden. Aul'serdem soll man sich häutig der
Spiefs^lanzbüiter zum Bräunen der Gewehrläufe bedienen,
welche auch als englisches ßronziersah in kleinen Fläschchen
verkauft wird ; ieh bin aber über den Grad der AnircD<l'
barkeit dieses Mittels nicht genau unterrichtet«
Nöcli viel mehr als für die gemeinen Flintenläofe
dient das Brüniren zur Verschönerung der damaizirU^
oder sogenannten Drahtlävfe , welche dadurch eine scbunö
dunkelbraune Farbe erhalten, die aber keineswegs undurch-
sichtig ist, sondern die hellen und dunkeln Linien de$
■Damastes detitlich erkennen- läfst. Es ist übrigens hierron
eben so wenig bekannt , als über das Brüniren der gemcic«^"
.Läufe. In England soll man sich, wie der Herausgob^'^
Ae% Technical Repontory ^ Qill, versichert, des nachstehen-
den Verfahrens beim Bräcruen bedienen. Der asu behan-
595
«
delifd^ Lauf yfivAi flachdem er reih gefeilt,* politt and
durch Abreiben mit uQgelöschtem Kalk and Wasser von
Fett ganz befreit worden ist, an beiden Enden mit hölzer-
nen Zapfen yerstopft, welche nicht nur als Handhaben
dii^n^n, sondern zagleich das Eindringen der Behze in
die Seele des Laafes yerhindern« Man bestreicht ihn hier-
auf wiederhohlt mit einer Auflösung von Kupfervitriol in
Wasser so lange, bis er sich ganz mit gelben und grünen
Flecken bedeckt zeigt, und der Damast deutlich hervor-
getreten ist. Die durch die Wirkung des Vitriols entstan-
dene Kruste mufs von Zeit tu Zeit mit Hülfe einer nasseii
steifen Bürste weggerieben werden , bevor man die Auflö-
sung neaerdings aufstreicht, um das deutliche Erscheinen
der heller und dunkler gefarbtto Linien des Damastes zu
befördern. Würde man dieses versehen , und wäre dem
zu Folge die oxydirle Rinde auf der Oberfläche des Laafes
zu dick geworden , so müfste man sie mittelst einer Kratz-
bürste aus Draht zu beseitigen suchen; Der auf die be-
schriebene Art vorbereitete Lauf wird nun durch Bestrei-
chen mit einei^ eigenen Beitze gebräunt. Diese Beitze kann
verschieden seyn; ihre Zusammensetzung wird aber votf
Gilt auf folgende Art angegeben;
Kupfervitriol 2 Unzen,-
Ätzender Quecksilber- Sublimat 60 GraYi,* '
Yersüfster Salpetergeist {Spiritus niiri dulcis) 1 7i t^n-
zemnafse,'
Stahltinktur (iincluramartii aloälina Slahlü?) 1 ünzenr-
mafff«
Der Vitriol wird in 4 Quart (etwns über 2 Vi Wiener
Mäfs) Wasser aufgelöst, und der Sublimat mit den ztrei
andern Ingredienzien abgerieben. Die gebildete Flüssig-
keit streicht man wiederhohlt bis zum Eintreten des ver-
langten Erfolges auf, zuletzt begiefst man den Lanf mit
einer grofsen Menge siedenden Wassers (um die Wirkung
der Beitze schnell zu hemmen), und reibt ihn, noch warm,
mit Schellakfirnifs oder Wachs ein. Der Quecksilber-
Sublimat kann aus obiger Zusammensetzung (obschon er
die Wirkung sehr beschleunigt) weg bleiben, was auch
wegen der grofsen Schädlichkeit desselben für die Gesund-
heit räthlich ist. — Eine feuchte , weder zu kahe hoch zu
irarme Atmosphäre soll dem Gelingen des Prozesses a?Fk
3a*
. ■», -«k* '
596
günstigsten sejn, dock gehört überhaupt eine gewisse
Geschicklichkeit dazu.
a3. Inatrument zum Anspitzen der Zeidienstifte.
- (AnndUs de Vtndustrit^ Avril et Juiriy 1822.)
Jeder Zeichner kennt die Wichtigkeit einer Methode^
die Bleistifte schnell , bequem und so anspitzen zu können,
dafs die Spitze genau in der Achse derselben liegt« Die
Noth wendigkeit des zuletzt genannten Um^tandes wird am
fühlbarsten bei den Bleistiften , deren man sich an den
Panlographen bedient i gleichwohl kann derselbe aarcli
die gewöhnliche Art des Zuspitzens , mittelst Messer o^er
Feile aus freier Hand, kaum, oder doch nur sehr mübsam
erreicht werden« Herr C A. Boucher, Hauptmann im kö-
nigl, französischen Ingenieur -Korps , hbt daher ein Instni-
ment angegeben , durch welches alle -oben genannten Be-
dingungen beim Zuspitzen der Bleistifte zur Genüge erfüllt
-werden. Dieses Werkzeug versieht alle Arten Ton Zei-
chenstiften (wie gemeine Bleistifte, Rothstein und selbst
die fette Komposition der in der Lithographie angewende
ten Krajons) nicht nur mit einer sehr feinen Spitze j son-
dern es verhindert auch das Abbrechen der Stifte wäbreoJ
des Zuspitzens, und gestattet die Anwendung des abfallen-
den Staubes zu gewischten Zeichnungen und zur Berei-
tung chemischer Tinte, indem man ihn für den letzten
Fall im Wasser auflöst»
Das Instrument, dessen Gebrauch man sich durch
eine kurze Übung eigen machen kann , besteht aus einem
Gestelle, worauf der anzuspitzende Zeichenstift horizontal
oder schief gelegt wrerden kann , je nachdem man es far
die Feinheit der verlangten Spitze nöthig ode^ zuträglich
findet ; und auf welchem zugleich eine Art von Hobel i^
schiefer Richtung gegen die Achse des Krajons beweglich
ist. Dieser Hobel besitzt auf einei^ Seite eine Art tob
Messer aus gehärtetem Stahle zum Anspitzen der litho-
graphischen Krayons , auf der andern aber eine Feile für
gemeine Bleistifte. Er besitzt zugleich eine solche Ei"'
richtung, dafs man ihn nach Erfordernifs stärker oder
schwächer gegen den eingelegten Stift anzudrücken \^
Stande ist, was ein paar einfache stählerne Federn bewu"
ken« Während man nun mit den Fingern der linken Hand
dem Bleistift eine drehende Bewegung um seihe Achse
gibt, wird von der rechten Hand der Hobel in gerader
(aber wie gesagt schräger) Richtuifg hin und her ge2ogen|
wodurch natürlich schnell eine vollkommen runde Spitze
an dem Krayon hervorgebracht wird.
Da indessen dieses Instrument beide Häiide zugleich
in Anspruch nimmt, und da es doch viele Personen gibt»
welche nicht leicht im Stande sind, zwei verschiedene
Verrichtungen zugleich vorzunehmen, so hat der Erfinder
später sein Instrument dahin abgeändert, dafs nun nur
mehr eine einzige Hand zur Bewegung desselben erfordert
wird. Der Bleistift wird nähmlich horizontal eingelegt,
und läfst sich während der Arbeit durch den einfachen
Druck auf einen kleinen Hebel nach und nach der Feile
nähern. Diese letztere liegt schief auf einer Art Lineal
aus Holz, welches abwechselnd hin- und hergezogen wird,
und die Stelle des Hobels bei dem frühem Instrumente
vertritt. Das Lineal bildet eine Art von Drehbogen , des-
sen Schnur zugleich um eine an dem Bleistift steckenide
Rolle geschlagen ist, und mithin jenem zugleich eine dre-
hende Bewegung mittheilt. Auch hier mufs die Feile,
zum Anspitzen der lithographischen Krajons , durch ein
scharfes Messer ersetzt werden, weil die fette Masse die^
ser Stifte eine Feile zu bald verschmieren und stumpf
machen würde.
-*
nf^ Neue Methode^ zweifarbige gedruckte Zeuge
♦ zu verfertigen*
(Annales de t Industrie^ Mars j8a<2.)
Jedermann kennt die blauen, mit Indigo gefärbten,-
Bsrumwollenzeuge und Schnupftücher, welche auf ihrem
dunklen Grunde weifse, scharf begränzte Figuren zeigen.
Die Verfertigung derselben geschieht auf eine sehr ein-
fache Art, indem man nähmlich die Zeichnung oder den
Dessctn mit sogenannter Reseri^age (einem aus fetten , har-
zigen und erdigen Materialien zusammengesetzten Kleister)
aufdruckt, den ganzen Zeug in der Küpe ausfärbt, und
zuletzt den Kleister durch Kochen in Kleienwasser wieder
beseitigt. Diese Methode geht sehr wohl bei der blauen
59»
Farbe aui welche matt ohne Hindiernifa halt färben kuii;
sie ist aber unanwendbar für jede ändert Farbe , zu deren
Befestigung Hitze i^oth wendig ist. — Zu Glasgow in SchoH-
far}.d (st seit Kurzem eine Fabrik entstanden , welche lür-
)i^sch rothe Schnupftücher mit weifsen Figuren verfertigt,
welche eben so scharf bjegr^nzt, und yon dem umgebenden
farbigen Grunde abgeschnitten sind , als an jenen blasen
Zeugen , von welchen oben die Rede war. Man kann znr
Herstellung dieser Desseins auf keinem andern Wege ge-
langen, als dafs man an den erforderlichen Stellen die
schon gegebene rothe Farbe wieder wegbpitzt; weil man
keine Rcservage anzuwenden* vermag ^ die nicht von den
zur Hervorbringung der türkischrpthen Farbe nothiger
Weise gebrauchten Stoffen aufgelöst würde. Nun ist
zwar dieses Wegbeitzen der Farben (der Druck mit Enl^'
t>age) keineswegs n^el^r neu und unbekannt; wohl aber ist
es die nachfQlgeride Methode , diesen Prozefs auszuüben,
welche in der Fabrik z\\ Glasgan^ gebräuchlich ist.
Ifacbdem das Stück Zeug« welches zwölf Tücher entT
hält 9 gleichmäCsig gefärbt ist, wivd es in zwei gleiche
Hälften abgelheilt, deren jede folglich aus sechs Tüchern
besteht. Jedq Hälfte wird abgesondert so zusammengelegt,
dafs genau die sechs Tücher auf einander l^ommen, und
das Stück nur mehr ^le Qi'QÜse eines einzelnen Tuches hat',
m^n legt dieselbe nun auf eine Bleipl^tte , in welcher ä\t
verlangte Zeichnung ausgeschnitten ist , und deren rerr
schiedene Höhlungen sich- in ein rundes Loch endigen,
womit die Platte durchbohrt ist. Eine andere Bleiplattf}
Vplohe genau n^tt denielLien ({öhlungeu wie die erste vor-
sehen ist, wird darauf gelegt , und das Ganze bringt man
auf die bewegliche iPlatte «iner starken hydraulischen
Presse, die man so stark als möglich drücken läfst. Pi<^
beiden Platten dieser Presse sind toi^ einer eigenen Ei»^
richtung;*jede derselben besteht nähnUich "Vfieder aus zwei
auf .einander liegenden Tafeln von Gufsei^en, von denen
die das Blei unmittelbar berührende eben so viele Löcher
|iat, §]s die I^leiplatte selbst, während die andere ein i^
bis 18 Linien weites Loch besitzt. Die Löcher der ersten
Tafel korrespondiren genau mit don durchgeschnittenen
Desseins der Bleiplatte, und bilden gleichsam eine Fort*
Setzung derselben« Anderseits besitzt die zweite Taf<^^
auf ihrer verdeckten Fläche kleine Rinnen , welche diese
599
Locher mit der erwähnten, i9 bis 18 Linien weiten, Ilanpt-
öflnung verbindet. Wie gesagt, besitzen beide Platten
der Presse ganz die nähmliche eben beschriebene Ein-
richtung. Während nun die Hauptöffnung der oberen mit
einem Gefafse yoU tropfbarer Cblorine (oxydirter Salz*
säure) in Verbindung steht, kommunizirt die der untern
(beweglichen) Platte mit einer Luftpumpe. Indem ipan
diese Maschine in Thätigkeit setzt, wird im untern Theil
des Apparates qin beinahe luftlerer Raum hervorgebracht.
Man öffnet hierauf einen Hahn , der das mit Chlorine ge- •
füllte GefafsTerschlofs, und zwingt auf diese Art die blei-
chende Flüssigkeit, von oben durch die Löcher der bleier-
nen und eisernen Platten , so wie durch den Zeug selbst
i&u dringen, und diesen letztern somit an allen Stellen,
wo er damit in Berührung komipt , zu entfärben. Pie rund
um den Dessein befindlichen Theile des Gewebes bleiben,
wegen des heftigen Druckes , dem sie fortwährend ausge-
setzt sind, begreiflicher Weise von jener Wirkung* ver-
schont. Wenn die Chlorine au^ diese Art den Dessein in
sechs Tüchern auf einmahl hervorgebracht hat , läfst man
nach d^r beschriebenen Methode reines Wasser die freien
Stellendes Gewebes durchdringen, iiqi dieselben aas;su-
waschen« Sehr verdünnte Schwefelsäure (4» Theile Was-
ser, 1 Theil Säure) ninimt hierauf den meist noch zurück-
gebliebenen gelblichen Stich weg, und durch abermahlt
und jetzt in grofser Menge, angewendetes Wasser wird
die Reinigung vollendet. Wenn der Zeug nach dieser Be-
handlung aus der Presse genommen wird, ist er auch schon
zur letzten Appretur geeignet. — Wünscht man aber den
Dessein nicht weifs , sondern farbig , so wird noch vor
dem Offnen der Presse das erforderliche Pigment in Form
einer siedenden Brühe eben so applizirt, wie früher die
bleichende Chlorine. Die Austrocknung dieser Farbe
mufs natürlich in der Presse geschehen, was mittelst des
luftleren Raumes, in welchen man eine gewisse Menge
trockenen salzsauren Kalk bringt, leicht ist. Es können
anch auf die weifs ausgebleichten* Stellen mit Formen nach
dem gewöhnlichen Yerfahrem Blumen u, dgl« aufgedruckt
werden *).
^ -. ' .■■'-■ -- ■ , I ■ . . ■ ■ »
•) Die Kettenliofer ZitÄ - und Kattun TabriH nächst Schufäckaf
(V. U. W. W.) hat dem National - FabriUsprodukten - Ka*
biaette am polytechnischon Institute einige , wahrscheinlich
* I
6oo
Sechzehn Pressen sind in der Fabrik ohne Anftorea
in Thatigkeit; eine Dampfmaschine bewegt sie sammtlich,
und zwei Personen reichen zur Bedienung hin.
Es wäre leicht , in dem rorstehenden Falle die lUoT-
sehe hydrostatische Presse statt der kostspieligen Bramak'
sehen anzuwenden«
a5« Siderographie "*)•
{Transaetions ofthe SoCietyfor Encouragement^ VoLXXXVliL
1820.)
« Diese wichtige Erfindung der Amerikaner Perking^
Fairman und Heath besteht , der Hauptsache nach , in der
Verfertigung grarirter Stahlplatten, welche beliebig w-
«Tielföltigt werden können, und zum Abdrucke eben so, ja
wegen ihrer Dauerhaftigkeit noch besser , wie die Kapfei>
platten , tauglich sind«
Gufsstahl ist, als die beste Stahlsorte, 2ur Yerferti-
guns dieser Platten vorzugsweise brauchbar. Man mnfs
ihm aber , um das Grayiren darauf zu erleichtem , eine so
viel möglich weiche Oberfläche geben, und dieses geschient
am besten durch Entkohlung desselben, welche ihn m«
Thcil in Eisen verwandelt« Die Erfinder gehen hierbei
auf folgende Art zu Werke. Sie sdhliefsen das aus Stahl
verfertigte Stück (z. B. eine in der Folge zu gravirende
Platte) in eine gufseiserne Büchse ein, deren Wände 9
bis 10 Linien, dick sind, und welche mit einem eben s^
starken Deckel durch Aufkitten geschlossen wird. Sie ab-
geben es hier ganz mit reiner Eisenfeile, und setzen es
durch vier Stunden der Weifsglühhitze aus. Nach Verlauf
dieser Zeit läfst man das Feuer ausgehen, und bedeckt a^^
auf ganz ähnliche Art verfertigte, Tücher sur ÖfTentlicoen
Aufstellung übergeben,
*
•) Ich nehme keinen Anstand , diesen Artikel »up Vervolls^J"*
digung der im III. Bande dieser Jahrbücher S. 4'^ ßclieCef*
tcn Notiz mitzittheilen , da die Siderographie wirklieb menc
Aufmerksamkeit verdient, als ihr in Deutschiamd ^tyi<i^^^^
SU scyn scheint, und manche dabei vorkommenden ^^^^^
griffe auch für die Stahl Verarbeitung überhaupt von ^^'^'*'
tigkeit sind.
6oi
Büchse sechs oder siebenZolI dich mit feiner Kohlenlösche,
um der Luft den Zutritt in das Gefafs abzuschneiden.
Man darf sich nicht darauf beschränken, einzelne Flächen
eines Stahlstückes durch die Berührung mit Eisenfeile zu
entkohlen , sondern diese Operation mufs auf allen Stellen
gleichförmig vor sich gehen, -weil aufserdem der Stahl
beim' nachfolgenden Härten sich werfen und zerreifsen
würde« Der Erfahrung zu Folge thut man hierbei am
besten , den Stahl in vertikaler Stellung zu erhitzen. Die
Tiefe, bis zu welcher die Oberfläche des Stahls ihres
Kohlenstoffes beraubt, und in Eisen verwandelt werden
mufs, ist nach der Art der Zeichnung, welche man auf
den Stahl tragen will , verschieden. Für ieine und zarte
Gravirungen darf die entkohlte Schichte nicht mehr als
die dreifache Tiefe des Stiches betragen ; bei weniger zar-
ten Zeichnungen braucht man hingegen k^ne besondere
Sorgfalt anzuweadeif , und hier kann man di^ Entkohlung
auf eine beliebige Tiefe treiben*
Wenn eine Stahlplatte auf die zuvor beschriebene
Art entkohlt worden , und nach Endigung des Prozesses
so langsam als möglich erkaltet ist, kann sie durch einen
geschickten Künstler mit den allgemein bekannten Hand-
griffen gestochen werden. Diese Platte, welche die Er-
finder eine Matrize nennen , weil sie in ihrer Bestimmung •
eiüe grofse Ähnlichkeit mit den gl eich nahmigen Werkzeu-
gen der Schriftgiefser hat, wird auf eine noch anzugebende '
Art gehärtet, und dient alsdann zur Verfertigung einer
beliebigen Anzahl anderer, entweder kupferner oder stäh-
lerner Platten, welche einander vollkommen gleichen* *
In dieser Übertragung einer Zeichnung von der als Ma-
trize dienenden Platte auf eine beliebige Zahl anderer Plat-
ten, besteht hauptsächlich die Erfindung der Sidei'ographie.
Man befestigt, um sie zu bewirken, jeinen Zjlinder von
Gufsstahl, dessen Oberfläche hinreicht, die Matrize ganz
zu bedecken , in einem festen Gestelle so , dafs er nur um
seine Zapfen sich drehen kann. Nachdem die Oberfläche
dieses Zylinders entkohlt worden ist , bringt man ihn mit
der oben erwähnten Matrize in Berührung, und drückt Jlhn
durch eine eigene Vorrichtung stark dagegen an; nun
gibt man der Matrize einehin- und hergehende Bewegung,
und zwingt dadurch den Zjlinder, sich zu drehen, und in
der nähmlichen Zeit die vertiefte Zeichnung der Platte
602
erhaben anzuneliinen. Diese Operation setzt man soUnge
fort, indem man den Druck dabei nach Erfordernis \ei-
* stärkt, bis man durch Hülfe ein^s Mikroskopes bemerkt,
dafs der Abdruck auf dem Zylinder vollkommen ist. Selb&t
dem Unverständigsten ist es einleuchtend, dafs der Erfolg
dieses Verfahrens nur dann ein brauchbarer seyn könne^
weqn beim Baue der Maschine di^ höchste Genauigkeit
' beobachtet ist, indem sonst d^e Züge sehr leicht doppelt
auf dem Zylinder zum Yorscheine kommen wurden. Man
^ darf eben defswegen mit dem Drucke nicht nachlassen^
npid den Zylinder nicht eher aus der Vorrichtung entfer-
nen, als bis 4er Abdruck vollendet ist Dann aber öffoet
man die Presse, nimmt den Zylinder heraus« stahlt u«^
hortet ihn wieder, und bedient sich seiner endlich znr
Verfertigung der Platten. Diese letztern werden — wenn
ßie von liupfer'sind , ohne weitere Vorbereitung; sind sie
aber von Stahl, im entkohltenZustande — derselben Operation
unterworfen , wie früher die Matrize. Man erhält jetzt
einen dem obigen entgegengesetzten Erfolg; nähmlich die
auf dem Zylinder erhaben befindliche Zeichnung drückt
sich tief in die Platte beim Hin r und JBergehen derselben
ein. Was dadurch entsteht, ist eine getreue Kopie der
Matrize, welche ip der Folg^ gehärtet, und zu einer im
eigentliclfen Sinne unendlich zu nennenden Anzahl too
Abdrücken ?l^f Papipr verwendet werden kann»
Sowohl das Stählen und Härten dieser Platten, ah
jenes der Matrizen und Zylinder, geschieht auf eine und
dieselbe Art , welche nun noch zu beschreiben ist. Das
Mittel , diese Stücke auf ihrer Oberfljiche mit jener Quan-
tität Kohlenstoff wieder zu versehen, welche man ihnen
früher entzogen hat , sie also eigentlich wieder in Stahl xa
verwandeln, bestellt in alteiu Leder, welches in verschlos-
senen Gcfafsen verkohlt, dann gepulvert und gesiebt wird.
Das Stahlstück wird (eben so, wie früher zur Entkohlung)
in eine gufseiserne Büchse gebracht, darin wenigstens
1 Zoll dick mit deni erwähnten Pulver umgeben , und,
nach Aufkittung des Deckels , in einem Ofen stufenweise
so lang erhitzt, bis die Büchse etwas über das Rothglühen
ge)iommen ist, Nach der verschiedenen Dicke des Stahl-
Stückes mufs dasselbe auch ungleich lang in der Hitze blei-
ben ; drei Stunden i'eichen für eine Platte von 7i ^''
Dicke hin, fünf Stunden sind nöthig für ein i 7t ZpU dickes
6o3
Stück. Nach Verlauf des bdthigen Zeitraames nimmt man
die Stücke aus dem Feuer, und taucht sie unmittelbar in
kaltes Wasser , um sie zu härten.^ Es ist -wichtig, hier zu
bemerken , dafs die zu härtenden Stahlstüche weit weniger
als gewöhnlich dem Werfefi unterliegen, w^nn man sie
senkrecht (d. h. in der Richtung ihrer Länge) in das Was-
^'er taucht. Man wird hierbei jedoch fast nie das Entstehen
von Rii^sep oder Sprüngen vermeiden können, wenn man,
wie das allgemein gewöhnlich ist, d^n Suhl im Wasser
gänzlich erkalten läfst. Spwohl diese Gefahr, als auch
das in den meisten Fällen nöthige Nachlassen (oder theil-
weise Weichmachen) des Stahls erspart man, wenn der
St^hl vor seinem ToUstämdigen Erkalten aus dem Härte-
wasser entfernt wird. Das Merkmahl, woran der Arbeiter
den Zeitpiinkt* erkennt, in welchem der Stahl hinreichend
abgekühlt ist, lllCst sich nicht vollkommen durch Worte
deutlich maphen. Eipe Art von Zischen oder dumpfem
Geräusch, welches beim Eintauchen des Stahls entsteht,
mufs hier allein zur Leitung dienen. Von dem ^rs^ten
Augenblicke des Eintauchens an vermindert sich der Ton
dieses Geräusches mehrmahl, und es ist einer dieser Töne,
welcher vor dem gänzlichen Aufhören des Geräusches be-
merkbar wird , und den Arbeiter zum. Herausnehmen des
Stahles ruft. Auf folgende Art kann man sich durch einige
Versuche mit dieser Erscheinung vertraut machen. Mau
erhitzt ein ganz gehärtetes und mit Bimsstein wieder blank,
geschliffenes Stahlstück bis zum Erscheinen der gelben
Farbe, taucht es sogleich in Wasser, und beobachtet mit
Aufmerksamkeit den dabei entstehenden Ton , der bei dem
oben angegebenen, Verfahren hiit Sicherheit als Kenns^ei-
eben dienen kann, dafs der glühend in das Wasser ge-
braphte Stahl durch die bisherige ^Abkühlung genau so
hart geworden ist, als wenn man ihn glashart gemacht,
und dann bis zur gelben Farbe angelassen hätte.
Eine Stahlplatte, welche blofs zum Abdruck auf Pa«
pier dienen soll , würde überflüssig hart seyn , wenn man
sie nur bis ^up gelben Farbe nachlassen wollte ; sie muf^
vielmehr bis zur dunkelblauen Farbe erweicht werden,
Die Matrizen und Zylinder hingegen müssen jedes Mahl
Strohfarbe besitzen. Um für die übrigen Platten d^n
rechten Grad der Härte zu erhalten , unterwirft man deu
Stabil wenn er nach dem zuvor beschriebenen Verfa^iren
» .
6o4
aus dem Wasser gezogen wird, noch^ner veilem^
handlang* Man reiht ihn nähmlich , da er noch beifs i&t,
mif ITnsMittj und erhitzt ihn neuerdings his zur Zersetznn;
dieses letztem, welche an einem aufsteigenden Rauche
erkannt wird ; man taucht ihn hierauf neuerdings in Was-
ser , und läfst ihn darin so lange , bis das entstehende Ge-
räusch schwächer wird , als es das erste Mahl war. Diesa
Reiben mit Unschlitt und Eintauchen wird noch zweiMaU
wiederhohlt, aber erst beim letzten Mahle läfst man deo
Stahl vollkommen im Wasser erkalten.
Um die gravirten Platten bei der Aufbewahrung ror
Rost zu schützen, kann man sie , nach Perkins'^ Vorschbge,
mit einem aus Terpentinöhl und elastischem Harz (Kaoat-
schuk) bereiteten Firnisse überziehen , der sich fast aagea-
blicklich mit einem in heifses Terpentinöhl getancbteo
Pinsel wieder beseitigen läfst. -^ Es mufs hier noch Folgen-
des über die Anwendung der Siderographie , und ober
ihre Vorzüge vor der Kupferstecherkunst bemerkt wer-
den. Die Siderographie ist ursprünglich von ihren Erfan-
dern als ein treffliches Mittel vorgeschlagen worden, di«
Nachahmung des Papiergeldes zu erschweren , und meh-
rere nordamerikaniohe Banken sollen sich ihrer schon
mit Vortheil zu diesem Zwecke bedient haben. Da ma»
nähmlich mehrere geschickte Künstler eine lange Zeit biß-
durch mit der Verfertigung kleiner Stahlvignetten beschäf-
tigen kann , welche dann gemeinschaftlich auf eine grpfseri
Platte übertragen, und ungeheuer T\;rvielföltigt werden;
so würde die Nachahmung einer solchen Platte demjenigen,
der sie versuchen wollte, so viel Zeit und Mühe kosten*
als er, der Natur und Sache nach, nicht darauf wenden
kann. -7- Zur Hervorbringung guillochirter Zeichmingen
bedienen sich die Erfinder einer von Asa Spencer in A'^^
n'Ara erfundenen Maschine, geometrische Drehbank {T^^^J
geometrique) genannt, welche mit dem bekannten Rallei-
doskop darin eine gewisse Verwandtschaft zeigt, dafs s^^
eine unzählige Menge verschiedener Besseins hervor xn
bringen vermag, von ^enen keiner wieder zum Vorschein«
kommt, wenn ein gewisser Theil der Maschine einmahl
aus seiner Lage gebracht worden ist. Dieser letztere Ü"»'
stand könnte unbeipiem scheinen ; er ist es aber nicht.
weil für die Vervielföltigung desDesscins, durch das Ver-
fahren der Siderographie selbst, hinlänglich gesorgt ist. -'
^5
Als Ersatzmittel des Kupferstiches wird die Siderographie
nur in. jenen Fällen Tortheilhafte Anwendung finden, wo
eine ungeheuer grofse Anzahl ron Abdrücken erfordert
wird, durch welche die bedeutenden Auslagen sich wieder
ersetzen* Die Verfertigung einer Stahlplatte kann nahm-
lieh erst dann mit Nutzen unternommen werden, wenn
zur Heryorbringung der verlangten Zahl von Abdrücken
wenigstens drei Kupferplatten gestochen werden müfsten«
Mehr als 5oo,ooo Abdrücke sind bis jetzt von keiner Stahl-*
plfttte noch gemacht worden; es läfst sich daher nicht
wohl bestimmen, wie yiele sie überhaupt zu liefern im
Stande sej *).
26. Neue Anwendung der Lithographie.
(Annales de Vlnduürie^ D^cembre 18s 9.)
Ein Herr Malapeaü zu Pari« ^at eine Art von Lithogra-
phie erfundeiv, welcher er den Nahmen 0hl - Lithographie
{Lithographie ä Vhuile) gibt , und die von ihm verwendet
wird , Kopien von Gemählden auf Leinwand darzustellen«
Diese Abdrücke , welchen eine aufserordentliche Ähnlich-
keit nachgerühmt wird , sind keineswegs auf Papier ge-
macht, und erst auf di^ Leinwand geklebt, sondern betin-<
den sich unmittelbar auf der letztern , und werden von
einem Firnisse bedeckt: Das Verfahren bei ihrer Ter-
fertigung ist von solcher Art, dafs man die Züge des zu
kopirenden Gemähides auf die Leinwand selbst überträgt **)•
*) Es ist Isein Zweifel , dafs die Siderographie eine der merk-
würdigsten und interessantesten Erfindungen neuerer Zeit ist ;
dock gilt dieses kauptsacklicli von der Art, wie die Erfinder
derseäen die Übertragung und Vervielfältigung, der Zeich-
nungen bewirken. . Gravirte eiserne Platten , zum Abdruck
auf Papier angewendet , sind nichts weniger mehr als neu ;
schon Aufrecht Dürer übte die Kunst ihrer Verfertigung
aus, erfand sie vielleicht auch. Eben so gehört das Ver-
fahren, Stahl durch Glühen mit Eisenfeile zu entkohlen,
nach der Behauptung eines franzosischen Joumales {Anna-
les de P Industrie j Aov. 1822, p. i3o), 'nicht den HH. Fer-
kins , Fair man und Heath als Erfindung , sondern ein be-
reits verstorbener Stahl fabrikant, Nahmens Schey in Farisy
soll schon 1808 ein Patent darauf erhalten, und seine Kunst
auch Andern mitgetheilt haben.
**) Nach dieser Angabe lafsi sich keineswegs abnehmen , ob zur
6o6
*
Bereits sind mehrere Gemahlde berühmter Heister atff
diese Art bekannt gemacht und in Nachbildern herauftge-
geben worden. Man kann nach dem Verfahren des Herrn
Malapeau auch die Gröfse der Ko^eYi auf einen boliebigen
Mafsitab reduziren» Als Beispiel einer solchcfn Unterneh-
mung sind Toii ihnt zwei und zwanzig Gemähide von Le
sueupy das Leben des heiligen Bruno' Torstellend, nachg^
bildet worden^ die zusammen nicht mtfbr als 1760 Fran-
ken kosten. Jedes dieser Gemähide hat 3' Höhe nfid f
Bt-eite *)-
I in ■ f . . * ,\
Hervorbringung der erwähnten Kopien das Origiaalgemihlde
selbst durch eine Art von Ueberdruck als Prototyp beoützt
ifvcrde oder nickt. Da jedoch ohne wesentlichen Nschlkeil
des Gemähldes ein solches Verfahren nitht wohl denkbar
ist 9 mufs man das Gegen theil davon vermuthen. In diesen
Falle aber hängt die Ähnlichkeit und der Hunstwerth der
Kopien gänelich von der Oesthicklichkeit des Kopisten ab.
*) Wenn schon jetet in vielen. Fällen das Unterscheiden der
Originalgemälilde von ihren Kopien Schwierigkeiten macht,
wie selir werden diese wachsen, wenn einihahl Afalafeau'i
Verfahren allgemeiner sich verbreitet. Die Herausf;ebcr
der Annale! dt l Induiirie versuchen umsonst , die liwtisX-
liebhabe r darüber 7ai trösten ; um den Werth der grofsei
Originale wird es dann traurig aussehen ?
Mlmmimtlm^
XII.
Verzeichnifs
«
In der österreichischen Monarchie im Jahre iS:i:i auf
]£rilndungen , Entdeckungen und Yerhesserungen er*^
theilten Privilegien oder Patente '*^)«
^ IC«. ♦*) Samuel Paravieinly arfs ^aset^ auf seine Verbcs*
vefang in def Draht- und Nägel -ErKeugune, welche darin be-
steht, dafs mittelst eine^ Wa1zw«rlie8, Stabeisen in Blechreifd
und Draht verwandelt , und mittelst eines Drahteuges Draht von
unbestimmter Länge gemacht wird, aus welchem mittelst eine«
Drehstuhles ein einziger Arbeiter mit vieler Leichtigkeit ein Ge*
winde «um Einschrauben drehen kann, woraus dann mitteht dreier
Maschinen« welche blofs drei Arbeiter leiten, Nägel mit grofser
Geschwindigkeit erzeugt werden, die den Vortbcil haben, dafa
sie das Holz nicht Spalten, wie die gewöhnlichen ; auf cphn Jahre,
T019 23. Dezember 1821.
109. Jakob Mmanuel Poujaud Je Nanctds ^ Parfumerie - Er-
kenger in Prag , auf die Erfindung eines Toiletten - Geistes , wel-
cher Kum äul'serlichen körperlichen Gebrauche, wie auch «um
lläuchern in den Wohnungen dient j auf fünf Jahre , vom 9o. De-
sembcr 1821 *••).
110, Reyer und Schlidk^ k. k. priv. Grofshändler in W'i^H^
und Inhaber einer landesbefugten Zuckerraffincrie in Wiener-Neu»
Stadt ^ auf die Entdeckung, Zuckeressig aus Zucker, Syrup und
1 1 » ■
*y D« auf hohe Anor<liitiii^ die BeschretbQDgen der erloscheneot nad in Zulrnnffe
tfrlösehenden Patente in diesen Jakrbüchtfrn befcauiit n^emfcht werdeff soU
len f so gibt man eiastweilen biervon Nachriebt , mit dem Bei*at«e 4 dafa
mit der Aufnahme dieser Beschreibungen im nacht tfolgenden V* Bande
der Anfang gemacht werden wird.
**) Diese Zahlen sind dJe forfUnfenden Nnmmern der nach den neneif Regn-
latiren, nihmlich n<oh dem seit 18s 1 in Wirksamkeit getretenen Gesetse
▼om 8. Desember 1810 » ertheilten Patente,
***) Dieses Pririlegiam wurde mit der Beschränkung ertheilt» dafs der Toiletten-
Geist blofs als ein Toiletten • Mittel , ohne alle Cmpfehloiig desselben lu
irgend einen Mediciaal • Oebrattche ^ angekanJigt werde»
6o8
Formbacicwasser eu erzeugen, und dadurch ein dem besten ^ek-
cssig ganis gleich kommendes, reines, wohlschmeckendes und su-
gleich wohlfeiles Produkt zu liefern } auf fünf Jahre , vom 7. Jäfr
ner lOas,
/ .
111« Pried/fch Herold^ Wundarxt in Prag^ auf die Erfin-
dung, aus vier Ingrediensien einen Gesundheits - oder Kinder-
kafPeh «u erseugen, welcfie darin besieht, dafs sich dieser Kinder*
kaffeh durch den milden und angenehmen Gescbmack vor den
schon bekannten Surrogaten auseeichnet, und besonders für Hin*
der und alle jene Personen sehr geeignet ist, welche keine aroma-
tischen Getränke vertragen können ; auf fünf Jahre , Tom 7. Jän-
ner 1822.
119. Die Brüder Loderen Adam^ israelitischer Handels-
mann in Pilsen^ Joachim^ gleichfalls Handelsmann daselbst, Jo-
seph ^ Handelsmann in Bokiizan , und Jüichael^ Flufshauspachter
daselbst, auf ihre Verbesserung: von den Fellen der geschlal;^
nen und gefallenen Schafe Maroquin, welcher dem amerikaDiscbeo
an Milde und Farbe ganz gleich kommt , durch eine bis jetzt in
den k. k. Erbstaaten unbekannte , Wohlfeilheit und Ersparung u
Zeit beziclendc Verfahrüngsart," und durch einfachere, bis jetit
unbekannte Mittel zu erzeugen; auf fünf Jahre, vom 7. Janner.
11 3. Joseph /fcr^*/, bürgerlicher Posament! rer in Wiin{Ohvt'
ncustift Nr. S16), <iuf die Entdeckung, seidene Hosen trägerbänder,
sogenannte Trefs-Hoscnträger aller Art, sowohl glatt als fa^oonlrfi
auf MühlstfiHlcn zu erzeugen ; auf fünf Jahre , vom 1 3. Jänner.
11 4* Kajetan Rosina^ approbjrter Pharm aceut fn JlailaMi
auf seine Erfindung, aus den im lombardisch- venetianischen Ho-
nigreiche vorhandenen Thonerden auf eine neue,^ bisher duseM
weder eingeführte, noch sonst bekannte, und blofs durch seloe
besonderen Forschungen und chemischen Analysen entdeckte Art
und Verfohrungs weise , a) Topfergeschirr und ökonomische Öfe«
zum gemeinen Gebrauche in Küchen und für Familien dergestalt
zu erzeugen, dafs sie einem lange anhaltenden Feuer widerst^*
hen, wie nicht minder 6) sogenannte Gratzcr Bouteillen und
Schiffs - Flaschen, die der Gewalt der in Gährung begrifTeneo
Flüssigkeiten gehörig Widerstand leisten, und geeignet sind, ^yci1i^
Bier und andere dergleichen Getränke lange in gutem Zustande lu
erhatten, und endlich e) auch andere dergleichen Gefafse so s^
verfertigen, dafs sie weder von den sauren noch salzigen Flüssig*
keilen durchdrungen, und zu cbemis<;hen, wie auch anderen Ar-
beiten in den Künsten gebraucht werden können; auf fünf Jabrfr
vom i5. Jänner.
11 5. Peter Roubaud^ Destillateur, und Joteph Du Soit^ Pf>'
vatmann in Wien (V'orstadt Wieden Nr. 36) , auf ihre Erfindung«
ein vollkommen gutes , von aller der Gesundheit schädlichen Bei-
.mischung freies, sogenanntes Wein -Bier zu erzeugen, welches.
mit der Zeit nicht nur nicht verdirbt, sondern an Qualität iaiscf
6o9
gewinnt, aad alle bis {etst bekanntea Bier-Ga'tungen ^crtrilFt $
auf fünf Jahre 5 vom 31. Jänner *;.
r
116. Joseph Trentsenskjr ^ Inhaber einer befugten Stcindru«
eltp.rei in Wien (Stadt Nr« 544) 9 auf seiryc Entdvcliung , den Ziiik
(Spiautcr) nach einem gana neuen Verfahren in allen Zweigen der
Lithographie mit noch gröfseren Vortheilcn als die bisher aus dem
Auslande bezogenen Steine %u verwenden; auf sehn Jahre , vom
21. JSnner.
117. Wenzel Kdpunek und 'seine Gattin Firanuska^ auf die
Entdeckung , aus Leinwand und Zwilch allerlei Tucharten ku er-
seugch 9 welche im Vergleiche mit den gewöhnlichen Tüchern weit
stärHer, sehr bedeutend wohlfeiler, und vor den Einwirkungen
des Wassers und der Lufi besser Verwahrt sind; auf fünf Jahre»
vom 37. Jänner.
118. Karl WaldhSr^ Maschinist in iViert (Vorstadt Schot-
tenfeld Nr. 4^3), auf seine Erfindung, mittelst einer neuen -Ladheh»
Maschine in Verbindung mit der Sleiglade auf Seidenband -Schub»
Stühlen alle Gattungen qimdrillirter und broschirter Seiden-Mode*^
bänder zu erzeugen; aui zwei Jahre, vom 27; Jänner.
119. Justin Helfenherger una Comp, aus Hör schock im T{an-
ion St. Gallen in der Schweiz ^ derzei£in IVien (Vorstadt Wie-
den Nr. 170), auf die Verbesserung ihrer unterm d5. Juui 181k
privilegirten Sohäl- oder Gärbihühle, welche darin bcteht, dafsf
nach dem' gleichen Prinzipe, Frucht, Malz und Hafer ohne Stein
und auch nach jedem Mafsstabe von Manns-, Pferd- oder Wasser-
kraft etc; gebrochen ^ und die Maschine na6h verhältnifsmafsiger
Anwendung des Prinzips auf .die Grölse def* beschälten Früchte
(Hülsenfrüchte) auch tiir diese und andere zu vcrkh^iDcrnde Ge-
genstände benutzt werden kann , wobei die Wirkung der zugleich
äufserordentÜch dauerhaften Maschine so grols ist , dafs eine
Mannskraft des Tages bei zwölf Metzen Malz oder sechs Metzca
Hafer zu brechen vermag; auf 'fünf Jahre» vom .27. Jänner.
120. Ptani Zagitschek^ Webermeister aus Böhmisch'Tribad^
auf seine Verbesserung der von dem Webermeister iohann JliU
thael Bayerleithner erfundenen Methode , Säcke ohne Naht zu
verfertigen, mittelst welcher Verbesserung nicht. nur die gewöhn*
liehen, sondern auch gröfsere bäum- und schafwollene,' Strob-
und zum Packen bestinrmte, und überhaupt alle nach Erfordernifif
Srofse Säcke jeder Art, blofs mit einer einzigen,^ auf dem Boden
es Sackes glatt gewebten Leiste auch nur auf ernem auf dem
Lande gewöhnlichen 1 % Elle breiten einfachen Weberstuhle,
mithin von jedem Leinweber ohne Änderung seines Weberstubies,-
erzeugt Vverden können ; auf fünf Jahre , vom 37. Jänner.
■ . ■ " ■ " -i ■
*) Dieses Privilegiam ist« da Peter Roubavd und Joteph Du Boi», laut Er-'
Öffnung der h. k. Tereiaigten Hofkanilei rorai !• Oktober i8tt» auf dataelb«
freiwillig Ycriieht geteistet hoben , Als erloteheü ettaase^eo.
Jakrb; dea^^öTjrt. Iiitt» IV. Bd. jQ
6io
lai. Anton Gilliery Handelsmann aus Mailand (Strafse itlU
Cornacchie^ Nr. 3929)9 auf seine Erfindung einer neuen Art Stühle,
wodurch Sammtbändef*^ nach französischer Art erzeugt werden i
auf fünf Jahre , vom 37. Janner.
lai. Valentin Gasptrini^ Maschinist xu Roveredoy saf ic'ne
Erfindung oder vielmehr Verbesserung von Dampfmaschinen ira
Abspinnen der Seiden - Kbhons , wodurch derlei Dampfroaschinei
gegen jeden Unglücksfall gesichert werden , weniger firennmit6
riale bedürfen , und wodurch ein voraüglichea Gespinnst enengt
wird; auf zehn Jahre, vom 27. Janner.
ia3. Luigi Giuriati^ aus Venedigs auf seine Erfindung ei-
nes sowohl in Beziehung auf die Zusammensetzung, als rudisicht-
lieh der Anwendung bei unzählig vielen andern Arbeiten, gau
neuen Zements; aur fünfzehn Jahre, vom 97. Jänner.
B24* Anton Bernluurd^ \. h. privil. Dampfschiffer, W
lionigl. Essegger Kameral - Brücken - und Dammbau • Pachter in
Wien (Vorstadt Wieden Nr. 14^)^ ^uf seine Erfindung einer gaoi
neuen Anwendungsart des Dampfes , oder einer neuen Art Dampf-
schiffe, von ihm Kondensations - oder ungarische Dampfschiife g^
nannt , welche darin besteht , dafs der Dampf nicht wie bei dca
fewÖhnlichen Maschinen, unmittelbar durch seine' Expansioni*
raft zur Betreibung einer Maschine wirkt , sondern blofs ang^
wendet wird , um Wasser aus einem luftdicht verschlossenenf lu^
fianz angefüllten Gefafse heraus zu drücken. Das von Dampf er
iüllte Gefafs wird durch die Kondensation fast luftleer, und ßü-
let sich durch ein Saugrohr m^t einem untern Wasserbehälter tm
selbst wieder an. Mit dem auf diese Art ohne Heb - und Druck-
pumpe abwechselnd gehobenen und abwechselnd herausgedrück-
ten Wasser können dann oberschläc titige Wasserwerke, vorxfi^
lieh in Gegenden , wo an fliefsendem Wasser Mangel , und ao
Brennmateriale Vorrath ist , betrieben , oder damit auch Wasser
aus den Teufen der Bergwerke gcliohlt werden. Die ganze kost-
spielige Dampfmaschinerie, als U^mpfzylinder , Kolben, Lenker^
Kruromzapfen etc. ist vermöge 'der Wesenheit der privilegirtea
Erfindung dabei beseitiget , und der Anschaffimgspreis einer sol-
chen sogenannten ungarischen Dampfmaschine beträgt weniger als
die Hälfte des Preises für eine Englische von gleicher Krantafs^
rung,* bedarf die sorgfältige Aufsicht, Pflege und Vo'rkenntniis
bei ihrer Behandlung nicht, ersetzet die Kreis -Dampfmaschine,
hat den Vortheil einer willkürlichen Kraftvertheilung etc. , nn^
ist daher im Allgemeinen, und zu den grölsten stehenden Werltei
in wasserarmen Gegenden weit anwendbarer und gemeinnützigerer,
als die englische , vorzüglich ganz geeignet , um in Waldungen
Sägemaschinen damit zu betreiben ; auf fünf Jahre, vom 9. Februar.
iftS. Stephan Winterhalter ^ Maschinist in Wien (Vorstadt
Windmühl ü^r. aS), auf seine Erfindung einer Tabak • Schneideina-
jehine, welche darin besteht: 1) dafs zur Bedienung; der Maschine
nur ein einziges Individuum erfordert wird, sobalu sie durch die
6ii
Kraft des Wassers» oder in dessen Ermanglung durch die Krafl
des hier nöthigen Zugviehes, in Bewegung kommt ; a) dafs bej
der Arbeit derselben keine Zeit verloren geht ; 3) dafs sie vier
verschiedene Sorten Tabak augleich schneiden kann ^ 4) dafs auch
mit dem Schleifen der Messer keine Zeit verloren wird, indem
sich diese von selbst schleifen; ,5) dafs sich der zuschneidende
Tabak durch die Kraft der Maschine ohne Hülfe eines Arbeiters
vorrichtet; 6) dfifs, weil die Maschine vorwärts und rückwärts
geht, dieselbe wohl berechneter Weise in den gewöhnlichen Ar-
eitsstunden e wischen iSobis i8o SKentner feinen Dreikönigtabak,
von gemeiner Sorte aber weit mehr schneiden kann; endlich 7)
dafs ihre Bauart äufserst einfach ist , und daher sehr wenige Be-
paraturen erfordert, welche überdiefs von jedem Werk verstandi-
gen sehr leicht vora»unehmen sind; auf fünf Jahre, vom 95. Fe-
bruar. ^
ia6. Bernhard Jäckel^ Bürger aus FrUdland in Böhmen,
wohnhaft in WUn (Vorstadt Laimgrube Nr. lyS), auf seine Er-
findung, Branntwein durch einen besonders vortbeilhaften Apparat
zu brennen, welcher Apparat sich durch Wohlfeilheit, durch
Zeit-, Brennmaterials - und Arbeitslohns • Ersparung auszeichnet,
und gleich einen fuselfreien verkäuflichen Branntwem liefert, wo-
bei die Maische nie anbrennen kann; auf sehn Jahre, vom a5*
Februar.
127. Heinrieh Frieke ^ Drechsler aus Braunschweig ^ derzeit
in Wien (Stadt Nr* 716) , auf seine Verbesserung hjf'aulischer
Maschinen , als Feuerspritzen , Brunnen , Wasser- , Heb • und
Druckwerke , doppelt wirkend in einem und zwei Stiefeln , wel-
che Verbesserung darin besteht , dafs 1) bei den doppeU wirken-
den Feuerspritzen mit einem Stiefel , gegen die bisher bekannten,
eine gröfsere Festigkeit und Dauerhaftigkeit durch Entbehrung '
unnützer, bei dem Gedränge des Wassers in krummen Bohren
oder Leitungen den Druck erschwerenden Bestandtheile , eine
gröfsere Erleichterung des Druckes, ferner eine bessere Anwen-
dung der Hebelkraft gegen die Last, und auf diese Art beinahe
die völlige Beseitigung des dem Roste unterworfenen Eisens, zu-
gleich eine bequemere Transportirung , überhaupt aber eine be-
trächtliche Erspamiis an Materialien, Zeit und Arbeitslohn, und
ein besserer Erfolg ersielet wird; dafs 9) bei den Feuerspritzen,
Brunnen etc. doppelt wirkend in zwei Stiefeln, zu den obigen
Vortheilen auch noch der hinzu kommt, dafs die fast aus einem
Körper bestehende Maschine mittelst Schrauben oder Gewinden
sich zerlegen läfst; dafs man endlich 3) diese verbesserten hy-
draulischen Maschinen, als Wasser-, Heb - und Druckwerke, Brun-
nen und Feuerspritzen, auf eine sehr bequeme Art, ohne Men-
schenkraft, und zwar mittelst einer Kolbenstange zwei Kolben in
zwei Stiefein durch Dämpfe in Bewegung setzen kann , ohne die
jedoch sonst nöthigen Vorrichtungen zur Bewegung, und den*
Hebel oder sonstige Bestandtheile zu gebrauchen; auf fiiaf Jahre,
vom 4t März.
39*
6ia
118. Johann Nepomuk Sartory^ bürgerlicher RBpferscIwiucÄ
in WUn (Stadt Nr. 726), auf seine Erfindung, Wasser auf eine
leichtere , geschwindere und wohlfeilere Art als es bisher mit
Dämpfen und anderen Verfahrungsarten geschehen ist, som Sude
SU bringen. Durch diese Erfindung wird der Vortheil eraielt»
.dafs 1) die zu diesem Behufe dienende neue Maschine sechs Mahl
wohlfeiler ist, als eine in ihren Erzeugnissen gleiche Dampfma-
schine; 1) dafs bei derselben weder eine t'euersgcfahr, noch soiut
etwas Widriges zu befürchten ist; 3) dafs sie keiner Reparatur
unterworfen , und 4) ^^i allen ihren Bestandtheilen mit Dicbtuih
gAii und Schrauben dergestalt versehen ist, dafs jeder Ei(;entha.
Hier sie selbst zerlegen, und folglich auch reinigen kann; 5) dai'j
sie wenig Baum und gar keine Befestigung im Lokale bedarf«
ja selbst- im Hofe und auf dem Uoden gebraucht werden Uan,
da die Maschine selbst in einer hölzernen Bodung steht, ia
welche man das Wasser oder die Flüssigkeit, welche man tun
Sude bringen will, giefst; 6) dafs, wenn man bei dem Verfah-
ren mittelst der Dantpfapparate zu zwei Eimern Wasser 10 bis
la Pfund Holz, um ein brauchbares Bad zu bereiten bedarf,
zur Erreichung desselben Zweckes nach dieser Erfindung swei
Pfund Holz erforderlich sind; und endlich 7) dafs derlei n^u«
Maschinen , da sie nach Belieben grofs oder klein verfertig
werden können , für Brauer , Färber , zum Gebrauche bei llauv
hadern und grofsen Waschanstalten als ökonomisch za empfeh-
len sind; anf fünf Jahre**, Tom 4> Mäfz.
- . •
12g. Mathias Hallai ^ Rnthgärbermeisler in Br&nn (Vor-
stadt Mühlgraben Nr. 5), auf seine Entdeckung', einen dem auslac-^
sehen an Güte nicht nachstehenden weifsen und rothen JuHes
EU bereiten ; auf fünf Jahre , Tom 4* März.
i3o. Joseph Hummel^ befugter Regen» und Sonne nschirw*
Verfertiger in Wien (Vorstadt LeopoMstadt Nr. 3i7), aufsein«
Erfindung neuer, sehr einfacher Cbarniergabeln aus Draht für
Begen- und Sonnenschirme, deren wesentliche Versehiedeahrit
von den gewöhnlichen Gharniergabeln darin besteht, dafs sie des
Uebersug des Schirms , er mag ausgespannt oder zusammenfiele^
seyn ,. nicht beschädigen können , und den Schirm selbst in lctlt^
rem Zustande dünner machen ; auf fünf Jahre , vom 1 o. Man.
' i3i. Joseph Zffhrer ^ Besitzer der Gypsmühle V.u GaJen^f'
71 i zu Mödling Nr. 3o wohnhaft, und Joachim Feihner^ Geschäfts-
führer auf gedachter Mühle , daselbst wohnhaft , auf ihre Ernn-
dung , in ihrer Art nach ganz neuen Öfen , mittelst einer ehe»
so einfachen als zweckmäfsigen Vorrichtung • eine zu Bauten ei-
f;ens und mit vorzüglichem Nutzen anwendl»are Gypsart, nibn*
ich Mauer- und Stuckaturgyps , zu brennen und zu erceugeoi
wovon ersterer, nahmlich der Mauergyps , weit haltbarer als
Kalk, und auch nicht theurer als dieser ist; lettteref, der Stn-
ckaturgyps, aber um die Hälfte wohlfeiler, als der bisher ei^-
zeugte , zu stehen kommt , durch welche Art Gyps zu brennen
übrigens eine bedeutende Holzersparung im Verhaltnisse su defli
6i3
Bedarfe bei gewClinltcher BalKbrennerei eKweclit wird; auf fünf
Jabre, vom lo. März,
■s
i32. Vinzenx Schelivsky^ Kunsttiscbler in Peldsherg^ derzeit
in Wiem (Stadt Nr. lood)^ auf seine Verbeasening der bisber üb«
lieben Wascbmaschine , wobei i) die Gefahr des Verbrennens,
Beflecitens oder sonstigen Beschädigens der Wäsche , insbesondere
aber durch die gute Ausarbeitung im Innern des Maschinenrades,
jene des Abreibens selbst bei der feinsten Pntxwäscbe vermieden,
und eine durchaus reine Wäsche geliefert ; 'i) durch, den geringe-
ren Bedarf von Wasser die Drehung der Kurbel erleichtert j 3)
Ersparnifs an Holz und Seife erzielet wird; 4) ^^^^ Person binnen
zwei Stunden so viel waschen hann« als sonst Ai einem ganzen
Tage; 5) auch für eine grofsere Dauer der Maschine gesorgt ist,
tknd dieselbe endlich 6) sowohl für eine als für zwei Personen
verfertigt und nach Belieben und Erfordernifs der Partei und
des Platzes zum Öifnen eingerichtet werden liann ; auf fünf Jahre,
vom to. März.
i33. Karl Delavillay bürgerlicher Spenglermeister in der
Stadt Baden , auf die Erfindung einer neuen KafTeh • Dampfma-
schine, in welcher mit einem passenden Deckel fest geschlossenen
Maschine eine so genannte Wasser - Dampfröhre von einer ganz
unten befindlichen Wasserflasche an , mitten durch die ganze Ma-
schine bis etwaä über ein Filtrirsieb läuft, und den Selbstaufgufs
des heifsen W^assers auf den in das Sieb eingedrückten KafFeh be-
wirkt, welches mit einem äufserst unbedeutenden Aufwände an
Spiritus zur schnellen Herstellung eines guten KafFehs beiträgt,
indem von seinem Aroma währena der Bereitung nichts verloren
geht; auf fünf Jahre, vom »o. März.
i34> Der lur Errichtung einer Brennhoh- V erkleiner ungS'
anstalt unter der Firma^ ^Phorus*. gebildetes von einem Mitglieder
dem in Wien (Stadt WoUzeile Nr. 779) wohnhaften Hofagenten^
Bitter v. Schönfeld ^ vertretene Verein^ auf die Erfindung einer
neuen Brennholz- Verkleinerungsmaschine, welche darin besteht,
dafs das Scheiterholz mit Ersparung an Zeit und Kraft in jeder
beliebigen Länge gesägt und gespalten , immerwährend und unun-
terbrochen vor die Maschine geführt, da verkleinert und durch
die Maschine auch auf den Ort gebracht wird, von welchem es
verkleinert , gleich weiter geführt werden kann ; auf fünfzehn
Jahre, vom 10. März.
i35. Der nähmliche Verein ^ auf die Erfindung eines zwei«
rädrigcn Wagens, welche darin besteht, dafs 1) die Achse der
Bäder nicht durch den Kasten geht , und (ler Kasten eben so we-
nig auf der Achse der Bäder aufsitzt, als sich in vertikaler Bich-
tung um die A^hse des Wagens dreht, da er seinen eigenen Dreh-
punkt bat, ungeachtet dessen aber, und.obscbon der innere Baum
des Kastens für jede Ladung ganz frei ist , der Schwerpunkt der
Ladung nahe genug der Achse der Bäder fällt ; s) dafs dem Ka«
•ten mit der Ladung jede beliebige Neigung bei der Ausleerung
6i4
1
gegeben werden kann) 8) dafs der Kasten, ohne dafs der.W^en
bespannr su seyn braucht, in jeder beliebigen Neigung fesUn-
stellen ist; 4) d^^' ^^^ Kasten sehr bequem durch ein eintiget
ßchlofs gesperrt wird ; 5) daft der Kasten und der Wagen voniU;-
lieh geeignet sind , um das Gewicht seiner Ladung genau su be-
stimmen ; und dafs endlich 6) an diesen Wagen jec&s Zugthier be-
quem gespannt werden kann) auf fiinfaehn Jahre, Topi lo. Ilän.
i36.. Ferdißuoid Jökamnet^ bürgerlicher LebEelter und Hans-
Inhaber in Witn (Vorstadt Bofsau Nr. 63) , auf seine Erfinduni;,
aus Lebkuchen und Methlager, mit Ersparung der sonst tum
Branntweine noth wendigen Früchte , einen an und für sich, b6
sonders aber fii^ den gemeinen Mann , gesunden, angenehmen und
stärkenden Branntwein ku erzeugen , der verhaltnifsmafsig wvobL-
feiler ist , als der gewöhnliche und bei dessen Verfcinerun« ia
Bosoglio, wegen seiner natürlichen Süfsi^keit , viel Zucker er*
apart werden kann; auf fünf Jaiire, vom 17. Mäi*z *).
137. Mathias PogmUckrug^ Hausler in dem Dorfe MarU'
laufen^ im Bezirke Raamannjdorf^ Laibaeher Kreises , auf seine
Entdeckung, Wollkamme cum Gebrauche der Wollspinnereieo
nach allen Gattungen und Formen besser, dauerhafter und um
die Hälfte wohlfeiler als die früher aus dem Auslande bezogenen,
au erzeugen; auf fünf Jahre, vom 17« März.
i38. fideUs Schmidt^ Essigfabrikant in Wien^ auf seisf
Verbesserung des Essigcrzeugungs - Apparates , dessen Aufstellung
wenig Platz erfordert, und mittelst dessen mit HoUersparung n
einem sehr kurzen Zeiträume aus inländischen Produkten eis
sehr starker, der Gesundheit sehr zuträglicher Essig erzeugt wer-
den kann ; auf fünf Jahre , vom 18. März.
139. Georg Hauer , Putzwaarenhändler in Wien (Stadt Xr.
616), auf seine Erfindung, Damenhütc ohne Näherei mittelst Mo-
deln, sowohl aus bekannten Seiden- als auch aus eigens zuherei>
teten aufgelegten Stoffen , rein, leicht, dauerhaft , der scbnelleren
Arbeit wegen wohlfeiler , und in jeder - Hinsicht vortheJIhafter
als genähte Hüte von gleichem Preise , zu verfertigen ; auf fünf
.Jahre, vom 94* März.
140. Karl Stephanie^ in Wien (Vorstadt Landstrafse Nr.
463), auf seine Erfindung, durch eine Walzen -Schriften -Drueli-
maschine den gewöhnlichen Buchdruck zu bewerkstelligen, wobei
sich der wesentliche Vortheil dadurch ergibt, dafs mittelst dersel*
ben Maschine bedeutend schneller als auf den gewöhnlichen Üachr
dmckerpressen gedruckt werden kann , soliin nicht allein an ^'^
*) Dieses Pririlefinm des ¥\arditiaHd JohannM, ist (n Folge einer fcgr11ai«<
befuadenea Anseige des Leb seiter mittels Ia fVien^ wegen Meng«' <^*'
Zleiilieit. laut Eröffaang der k. k« vereinigten Bofkenslei rom i«. Msi ro"
der k. k, Kommerihofkommission , in Übereinstimmung mit dem Erkcnst-
aisse der n. ö. Regieruag« ffir erlosckea erkUri worden.
6i5
*
cur Produktion, sondern auch an Pressen, an Arbcitsfenten, und
an allem damit yerbundenem Aufwände nahmhaft erspart wird;
auf fünf Jahre , vom 94* Kare.
i4i* Andrtat Galvanik Orundbesitser in Cordgnoni im Di'
strikU Fordenone (sur De]ef|;ation von Udint gcburig) , auf seine
Erfindung einer Maschine xum Ausgrälen des türkischen Weitzens,
wodurch die Vortheile erhalten werden, dafs 1) mittelst der ge-
dachten Maschine ein Tierfaches Arbeitsresultat, im Vergleiche
sur Anwendung anderer Mittel erreicht; dafs a) bei derselben von
\ Seite desjenigen, der sie in Bewegung setxt. Itcine besondere Ge-
schicklichkeit erfordert wird; dafs 3) weder die Holben noch die
Hörner irgend einen Nachtheil erleiden , und 4) ^^^^ ^><^ Hörnor
aus der Maschine vollkommen schön und gesiebt hervorgehen,
ohne einer weitem - Sichtung au bedilrfen; auf fünf Jahre , vom
94« Mars.
«
i43. Jaqu»t^ RouJt et Comp^ Fabrikanten von seidenen und
halbseidenen Stoffen und Shawls, in Mailand (Strafse St. Paolo
Nr. 940) , auf die Entdeckung einer neuen von ihnen Lisage ä la
Jaquard genannten Maschine , wodurch jedes und was immer für
ein Zeichnungsmuster, im Vergleiche su dem gegenwärtig in
Ausübung stehenden Verfahren , mit einer sehr bedeutenden Ho-
stenersp^rnifs und mit der gröfsten Geschwindigkeit und Genauig-
keit auf jeden Stoff übertragen wird , der mittelst der Jaquard-
maschine verfertiget wird ; auf fünf Jahre , vom s4> Mars.
143* Georg Junigl^ Tapesierer in Wien (Stadt Nr. 1017),
auf seine Verbcsseruns der gegenwärtig üblichen Meubclpo'ste-
rung, welche er mittelst einer eigenen Zubereitung des Ilaufes
und mit Beihülfe eiserner Springfedern so elastisch macht, dafs sie
der Polsterung mit Rofshaar an Qualität nicht nachsteht , und ins-
besondere der Beschädigung durch Motten nicht ausgesetst ist ;
auf fünf Jahre., vom 1. April.
14 4* I^ie Brüder Kaspar und Jakob Waekerlig^ aus Zell im
Hanton ZUrch in der Schweig^ derseit in der Fabrik des Joseph
Pehr , in Fischanund wohnhaft , auf ihre Erfindung , durch eine
besonders vortheilhafte Vorrichtung ^r Spinnmaschinen mit ge-
ringerer Mühe eine gute Qualität und ein bedeutend gröfsercä
Quantum Watertwist su erseugen , als mit den bisher angewand-
ten Einrichtungen ; auf sehn Jahre, vom i, April.
146* Bartkotontäus Neskoda^ Militär - Verpflcgsassistent r.u
Padua (Nr. 686 wohnhaft) , auf seine Erfindung , alle Gattungen
von Wägen ohne Beihülfe des Zugviehes , blofs durch eine von
ihm vereinfachte, und auf einen jeden Wagen anpassend gemachte,
in Gestalt eines Hoffers verfertigte Dampfmaschine vorwärts su
treiben, welches Werk , aufser der Einfachheit, noch die Vor-
süge der Stärke mit jenen der gänslicli entfernten Feuersgefahi*
und der Leitung des Gänsen aus dem Wagen vorbindet, und
überdiefs den Vortheil gewährt, dafs mit äufserst unbedeutendem
6i6
Kostenaufwande der ganso Wagen rorwSrta getrieben ^hrd, «nd
die Dampfmaschine naob Belieben vom Wagen herab genomoiei,
und durch wenige Vorrichtungen zai allerhand Tricbwerliett, i\%
cum Hbizsägen , ku Mehlbeutel ma'schinen , oder sur Treibung von
Handmühlen mit grofseni Vortheiie verwendet werden lianii) vd
fünfzehn Jahre, vom i. April. '
146. Gregor Felix ^ Weingeist« • und Rosogliofabriliaiit in
Wien (Vorstadt Gumpendorf Nr. 87) , auf seine Erfindung , ans
gemeinem Branntwein von 18 Grad mit einmahligctn Abziehen ei-
nen geruchfreien, zu allen gebrannten gleichfalls gpruchfreien
W^assern tauglichen Weingeist oder Spiritus von 34 Orad, mit
einer Beimischung zu erhalten, welche nicht eine jedesmshlip
Anschaffung erfordert, sondern nach dem Abziehen wieder so gut
als vorher zu einem solchen Gebrauche dient, wobei folglich ^e*
gen die bisherige Methode , eine jcdesmEihlige Auslage , wie »ach
die Hälfte an Holz und Zeit erspart wird; auf zwei Jahre, Toa
1. April,
i47- Johann Mangelkammer ^ Töpfermeister in Wien (Vor-
stadt Flatzl Nr. 68), auf seine Entdeckung, die von dem Profes-
sor des k. k. polytechnischen Institutes, Baul Meifsrur^ erfuIKl^
nen Lufterwarmupgs-Öfen so zu mahlen und zu lackiren , daft
durch die Einwirkung des Heitzens die Farbe oder der Lack \tv
n\»n Schaden leidet, folglich die Öfen ihre Schönheit nie v??rliercn;
dafs ferner dieselben jede beliebige Farbe erhalten ' können , und
•ohin als Zierde für die prächtigsten Wol^nungeii geeignet sind;
auf fünf Jahre, vom 1. April.
148. Anton Till^ bürgerlicher Handelsmann und befugter
Siegellack -Erzeuger in Brag (im zweiten Hauptviertel Nr. u^l,
auf seine Verbesserung und EJrftndung, welche darin besteht, dafs
er so%vohl die (Qualität des spanischen Wachses (Siegellacks), als
den hierzu erforderlichen bisher üblichen S tan gen g u fs • Appac'^
verbessert, zugleich aber auch einen ganz neuen, bisher noch n"**
gcnds ausgeführten Stangengufs - Apparat , nebst mehreren , xar
Formirung, Politur und Signirung der Stangen erfordcriicheft
Vorrichtungen erfunden hat, mittelst welchen die Siegollaci'*
Stangen nicht nur ungemein geschwind und gleich gewichtig ^f'
zeugt werden, sondern auch eine gleichere und gefälligere Form
'erhalten, wobei das (Vanze eine bedeutende Ersparnifs an 1*^^
Brennmaterial und' Arbeitsleuten, und sohin jeder Qualität ange-
messenere Preise zur Folge hat^ auf fünf Jahre, vom i« April«
149 Friedrieh Lafite^ Destillateur in Gräiz (Murvorstadt
Nr. 540) , auf seine Erfindung einer Kaltehmaschine , in welcher
mit Ersparung von wenigstens einem Viertheile Kaffch, ein mehr
aromatisches und feineres Getränk , und zwar ohne der Giite ii^'
bruch zu thun , in beliebigem Mafse bereitet werden kann« ^^
bei die Mnschinc, nach Verhältnifs derGröfse, bedeutend wohlfei-
ler ist, als die bis jetzt bekannten Dampf- Kaffehmdichi nen ; SQ^ '
drei Jahre , vom 1 . April.
617
i5o. Joteph Troytr^ gewesener rilrsterzbischöflicher Koch
in Wien (Stadt Nr. 869) , auf die Verbtssseruni; der Sparherde«,
>velche darin besteht , dafs er durch eine , von der bisher übli-
chen wcsentjich abweichende Koostruhtion derselben, so wie
durch die eigene von der bisherigen ganz verschiedene Form der
dazu verwendeten Herdplatten , und durch eine ssweckraärsif^cre
Ileilzung mit minderen Kosten 'Sparherde herstellt, welche deir
Vorthcil gewähren, dafs mit einem und demselben Ofen grofse und
kleinere Auchen nach Verschiedenheit des (äglich wechselnden.
Haasbedarfes geführt und mit gänzlicher Beteiligung vo« Kohlen
und geringerem Uolzaufwande eine weit gröfsere Mannigfaltigkeit
im Gebrauche mit gröfserer 'Bequemlichkeit vor allen bisher bc«
kannten Sparherden erzielt wird; auf fünf Jahre, .vom 8. April.
i5i. Karl Hummel^ Mitinhaber des Diana -Yk^Ae^ in IVien^
ii| der Leopoldstadt, auf seine Entdeckung eines Apparates, Al-
koholdünste, welche sich während der Gährung des Weinheeren-
roostes mit der Kohlensäure entbinden , zu verdichten , wodurch
dem Weine seine ganze Stärke und sein « ganzer Wohlgeruch ge-
sichert, seine Quantität aber um iobisia Perzent vermehrt wird,
' welcher Apparat übrigens mit seinen Vervollkommnungen auch für
Bier, dann Äpfel- und Birnmost, oder für jedes andere Getränk,
das einer Gährung unterworfen werben soll , dienen kann ; auf
fiehn Jahre , vom 8« April.
iSi. Johann Hypolit Richard ^ in Mailand (Strafse del Cro-
cifisso Nr. 4^19), auf seine Erfindung einer Maschine ä laJatjuärd
mit einem und auch zwei Zylindern , welche in einem Mechanis-
mus besteht, der auf die VVebstühle angewendet, die Verferti-
gung der Seiden- und Wollenzeuge, dann der Bänder und ande-
rer Stoffe bedeutend erleichtert , und die Veränderung der auf
die gedachfen Zeuge anzubringenden Zeichn^tngen mit weniger
Mühe als bisher bewirkt $ auf fünf Jahre, von\ 8. April.
i53. Karl Seehorst n privilegirter Seidenband- Fabrikant in
Wien (Vorstadt Schoftenfeld IVr. isj6), und Johann Rothe ^ Posa-
mentirer in Wien (Vorstadt Schottenfcld Nr. 178), auf ihre Er-
findung, Sammot für Band und Wagenborten und für verschie-
dene andere Posnmcntier- Arbeiten auf Hand-, Schub- und Mühl-
stühlen in der Läns;e zu verfertigen, dann das Ablaufen einer ei-
genen Maschine auf eine Art vorzunehmen, wodurch der Sammot
keinen Druck oder Nadelstich bekommt^ mithin die Schönheit
desselben erhalten, und dessen Dduerhaftigkelt vermehrt wird;
auf fünf Jahre, vom i4- April.
i54» Karl Matschiner^ Bosogl 10 -Fabrikant in Wien (Vor*
Stadt Gumpendorf Nr. «83), auf seine Verbesserung, mittelst ei-
nes neuen Destillir- Apparats durch eine einfache Destillation aus
der Maische nicht nur reineil und starken Branntwein überhaupt,
sondern auch insbesondere aromatische Gattungen desselben zu
erzeugen; auf fünf Jahre t vom i4* April.
Gi8
105. Friedrieh LaflU « Destillateur In Gritz (Marrorsta^t
Nr. 640), auf seine Erfindung eines Bierbrau -Apparates, wo-
durch mit beträchtliclier Ersparung von Brennbolz « mit Ersp^
rung der Hälfte der Arbeiter gegen die gewöhnliche liethooc,
und mit Anwendung von Steinkohlen und jedem anderen Stoffe
cur Feuerung , ein alle gewöhnlichen Biergattungen an Güte aa^
Haltbarkeit übertreffendes Bier erzeugt werden ^ die Erseugun*
in jedem beliebigen Umfange sleicb vortheilhaft geschehen, und
Bwar auch schon in einem vernältnifsmäfsig kleinen Lokale, mit
Beseitigung grofser Gebäude und kostspieliger Anlagen, in b^
deutender Ausdehnung Statt finden kann ; auf fünf Jahre , ▼om
i4- ApriU
156. Flrant Hueber^ bürgerlicher Specerethandler in Wii*
(Stadt Nr. 908) , auf seine Verbesserung , nebst der inneren B^
nützung der Dampfkessel in Branntweinbrennereien, worauf er
ein aüsschliefsendes Privilegium erhalten hat , auch die Fenening
in dem inneren Baume des Dampfkessels anzubringen , durch diese
Vorrichtung statt der sehr kostspieligen kupfernen oder eisemeo
Dampfkessel , Bottiche von Holz anzuwenden , jede gewöhnlidie
Branntweinbrenerei über freiem Feuer mit geringem Hostenanf-
wände in eine Dampfbronnerei umzustalten, und hierdurch das
Anbrennen der Maische ganz zu vermeiden, welches sowohl auf
die Beinheit des zu erzeugenden Produktes sehr günstig wirkt,
als auch die Kessel vor der Zerstörung durch das Feuer gänalicli
schützt j auf fünf Jahre, vom ai« April.
157. Joseph GargamcOy Schmied und Mechaniker in Favwy
hat bereits am a5. August 1819 auf seine Erfindung der Bordier'-
sehen Lampen mit parabolischen Beverberen nach den damahligea
Directiven ein Privilegium erhalten (Jahrb. H. 36 1). Ba j^
doch Joseph Garganico die Erklärung abgegeben hat , dafs er sict«
in Ansehung dieses Privilegiums nach dem allerhöchsten PaleiUe
vom 8. Dezember 1820 benehmen wolle , und nachdem derselbe
allen darin enthaltenen Formalitäten und Bedingungen entsprochen
hat , so wurde demselben die diefsfallige Privilcgiurasurkunde
nach dem neuen Systeme auf die Dauerzeit von fünf Jahren aus-
gefertiget. Die Wesenheit der zum Grunde liegenden Erfindun;
besteht in Lampen mit parabolischen Beverberen nach Bordier-
scher Art zur Beleuchtung der Strafsen , Plätze , Säle in weites
Entfernungen.
158. Johann v. Thornton , Direktor der k. k. privilegirl«"
Spinnfabrik in Pottendorf (^d^eih^X Nr. ii3 wohnhaft), auf seine
Verbesserung der Spinn - und der hierzu gehörigen Vorbereitung^
maschinen, welche darin besteht, dafs 1) durch zt^eckmäfsieere
Anwendung und Verbesserung des den Druck der oberen Waise'*
auf die unteren hervorbringenden Hebels \ 9) dureh eine vor de«
Walzenbaume gans neu angebrachte Befestigung der sogenannten
Gewichtschraube; 3) durch den Gebrauch der Federn statt der
Gewichte zur Beschwerung der Oberwalzen ; 4) durch den Ge-
brauch der Federn in Verbindung mit Gewichten, und 6) durch
6i9
das Vorselxen der ersten Walsenrcilie vor dem Walsenbaume
ein reineres und gleicheres Cespinnst erzeugt werden liann; auf
zehn Jahre, vora 39. April.
\5g» Anton Cäsar Quinqueton^ aus Lyon 9 in Mailand
(Strafse Chiaravalle al Civieo Kr. 47^9) wohnhaft, auf seine £nt*
deckung , den Krausflor mittelst einer eigenen xum Kräuseln des
Flors einserichteten Maschine auf französische Art zu erzeugen;
auf fünf Jahre , vom 29. April.
160. Dominik Schera , Steinmetz in Triest (Strafse della
Majoliche Nr. 1284)1 auf seine Erfindung, weifsen Stein und
Marmor zu Wasserleitungen und zum Abzüge des Wassers aus
den Hausem und von den Dächern, tu bohren; auf fünf Jahre,
vom 29. April.
D«ni Peter Jtnton Oinig ist das Ibm nntarm 17^^ Detember 181 5 auf ^« Vor-
fertigung uogvleimter wasterdiehter Filxhflte T«rli«heno snchsjShrig« Privil^
gittm (Jahrb. I. 4oa) mit allerhochstar EntschUefsung Tom »9. April i8ai»
aas besonderer Gnede auf weiter« drei Jahre» d. i. bis tum ii. Desemb«v
i8s4 • verlängert worden.
16 1. Philipp Haas , bürgerlicher Webermeister in Wien
(Vorstadt Gumpcndorf Nr. 180), auf seine Erfindung, mittelst
einer an dem Weberstuhle anzubringenden Maschine bei allen
Baumwollenweber - Waar-en , vorzüglich aber bei feinen und dün-
nen Zeugen, als z. B« bei Organdin , Vapeur etc., sowohl glatten
als fa9onnirten, die möglichst vollkommene Gleichheit und belie-
bige Dichtigkeit zu erzwecken, ohne dafs in dieser Hinsicht nur
das Mindeste von der Willkür oder Geschicklichkeit des Webers
abhäsgt; auf fünf Jahre, vom la. Mai.
162; Michael Sotiil ^ bürgerlicher Seidenzeug - Fabrikant in
Wien (Vorstadt Neubau Nr. 168), auf seine Erfindung, mit dem
gewöhnlichen Seidenzeug -Werkstuhle einen ganz neuen, einfa-
chen Mechanismus in Verbindung zu bringen, durch welchen ein
Knabe von zehn bis zwölf Jahren in den Stand gesetzt ist, mit
aller Leichti^eit, und durch einen einzigen Tritt, welcher die
Litzen zu jedem beliebigen Fabrikate hinauf und herab zieht,
Atlas, Grosdctonrs ,. Croise etc., nach oder neben einander mit
einem und dem nähmlicben Schützenwurfc aus einer angeschwell-
ten Kette, sie sey aus Seide, Garn oder Wolle, zu verfertigen,
und mittelst eines zweiten Trittes den andern Theil der Maschine
in Bewegung zu setzen, wodurch in die eben genannten Stoffe
alle Gattungen von Blumen oder Desseins eben so leicht einge-
arbeitet, als auch nach Belieben des Eigenthümers in wenigen
Minuten wieder abgeändert werden können ; auf zehn Jahre, vom
12. Mai.
i63. Ateher Wappemtein^ Medailleur, Gemmen- und Wap-
pensteinschneider in Wien (Vorstadt Leopoldstadt Nr. 11), auf
seine Erfindung einer für Gewerbsinhaber , welche die Geldein-
nahme ihren Dienstleutcn anvertrauen müssen, zur Beseitigung
6ao
aller Irningen und Bevortbeilungen, und cur Rontrollirans ihrer
eigenen Rechnungen, durch, genaue und unabänderliche Angabc
der Anzahl der vorgenommenen Gegenstände brauchbare Kon-
troll masch ine , die vorzüglich bei dem Billardspielen in Kaffeb-
häusern eine gute Anwendung finden, und sowohl den Spielendea
als dem Marqueur, hauptsächlich aber dem Eigenthümer des
Billards dadurch bedeutenden Nutzen* gewähren hnnn, dafs i) dem
Spielenden, besonders in den Kontraspielen, in den doppelt «der
dreifachen Kontraspiclcn das Vcrbältnifs der gewonnenen und
verlornen Partien genau angegeben wird, dafs 2) der Marcpienr
aller Bcdenklichhcilen und jedes »Verdachtes, als ob er zu wenii;
orlor zu viel auf .eschricben hätte, enthoben wird, weil die Ms-
scbine die Anzahl der gespielten Partieen unabänderlich anjtci^t,
und dafs 3) der Eigenthümer des Billards mit ivoUcr Sicherheit
die Zahl der gespielten Partien erfahrt, und jede Beeinträchti-
gung in seiner Abwesenheit unmöglich gcmaeht wird^ auf iüsf
Jahre, vom i3. Mai.
164* Jgna% Ktfhrty Manrpulations-Direlctor der lithographi-
schen Anstalt in IVien (Hernais ]S[r.-43)t auf 'seine Eriindun^,
mittelst einer chemischen Vorrichtung von einer gestochenen
Messing, Kupfer- oder Zinnplatte, von der man bisher nicht 6000
brauchbare Abdrücke erhalien )(onnte , ohne aufzustechen, mehr
als 3o,ooo gute und schöne Eiepiplare liefern, und hierjsa nicht
blofs neue, sondern auch solche Platten, mit denen schon frü-
her mehr oder weniger gedruckt wurde, ohne die geringste
Schwierigkeit verwenden zu können, welche Diruckart sich jedoch
nur auf Tabellen, Schritten, Noten, Apotheker - Signaturen«
Spielkarten und ähnlicbc ordinäre Gegenstände beschränlit ; aid
fünf ^ahre, vc«m i3. Mai.
i65. Johann Ftchtner^ \x\ Wien (Favoritenstrafse Nr. 170),
auf seine EHindung, bei der Destillation, des Branntweins aus
was immer für* einem gegohrnen Gute zwei wesentliche bisher
9iu^ammen unerreichbare Vortbeilc zu erzielen, nähmlich 1) dafs
dan zu destillirende Gut nie anbrennt, und dafs 3) dennoch die
rurilckbleibende Schlempe während der Destillation auf keinen
Fall mit Wasser vermischt wird> auf zehn Jahre, vom i3« Mai.
166. Franz Gay ^ gebürtig ans Venoix in der Schweiz^ ge-
genwärtig in Maiiand (Strafse del ßaggie Nr. 2a6i , bei Peter
Martinetii wohnhaft), auf seine Verbesserung, bestehend: 1) in
einer Vorrichtung oder einem sichern Mittel, um den Bauch, den
die Kamine verbreiten, ganz zu beseitigen, indem dadurch dem
Stofso der Winde, oder des durch Änderungen in der W^itterung
verursachten Luftzuges hinläng^ch W^iderstand geleistet, dabei
doch eine gröfere Wärme in den Zimmern erhalten ^ und di«
Feuersgpfahr entfernt wird, obwohl in den oberen Bäumen £%%ei
oder auch mehr Bohren zusammentreffen ; 9) endlirh in zwei ökono-
mischen Stuhenufen, von denen der eine nach Art Ffaitkiinj^
der andere aber rund mit Säulen am oberen Thcile des Ofens
aur Mittheilung des WarmestoiTes verfertiget ist, mittelst vrel-
021
dier Ofen durch sehr geringe Holzfeuemng wfibrend viei' Stun-
den eine Wärme von 12 Graden nach Bcaumurs Thermometer
in einem, Salon oder in zwei an einander stofsenden Zimmern,
die einen Raum von 7000 Kuhikfufs einnehmen, bewirkt, und
eben daselbst durch 34 darauf folgende Stunden erhallen wird;
auf fünf Jahre , vom i3. Mai.
167. Paul Mayer ^ Glasmeister in Lint^ auf seine Erfin-
dung, durch Zusammensetzung mehrerer Ingredienzien eine Art
Puttasche , Unter der Benennung : leicht schmelzendes Doppel-
Kali , zu erzeugen, welche gegen d^ gewöhnliche Pottasche nicht .
allein um ein*L>rittheil geringer im Preise zu stehen kommt, son- .
dem auch in einer um ein Siebentheil kleineren Quantität dieselbe
Schmelxkraft ausübt , und zugleich die Glasschmelze in einer um
ein Sechstlieil kürzeren Zeit auf eine höchst vollkommene Art voll-
bringt; auf fünfzehn Jahre, vom ao. Mai.
168. Kdrl Friedrich Weber ^ englischer Stahlarbeiter aus
Berlin^ und Joseph Prant Touaillon^ Gesellscbafi 7r der Neinzi-
schen Metallwaaren- Fabrik, beide derzeit in l'^en (Vorstadt
Leopoldstadt Nr. 5i4) wohnhaft, auf die Erfindung des Erstifrrd^
den so berühmten echten orientalischen Damaszenerstahl ai(S in-
läpdischem Hohstahl zu raffinircn , und daraus Gewehrläufe , Sä-
belklingen, Barbiermesser Ol« 9. w. zu verfertigen, wie auch die
verschiedenen Gegenstände von Stahl, auf Zinn-, Messing-, Eisen-
und Glasscheiben flach und hohl zu schleifen, die Stahlsteine
und Stahlperlen zu pressen, zu löthcn, und auf einer eigens
hierzu, eingerichteten Maschine ohne Steinschneider facettirt zu
schleifen, endlich manche dieser Gegenstände auf dem nassen
Wege zu vergolden und zu platiniren , thfils um denselben ein
mehr getalliges Ansehen zu verschafTen, theils, und xwdr vor-
züglich, um sie hierdurch vor dem Boste z\x schützen, wobei
übrigens die meisten dieser Arbeiten , auf obgedachter Maschine
durch Kinder ohne besondere Hebung auf eine leichte, geschwinde,
vollkommenere und daher wohlfeilere Art zu erzeugen sind; auf
fünf Jahre, vom 16. Mai.
169. Joseph Freiherr ü. Sonnenthal, Verfertiger verschiedfc-
uer Kunstgegenstände, und Johann Sandhaas ^ Uhrmaciiergesell
aus dein Grofsherzogthume Baden , wohnhaft in Wien (Vorstadt
Jägerzeile Nr. i3), auf ihre Erfindung und Verbesserung einer
seit Biyzem in England bekannten immerfort wirkenden VVinde^
deren Wesenheit darin besteht, dafs ein Hebel mit einem an^
ihm angebrachten Bogen ein dazu besonders eingerichtetes Bad
immerfort vorwärts treibt und dieses letztere zusammen wirkend,
nicht nur mit allen Maschinen , welche Kraft und Schnelligkeit
erfordern , verbunden , sondern dafs auch mittelst der so gebil-
deten zusammen wirkenden Maschine durch jedesmahlige 2weck-
mäfsige Vorrichtungen die gröfsten Lasten gehoben , Fahrzeuge •
Sezogcn und Schiffe getrieben werden können, und dafs ferner
iese aus Holz , Metall oder was immer für einem brauchbaren
Materiale zu verfertigende Maschine, auch bei dem Pumpen, Sa*
gen , Drehen und MaUen , ala fieihülfc , oder als einzig bew^
gcnde Kraffc doppelt oder einfach ihre Anwendung findet; auf
fUnf Jahre, vom 27. Mai.
170. Hieronymus Casatti^ Magister der Fharmacie und In*
Iiaber einer Branntweinbrennerei in Mödling IVr. 39 , auf seine
Verbesserung des DoppeUeller - Destillirapparates , welche daria
besteht, eine von ihm erfundene Dephlegmir^ Vorrichtung dem
obigen Destillirapparate bpisufUgen, mittelst welcher der Geist
von jedem fremdartigen Geschmaclie abgesondert, somit gani
rein , und ohne gröfseren Aufwand an Zeit oder Brennstoff, ge-
wonnen , also ein reines , fuselfreies , geistiges Produkt erhalten
werden kann ; auf fiuif Jahre , vom 3. Juni.
171. Heinrich Lwdwig^ Chemiker ema BreiUnbaek im Grob-
herzogthume Sachsen ' Weimar ^ derzeit in Wien (Stadt Nr. S97)
wohnhaft, auf seine Erfindung eines Branntweinbrenn -Apparates,
welcher vor den bisher' üblichen Apparaten folgende Vortheile
gewähret: 1) Beschleunigung der Operation $ a) Vermehrung des
Produktes, insbesondere aus dem Weine; 3) fuselfireien aromati-
schen Geschmack und Geruch des Branntweines und Weingeistes;
4) Ersparung der Dunst • oder Wasserblase ; 3) Ersparung der Lu-
terblase; 6) grofse Ersparung an Brennmateriale ; 7) Erspaning
an der Handarbeit ; 8) Erzeugung einer jeden geistigen Flüssig-
keit aus allen dünnen oder dickeren gäbrungsfahigen Vegetabilieny
9) willkürliches Verfahren , durch Öffnung eines Zylinders zum
Apparate aus der innerhalb befindlichen Maische , einen am Alko-
hol sehr reichen oder geringeren Geist nach dem ersten Destilla-
tiDUS - Prozesse zu gewinnen; 10) Sicherheit der Operation ini
Ganzen, sowohl rücksichtlich des Abschlagens vom Blasenhclmc (wc'd
keiner zum Aufsetzen vorhanden, und der Apparat, als geschlos-
senes Ganze, in sich durchgängig gut verlothet ist), als auch z. B.
bei dem Uebersteigcn des Weines , und überhaupt in Betreff der
sonst gewöhnlichen Feuersgefahr ; endlich 11) Beinheit des gewon-
nenen Produktes von Metallth eilen, z.B. des aufgelösten KupfcrSi
welches zum Nachtheile der Gesundheit gewöhnlich in jedem
Branntweine mehr oder weniger vorhanden ist; auf fiinf Jahre,
vom 3. Juni.
179. Joseph Duhois^ wohnhaft in Wien (Vorstadt Wieden
Nr. 85), auf seine Erfindung, ein von allen schädlichen Beimi-
schungen freies, mit der Zeit an Güte gewinnendes und die bishe-
rigen Biergattungen übertreffendes sogenanntes Gesundheitsbier
SU bereuten , und zugleich Spiritus zu erzeugen j auf fünf Jahre,
vom 3- Juni,
173. Johann Georg Lux^ Mechaniker in Wien (Vorstadt Wie-
den Nr. S75J , auf seine Erfindung , mittelst einer mechanischen
Behandlung metallene , fischbeinerne und hölzerne Zollstäbe narh
ihrer ganzen Länge von 3 und 4 Fufis nicht nur in ganze , halbe
und Viertelzolle y sondern auch in Linien sehr genau eingctheüt,
wohlfeiler und dauerhafter zu verfertigen > als die bisherigen
633
Bwar guten 9 aber blofs a\if einige Zoll mit Linien vergebenen
Zollstäbe von 3 und 4 Fufs Länge ; auf fünf Jahre 9 vom 3. Juni«
174* Gesthwister Felijf und Judith^Barhanie et Comp,j Ge-
treidebändler 9 Gutabesiteer und Erzeuger dea Luxua • Gebäckes
iii Verona (Strafse Via huova Nr. 960) 9 auf ihre Verbesserung,
das Luxus - Gebä<;]ie durch Anwendung eines eigenen Gährungs«
Stoffes ohne Gebrauch irgend einer sauren Substanz, das heiiSt9
ohne die Zuthat der Bierhefen, oder irgend eines eemeinen Gäh-
rungsmittels , ivelches gewohnlich bis jetit von den Erzeugern
eines derlei Gebäches , und von allen andern , die diese Kunst
ausüben 9 in Anwendung gebracht wurde, zu erzeugen, wobei
sich der Vortheil darstellt , da(s das Gebäck, nachdem es auf
deutsche 9 italienische und französische Art gebacken wurde 9 im-
mer süfs und leicht bleibt, so bald es alt geworden ist, von selbst
zum Zwieback wifd, ohne dafs es bei der beseitigten Einwirkung
der Feuchtigkeit schimmeln oder von den Würmern angefressen
werden kann , und dafs der Teig in Folge einer eigenen Manipu-
lation bei der Anmachung desselben zur Bildung eines Gebäckes
von verschiedener Gröise geeignet erhalten wird; auf sechs Jahre,
vom 9« Juni.
I
175. Die bürgerlichen Guitarre- und Geigenmacher in Wien^
Johann Georg Siaufer (Stadt Nr. 1064) 9 und Johann JSrtl (Stadt
Nr. 863)9 auf ihre Verbesserung in Verfertigung der Guitarren,
welche darin besteht : 1 ) dafs durch die Erhohuns des GriÜblattes
und Absonderung desselben vom Resonanzdeckel das Instrument
einen stärkern und viel besser klingenden Ton erhält , zugleich
die Behandlung des Instrumentes überhaupt 9 besonders aber die
Applikatur, ungemein erleichtert wird; 9)' dafs durch die, ohne
den geringsten hindernden Ausbug im Halse des Instrumentes , an-
Sebrachte neue Schraubmaschine , dem gewöhnlichen Schwinden
es Halses auf das Schnellste abgeholfen ist, und das ganze Griff-
blatt bis in die höchste Applikatur nach Belieben erhöhet oder er-
niedrigt werden kann; 3) dafs die Bände aus einer Komposition
bestehen, bei welcher weder die den Saiten so nachtheilige Ab-
setzung des Grünspanes, noch eine so schnelle Abnutzung, wie bei
Silber und Elfenbein, Statt findet9 vnd welche eben so weifs und
glänzend als Silber ist; auf fünf Jahre , vom 9. Juni.
17O. Paul S%abo und seine Söhne, Paul^ Jlfathias und /o-
hann Anaitoiias^ in H^itfA (Brigittenau Nr. 148), auf ihre Erfin-
dung einer neuen Wasserspritze , welche mit einer kleinen Ver-
änderung zugleich eine Dampfmaschine ist , und welche darin be-
steht: 1) dafs sie einen oder mehrere Dampf erzeugende und zu-
gleich wirkende Kessel in beliebiger Form und Stellung, und von
beliebigen Materialien hat; 2) dafs sich die beständig unter dem
Wasser gleichfalls in beliebiger Form und Stellung und von be-
liebigen Materialien angebrachlen Wasserbehältnisse durch die ei-
gene Schwere des über denselben befindlichen Wassers füllen,
und dabei die Erzielung eines luftleeren Raumes durch Konden-
sation der Dämpfe mittelst des Kühlfasses niemahls erfordern;
Ca4
3) dafs swisohen dem heifsen Dampfe und dem Wasser besländig
Luft sich befindet , wodurch die fragliche Maschine alle bisher
bekannten Maschinen an Dauer übertrifft^ 4) ^^s die Spritze und
Maschine inuner wechselseitig arbeitet« so «war, dafs, «vahrend
sich ein Dampfliessel mi^ Dampf, und das kU ihm ^liörige War
serbehältnifs mit Wasser füllt , inzwischen der andere Dampfkfs-
sei seines Dampfes und das zu ihm gehörige WasserbehäUnit's i»ei*
nes Wassers sich entleert ; 5) dafs die Verbindungen der Haupt-
bestandtheile « nachdem sie von ihrer Lokalität abhängen, auf
verschiedene Art sich anbringen lassen , nie als wesentlich be«
trachtet werden dürfen, und dafs die Spritze mit oder ohne
Windkessel , mit eineiQ oder zWei Wasserstrahlen wirken liaoo,
6) dafs durch diese neue Art der Dampfanwrndung bei allen
Spritzen die bisher unentbehrlichen Stiefel und Kolben erspart
werden, wodurch die- Spritze ungemein an Triebkraft, sowohl
an Fülle und Höhe des Wasserstrahls , gewinnt ; 7) endlich , dals
die überall ohne Gefahr anwendbare Spritze zur vollkommenen
Wirkung nur die zur Füllung des Kastens mit Wasser nöthige
Zeit braucht; auf fünf Jahre, vom 9. Juni. ,
m
177. Viniem Huber ^ Fabrikant und Grundbe^tser in C«^
rhignaga^ auf seine Eutdeckung^ den Wein nach einer neuen, von der
Demoiselle Gervais in Montpellier in Ausfuhrung gebrachten, und
von dem Bitter Burel von Cette ^ Chef des Genie- Bataillons, und
ersten Ingenieur im Departement de VHerault^ verbesserten, vrr-
voUkonimneten und vereinfachten Art, mittelst einer ökonomi-
achen Verdichtung /m erzeugen , welches Verfahren folgende Vor-
theile gewähret: 1) (iafs dadurch aus der Weintraube, im Ver-
gleiche zu der bisher üblichen Metboiie, um 10 Prozent io der
Quantität und 17 Prozent in der Qualität, mithin im Ganzen um
«7 Prozent mehr gewonnen Vvird, wie es die Folge mehrerer
Verbal prozesse in Frankreich und zum Xlieil in ^ina, im Piemoo-
tösischen, erhaltenen Kesultate bewähren; 2) dafs der dazu e^
forderliche Apparat den wichtigen Nutzen bat, dnfs sc2ne /Zusam-
mensetzung vollkommen fest, einfach und ökonomisch ist; dafs
derselbe von jedem Hcflzarbeiter verfertigt werden kann, und
dafs seine Kosten in gar keine Betrachtung kommen ; S) dafs der
Apparat von der Einwirkung der durch die Gährung entstehenden
und aus d^r Traube sich entwickelnden Kohlensäure völlig nDve^
sehrt bleibt,' und durch sehr viele Jahre gebraucht werden kann;
4) dafs dieser Apparat von Jedermann ohne Beaorgnifs irgend ei-
ne» widrigen Ereignisses in Anwendung gebracht; 5) dafs nach
Belieben das mit dem kohlensauren Gas gesättigte Wasser zum
häuslichen Gebrauche , und insbesondere auch zur Gewinnunsdes
leichten Weines benutzt werden kann , und endlich 6) dafs aie!»c
Art der Vorrichtung dem Weine sein Aroma, seinen Geist und
die Gasarten, die ihm ^rst Werth geben 9 erhält; auf fünfaehs
Jahre , vom i4* Juni.
178. Johann Koeco Rochi^ Wachsleinwand - Fabrikant in Vf'
nedig (Campo di S. Andrea)^ auf seine Erfindung , die Leinnand
/ 6^5
nach Art des Tuches undurchdringlich si| machen 5 auf fünf Jahre»
vom 16. Juni. *
179. Bonaventura Comtantin HSäi^ Hof- und Gerichtsad-
voliat, Inhaber einer privilegirCen Lehinproduhten - Fabrik , und
Mitglied der Landwirthschaftsgesellschaft in Steyermark^ wohn«
fiaft in GräH (Bürgergasse Nr. 38) , auf seine Erßndung für das
Baufach und für die Ziegelerseugung , welche darin besteht, dafs
er a) unter dem Nahmen T. A. W. Ziegel , oder Dreibünder,
Mauerziegel erseugt , welche nebst mehreren anderen eigenen
Vorlügen bei dem Zusammensetzen in eine solche Verbindung
kommen , dafs mit denselben ebene Decken oder ganz flache Ge-
wölbe selbst ohne Mortelband angefertiget werden können, bei
Geifolben das Schieben nach allen Bichtungen zertheilet, imd
bei horizontalen Decken ganz beseitiget wird; dann dafs er hy%^
genannte Tufstein- oder Lavaziegelyon jedef* Form in einer Art
verfertiget, in welcher sie im GeWichte bis zur Hälfte geringer
als die gewöhnlichen ausfallen, einen bedeutend höheren Hitzgrad
ohne zu schmelzen » vertragen , sich trockener erhalten, und mehr
Segen Halte schützen, die Mauerarbeit beschleunigen, und mit
em Mörtel eine sehr feste Verbindung eingehen \ auf fünf Jahre,
Vom 16. 'Juni.
r
180. Joseph Ruue%ka^ gewesener Geometer des k. k. Kata-
sters, In Wien (Vorstadt LaimgrubeNr. i84) » auf seine Verbesse-^
rung in der Öhlerzeugung, welche darin besteht: 1) die von den
Brüdern Anton und nloyrs Burka und vom Johann Tiehaezek , er-
fundenen Tafelöhlgattungen aus inländischen Früchten und Sa-
mengattungen durch ganz verschiedene Behandlung und Zusats
V9n mehreren Früchten, viel reiner und geschmackvoller zu ma-
chen;, a) das gleichfalls von ffedachten Individuen verbesserte
Brennöhl durch Anvyendung una Zusatz anderer Ingredienzen und
durch eine zweckmafsigere Einrichtung, mi^ kleinerem Verlust«
an öhl, weniger Mühe und Kosten dergestalt zu reinigen, dafs es
von seiner natürlichen Fettigkeit nichts verliert , daher sparsamer
brennt , und doch keinen Geruch gibt , und selbst das rohe öhl
schon in der Presse so zu verbessern , dafs es sich viel eher und
besser klaret , und daher auch beim Beleuchten im Ffeien heller
brennt 5 3) ein mit aromatischem Gerüche gesättigtes, der Gesund-
heit nicht schädliches Brennöhl iiir Schlaf • und Wohnzimmer,
wie auch für schmAle Gänge im Innern des Hauses zu bereiten ;
4) das, Mandel- und Sonnenblumen -Samen öhl, dann das Lein-,
Nufs- , Mohn- , Hanf- und jedes andere zur Politur und zum Lack
nötbige öhl gleichfalls durch eine zweckmafsigere, als die bisher
bekannte Behandlung und durch Zusatz von Ingredienzen , viel
besser zu reinigen ^ endlich 5) das nach der Reinigung aller die-
ser ÖMgattungen zurückgebliebene, mit den vermoderten Fasern
stark gesättigte öhl zur Bereitung einer guten öhlgladzwichse zu
verwenden, und hierdurch auch. die Raffinerie • Spesen zu vermin-
dern i auf fünf Jahre , vonÄ t6. Juni.
181 • Johann Nep. Sehfrud^ Bestand - KafFehsieder in GrätB
Jahrb. d«» pol/t« Iii»t. IV« Bd. i^0
(JaK^D>iniplAtK Nr. 5o)t auf seine Erfindung eines RafTehlLoch- oder
▼ielmehr KafTeb-Ausziebungs- Apparates, womit i) eine ErsM*
rung von wenigstens it Prozent an Bafleb und beinabe der Bajfte
an BrennstofF verbunden ist; 3) viel schneller als gewobnlicb ein
feines und mclir aromatiscbes Getränli geliefert, ;und durch belic*
bige Zeit in seinem Aroma beifs erbalten ; endlich 3) nach rm«
ständen ein Quantum von vier bis zweihundert Schalen Baflehimd
auch darüber s'ehr geschwind gekocht werden bann; auf fünf
Jahre , vom 16. Juni«
183. Jgna% A-ppely Weifsgärbermeister in der BrÜnner Ttr«
stmdt Dortich (Nr. 48) 9 auf seine Entdeckung , aus inländischeo
Ziegen- und 'Widderhäuten, Ularoquin Von allen Farben auf die
in rrankreick übliche Art zu erzeugen , auf zehn Jahre , vom r*
Juni.
185. Matthäus Wihral^ Uhrmacher in Wien (Vorstadt Ji-
gerzeil Nr. 535) , auf seine Erfindung , Bncipfe von allen Gattun-
gen Metall für die verschiedenen Kleidungsstücke auf eine irt n
verfertigen , dafs sie nie abrcifsen, an Dauer alle bisherigen über-
treffen , und eben so leicht und schnell abgenommen als angesetzt
werden können ; auf fünf Jahre , vom 23. Juni«
*
184. Joseph Zich^ Bürger in Weitra und Glasmeister auf
der k. k. privilegirten Glasfabrik zu Schwanau^ auf seine Erib-
düng, das Kochsalz statt des kohlen- und schwefelsauren Katrocs
(Soda und Glaubersalz) mit dem Tortheile einer gröf'seren Molil-
feilbeit und eines leichteren, sicheren Verfahrens, ohne einevor
ausgehende Bearbeitung, bei der Glaserzeugung nicht nur aoiO'
v^enden , sondern auch daraus unter dem Nahmen : rohe und aid*
fielaugte Soda , eine Art Flufs - und Schmelzmittel zu bereiteo«
das dem Äufseren nach eben so grauschwars, hart und scbwcfi
wrie- die sizilianiscbe und spanische rohe Soda ist , auch dieser in
ihrer Wirksamkeit bei dem Glasschmelzen nicht nachsteht, uad
eben so wie diese auch ausgelauget, und auf Natron (reine Soda)
▼erarbeitet werden kann ; auf fünf Jahre , vom a3. Juni.
i85. VinteniBöhnty befugter Seifensieder in Wien (Vot-
•tadt Nikolsdorf Nr. 17), auf seine Erfindung, wacbsabnlicbe Uo*
scblittkerzen (eigentlich ökonomische Tafelkerzen) zu erzeu^eo,
welche nicht nur sehr rein , ohne als Kerzen erst einer Bleicbe
SU bedürfen, glänzend weifs, und von dem UnschlittgerUcbe eaai
frei sind, sondern überdiefs einen angenehmen Geruch sowohl an
sich haben , als auch denselben wahrend des Brennens und beim
Auslöschen verbreiten , und um ein Drittel Zeit länger als dir
cewöhnlichen Unschlittkerzen von gleicher Gröfse brennen; auf
fünf Jahre, vom 8. Juli.
186. jinton Rainer Ofenheim^ wohnhaft in Wien (Nr. iiSi)*
auf seine Erfindung, einer Brennscheiterbolz • Verkleinerung»«
Heb- und Transportirungs • Maschine ,, welche darin besteht:«)
dafs durch einen äufserst einfachen Mechanismus das Brennscb^i
6^7
terholi in möglichsr kimer Zeit , und dunrh «ehr geringe Hand-
arbeit verkleinert vrird; b) d&fs die nahmliche Maschine Scheiter*
hols jeder Lange , nach ^edem gewöhnlichen Mafse gehörig schnei-
det; e) dafs in derselben Zeit, als eine Klafter geschnitten wird»
auch immer eine Blatter gespalten, auf die nöthige Höhe gehoben,
und auf beliebige Entfernung im Aufbewahrungsorte transportirt
und abgeladen werden kann ; endlich d) dafs die Maschine so we«
nie Raum einnimmt, dafs sie sich auch leicht in gröfseren Haus-
haltungen im Ganzen , oder blofs die Säge - und Spaltmaschine al*
lein, anwenden läfst; auf fünf Jahre , vom 9. Juli.
187. Peter Grisetiij Grundbesitser aus Saioj in der Provinis
Breseiaj gegenwärtig in Mailand (Strafse delle Meraviglie Nr.
«384) wohnhalt, auf seine Entdeckung einer kleinen Maschine von
sylindrischer Form, die an jedem Fasse , so wie an jeder Kufe,
XU dem Ende angebracht werden kann , um mittelst derselben aua •
den in der Gährung beerifTenen Weintrauben, ohne irgend einen
Verlust , einen vorsfiglichen , zur langen Aufbewahrung geeigneten
'Wein SU erbalten; auf fünf Jahre, vom 1 5. Juli.
i88* Brüder Faust in und AIoys AndreoU^ NahmenstrSger
der Dite AndreoU di Giovanni ^ und Eigen tliümer einer Papierfa-
brik in der Gemeinde Toicolano^ im Distrikte von Salo^ auf
ihre Erfindung, eine neue Art Tapetenpapier, so wie ein zum
Zeichnen, Schreiben, oder zum Drucke geeignetes Velinpapier,
ohne irgend eine Wiederhohlung derselben Operation in/ Blättern,
von denen jedes eine Länge von vierzig, fünfzig und wenn es er-
forderlich wäre , noch inehr Mailänder Ellen , und eine Breite von
a4 -Zoll hält , zu erzeugen ; auf zehn Jahre , vom ss. Juli.
189. Wenzel Richter^ Aufseher in dem Fabriksprodukten-
Kabinette des k. k. polytechnischen Instituts in Wien , anf seine'
Erfindung, Streichriemen zum Abziehen der Basierroesser von be-
sonderer Form und solcher Vorzüglichkeit zu verfertigen ,| dafs
die Schneide jener Messer nicht das Mindeste leiden kann, und
der sonst gewöhnliche Gebrauch des Steines und das öflere Schleifen,
mithin die baldige Abnutzung der Messer, ganz vermieden wird; auf
fünf Jahre , vom 23. Juli.
igo. Johann Jakob GoÜ^ Klavier -Instrumehtenmacher aus
Züreh in der Schweiz , auf seine Erfindung eines Fortepiano von
beliebiger Form mit einem über den Saiten liegenden Bcsonanz-
boden, der sich von den Zargen ununterbrochen über den Hammer-
schlag bis an den Stimmklotz ausdehnt ; auf fünf Jahre, vom aS. Juni.
191. Philipp Girardy Inhaber der k.k. privilegirten Flachs-
Maschinenspinnerei in Hirtenherg^ auf seine Erfindung eines Thermo-
Grades , welche darin besteht , durch einen aus physischen und
mechanischen Kräften mit genauester Verbindung ihrer Wirkung
cusammengestelUen Apparat in einem verschlossenen Baume eine
atets^gleiche Temperatur mittelst eines Feuers zu erhalten, dessen
%Vänncgrad die verschiedensten Veränderungen erleiden kann,
4o*
6a8
obne daßi die Temperatur des erwähnten Raumes dadurch neHi-
lieh gestört wird , womach die Benutsung jenes in dem grofstea
und kleinsten Räume anwendbaren Apparates unendlich vieUuli
ist 9 indem sich desselben £U Versuchen sowohl im Felde der Wis-
senschaft 9 als der häuslichen Ökonomie , s. B. sur Heitzung von
Treibhäusern und Blumenfenstern, ^ur künstlichen Aasbrutun»
von Hühner- und andern Vögeleiern, mit Gemächlichkeit und sehr
geringem Aufwände, bedient werden kann 5 auf fiinf Jahre , von
99. JulL
193. August von Brecht y pensionirter Major in Stuttgeri,
^uf seine Erfindung, welche dann besteht: 1) Schuhe cu verfer-
tigen', deren Sohle mittelst Schraubendrabt oder Schrauben bef^
stiget wird , deren DauerhaHigkett jene der genähten Schübe bei
weitem übertrifft , und deren neues Besohlen einem Jeden selbst
ohne Leisten und an>lere Schuhmacherwcrkseuge möglich ist ; i) mit-
telst einer Verbesserung der englisch- amerikanischen Erfinduo^;
der Nagelschuhe, diese dauerhafter und schöner zu verfertigen,
und sogar elegante Damenschuhe von gröfserer Schönheit und
Leichtigkeit , als die bisherigen genähten Schuhe , zu liefern, wo-
bei die Verbindung der Sohlen und des Absatzes mit dem OberI^
der oder Zeug etc. blofs durch Nietwerk geschieht; 3) überdiers
das hierzu erforderliche Lcder auf eine eigene Art wasserdicbtsi
macheu ; auf fünf Jahre , vom 39. Juli.
193« Friedrieh Lqßte ^ Destillateur in GrätM (Murvorstadt
TSf» B^o) , auf di^ Verbesserung seiner bereits am 14. April 181*
(s. oben Nr, i55) privilegirten Bierbraumethode, welche Verber
aerung darin besteht: 1) dafs er bei Bereitung des Bieres einesckr
beträchtliche Ersparung der zur Feuerung erforderlichen Breas*
Stoffe, Holz oder Steinkohlen; 3) eine bedeutende Beseitigung; der
abei sonst Statt habenden Arbeiten ; 3) die Abkürzung der so-
wohl zum Kochen als auch zum Abkühlen des Bieres nöthigen Zeit
•nielet; 4) ein alle gewöhnlichen Biergattungen an Haltbarkeit
ünertrefi*endes Bier erzeugt; und 5) zur Erzeugung der fremdes,
sogenannten Luxus - Biergattungen ohne alle Beimischung fremdaf'
tiger Stoffe, lediglich reines Malz verwendet; auf fünf Jahre, von
99* Juli.
Dat Avm Haafmann in FWien , Joteph Tfundk^Uwr, unterm «« Desanfter i8<i*
auf 'die Erseugnng von Minnertonven und too PeUwerk aue rok fefirbw
* Seide auf gewöhnlichen Weber- nnd Zeugoineberttflhlen , ertkeilte PriTÜ«*
giaro (Hr. io3f Jahrbflcher Bd. 3. S. 6«o) ist in Folg« einer lUage» Uat ^
dffnnng der k. k. vereinigten Hofkanslei vom i8. Angnat i8«Sf anf ii^ ^^
fertigung von Manaertoiirea betchraakt worden.
«
194. Leopold Pausinger^ k.k. Rath, und Fratu Wurm, M^
chaniker in Wiem (Stadt Nr. 406), auf ihre Erfindung einer Flacbs
Bandmasohine , welche d^rin besteht , dafs mehrere auf einaii^«'
folgende Kratzen , die anf hölzernen keilförmigen Blattern bef^
stiget sind', in welche der mit ihrer bereits früher privilegirten
Flachs* Hechelmaschine gereinigte Flachs eingelegt wird, in ra^}
parallel liegenden Nuthen so bewegt werden , dafs stets aus tvfch
629
drei auch vier derselben , die in ihrer Länge verschiedenen Fa<*
sem ausgesogen , fi1eich(onni|; vertheilt , und auf diese Weise
Bänder erzeugt werden ; dafs die KraUen, was gans neu erscheint,
aus Eirkellonnig gebogenen Stiften bestehen, welche mit der ge-
wohnlichen Häckchenmaschine nicht gemacht werden h&nnen ; dafo
der bewegende Mechanismus selbst swar allgemein bekannte Be^-
standtheile in sich begreift , aber in seiner Anwendung neu , und
dafs sur steten Reinhaltung der Maschine dort« wo es am nöthig-
sten , ein ganz neuer Mechanismus angebracht ist } femer auf ihre
Erfindung einer Flachs - Lockenmaschine , welche darin besteht«
i) dafs der in Bänder gezogene 9 und in die Maschine geleitete
Flachs in kleine ^ nur ^/^ Zoll höhe , swlschen zwei Paar Walzen
befindliche Kardätsch • Stiften eingedrückt und gehalten wird; a)
dals diese Kardätschen durch einen ganz neuen, in der Mechanik
noch nie vorgekommenen Mechanismus so in Anwendung gebracht
aind, dafs die kleinen Stifte sowohl in der Ruhe, als in der Be-
wegung stets vertikal bleiben, wodurch sich dieser Mechanismus
vorzüglich' und auszeichnend von ^ allen Bewegungen ohne Ende
unterscheidet, welche seit unzählieen Jahren mit Saiten, Schnüren,
Bändern und Ketten zu verschieaeneir Diensten in der Mechanik
allgemein in Anwendung sind ; 3) dafs der durch die Auszugwal-
zen abgehende Flachs einem gleichfalls ganz neu erfundenen Me-
chanismus übergeben,^ und von diesem gedreht, in Gestalt einer
Schnur , ala trockenes Vorgespinnst zweien Spulen zur Aufnahme
überlassen wird ; endlich 4) ^^^^ ^^^ ™^t ^c Bewegung der Ma-
schine in Wirkung tretendes Gebläse so angebracht ist , dafs nicht
nur die Maschine stets rein erhalten, sondern auch dazu beigetra-
5en wird , dafs die Fasern vom Staube befreiet , gerade in die
Luszugwalzen eintreten müssen ; auf fünf Jahre , vom 6. August»
195. Ludwig BesoM , Uhrzeigermacher in Wien (Vorstadt
an der Wien Nr. 5o) , auf seine Verbesserung der Metall-Schreib-
fedem, womach dieselben ein schöneres Ansehen, und bei ihrer
durch eine aneebrachte Feder bewirkten Elastizität auch für eine
leichte Hand die wünschenswerthe Biegsamkeit erhalten , zugleich
wegen ihrer maschinenmäfsigen Erzeugungsart nicht kostspieliger
sind; auf drei Jahre, vom la. Augiut.
196- Salomon Pergamenter ^ wohnhaft in Wien (Stadt Nr«
818) , auf die Erfindung mechanischer Fächer, derien man sich,
ohne sie mit den Uänden zu bewegen , auf doppelte Art bedienen
kann ; d) indem der Fächer durch einen leisen Druck des Fufsea
bewegt wird , und b) indem derselbe durch ein eigenes Triebwerk
einige Stunden hindurch in Bewegung bleibt , wo er also selbst
während des Schlafes benutzt werden kann ; auf fünf Jahre , vom
i9. August.
> •
197. Joseph Fran% Touaillonj Gesellschafter der Neinzischen
Metall waaren . Fabrik , in ^/«m (Vorstadt Leopoldstadt Nr. 614)9
auf seine Erfindung einer , nicht nur bei Bergwerken und an Flüs-
sen , sondern auch für Goldarbeiter sehr vor theil haften Goldwasch-
maschine , welche nach Art der am Rhein gebräuchlichen Maschi«
63o
nen eingericlitet ist, und darin besteht» daCis man mitteUt selber,
ohne Anwendung eines andern Stoffes als des Wassers , in sehr
kurzer Zeit das Gold reinigen , und ohne allen, selbst den gering-
sten, Abfall erhalten hann; dafs swei Personen 'in einem Tage mehr
SU reinigen im Stan|de sind « als fünfzehn Personen auf die jetit
cewÖhnliche Art, b^i welcher, so wie beim Amalgamiren mit
Quechsilber, doch immer bedeutend verloren geht, und dafs end-
lich die gedachte Maschine wegen ihrer Einfachheit sehr leicbt
aufzustellen undr.u gebrauchen ist, wenig Kosten verursacht, und
sich durch Dauerhaftigkeit auszeichnet } auf fünf Jahre i vom ii.
August,
198. Gebrüder Rudolph und Samuel BotUnger ^ Mechanäer,
in Wien (Vorstadt Leopoldstadt Nr. 54o) , auf eine Verbe$scrnn|,
welche darin besteht, eine Zylinder -Handmühle zu verfertigen,
die sich von allen bisher bekannten und privilegirten Waisen-
Handmiihlen durch Folgendes unterscheidet: 1) dafs die Vorrick-
tung im Mechanismus selbst verschieden ist; 2) dafs eine dritte
. Walze beigefügt ist ; 3) dafs der Walzenlauf ungleich und die Kanneli-
Tung der erste ren zwei Walzen verändert ist ; 4) ^^^^ ^'® ^^ vermäh-
lenden oder durchzugehenden Gegenstände gar nicht gestreckt, odff
breit gedrückt, sondern gleich zerrieben werden; 5) dafs aoch
feuchte Gegenstände gemahlen werden können ; 6) dafs die fns'''
che Mühle nie verstopft wird; 7) dafs die Reibung um die Hälfte
vermindert , und die Gesammtkraft auf den Hauptgegenstand der
Mahlung verwendet wir4 ; 8) dafs zu dem Betriebe der Mühle vff
die Hälfte der sonst nöthigen Menschen-, Pferde-, Wasser -oder
Dampfkraft erfordert , und doch ein verhältnifsmafsig weit grolk-
rcs Quantum vermählen wird; 9) dafs die Arbeit immer f;leie^
förmig ohne Aufenthalt vor such gehen kann ; 10) dafs die Mühle niekt
nur zur Vermahlung jeder Getrcidcart, sondern auch der Kaop-
Eern , Baumrinden, Farbe- und Gärbematerialien, wie aacb caA
rechen von Schrot, Malz u. d. gl. und zum Reiben von Rü^*
und Mohnsamen und Tabak anwendbar ist; endlich ii)da(ss><
durch viele Jahre keiner Reparatur bedarf, selbst wenn sicüanw
unter den zu vermählenden Gegenständen harte Steine , Eisen«
Metall etc. voi^finden sollten, indeih sie nur durch fehlerhaft«
Manipulation beschädiget werden kann ; auf fünf Jahre « vom K*
August.
i9<). Prant Sorger ^ Rothgarbermeisler zu <5i/. Katharina 10
Pilsner /Tm/e , -in^Bübmen, auf seine Entdeckung und^Verbesseruof
einen dem russischen Juften an Aussehen, Geruch und Geschmei-
digkeit nicht nachstehenden , und denselben in Hinsicht der Wtf*
Serdichtigkeit noch übertreffenden weifsen, rothen und schvrac'^
Juften zu bereiten; auf sechs Jahre,, vom la* August.
100. Joseph Guth nnA' Johann Lafontaine^ Inhaber eiii'i'
privjlegirten chemischen Prodaktenfabrikin IVien (Vorstadt Hundi-
thurm Nr. ^3), auf ihre Erfindung, die unter der Benenn«'»^
Kaiser -Mitis-Kirchberger -Original-, Neu ' und Wienergrün »«
Handel vorkommenden Farben ohne Anirendung des bisher avi
63 1
»
Frankreicli belogenen Grünspans, blofs aus inländischen Berg-
werksprodukten mittelst tioYjsessig viel schöner, wohlfeiler, und
wegen des reichen Gehalts an Farbesubstanx Tur dehr Gebrauch
ergiebig(rr und vortheilhafter, als mit Anwendung des Grünspans
KU erzeugen 5 auf fünf Jahre , vom 12. August.
' 301. Michaei Eder^ Mechaniker in Wien (Vorstadt Rofsau
Nr. 37), auf seine , Erfindung, sogenannter elastischer, zu allen
Gattungen von Wagen- und Landfahrseugen brauchbarer, beson-
ders bei den Wendachsen und Wendlangwinden sehr nützlichen
Räder, mittelst welcher bei dem schnellsten Fabren auf dem gr5b-
sfen Steinpflaster und auf Strafsen eine angenehme , auch bei der
schwersten Ladung verhältnifsmäfsig viel leichtere Bewegung er-
zielet, ^as Getöse und die Beschädigung des Pflasters und der
Strafsen vermindert , endlich die Erschütterung der Gebäude, das
Anspritzen mit Koth und das Aufregen des Staubes möglichst ver-
mieden wird^ auf fünf Jahre ,' vom is, August.
202. Jgn<n^ Sohn des Franz Catarossi^ Messerschmied in
Udine , auf seine Erfindung einer Maschine , um mittelst gezähn-
ler Hämmer, die fortwährend schlagen und -sich drehen, und
dti^ch dje Kraft des Wassers in Bewegung gesetzt werden, Stücke
aus Stein von verschiedener Gröfse zu bohren, und solche von
einer Seite halsformig und von der andern hohl dergestalt zu be-
arbeiten, dafs sie erforderlichen Falles in Verbindung gebracht,
.und zu fortlaufenden Röhren von jeder beliebigen Länge, wie
man sie z. B. bei Wasserleitungen braucht, gebilaet werden, kön*
nen; durch welche Maschine wegen ihrer höchsten Einfachheit der
V^ortheil erreicht wird, 1) dafs sie eine überaus leichte ökonomi-
sche und jedem Künstler sehr willkommene Art der Einrichtung '
gewährt; a) eine viel regsamere Verrichtung der Arbeit, obschon
zu derselben blofse Handlangjsr hinreichen, bewirkt; 3) dafs sie
von sehr langer Dauer ist, indem alle aufgewendeten Kräfte un-
mittelbar auf die Erreichung des Resultates gerichtet sind » und
Niemand genöthiget ist, zu der Maschine mit einem Nachtheile
der aus ihren Bestandtheilen hervorgehenden Kraft Zuflucht ztr
nehmen; 4) dafs sich die höchste Wirkung offenbart, da di6 Agen-
zien dieser Maschine zu ihrer Hervorbringung unmittelbar die
Richtung nehmen, wodurch mit einem Wasserrade von zehn Fufs
ungefähr im Durchmesser, in einem Tage aoo Futs Stein in linien«
rechter Länge, mit einer Beihülfe von nicht mehr als vier Arbei»
tem , gebohrt werden können : 5) dafs die Maschine auch nebst-
bei zur Vervollkommnung der blofs mit Menschenhänden gebohr-
ten Röhren geeignet Jst; aaf sehn Jahre, vom 12. August.
ao3. Joseph Maria ReaU^ Wachshändler und Erzeuger, da An
Zucker« und Weinsteinraffmeur in Venedig (Ffarrgebieth von Si,
Maria Formosa) , auf seine Erfindung eines neuen Verfahrens,
die schleehteste Gattung des Moskovado* Zuckers auf Raffinade-
Zucker zurück zu führen : mittelst welcher Methode die Bleicbung
des Zuckers blofs in der Kälte zu jeder Jahreszeit bewirkt, -der
Zucker ohne Zugabe anderer Zuckergattangen nur mittelst einer
einsigeA Operation nüt Anwendung einer geringen Fevenmc, bii>
Ben der Zeit von acht Tagen auf die gewöhnliche Form redviirt,
lind aufser einem Ersparnisse an Brennstoff nnd Handarbeit ein hö-
heres Ertragnifs, und Melassen von der besten Beschaffenheit,
die um einen weit billigeren Preis als bisher überlassen werden
l&dnnen, erhalten werden; auf fünf Jahre, vom la. August*
io4* 'Aloys Cavalleri^ Korall enhandler aua Gemua^ ge^
wartig \n MaiUmd (Strafse degli Orefice Nr. 3ao9), auf seine Ent-
deckung, die natürliche Koralle au bearbeiten und cum allgemeb
bekannten Gebrauch geeignet au machen; auf sehn Jahre, von
i8* August.
ao5. jinioH Boffmann , Tuchmachergeselle aus Plan in BSk-
mcHj derseit in-JVteM (Vorstadt Josephstadt Nr. &7) wohnbaft,
auf seine Entdeckung , mittelst einer bisher gans unbekannten ei-
genen Rauhbürste, und einer gleichfalls gans neuen TucbKh«'
rer- Fresse, alle Gatrungen Tücher und Kasimire durch eine ei-
gene Manipulation , mit einem geringeren Zeitaufwande , und un
einen eegen den gewöhnlichen beiiuJie gar nicht höheren Preis»
auf beiden Seiten vollkommen gleich so suzurichten und au sppr^
tiren , dafs sowohl Tücher und Kasimire durch den aufserordettt-
Hchen, von unten auf erfolgenden Druck der Maschine , nicb
nur an Dichte und Schönheit, sondern auch an Dauerhafti^eit,
gewinnen , sehr schnell gewendet werden können , und dsbei das
Aussehen der Neuheit erlangen, überdiefe aber durch einen beia
Freien anwendbaren Vortheil, dem Eindringen des Reaens w«t
länger als bisher widerstehen, woeu noch kommt, dafs- nurch die
fragliche Maschinenpresse auch alle Gattungen Seidenstoffe mw
Zeuge , auf eine bisner gani unbekannte und vortheil hafte Art
appretirt we^en können ; auf fünf Jahre , vom t8. Augast.
io6« Johann Michael GraUl, Wollenseug-, Seiden- a»<J
Baumwollenwaaren • Fabrikant in Wien (Vorstadt Cumpeadorf
Nr. 12), auf seine Verbesserung, dafs bei dem Weben derShawU«
Shawitücher, Westen etc. auch die Kette ans feiner Wolle ^
ateht, wodurch dieselbe Qualität der Waare, wie bei den H*^*
mir-Shawls und Merinos • Zeugen erc weckt, die Arbeit gefördert
und das Fabrikat um einen billigeren Freie geliefert wird; ^^
fünf Jahre , vom 18. August«
207. Johann Georg Sohuiter^ Werkmeister der mecbani-
ecken Werkstatte des polytechnischen Institutes in Wien, auf
aelne Verbesserung der Feuergewehr - Fabrikation , welche in ^
ner einfachen, dauerhaften, bei jedem fertigen Gewehre snav*
bringenden Vorrichtung besteht, wornach man kein Zündpal^^'
aufauschütten braucht, der Schufia verstärkt wird, und niemahls ^^
der Pfanne brennen kann ; daa Gewehr in küraerer Zeit sich 1>*
den lafst, und au 36 SdiiUsen und darüber noch kein Zfittdlocb*
riumer nöthig ist| auf fünf Jahte, vom i8. August. «
ao8. Johann Fiehiner^ von Neu^Tittchein in Mihnn^ p*
633
genwartig in WUh (FayoriteDstrafiie Nr« 7a) wolmliaft» auf teine
Verbesaerung der Dampfmaacluiien , welche in Folirendem be-
atehtif) in einer Einrichtung, wodurch der Dampf suerst in
einem Ideinen Zylinder durch hohe Expansivkrafl , und dann in
einem ffrofsen 9 mittelst Hondensirung wirkt « wobei jedoch von
den bisher bekannten Benutzungen dieser Art des Dampfes der
wesentliche Unterschied eintritt, dafs durch diese Anordnung
auch mehr Gleichförmigkeit in der Umdrehung des Schwungrades,
und also sehr bedeutende Verminderung der Schwungmasse ein-
tritt $ a) in einer Liederung des Kolbens, welche auf sweierlei '
Art besweckt, und dadurch eine bedeutende Ersparung an Brenn*
materiale erreicht wird ; 3) in einer Vorrichtung , das durch die
Maschine gegangene Öhl sogleich rein abfliefsend, und von dem
kondensirten Wasser getrennt su erhalten; 4) ^^ einer Vorrich«
tung 9 dem Schwungrade eine gröfsere und auf den grollten Theil
des Kolbenschubes cleichiormise Bewegung mitsutheilen , ohne
ledoch beim Wechsel jedes Kolbenschubes plöUliche Änderungen
in der Bewegung des Kolbens und des Balanciere au erhalten,
wodurch auch die Masse die% Schwungrades fär die nöthige eleich-
formige Bewegung sehr vermindert wird ; 5) in einer Vorrichtung,
welche von Zeit au Zeit regelmäfsig das Brennmateriale in den
Ofen bringt; 6) in einem beweglichen Koste, welcher mehr
Gleichförmigkeit in dem Eintragen des Brennmateriales , und da-
her mehr Wirksamkeit desselben verschallt ; 7) in einer Vor- *
richtung, welche bei jedem noch so unvollständigen "saue des
Ofens und bei noch so niedrigen Kauchfangen den iiuf\zug voll-
kommen sichert; und 8) in einer Art Dampfmaschinen, wo die
Zylinder nicht gebohret au seyn brauchen, und dennoch eine
daiQpf dichte Verschliefsung erreicht wird ; auf sehn Jahre , vom
18. August.
«09. Marl ffummeif Mitinhaber des Dianabadea in Wien
(Vorstadt Leopoldstadt) , auf seine Erfindung einer Maschine , um '
die Weintrauben au gleicher Zeit absubeeren und zu serquet- •
sehen, welche Maschine sehr einfach und wenig kostspielig ist,
für di» grofste Weinlese hinreicht , durch eine Menschen - oder
jede andere Bewegkraft in ThatisJieit besetzt werden kann, nebat
einer vollkommenen Wirkung, Schnelligkeit und Ersparnifb dar« .
biethet, und auch so eingerichtet werden kann, dafa sie die
Trauben nur zerquetscht ; auf liinf Jahre , von^ a5, August, ^ •
aio. JH. A. Seiner^ landesbefugter Tuch- und Kasimir^
Fabrikant in 'BrÜnn^ derzeit in Wien (Stadt Nr. 7*9) wohnhaft,
auf seine Entdeckung eines aus einer Mischung von Seide und
Schafwolle bestehenden , hauptsachlich zvl Frauenkleidern geeig-
neten Stoffes , Boarre de laine aenannt , welcher durch Feinheit
des Gewebes, Milde im Anfühlen, Geschmeidigkeit und Dauer-
haftigkeit vor allen bisher bekannten SchafwoUatoffen , durch die
vollkommene Haltbarkeit und Echtheit aeiner beaonders lebhaften
Farben aber vor den meisten Seidenzeugen den Vorzug verdient,
und verhaltnifamafiiig bedeutend wohlfeiler ist^ auf fimf Jähret
vom a5. August.
/
634
911« Akton Möhr^ landesbefugter Sammele und Sammet-
band -Fabrikant in WUner - Neustadt (Nr. 5), auf seine Verbes-
serung der Sammet- und Sapnmetband - Fabrikation , welche darin
besteht-, die äammethohe in Sammet und Sammetbändem Ton
Seide oder Baumwolle auf den gewöhnlichen Schub- und MfiU-
Stühlen , wie 'auch auf Maschinenstiihlen mit Wassertrieb , obne
Gebrauch der Nadeln, im einfachen Laufe ku verfertigen, wo-
durch die zum Einstecken der Nadeln erforderliche Zeit erspart,
Ton Einem Arbeiter mehr, als bei der^gewSbnlichen Methode von
zweien erzeugt, und der Sammet eben so rein und hatltbar, aber
Tiel kürzer, gleicher, und sonvt fester als bisher geliefert wird;
auf fünf Jahre, vom aS. August.
919. Johann Wenxel und Anton Basti Tuscani^ Grorsbüad-
Icr in Prag ^ auf ihre Verbesserung, welche i» einer Art tob
FSUsung der Decken und gemeinen Tücher besteht , wornacb die-
selben nicht wie die gewöhnlich gearbeiteten nach dem Verlaste
der Oberhaare und nach Entblöfsu^g der Fäden schnell ange-
griffen , unansehnlich und durch Risse unbrauchbar werden, son-
dern, wie auch derlei Zeuge, immer mit H.iaren bedeckt bleiben,
schneller und billiger geliefert werden, und durch Vermebrang
der Krämpclarbeit den Unterhalt des gemeinen Mannes 'befördern;
auf fünf Jahre , vom 4* September.
943. ^ant Bessettny, gewesener Bauinspektor , wohnhaft in
Trefshurg (beim Reichspalatin) , auf seine Verbesserung, dafs er
zu den bisher aus Stahl und Messing verfertigten , und bei den
Guitarren angewendeten Saitenstimmschrauben folgende Vorrick-
tungcn gleichfalls aus Stahl und Messing hinzufügt, nabmlich:
noch ein Zahnrädehen, einen dahin einfallenden SperrhaSten,
eine den Sperrhaken niederdrückende Feder, eine hohle Acbs«,
und noch eine zweite, durch jene durchgehende Achse , auf wel-
cher eine kleine Spule aufgesre6kt ist, und um welche sich bei
dem Stimmen die Saite aufwickelt, von welchen Vorrichtnojen
man nach Belieben auch blofs die Feder ohne den Sperrbaben
anwenden , und durch welche man bei Guitarren , Violinen und
Violoncellen viel geschwinder, leichter und genauer stimmen
kann, ohne dafs die Schraube jemahls von selbst die Saiten naeb*
läfst; auf fünf Jahre, vom 8. September.
9 14. Bugo Rtiehsgraf zu Sälin ^ k. k. Kämmerer, Besitier
der Herrschaften* Reiti uid Blansko in Mähren^ wohnhaft ia
Reiti* lind Karl Reichenbach ^ Doktor der Weltweisheit, wohn-
haft in Stuttgart^ auf ihre Erfindung: in eigenen /ganz geschlos-
senen , eine Maise von zehn bis einhundert und wiilkürlieb mebr
n. ö. Klafter Holz haltenden Öfen, nicht nur allein so ru verhob-
len, dafs man eben so viele, feste, klingende und glaniendo, au
jedem Hüttengebrauche vorzüglich gute Kohlen erhält, als HoU
dem Malse nach eingelegt wurde, sondern auch die bei d^r ge-
wöhnlichen Meihtoikohlerei ungenutzt entweichenden Produkte der
Verkohlung, als: schweres gekohltes VVasserstoffgas , HoUsaure
und Theer, fest zu halten, und zu yerscbiedeaon , den Kftnitea
635
dienlichen Zwecl&eii * eu ▼erwenclen', oder ku Kaufmanns vraaren*
theils auf eiscene ihnen eiarenthümliche Arten ku verarbeiten , und
ewar die Holzsäure su reiner konzentrirter Essigsäure , und zu
reinem Essig , sowohl zum Medizinal - und Küchengebrauche , aU . «
zu jenem verschiedener Gewerbe^ den Theer aber zu Wagen-
und Zapfenschmiere für Maschinen $ auf fünfzehn Jahre , vom 8.
September. ^ - •
«i5« Joseph Groll^ Bürger und Schlosser meister in Ptf/fA, auf
seine Erfindung, durch eine bisher unbekannte, sich wechselseitig
unterstüt/.ende Anwendung doppeller Wagenfedern die Elastizität
in denselben zweckmäfsig zu erhöhen; auf sechs* Jahre, vom 9.
September.
31 6« Johann GottUeb Leonhmrdtf Mechaniker aus Grimma in
Sachsen , derzeit in i'rag^ (Heinrichsgasse Nr. 9^7) , auf seine Br-
andung einer Pantsch- und Rcinigungsmaschine für Kattunfabri- ^ ^
kanten und Weifsbleicher, ..welche aus Pantschern und Wajzen
besteht, mittelst Gewichten schwer und leicht schlagend und^drük-
kend eingerichtet, durch Wasser, Pferde oder Menschen in Bewe-
gung gesetzt werden kann , und die Wirkung hervorbringt , dafs
sie Kattun , Manchester und Leinwand schneller und besser als
die* bisher bekannten Waschmaschinen und Walken pantscht und
reinigt, da f? die Waare der Länge nach, zu sechs, acht, zehn
und mehreren Stücken durch dieselbe so durchgeht, dafs jeder
Faden seine bestimmten gleichen Schläge, und seinen gleichen
Druck bekommt, und immer hinlängliches Wasser dazu geliefert
wird ; endlich , dafs mit derselben drei , vier und mehrere tausend
böhmische Ellen in einer Stunde gepantscht und gereinigt werden
können ; auf fünf Jahre , vom 9. September.
917. Joseph Benedikt IVithalm^ Baumeister in Gräit (Nr.
1 55) , auf seine Erfindung eines unverbrennlichen Firnisses, des-
sen Gebrai^ch Kleidungen, unbedeckt bleibende Fläehen der Haut,
Feuerleitern und andere bei Feuersgefahren nöthige Geräthe,
Stroh, Leinwand und Papier, gegen das Verbrennen schützt,
und dergestalt wirkte dafs man in einem hölzernen, mit dieser
Mischung bestrichenen Gefabe , Flüssigkeiten kochen kann , ohne
dafs selbes von den Flammen ergriffen wird ; dann zweitens auf
seine Erfindung eines Trocknungs - Firnifslackes , welcher durch
die erforderlichen Vorarbeiten die Eigenschaft erhält, dafs er
inner der Mittellinie der Mauerdicke die Feuchtigkeit abwärts
zieht, jede wie immer geartete nasse Wand für immer austrock-
net , und dafs man durch Anwendung desselben ganze Fassaden
der Häuser, steinerne Säulen, Figuren, Pfeilerplatten und Fen-
stereinfassungen mit geschmackvollen , dem Einflüsse der Witte-
rung widerstehenden Farben glänzend überziehen kann; auf fünf
Jahre, vom i6. September.
9i8. Aloys Freiherr von KSnigsbrunn in Ge\ätz (Herrngasse
jVr. 193), auf seine Entdeckung und Verbesserung: mit Ersparung
an Brennstoff, Handarbeit und beinahe einDritttheil des gewöhnlichen
636
Hopfenbedarfes verschiedene ^ alle andern gewöhnlichen an Güte
und Haltbarkeit übertreffende Biergattungen billiger sa erseuip;
auf fonf Jahre y vom i5. September.
ai9. Joieph Herbst^ bürgerlicher Tischlermeister in W'un
(Vorstadt Wieden Nr, 469) , auf seine Entdeckung einer Kocb-
imd Heitzmaschine, welche darin besteht: i)dars die ganse durcli
das Feuer hervorgebrachte Wärme so verwahret und benütft
wird, dafs man den Wärmestoff ohne einen Verlast nach jeder
Richtung hiniciten kann ; 1) dals man mit der Maschine kochen,
braten und suglcich die Zimmer heitzen kann , wobei zwei Drittel
bis drei Viertel an Holz und sonstigen Brennmaterialien enoirt,
und die irdenen Kochgeschirre voraem Zerspringen grofstenUieils
geschützt werden; endlich S) da& sich die drei Gattungen der
fraglichen Maschine für die Küchen und fär die Zimmer so an-
wenden lassen, um damit auch im Zimmer zu kochen, ohne (Uh
die Speisen den Geruch verbreiten, da der Dunst durch eine
eigene Vorrichtung abgetheilt wird, was also die gewöhnliches
Küchen und Öfen entbehrlich macht, weil ein Kamin zum Hoeheo,
und der durch die Maschine in das Zimmer geleitete Wirmeitoff
sum Erwärmen der Zimmer hinreicht; auf fünf Jahre, vom i6>
September,
aao. Aiichasi JBjutiur^ Handlungsdiener in WUn (Vorstadt
an^ der Wien Nr. 4?)* ^uf seine Verbesserung einer Nägelenca-
gungsmaschine , welche 1) mit der Hälfte der 'gewöhnlichen Ko-
sten sehr schnell und vortheilhaft hergestellt werden kann, ni»
sehr wenigen Beparaturen unterliegt ; a) ihrer zweckmäCBigenEia-
richtung wegen mit einer kleinen Veränderung auf zweierlei ir^
au gebrauchen ist; 3) durch Anbringung einer Einschubplattet
eines Druckhebels darüber ,. einer Kurbel und einer unterUofe»-
den Zugstange, sehr schnell in Stillstand und auch gleich wieder
in Gang gebracht werden kann ( und 4) ^^ Vortheile gewährt,
dafs die Vorrichtung und Fabrikation selbst schnell vor sich gebtt
letztere ohne Feuer Statt findet, dadurch sehr viel au Brennstoff
erspart , und den Nägeln , von welchen nicht so leicht eine Spal'
tung des Holzes zu besorgen ist, Beinheit, Güte und Zwechmas-
•igkeit verschafft wird) auf fünf Jahre , vom t6. September.
Sil. Front Girardony^ Fabriksgesellschafter in OhenodtfJ^
dorf Nr. 44 9 auf seine Verbesserung der Wattertwist • Msschine,
welche sich mit gleichem Vortheile auch an der Baumwollwutiel-
oder Laternmascbine anwenden läfst , und darin besteht, dafs der
Faden, statt mit den gewöhnlichen Flügeln, mittelst Glocken und
einer Vorrichtung der Spule ungestört von aller äuCsern Einwi^
kung ruhig und ordentlich aufgewickelt werden kann , wenn die
Maschine auch im schnellsten Laufe ist, wodurch nicht nur <ia<
Aufwickeln des Fadens befördert, sondern auch das Ahreirscn
desselben verhindert wird) auf fünf Jahre, voA 16. September.
2S2. Anion Raiiur Cfenh^im^ wohnhaft in WUm (Stadt
Nr. 11 52), auf seine Erfindung einer neuen Gattung geschlossener
637
Fracht- oder Lastwagen , welcHe darin bestellt: i) daüs ein sol-
cher Wagen, vi^enn er auch nur auf zwei Rädern ruht, dennoch
eine bewegliche Deichsel hat, welche das Umdrehen in engen
Strafsen erleichtert: a) dafs er, ohne eine andere Richtung zu
erhalten, und ohne einen Ablader zu bedürfen, ausgeleert werden
kann ; 3) dafs ein und derselbe Wagen ohne besondere Vorrich*
tung genau für jede gewöhnliche Quantität einer Waare pafst,
die nach kubischem Mafse verkauft wird , und demnach selbst als
ein bestimmtes Mafs dafür anzusehen ist ; 4) dafs die Achsen und
Rader desselben auf eine Art eingerichtet sind, wodurch ein
Pferd fast das Doppolte der Ladung gewöhnlicher Wägen liehen
kann ; 5) dafs , wenn ^ie Räder und Achsen einmahl gehoris mit
Öhl geschmiert sind, sie auch bei einem täglichen Gebrauche aureh
sehr lange Zeit nicht mehr geschmiert su werden brauchen;
6) dats dieselben sehr vor dem Eindringen des Staubes gesichert
sind; »f) dafs kein Verlust eines Radnagels oder einer Schraube,
mithin kein Abfallen des Rades selbst zu befurcliten ist; und 8)
dafs die Achsen und Räder für alle Gattungeh Wagen und Equipa-
gen anwendbar sind; auf fünf Jahre, vom 33. September. /
233. Nikolaus Werner ^ bürgerlicher Hutmacher in Wien
(Vorstadt Laimer übe Nr. II 8), auf seine Erfindung: Damenhüte
aus Seidenfelbel von verschiedenen FarJ^en auf einer von ihm er-
fundenen , bisher noch nicht verwendeten , und in Verbindung
mit d«m Seidenfelbel gleichsam, einen Filz bildenden , wasserdich-
ten Unterlage zu verfertigen, welche Hüte sehr leicht und ela-
stisch, nach einem Drucke mit geringer Mühe wieder zu formen,
von langer Dauer und sehr wohlfeil sind; auf fünf Jahre, vom
a3« September.
924- Lorenz Sehaller ^ Shawls • Fabrikant in fVien (Vorstadt
Gumpendorf Nr. 9i6), auf seine Entdeckung , mittelst eines eigens
eingerichteten Stuhles , ein , mit einbroschirten Blumen versehenes
Dünntuch, oder spitzenartiges Gewebe für Shawls,^ Kleider und
Tücher jeder Gröfse, aus jedem tauglichen StoiFe zu erzeugen,
wobei i) blofs durch Veränderung der Anschnürung, das heifst,
der Verbindung der Schämel mit den Schäften, dem mittelst
Ferlköpfen gewebten Grunde die gröfste Mannigfaltigkeit gegeben,
und auf einem einzigen , einmahl vorgerichteten Stuhle eine grofse
Anzahl von Mustern ersielt; a) in das Dünntuch oder in den
Spitzengrund broschirt, und somit jede Gattung von Figuren,
Blumen etc. unmittelbar hineingebracht, endlich 3) dieses Bro-
schiren auch auf mitten in den Spitz eingewebten Stellen von
leinwanctartigem oder Atlafsgrund vorgenommen werden kann ,
auf fünf Jahre , vom 93. September*
ai5. FrafU Höpfner^ Doktor der Medizin in Wien (3tadc
Nr. 691), auf seine Erfindung einer Maschine, welche darin be-
steht, dafs die zusammengeprefste , nach Öffnung eines Hahnes
frei gewordene Luf^ , durcn ein kurzes , mittelst zweier unterge-
stellter Öhllichter, glühend heils erhaltenes Rohr strömt, sich
erhitsC| und vermöge- ihrer Expansivkraft, durch einen eigenen
64o
• • •
bemerkt wird ; 8) dafs die Öfen , wenn der Schornstein nicbt
ganz fehlerhaft angebracht ist, auch bei widrigem Winde nicht
rauchen : 9) dafs nie äufsern Theile der Öfen höchstens lauwam,
mithin die Anfühlenden nicht beschädiget werden; 10) dafs man
'eben die aulsem Theile diesem Öfen für Kasernen, Fabrikea,
Spitäler etc. von Zieeclraauer mit Bisen verbunden , cum Kochep
im Zimmer und sum Heitzen Ton aufsen einrichten hana, ohne
Tor einigen Jahren einer Reparatur zu benothigen; endlich 11)
dafs man nach dem. Muster der fraglichen Öfen schon vorhandene
eiserne Öfen mit geringen Kosten , Jedoch ohne die Erzielung des
bedeutenden Holzersparnisses , verbessern kann ; auf fünf Jahre,
vom so. Oktober.
■
a33. Franz Dolei , -Negoziant , wohnhaft in Verona (Strafse
Sta. Anastofia Nr.* i3o3), auf seine Verbesserung, 'mittelst einer
Maschine die Zweige und Blätter des Färbersumachs {Rhut eoria-
riaj ^ die in der Gärberei und Färberei gebraucht werden, zu-
gleich zu zermalmen und zu pulverisiren ; auf fünfzehn Jahre,
vom 11. Oktober.
a34« Georg Orrigoni^ aus Genua ^ auf seine Verbes^emng
des Verfahrens, das Stroh zur Erzeugung des Papiers zu bereiten,
welche Verbesseruns in der Anwendung des Kalkes l>hne Gebrauch
der Pottasche bestent; auf zehn Jahre, vom ai. Oktober.
a35. Aloyi Joiepk Sartori ^ Inhaber der k.k. Metall wuren-
und Maschinenfabrik in Neuhirtenberg bei St, Veit ^ an der TVv-
sting^ wohnhaft in Wien (Stadt Nr. 1059), auf seine Entdeckung:
durch geeignete Vorrichtung Stab-, Keif-, Wannen-, Gitter- uni
Rundetsen, statt durch das bisher gebräuchliche Aushammerm
durch A.uswa1zen zu erzeugen , wobei das Erwärmen in besonder!
hergerichteten Öfen mit Steinkohlen geschieht; auf fiinf Jahre,
vom ai. Oktober.
a36. Antonia Zebitsch^ Strohhut - Fabrikantin in Wien (Tor
Stadt Wieden Nr. a6a) ^ auf ihre Erfindung , aus in - und auslas-
dischen Stoffen eine neue Gattung von Männer-, Frauen- und Hin*
derhüten und Kappen zu verfertigen , welche alle bisher behann*
ten an Dauerhaft! ekeit und Leichtigkeit übertreffen, im Preise
für alle Stände billig sind, eine grofse Ersparun£ erzwecken, jede
beliebige Form und Farbe annehmen , die Ausdünstung des Ko*
Sfes nicht hemmen , die Steife entbehrlich^ machen , und durch
ie Feuchtigkeit eine gröfsere Festigkeit erreichen , wobei noch
zu bemerken ist, dafs man aus dem fraflichen Fabrikate insbe-
sondere eine vortheilhaf^e und zweckmäisige Kopfbedeckung für
das Militär, wie auch das sogenannte Patentzeuc, und zwar von
jeder beliebigen Breite liefern kann; auf fUnf Jahre, vom si.
Oktober.
937. Andreoi Garnier ^ Hiitmacher aus fyon^ derzeit ii
IFi>/i (Vorstadt Windmühle Nr. ^) wohnhaft, auf seine Erfta-
düng: durch Anwendung eigener, von den bisherigen yerschiede-
. 64i
ner Mittel (Beagentien) bei der Hutftibrikatlou das Scheren der
Ilasenbälge ganz ku vermeiden, dadurch die Arbeit um neun Zehn-
tel zu vermindern, und sugleicfa die den Hut verunstaltendea
Grundhaare viel leichter su beseitigen , ferner die Haare viel
besser und leichter zu. fil/.on und zu walken , wodurch der Hut
auch längere Haare behält , endlich die Färbung bedeutend zu be^
schleunigen, und die Farbe schwärzer und glänzender zu geben |
auf fünf Jahre, vom 21. Oktober.
938. Anton Benkert un^ Johann Knetaurek in IVien (Stadt
Nr. io63),auf ihre Erfindung einer neuen Gattung von Luftpressen,
welche darin besteht , dafs durch die Luftverdiinnung oder Luft-
entleerung ein^ mit der Luftpresse verbundenen GeUifses, ohne
den Gebrauch einer Wasser - oder Luftpumpe , ein jeder Extract
aus Früchten , Blättern , Hölzern , Binden , Wurzeln etc. von be?
liebigem Grade der Konzentration mit leichter Mühe erhalten,
jede trübe Flüssigkeit ohne Unterlage von Filz, Löschpapier,
Leinwand etc. schnell klar filtrirt ; übrigens die Luf^presse auch
zur schnellen Austrocknung feuchter Substanzen , als s. B. feuchi*
ter Stärke , feuchter und nasser Salze , nach ihrer Trennung von
der Mutterlauge , vortheilhaft angewendet wesden kann ^ auf fünf ,
Jahre,' vom 28. Oktober.
339. Joseph Lahner und Fran% Mächtig Ge1bgie(^er in Wien
(Vorstadt Mariahilf Nr. 16), auf ihre Verbesserung, verschiedene
Waaren von englisch plattirtem Kupfer und Tombak, als Trinkbe-
cher, KafFehgeschirre , Leuchter von allen Gattungen etc. auf
eine bessere, und fünf Mahl schnellere Art, als bisher, zu verfer«
tigen ^ auf fünf Jahre , vom 28. Oktober.
940« Franz OrumüUer und Contp,^ Maschinenzeichner In (Vien
(Vorstadt Landstrafse Nr. 3o6) , auf ihre Erfindung, von drei ver?
schiedenen, mit einem verschlossenen, halb glühend gemachten»
Stahle verseheneif Zangen, und einer dazu gehörigen Rolle, mit
welcher bei der Putzwäsche, ohne die geringste Beschädigung der^
selben, Falten aller Art, schnell, schon, gleichförmig und dauer-p
haffc gelegt werden können, und welche Be^uisiten eine schöne
und bequeme Form haben 9 lange dauern , keiner Beparatur be?
dürfen , und um einen geringen Preis anzuschaffen sind ; auf eii|
Jahr, vom s8. Oktober«
241* Siegmund Bergamenier ^ Destillateur und befugter Li^
queur- und Bosoglio- Erzeuger in Wien (Vorstadt Landstrafse
Nr. 9), auf seine Verbesserung: aus gemeinem Branntwein eine
dem Geschmaeke und Grade des Jamaika -.Bhumes ähnlich kom*
mende Zucker -'Rhnmari zu erzeugen; auf fünf Jahre, vom 38f
Oktober^
«4<» Bmil Magnan , Handelsmann In Pe^rii (Gasse Verneuil
Nr. 99), gegenwärtig in Wien bei Fries et Comp,^ auf seine En^
deckung einer exzentrischen hin- und hergängigen Tuchschere
oder Tachschermaschine , mit Pendelbe vregung , wo das Prin-
J«krb. 4«t poljjTt. luvt, IV, B4. /^i
642 ,
sip einer oder mehrerer Hauptschneiden in einer oder mehreren
scorägen Klingen auf einer Achse besteht, deren dorch den H^
chanismus der Maschine bewirkte Pendelbewegung im Hin- and
Hergehen der Maschine durch ihre Bewegung mit zwei gertden
und parallel ari ihre Achse angebrachten und eegen einander ge-
richteten Klingen cum Schneiden bringt, welches Prinsip der
Schneiden sich auch zum Scheren Ton Zeugen , nach was immer
für einer Lage , nach der Länge, Quere und Diagonale anwenden
lädt ; auf fünfzehn Jahre , vom 3. November.
343* Frofu Ceregetti , bürgerlicher Mahler und chemisclier
Farben - Fabrikant in Wien (Vorstadt neue Wieden Nr. 5 16), anf
aeine Erfindung eines chemisch zusammengesetzten Firnissei,
durch welchen jede feuchte Wand ausgetrocknet und trocken e^
halten, dann der Salpeter da, wo er sich schon vorfindet, weg*
Seschafft, und dessen fernere Erzeugung gänzlich gehindert we^
en kann ; auf fänf Jahre , vom 3. November«
«44* Alexmnder Biüaudety Invaliden - Fourier in KanÜMSh
tkal^ bei Prag^ auf seine Verbesserung im Destill iren der Brannt-
weine und Geister, wodurch auf eine eans einfache Art Brena*
Stoff und Zeit erspart , . der mit gewöhnlichen Zubereitungen erst
durch zwei bis sechs Mahl wiederhohlte Abziebungen zu tTvt
lende Grad der Stärke nach einer einzigen Heitzung erhalten, und
bewirkt wird , dafs , wenn man aus Malz , Kartoffeln oder snden
dergleicher Substanzen destilliren will , die gährenden Theile sich
weder verunreinigen, noch verbrennen, noch mit den geistigo
Theilcn vermengen; auf fünf Jahre, vom 3. November,
a45. Vituen% Strnadt^ Branntweinbrenner in Wien (Breitef*
feld Nr> 4^) 9 <^uf seine Verbesserung , mittelst eines eigenen Appa-
rates, aus einem Branntweine von 18 Graden durch eine e'uai^
Ueberziehung. einen Branntwein von 35 bis 38 Graden zu erhalten,
wobei eine zweite Rektifizirung vermieden , Holz • und Arbeiter-
spamifs ^rzweckt , und wegen der vorzüglichen Reinheit des Pro*
duktes , Essig und Liqueur der feinsten Gattung, wie auch Brannt-
wein von niederem Grade ohne Fusel geschmack erzeugt werden
kann ; auf fünf Jahre , vom 3. November,
a46. Fram Stffger^ Weifsgärbermeister in Kirekherg ^
Wagram j auf seine Verbesserung in Bearbeitung der rauben
Felle, womach diese dem Verderbnisse durch die Motten ebenso
wenig, als die nach der bisherigen Methode der Weifsgarber l>ea^
beitetcn Felle ausgesetzt, zugleich aber etwas wohlfeiler, mehr
zügig ; mild und Viel dauerhafter sind « dann vor den durch die
liürschner bearbeiteten- Fellen gleichfalls durch weit gröfsere Dauer
haftigkeit , und durch die gänsliche Beseitigung des üblen 0^
ruches, sich auszeichnen; auf fünf Jahre, vom ii. November.
947. Mathias ßlßUer^ bürgerlicher Instrumentenmacher und
Hausinhaber in Wien (Vorstadt Leopoldstadt Nr. 5o2>, und /oA^ns
GottUeb Sockel, bürgerlicher Tischlermeister in Wien (Yorsudt
643
Leopoldstadt Nr. 601) , auf ihre Erfindung eines Flofsen - Wasser-
rades f welches in jedem Flusse unter dem Wasser , so wie je-*
des Schilfmühl - Wasserrad auf dem Wasser , die gröfste Kraft
ausübt, und folgende Eigenschaften besitst : 1) d^fs es sehr
schnell umgeht, also die Werke gans einfach ohne alle Ueberset-
simg der Räder betreiben kann ; 1) dafs es nur ein Schiff oder
Flols braucht, mit welchem man in beliebiger Richtung fahren
kann, um damit su arbeiten, wefshalb es besonders bei Schlag-
wefken, und überhaupt bei dem Wasserbaue sehr vortheilhaft an-
zuwenden ist ; 3) dafs das Werkhaus oder die Mühle auf dem fe- .
sten Lande stehen , das Rad aber in willkürlicher Entfernung so-
§ar unter dem Eise fortarbeiten kann; 4) ^^^* ^^^ Leitung des Ra-
cs sehr ceringe Kosten verursacht , und dabei durch ganze Par-
tien Scbeiterholz oder Eisstücke, da sich diese nicht Terhangen
können, kein Stillstand eintritt, endlich 5) dafs das fragliche Aad
auch noch besonders als Ruder bei Schiffen anzubringen ist , um
damit sehr leicht gegen das Wasser zu arbeiten ; auf fünf Jahre,
vom 11. November.
a48. Frafu Remolt , bürgerlicher Kesselschmied und Mecha-
niker in Pestky auf seine Erfindung, eines neuen Rranntweinbren-
nerei - Apparates , welche darin besteht: 1), dafs dieser Apparat
aus der Maische sehr schnell und leicht, und mit grofser Holzcr-
spamifs einen sehr angenehmen fusel freien Rranntwein, oder nach
Beigebung der nöthigen Ingredienzen , einen sehr guten und star-
ken Liqueur, sehr kalt und immer gleichförmig abfliefsen läfst ;
a) dafs in einem mit 25 oder 3o Eimern Maische gefüllten Kessel
der darin enthaltene Geist binnen zwei Stunden , oder zwei Stun-
den und einer Viertelstunde vollkommen und bequem entwickelt
wird; 3) dafs der Kessel das Steigen der Maische von aufscn be-
merkbar macht , und dafs die übergestiegene Maische etwas abge-
kühlt, von .selbst in den Kessel zurücktritt, durch welches Zu-
rücktreten in die Blase grofsem Schaden, und jeder Verzögerung
der Destillation vorgebeugt wird; 4) dafs bei dem fraglichen Ap-
Sarate die Gefahr des Anbrennens beseitigt , und derselbe von je-
em des Geschäftes kundigen Individuum leicht zu behandeln ist ;
5) dafs der Apparat blofs durch die Heitzung des Kessels ohne
alle Nebenheitzung, oder ein Wasserbad seine Wirkung hervor-
bringt; 6) dafs derselbe, wenn er ohne irgend eine Veranderuns
in seiner Einrichtung mit zwei durch Röhren verbundene Kessel
gebraucht wird , mit dem für einen Kessel nöthifen Feuer , und
ohne sonstige Kosten das Doppelte erzeugt j endlich '7) dafs er
durchaus , selbst in dem Kühlrohre , sehr rein und sehr gut ver-
zinnt ist; auf fünf Jahre, vom 11. November.
349> Joseph Bodenstein , privilegirter Geistbrenner» und Ge»
org BodensUiny Bürger, beide in W'ien (Vorstadt Margar^then
Nr. 44) 9 ^^^ ibre Erfindung , aus Knochen , welche zu keinem,
wie immer gearteten Gebrauche mehr geeignet sind, einen Leim
zu erzeugen, der den gewöhnlichen Leder- oder Tischlerleim an
Haltbarkeit, Ergiebigkeit und Wohlfeilheit weit übertrifft, wegen
seiner Weifse und Reinheit das Gummi vollkommen ersetzt, we-
4i*
644
det bei der tlrBeugmig iiock bei dem Gebtauclie einen unangeneli*
nen Geruch verursacut , und daher hierzu keine besondere Vor«
richtung und hein besonderes Lokale erfordert, endlich regender
Gleichartigkeit seiner Bestandtheile in die su verbindenden Geg^*
stände tief und schnell eindringt , und sehr geschwind trocknet,
wodurch an Arbeitslohn und Zeit erspart wird; auf fünf Jahre,
▼om i8k November.
i5o. PideUi Schmidt^ privilegirter Essigfabrikant in Wuu
(Vorstadt Gumpendorf Nr. 71) , auf seine Verbcascrung, aus ia-
ländischen Produkten mit Ersparung an Zucker einen gegen den
gewöhnlichen um die Hälfte wohlfeileren, der Gesundheit weit
Euträglicheren Weinpunach zu erzeugen; auf fünf Jahre, votn i&
November.
' s5i. Karl Ludwig MäUeTs Privatsekretar, xmd iohmnn KiM,
befugter Silberarbeiter, beide in Wien (Stadt Nr. io63) , aufikre
Erfindung von Federn, mit denen man vermöge einer neuen Vor-
richtung ohne Eintauchen in die Tinte viele Stunden schreihei,
und welche man mit Tinte gefüllt, stets bei sich tragen kann, auf
drei Jahre, vom i5. Novemben '
1^5). KoHrad Pabitzkx, Chemikerin Wien (Brettenfeld Kr.
99) n auf seine Erfindung einer sehr schwarzen und glänscndefl,
nicht abiiirbenden Wichse, welche das zu Schuhen, Stiefeln und
Biemcn bestimmte Leder , wenn dieses anders gehörig bearbeitet,
und nicht etwa in der Gärberei oder sonst zweckwidrig bebaadeu
wurde, wasserdicht und geschmeidigv macht , und wobei man s<tf
Erhöhung der ersteren Eigenschaft für das Leder überhaunt m
zur Erzielung derselben für die Sohle duch eine gleichfalls ^^
PabiUkjr erfundene öhlige Flüssigkeit anwenden kann ; auf füv
Jahre, vom a5. November.
i53. igna% Mayer ^ au« JCanitcha in Ungarn ^ g^S^"^'!!'^
in Wien (Vorstadt Jägerzeil Nr. 527) wohnhaft , auf seine Erfin-
dung mechanischer 'Pulte, wo die ^Notenblätter durch einen Schlag
mit dem Finger ^ oder auch^nach Umständen durch einen Drvc>
mit dem Fufse aufserordentlich geschwind umgewendet ^^^^^
k6nncn, welche Erfindung sich von der unterm 9. Juli 1821 (P^*!]!^
Nr. 49, Jahrbücher, Band 3. S. 507) privilegirten ähnlichen £^
düng des Joseph Böhm^ nicht nur durch die Wesenheit desM^
chanismus, sondern auch durch Einfachheit, Ersparnifs von wenig-
stens So Prozent , Schnelligkeit der W irkung , Leichti^l"^'^ de'
Vorrichtung , und sehr leichte , wenig kostspielige Anwendbarkeit
auf schon vorhandene Pulte unterscheidet; auf sehn Jahre« vom
%B, November.
. ^54. '^•nton Senkert^ und Joseph Kneiaurek^ beide in ^'^^
I (Stadt Nr. io63), auf ihre Erfindung elastischer BetUtatten, d^
i ren Gebrauch viele Bequemlichkeiten in sich vereinigt , und ^^^^
elastische Vorrichtung sich auch an jede fertige BetuUtte 9^^^
^n läfstj auf fUnf Jahre, vom a5. November.
645
a55. William Molene^ aus England^ geeenwärtig in Fiume
domicili^nd, auf seine Erfindung, die Garberl oho aus Eichen-
rinde odfr anderen hierzu gewöhnlich verwendeten vegetabilischen
SuDstansen zu einem festen Extrakte zu bereiten, damit derselbe
leichter verfuhrt, und sowohl zur Aufbewahrung als zur schnel-
leren Manipulation bei der Gärberei geeigneter gemacht wird;
auf fiinf Jahre , vom 35. Nevember.
356. August Bertkold^ landesbefugter Lachir - Blechi^aaren-
Fabriliant und Hausinhaber in Währing^ auf seine Erfindung ei-
ner gläsernen HalTehbrennmaschine, welche darin besteht: t) dafs
man mit weniger Kaifeh als gewöhnlich, ein stärkeres und schmack-
hafteres Getränk erhält; 3) dafs man ohne Eröffnung der Maschine
wahrnehmen kann , wann der BalTeh genug gebrannt ist ; 3) dafs
bei dem Verschlossenbleiben dep'Maschine während des Brennens
das Verrauchen des Kaffehs vermieden , und nur der Anfangs aus
demselben entweichende widrige Erdgeruch durch einen Hann an
der Halsmitnduns durchgelassen wird; 4) ^^^^ t^^n den völlig ge-
brannten Kaifeh in der verschlossenen Maschine erkalten lassen,
und hierdurch sein Aroma bewahren kann; endlich 5) dafs der
als Dunst durch den Hahn gehende Erdgeruch durch eine^ Ansteck«
.röhre, woran ein Hühlapparat angebracht ist, in eine tropfbare
Flüssigkeit umgewandelt, und aus dieser durch Destillation KaiFeh«
geist oder Öhl ausgezogen werden kann ; auf fünf Jahre , vom 35.
November.
357. Michael SpSrlin und Heinrich Rahn, k. k. Hof* und
privilegirte Papier - Tapeten • Fabrikanten in JVien (Vorstadt
Gumpcndorf Nr. 390) , auf ihre Erfindung , welche darin besteht :
1) unter der Benennung IrJs • Tapeten*, eine bisher unbekanule
Gattung Papier -Tapeten ru verfertigen, deren Grundlage aus drei,
vier, auch mehreren verschiedenen Farbenstreifen besteht, die
auf einmahl aufgetragen, und so in einander verstshmolzen wer-
den,-dafs dadurch die täuschendste, bisher unerreichbare, Nachah-
mung der zart nüancirten seidenen' Stoffe bewirkt wird; 3) sowohl
zur. Verfertigung dieser Irisc als auch der einfarbigen glatten Ta-
peten eine Maschine anzuwenden , mittelst welcher das Auftragen
und Vertreiben der Grundfarbe durch blofscs * Umdrehen einer
Kurbel weit vollkommener als aus freier Hand Statt findet; auf
fünf Jahre, vom 1. Dezember.
358. Joseph Zieh^ Bürger in Weitra (in Niederösterreich)
und Glasmeister in der k. k. privilegirten Glasfabrik in Schwuarutu^
auf seine Erfindung, welche darin besteht: 1) den Salzpfannen-
kem , das schwefelsaure Kali (Arcanum dupücatum) und den
Seifensieder - Laugenflufs als Schmelzmittel zur Glaserzeugung zu
gebrauchen ; 3) aus dem Salzpfannenkem , so wie aus dem gemei-
nen Kochsalze eine verbesserte Gattung roher Soda zu bereiten,
die bei ihrer Anwendung zur Erzeugung des grünen Glases die
raffinirten Soda -Sorten nicht allein ersetzen kann, sondern zu-
gleich auch die Glasmasse beträchtlich vermehrt, dabei das soge-
nannte Abschmelzen onnötbig macht , und ausgelaugt zu den tei-
646
neren Glaasorten anwendbar ist; 3) jede Art Fottascbe durch
eine höher Oxydirung un4 eine einfache Ahscbeidung ihrer Be-
standtheile, welche im Glase einen eelblichen, grüne», bUuea
und durchaus gemischten Stich hervornringen , zur Erseugiuig ei-
nes farblosen , * gegen das gewöhnliche Glas viel durchsichtigeren,
und Eum Schleifen weniger harten Glases dergestalt vorsubereiUSi
dafs es in der Regel gar keines und nur in gewissen Fallen ebes
sehr geringen Zusatses der sonstigen Entßlrbungsmittel hedarf;
auf fünf Janre, Tom i. Deaember«
a5$. Stephan Mayerhrfer^ k.k. Hof- und privilegirter PUt-
tirwaaren - Fabrikant in Wien (Praterstrafse Nr. 5oo , Niederlage
in der Stadt Nr. 3) 9 auf seine Verbesserung , welche dsria be-
steht: 1) alle Gattungen Silbergeschirre nach dem neuesten engli-
schen und französischen Geschmacke Ton dem kleinsten bis ivm
gröfsten Service zu verfertigen , welche vor den aus freier Hand
verfertigten , in Ansehung der Reinheit, der Rcseitigung des über-
flüssigen Gewichts , der Geschwindigkeit im Arbeiten , und der
Ersparung von einem Drittel , und bei einigen Artikeln von der
Hälfte des Arbeitslohnes , den Vorzug ver£enen i a) die LicM-
scheren von Eisen und Stahl mit gewalztem Silber echt engliKi
und dauerhaft -zu plattiren , eben so Fisch - und Tortenmessen
Tafelroesserschalen , Spargelzangen, drei und viersackige fnnaöii'
sehe Gabeln, auf die obige Art, weit besser als die englischem
von plattirtem Kupfer zu verfertigen ; endlich 3) eine Gattungso*
wohl mit Gold und Silber englisch plattirtor als aus anderen Hr-
tallen zusammengesetzter englischer Fahrpeitschen, mit zwei, dreii
vier» fünf und mehreren Zügen zu liefern, welchen man jede be-
liebige Länge geben kann; auf zehn Jahre, vom 1. Dezember.
a6o. Vin%en% Strnadt^ Ökonom in Wien (Rreitenfeld Nr. H
auf seine Verbesserung des Rranntw einbrennerei • Apparates , vre!
che darin besteht: 1) dafs sie sowohl bei dem gewöhnlichen Feuert
als auch bei allen Arten der Dampfbranntwcinbrennerei Anweo«
düng findet ; 9) dafs man durch dieselbe auf dem nähmlicben ip*
parate einen achtzehngradigen Rranntwein aus der Maische bren-
nen, und zugleich mittelst einer sehr einfachen, nicht kostspieli*
gen, während und nach dem Ablaufe der Maische ohne Störung
innen sechs Minuten zu bewirkenden Änderung des Apparstet,
bei einem sehr geringen Feuer, nach Belieben einen a5, 3oy3^
und 4ogradigen Geist ohne weitere Mischung , und mit Beseiti*
Sung des destillirten Wassers erhalten kann> 3) dals dem Dsmpi'
essel das durch den Dampf verlorne Wasser auf die schnellste
und einfachste Art wieder verschafft , das Kühlwasser durch eine,
das Absprengen der Helm^ vermeidende Vorsicht ersetzt ^ und
das Produkt bei dem Auslaufe durchweine besondere Vorrichtung
ohne den mindesten Verlust an Quantität oder Qualität, aufge-
fangen wird; endlich 4) dafs man aus dem achtzehngradigen
Branntwein selbst ohne Feuer auf trockenem Wege ein E^scugn»*
bis zu 40 Graden liefern kann, und dafs bei allen diesen Verrich-
tungen überhaupt die gröfste Erspamifs an Holz , Arbeit und lio*
sten erswecktist; auf zwei Jahre, vom 1. Dezember,
647
26 1. C. G. Hornbosiel^ landesbeftigter Seidenseug-Fabri-
liant in Wien (Vorstadt Gumpendorf Nr. 169) 9 auf seine ^^dung
eines Seidenstoffes, CrSpe ä la chinoise genannt, welcher neu,
lind von allen bisber hier erzeugten Seidenstoffen gans Terscbieden
ist, und sich sowohl glatt als gemustert zu Damenkleidem und
TUchem jeder Grobe eignet; auf fünf Jahre, Tom 9. Dezember.
36a. Jakob Schober^ in Wien (Vorstadt neue Wieden Nr. 3i«),
auf seine Erfindung: aus inländischen Produkten 1) diis sogenannte
Schüttgelb zu erzeugen , welches in der Qualität dem holländi-
schen ganz gleich kommt, und das hier aus ausländischen Pro*
dukten erzeugte an Schönheit und Feuer weit übertrifft, und
wohlfeiler als dasselbe ist ; 3) Saftgrün zu erzeugen , welches
nicht wie das ausländische in Blasen, sondern in freier Luft ge-
trocknet, mithin ohne Tara geliefert wird, beim Gebrauche zum
Zimmermahlen die Wände nicht verdirbt, indem es beim' Über-
tünchen keine Spur zurückläfst, und für die Druckfabriken sehr
vortheilhaft ist ; auf fünf Jahre , vom, 9. Dezember.
363. jilois Preikerr von Kdnigibrunn^ in Grät% (Hermgasse
Nr. 193)9 ttnd Doktor Mlart Homershausen zu Aken^ auf ihre £r-
findunc einer Dampfpumpe , welche ohne Stiefel und Kolben mit
einer lediglich auf der Schwerkraft des gehobenen Wassers selbst
beruhenden Steuerung als sehr einfache und wenig kostspielige,
selbst thätige Wasserhebmascbine nicht allein ftir FaSriken, Braue-
reien und Branntweinbrennereien vorzügliche Dienste leistet, son-
dern auch, da sie fahrbar gemacht wei'den kann , bei Wasserbau-
ten, Entwässerungen und besonders zur Begleitung der Feuer-
spritzen , um ihnen das nöthigo Wasser ohne Menschenhände zu-
zuführen, mit grofsem Nutzen anzuwenden ist: auf fünf Jahre,
vom 9. Dezember.
364* Vinienz Hlawa ^ Forstmeister in DatschiU^ auf seine
Erfindung einer Maschine , wodurch 1) von einem Manne imdzwei
Knaben von zehn bis zwölf Jahren in einer Stunde bis sSo Stück
Schindeln geliefert werden; 3) zu dep Schindeln jede Holzgattung,
sie sey hart, weich oder astig, verwendet werden kann ; 3) die dar-
auf verfertigten , beiderseits glatt gehobelten , Schindeln wegei^
ihres sehr genaij^n Einpassens in die Nuthen nicht nur dauerhafter
als die gewöhnlichen sind, sondern auch das damit gedeckte Dach
fester, schöner und gcsen das Eindringen des Regens und Einwehen
des Schnees gesichert ist ; endlich 4X ^^^ Schindeln ihres genauen
Zusammenfügens wegen in beliebiger Länge von 18 bis 36 Zoll,
und in einer Breite von 4 bis 6 Zoll geliefert werden können,
wodurch sich nicht nur an Arbeit, sondern auch an Latten und
Nägeln beim Eindecken, und an Holzmateriale , das sonst ver-
hauen und verdorben wird, viel ersparen läfst; auf fünf Jahre,
vom 9. Dezember.
365. jilois Freiherr von K(fnigsbrunn^ in Grätz (Hermgasse
Nr. 193), und Doktor Elart Romershausen zu Men^ auf ihre Er-
findung einer pneumatischen Maschine, welche in folgenden Ei-
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genschafton Vortheilhalt bu gebraushefi ist ; i) al« Gebliae bei
Schmelz •» und Hiittenwsrkeii j, poit dem Vorsnge der Einfacbbeil,
Dauer« Gleichförmiglieit und leichten Behandlung; a) als Gebläse
für Schmiede und Merallarbeit^r , da nach Erfordemirs der Wind-
Strom vermindert oder verstärket werden kann ; 3) als Ventilator
lur Bergwerke, Lazarethe etc., 'um denselben sowohl airaosphäri*
sehe Luft als auch beliebige Gasarten zuzuführen; 4) als Wasser>
hebiraschine , um das Wasser dujcch ß^i^en oder Kompression zu
beben; 5) als Lothrohr fur^MetalVarbeiterund Glasbläser; 6) als
hydrostatische Luftpumpe ^ .welci)(f alle bis jetzt bekannten Luft-
pumpen an Einfachheit, Dauer und grofser Wirkung weit über-
trifft, indem mit selber die.« torricellische Leere bervoi^ebracht
wird; Und 7) als Knallgasgebläse, .Hnd zwar als die einfachste,
gleichförmigste und sicher^st^ von .der^ vielen bereits bekannten
Vorrichtungen dieser Art; ßvl fünf Jahre« vom. 9. .Dezember.
366. Bernhard Loisel^ Handelsm^mn und Eigenthümer einer
Gälrbemanufaktur in Vfine^ig (Sträfse •de San Nicola da, T^ieatittß
bei St» Klara) ^ ^uf ^eine ßnideckuag des von ihm bereits in
Frankreich ausgeübten , ^nd gegenwärtig auch in der österreichi-
schen Monarchie eingeHilirten yer.fahreps^ die Häute, zu ^;arben,
welches darin besteht: 1) dafs zur Lohe, aufser den Galläpfeln
und der •Fichtenrinde, auch noch andere vegetabilische,, mit. Gär-
bestolFoder einem adstringirenden Prinzipe YCM*iehene.Subataniten
verwendet werden; a) dafs man sich dabei eines eigenen Instru-
mentes, von dep Entdecker Konzinon^tcr (Gärbestoffmeaser) ge-
nannt, bedient, wodurch genau .die Quantität des GärbestolTes,
welche jede vegetabilische Substanz enthält, angezeigt wird, und
wodurch sofort der beabsichtigte Grad der Starke der Lobe be>
stimmt werden kann; S) dafs in deqi Augenblicks, wo die Gär-
bung Statt hat, die Einwirkung der Gallussäure auf 4ie Haute,
welche, wie es anerkannt ist, den Faserstoff der Häute anzugrei-
len vermag, beseitiget; und endlich 4) ^^^ <^er Bückstand der
Lohe zum Schwellen der Häute benutzt wird , indem dergestalt
die Anwendung der Schwefelsäure durch das Angreifen der Textur
der Häute sich nachtheilig zeigt, vermieden wird; auf fiinf Jahre»
vom 9. Dezember. .
«67. Qe^rg Orrigona , Handelsmann aus Genua^ gegenwartig
in Mailand (Strafse Santa Maria Fmlcorina Nr. a543) , auf seine
Erfindung, Papier aus der Pflanze, die unter dem Nahmen Schilf^
palme fPalinai%o lisca, o liscone) bekannt ist, und zur Klasse der
oumpfpalmen gehöret, zu erzeugen ( auf fünf fahret vom 9, I>e»
zeiftber.
s68. Aloit Freiherr von KSnigthrunm^ in Graft (Hermgaese
Nr. 193), und Doktor Elart Romershausen zu Aken , auf ihre Br«
findung eines Apparates, um, 1) jedes beliebige rohe öhl in w^as-
•erhetles geruchloses öhl zu raffiniren; «) auch Fischthran, luid
swar den besseren, zum Verspeisen zu veredeln , den schlechtesten
aber so zu behandeln, dafs er bei Wollspinnereien die trefflicheton
Dienste leistet , indem die harzigen und austrocknenden Beataisd-
6^
theile dor vegetabilischen Öhle/ die Gespinnste beim' Liegen an
cinaiider klebend, hart und gelb machen; 3) Ga^be • und Farbe-
Stoff sehr vortheilhaft su extrahircn ; und 4) alle FlOssigkelten au
fihriren; auf fünf Jahre, vom 9. Dezember. /
369. Anton Surka^ privilegirter Fabrikant chemischer Pro-
dukte und Bräuhauspächtcr in Grofsenit^rsdorf (Niederlage in
Wien Nr. 776) , auf seine Verbesserung , welche darin besteht i
durch dasselbe Verhaltnifs der Malzschüttung und des Hopfenge-
wichtes , wie bei Erzeugung der besten Gattungen des böhmischen
Bieres, ein dieselben übertrelTendes , zu jeder Jahreszeit reines
und haltbares Bier zu erzeugen, welches 1) bei dem Umstände,
dafs es ohne die gerinaste Beimengung fremdartiger Ingredienzien
aus blofsem Gerstenmalz und Hopfen gebraut , und in einer sechs«
tagigen Fermentation erhalten wird, -für schwächliche Menschen
und Bekonvaleszenten ein Stärkungs- und Nahrungsgetränk ist;
9)' auch alle ausländischen Biergattungen übertrifft, und dabei
bedeutend wohlfeiler ist; und 3) ohne alle Beimischung in Plützer
oder gläserne Flaschen gelullt, und in Sand, nach Eigenschaft
des Kellers, ganze Sommermonathe lang auf})0wahrt werden kann^
auf fünfzehn Jahre , vom 9. Deaember.
370. Bernhard Cavallar^ gewesener Handelsmann in tVien
(derzeit in MiSdUng Nr. 93) , auf seine Entdeckung : aus geniefs*
baren Kastanien ein KafFeesurrogat zu erzeugen, welches Termoge
seiner Güte allen bisherigen inländischen Surrogaten vorzuziehco,
sehr wohlfeil , nahrhaft und der Gesundheit zuträglich ist; auf
swei Jahre, vom 9'« Dezember.
371« jP/aifs Anton Ritter von Getstner ^ in Wien (Stadt Nr*
4o3) , auf seine Verbesserung , welche darin besteht : dafs die
Lastwagen auf hölzernen oder metallenen Bahnen , durch Anwen-
dung fester Dampfmaschinen (ßjced steam - engines)^ oder durch
Wasserräder, Gegengewichte oder andere mechanische Vorrich-
tungen mittelst Seilen oder Ketten gezogen werden , wodurch der
Transport der Güter in ebenen , vorzüglich aber in gcbirgigea
Gegenden viel wohlfeiler und schneller bewirkt wird, als es durch
Kanäle, Strafsen oder durch die bisher bekannten Eisenbahnen
(rail ' ttfajrt) geschehen kann, worauf die Wagen mit Pferden oder
beweglichen Dampfmaschinen fortgezogen werden; auf acht Jahre»
vom i6. Dezember *).
«79. Hieronymus Amadea^ Advokat in ComOj auf seine
Erfindung, mittel&t eines leichten und mit wenigen Kosten ver-
bundenen Verfahrens, aus den Gebeinen und hornartigen Abfal-
len des Rindes und anderer Tbicre einen Leim von ausgezeich-
neter Beschaffenheit und in bedeutender Menge , sowohl zum Ge-
*) Hachdtfm FV-ans jtnton Ritter eon Otr^tnef auf diese» ihm ert heilte «cht-
jülkriga Pririlegiuait laat £roffaung dar k« h. rereinigtsfl HoflunsLei rpin
7« April i8s3i freiwillig. Vertittht geltUt't hat , to U% dasselbe ouamtKr
«U erloschtn aniaseheo.
Jahrh^ da» polyt. Inst. IV. Bd. 4^
65o
brauche der Tischler, als der Verfertiger von künstlichen ausge-
legten Holzarbeit^n , und zur Benützung für Papier-, Tuch- iind
andere derlei Manufakturen, aussueiehen ; . auf fünf. Jahre, vom
39. Dezember.
«73. Johann' Anion Freiherr von Sofmemihßl und JohauM
Sandhaai , Uhrmacher in JVi^n (Vorstadt Jägerzeile Nr. i3) « auf
ihre Erfindung einer Hemmung (Echappement\ und eines Kon-
pensations- Pendels zu Uhren, welche Erfindung darin hestebt:
1) dafs die Hemmung statt des Ankers, der Spindel oder des
Zylinders, durch Federn mit Ansätzen bewirkt, in grofsen unil
kleinen Uhren , und bei den besten Chronometern angewendet,
leichter als jede andere verfertiget , dem Gange einer damit Yer-
aehenen Uhr die möglichste Gleichförmigkeit verschafft, derselbe
jederzeit stärker oder schwächer erzielt , und jede Reihung ver
^mieden werden kann; >) dafs das aus einem Stücke Metall oder
einem andern geeigneten Materielle verfertigte Pendel die ^M^
formigen Pendel vollkommen ersetz^; und o) dafs die fraglicbe
Erfindung ganz <{der nach Belieben nur in einem Thei)e, nicbt
btofs bei neuen, sondern gröfstentheils auch bei schon gehraucb«
ten Uhren $ich f^ny^end?!! \^U%} f^uf vier Jahre, vom 19. ]>^
scmber.
374. A. fCaUner^ In Wien (Sx^At Nr. 908) , auf seine Ver
besserung, welche in einem einfachen, schnell wirkenden, boli*
ersparenden, dauerhaften, nicht kostspieligen und wenig Plati
bediirfenden Apparate besteht, mit welchem mit Weglassvng der
Maisch- und Lutterblase, und mehrerer anderer MetallgerSlbe,
bei Einem Feuer und zu gleicher Zeit aus Maische auf einmiU
gleich ganz reiner Spiritus, Branntwein, aromatisch^a Geister,
Liqueurs und Esaig erzeugt werden kann^ auf fünf Jahre, von
39. Desemben
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